Thema:
Lars Böttger: Philatelie - Ist der Kipppunkt erreicht ?
Am: 03.04.2026 09:36:15
Gelesen: 8611
# 1
Lars Böttger: Ist der Kipppunkt erreicht ?
(Südwest Aktuell) - Oder ist er bereits überschritten und die organisierte Philatelie hat es noch nicht gemerkt? Oder verdrängt die Erkenntnis? Für mich ist der Kipppunkt ein bestimmter Zeitpunkt, an dem eine oder mehrere externe Veränderungen ein bisher stabiles System (in unserem Fall das Briefmarkensammeln) zum Einstürzen bringt. Man kann sich unsere Situation auch wie ein Schneeball vorstellen, der von einem Berg ins Tal rollt und sich dabei zu einer Lawine entwickelt und alles mitreißt.
Der ein oder andere von Euch weiß es, dass ich seit einem Jahr den luxemburgischen Verband “Fédération des Sociétées Philateliques du Grand Duché de Luxembourg” (die “FSPL”) als Präsident vorsitze. Eine meiner weniger schönen Aufgaben ist es, mich mit Erben auseinanderzusetzen. Die Erben finden meinen Namen im Internet und meinen, dass wir Briefmarkensammler verpflichtet sind, ihr geerbtes Material abzukaufen. Die Großväter und Großmütter, Onkel und Tanten haben den Verwandten oft vermittelt, auf einem kleinen Vermögen zu sitzen. Leider ist die Zeit, als Briefmarkenpreise nur den Weg nach oben kannten etwa seit 45 Jahren vorbei. Etwa ab Mitte der 1950iger Jahre “entdeckte” der Ottonormalverbraucher die Briefmarke als kostengünstiges Investitionsvehikel. Die Postanstalten entdeckten wiederum die Sammler als Geldquelle. Die Briefmarken wurden ohne Gegenleistung verkauft und wanderten direkt in die Sammleralben. Und zwar zum Teil bogenweise. Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre war ein Sättigungsgrad erreicht. Die Preise stiegen mit nur sehr wenigen Ausnahmenmehr nicht mehr an. Sicher, es wurden noch Briefmarkenvereine gegründet und Schulkinder begannen mit dem Sammeln, aber der Boom der sechziger und siebziger Jahre war vorbei.
Die Wiedervereinigung 1990 setzte noch einmal neue Impulse. Die Deutschen aus dem Osten konnten wieder eine Reihe von Sammelgebieten komplettieren, die im damaligen Ostblock entweder verboten oder gegen Devisen in den Westen verkauft wurden. Das hielt die Nachfrage hoch. Briefe waren ein alltägliches Informationsmittel, aber mit der Mitte der 1990er aufkommenden Boom des Internets und des Mobiltelefons begannen erste kleinere Wolken die Idylle zu trüben. Die Briefmarkenkatalogwerte bewegten sich in der Tendenz eher seitwärts. Mit dem Internet begann sich das Kaufverhalten zu ändern. Ich erinnere mich noch gut daran 1998 in der Nacht auf der neuen Internetplattform eBay auf schlecht erhaltene klassische Luxemburg-Marken geboten zu haben. Und ich hatte für meine Ex-Frau über das Internet in Australien bei der Post Briefmarken geordert. Ohne in einem Verein zu sein, ohne organisierte Philatelie. Einer der großen Vorteile eines Vereins oder eines Briefmarkenhändlers oder eines Briefmarkenversands verschwand – das Angebot an Marken aus dem Ausland bzw. an alten und älteren Marken. Auf einmal konnte man sich seine Neuheiten im Internet kaufen und weltweit in Alben stöbern. Ich musste nicht mehr auf Tauschtage fahren, die bei mir in der Gegend nur alle paar Monate stattfanden. Mein Geldbeutel setzte mir die Grenze, nicht die Verfügbarkeit der Marken.
In den 2000er-Jahren gingen die Mitgliederzahlen in den Vereinen deutlich zurück. Gleichzeitig begannen die privatisierten Postbetriebe die Briefmarkensammler als “Profit Center” zu entdecken. Mit Sondereditionen, limitierten Serien, Stickereimarken und ähnlichem begannen sie, die Sammler zu schröpfen. Die Euro-Einführung brachte in vielen Ländern die Ungültigkeit der Marken in Landeswährung. Viele Sammler hörten auf, die Euro-Marken zu sammeln. Allmählich begannen die Auflagen zu sinken. Gleichzeitig nahm die Verbreitung von Mobiltelefonen zu. Fast jeder hatte mittlerweile eines. Telefonieren wurde alltäglich, aber bequemer war das Versenden von Kurznachrichten. Wer setzte sich noch hin und schrieb einen Brief? Gleichzeitig begann an den Postschaltern ein Wandel – die Kunden bekamen keine Marken mehr, sondern ihnen wurden Label verkauft. Obwohl das Papier für die Label teurer war als Briefmarken – es mussten keine Lagerbestände an Briefmarken geführt werden, es mussten keine recht aufwendigen Abrechnungen erstellt werden und für die Dienstleistung wurde ebenso bezahlt wie mit einer Marke. Schöne neue Welt! Aber unsere Nachwuchssammler hatten auf einmal keinen Brief mehr mit Briefmarken im Briefkasten – außer dem IKEA-Katalog kam nichts mehr mit der Post. Diese Entwicklung setzte sich in den letzten Jahren verstärkt fort. Der Kipppunkt ist schon lange überschritten…
Wo stehen wir jetzt?
Ich arbeite mich gerade durch sechs Kisten mit alten Alben, seit 1975 ungeöffneten Tüten mit Ersttagsbriefen und Briefmarken und auf den ersten Blick recht banalen Belegen aus den 2010er-Jahren durch. Die Kisten hat mir ein Freund weitergegeben, der sie von einem verstorbenen Sammlerfreund bekommen hat. Für mich ist das beileibe kein Einzelfall, sondern eine typische Situation. Die Generation, die Mitte der fünfziger Jahre zum Briefmarkensammeln gekommen ist, die Boomzeiten der siebziger Jahre miterlebt hat und dann immer weitersammelte, geht leider von uns. Die FSPL erhält jedes Jahr umfangreiche Sammlungen geschenkt, die wir an unsere Sammler weiterleiten. Jeder kann an einem “Philatelistentag” in unserem “Foyer de la Philatélie” vorbeikommen und sich Briefmarken und Belege mitnehmen. Das wird sehr gerne genutzt und ich betrachte das als ein Erfolgskonzept, um Material wieder an interessierte Sammler zu verteilen.
Versteht mich nicht falsch - für mich ist es als Briefmarken- und Stempelsammler eine Freude, durch die Kisten und Tüten zu gehen. Ich habe zahlreiche Stempel-Früh- und Spätdaten aus den Kisten gezogen. Außerdem war eine moderne Luxemburg-Ganzsache dabei, die wahrscheinlich unter dem (Katalog-)Radar geblieben ist. Bei meiner nächsten Meldung an die Redaktion des Schwaneberger-Verlages wird sie mit Sicherheit dabei sein. Falls die Michel-Redaktion überhaupt Interesse daran hat und den Ganzsachenkatalog aktualisiert…
Wir sind hier an einem ganz schwierigen Punkt angelangt: Verschenken lassen sich die Marken und Belege, aber zum Beispiel bei der Aufarbeitung des modernen Ganzsachenmaterials fehlen die interessierten forschenden Sammler. Dies ist kein einzelner, vom großen Ganzen losgelöster Sachverhalt. Viele Arbeitsgemeinschaften haben sich in den letzten zehn Jahren aufgelöst oder sich mit anderen Arbeitsgemeinschaften zusammengeschlossen. Die Arbeitsgemeinschaft Belgien-Luxemburg, der ich vorstehe, hat in den letzten fünf Jahren zwar mehrere Mitglieder gewonnen, aber noch mehr Mitglieder durch Austritte oder Todesfälle verloren. Fakt ist für mich, dass in der Breite die Philatelie als Hobby Sammler und Sammlerinnen und damit Wissen verliert bzw. verloren hat.
Wie geht es weiter?
Die Generation, die in den fünfziger Jahren Briefmarken kaufte, verschwindet allmählich. Ich wiederhole mich – ich werde fast täglich von Erben kontaktiert, die verzweifelt versuchen, ihre Briefmarken zu verkaufen. In vielen Fällen überlassen sie der FSPL das gesammelte Material und sind froh, dass sie das Papier los sind. Wir erhalten auf einmal Zugriff auf Briefmarken und Belege in nie gekannter Menge! Für jemanden wie mich, der nicht nur Briefmarken in ein Album steckt, ist das ein absoluter Glücksfall! Ich kann mit dem Material eine Menge Sammler eine Freude machen. Ich sehe mich als Verteiler für eine zwar immer kleiner werdende “Community”, die sich aber trotzdem für ihr Hobby begeistern kann!
Für mich gilt, dass unser Hobby das Beste der Welt ist! Wer Briefmarken nicht nur vor einem monetären Hintergrund sammelt (und damit eine aus heutiger Sicht sehr schlechte Anlageentscheidung getroffen hat), der kann sich über die momentane Materialfülle nur freuen! Nach meiner Erfahrung nach scheuen sich Briefmarkensammler über ihr Hobby zu reden. Ja, es ist ein Hobby für alte, weiße Männer. Aber diese “alten, weißen Männer” können durch ihre Briefmarken Geschichten erzählen, können die Geschichte greif- und erlebbar machen. Ein Feldpostbrief aus dem 2. Weltkrieg kann die abstrakte Geschichte eines Krieges auf einmal auf bestürzende Weise real machen. Es lässt sich ohne große Probleme recherchieren, wo der Soldat gedient hat, wo er zum Zeitpunkt des Briefeschreibens gewesen ist. Oft sind solche Briefe oder Karten mit einem Stempel “Neue Adresse abwarten” oder “Aufenthalt unbekannt” versehen. Der Inhalt ist ebenso interessant – wir teilen die Nöte und Freuden der Familienangehörigen und der Frontsoldaten. Erzählt diese Geschichten einem Freund, Euren Kindern oder Enkelkindern. Vielleicht erweckt Ihr in einem von ihnen die Flamme, die Euch zu Briefmarkensammlern gemacht hat. Nämlich die Neugierde, die nur einen Schritt, einen Brief, eine Karte weit weg ist.
Was bringt uns das Jahr 2026?
Das erste Highlight ist die regionale Briefmarkenausstellung in Trochtelfingen. Ich freue mich schon darauf, ins Herz der Alb zu fahren und dort viele Freunde zu treffen! Organisator ist ein sehr engagiertes Team um Ehrenpräsident Peter Kuhm und dem 2. Vorsitzenden des LV Südwest, Dr. Markus Kohler. Den Landesverbandstag am 13. Juni 2026 in Worms muss ich schwänzen, da ich im schönen Paris Teil der Jury der “ParisPhilex 2026” sein werde. Der Herbst erfährt mit der Internationalen Briefmarkenbörse Ulm seinen Höhepunkt! Die “Royal Philatelic Society London” ist als Gast für die “Postgeschichte Live” eingeladen. 200 Rahmen sind für unsere englischen Gäste reserviert! Eine regionale und eine nationale Briefmarkenausstellung ist ebenfalls geplant und zahlreichen Arbeitsgemeinschaften haben schon Stände reserviert. Daneben locken die zahlreichen nationalen und internationalen Händler. Anfang November bietet die regionale Ausstellung in Gaildorf einen schönen Rahmen, um sein Exponat zu präsentieren und sich für die Multilaterale Ausstellung in Ulm 2027 zu qualifizieren. Noch kann man sich dort anmelden! Übrigens auch in Ulm.
Ihr seht, dass reine Briefmarkensammeln hat seinen Kipppunkt schon seit dreißig oder vierzig Jahren hinter sich gelassen. Wenn ich jetzt als Pessimist rübergekommen sein sollte, das war nicht meine Absicht. Wir müssen uns der Mittel bedienen, die uns geboten werden. Die Digitalisierung mit ihren zahlreichen Plattformen geben Briefmarkensammlervereinen eine gute Plattform, um auf ihr Hobby aufmerksam zu machen. Bitte nutzt diese Chance! Unser Hobby ist es wert, dass wir dafür mit Leidenschaft kämpfen!
[Aus der Mitgliederzeitschrift des Landesverbandes Südwest mit Zustimmung des Vorstands und unseres Mitglieds Lars Böttger, BPP]
Am: 03.04.2026 10:12:34
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# 2
Leider fehlt mir sowohl Zeit als Muse um eine auch nur annähernd lange Antwort auf den langen Beitrag von Lars zu schreiben.
ich hoffe ich bin nicht der Zweckoptimist, wenn ich sage, dass ich es nicht so pessimistisch sehe wie Lars.
Alle Sammelgebiete sind zyklisch.
Gerade erst lese ich in der Presse, dass Oldtimer das s.g. Garagengold, plötzlich unbeliebt sind, sprich einen massiven Preisverfall haben.
