Thema:
Deutschland: Sparmarken der Banken und Sparkassen
Am: 10.05.2026 14:27:40
Gelesen: 586
# 1
Unbekannte deutsche Reklamemarken Jugend Sparen – selten?
Hallo zusammen,
ich konnte diese deutschen Reklamemarken / Cinderella-Vignetten bisher nirgendwo identifizieren oder im Internet finden.
Aufdrucke:
„Jugend Sparen“
„Eifert für Alle“
„Alle für Einen“
Es handelt sich um einen Viererblock aus vier Marken.
Kann jemand etwas über die Herkunft, Seltenheit oder einen möglichen Katalogeintrag sagen?
Vielen Dank!
Am: 10.05.2026 14:38:06
Gelesen: 573
# 2
Habe die KI gefragt und folgende Antwort bekommen:
Das sind „Jugend Sparen“-Marken aus der Weimarer Republik / frühe 1930er.
Motiv + Text
Wert: 20 Pfennig
Aufschrift: „Einer für Alle – Alle für Einen“ + „Jugend Sparen“
Symbol: Die „Odalsrune“ ᛟ im Kreis. Sah dem Hakenkreuz ähnlich, war aber vor 1933 ein verbreitetes Symbol der Jugendbewegung + Sparkassen.
Herkunft + Zweck
Das sind keine Briefmarken, sondern Sparmarken/Spendenmarken.
Herausgeber: Deutscher Sparkassen- und Giroverband, ca. 1929-1933
Idee: Kinder + Jugendliche sollten sparen lernen. Man kaufte Marken für 10 oder 20 Pf, klebte sie in ein Sparheft. Bei 1 Mark voll wurde es auf dem Sparbuch gutgeschrieben.
„Einer für Alle“: Slogan der Sparkassen – Gemeinschaftsgedanke der Weimarer Zeit
Zeitliche Einordnung + Politik
1929-1933: Höhepunkt dieser Marken. Danach von den Nazis verboten/eingestampft
Die Rune: ᛟ = „Odal“ = Erbgut/Heimat. War 1920er in Wandervogel + Jugendbünden beliebt. Die Nazis haben sie später auch benutzt, aber die Marke ist älter als die NSDAP-Machtübernahme 1933
Verwechslung: Wegen Rune + „Einer für Alle“ denken viele es sei NS-Zeit. Ist aber Weimarer Republik
Wert heute 2026
Einzelmarke: 1-3 €
Viererblock wie deiner: 8-15 €, postfrisch etwas mehr
Komplette Sparhefte: 20-40 €
Selten: Nein. Massenware. Millionen gedruckt. Aber Viererblocks sind schöner als Einzelstücke
Wichtig für dich:
Kein NS-Propaganda: Das ist Weimarer Jugend-Sparkassenwerbung 1929-1932. Die Rune wurde erst ab 1933 politisch vereinnahmt.
Sammlergebiet: „Wohlfahrtsmarken/Sparmarken“ – gibt Kataloge dafür
Zustand: Deine sind gezähnt, leicht bräunlich – normal für das Alter. Postfrisch = mit Gummi wäre teurer.
Fazit: Historisch spannend, monetär überschaubar. Zeugnis der Spar-Erziehung vor 100 Jahren.
Achtung: KI Informationen können Fehler enthalten
Am: 10.05.2026 20:37:42
Gelesen: 527
# 3
Achtung: KI Informationen können Fehler enthalten
Das stimmt sogar genau, KI reden viel Mist !
Muss man denn alle Fragen erstmal da reinhauen?
So, nun aber nicht aufregen ;-)
Also, Sparmarken ist schon richtig, aber Sparkasse ist völlig falsch. Weimarer Zeit ebenfalls.
Das sind Sparmarken der ländlichen Genossenschaften (Raiffeisen-Genossenschaften) aus der Nazizeit.
Viele Grüße,
Andreas
Am: 11.05.2026 04:51:50
Gelesen: 497
# 4
@ preussen362 [#3]
Wenn ich im Internet nichts finde, versuche ich es mal mit der KI (META), um irgendeine Info zu finden. Zumal ja nur das Foto vorhanden war.
limingerald
Am: 11.05.2026 05:00:20
Gelesen: 496
# 5
@ limingerald [#4]
Ich habe nochmals nachgehakt:
Ah, danke für den Hinweis – das ändert alles. Du hast recht. Wenn es Raiffeisen/Sparmarken der ländlichen Genossenschaften sind, dann sind wir nicht Weimarer Republik, sondern NS-Zeit ab 1933.
