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Entwürfe zu Künstler-FDC bei Veuskens: Berlin

philamaxi Am: 25.05.2026 12:07:11 Gelesen: 297 # 1
Erste amtliche Ersttagsbriefe entstanden in der Nachkriegszeit. Die Magistratsverwaltung für Post und Fernmeldewesen der Stadt Berlin startete bereits 1949 eine eigene Reihe mit Ersttags-Umschlägen, die man selbst bekleben oder fertig konfektioniert mit einem kleinen Aufschlag auf den Markenpreis erwerben konnte.

Der erste reguläre amtliche Ersttagsbrief Berlins erschien am 29. Juli 1949 zur Sondermarkenserie „200. Geburtstag von J.W. Goethe". Nur 2500 Umschläge mit MiNr. 61-63 wurden zur Presse-Ausstellung mit einem entsprechenden Sonderstempel dieses Datums gefertigt. Der erste illustrierte Ersttagsstempel vom 1. Oktober 1950 mit drei rauchenden Schornsteinen kam zur Eröffnung der Deutschen Industrie-Ausstellung im Rahmen des ERP-Marshallplans mit MiNr. 71 zum Einsatz. Erstmals wurde ein amtlicher FDC-Umschlag der Landespostdirektion zu MiNr. 72-73 "Wiederaufbau der Berliner Philharmonie" auf der linken Seite mit attraktivem zweifarbigen Schmuckzudruck versehen (Beethoven-Maske, Notenzeile "Freude schöner Götterfunken").

Die vorliegenden Auktionslose von Veuskens Auktionen zeigen eine umfangreiche Gruppe von Original-Entwürfen der Markengestalter zu Schmuck-Ersttagsbriefen aus den letzten Jahrzehnten des Sammelgebiets Berlin. Sie erstrecken sich zeitlich von 1977 bis 1990 und decken damit eine Hauptphase der künstlerisch gestalteten FDC ab. Sie waren durchgehend für sogenannte „Künstler-Ersttagsbriefe“ bestimmt, bei denen namhafte Grafiker eigenständige Entwürfe für die Umschläge schufen, parallel und ergänzend zu den offiziellen Briefmarkenausgaben.

Den Schwerpunkt bilden in der 130. Veuskens-Auktion die Jahre 1978 bis Mitte der 1980er Jahre, beginnend mit Motiven wie dem 100. Geburtstag von Walter Kollo, Sporthilfe-Ausgaben oder dem Jubiläum von Albrecht von Graefe. Bereits hier zeigt sich die Vielfalt der Themen, die von Kultur und Wissenschaft über Technik bis zu Weihnachten reicht. In den Folgejahren verdichtet sich die Produktion deutlich, insbesondere 1980 und 1981 mit zahlreichen Entwürfen zu Jubiläen bedeutender Persönlichkeiten wie Moses Mendelssohn, Robert Stolz oder Karl Friedrich Schinkel sowie zu historischen und kulturellen Ereignissen.

Auffällig ist die wiederkehrende Beteiligung bestimmter Künstler wie Hans Hiller, Ernst Finke oder Rudi Schmidt, allen voran der 1945 geborene Reinhold Gerstetter. Er verantwortete als Chefdesigner der Bundesdruckerei von 1979 bis 2002 einen Großteil der Entwürfe und machte sich auch durch seine Banknoten in DM und Euro einen Namen.

Viele Entwürfe liegen in deutlich größeren Formaten als die fertigen Umschläge vor und werden häufig durch Farbproben, Standmuster oder sogar Folien ergänzt, was ihren Charakter als echte Arbeitsmaterialien der grafischen Gestaltung unterstreicht.

Inhaltlich spiegeln die Motive ein breites Spektrum der Berliner und deutschen Geschichte wider, etwa Ausstellungen, technische Entwicklungen, kulturelle Institutionen oder Serien wie „Industrie und Technik“ und „Berlin-Ansichten“. In den späteren Jahren bis 1990 treten weiterhin Jubiläen und Themenserien auf, etwa zu Verkehrsgeschichte, Kunst oder Literatur, wodurch die Kontinuität dieser künstlerischen Produktion bis in die Zeit der deutschen Wiedervereinigung sichtbar wird.

Insgesamt dokumentiert die Auktion eindrucksvoll, dass Künstler-Ersttagsbriefe nicht nur einfache Sammlerprodukte waren, sondern ein eigenständiges grafisches Sammelgebiet darstellen, bei dem die originalen Entwürfe als seltene und qualitativ hochwertige Unikate gelten können.

Etliche dieser Künstler-Entwürfe sind auf der Rücklosliste gelandet und evtl. noch kurzfristig verfügbar...