Münzen waren lange Jahre tot, ich glaube mit der Einführung der Euromünzen wurde dieses Gebiet wiederbelebt.
Der Philateliemarkt ist, wenn man die aktuellen Auktionsergebnisse sieht, gesund, OK, das betrifft nicht die Standardware, sprich Abo Sammlungen ab den 1960er Jahre.
Es gibt genug interessante Sammelgebiete in der Philatelie die es wert sind zu sammeln und zu erforschen. OK die höchsten Ehrungen wird man damit nicht erreichen, aber sie dürften recht zukunftssicher sein. Und dann gleich mein Kleingedrucktes. Ich hoffe dass ich mich da nicht irre.
Am: 03.04.2026 10:33:26
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# 3
@ 22028 [#2]
Hallo Rainer,
Menetekel Telefonkarten oder Zigarrenbinden oder Streichholzschachteln. Oder Schallplatten! Pokemonkarten sind gerade beliebt, aber irgendwann wird der Boom vorbei sein.
Der Philateliemarkt ist, wenn man die aktuellen Auktionsergebnisse sieht, gesund
Da habe ich eine komplett andere Ansicht. Der Markt für Standardware und Sammlungen ist m.E. am Zusammenbrechen. Hier muss von den Auktionshäusern alles verramscht werden, weil es sonst keinen Käufer findet. Spitzenphilatelie ist hier die Ausnahme. Ich sehe oft Sammlungen von erfahrenen Sammlern und die Preise, die vor dreissig, vierzig Jahren bewilligt wurden. Heute findest Du keinen Interessenten für die Briefmarken und Belege.
Auf der anderen Seite werden auf einmal Sachen erschwinglich, die bisher ausser Deine Reichweite waren.
Beste Grüsse!
Lars
Am: 03.04.2026 10:40:29
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# 4
@ Lars Boettger [#3]
Da habe ich eine komplett andere Ansicht. Der Markt für Standardware und Sammlungen ist m.E. am Zusammenbrechen.
Das mit der Standardware schrieb ich bereits in meiner Antwort. Hast Du ggfls überlesen.
Auf der anderen Seite werden auf einmal Sachen erschwinglich, die bisher ausser Deine Reichweite waren.
Absolut, sehe ich gerade erst mit Tibet.
Am: 03.04.2026 11:30:44
Gelesen: 8446
# 5
@ Lars Boettger [#3]
Da du Schallplatten ansprichst: Die erleben einen Boom. In den USA ist der Umsatz mit Schallplatten höher als der von CDs. Klar, weil weniger CDs gekauft werden. Aber auch, weil mehr Schallplatten produziert und verkauft werden können.
Was mich wieder dazu verleitet, meine alte Platte aufzulegen: Es ist alles eine Frage des Marketings. Dein Posting hier ist leider ein Beispiel für schlechtes Marketing. Keiner lässt sich mit einer Doomsday-Story begeistern.
Am: 03.04.2026 12:38:34
Gelesen: 8384
# 6
@ TeeKay [#5]
Dein Posting hier ist leider ein Beispiel für schlechtes Marketing.
Dann hast du vermutlich den Abschnitt "Wie geht es weiter?" in [#1] nicht gelesen.
Keiner lässt sich mit einer Doomsday-Story begeistern.
Keinem ist geholfen, wenn du als Realitätsverweigerer die Welt nur durch die rosarote Brille betrachten willst.
Am: 03.04.2026 13:55:32
Gelesen: 8322
# 7
Heute ist Karfreitag, also ist heute Kreuzigung, da muss man einfach mit einem morbiden Artikel zur Philatelie rechnen (haben wir ja jedes Quartal).
Gedrückte Stimmung, liebe Sammler? Alles Quatsch, guckt mal hier – Bibelzitat:
Und weil morgen Ostersamstag ist, also Auferstehung, lege ich noch was drauf:
(….und siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an das Ende der Welt – Bibelzitat als Beispiel für gutes Marketing).
Prima, dann kann ich ja jetzt ohne weiteres schlechtes Gewissen, gleich meine Sortierung von gerade einmal 10 verschiedenen Sorten der Briefmarken des vereinten Deutschland von 1990 abschließen (dabei Maschinengestempeltes, Wellenstempel aber auch - Gott sei bei uns! - Versandstellengestempeltes) furchtbar billig, zahlreich und von gestern, aber eben auch furchtbar spannend, gut gestaltet und unglaublich unterhaltsam.
Für die Stempeldatenbank - also für uns alle, wenn Ihr so wollt - fällt auch noch was ab.
Und Ihr wisst ja: wer sortiert, sündigt nicht.
Und weil morgen Ostersamstag ist, also Auferstehung, lege ich noch was drauf:
(….und siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an das Ende der Welt – Bibelzitat als Beispiel für gutes Marketing).
Prima, dann kann ich ja jetzt ohne weiteres schlechtes Gewissen, gleich meine Sortierung von gerade einmal 10 verschiedenen Sorten der Briefmarken des vereinten Deutschland von 1990 abschließen (dabei Maschinengestempeltes, Wellenstempel aber auch - Gott sei bei uns! - Versandstellengestempeltes) furchtbar billig, zahlreich und von gestern, aber eben auch furchtbar spannend, gut gestaltet und unglaublich unterhaltsam.
Für die Stempeldatenbank - also für uns alle, wenn Ihr so wollt - fällt auch noch was ab.
Und Ihr wisst ja: wer sortiert, sündigt nicht.
Am: 03.04.2026 14:03:44
Gelesen: 8311
# 8
@ TeeKay [#5]
Die erleben einen Boom. In den USA ist der Umsatz mit Schallplatten höher als der von CDs.
Hier muss man differenzieren: Wer kauft denn noch CDs? Da ist es einfach, mit Schallplatten mehr Umsatz zu machen, weil es einfach "cooler" ist, eine Schallplatte anzuhören als eine relativ neutral klingende CD.
Ich habe mich bei meinem Kommentar auf die Schallplatten (und Plattenspieler) der fünfziger bis achtziger Jahre bezogen. Oder nimm alte Möbel. Oder Modeleisenbahnen. Oder sakrale Kunst. Was vor dreissig Jahren gesucht war, ist heute ein Ladenhüter. Und ich meine, dass man nicht alles mit Marketing zukleistern kann.
Ich unterhalte mit sehr gerne mit meinen jüngeren Kollegen über Musik. Wenn ich meine Musikhelden aus den achtziger Jahren nennen, dann kennen sie vieles nicht mehr. Geh mal mit einem Dreissigjähringen auf die Post und lasse ihn einen Brief aufgeben. Die sind damit vielfach überfordert.
Beste Grüsse!
Lars
Am: 03.04.2026 15:02:31
Gelesen: 8243
# 9
Hallo,
Mir gefällt diese Herangehensweise am besten: @ Bendix Gruenlich [#7]
Wie ich schon in anderen Themen sagte, der Kipppunkt ist schon mindestens 15 Jahre überschritten. Und das bietet uns eine super Gelegenheit Nichtsammler einen einfachen Einstieg zu gewähren. Man muss nicht der Spezialist sein, man muss nicht viel Geld investieren und man muss nicht perfekt die Konservierung durchführen (Fingerdoper auf dem Gummi? egal! habe die Marke noch 1000 mal postfrisch).
Bei dem letzten Tauschtag den ich besuchte, gab es eine Sandkastengroße Kiste mit vermutlich 100 000 Michel-€ für Kinder zum wühlen. Das konnte man sich vor 40 Jahren nicht leisten, jetzt kein Problem mehr.
Meine erste Sammlung ist sehr langsam gewachsen und war auf den guten Willen meines Opas und weniger Bekannter und der wenigen Händler in meiner Reichweite angewiesen, letzteres nur mäßig ausgeprägt, vermutlich wegen meinem Budget. Auch Anfang der 80er war das mit der Tagespost nicht ganz so gigantisch wenn die Familie nicht hundert mitteilungsfreudige Freunde rund um den Globus hatte. Und dann kam das Internet und der Kipppunkt wurde endgültig überschritten und meine Sammlung ist beinnahe explodiert. Ich musste mich sogar strikt begrenzen (nicht nur monetär) um ein Ausufern zu vermeiden.
Also nutzen wir die Gunst der Stunde (die Stunde nach dem Kipppunkt) und freuen uns an der riesigen Masse an frei werdendem Material.
Und nun komme ich wieder zurück zu Beitrag [#7]: wer sein Herz an Geld hängt, wird auf jedenfall enttäuscht (spätestens am Ende, wenn das Geld auch nicht mehr hilft), wer aus Spass sammelt und sein Herz an was beständigeres hängt, vielleicht nicht.
Und eine Bitte an den letzten Philatelisten: Licht ausmachen nicht vergessen.
Damit auch ne Marke zu sehen ist: den ganzen Bogensatz zur folgenden Marke hätte ich mir nicht geleistet, ohne Überschreitung des Kipppunkt:
Schöne und segensreiche Ostern (weder Wunsch noch Befehl, sondern eine Feststellung)
Winfried
Schöne und segensreiche Ostern (weder Wunsch noch Befehl, sondern eine Feststellung)
Winfried
Am: 03.04.2026 15:03:14
Gelesen: 8241
# 10
Hallo Lars,
ich habe mir den Luxus geleistet, Deinen Artikel gleich 3 x durchzulesen. Besser ist besser. Es gibt Punkte bei denen ich Dir Recht gebe - die Jugend dafür zu begeistern wird prozentual gesehen nur wenig gelingen. Dazu ist die Reizüberflutung, die sich ihnen bietet, zu groß. Ich würde Dir auch zustimmen wenn Du feststellst, das die staatlichen Postanstalten im Streben nach Profit das Sammeln unattraktiv gemacht haben, ja teilweise sogar zerstört haben. Auch das pure Sammeln von Briefmarkenausgaben eines Landes ist im Wesentlichen nicht mehr Gegenstand der Philatelie. Das beobachte ich aber schon seit Mitte bis Ende der 80er Jahre.
Wenn ich mich selbst betrachte, ich habe mit dem Sammeln etwa Mitte der 60er Jahre angefangen mit einer Ländersammlung, so habe ich mich selbst grundlegend gewandelt. Ende der 80er Jahre habe ich meine Ländersammlung weggelegt und erst etwa 2010 wieder Briefmarken angefaßt. Als ich dann bei einem deutschen Auktionshaus eine Sammlung Tschechoslowakei 1945 - 1990 für 200 € erstanden hatte und sie von da an im Schrank stand merkte ich - so nicht. Diese Sammlung habe ich der Tochter meiner Postzustellerin (Zufall) geschenkt und mich von da ab meinem Thema gewidmet - der Luftpost der Tschechoslowakei bis 1939. Ich habe mit rund 60 Jahren erst kapiert, das Briefmarken sammeln nicht das aneinander reihen von kleinen Bildchen sein kann sondern die Beschäftigung mit einem Thema sein muß. Ja ich habe lange gebraucht bis zu der Erkenntnis, dafür befriedigt mich das umso mehr jetzt. Ich habe im Laufe der letzten Jahre Entdeckungen machen können, die ich nie für möglich gehalten habe (siehe letzter Beitrag).
Was ich damit sagen will, es bedarf auch einer gewissen Reife und soliden Wissens, um sich solchen Spezialgebieten zu widmen. Und das ist unserer Jugend zum großen Teil noch verwehrt. Somit wird sich die Klientel der Sammler wohl grundsätzlich in das etwas reifere Alter verlagern.
Was die Wertigkeit von Sammlungen betrifft so stimme ich denen zu, die von zyklischen Schwankungen sprechen. Tschechoslowakei bis 1939 war noch vor 10 Jahren zu Spottpreisen zu erwerben. Da bekam man den Hymnenblock geprüft noch für 10.000 Kc. Heute bezahlt man für das Blockpaar etwa 24.000 Kc (zugegeben ein Extremfall) und für viele andere Werte erheblich Aufschläge. Auch für Flugpostbelege der 1.Republik muß man heute etwa 50% mehr auf den Tisch legen, wenn überhaupt etwas außerhalb von Auktionen auf dem Markt ist.
Zumindest für Tschechien bin ich noch recht optimistisch was die Prognose betrifft, auch wenn hier die Veränderungen Fuß fassen.
Ach ja und eines noch was die Bürokratie in den Verbänden betrifft - sowohl in Deutschland als auch hier. Ich bin deutscher Staatsbürger mit ständigem Wohnsitz in Tschechien. Diese Kombination verhindert es, mich einem der beiden Verbände anzuschließen. Auch ein Grund warum manche Sammler Einzelkämpfer sind.
Beste Grüße
Detlev
Am: 03.04.2026 15:32:50
Gelesen: 8205
# 11
@ Detlev0405 [#10]
Ach ja und eines noch was die Bürokratie in den Verbänden betrifft - sowohl in Deutschland als auch hier. Ich bin deutscher Staatsbürger mit ständigem Wohnsitz in Tschechien. Diese Kombination verhindert es, mich einem der beiden Verbände anzuschließen. Auch ein Grund warum manche Sammler Einzelkämpfer sind.