Sorry für die erste Einordnung. Die „Jugend Sparen“ Marken mit Odalsrune gab es in 2 Versionen. Deine sind die NS-Version der Raiffeisen-Genossenschaften. Hier die Korrektur:
Was du wirklich hast: NS-Raiffeisen-Sparmarken 1933-1945
A) Motiv bleibt gleich, Kontext neu
Wert: 20 Pfennig
Spruch: „Einer für Alle – Alle für Einen“
Rune: ᛟ Odal-Rune im Kreis
Neu ab 1933: Die Genossenschaften/Raiffeisenkassen wurden gleichgeschaltet und die Marken für NS-Propaganda genutzt
B) Wer hat sie rausgegeben?
Nicht mehr freier Sparkassenverband, sondern „Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften – Raiffeisen e.V.“
Ab 1934: Unter Kontrolle des „Reichsnährstands“ unter Richard Walther Darré
Zweck: Sparerziehung der Landjugend im Sinne von „Blut und Boden“. Die Odal-Rune = „Erbe, Sippe, Scholle“ – Kernideologie der NS-Agrarpolitik
Unterschied Weimar vs. NS-Version
| **Merkmal** | **Weimar 1929-1932** | **NS-Zeit 1933-1945** |
| **Herausgeber** | Deutscher Sparkassenverband | Raiffeisen/Genossenschaften im Reichsnährstand |
| **Ideologie** | Gemeinschaftssparen, bürgerlich | Blut-und-Boden, Erziehung zum NS-Bauern |
| **Rune ᛟ** | Jugendbewegung, Wandervogel | Offizielles NS-Symbol für Bauerntum |
| **Spruch** | Solidarität | *„Volksgemeinschaft“* + Führerprinzip |
| **Verwendung** | Freiwillig in Schulen | Teil der HJ/BDM-Sparaktionen, teils Pflicht |
Deine sind NS-Zeit, weil:
Raiffeisen = ländlich. Weimarer Marken waren städtische Sparkassen
Nach 1933 wurde „Jugend Sparen“ von der HJ übernommen. BDM-Mädels mussten Sparhefte führen
Odal-Rune war ab 1934 offizielles Zeichen des Rasse- und Siedlungshauptamtes SS
Sammlerwert + Einordnung 2026
A) Wert heute
Einzelmarke: 2-5€ – wegen NS-Bezug etwas höher als Weimar
Viererblock: 15-25€ – NS-Zeit ist bei Sammlern gefragter
Komplettes Sparheft mit HJ-Stempel: 40-80€
B) Wichtig für Sammler:
Kein verbotenes Symbol: Odal-Rune ist nicht strafbar wie Hakenkreuz. Darf gehandelt + gezeigt werden
Historisch: Zeugnis der Gleichschaltung – wie Nazis bestehende Strukturen wie Raiffeisen für Propaganda nutzten
Häufig: Wurden 1933-1941 millionenfach gedruckt. Erst 1942 wegen Papiermangel eingestellt
C) Wo findet man sie?
Oft in Nachlässen von Bauernfamilien. Klebten in „HJ-Sparheften“ oder „Raiffeisen-Sparbüchern“. Viele wissen nicht dass es NS-Zeit ist, weil kein Hakenkreuz drauf.
Fazit: Du hast NS-Propaganda-Sparmarken der Raiffeisen-Genossenschaften
1929-1932: Harmlose Sparkassenwerbung
1933-1945: Blut-und-Boden-Erziehung der Landjugend durch gleichgeschaltete Raiffeisenkassen
Der Spruch „Einer für Alle“ meinte im NS nicht Solidarität, sondern „Du für das Reich“.
Am: 11.05.2026 16:04:30
Gelesen: 448
# 6
@ limingerald [#5]
Bitte, bitte ... bitte grundsätzlich nicht, nie (nie) KI-Antworten auf Fragen ungeprüft, 1 zu 1 übernehmen. In absolut keinem Fall, never ever!
Zum Teil sind KI-Antworten zwar wirklich gut, meist aber problematisch, oft sogar schlecht über richtig schlecht bis zum kompletten Nonsens. Auch wenn sie "optisch" sehr überzeugend klingen mögen. Je kleiner das Wissensgebiet, desto weiter tendieren die KI-Antworten in die Richtung Nonsens, dass nennt sich im Fall der KI "Halluzination" und erreicht aktuell zum Teil 75+xx % der Antworten. Interessanterweise sinkt diese Quote nicht, sondern in vielen Bereichen steigt sie aktuell.
