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DDR: Überall nur Plattenfehler? - Kritische Anmerkungen aus der Forschung

Richard Am: 01.05.2026 15:19:25 Gelesen: 2221 # 1
DDR: Überall nur Plattenfehler? - Kritische Anmerkungen aus der Forschung Autoren: Holger Rahn und Dieter Wolf, Leipzig, ArGe DDR-Spezial, Fachgruppe DDR-Plattenfehler Betrachtet man die aktuelle Lage rund um den Begriff und das Sammeln von Plattenfehlern metaphorisch und vergleichend mit einem Album voller Briefmarken, fallen uns Begriffe wie Übersättigung und Verwässerung ein. Viel zu viele vermeintliche Plattenfehler im Album und das alles nur wegen einer nicht klar abgegrenzten Definition zum Begriff „Plattenfehler“. Kataloge über Plattenfehler gibt es viele. Und einige sogar ganz ohne einleitende Definitionen was deren Autoren unter dem Begriff verstehen. Schafft das im Interesse der Sammler Klarheit? Und ist der Begriff „Plattenfehler“ eigentlich noch zeitgemäß? Zugegeben: es ist etwas überspitzt dargestellt und zunächst provokant gefragt. Aber genau vor diesem Hintergrund hat sich die Fachgruppe DDR-Plattenfehler in der ArGe DDR-Spezial 2024 in Wernigerode neu gegründet. Wir, die Autoren dieses Artikels, sind Gründungsmitglieder. Unser Anspruch: Wir brauchen klare Leitlinien auf dem Weg zu einem katalogfähigen „Plattenfehler“, sonst schaffen noch mehr Verwässerung und Übersättigung nur noch mehr Verunsicherung und Unübersichtlichkeit. Und seit diesem Zeitpunkt steckt unsere Fachgruppe wirklich jede Menge Zeit und Herzblut in die Forschungsarbeit. In unserem Reihen haben wir mit Dieter Wolf aus Leipzig einen ausgebildeten Drucker, der jahrzehntelange Erfahrung besitzt mit Qualifikation für den Buch-und Offsetdruck. Natürlich orientieren wir uns auch an Begriffen des MICHEL-Katalogs und den Begriffsbestimmungen gemäß BPP. Und ja, eine kritische Betrachtung aller bekannten bzw. auch bereits katalogisierten Fehler halten wir für nötig, damit das beliebte Spezialgebiet „Plattenfehler“ seinen Reiz nicht verliert und die Sammelwürdigkeit dieser Abarten nicht leidet. Unser Bericht soll ein Anstoß sein und unsere Forschungsarbeit soll alle Interessierten bei Ihrer Sammelleidenschaft für „Plattenfehler“ bei Briefmarken der DDR unterstützen. Welcher neue Bildfehler hat Chancen auf eine Katalogisierung als „Plattenfehler“? Welche bekannten Fehler sind keine „Plattenfehler“ und trotzdem vielleicht als Feldmerkmal oder markante Abweichung sammelwürdig bzw. einer Katalognotierung würdig? Daran arbeiten wir aktuell. MiNr. DDR Block 32. Typografischer Setzfehler -"SCWÖREN" ohne "H". Eine Korrektur vor der Druckfreigabe erfolgte nicht. Er gilt als gewollt/toleriert und ist keine katalogisierungswürdige Abart. Wie definieren wir als Fachgruppe nun einen Plattenfehler? Zunächst einmal hat jede Briefmarkenausgabe einen Auftraggeber. Dieser legt auch das gewollte Motivbild fest. Wird dieses Motiv nach Druckfreigabe durch die beauftragte Druckerei fehlerfrei mit dem gewählten Bedruckstoff verdruckt, sprechen wir als Fachgruppe von einen gewolltem Druckbild. Und wenn - aus welchen Gründen auch immer - dieses Druckbild abweicht, benennen wir solche Fehler zunächst erstmal als Bildfehler. An diesem Punkt beginnt für uns ein Einordnungsprozess der die Abweichung bedingt durch Herkunftsort und Zeitpunkt zunächst in satzbedingte und verfahrensbedingte Bildfehler gliedert und dem sich ein längerer Forschungsprozess anschließt. Beide Prozesse sind für eine zwingend notwendige Abgrenzung zu den sogenannten "Druckzufälligkeiten" wichtig. In den Rundbriefen Nr. 92 und 94 der Arbeitsgemeinschaft DDR-Spezial haben wir dazu bereits weitere Ausführungen und auch eine grafische Übersicht zu unserer beschlossenen Leitlinie - "Der lange Weg zum Plattenfehler" veröffentlicht. Diese Leitlinie ist unsere wichtigste Arbeitsgrundlage und soll gleichzeitig auch eine Harmonisierung mit Begriffen aus der Druckersprache ermöglichen. Warum? Der Begriff „Plattenfehler“ kommt nicht aus der Druckerfachsprache, obgleich jeder Drucker eine Reihe von möglichen Gründen für Abweichungen im gewollten Druckbild kennt. 