Das hat zwar nichts mit dem Thema an sich zu tun aber mir ist nicht bekannt, dass Du um den BDPh anzugehören Du einen Wohnsitz in Deutschland brauchst. Umgekehrt mit Tschechien meines Wissens auch nicht.
Am: 03.04.2026 21:27:19
Gelesen: 8005
# 12
Hallo Lars,
Deine schonungslose Analyse der heutigen Situation der Philatelie trifft genau ins Schwarze, auch wenn einige Schönredner die heutige Situation nicht glauben wollen. Wir müssen uns eingesehen, dass die Zeiten der Briefmarke als Quittung für die Versendung von Briefen endgültig vorbei sind. Die Post braucht sie nicht mehr. Wenn über kurz oder lang die Stempelung von Briefen mit QR-Marken wegfällt, gibt es auch für die Heimatsammler nichts mehr zum Sammeln.
Bis zu einem fernen Zeitpunkt, wo man Gegenstände über die Leitung „beamen“ kann, wird es zwar noch den traditionellen Postversand geben, aber Briefe werden dabei die Ausnahme sein. So ganz ohne Sammelobjekte ist der boomende Päckchen- und Paketversand auch nicht. Auch dafür gibt es Belege, die den Versand dokumentieren. Sie sind zwar nicht so bunt wie die Produkte, die heute als Briefmarken verkauft werden und den Namen nicht verdienen, weil sie nie einen Brief sehen.
Ob sich die organisierte Philatelie mit diesen neuen Versendungsformen beschäftigen wird, wage ich zu bezweifeln. Klassik beherrscht die Ausstellungen und moderne Philatelie nach 1945 fristet ein Schattendasein.
Nachdem Sammeln scheinbar ein Urtrieb des Menschen ist, wird es für alles weiterhin Sammler geben, auch wenn diese dann keine Philatelisten im heutigen Sinne mehr sein werden.
Gruß
Bernd
Am: 03.04.2026 21:38:05
Gelesen: 7988
# 13
Hallo Lars,
ich kann vielen Punkten Deiner Analyse zustimmen.
Allerdings wirfst Du m.E. in Deinem Beitrag zu viele verschiedene Dinge in einen Topf, die man besser trennen sollte. Diese Trennung ist auch deshalb erforderlich, weil ansonsten ganz schnell der von TeeKay beklagte Eindruck einer "Doomsday-Story" entsteht.
Also versuche ich mal zu differenzieren:
Erstens: Gleich im ersten Satz sprichst Du nicht mehr von der Philatelie allgemein, sondern von der organisierten Philatelie. Auch im weiteren Verlauf Deines Beitrags nimmst Du immer wieder Bezug auf die organisierte Philatelie. Das Phänomen, Philatelie plötzlich "ohne in einem Verein zu sein, ohne organisierte Philatelie" betreiben zu können, beschreibst Du korrekt für den Zeitraum seit mindestens 1998. Das ist doch ein sehr wesentlicher Punkt. Halten wir fest: Nicht der Kipppunkt der Philatelie ist möglicherweise erreicht, sondern der Kipppunkt der organisierten Philatelie, die immer ihren alten Stiefel weiter machen möchte, ist längst überschritten und es bedarf dringend radikaler Reformen.
Zweitens: An vielen Stellen Deines Beitrags sprichst Du von philatelistischen Produkten, die als Massenware zum Schaden der Sammler von den Postverwaltungen verschiedener Länder über die Menschheit gekippt wurden. Natürlich sind diese Produkte inzwischen nicht mehr interessant, werden eher gehasst als wertgeschätzt und sind auch keine gute Werbung für die Philatelie. Du schreibst es dann an anderer Stelle auch selbst: Der Kipppunkt ist vor allem für diese "Standardware" erreicht. Halten wir fest: Nicht die gesamte Philatelie ist gekippt, sondern lediglich der Teil, der sowieso immer nur auf Gewinnmaximierung durch Massenware ausgerichtet war. Um diesen Teil ist es ehrlich gesagt überhaupt nicht schade, da gibt es nichts zu trauern.
Drittens: Jetzt wird es unter der Überschrift "Wie geht es weiter" sehr interessant. Da erzählst Du nicht mehr die Doomsday-Story vom Niedergang der Philatelie, sondern machst Hoffnung: Das viele Material, was auf den Markt kommt, ist "ein absoluter Glücksfall", yes! Wir merken das doch auch hier im Forum, z.B. in der Stempeldatenbank. Immer wieder gibt es neue Funde und es gibt auch interessierte Personen, die sich "forschend und sammelnd" mit der Materie beschäftigen. Klar, das könnten ruhig auch noch mehr Menschen sein, auch da gebe ich Dir recht.
Fazit: In Deinem Beitrag ist eigentlich alles inhaltlich korrekt dargestellt, es ist nur etwas zu wenig Struktur und etwas zu wenig positive Perspektive in den Überlegungen. Und die Überschrift ist falsch. Es geht nicht um "die Philatelie". "Die Philatelie" erfreut sich bester Gesundheit und profitiert vom Niedergang der Massen-Philatelie. Was leider fehlt: Eine angemessene Dynamik in der organisierten Philatelie, mit der diese neuen Bewegungen aufgegriffen werden. Da fehlt mir inzwischen aber leider die Phantasie, um auf bessere Zeiten zu hoffen. Also wird auch die institutionelle Verankerung der "Philatelie 2.0" eine andere sein: sie wird sich in Foren (wie den philaseiten), in sozialen Netzwerken und in kleinen spezialisierten Gruppen (wie z.B. der sehr lebendigen Poststempelgilde) abspielen.
Vorschlag für eine neue Überschrift: Philatelie 2.0 - die Zeit ist reif für eine neue philatelistische Perspektive!
In diesem Sinne: Frohe Ostern (resurexit!)
Christoph
Am: 04.04.2026 13:10:45
Gelesen: 7739
# 14
Hallo zusammen,
vorweg, die besten Beiträge hier sind von Bendix [#7] und Winni [#9], weil sie ein positives Bild zeichnen und nicht in das immer gern vorgebrachte Lamento und dem Nachweinen auf die vermeintlich "guten, alten Zeiten" verfallen. Danke euch beiden dafür! ;-)
Die Überschrift "ist der Kipppunkt erreicht" passt m.E. nicht, von dem negativen Klang ganz zu schweigen.
Die Philatelie ist nicht umgekippt (wie z.B. ein verseuchtes Gewässer), sie hat sich einfach weiterentwickelt wie so vieles im Laufe der Zeit. Die Umwelt, die Technik, der Bedarf und natürlich auch die Gesellschaft unterliegen einem ständigen Wandel und Weiterentwicklung. Warum sollte ausgerechnet die Philatelie davon verschont bleiben? Gerade die Älteren unter euch freuen sich doch auch darüber, heute noch mit einem E-Bike unterwegs sein zu können und nicht mühevoll selbst in die Pedale eines Dreigang-Rades treten zu müssen. ;-)
Nun können wir die heutige Philatelie, wie das so viele "alteingesessene" Philatelisten nicht müde werden zu tun, beklagen, beweinen und sich darüber beschweren oder aber positiv nach Vorne blicken. Also entweder das Überangebot an philatelistischem Material geniessen und/oder uns mit der modernen Philatelie beschäftigen, oder auch im Kreise Gleichgesinnter die Philatelie von früher weiter betreiben. Letzteres aber natürlich in dem Bewusstsein, dass man dann zu einigen wenigen "Exoten" zählt und nicht erwarten darf, dass sich die weiterentwickelnde Umwelt, speziell die Post- und Kommunikationstechnik um unseren nicht mehr massgeblichen Bedarf kümmert.
Die Philatelie als Hobby ist dank der gesellschaftlichen Entwicklung heute nur noch eine Nischenbeschäftigung, aber für diejenigen die sich gerne damit beschäftigen oft "das schönste Hobby auf der Welt". Und wenn es das denn ist, warum sollte ich mich dann über die ganz normalen Begleitumstände (veränderter Postalltag, rückgängige Mitgtliederzahlen etc.) beklagen? Da orientiere ich mich doch lieber an den positiven Begleitumständen, freue mich darüber und stelle diese auch in meinem Umfeld in den Vordergrund. Teekay hat da völlig Recht, wenn er von positivem Marketing spricht und schreibt.
Der völlig falsche Weg ist auch, wie er leider von vielen Verbänden und philatelistischen Organisationen eingeschlagen und vorgelebt wird, stur wie ein alter Esel den alten Gepflogenheiten hinterherzurennen und damit (schon längst) den Anschluß verpasst zu haben. Es ist völlig sinnlos, z.B. Klimmzüge zu veranstalten um die Jugend an die Philatelie heranzuführen. Das klappt schon seit Jahren nicht mehr und wird zukünftig auch nicht anders werden. Wer die heutige Zielgruppe für das Hobby Philatelie ist und/oder sein könnte wurde schon oft genug erörtert und dieser Zielgruppe muss oder sollte ich ein positives Bild präsentieren und nicht über das längst Vergangene weinen.
Also überlegt mal selbst, möchtet ihr als Philatelisten als ewig gestrige, grieskrämige Nörgler darstehen oder vielleicht lieber als positiv aufgeschlossene, durchaus "Exoten", bei euren Mitmenschen die Neugier erwecken, was das eigentlich genau ist, womit ihr euch beschäftigt?
In diesem Sinne, frohe Ostern und schöne Feiertage,
Peter
Am: 04.04.2026 20:39:45
Gelesen: 7525
# 15
@ filunski [#14]
Also überlegt mal selbst, möchtet ihr als Philatelisten als ewig gestrige, grieskrämige Nörgler darstehen oder vielleicht lieber als positiv aufgeschlossene, durchaus "Exoten", bei euren Mitmenschen die Neugier erwecken, was das eigentlich genau ist, womit ihr euch beschäftigt?
Hallo Peter,
wenn man ein Teil der organisierten Philatelie ist, sollte man zu sich und zu seinen Mitglieder ehrlich sein. Mein Beitrag ist eine aus meiner Sicht und meiner Perspektive genau das.
Für mich liegt der eigentliche Kipppunkt schon lange zurück. Ich teile Deine Meinung, das wir nicht mit aller Gewalt die Jugend für unser Hobby begeistern müssen. Andererseits liegt das Sammeln in der menschlichen Natur - die Kinder können sich für das Briefmarkensammeln begeistern, aber es fehlt an Betreuern in den Vereinen. Für mich liegt der Erfolg der Philatelie im Erzählen von Geschichten. Hierzu eignen sich die neuen Medien sehr gut. Aber selbst wenn man als "Stampfluenzer" Erfolg hat, bringt es im ersten Augenblick keine neuen Vereinsmitglieder. Diesen Spagat hat m.W. (ich kann mich irren) noch keiner geschafft.
Einen Hintergedanken hatte ich natürlich - ich wollte auf allen Ebenen der Philatelie zum diskutieren anregen. Und dafür eignet sich ein "Doom and Gloom"-Artikel besser, als ein optimistischer Artikel.
@ Christoph 1 [#13]
Für mich läuft die Entwicklung in der organisierten und der nichtorganisierten Philatelie parallel. Ich hatte den Beitrag im Editorial der Zeitschrift Südwest Aktuell veröffentlicht. Die Südwest Aktuell wird von organisierten Sammlern gelesen.
Beste Ostergrüsse!
Lars
Am: 05.04.2026 00:33:28
Gelesen: 7392
# 16
Einer der wesentlichen Schwachpunkte der organisierten Philatelie - das betrifft Ortvereine wie auch ArGen - ist die Überalterung. Ich gehöre u.a. drei britischen ArGen an, wobei die eine mit knapp 500 Mg. zu den größten ArGen der Welt gehört, aber leider wohl auch zu den jahrgangsältesten.
Früher gab es in deren Quartals-Journal 3 Seiten Personalien und 97 Seiten Fachbeiträge. Mittlerweile gibt es um die 20 Seiten Personalien - von Regionaltreffen im Kreis beim Picknick bis zu Riesenfressereien und natürlich auch "wein"lichen Verköstigungen oder großen Bierhumpen - alles mit -´zig Fotos belegt - und eben nur noch 80 Seiten Fachbeiträgen.
Die Alten Weißen Herren feiern und feiern und nostalgisieren. Das Durchschnittsalter dürfte 75, wenn nicht 80 sein. In einer von mir seit 1 Dtzd. Jahren geleiteten ArGe (130 Mg.) dürfte das Durchschnittsalter bei 60 liegen, aber nur, weil wir ein paar Jungspunde haben, die die über 80-Jährigen "ausgleichen". Da liegt das Problem:
Mein großer britischer Club kann unmöglich in 10 Jahren noch 500 Mg. haben - er wird dann 300 haben, und die 300 kaufen die Sammlungen der verstorbenen 200 für´n Appel & Ei. Habe ich selbst erlebt: Einer der größten britischen Philatelisten (und Miteigentümer der Kaufhauskette Marks & Spencer), Simon John Sacher (soll auch mit der Wiener Familie Sacher ´was zu tun haben) kaufte seinerzeit den Markt leer und ließ alle eifrigen Sammler im Trockenen sitzen.