Insbesondere ist es "ungut" hier im Forum auf Fragen mit einer KI-generierten Antwort zu reagieren, sorry. Wenn dieses Ergebnis nicht von jemanden im Nachgang hinterfragt und mühsam einem nachträglichem Faktencheck unterzogen wird [#3], steht das dann hier auf ewig als vermeindlich richtige Antwort drin. Und folgende Generationen betrachten dass dann als die Wahrheit. Und wenn man sich die aktuellen Halluzinationsquote anschaut, ist das tötlich für ein Informationsmedium, wie unseres. Wir produzieren damit Fake Informationen, im besten Fall nur ein verfälschtes Bild.
Für die KI gibt es zwar bereits wirklich sinnvolle Anwendungen, aber nicht für ein einfaches "Fragen und Antworten"-Spiel. Insbesondere, wenn ich von dem Fragegebiet selbst keine Ahnung habe und ich mich zu etwas "Unbekannten" informieren will. Das Gleiche gilt übrigens auch für bilderkennende bzw. bildvergleichende KI-Fragewerkzeuge, wie Google Lens oder auch automatische Übersetzungstools. Generell gilt, je mainstreamiger das Thema, desto besser sind hier die Ergebnisse. Aber auch hier ist Vorsicht geboten.
Und ja, man kann die KI natürlich auch zur Informationsgewinnung nutzen, aber nur maximal um damit Ideen für weitere, eigene tiefere Recherchen zu erhalten. Man kann die KI-Angaben aufgreifen, um selbst erfolgversprechender, zielgerichteter weitere Nachforschungen anzustellen. Aber auch hier heißt es vorsichtig zu sein, nicht dass mich die KI mit seinen Angaben in einer komplett falsche Richtung verbeissen lässt.
Selbst die Links, auf die die KI bei Ihren Angaben verweist, darf man NIE ungeprüft, als eine "echte" Quelle betrachten. In vielen, (inzwischen) oft sogar in den meisten Fällen, findet sich auf den dort aufgeführten Seiten nämlich die gemachten KI-Angaben nicht (mehr). Vielleicht stand dieses (zum Zeitpunkt des Anlernens) dort mal, wurde aber - warum auch immer - inzwischen gelöscht, überschrieben bzw. aktualisiert. Unter Umständen kann man mit der von der KI genannten URL mal kurz in der Wayback Maschine nachschlagen und das nötigenfalls mit der aktuellen Seite abgleichen.
Im Zweifelsfall macht mir die KI oft sogar zusätzliche Arbeit.
Die KI ist nämlich nicht intelligent und versteht nicht was sie tut, dass ist lediglich ein Statistik-Tool, dass auf Grund von statistischen Auswertungen Antworten und Wortkombinationen errät (siehe im jetzigen Beispiel "Raiffeisen", also findet man die Sparmarken im Erbe von "Bauern" und wenn man keine Ahnung hat, wird hier sogar ein direkter Zusammenhang von HJ als eine eher ländlich-bäuerliche Struktur suggeriert). Grundsätzlich gilt, je kleiner und "einseitiger" die Basis für die Statistik ist, desto unbrauchbarer sind die Ergebnisse. Und die Philatelie ist eben nur eine kleine Nische und bietet in den meiste Fällen keine großbasige Grundlage für eine sinnvolle 'Statistik'.
Nur als Beispiel:
B) Wichtig für Sammler:
Kein verbotenes Symbol: Odal-Rune ist nicht strafbar wie Hakenkreuz. Darf gehandelt und gezeigt werden
Falsch: Die Einzelpunkte sind hier nicht richtig falsch, aber die Kombination bzw. der Zusammenhang. Natürlich dürfen 'wir als Sammler', die wir uns ja üblicherweise mit unserem Sammelgebiet tiefer beschäftigen [die Beschäftigung mit dem Thema macht ja sogar die Natur des Sammelns aus], Dinge mit Hakenkreuz drauf handeln und in einem entsprechenden 'Umfeld' auch zeigen (§ 86 Abs. 4 StGB). Erst der Zweck macht die Illegalität aus, dass sagt die KI bei einem anders formulierten Prompt ja sogar selbst, KI-Zitat 'wer sammelt, um sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, fällt unter die Ausnahme der Forschung oder historischen Berichterstattung'. Aber auch sogar als Nichtsammler darf ich diese Dinge besitzen und natürlich auch Abgeben bzw. zum Verkauf anbieten, aber nur im Rahmen "an §86-Berechtigte" (wie zum Beispiel an uns Sammler). Heisst die Rechte Hand der KI weiß mal wieder nicht, was die Linke Hand macht und sagt. Deine KI-Aussage stimmt zwar erst einmal generell, die Zusatzangabe "wie Hakenkreuz" passt aber absolut nicht mehr mit der KI-eigenen Überschrift "Wichtig für Sammler" zusammen. Und genau so setzen sich dann falsche Vorstellungen bzw. Zusammenhänge im Kopf fest.