1) Zum Beispiel „dublieren“, „verdoppeln“. Ein Fehler, bei dem Rasterpunkte oder Schrift schwächer und leicht versetzt erneut drucken, was einen Schatteneffekt erzeugt. Satzbedingter Bildfehler bei MiNr. 3297 ("Strich am Hinterbein"). Status Feldmerkmal wegen seiner Häufigkeit. Zudem ist er eine rein aus philatelistischen Gründen und vor Jahrzehnten bereits geprägte Ableitung des sogenannten Plattendrucks. Also dem alten Druckprinzip Fläche gegen Fläche. So entsteht heute Raum für Missverständnisse in Bezug auf die eigentliche Form der zum Druck benötigten Druckform. Verfahrensbedingter Bildfehler. Fremdkörper im Aufstrich (Markenrand) bzw. Holzfaser im benutzten Bedruckstoff. In der DDR fand im Stahltiefdruck ein Druckformzylinder Verwendung, auf dem das gewollte Druckbild im Rahmen der Druckvorstufe aufwändig eingebracht wurde. Und beim Buchdruck, der größtenteils im Rollenrotationsdruck ausgeführt wurde, ist zum Druck eine gebogene galvanische Abformung als Druckform verwendet worden, die in mehreren teilweise auswechselbaren Segmenten aufgebaut war. Von einer "Platte" im eigentlichen Sinn, also von einer ebenen Fläche, kann keine Rede sein. Wir finden "Druckformfehler" als Ableitung zum in der Druckersprache schon lange etablierten Begriff Druckform zeitgemäßer. Übergangsweise auch als begleitender Begriff für den in die Jahre gekommenen „Plattenfehler“. Bildfehler oder Plattenfehler? Beide beginnen zunächst mit der Druckfreigabe. Was davor bereits im Motivbild falsch dargestellt ist, wurde vom Auftraggeber übersehen oder toleriert. Die Abbildung auf der vorigen Seite (Abb.1) zeigt ein bekanntes Beispiel. Es folgen im Prozess die Herstellungsschritte der zum Druck benötigten Druckform. Die sogenannte Druckvorstufe und später die Übergabe der Druckform an den Drucker. Dem schließt sich der Einbau der Druckform in die Druckmaschine und die Einrichtung der Druckmaschine mit einem ersten (probeweisen) Andruck an. Ist alles optimal eingerichtet, beginnt begrifflich an der Stelle der eigentliche Auflagendruck in der gewünschten Auflagemenge. Und an dieser Stelle ziehen wir eine Grenze für das Entstehungsende eines Fehlers. Warum? Bildfehler die erst im Verlauf des Auflagendruckes entstehen (z.B. ungenaues Zusammenspiel von Bauteilen der Druckmaschine; Verschmutzungen auf dem Gummituch) haben Ihren Ursprung eben nicht in einem Fehler in der Druckform. Wir bezeichnen diese daher als verfahrensbedingte Bildfehler und schließen diese Art von Bildfehlern von einem Einordnungs- und Forschungsprozess als möglichen Plattenfehler generell aus. Verfahrensbedingter Bildfehler im RaTdr. Fremdkörper während der Trocknung beeinflusst das gewollte Druckbild. Unsere Definition Plattenfehler sind katalogisierungswürdige satzbedingte Bildfehler, die im Zuge von nötigen Arbeitsprozessen nach der Druckgenehmigung und bis zum Beginn des eigentlichen Auflagendrucks ungewollt durch eine Abweichung in der Druckform entstanden oder bei Feststellung noch vor dem Auflagendruck aus einer gewollten Korrektur in der Druckform hervorgegangen sind. Dies gilt sinngemäß und vollumfänglich auch für einen eventuell notwendigen Druckformwechsel im Rahmen des Auflagendrucks. Für die Katalogwürdigkeit von Plattenfehlern ist ein größerer Forschungs-, Prüf-und Einordnungsprozess Vorbedingung, um über den Status eines Feldmerkmales hinaus zu kommen und danach abschließend durch Kriterien und Beurteilung die Katalogwürdigkeit zu erlangen. Unsere Abbildung (Abb.2) zeigt einen satzbedingten Bildfehler, der allerdings wegen seiner Häufigkeit nicht über den Status eines Feldmerkmales hinauskommt und damit für uns kein katalogisierungswürdiger Plattenfehler sein kann. Verfahrensbedingter Bildfehler im RaTdr. Gestörte Farbübertragung auf den Bedruckstoff (Ursache/n: Viskosität der Druckfarbe, Abstreifen der Druckfarbe am Rakel) Und mit dieser Definierung eines „Plattenfehlers“, der zeitgemäß besser als „Druckformfehler“ benannt werden sollte, machen wir uns jetzt für Sie als Sammler so richtig an die Forschungsarbeit. Denn sind wir ehrlich: Nicht alles, was bisher durch die vielen verschiedenen Kataloge in den Adelsstand eines Plattenfehlers gehoben wurde, wird dieser Definition gerecht. Sie haben Kritik oder Fragen? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen, Ihre Kritik und Ihre Fragen. Und auch Ihre Ideen für eine Fachgruppe im digitalen Zeitalter interessieren uns sehr! Vielleicht haben Sie ja auch eine Sammlung an Plattenfehlern oder auch ganze Schalterbogen vorliegen und wären bereit, uns mit Scans bei der Forschungsarbeit zu unterstützen? Wir helfen gern, wenn Ihnen Zeit oder die Technik fehlt. Holger Rahn und Dieter Wolf, ArGe DDR-Spezial, Fachgruppe DDR-Plattenfehler Fachgruppe DDR-Plattenfehler, E-Mail: plattenfehler@web.de ArGe DDR-Spezial: http://www.ddr-spezial.de/fg-plattenfehler/ Weiterführende Literatur: Rundbrief 2/2024, Heft 92, 29.Jahrgang, Seite 60 ff, Philatelisten-Clubs Berlin-Mitte e.V. mit der ArGe „DDR-Spezial“ Rundbrief 2/2025, Heft 94, 30.Jahrgang, Seite 11 ff, Philatelisten-Clubs Berlin-Mitte e.V. mit der ArGe „DDR-Spezial“ Lehrbuch der Druckformenherstellung, 1.Auflage 1988, Rolf Gaitzsch, VEB Fachbuchverlag Leipzig Wissensspeicher für Technologien Polygrafische Technik, 1.Auflage 1978, Autorenkollektiv Dozent Erich Hermanies, VEB Fachbuchverlag Leipzig Tiefdruck heute, 1.Auflage 1976, Autorenkollektiv Fred Etzel Obering, VEB Fachbuchverlag Leipzig
Fachgruppe DDR Plattenfehler Am: 01.05.2026 17:50:00 Gelesen: 2126 # 2
Vielen Dank Richard [#1] für die Veröffentlichung. In Ergänzung noch folgender Hinweis: Die Erstveröffentlichung dieses Beitrags erfolgte in der Deutschen Briefmarken-Zeitung (DBZ), Heft 6/2026 vom 11.März 2026. Beste Sammlergrüße aus Leipzig Holger Rahn
Richard Am: 07.05.2026 09:25:18 Gelesen: 1832 # 3
Liebe Mitglieder und Mitleser, ich würde mich freuen, wenn Plattenfehlersucher und Entdecker, deren Handels- oder Tauschfreunde, die vielen Gruppen von Plattenfehler-Gemeinschaften und schliesslich die Herausgeber von Plattenfehler Katalogisierungen sich mit den Texten von Holger Rahn auseinandersetzen könnten. Nur ein Beispiel: Für identische Plattenfehler werden von den Plattenfehler-Gemeinschaften unterschiedliche Katalognummern genannt. Worin liegt der Vorteil dieser Handhabung ? Grüsse an alle Plattenfehler-Freunde, Richard
Fridolino Am: 07.05.2026 14:23:35 Gelesen: 1699 # 4
@ Richard [#3] Nur ein Beispiel: Für identische Plattenfehler werden von den Plattenfehler-Gemeinschaften unterschiedliche Katalognummern genannt. Hallo Richard, kannst du diese Aussage bitte an Hand eines konkreten Beispiels belegen? Gruß Fridolino
Holzinger Am: 07.05.2026 14:48:05 Gelesen: 1685 # 5
Soweit sich obige Angaben auf den genannten Bereich beziehen: I.O. (Ja, die Auswüchse bei den "Besonderheiten".) :-) Auch Fehler mit der "DIE", z. B. bei alten USA-Marken, fielen unter diese Definition. Trotzdem muß es den Begriff "Plattenfehler" weiter geben, denn ein weg gebrochener Steg in der Platte (echter Plattendruck) sollte ja auch benannt werden können. Ich sehe hier ein doppeltes "Definitionsproblem" größeren Ausmaßes, da obige Definitionen sich ja nur auf das benannte Gebiet (DDR) beschränken sollen. Der alte Begriff "Plattenfehler für echte Plattenfehler/alte Ausgaben" muß ja weiter existieren. Oder soll dann diese Form auch unter dem Begriff "Bild..." vereinnahmt werden? Und: - Wie sieht es dann International mit der Begriffsnutzung aus? - Was erwartet man an Akzeptanz/Reaktionen? - Wie wird die Sammlerschaft mit dem/den Begriffen umgehen können? - Wird er wirklich von der breiten Masse der Sammler akzeptiert/genutzt werden? Das soll keine Kritik an den Bemühungen zur Klärung sein. Stellungnahmen/andere Meinung würde mich schon interessieren.