Seit seinem Tod - das ist fast wie bei Erivan Haub, dort nur "spitzenklassiger" - flutet seine Postgeschichte den Markt, und man bekommt Belege für 100 €, für die man früher 500 Pfund hätte aufbringen müssen. Da unsere Clubs alle zu alt sind und derzeit auch gutes Material in Mengen vererbt wird, gleichzeitig aber die Masse der dafür infragekommenden Sammler sinkt, sinkt natürlich auch die Nachfrage.
Die Philatelie wird nicht so leicht sterben, aber der Fokus ändert sich. Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass beim Württembergischen Auktionshaus Aden, Kambodscha, Macao, Laos und Vietnam zu Spitzenpreisen weggehen? Wohingegen Bund-Berlin-DDR-Saar von Ausnahmen abgesehen bei 2-4 % vom Katalog unter die Leute geht - ein Kölner Auktionator sagte mir "tu mir den Gefallen und bring das Zeugs nicht vorbei!" Ein Bonner Auktionator meinte, mit Bund könne er seine ganze Straße pflastern! Und ein Aachener Auktionator sagte gerade das Gegenteil: Berlinsammlungen gestempelt ohne Ersttags- oder Versandtsellenstempel sowie gut erhalten und mit Besonderheiten (Eckrändern usw. gespickt) gehen zum vollen Michel weg.
Spitzenphilatelie wird es weiter geben, das ist aber keine Massenbewegung. Wenn nur 1/10.000 aller Chinesen das Sammeln entdeckte, reichen die Auflagen der Kulturrevolution nicht mehr aus, und man schaut auf die umliegenden Länder. bei 1,6 Mrd. Leuten reicht dann die Menge immer noch aus (das dürften 160.000 potent zahlende Sammler sein?).
Ich bin seit knapp 70 Jahren begeisterter Sammler, bin Prüfer und seit 7 Jahren auch Auktionshausmitarbeiter, erlebe also "den Markt" jede Woche. Immerhin gibt es ab und zu Vergnügliches anzuschauen, was auch super unter den Hammer fällt. Aber diese tollen Erlebnisse machen eben auch nur 5 % der Einlieferungen - gemessen an den einliefernden Fällen - aus.
Das ist zwar betrüblich, aber das Ende der Philatelie sehe ich doch noch nicht.
Am: 05.04.2026 11:23:20
Gelesen: 7199
# 17
Mein eigener Ortsverein, der mit rund 100 Mitgliedern seit Jahren die Spitze aller Vereine im Rheinland stellte, sackte kürzlich todesbedingt auf gut 90 runter. In gut 2 Monaten bekamen wir 3 Neuaufnahmen von Leuten um die Mitte sechzig. Das lässt etwas aufatmen, aber die finale Lösung zum Lebendighalten des klassischen Ortsvereins ist es nicht.
Da steht demnächst wohl mal wieder eine Fusion - in diesem Falle der Siegburger mit den Bonnern (die sich ja kürzlich erst selbst aus drei Bonner Vereinen gebildet hatten) an. Und in den Spitzen beider Vereine sitzen Leute, die auch noch in drei Auktionshäusern tätig sind, von Bonn über Neuss bis Wiesbaden - ist das nicht cool?
Bei den ArGen erlebte ich in den letzten 4 Jahren 5 Male Absterben bzw. Fusionen:
1. die schweizer "Kolonialbriten" (GB&CwPS) mit den Briten der deutschen FgGB,
2. die britischen Jugos (YSG) lösten sich ganz auf, behalten aber ihren regelmäßigen Rundbrief bei,
3. die britischen Osmanen (OPAL), einst eine schlagkräftige Truppe, lösten sich mangels Vorstandsfunktionen auf
4. die deutschen Jugos (ArGe-YU) nahmen die sterbenden Bulgaren auf und nennen sich jetzt "SOPhia" (siehe unter "Arbeitsgemeinschaften"),
5. die deutschen Inder und Südasiaten (FGI) bringen seit 6 Jahren keinen Rundbrief mehr zustande und bereiten sich durch Satzungsänderung aufs Sterben vor - all das ist schon gruselig.
Es gibt aber auch Leute vom Fach, die sagen, dieser Art Flurbereinigung verschaffe den neuen Strukturen Aufwind und Zukunftsfähigkeit. Ihr Wort in Gottes Ohr!
Am: 05.04.2026 14:33:09
Gelesen: 7104
# 18
@ JanClauss [#16]
@ JanClauss [#17]
Dieses Phänomen das JanClauss schildert, erlebe ich momentan haut nahe in der einen ARGE kam gerade heute morgen eine Mitteilung, daß ein Mitglied sich aus der aktiven Tätigkeit zurückzieht und nicht mehr in Deutschland wohnt, ein Austritt scheint wahrscheinlich. Selbiges Mitglied ist bereits aus einer anderen ARGE ausgeschieden.
In einem anderen Verein laufen bereits Bestrebungen der Auflösung, im besten Falle findet eine Fussion statt (Mangels Mitglieder die den Vorstand übernehmen (altersbedingt)).
Die Gründe warum dies nun eintritt, sind so vielfältig wie die Ortsvereine und ARGEn. Manchmal ist auch der ein oder andere Verantwortliche mit daran schuld, in dem er beharrlich bis ins hohe Alter an seinem Posten festhält und jüngere nicht machen läst.
Junge Sammler möchten sich aber auch andererseits nicht in ein gewisses Korsett zwängen lassen, hier hat sich einiges geändert durch Facebook, Twitter und andere soziale Medien. Meiner Meinung nach sollten hier die Vereine auch mit der Zeit gehen.
Am: 05.04.2026 15:20:30
Gelesen: 7064
# 19
@ JanClauss [#17]
Es gibt aber auch Leute vom Fach, die sagen, dieser Art Flurbereinigung verschaffe den neuen Strukturen Aufwind und Zukunftsfähigkeit. Ihr Wort in Gottes Ohr!
Die Grundidee einer Stärkung durch Konsolidierung ist zumindest im Wirtschaftsleben verbreitet und kann, wenn die "Rahmenbedingungen" passen, auch wirklich Sinn machen bzw. zu einer "Zukunftsstärkung" führen. Dann müssen aber auch die Protagonisten auf Augenhöhe zusammenarbeiten (wollen), inklusive dem "Fußvolk".
Und was wichtig ist, dass so etwas frühzeitig genug passiert, solange noch genug Substanz vorhanden ist, dass aber dann auch alle Seiten davon profitieren. Ein Zusammenführen von 'zusammenbrechenden' Strukturen zu einer neuen 'angedacht gesunden' Form, ist wenig erfolgversprechend, das zieht maximal den Zusammenbruch in die Länge. Zwei "Schwache" ergeben nicht zwangsläufig ein "Starkes". Und von "fast Null" neu aufzubauen ist sehr viel problematischer, als von "50-75%", zumindest für "Nischenfelder". Und ein einfaches Schlucken eines 'schwächeren' Partners durch einen 'stärkeren' hinterläßt beim 'schwächeren Fußvolk', den gefühlten "Verlierern", kein gutes Gefühl für eine gemeinsame bessere Zukunft.
Im Prinzip muss jetzt die Konsolidierung erfolgen, nicht erst, wenn es für viele Gruppierungen nicht mehr anderes geht.
Und in meinen Augen müsste eigentlich in der gesamten organisierten Philatelie so eine Konsolidierung baldigst eingeleitet werden. Noch sind die meisten Player noch (tat-) kräftig genug.
Und kurz zum Kipppunkt: Ja, natürlich haben wir diesen längst überschritten, zumindest als omnipräsente "Massenbewegung". Ohne Omnipräsenz (medial, wie nichtmedial), kein Massenzustrom. Da nützt auch eine professionelle Marketingoffensive nichts mehr. Das gilt auch für den Markt, zumindest als Massenmarkt - für "supermarktähnliche Versandhäuser" et al. (für Standard) und für einen direkten bwz. indirekten Second Hand-Markt für "Normalos" auf Augenhöhe (es werden einfach sehr viel mehr Sammlungen aufgelöst, als neue entstehen, Punkt).
Der normale Markt ist gekippt. Im wesentlichen ist der Markt in Richtung Käufermarkt gekippt, die Verkäuferseite verliert ihre Marktposition der "Gleichwertigkeit". Die wenigen interessierten Käufer bestimmen die Preise "nach unten". Die Verkäufer verlieren. Auch hier wird eine fortschreitende Konsolidierung die Folge sein, bis sich hoffentlich wieder ein "gesundes" trägfähiges Niveau für beide Seiten erreicht ist. Und auch hier gilt, Player die bereits "zu untragfähig" geworden sind - besitzen im Wesentlichen nur noch eine Adresskartei oder einen etablierten Namen als "Kapital" - bieten aber außer der freigewordenen Konkurrenzlücke keinen Mehrwert für den Übernehmenden. Für Vereine ist dieser Ansatz aber nicht erstrebenswert. "75%" der freigesetzten Altmitglieder solcher schwachen, 'untergegangenen' Vereinigungen bleiben im Anschluß vereinsfrei.
Und natürlich müssen wir das alles, inklusive den negativen Aspekten - auch öffentlich - ansprechen, thematisieren und diskutieren. Ein teekayisches Verschweigen und nur rosarote, mediale Schönfärberei im schulbuchmäßigem Marketingsprech ist der vollkommen falsche Ansatz. Sachlichkeit, Ehrlichkeit ist der Weg. Eine Lösung erreiche ich nur, wenn das Problem erkannt und klar benannt habe. Und womöglich unbeliebte, schmerzhafte Schlüsse ziehen muss. Wenn ich aber so ein Marketing-Neusprech höre, hat für mich der "Wollende" (Funktionär, Werbetreibende o.ä.) bereits vollkommen verschissen, ohne dass ich mich um den Inhalt näher kümmere. Pure Antiwerbung. Wer sowas macht, wird (zumindest von mir) einfach nicht mehr ernstgenommen. Das gilt insbesondere für Unternehmungen jeder Art die vollmundig-wohlklingenden, ausgeklügelten "Unternehmesphilosophien" im voreilenden Zeitgeistsprech auf ihren Webseiten weltfremd vor sich hintragen.
Ich muss Lars in fast allen Punkten zustimmen, wobei das im wesentlichen alles bereits lange bekannte Dinge sind. Es wird nur langsam Zeit, dass das auch zu entsprechenden Folgerungen führt.
Für mich ist die Philatelie noch lange nicht verloren, sie ist sehr lebendig, nur halt anders als in der Guten Alten Zeit. Kleiner und konsolidiert stärker. Und ja, auch die organisierte Philatelie lebt und hat sehr gute Chancen - nach einer (womöglich schmerzhaften) Konsolidierung. Wichtig ist auch, dass sie sich zunehmend auch mal ernsthaft mit modernen Dingen des echten "Postbetriebs" beschäftigt. Weg vom 'einfachen' Briefmarkensammeln, gemeint ist hier im wesentlichen die Briefmarke als reines, künstliches Kommerzprodukt einer Post AG. Klassik ist natürlich auch wichtig und weiterhin extrem bedeutend, auch hinsichtlich der "Geschichtsforschung" und Bewahrung - das sind unsere Wurzeln, bis zur Feldpost der mongolischen Khane oder japanischer Shogune.
Die Philatelie wird (auch für einzelnen Mitglieder) aber überregionaler und internationaler werden, weg vom örtlichen Gasthaus, hin zum Internet, hin zu aktiven (im weitesten Sinne Mitmach-) Arbeitsgemeinschaften, hin zu zentralen Inperson-Events und Conventions. Die Zeit von flächendeckend aktiven Ortsvereinen sollte, zumindest für die "überall breite Tiefe", zunehmend Geschichte werden. Das dürfte leider (!) ein unumkehrbarer Trend sein, den wir (sehr wahrscheinlich) nie wieder drehen können, das müssen wir einsehen und darauf reagieren - ob es uns passt oder nicht.
Beste Grüße
Thomas
Am: 05.04.2026 18:22:07
Gelesen: 6948
# 20
Die Diskussion ist interessant und letztlich hat wohl jeder, der hier schreibt recht. Schauen wir uns die Situation etwas nüchtern an: Die Philatelie als Hobby des kleinen Mannes und als (vermeintlich) sichere Wertanlage auf Basis von Abonnementen ist de facto (fast) tot. Für lose Briefmarken aus den letzten 50 bis 70 Jahren interessiert sich (fast) niemand mehr. Die ganzen Abos waren mehrheitlich eine riesige Geldvernichtung. Die ganzen Versandhäuser für diese Massenphilatelie sind heute konkurs oder haben sich auf andere Märkte konzentriert. Die Anzahl der Versandstellen Abonnenten ist massiv gesunken.
