Thema:
Bund Belege mit SSt Bonn und R‑Zettel, mit Empfänger, ohne Frankatur
Bund: Bonn 1959 – Sonderstempel mit R‑Zettel, aber ohne Frankatur (gelaufen?)
Hallo zusammen,
ich habe diesen Beleg in einem größeren Konvolut übernommen und werde aus ihm nicht ganz schlau.

Es handelt sich um einen Umschlag aus Bonn, versehen mit einem Sonderstempel „Tag der Vereidigung des Bundespräsidenten – 15.9.1959“, einem weiteren Tagesstempel vom 17.9.1959, einem R‑Zettel Bonn 1, aber ohne jede Frankatur.
Der Umschlag wurde geöffnet, ein Inhalt ist nicht mehr vorhanden. Auf der Rückseite befinden sich keine Stempel oder Vermerke.
Mich wundern vor allem:
Warum ein R‑Zettel, wenn keine Frankatur vorhanden ist?
Warum zwei Stempelabschläge an unterschiedlichen Tagen?
Könnte es sich um einen rein philatelistisch hergestellten Beleg handeln?
Oder gibt es Vergleichsstücke, die auf eine bestimmte Praxis hinweisen?
Vielleicht hat jemand so etwas schon einmal gesehen oder kann die Kombination einordnen.
Ich freue mich über jede Einschätzung.
Viele Grüße Post-Bote
Liebe Freunde,
mit dem geballten Wissen eines grossen Portal sollte es gelingn, mehr Informationen mit dem Ziel einer Auflösung zusammenzutragen.
Wer weiss mehr zum R-Zettel Bonn 1 a oder zur Schliessfachnummer und dem geschwärzten Teil über der Nummer ?
Gibt es ähnliche Belege aus Bonn oder anderen Orten ?
Grüsse aus dem Allgäu, Richard
Für mich sieht das aus wie ein Rücksendeumschlag für sondergestempelte Sendungen (Karten), auf dem lediglich der Postsache-Stempel fehlt. Der Sonderstempel wurde abgeschlagen, aber auch der Tagesstempel des tatsächlichen Absendetages.
War Richard Henning zufällig ein Briefmarkenhändler?
Hallo,
wenn man nach Richard Henning & Co recherchiert, landet man bei einer Firma, die vor dem Krieg zum IG Farben Konzern gehörte. Trotzdem ist der Hinweis auf den Rücksendeumschlag nicht so schlecht. Vielleicht hat sich ja jemand die Sonderstempel-Belege in die Firma schicken lassen.
Viele Grüße
Thomas
So einen Umschlag habe ich in einem halben Jahrhundert Sammeltätigkeit auch noch nicht gesehen.
Ich würde da eigentlich auch einen Stempel POSTSACHE erwarten.
Jetzt ist die große Frage, ob das damals bei diesen Sonderstempelumschlägen so üblich war auf diesen Stempel zu verzichten.
Viele Grüße
Thomas
Womöglich hatte seinerzeit der Postmitarbeiter ja auch gedacht, es handelt sich ja eigentlich nicht um eine "echte" Postsache (eine Sache im posteigenen "Interesse"), sondern es war ein Kundenauftrag. Zumal die Gebühren ja durch die innenliegenden Belege sicherlich mehr als bezahlt waren. Der Oberumschlag nur eine weitere Umhüllung wäre. Auch bei der DBP lief nicht alles immer zu 100,1% normgerecht. Komisch mitdenken konnten auch damalige Beamte, hin und wieder. ;-)
Nur mal so als Idee.
Vielen Dank euch allen für die vielen Rückmeldungen und die verschiedenen Ansätze – das hilft mir wirklich weiter.
Die Theorie eines Rücksendeumschlags für Sonderstempelaufträge erscheint mir inzwischen auch am plausibelsten. Das würde sowohl den fehlenden Postsache‑Stempel als auch die beiden unterschiedlichen Tagesstempel erklären. Der Umschlag wurde so übernommen, wie er ist, der Inhalt fehlt leider.
Dass einige von euch so einen Umschlag noch nie gesehen haben, macht die Sache für mich umso spannender. Vielleicht war diese Form der Rücksendung nur sehr kurz in Gebrauch oder wurde nur in Einzelfällen so gehandhabt.
Beim Durchsehen des Konvoluts ist mir noch ein weiterer Umschlag an dieselbe Firma aufgefallen (siehe Bilder). Dieser ist aus dem Jahr 1955, Express, mit Sondermarken, und auf der Rückseite befindet sich ein Stempel des Frankfurter Telegraphenamts von 1955. Vielleicht hilft dieser Vergleichsbeleg dabei, die Rolle der Firma oder die damalige Postpraxis etwas besser einzuordnen.