Vernian Am: 07.05.2026 15:44:53 Gelesen: 1660 # 6
Da ich meine, ein an sich nur sehr geringes Interesse an fehlerhaften Marken in der Sammlerschaft an sich feststellen zu können (hatte ich, glaube ich an anderer Stelle schon mal erwähnt, nachdem ich feststellen musste, dass mein Angebot an Plattenfehler-Marken hier auf der Tauschplattform bislang auf absolut null Interesse stößt), wundere ich mich etwas darüber, dass derartiges so ausgiebig besprochen wird. Mir scheint, dass sich zwar (wie ich selber auch) viele durchaus für Abweichungen - also Abarten, Plattenfehler-Informationen, Druck-Variationen in Form von Farbe, Druckrastern, usw. usw. - interessieren, diese aber deshalb nicht unbedingt sammeln (ich selber bin an solchen Variationen auch nur bei einem meiner Sammelgebiete tatsächlich interessiert). Insofern erstaunt mich vor allem die Ausgabe von Spezialkatalogen oder AG-Veröffentlichungen zu diesen Themen, denn wenn die Anzahl von Sammlern derartiger Variationen sich an ein, zwei Händen abzählen lässt, wie können dann Bewertungen derartiger Abweichungen erfolgen, und wen interessieren dann tatsächliche katalogisierte Listungen solcher Variationen? O.k., selbst eine auch noch so geringe Anzahl daran Interessierter kann lohnenswert sein, entsprechende Listungen zu erstellen und zu führen - das findet sich auch in anderen Interessenbereichen als der Philatelie, wie ich selbst und persönlich exemplarisch für andere Interessengebiete als Beispiel dastehe. Ist das nur ein antiquiertes Relikt der Sammlerschaft von vor 20, 30, 50, 80 Jahren, dass dem Thema noch so viel Interesse (aber keine reale Sammlertätigkeit) entgegengebracht wird, oder wie kommt dieses (hier auf DDR-Plattenfehler-) spezialisierte thematische Interesse zustande? Und ich muss mir diese Frage selber stellen - warum reizt (interessiert) mich diese Thematik, auch wenn ich sie nicht aktiv in meine Sammelleidenschaft einbeziehe? Vermutlich eine Fragestellung für einen Psychologen. Ich kann das selbst analysieren und Antworten dazu geben, da ich immer wieder meine eigene Sammelleidenschaft kritisch-objektiv hinterfrage und damit Antworten geben könnte - aber meine persönliche Analyse belegt ja nun nicht, warum andere entweder genauso ticken oder was bei denen der Punkt ist. Nachdenklich beste Grüße Vernian
opti53 Am: 07.05.2026 16:07:33 Gelesen: 1643 # 7
@ Vernian [#6] Hallo Vernian, ich glaube schon, dass Druckabweichungen (Plattenfehler und Zufälligkeiten) gesammelt werden. Ich bin auch ein begeisterter Sammler davon. Ich habe aber bisher nicht sehr viele gekauft, sondern meistens gefunden. Das Angebot an Plattenfehlern ist auch nicht besonders groß und eher zufällig. Hinzu kommt, dass Michel einen großen Bedarf an Bewertung von Plattenfehlern hat. Denn wenn da kein Preis genannt ist, würde ich einen Plattenfehler nicht verkaufen. Aber das hat sich ja schon für BRD und auch an ein paar Stellen der 20er-Jahre des Deutschen Reiches gebessert. Manche Bewertungen waren aber auch zu hoch. Hier wurde jetzt für die frühe BRD von Michel nachgebessert. Viele Grüße Thomas
TeeKay Am: 07.05.2026 18:11:51 Gelesen: 1575 # 8
@ Vernian [#6] " da ich meine, ein an sich nur sehr geringes Interesse an fehlerhaften Marken in der Sammlerschaft an sich feststellen zu können (hatte ich, glaube ich an anderer Stelle schon mal erwähnt, nachdem ich feststellen musste, dass mein Angebot an Plattenfehler-Marken hier auf der Tauschplattform bislang auf absolut null Interesse stößt)" Die Aussage könntest du nur treffen, wenn die aktiven Philaseiten-Mitglieder einen repräsentativen Querschnitt durch die Sammlerschaft bilden würden. Das ist aber nicht der Fall. Außerdem muss ein Spezialgebiet der Philatelie nicht auf breites Interesse stoßen, um besprochen zu werden. Es wäre auch kein Spezialgebiet, wenn es jeder sammeln würde. Vermutlich sind die meisten Teilsammelgebiete der Philatelie Spezialgebiete und der Kataloghauptnummernsammler mit Vordruckalbum inzwischen die Minderheit. Darum ist es inzwischen auch richtig schwer, gebrauchte Vordruckblätter der letzten Jahre auf Auktionen zu finden. Die kauft einfach kaum einer mehr neu - fast alle haben sich spezialisiert.