Auch wenn es einen riesigen Wertzerfall gibt, ändert das nichts an der Schönheit und dem Zauber vieler dieser Markenausgaben. Ich habe ganze Jahrzehnte von Marken in schönen Vordruckalben von zahlreichen Ländern erworben. Quasi für nichts und schaue mir diese trotzdem gerne an. Ich habe Altbestände von Frankaturware aus der Schweiz, Liechtenstein oder Frankreich und verwende diese für meine Geschäftspost und die Empfänger lieben die buntfrankierten Umschläge. Aber da ist kein Wert mehr dahinter und auch keine grosse Sammlerschaft.
Gleichzeitig hat sich die Philatelie in den Jahren, seit dem von Lars identifizierten "Kipppunkt" massiv weiterentwickelt. Schaut man sich heute Ausstellungssammlungen an, sind diese viel besser wie noch vor ein, zwei Jahrzehnten. Man findet heute hoch spezialisierte und auch exotische Themen, die vor 25 Jahren nahezu undenkbar waren. Die philatelistische Forschung und Literatur blüht. Internet und einfaches und kostengünstiges Reisen haben zu einer weltweiten Vernetzung geführt. Über das Internet kommt man heute an Materialien, die früher gar nicht erst den Weg zu den Börsen geschafft haben. Und die Suche mit Hilfe der elektronischen Verschlagwortung ist viel besser als früher. Hinzu kommen Scaner, Digitalfotografie, Bildverarbeitung und Übersetzungstools, nur um einige Dinge zu nennen.
Es gibt also ganz klar eine positive Entwicklung. Schaut man aber genauer hin, gleicht das ganze einem Tanz auf dem Vulkan. Die Überalterung wurde schon genannt. Die Dramatik dahinter ist nicht zu vernachlässigen. Wir haben ein Sterben von Sammlern, Vereinen, Arbeitsgemeinschaften, Händlern und Auktionshäusern. Der Nachwuchs fehlt an allen Ecken und Enden. Die Highlights der "Philatelistischen Industrie" wie etwa die Messen in Sindelfingen/Ulm sind trotz aller Besucherrekorde in Frage gestellt. Ohne philatelistischen Nachwuchs wird aus dem Kipppunkt eine dauerhafte Abwärtsspirale.
Die organisierte Philatelie in den "grossen Ländern" mit vielen Mitgliedern ist in einer Art Schockstarre bzw. negiert die Fakten. Gleichzeitig weitet eine kleine Schar von superreichen Funktionären aus Ländern, in den neben Weltausstellungen selten noch Ausstellungen stattfinden, ihr Philatelie-Olympia immer weiter aus und verlieren den Bezug zu den "Normalos" komplett.
In der Summe leider keine guten Aussichten.
Am: 06.04.2026 13:00:28
Gelesen: 6651
# 21
Moin,
ich bin Lars für seine Ausführungen sehr dankbar.
Welche Sammelgebiete der allgemeinen Gesellschaft haben es "mengenmäßig" nicht in die Gegenwart geschafft (Telefonkarten, Zigarren Bauchbinden, Streichholzschachteln, Zuckerwürfel mit Werbung, Tafelservice aus Porzellan, Silberbesteck, Ersttagsblätter, Diddl, Schallplatten, bald CD, Video, Swatch Uhren u.v.m.)
Wer sammelt denn? (Keine Schüler außer kurzfristigen Saison Artikeln wie Panini, Topps und Pokemons, Jugendliche, aber Menschen mit Blick auf den Ruhestand, Personen, denen der Arzt Ruhe verschrieben hat, Personen mit Platz und einem Tisch, Personen mit freundlichen Familienmitgliedern, Personen mit Neugier und Interesse am Recherchieren...)
Und für unser Hobby gilt sammeln nur so lange, wie jemand Zugang auf Firmen- oder Behördenpost oder ähnliche Quellen hat.
Unser Hobby bedeutet beim Aufbau einer Sammlung kaufen! Dank der elektronischen Flohmärkte und der Onlinekataloge gibt es viel Material zu sehen.
Könnten wir bitte gemeinsam das Thema, das uns alle interessiert in die Zukunft drehen?
Meine Frage an die Schwarmintelligenz von philaseiten.de ist:
Welche Sammelgebiete der Philatelie (im weitesten Sinne) empfehlen wir ohne Hintergedanken einem guten Freund?
Da es um die Zukunft geht, bitte nichts von früher oder Kommentare, die schlechte Laune verursachen können.
Los gehts:
Am: 06.04.2026 13:25:25
Gelesen: 6629
# 22
@ Martin B. [#21]
Hallo Martin,
Sammelgebiete zu empfehlen ist meines Erachtens der falsche Ansatz. Die Begeisterung für ein Thema muss anders geweckt werden. Bei jeder Empfehlung besteht die Gefahr, dass der nun Sammelnde die Begeisterung des Empfehlenden nicht realisieren kann, und sich anderen Dingen zuwendet. Die einzige Ausnahme ist, etwas zu sammeln, das garantiert einen Wertzuwachs in absehbarer Zeit bringt (z.B. Goldstücke). Gut, für manche Briefmarkensammler früherer Zeiten war das schon eine Motivation, auch wenn sie (oder die Erben) nun enttäuscht sind. Wenn ich Zeit und Geld investiere, muss ich schon einen Nutzen haben. Und da gibt es bei an sich meist geringwertigen Objekten wie Briefmarken durchaus einige Motive. Etliches wurde schon angesprochen. Dehalb ist es am Besten, anderen die Geschichten zu erzählen, die einen selbst an der Sammeltätigkeit reizen und begeistern.
Viele Grüße
Thomas
Am: 06.04.2026 15:03:56
Gelesen: 6555
# 23
@ Martin B. [#21]
Hallo Martin,
Sehr gut! Das ist genau der richtige Ansatz, positiv an die Sache rangehen. Natürlich klatscht da jetzt nicht gleich jeder Beifall und natürlich gibt es so viele verschiedene Empfehlungen, wie es Sammler gibt. Aber dann lasst sie doch hören und nicht gleich wieder nur die Bedenken äußern.
Was mir da als Empfehlung einfällt, zum Einen aus der Erfahrung raus und dann natürlich auch aus eigener Vorliebe.
Was immer ankommt sind Motive, egal was, Eisenbahn, Flugzeuge, Feuerwehr, Autos, Blumen, Schmetterlinge, Vögel, Elefanten, Jesus, Buddha, Bauwerke, Ostern, Raumfahrt......die Reihe lässt sich fast unendlich fortsetzen und ist auch philatelieübergreifend.
Postkarten, ein fast genauso unendliches Thema, auch nicht nur von Philatelisten geliebt und neuerdings sogar schon wieder bei jüngeren Menschen im Kommen (ist so richtig schön retro). Nicht zuletzt auch ein Thema für die "Postcrosser".
Stempel, ein unendliches Gebiet wozu man noch lange mehr als genug Material findet. Gerne im weitesten Sinne, also auch die moderne Art von Entwertungen und auch ein Beispiel für den heutigen Postalltag.
Briefe, nicht nur Einzelstücke sondern ganze Korrespondenzen woraus sich dann herrliche und auch spannende Geschichten, ja sogar Romane erzählen lassen. Daraus kann man sogar Fortsetzungsgeschichten stricken und damit auch bei Menschen die sonst (noch) nichts mit der Philatelie am Hut hatten, die Neugier wecken.
Dies nur ein paar Beispiele und ich bin mir sicher, wenn ihr nur wollt findet sich da noch viel mehr. ;-)
Viele Grüße,
Peter
Hallo Martin,
Sehr gut! Das ist genau der richtige Ansatz, positiv an die Sache rangehen. Natürlich klatscht da jetzt nicht gleich jeder Beifall und natürlich gibt es so viele verschiedene Empfehlungen, wie es Sammler gibt. Aber dann lasst sie doch hören und nicht gleich wieder nur die Bedenken äußern.
Was mir da als Empfehlung einfällt, zum Einen aus der Erfahrung raus und dann natürlich auch aus eigener Vorliebe.
Was immer ankommt sind Motive, egal was, Eisenbahn, Flugzeuge, Feuerwehr, Autos, Blumen, Schmetterlinge, Vögel, Elefanten, Jesus, Buddha, Bauwerke, Ostern, Raumfahrt......die Reihe lässt sich fast unendlich fortsetzen und ist auch philatelieübergreifend.
Postkarten, ein fast genauso unendliches Thema, auch nicht nur von Philatelisten geliebt und neuerdings sogar schon wieder bei jüngeren Menschen im Kommen (ist so richtig schön retro). Nicht zuletzt auch ein Thema für die "Postcrosser".
Stempel, ein unendliches Gebiet wozu man noch lange mehr als genug Material findet. Gerne im weitesten Sinne, also auch die moderne Art von Entwertungen und auch ein Beispiel für den heutigen Postalltag.
Briefe, nicht nur Einzelstücke sondern ganze Korrespondenzen woraus sich dann herrliche und auch spannende Geschichten, ja sogar Romane erzählen lassen. Daraus kann man sogar Fortsetzungsgeschichten stricken und damit auch bei Menschen die sonst (noch) nichts mit der Philatelie am Hut hatten, die Neugier wecken.
Dies nur ein paar Beispiele und ich bin mir sicher, wenn ihr nur wollt findet sich da noch viel mehr. ;-)
Viele Grüße,
Peter
Am: 06.04.2026 16:27:48
Gelesen: 6492
# 24
top!
Am: 06.04.2026 17:18:21
Gelesen: 6442
# 25
@ Martin B. [#21]
Meine Empfehlung für Sammelgebiete ist immer: Das was interessiert und man Spaß daran hat!
Es gibt unendlich viele Möglichkeiten und für jeden sollte das passende dabei sein.
Grüße
Harald
Meine Empfehlung für Sammelgebiete ist immer: Das was interessiert und man Spaß daran hat!
Es gibt unendlich viele Möglichkeiten und für jeden sollte das passende dabei sein.
Grüße
Harald
Am: 06.04.2026 17:19:17
Gelesen: 6437
# 26
Liebe Sammlerfreunde,
offtopic on
Ich hoffe Ihr hatte ein paar schöne Tage mit Familie und Hobby. Ich war heute nach den Familientagen den ersten Tag wieder im Garten unterwegs.
offtopic off
Mich begeistert die Heimatphilatelie im Zusammenhang mit Postgeschichte und sozialer Philatelie. Es gibt derzeit ca. 10.800 Gemeinden allein in Deutschland. Dabei hat die kleinste Dierfeld (Rheinland-Pfalz) wohl 9 Einwohner und Berlin als größte ca.3,7 Mill. Einwohner. Da kann immer mit Geduld und sicher auch mit viel Freude was gezaubert werden. Gerade im Bereich der sozialen Philatelie läßt sich oft über die Recherche im www überrachendes finden. Nicht immer aber immer öfter. Man befindet sich oft in einem historischen Kontext, was mich persönlch auch immer sehr anspricht. Auch Nebengebiete werden da angesprochen vom Fliegen zur Eisenbahn bis über das Automobil zum Fahrrad, der Industrie und Verwaltung eines Ortes oder wie schon angesprochen Postkarten. Wie groß die Vielfalt ist, sieht man ja auch hier an unserem Forum. Etwas problematisch scheint mir zwar in der Gegenwart die zentralisierte Postbearbeitung in den Briefzentren zu sein. Aber auch hier findet man das eine oder andere, was zur Sammlung passen kann.
Mit lieben Sammlergrüßen
Totalo-Flauti.
offtopic on
Ich hoffe Ihr hatte ein paar schöne Tage mit Familie und Hobby. Ich war heute nach den Familientagen den ersten Tag wieder im Garten unterwegs.
offtopic off
Mich begeistert die Heimatphilatelie im Zusammenhang mit Postgeschichte und sozialer Philatelie. Es gibt derzeit ca. 10.800 Gemeinden allein in Deutschland. Dabei hat die kleinste Dierfeld (Rheinland-Pfalz) wohl 9 Einwohner und Berlin als größte ca.3,7 Mill. Einwohner. Da kann immer mit Geduld und sicher auch mit viel Freude was gezaubert werden. Gerade im Bereich der sozialen Philatelie läßt sich oft über die Recherche im www überrachendes finden. Nicht immer aber immer öfter. Man befindet sich oft in einem historischen Kontext, was mich persönlch auch immer sehr anspricht. Auch Nebengebiete werden da angesprochen vom Fliegen zur Eisenbahn bis über das Automobil zum Fahrrad, der Industrie und Verwaltung eines Ortes oder wie schon angesprochen Postkarten. Wie groß die Vielfalt ist, sieht man ja auch hier an unserem Forum. Etwas problematisch scheint mir zwar in der Gegenwart die zentralisierte Postbearbeitung in den Briefzentren zu sein. Aber auch hier findet man das eine oder andere, was zur Sammlung passen kann.