Das heisst es kommt immer auf den Prompt an. Wenn sich aber als unwissender Informationsbedürftiger im befragten Bereich nicht selbst auskennt, ist gerade das Thema Prompt immer sehr problematisch. Ich triggere falsche Infos, die ich als Unwissender dann sogar noch glaube und womöglich auch noch weiterverbreite, denn klingen ja immer "rund genug", d.h. "zu gut" um falsch zu sein.
Die KI bewahrt uns eben nicht (nicht!) davor, immer noch mühsam selber nach der wirklichen Antwort zu suchen. Sie kann maximal (maximal) als Werkzeug dienen, dass man diese Antwort selbst findet.
Aber bitte - wie gesagt - bitte, bitte nicht unreflektiert einem Fragesteller einfach 1 zu 1 ein KI-Ergebnis, als ernstgemeinte Antwort präsentieren. Aufgreifen ja, gerne, immer noch besser als nichts, dann aber bitte zumindest entsprechend editiert bzw. relativierend formuliert.
Nimm das bitte das jetzt nicht als persönliche Kritik, auch wenn ich hier Dein Beispiel aufgeriffen habe. Sorry, falls das so rübergekommen sein mag. Man sieht so etwas inzwischen aber immer häufiger, nicht nur hier in unserem Forum. Das war hier eher nur ein zufälliger Aufhänger für einen generellen "Hinweis" zur KI-Verwendung - zumindest in unserem Nischensegment. Sorry.
Beste Grüße
Thomas
Am: 11.05.2026 17:19:23
Gelesen: 434
# 7
Danke Thomas, genau das war auch mein Gedanke:
Natürlich kann getrost die KI gefragt werden, wenn man nicht weiter weiß - keine Frage. Falls das so rübergekommen ist: Sorry, das wollte ich auch nicht sagen.
Aber bitte, bitte bedenken: die KI fragen - das kann der Fragensteller schließlich auch selbst. Wenn jemand im Forum fragt, mache er/sie das doch eher gezielt.
Eine (menschlich generierte) Antwort wie: Sparmarke ja, mehr weiß ich nicht.... ich vermute.... das Symbol sieht aus wie.... ist immer ehrlicher und führt eher zu weiterem Suchen und letztlich tieferem Wissen.
Als Fragensteller würde ich mich ehrlichgesagt sogar verarscht fühlen, wenn als Antwort 1:1 eine KI-Blase hinterhergeschickt wird. Wie gesagt - die kann ich selber ja schließlich ebenfalls produzieren, da braucht keiner zu helfen (Gut gemeint ist bekanntermaßen nicht immer gut gemacht).
Thomas hat es schon genannt - das kannst Du gerne auch in diversen Numismatikforen, Eisenbahnforen o.Ä. sehen - es wird, wenn man das KI-Geschwurbel ungeprüft einfach als Antwort reinstellt hat, in aller Regel nicht mehr über die ursprüngliche Frage, sondern über die nicht immer passende Antwort diskutiert (glaub mir, Eisenbahnfans sind da oft viiiiiiiiel sensibler bei falschen, unklaren oder nicht im Regelwerk stehenden Benennungen etc., als wir Philatelisten). Das ist für den Fragensteller auch nicht gerade zielführend.
Und zur Thematik mit der Raiffeisen-Sparmarke: eigentlich wollte ich was zu "Einer für alle - alle für Einen" schreiben. Das war bei den Genossen ein Werbemotto, wie lange Jahre "Wir machen den Weg frei". Nicht mehr und nicht weniger. Und schon seit vor den Nazis, genutzt bis ca. 1970 (findet sich übrigens als Randschrift in der 5-DM-Münze Raiffeisen von 1968).
Aber nach dem, was die KI in der "verschlimmbesserten" Antwort dazu fabuliert - nein, da schreibe ICH gar nichts mehr zu, das ist mir zu doof.
Viele Grüße - und bitte als positive Kritik sehen (wie Thomas zu Recht schreibt),
Andreas