Winni451 Am: 07.05.2026 18:44:39 Gelesen: 1550 # 9
@ TeeKay [#8] @ Vernian [#6] Etwas unterrepräsentiert ist noch folgende (infolge der fehlenden Statistik nur anekdotische) Evidenz: Es macht mir mehr Spaß, Plattenfehler selber zu finden, als gefundene zu kaufen. Ich sammle Plattenfehler nur für 6 Marken (und 5 weitere die nette Zusammendruckvarianten mit einer der relevanten Marken bilden). Und die Marke, die mir am wichtigsten ist, liegt im Michelpreis bei 0,10 € (und es wird Euch schwer fallen einzelne dieser Marken für diesen Preis loszuwerden). Bevor ich also einen Plattenfehler für 1 bis 10 € kaufe (das habe ich schon als Ausrufe gesehen + Versand), kaufe ich 100 mal die Marke (bzw. zwei Bögen) und finde den Fehler wahrscheinlich selbst. Die letzten 5 Abarten/Plattenfehler die ich gesehen habe auf diversen Verkaufsplattformen und Internetseiten habe ich immer sofort in meinem Bestand gefunden, mindestens auf einem der Bögen, oft auch bei gestempelten Exemplaren. Und das eine Angebot, was vor diesen 5 Angeboten angeboten wurde und wirklich herausgestochen hatte, konnte sich nicht beschweren (Zuschlag lag bei 20€ und ich war nicht der Käufer), zudem war das nicht mal ein Plattenfehler, sondern eine Druckzufälligkeit. Ich meine also, dass die Nische so überfüllt ist mit Material, dass sich die Bewohner der Nische vollauf beschäftigen können mit der Jagd und es nicht notwendig haben zu kaufen. Nur ganz besondere Stücke werden noch gehandelt, soweit ich das übersehen kann. Lästig ist dabei, dass ich als jemand, der von Druck nicht viel mehr weiß, als dass es mit Papier und Farbe zu tun hat, es schwer habe, eindeutige, verlässliche und verständliche Definitionen der Begriffe zu finden, zu verstehen, zu verinnerlichen und zuverlässig zuzuordnen. Das wird nicht dadurch besser, dass bei Verkaufsangeboten auch Leute Begriffe um sich werfen, die entweder noch weniger wissen oder vorsätzlich handeln. Und dann kommen da bei manchen Plattformen noch die lustigen Übersetzungen dazu. Am Ende hat mich endgültig verwirrt, dass die Fehler nach zig verschiedenen Katalogen unterschiedlich nummeriert zu sein scheinen. Einmal habe ich einen Verkäufer gefragt was denn die Nummer nun bedeuten soll bzw. aus welchem Katalog die Benennung kommt, der hat geantwortet, dass er bei dem Kaufpreis nicht antwortet, was schon Antwort zu viel war. Und nein, für die sechs Marken kaufe ich nicht die 4 bis 10 Kataloge (inklusive Updates um mit der Forschung Schritt zu halten). Wobei ich mit einem der Kataloge dann doch liebäugele. Weiterhin viel Spaß mit den Plattenfehlern, Abarten usw. wünsche ich mir und Euch und alle die dabei sein wollen, Winfried Tauschplattform: Da ich nur sehr eingeschränkt nach Plattenfehler suche, habe ich in aller Regel keine Plattenfehler außerhalb meines Gebietes zum Tausch, zumindest nicht wissentlich, und die innerhalb meines Gebietes tausche ich nicht. Auf der Tauschplattform falle ich damit schon weg als Interessent.