Mit lieben Sammlergrüßen
Totalo-Flauti.
Am: 06.04.2026 20:04:15
Gelesen: 6287
# 27
Schade wie schnell hier die Diskussion abtrifftet.
Was das Thema “Sammelgebiet” angeht: Viel wichtiger als die Frage, was man sammelt, ist die Frage wie man sammelt. Hierin liegn auch die grössten Veränderungen der letzten Jahrzehnte.
Was das Thema “Sammelgebiet” angeht: Viel wichtiger als die Frage, was man sammelt, ist die Frage wie man sammelt. Hierin liegn auch die grössten Veränderungen der letzten Jahrzehnte.
Am: 06.04.2026 20:10:19
Gelesen: 6282
# 28
Briefmarkensammler und Philatelisten
Während und nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb Ewald Müller-Mark seine Reflexionen über Philatelie, in deren Mittelpunkt er die Wertentwickelung der Fünfmarkmarke der Germania-Ausgabe stellte. Stellt man heute wieder solche Reflexionen an, so müssten sie zu dem Schluss kommen, dass Spekulanten seit Mitte der fünfziger Jahre eine riesige Luftblase fabriziert haben, aus der seit 20 Jahren die Luft entwichen ist, und die so die „Aktie des kleinen Mannes“ in Verruf gebracht haben. Was Richard über unglückliche Erben solcher „Schätze“ erzählt, kenne ich auch. Ich rate dann immer, solche Erbschaften an Bethel zu schenken und damit etwas Gutes zu tun.
Dass da eine riesige Blase existierte, wurde mir vor etwa 20 Jahren klar, als ich in Sindelfingen zufällig Zeuge wurde, wie ein kompletter Bogensatz der berühmten Ziffer/Posthornserie an einem Stand den Besitzer wechselte. Als Ganzsachensammler war ich gottlob von dieser Blase wenig betroffen, aber den Katalogpreisen glaubte ich seither noch weniger als zuvor.
Entscheidender ist jedoch etwas anderes. Zum Niedergang des Sammelns – nicht der Philatelie! – führt aber vor allem der Wandel der Lebensgewohnheit. Sammeln bedeutet entspannte Erholung und Freizeitvergnügen. Wo gibt es das noch? Wer bringt noch die Zeit zum Lesen eines Buches auf? Selbst im Urlaub wissen Viele nichts mehr mit sich anzufangen und benötigen Animateure. Gewalttaten und andere Verbrechen Jugendlicher geschehen oft aus purer Langweile. Die Schule tut ein Übriges, indem sie die Schüler systematisch vom Lesen und Schreiben ab- und der künstlichen Intelligenz zuwendet, denn „die Wirtschaft“ braucht das. Und unser Staat lässt das billigend zu. Huxleys Roman „Schöne Neue Welt“ (1932) und eine künftige Plutokratie nach US-Muster lassen grüßen.
Fehlt also die Masse der Sammler, so kehrt die Philatelie zu ihren Anfängen zurück und wird wieder elitär. Als Lindenberg um 1900 seinen Berliner Club gründete, versammelte er eine kleine Zahl Zigarre rauchender „Herren von Stand“ um sich. Zigarren und Großbürgertum mit Smoking und Zylinder sind verschwunden, doch ersthafte Philatelisten gibt es weiterhin in allen Bevölkerungsschichten, mit oder ohne Geld. Sie werden sich weiterhin in Vereinen organisieren. Wo die bisherigen Ortsvereine weiterleben, dann stark verkleinert und im Verbund mit Nachbarvereinen. In meiner Nähe gibt es einen solchen Verein, der schon vor fünf Jahren total überaltert war. Seitdem sind einige alte Herren gestorben, aber auch einige alte Herren neu hinzugekommen. Außerdem hat man sich mit den Vereinen zweier benachbarter Kleinstädte zusammengetan und gibt für die wenigen Mitglieder sogar die kleine Vereinszeitschrift weiter heraus.
Eine ähnliche Entwicklung habe ich als gelernter Historiker bei regionalen Geschichtsvereinen erlebt, denen ich schon vor 50 Jahren auf Grund ihrer Altersstruktur ein baldiges Aussterben vorhersagte. Sie existieren immer noch!
Mit dem baldigen Ende der bisherigen Briefpost und damit der Briefmarken ist zu rechnen. Bits, bites und Emails lassen sich nicht in Alben verwahren. Aber aus der Vergangenheit sind reichlich Marken, Briefe und Stempel vorhanden. Ihnen werden sich künftige Sammler zuwenden. Doch die Zeit der Generalsammler ist vorbei, Spezialisierung angesagt. Die Interpretation von Briefen nicht nur mit postgeschichtlichen Fragestellungen, sondern auch in der Art der Social Philately hat Zukunft, so auch Heimat- und Motivsammeln, Vorphilatelie, Altdeutsche Staaten, ja sogar eine von den Machenschaften des Schalks Golodkofski gesäuberte DDR-Philatelie. Es wird ein anspruchsvolles Sammeln, das Kenntnisse vorausetzt, die sich – oh Graus – ohne Bücher nicht erwerben lassen. Doch Eliten wird es immer geben, auch in der Philatelie!
Am: 06.04.2026 22:30:29
Gelesen: 6126
# 29
Die Risiken sind hier umfänglich genannt. Fehlender Nachwuchs, Jugend, die nicht mehr mit den Briefmarken in Berührung kommt, die Überalterung der Sammlergemeinde und viele teuer gekaufte Briefmarkensammlungen, die heute fast wertlos sind. Keine besonderes gute Grundlage unser so geliebtes Hobby voranzutreiben.
Es werden zu wenig die Chancen beachtet! Die Babyboomer Generation geht gerade in den Ruhestand, alles Personen, die in ihrer frühen Jugend schon einmal mit dem Virus Briefmarken in Kontakt kamen. Gerade diese Generation sucht neben dem heimischen Garten und der Betreuung der Enkelkinder eine sinnvolle Beschäftigung. Diese Generation ist geschichtsinteressiert und andererseits auch mit dem Internet aufgewachsen. Das bietet ein großes Potential diese Personen für die Philatelie und die Postgeschichte zu gewinnen. Es liegt an uns mit guten Angeboten, auf diese potentiellen Sammler zuzugehen und sie von unserem Hobby zu begeistern, so wie wir davon begeistert sind.
Die Möglichkeiten gerade durch das Internet, Plattformen wie die Philaseiten.de oder weitere sozialen Medien bieten vielfältige Ansätze unser Hobby bekannter und interessanter zu machen. Dabei wird uns auch die KI helfen. Ich bin selbst gerade dabei hierzu etwas zu entwickeln.
Wir haben alle die Möglichkeiten unser Hobby wieder beliebter zu machen. Die positiven Aspekte, wie die geschichtliche und postgeschichtliche Forschung, die Möglichkeit weltweite Kontakte aufzubauen, aber auch in den persönlichen Treffen, wie in den Vereinen oder den ArGes freundschaftliche Beziehungen über die Philatelie hinaus zu knüpfen, ist ein großes Plus unseres Hobby.
Beste Grüße
Peter
Es werden zu wenig die Chancen beachtet! Die Babyboomer Generation geht gerade in den Ruhestand, alles Personen, die in ihrer frühen Jugend schon einmal mit dem Virus Briefmarken in Kontakt kamen. Gerade diese Generation sucht neben dem heimischen Garten und der Betreuung der Enkelkinder eine sinnvolle Beschäftigung. Diese Generation ist geschichtsinteressiert und andererseits auch mit dem Internet aufgewachsen. Das bietet ein großes Potential diese Personen für die Philatelie und die Postgeschichte zu gewinnen. Es liegt an uns mit guten Angeboten, auf diese potentiellen Sammler zuzugehen und sie von unserem Hobby zu begeistern, so wie wir davon begeistert sind.
Die Möglichkeiten gerade durch das Internet, Plattformen wie die Philaseiten.de oder weitere sozialen Medien bieten vielfältige Ansätze unser Hobby bekannter und interessanter zu machen. Dabei wird uns auch die KI helfen. Ich bin selbst gerade dabei hierzu etwas zu entwickeln.
Wir haben alle die Möglichkeiten unser Hobby wieder beliebter zu machen. Die positiven Aspekte, wie die geschichtliche und postgeschichtliche Forschung, die Möglichkeit weltweite Kontakte aufzubauen, aber auch in den persönlichen Treffen, wie in den Vereinen oder den ArGes freundschaftliche Beziehungen über die Philatelie hinaus zu knüpfen, ist ein großes Plus unseres Hobby.
Beste Grüße
Peter
Am: 06.04.2026 23:47:35
Gelesen: 6070
# 30
@ Bessie [#28]
„Dass da eine riesige Blase existierte, wurde mir vor etwa 20 Jahren klar, als ich in Sindelfingen zufällig Zeuge wurde, wie ein kompletter Bogensatz der berühmten Ziffer/Posthornserie an einem Stand den Besitzer wechselte.“
Du sprichst in Rätseln. Weshalb ist das der Beleg für eine „Blase“? Was wurde denn für den kompletten Bogensatz bezahlt? Vor zwei, drei Jahren ging so ein Satz (postfrisch, ungefaltet) noch für über 200.000 Euro auf einer Auktion weg. Und selbst wenn man das „Kleingeld“ dafür hätte, muss man erst mal ein Angebot finden.
Am: 06.04.2026 23:56:44
Gelesen: 6063
# 31
@ Eric Scherer [#20]
"Gleichzeitig weitet eine kleine Schar von superreichen Funktionären aus Ländern, in den neben Weltausstellungen selten noch Ausstellungen stattfinden, ihr Philatelie-Olympia immer weiter aus und verlieren den Bezug zu den "Normalos" komplett."
Oder anders herum. Die Normalos verlieren den Bezug zu den Funktionären der Philatelie.
Die Faszination des Sammelns wird wohl nie untergehen.
Schönes Osterthema, gute Beiträge, (Dank an Lars für den Anstoß), hat auch etwas mit Auferstehung zu tun.
Liebe Grüße
10Parale
Am: 07.04.2026 09:49:58
Gelesen: 5935
# 32
@ Richard [#1], @ Lars Boettger [#3]
Was ist ein Kipppunkt und was ist organisierte Philatelie? Es wird die eigene Sicht beschrieben, was ich gut finde. Der Markt für Standardware und Sammlungen ist m. E. am Zusammenbrechen, lese ich. Das mag wohl so sein.
Doch was ist für mich Philatelie? Ich sammle seit meinem 10. Lebensjahr. Ich habe mehrfach den Sammelschwerpunkt geändert. Aber ich habe eigentlich fast alles noch hier. Und es ist eine gute Menge dazugekommen. Bin in einem Ortsverein Mitglied und damit auch im BDPh. Dort nehme ich regelmäßig an den Vereinsabenden und, wenn es geht, an den Tauschtagen teil. Weiterhin bin ich in mehreren Arbeits-/Interessengemeinschaften. Habe auch eine verantwortliche Position übernommen. Poste in drei Foren herum, die das Thema ihr Eigen nennen. Ist das jetzt für mich Philatelie?
Eher nicht. Es geht hier um mein Hobby. Es ist zuerst Lesen, Fragen, sich Wissen aneignen. Zu schauen, ob alte Dinge, vor langer Zeit geschrieben, wirklich so stimmen. Darüber mit anderen reden, Fakten zusammenstellen und vielleicht auch das eine oder andere darüber schreiben. Ab und zu halte ich auch Vorträge, für die, die es hören möchten. Wäge meine Zeit ab, ob und wann ich in einem Forum etwas schreiben oder darstellen sollte. Habe dabei im Kopf, dass es das Forum in Zukunft auch nicht mehr geben kann.
Eine eigene Belegsammlung zu diesen Themen zu haben, ist mir wichtig. Aber auch, keine Gedanken über möglich zu erzielende Preise zu verschwenden. Den Markt exakt zu beobachten, aber nur die Dinge zu erwerben, die einem wirklich weiterhelfen. Aber ich habe auch Entscheidungen getroffen, an die ich mich halte. Ich werde keine Mi.-Nr. 909 und 910 Deutsches Reich oder eine 339 x b DDR bzw. B I SBZ gestempelt erwerben. Wenn diese Ausgaben es wollen, kommen diese auch so zu mir. Ansonsten bleibt die Stellen eben im Album leer.
Um es zusammenzufassen: Ich lese von den Dingen, kann die Sicht eines Prüfers oder eines Händlers/Auktionators nachvollziehen, auch die eines Betreibers eines Forums, doch das hat eben wenig mit meinem Hobby zu tun. Deswegen ist es mir auch eher unwichtig, ob es einen Kipppunkt gibt. Es ist nicht meiner. Denn ich hoffe bei einigermaßen an Gesundheit, dass ich diese Dinge noch ein paar Jahre für mich ausüben kann. Denn letztlich betreibt man ein Hobby für sich. Doch anderen bei ihrem Hobby zu helfen, finde ich gut. Und so wird wohl jeder seine persönliche Ansicht zu der Frage haben.
