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Luftkrieg und Philatelie - Blicke ins Briefmarkenalbum mit Sebald
Am: 17.05.2026 15:56:48
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Luftkrieg und Philatelie - Blicke ins Briefmarkenalbum mit Sebald
Von Uwe Schütte RSS-Newsfeed
„Wenn alle Dokumente verloren, genügt ein vollständiges Marken-Album zur Total-Reconstruction der Weltkultur im technischen Zeitalter.“ (Aby Warburg)
http://www.literaturkritik.de - Zur Vorrede nur so viel: Die Philatelie ist mittlerweile erledigt, ein weiterer Eintrag auf den kulturellen Verlustlisten des 21. Jahrhunderts. Doch Philatelisten besaßen ohnehin keinen guten Leumund mehr. Sie galten als Langweiler und Stubenhocker, die einem tendenziell kleinbürgerlichen, wenn nicht gar reaktionären Hobby nachgingen, galt ihre Passion doch einem durch und durch konservativen Medium. Kein Wunder: Ich erinnere mich noch daran, wie während meiner Kindheit die Schaufenster nicht weniger Briefmarkengeschäfte sich durch eine demonstrative Dekoration mit Postwertzeichen des Dritten Reiches in ein veritables Meer aus Hakenkreuzen verwandelten. Warum, habe ich erst später begriffen.
Briefmarken sind oft unsympathisch, prangen darauf doch staatliche Hoheitszeichen oder Herrscherprofile, etwa von Friedrich Wilhelm IV. über Hindenburg und Hitler bis zu Adenauer und Ulbricht. Als Bildträger spiegelt das Medium die Zeitläufte, denen die Postwertzeichen entsprungen sind: Feierte eine 1959 erschienene Sondermarke der Bundesrepublik die Ausstellung des Heiligen Rocks in der Domkirche zu Trier,[1] so forderte die psychedelische Darstellung eines „unzufriedenen“ Jugendlichen auf einer im August 1975 herausgegebenen Briefmarke „Kampf dem Drogenmissbrauch“,[2] während in den 1990ern kaum ein Postwertzeichen ohne Schwarz-Rot-Gold auskam. Im Februar 2021 galt eine Emission dem „Digitalen Wandel“,[3] die diesen zugleich in dezidierter Hässlichkeit vorführte in Form des neueingeführten Matrix-Codes, der seitdem alle deutschen Postwertzeichen verunstaltet, während eine unlängst, im März 2024, erschienene Playmobil-Briefmarke erst gar keinen Hehl mehr daraus macht, reine Werbung als perfides product placement zu sein.
Briefmarken sind mithin mobile Propagandabildchen der jeweils herrschenden Ideologien, sozialen Denkweisen und gesellschaftlichen Diskurse. Aus just diesem Grund versuchte man gegen Ende der 1960er Jahre durch subversive Manöver das massenmediale Potential der Postwertzeichen für progressive Zwecke nutzbar zu machen. Genannt sei paradigmatisch der Künstler und Grafiker H.P. Brehmer mit seinem Konzept der Sichtagitation, wobei er etwa freierfundene Briefmarken mit linkspolitischen Aussagen als Grafiken im Großformat schuf,[4] oder der Verleger Jörg Schröder, der 1970 eine Lenin-Briefmarke anlässlich des 100. Geburtstags des Bolschwiken illegal drucken ließ und in den Postumlauf brachte, was ihm strafrechtliche Verfolgung wegen Urkundenfälschung einbrachte.[5]
(Sehr langen Beitrag weiterlesen und die anschliessenden Quellenangaben weiter auf https://literaturkritik.de/luftkrieg-und-philatelie,30537.html )