Henry Am: 08.05.2026 10:07:59 Gelesen: 1405 # 10
@ Holzinger [#5] Ich sehe die Überlegungen der Fachgruppe DDR-Plattenfehler durchaus als gerechtfertigt an, auch wenn ich mich da zu einzelnen Punkten noch äußern werde. Grundsätzlich sind die Überlegungen aber nicht nur auf DDR-Marken anwendbar. Einen Plattenfehler kann es eben nur beim Plattendruck-Verfahren geben, und dort sollte er auch so benannt bleiben. Bei den neueren Druckverfahren werden eben Druckformen angewendet und in diesen Fällen sind es eben Druckform-Fehler, die auch so benannt werden sollten. So weit zum Problem Definition. Die weiteren Überlegungen, ab welchem bzw. bis zu welchem Zeitpunkt im Druckvorgang diese Definitionen benutzt werden, sind auch nicht von der Hand zu weisen. Es werden viel zu viele Druckabweichungen diesen Definitionen zugeordnet und auch katalogisiert, die eine solche Bezeichnung nie und nimmer verdienen. Mit philatelistischem Gruß Henry
Ben 11 Am: 08.05.2026 15:19:43 Gelesen: 1327 # 11
@ Henry [#10] Einen Plattenfehler kann es eben nur beim Plattendruck-Verfahren geben, und dort sollte er auch so benannt bleiben. Hallo Henry, leider gibt es kein Plattendruck-Verfahren. Druckverfahren sind: Hochdruck (z.B. Buchdruck), Tiefdruck (z.B. Rakeltiefdruck), Flachdruck (z.B. Offsetdruck) und Durchdruck (z.B. Siebdruck). Weiter gibt es die Druckprinzipien: - Fläche gegen Fläche mit einer flachen Druckform und einer flachen Gegendruckplatte (z.B. der Heidelberger Tiegel), - Zylinder gegen Fläche mit einer flachen Druckform und einem Gegendruckzylinder und - Zylinder gegen Zylinder bei dem z.B. eine flexible Druckform (Platte) auf einen Zylinder gespannt wird oder eine zylindrische Druckform (im Tiefdruck) verwendet wird, die gegen einen Zylinder arbeiten. Es wäre also nur konsequent, von einem "Druckformfehler" zu sprechen. Ob sich das durchsetzen ließe, ist eine andere Frage. Und dann gibt es noch Druckverfahren, die ohne Druckform arbeiten, wie Digitaldruck. VG Ben.
opti53 Am: 08.05.2026 15:46:24 Gelesen: 1321 # 12
Hallo, ich weiß nicht, warum man es so kompliziert machen sollte. Man spricht auch von gebrochenen Linien, wenn eine Linie (warum auch immer) unterbrochen ist. Dabei ist da nicht zwangsläufig etwas gebrochen. Das war früher mal so. Deswegen wäre ich dafür, beim Begriff Plattenfehler zu bleiben, wenn es sich um einen wiederkehrenden Fehler mit lokaler Zuordenbarkeit handelt. Davon zu unterscheiden sind Zufälligkeiten, die zwar auch mehrfach auftreten können, in der Druckform aber nicht lokalisierbar sind. Es ist schon schwierig genug, diesen Unterschied manchem klarzumachen. Durch Einführen immer neuer Begriffe wird es für den Sammler nicht einfacher. Ich erinnere nur daran, dass man (echte) Doppeldrucke von Doppelbilddrucken und Schmitzdrucken unterscheiden muss. Viele Grüße Thomas
ohei2 Am: 08.05.2026 16:29:57 Gelesen: 1294 # 13
Die Terminologie in der Philatelie ist nicht immer unbedingt kompatibel mit den Begrifflichkeiten in der Druckbranche, aus welchen Gründen auch immer. Dafür lassen sich einige Beispiele finden, wie etwa die Chromolux-Markenheftchen, die gar keinen Chromoluxkarton haben, aber etwas entfernt ähnliches. Der Begriff "Plattendruck" (= flache Druckform) hat(te) sich, soweit ich weiß, in der Philatelie als Unterscheidung zum "Walzendruck" eingebürgert. Gruß Oliver
DL8AAM Am: 08.05.2026 17:48:04 Gelesen: 1255 # 14
Wir sprechen ja auch bei Tintenstrahlentwertungen immer noch von Stempeln. Das Problem ist, dass wir eine über "Jahrhunderte" gebildete Fachsprache haben, die sich inzwischen u.U. sogar komplett von der "Basis" abgelöst hat bzw. die in der freien Wildbahn, im echten Leben, zwischenzeitlich vollständig anderes verwendet wird [wie z.B. "Porto" - wir meinen damit im Prinzip vereinfacht ein Nachentgelt, der Bürger das verklebte Entgelt]. Das hat eine Fachsprache so an sich. LG Thomas
bernhard Am: 08.05.2026 21:04:10 Gelesen: 1174 # 15