Beste Grüße
Karl-Heinz
Was ist ein Kipppunkt und was ist organisierte Philatelie? Es wird die eigene Sicht beschrieben, was ich gut finde. Der Markt für Standardware und Sammlungen ist m. E. am Zusammenbrechen, lese ich. Das mag wohl so sein.
Doch was ist für mich Philatelie? Ich sammle seit meinem 10. Lebensjahr. Ich habe mehrfach den Sammelschwerpunkt geändert. Aber ich habe eigentlich fast alles noch hier. Und es ist eine gute Menge dazugekommen. Bin in einem Ortsverein Mitglied und damit auch im BDPh. Dort nehme ich regelmäßig an den Vereinsabenden und, wenn es geht, an den Tauschtagen teil. Weiterhin bin ich in mehreren Arbeits-/Interessengemeinschaften. Habe auch eine verantwortliche Position übernommen. Poste in drei Foren herum, die das Thema ihr Eigen nennen. Ist das jetzt für mich Philatelie?
Eher nicht. Es geht hier um mein Hobby. Es ist zuerst Lesen, Fragen, sich Wissen aneignen. Zu schauen, ob alte Dinge, vor langer Zeit geschrieben, wirklich so stimmen. Darüber mit anderen reden, Fakten zusammenstellen und vielleicht auch das eine oder andere darüber schreiben. Ab und zu halte ich auch Vorträge, für die, die es hören möchten. Wäge meine Zeit ab, ob und wann ich in einem Forum etwas schreiben oder darstellen sollte. Habe dabei im Kopf, dass es das Forum in Zukunft auch nicht mehr geben kann.
Eine eigene Belegsammlung zu diesen Themen zu haben, ist mir wichtig. Aber auch, keine Gedanken über möglich zu erzielende Preise zu verschwenden. Den Markt exakt zu beobachten, aber nur die Dinge zu erwerben, die einem wirklich weiterhelfen. Aber ich habe auch Entscheidungen getroffen, an die ich mich halte. Ich werde keine Mi.-Nr. 909 und 910 Deutsches Reich oder eine 339 x b DDR bzw. B I SBZ gestempelt erwerben. Wenn diese Ausgaben es wollen, kommen diese auch so zu mir. Ansonsten bleibt die Stellen eben im Album leer.
Um es zusammenzufassen: Ich lese von den Dingen, kann die Sicht eines Prüfers oder eines Händlers/Auktionators nachvollziehen, auch die eines Betreibers eines Forums, doch das hat eben wenig mit meinem Hobby zu tun. Deswegen ist es mir auch eher unwichtig, ob es einen Kipppunkt gibt. Es ist nicht meiner. Denn ich hoffe bei einigermaßen an Gesundheit, dass ich diese Dinge noch ein paar Jahre für mich ausüben kann. Denn letztlich betreibt man ein Hobby für sich. Doch anderen bei ihrem Hobby zu helfen, finde ich gut. Und so wird wohl jeder seine persönliche Ansicht zu der Frage haben.
Beste Grüße
Karl-Heinz
Am: 07.04.2026 17:07:35
Gelesen: 5744
# 33
@ rosteins69 [#30]
Des Rätsels Lösung ist einfach: eine Marke, die an einem Händlerstand auf einer Messe in einem Hunderterbogen gehandelt wird, kann so selten nicht sein. Viele zeitgleiche Marken wurden ähnlich teuer gehandelt. Komisch nur: wer sie besitzen wollte, konnte sie mühelos bei jedem Fachhändler kaufen. Spricht das für Seltenheit? Seltenheit und Beliebtheit sind nicht das Gleiche!
Meint Bessie
Am: 08.04.2026 09:35:49
Gelesen: 5516
# 34
@ KHV [#32]
Grundsätzlich stimme ich dir zu. Auch für mich zählt zunächst, dass mein Hobby mir persönlich Freude bereitet - unabhängig von den übergeordneten Entwicklungen oder finanziellen Aspekten. Als "junger" Sammler mit Anfang 40 (aber seit 30 Jahren dabei und somit doch schon ein "alter Hase") schätze ich die vielen Möglichkeiten, günstig Material zu meinen Sammelgebieten zusammenzutragen, digitale Quellen für meine philatelistische Forschung anzuzapfen und mich mit anderen Sammlern auszutauschen. Doch leider habe ich auch ein "Hobby mit demographischem Problem": Wenn ich 20-30 Jahre weiter denke, werde ich weiterhin im besten Sammleralter sein, während viele meiner jetzigen Kontakte nicht mehr da sein werden, und sich auch fast niemand mehr für meine philatelistischen Erkenntnisse, aufgebauten Datenbanken usw. interessieren wird - und das stimmt mich natürlich auch nachdenklich und traurig. Denn so sehr ich mein Hobby für mich betreibe und mich dafür begeistern kann, freue ich mich auch über jeden Tauschtag, den ich besuche oder selbst mit meinem Verein veranstalte, und über den Austausch mit gleichgesinnten Sammlern.
Das wird in der (entfernteren) Zukunft leider immer weniger werden und sich sicherlich auch auf meine Begeisterung für die Philatelie auswirken, ob ich will oder nicht. Gleichzeitig wird auf meine Sammlergeneration der Druck wachsen, Vereine und Arbeitsgemeinschaften fortzuführen und irgendwie ein Minimum an Struktur aufrechtzuerhalten - verteilt auf sehr wenige Schultern, was nicht möglich sein wird. Da ist vorprogrammiert, dass Erwartungen enttäuscht werden und Frust entsteht. Und da kommen wir letztendlich doch wieder zurück zu der Frage, wie eine zukünftige tragfähige Struktur von Vereinen, Verbänden und Arbeitsgemeinschaften aussehen kann, denn der strukturierte, institutionalisierte fachliche Austausch sowie persönliche Treffen auf Tauschtagen und die "physische" Suche nach neuem Material für die Sammlung ist aus meiner Sicht immer noch ein wichtiger Treiber für unser Hobby - gar nicht mal, um neue Interessierte dafür zu begeistern, sondern zunächst einmal, um die aktuelle Sammlerschaft bei der Stange zu halten, weil sie diese Form des Austauschs gewohnt ist und schätzt.
Am: 08.04.2026 11:34:15
Gelesen: 5434
# 35
Leider reicht die Begeisterung für unser Hobby nicht aus. Unser Hobby braucht eine Organisation, eine Infrastruktur. Über Tauschen allein läuft heute fast nichts mehr. Es braucht Händler, es braucht Vereins- und ArGe-Treffen, es braucht Veranstaltungen. All das wird immer kleiner. Wir können froh sein, dass das Internet hier neue Perpektiven eröffnet hat, aber auch das hält nicht ewig.
Am: 09.04.2026 11:39:10
Gelesen: 5087
# 36
Hallo,
unter [1] gibt es eine Studie eines amerikanischen Marktforschungsinstituts zum Markt von Sammlerobjekten und deren Zukunft. Danach ist das grundsätzliche Interesse am Sammeln - insbesondere auch bei jüngeren Leuten - sehr stark vorhanden und sogar steigend - jedoch: Gesammelt wird halt alles mögliche, aber Briefmarken spielen nur noch eine sehr untergeordnete Rolle.
[1] https://www.grandviewresearch.com/industry-analysis/collectibles-market-report
Viele Grüße - Adalbert
unter [1] gibt es eine Studie eines amerikanischen Marktforschungsinstituts zum Markt von Sammlerobjekten und deren Zukunft. Danach ist das grundsätzliche Interesse am Sammeln - insbesondere auch bei jüngeren Leuten - sehr stark vorhanden und sogar steigend - jedoch: Gesammelt wird halt alles mögliche, aber Briefmarken spielen nur noch eine sehr untergeordnete Rolle.
[1] https://www.grandviewresearch.com/industry-analysis/collectibles-market-report
Viele Grüße - Adalbert
Am: 09.04.2026 21:25:24
Gelesen: 4846
# 37
@ Adalbert [#36]
Hier muss man sich dann die Frage stellen, wann kommt die Jugend von heute noch in der Tagespost mit Briefmarken in Kontakt? Schauen wir doch einmal selbst in die Tagespost, die im Briefkasten landet, wenn diese nicht einen philatelistischen Hintergrund hat, wieviel Briefe noch mit Briefmarken frankiert sind. Somit beantwortet sich die Frage eigentlich von selbst und warum es an der Jugend hapert. Wenn dann Briefe mit Marken frankiert sind, dann meist mit 0815-Standardware, welche x-fach vorhanden ist.
Am: 09.04.2026 22:30:38
Gelesen: 4780
# 38
@ Eric Scherer [#35]
"Es braucht Händler, es braucht Vereins- und ArGe-Treffen, es braucht Veranstaltungen."
Einige meiner Freunde und Freundinnen, die mein Hobby kennen, machen sich immer über mich lustig, wenn wir an leerstehenden Geschäften in unserer Innenstadt vorbeilaufen, und die Leerstände haben in den letzten Jahren zugenommen. "Stephan, da kannst du dein Briefmarkengeschäft eröffnen, du bist dein bester Kunde". Sie wollen mir damit 2 Dinge sagen:
- der ganze Handel ist im Wandel und an einem Kipppunkt (das Internet hat da auch "neue Perspektiven" eröffnet).
- deine Begeisterung ist das Beste an deinem Hobby, uns kannst du da nicht hinter dem Ofen vor locken.
Ich antworte dann immer meinen Freunden: "Hey ihr wisst gar nicht wieviel Geld ich da erst mal investieren müsste, um mir einen ordentlichen Händlerbestand zu besorgen. Zudem würde ich nur mit Raritäten handeln, nicht mit Massenware, adäquat zur Stangenware im Kleiderladen. Weiterhin müsste ich den Laden auch gut absichern, Eisengitter, Alarmanlage, Videoüberwachung, ihr wisst ja, was heutzutage nicht angebunden ist..." ...und so weiter.
Nun gut, träumen darf man bis ins hohe Alter und ich muss KHV in [#32] in vielen Dingen zustimmen. "Es ist nicht mein Kipppunkt".
Heute habe ich übrigens meinen Freunden die erste Marke der Welt, auf der eine Lokomotive abgebildet ist, vorgestellt. Die waren von den Socken.
Liebe Grüße
10Parale
Am: 10.04.2026 13:42:12
Gelesen: 4597
# 39
@ 10Parale [#38]
Ich weiss jetzt nicht genau, auf was Du hinauswillst. Der Handel hat sich schon lange von den Ladengeschäften weg verlagert und einen Mix aus Vertriebswegen gefunden. Denke, dass funktioniert gut. Aber wir sehen eine Konsolidierung des Marktes. Dies hat weniger etwas mit betriebswirtschaftlichen Zwängen als einer Alterpyramide zu tun. Gleichzeitig kämpfen die Händler mit einem totalen Preisverfall des "einfachen" Materials - mit dem Posthornsatz oder einem Olympiablock kann man heute nicht mehr viel verdienen. Das führt dazu, dass immer weniger Händler zu Börsen, Messen, Ausstellungen kommen. Damit bricht dort die Finanzierung weg. Ein Teufelskreis.
Am: 10.04.2026 20:50:07
Gelesen: 4393
# 40
@ 10Parale [#38]
Heute habe ich übrigens meinen Freunden die erste Marke der Welt, auf der eine Lokomotive abgebildet ist, vorgestellt. Die waren von den Socken.
Das ist definitiv eine meiner Lieblingsmarken! US-Lokalausgabe von 1844, W. Wyman, Boston (Bild wurde über Powersearch auf der Robert R. Siegel-Webseite gefunden).
Beste Grüsse!
Lars
Heute habe ich übrigens meinen Freunden die erste Marke der Welt, auf der eine Lokomotive abgebildet ist, vorgestellt. Die waren von den Socken.
Das ist definitiv eine meiner Lieblingsmarken! US-Lokalausgabe von 1844, W. Wyman, Boston (Bild wurde über Powersearch auf der Robert R. Siegel-Webseite gefunden).
Beste Grüsse!
Lars
Am: 11.04.2026 13:38:33
Gelesen: 4118
# 41
Hallo,
ja, eine Art "Kipppunkt" ist erreicht, allerdings trifft es Punkt nicht wirklich, da der Punkt bereits paar Jahrzehnte dauert und auch noch weiter geht.
Auf gewisse Weise hat die Philatelie mit ihren Preisen und Handelswerten viel von einer echten Spekulationsblase, ich kann nur jedem empfehlen sich mal mit dem holländischen Tulpenwahn zu beschäftigen.