Falls jemand ähnliche Stücke aus Bonn oder anderen Orten kennt, wäre ein Vergleich natürlich sehr hilfreich.
Nochmals vielen Dank für eure Einschätzungen!
Viele Grüße Post-Bote
Hallo Post-Bote,
durch die zusätzlichen Informationen konnte ich nun folgendes finden:
zum Hersteller Henning kann ich was sagen: Die Firma wurde 1908 von Richard Henning und Ernst Schmittmann gegründet im Frankfurt / M. Jahnstr. Umzug 1924 in die Mainzer Landstr. Kamera-Marke Rhaco.
1948 übernahm Ernst Schmittmann allein die Firma.
Quelle: Helmut Thiele, "Die deutsche Photoindustrie, Wer war Wer?"
gefunden in Blende-und-Zeit-Forum, wo es um historische Fotoapparate geht.
Viele Grüße
Thomas
@ Post-Bote [#7]
Guten Abend,
zu Bundespost-Zeiten war neben dem Post- auch der Fernmeldedienst Teil der Deutschen Bundespost.
Hierzu gab es in größeren Städten Fernmeldeämter, bei denen sich in der Regel auch die sogenannten Eilpoststellen befanden. Deren Mitarbeiter hatten die Aufgabe, eingehende, entsprechend gekennzeichnete, Brief- und Paketsendungen aber auch Telegramme schnellstmöglich (falls gewünscht auch nachts) den Empfängern zuzustellen.
Mit der in [#7] auf der Rückseite des Briefes abgeschlagenen Stempelung wurde der Eingang der Sendung beim Fernmeldeamt Frankfurt (im Stempeltext noch als Telegrafenamt bezeichnet; vermutlich ein älteres Gerät) dokumentiert.
Moin aus Ostfriesland, lueckel2010
Vielen Dank euch beiden für die zusätzlichen Informationen – das bringt Licht ins Dunkel.
Die Angaben zur Firmengeschichte sind sehr hilfreich. Damit lässt sich der Empfänger nun deutlich besser einordnen, und es erklärt auch, warum die Adresse über Jahre hinweg gleich blieb.
Auch die Erklärung zum Stempel des Telegraphenamts ist sehr aufschlussreich. Das macht den Ablauf der Eilzustellung deutlich nachvollziehbarer, vor allem in Verbindung mit dem Express‑Vermerk auf der Vorderseite. Dass ältere Stempelgeräte noch „Telegraphenamt“ trugen, ist ein hilfreicher Hinweis.
Wenn ich die bisherigen Einschätzungen richtig verstehe, könnte der Bonn‑Beleg also ein Rücksendeumschlag für Sonderstempelaufträge gewesen sein:
Der Kunde schickt Belege zur Sonderstempelstelle
Die Post stempelt sie am Sonderstempeltag
Anschließend werden sie gesammelt in einem Umschlag zurückgeschickt
Die Rücksendung ist portofrei, weil die Gebühren bereits durch die innenliegenden Sendungen bezahlt wurden
Der Umschlag dient nur als Transporthülle
Daher „postalisch behandelt“, aber nicht regulär gelaufen“
Zur Einordnung vielleicht noch wichtig: Der Umschlag ist relativ klein (ca. 175 × 126 mm). Viel Inhalt kann also nicht darin gewesen sein – vermutlich nur ein oder zwei Karten bzw. dünne Belege.
Liege ich mit dieser Interpretation richtig?
Dann wäre er ja als Rücksendeumschlag tatsächlich befördert worden – nur eben nicht als normale, frankierte Postsendung.
Vielen Dank nochmals für eure Mühe und die spannenden Informationen.
@ Post-Bote [#10]
Über den genauen Inhalt können wir nur spekulieren.
Es gab damals auch recht dünne Sonderstempelblättchen, die als Firmenwerbung eingesetzt wurden.
Hier einmal ein Beispiel aus Berlin (vs. und rs.):

Die Sonderstempel und Ersttagsstempel konnten und können übrigens noch innerhalb einer Frist nachbestellt werden.
Viele Grüße
Thomas
@ angim [#11]
Vielen Dank für den Hinweis auf die Sonderstempelblättchen.
Das ist ein interessanter Aspekt – solche dünnen Blättchen würden vom Format her gut in meinen Umschlag passen und wären als Inhalt durchaus denkbar. Damit ergibt sich eine weitere Möglichkeit, wie der Umschlag genutzt worden sein könnte.
So habe ich Ihn nun mit Beschreibung abgeheftet:
Bundesrepublik Deutschland 15.09.1959 / 17.09.1959
Postweg: Bonn 1 → Frankfurt am Main
Sendungsart: postalisch behandelter Umschlag ohne Frankatur (Zweck nicht eindeutig dokumentiert)
Absender: nicht ausgewiesen
Empfänger: Richard Henning & Co., Frankfurt am Main (Fotogeräte)
Frankatur: keine - Umschlag wurde ohne Porto behandelt; keine Hinweise auf eine reguläre Einlieferung
Gesamtfrankatur: keine tarifliche Frankatur; Umschlag offenbar nicht als eigenständige gebührenpflichtige Sendung verwendet
Stempel: Sonderstempel „Tag der Vereidigung des Bundespräsidenten – 15.9.1959“, Tagesstempel Bonn 1 vom 17.09.1959
Einschreibzettel: R‑Zettel 309 aa „Bonn 1“ 8E