@ DL8AAM [#14] Deinen Ausführungen kann ich nur zustimmen! @ Richard [#1] (Autoren) Ist die Drucker-Fachsprache denn tatsächlich frei von solchen Unzulänglichkeiten? Steindruckverfahren: Wo befindet sich beim Druckstein eigentlich die „Form“ einer Druckform? Warum spricht man überhaupt von einer „Form“, wenn beim Druck weder erhabene noch vertiefte Flächen vorhanden sind? Der Begriff „Plattenfehler“ sowie andere Fehlerarten werden in jedem Michel-Spezial-Katalog erläutert. Diese Erklärung könnte man im Sinne der Autoren sicherlich präzisieren oder erweitern, sodass auch Begriffe wie Platten, gebogene Platten oder Walzen darin berücksichtigt werden. Der Begriff „Plattenfehler“ ist jedoch nun einmal der feststehende philatelistische Fachbegriff dafür. Die Autoren wollen offenbar mehr Klarheit schaffen; mit neuen Begriffen, die man sonst weder in der philatelistischen Literatur noch bei Prüfern, Verbänden usw. findet, würden sie allerdings eher Verwirrung stiften. Der Michel hat zumindest im Spezial-Katalog für Plattenfehler eine feste Definition, auch wenn in den Katalogen sicherlich noch gewisse Altlasten vorhanden sind. Ich persönlich würde daher den Begriff „Plattenfehler“ lediglich genauer definieren, aber nicht ersetzen. Unterschiedliche Begriffe für denselben Sachverhalt führen am Ende nur zu Missverständnissen und Verwirrung. Viele Grüße Bernhard
Ben 11 Am: 08.05.2026 22:04:51 Gelesen: 1136 # 16
@ bernhard [#15] Steindruckverfahren: Wo befindet sich beim Druckstein eigentlich die „Form“ einer Druckform? Warum spricht man überhaupt von einer „Form“, wenn beim Druck weder erhabene noch vertiefte Flächen vorhanden sind? Bei einer Druckform geht es nicht um erhabene oder vertiefte Flächen, sondern um farbführende und nicht farbführende Bereiche. Steindruck ist ein Flachdruckverfahren ähnlich dem Offsetdruck. Die Druckform ist ein Lithografiestein der in Deutschland aus Solnhofener Kalkschiefer hergestellt wurde. Die farbführende Schicht ist fettig (farbfreundlich), meist eine Tuschezeichnung, und die nicht farbführende Schicht ist feucht und farbabweisend. Das Druckprinzip ist Zylinder gegen Fläche, wobei der Zylinder den Papierbogen führt und einen Gegendruck ausübt (Gegendruckzylinder). Ist die Drucker-Fachsprache denn tatsächlich frei von solchen Unzulänglichkeiten? Nein, ist sie nicht. Der fehlende Buchstabe "H" im ersten Beispiel wird in der Druckersprache z.B. als "Leiche" bezeichnet. Heute nennt man das einen "Setzfehler", wobei der Begriff an das frühere Setzen der Bleilettern zu einem Satz (Wort oder Text) angelehnt ist. VG Ben.
bernhard Am: 08.05.2026 22:35:30 Gelesen: 1120 # 17
@ Ben 11 [#16] Bei einer Druckform geht es nicht um erhabene oder vertiefte Flächen, sondern um farbführende und nicht farbführende Bereiche. Hallo Ben, ich glaube aber kaum, dass dies die ursprüngliche Definition von diesem Wort ist. Der Begriff ist historisch gewachsen. Vor dem Flachdruck gab es halt nur den Hochdruck und den Tiefdruck und diese hatten eine FORM. Nein, ist sie nicht. Der fehlende Buchstabe "H" im ersten Beispiel wird in der Druckersprache z.B. als "Leiche" bezeichnet. Heute nennt man das einen "Setzfehler", wobei der Begriff an das frühere Setzen der Bleilettern zu einem Satz (Wort oder Text) angelehnt ist. Sorry, ich kann dir leider nicht folgen. Welcher fehlende Buchstabe "H" im ersten Beispiel? Viele Grüße Bernhard
JoergH Am: 09.05.2026 00:16:26 Gelesen: 1098 # 18
@ bernhard [#17] Hallo Bernhard, Ben bezieht sich auf Beitrag [#1] in diesem Faden mit der Abbildung von DDR-Block 32. Dort fehlt in "SCWÖREN" das "H". Jörg
spain01 Am: 09.05.2026 16:02:03 Gelesen: 1002 # 19