Für viele wirkt es skurril, dass damals für eine seltene Tulpenzwiebel von Liebhabern so viel Geld bezahlt wurde, wie für ein großes Bürgerhaus in Amsterdam. Aber für einen Philatelisten ist das eigentlich nichts besonderes. Die "Blase" der Philatelie hat sich über etwa 100 Jahre aufgeblasen und "platzt" jetzt seit über 30 Jahren und vermutlich nochmal 30 Jahre. Was dann übrig bleibt ist offen, denke ich, irgendwas wird übrig bleiben.
Denn jenseits der Spekulationsblase ist Sammeln eine irgendwie menschliche Eigenschaft, jedenfalls bei dafür anfälligen Individuen. Und kleine vielfältige Objekte eignen sich besonders. Bevor die Philatelie in Mode kam, war das Sammeln von Naturalien sehr in Mode: (präparierte, d.h. getrocknete) Käfer, Schmetterlinge, Pflanzen, auch Mineralien. Gibt es heute auch alles noch, ist aber abgesehen von den Mineralien nicht vergleichbar mit dem 19. JH, wo es in jeder Stadt einen oder mehrere entomologische Fachhandel gab. Die Briefmarken haben diese Sammel-Hobbys teilweise verdrängt. Und genauso wird und wurden gesammelt: Münzen (sowieso...), Feuerzeuge, Zigarrenbanderolen, Zigaretten und Streichholzschachteln und und und ...
Warum hat sich die Briefmarke so über die genannten anderen Sammelobjekte erhoben...? Abgesehen davon, dass sie besonders klein und (im Album) transportabel waren, glaube ich aus folgenden Gründen:
1. -Briefe und damit Briefmarken waren im 19. JH. ein sehr bedeutender Alltagsgegenstand für alle Leute
2. -das 19. JH ist auch das Zeitalter mit einem Schub der Globalisierung: Schiffahrt und Dampfschifffahrt, Telegraphie später dann Luftfahrt, außerdem war es das Zeitalter des Kolonialismus, das hat dazu geführt dass "ferne Länder" für jeden ein Begriff waren und doch mehr oder weniger schwer selbst erreichbar, direkt damit verbunden war aber die Briefmarke aus Übersee, abgesehen davon waren Briefmarken die am ehesten erreichbaren Gegenstände aus einem fernen Land
3. -Mode: die Philatelie war Ende des 19 JH und paar Jahrzehnte danach für viele auch eine Mode die neue Leute ansteckte, so wie der Hula-Hup-Reifen in den 50ern und der Zauberwürfel in den 80ern und der Tamagocci (?) in den 90ern
Und das sind auch die Gründe warum es vorbei ist und warum eine "Begeisterung der Jugend" mit Briefmarken mehr oder weniger hoffnungslos ist, jedenfalls wenn man abzielt die Philatelie der alten Zeiten wiederzubeleben.
Briefmarken und Briefe sind heute kein bedeutender Alltagsgegenstand mehr, sondern ziemlich randständig was praktische Bedeutung betrifft. Gegenstände aus fernen Ländern kann man mit 2 Clicks im Internet bestellen und jeder Mensch hat dutzende Objekte aus China oder Amerika. Und per Handy/www ist die ganze Welt vernetzt so dass Videos, Bilder, Nachrichten aus aller Welt völlig trivial sind: eine "exotische" Briefmarke aus Übersee ist absolut uninteressant für die meisten Menschen.
Naja, und außerdem: die Modewelle ist vorbei.
Die Philatelie wird dahin gehen, wo das Sammeln von Mineralien, Streichholzschachteln oder alten Feuerzeugen schon lange ist - wahrscheinlich übertreibe ich damit etwas, aber zumindest so ähnlich könnte es sein.
Gruß
Jensen
Am: 30.05.2026 11:36:27
Gelesen: 2842
# 42
Hallo,
ich bin seit diesem Jahr kein Mitglied des BDPh mehr. Da meine Sammelgebiete ausschließlich USA und Südamerika betreffen, werde ich quasi "ignoriert". In der Philatelie keine Informationen, die für mich wichtig sind. Wie von der DPAG jetzt vorgeschriebene Inhalt von Großbriefen. Verstoß gegen Artikel 10.1 (Briefgeheimnis) des GG. Erst auf Nachfrage beim BDPH: Umsetzung neuer UPU Richtlinien. (Was hat Vorrang - GG oder UPU?) Ich wurde bei der Abgabe eines solchen Briefes nach dem Inhalt gefragt! (kein Postamt!)
Ich wurde als zahlendes Mitglied nicht in der Philatelie mit für mich wichtigen Infos "versorgt".
Wenn der BDPh einmal nicht mehr existieren sollte, betrifft das die Struktur. Die Ortsvereine, ArGen, ForGen etc. bleiben. Immer mehr Philatelisten sagen JA zu ARGEn und NEIN zum BDPh. Ist diese Struktur noch zeitgemäß? Muss die Philatelie sich von "Struktur" allgemein verabschieden? Vor allem mit den Möglichkeiten durch KI?
LG
Jürgen
Am: 30.05.2026 12:08:00
Gelesen: 2765
# 43
@ Jürgen64 [#42]
Es gibt auch Art. 10.2.
Am: 30.05.2026 12:18:18
Gelesen: 2749
# 44
@ Jürgen64 [#42]
Ich wurde als zahlendes Mitglied nicht in der Philatelie mit für mich wichtigen Infos "versorgt".
Welche Infos erwartest Du ?
Gibst Du Infos an andere in Form von Artikeln weiter ?
Ich wurde bei der Abgabe eines solchen Briefes nach dem Inhalt gefragt! (kein Postamt!)
Wurde ich auch schon. Die Postämter/Agenturen sind offensichtlich angehalten nach nicht zugelassenen Inhalten zu fragen. Sie fragen ja nicbt was in den Briefen drinsteht, nur nach dem Inhalt.
Südamerika, was sammelst Du ?
Am: 30.05.2026 12:21:23
Gelesen: 2746
# 45
@ Jürgen64 [#42]
Hallo Jürgen,
der Zweck einer Dachorganisation wie dem Bund Deutscher Philatelisten ist ein anderer als der einer spezialisierten Arbeitsgemeinschaft. Das sollte eigentlich klar sein und wurde auch hier im Forum schon häufiger besprochen. Insofern erwarte ich in der Zeitschrift "Philatelie" nicht zwingend Beiträge zu meinen Sammelgebieten, fühle mich nicht ignoriert und finde dennoch immer wieder interessante Beiträge, die meinen Horizont erweitern und mir den Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand ermöglichen.
Zu Deiner Aussage " Immer mehr Philatelisten sagen JA zu ARGEn und NEIN zum BDPh" zwei Anmerkungen:
Wenn das so wäre, müssten ja die Mitgliedszahlen der Argen steigen, während die des BDPh sinken. Ich höre nur immer, dass beide Bereiche Mitglieder verlieren, allenfalls gibt es Argen die ihre Mitgliederzahlen stabil halten. Das scheint also nicht zu stimmen.
Und da Du als begeisterter USA-Sammler und Freund der Argen dann ja sicherlich Mitglied der Arge USA/Canada bist, frage ich mich wie das zu Deinem hier verkündeten Austritt aus dem BDPh passt, denn die BDPh-Mitgliedschaft ist bei der Arge USA/Canada Voraussetzung für die Mitgliedschaft - so verstehe ich zumindest die Informationen auf deren Internetseite.
Beste Grüße
KBN
Am: 10.07.2026 22:03:24
Gelesen: 1634
# 46
@ Jensen [#41]
Hallo !
Nur ein Gedanke: Tulpen, wie auch Geld (über die Druckerpresse, oder per Mausklick), sind endlos reproduzierbar, Briefmarken nicht !
LG Oli
Am: 11.07.2026 11:16:16
Gelesen: 1417
# 47
@ Olivera [#46]
Mir ging es vor allem um das Prinzip von "Spekulationsblasen" einerseits. Andererseits auch um den menschlichen "Sammeltrieb", wo teilweise riesige Vermögenswerte für Dinge ohne praktischen Nutzen ausgegeben werden, weil der Käufer ein Sammler ist. Da ist die Tulpenmanie schon eine gute Analogie zur Philatelie.
Außerdem stimmt es nicht, dass die damals wertvollen (!) Tulpen beliebig vermehrt werden konnten. Es gab auch damals häufige und billige Tulpen und dann eben sehr seltene Tulpenzüchtungen (teilweise aufgrund Infektion mit Pflanzenviren usw.) deren Zucht sehr lange dauerte und instabil war, darum waren sie sehr selten und sehr teuer. Diese Tulpen konnten eben nicht beliebig reproduziert werden. Die damals teuerste Tulpe hieß Semper augusta und gilt heute als ausgestorben bzw. eine erneute Zucht gelang nie wieder.
LG
Jensen
Am: 11.07.2026 17:07:46
Gelesen: 1254
# 48
@ Richard [#1]
Nun, der Kipppunkt, - das entnehme ich aus den ersten Abschnitten des Artikels -, besteht u.a. darin, dass einige meinen, sie hätten von den Großeltern nun Schätze in Form von Briefmarken geerbt. Die Anderen überlassen ihre Alben zwecks Wohnungsauflösung denn eher den letzten organisierten Mohikanern der Philatelie als sie in der Mülltonne zu entsorgen.
Auf diese Art und Weise kommt der vertrauenswürdige Philatelist mit Rang und Name bestimmt auch an einige Preziosen, die dann hoffentlich den nie sterben wollenden Sammlern in Form von Auktionsangeboten oder auf anderen Märkten offeriert werden.
Da ist einiges im Gange und ich glaube, dass die große Veränderung einfach darin besteht, dass die "nicht reproduzierbaren Tulpen" (Beiträge von Olivera) nun einfach eine Übergangszeit erleben, weg vom Massenhobby zum Liebhaberhobby oder überspitzt ausgedrückt zum echten Anlagenhobby im kapitalistischen Sinn.
Für mich ist es wichtig, dass die Sammlungen konserviert und nicht achtlos vernichtet werden. Wer immer sich darum bemüht, dem sei Dank. Gerade in der Rumänien Philatelie gibt es unendlich viele Schätze und noch nicht wirklich voll durchdachte Sammelgebiete, die auch dringend nach neuer Fachliteratur schreien. Das ist eine gewaltige Aufgabe. Ob sie eines Tages die KI übernimmt, mag vielleicht eine Zukunftsvision im Silicon Valley darstellen, doch mit Herzblut kann nur der Homo Sapiens sammeln.
Liebe Grüße
10Parale
Am: 11.07.2026 18:15:01
Gelesen: 1210
# 49
@ Jürgen64 [#42]
Wenn der BDPh einmal nicht mehr existieren sollte, betrifft das die Struktur. Die Ortsvereine, ArGen, ForGen etc. bleiben. Immer mehr Philatelisten sagen JA zu ARGEn und NEIN zum BDPh.
Hallo Jürgen,
wir reden von einem Sterben der Ortsvereine, der ArGen und ForGen. Der BDPh organisiert die IBRA 2028 in Ulm. Wahrscheinlich werden viele der südamerikanischen und nordamerikanischen Spitzenleute in 2028 in Ulm sein.
2026 ist die Royal Philatelic Society London Gast der Postgeschichte Live in Ulm. Wahrscheinlich wirst Du viel Exponate der südamerikanischen und nordamerikanischen Sammelgebiete 2026 in Ulm zu sehen sein.
2027 wird die "Multilaterale Ausstellung" in Ulm organisiert. Veranstalter - wenig überraschend - der BDPh.
Die IBB Ulm wird vom LV Südwest mitorganisiert, der - Du ahnst es schon - seinerseits Mitglied im BDPh ist. Mir ist schleierhaft, warum Du aus dem BDPh ausgetreten bist.
Beste Grüsse!
Lars
Am: 12.07.2026 12:22:40
Gelesen: 972
# 50
@ Jürgen64 [#42]
Da meine Sammelgebiete ausschließlich USA und Südamerika betreffen, werde ich quasi "ignoriert".
Hallo Jürgen,
für die USA gibt es dreimal jährlich eine sehr umfangreiche Zeitschrift der Arge USA/Canada. Obwohl ich diese Gebiete nicht sammle, sondern die Arge mit Inseraten unterstütze, die den Philaseiten neue Mitglieder bringen, lese ich mit Interesse viele dieser Beiträge. Es lohnt sich für die USA Sammler.
Für Südamerika gibt es mindestens zwei Arbeitsgemeinschaften: Die https://arge-lateinamerika.clubdesk.de/clubdesk/www mit unserem Mitglied Claus Lange als Vorsitzender ccocha@yahoo.de der Dich sicher auf Anfrage informiert.
Aus Argentinien und Brasilien kommen zusammen 20 unserer Mitglieder und im Forum findest Du etwa 430 Beiträge und kannst versuchen mit vielen dieser Autoren Kontakt aufzunehmen: https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?OV=1#LAENDER
Grüsse aus dem heissen Allgäu, Richard