Briefmarken Atteste

Thema:

Bedeutende Philatelisten

User #336253058 Am: 26.03.2026 17:11:43 Gelesen: 258 # 1
Prof. Dr. Erich Stenger Prof. Dr. Erich Stenger, Ausstellungsleiter der IPOSTA 1930 Die abgebildete Privatpostkarte PP 57 C 1/02 ist hübsch und ein Hingucker, auch wenn sie nicht besonders wertvoll ist. Daran ändern auch die hinzu geklebten Spendenmarken und die Beförderung durch Luftpost von Nürnberg nach Berlin-Charlottenburg samt Sonderstempel wenig. Und dennoch verdient sie eine besonderen Beachtung. Grund ist der Empfänger, der sie wahrscheinlich an sich selber schrieb. Der sowohl als Wissenschaftler wie als Philatelist bedeutende Erich Stenger war seit 1907 Mitglied Nummer 30 im Berliner Ganzsachensammler-Verein. Er gehörte auch Lindenbergs Berliner Club an. 1919 hatte er sich für Chemie an der TH Charlottenburg habilitiert und lehrte dort seither als Privatdozent, später als a.o. Professor das Fach Fotochemie. Privat besaß er eine bedeutende Sammlung zur Geschichte der Fotografie, die im Kölner Museum Ludwig erhalten ist. Seit 1928 leitete er außerdem als Bibliotheksrat die Autografenabteilung der Staatsbibliothek Berlin. Stengers große Stunde kam 1930. Als Vorsitzender der beiden bedeutendsten philatelistische Vereine war er Ausstellungsleiter der IPOSTA, die Berlin erstmals international ins philatelistische Rampenlicht rückte. Seine im Zusammenhang mit dieser Tätigkeit angefallenen Korrespondenzen hat er später dem Reichspostmuseum übergeben. Von da sind sie nach dem Krieg in die Handschriftenabteilung des Frankfurter Museums für Kommunikation gelangt, wo sie der Wiederentdeckung harren. 1935 mussten auf Grund des Arierparagraphen alle jüdischen Mitglieder, darunter Stengers Freund Ascher, den BGSV verlassen. Als preußischer Beamter konnte Stenger nicht öffentlich protestieren. Das hätte ihm sein Amt gekostet, und verhindert hätte es auch nichts. So legte er den Vorsitz nieder, schied praktisch aus dem Vereinsleben aus und widmete sich ganz seiner wissenschaftlichen Arbeit. Im Bombenkrieg verlor er seine prächtige Berliner Wohnung mit seinen Sammlungen. Auch was er ausgelagert hatte und in Sicherheit wähnte, ging verloren. Nur seine fotographische Sammlung blieb irgendwo erhalten. Er verkaufte sie später an die Firma Agfa. Stenger lebte zurückgezogen bis1957 in einer süddeutschen Kleinstadt. Überraschenderweise tauchten Teile seiner Briefmarkensammlung beim Tode seines Sohnes doch wieder auf und wurden 2005 für mehr als 2 Millionen Euro versteigert. Das Schwergewicht lag bei bayrischen Marken und Markenheftchen.