Ich halte es für grundsätzlich interessant, dass von einer Forschungsgruppe versucht wird, für ein Einzelgebiet neue Definitionen für Druckabweichungen, egal welcher Art, einzuführen. Eine grundsätzliche Unterscheidung, wie, ich nenne es mal "Fehler auf Briefmarken", auftreten können, mag sicherlich den neueren Forschungsgrundlagen geschuldet sein und damit etwas modern sein. Ich gehöre der älteren Generation (Ü60) an und in meinen sehr vielen Jahren im philatelistischen Bereich gehöre ich auch zu denjenigen, die sich an die übliche Terminologie gewöhnt haben. Die versteht auch jeder, der mehr als nur ein paar Wochen Briefmarken sammelt und/oder sich für "Druckabweichungen/Plattenfehler etc" interessiert. Die bisher allgemein gebräuchliche Terminologie für Plattenfehler, Druckabweichungen (ev. auch noch in Erforschung) und Druckzufälligkeiten ist den versierten Sammlern zur Genüge bekannt. Dazu gibt es hier ja auch sooo viele unterschiedliche Treats zu unterschiedlichen Sammelgebieten für "Druckabweichungen" und noch viel mehr. Bei allem Respekt zu den Bemühungen der Fachgruppe DDR für eine sachliche und faktische Unterscheidung in der Terminologie zu Druckabweichungen zu finden, finde ich diesen Schritt für absurd. Es wird - zu meinem Leidwesen schon in der allgemeinen Politik - zuviel "gegendert". Muß das jetzt auch bei allgemein gebräuchlichen Definitionen bei Briefmarken sein? Kann man nicht einfach "die Kirche im Dorf lassen" und es sich mit den der allgemeinen Sammlerwelt bebräuchlichen und bekannten Begriffsbestimmungen, auch wenn sie nicht mehr wirklich zeitgemäß sind (wegen geänderten Drucktechniken etc), belassen??? Druckabweichungen bleiben als solche, sofern nicht genaueres belegt werden kann. Mögliche Plattenfehler, die mehrfach vorliegen (wichtig: Feldbestimmung) bleiben in einer "Warteschleife" bis zur Bestimmung ob ja oder nein. Gruß Michael
Ben 11 Am: 11.05.2026 16:17:42 Gelesen: 771 # 20
@ bernhard [#17] @ Alle Hallo Bernhard, ich glaube aber kaum, dass dies die ursprüngliche Definition von diesem Wort ist. Der Begriff ist historisch gewachsen. Vor dem Flachdruck gab es halt nur den Hochdruck und den Tiefdruck und diese hatten eine FORM. ich versuche es mal anders. Eine Druckform ist die vollständige Anordnung aller Elemente (Lettern, Typen, Klischees, Drückstöckel, etc.), die für die (maschinelle) Übertragung von Informationen mittels Farbe auf einen Bedruckstoff erforderlich sind. Der Begriff Druckform ist ein allgemeiner technischer Begriff. Das älteste Buch in meiner Sammlung, das diesen Begriff verwendet, stammt von 1897. Es mag ältere geben. Man kann den Begriff jetzt nach den Druckprinzipien untergliedern in ebene Druckformen (Rahmen, Kästen, Platten, Steine, Schlitten) und zylindrische Druckformen (Zylinder mit aufgespannten Druckplatten oder Walzen) und schließlich weiter nach Druckverfahren. Der Begriff Druckformfehler würde also das ganze Spektrum der Druckformen abdecken. Leider verlässt die Autoren aus [1] dann aber der Mut, sprechen sie doch in ihrer Definition wieder von einem Plattenfehler. Unsere Definition: Plattenfehler sind katalogisierungswürdige satzbedingte Bildfehler, die im Zuge von nötigen Arbeitsprozessen nach der Druckgenehmigung und bis zum Beginn des eigentlichen Auflagendrucks ungewollt durch eine Abweichung in der Druckform entstanden oder bei Feststellung noch vor dem Auflagendruck aus einer gewollten Korrektur in der Druckform hervorgegangen sind. Dies gilt sinngemäß und vollumfänglich auch für einen eventuell notwendigen Druckformwechsel im Rahmen des Auflagendrucks. [1] Sie definieren dann mit nötigen Arbeitsprozessen nach der Druckgenehmigung einen bisherigen primären Plattenfehler und mit bis zum Beginn des eigentlichen Auflagendrucks einen sekundären Plattenfehler. Einen tertiären Plattenfehler durch Verschleiß der Druckform und ggf. Reparatur (Retusche) ziehen sie nicht in Betracht. Nach meiner Meinung ist die Verwendung der "Druckersprache" nicht sinnvoll, das Nichtbeachten von Verschleiß als Fehlerursache ist nicht zu Ende gedacht. Des Weiteren halte ich die Fehlerbeschreibung unter der Abbildung "Verkehrsmuseum Dresden - Raddampfer" als Fremdkörper während der Trocknung für fragwürdig. Viele Grüße Ben.