Briefmarken Atteste

Thema:

USA Lange Brieflaufzeiten

lueckel2010 Am: 17.02.2026 22:23:59 Gelesen: 1349 # 1
Seit gut zehn Jahren schicke ich regelmäßig (Priority = Luftpost)-Briefe in den Südwesten der USA. Alle kamen, wie aus der Vergangenheit gewohnt, immer relativ schnell beim Empfänger an. Etwa ab Herbst 2025 änderte sich dies schlagartig: Eine Briefsendung, eingeliefert am 14. September 2025, kam kurz vor Weihnachten 2025 an, eine weitere, eingeliefert am 8. Dezember 2025, wurde am 13. Februar 2026 zugestellt. Ein Bekannter meinte, Briefsendungen nach Übersee (und damit auch in die USA) würden mittlerweile ausnahmslos wie "anno dunnemals" nur noch per Schiffspost ( weil für die Deutsche Post billiger) befördert. Google dagegen gibt an, dass Briefsendungen nach Übersee grundsätzlich per Luftpost transportiert werden. Wer weiß etwas Konkretes und kann eventuell ("postamtliche?") Quellen zitieren, die den aktuellen Sachstand angeben? Moin aus Ostfriesland, Gerd Lückert.
drkohler Am: 18.02.2026 19:17:14 Gelesen: 1265 # 2
Die USPost is notorisch defizitär (mittlerweile bei etlichen Milliarden im Jahr), deshalb wurden einige Ziele "angepasst" aus Kostengründen. Zum Beispiel wurden Lieferzeiten nach unten angepasst (nur noch 80% der Post soll im Zeitplan geliefert werden). Besonders Adressaten in der Pampa müssen mit weniger Postlieferungen pro Woche rechnen. Weil immer weniger Briefe befördert werden, hat man damit begonnen, Post "in Haufen" zu sammeln statt jeden Brief sofort weiter zu befördern. Das Problem ist ja, dass die Post gesetzlich verpflichtet ist, jeden Brief in jedes Kaff mitten in der Wüste zu befördern ohne Aufpreis für denjenigen, der in einer Erdhöhle in den Bergen lebt. Es ist jedem klar, dass das finanziell nicht mehr aufgeht wenn immer weniger Postvolumen anfällt. Ebenfalls ist die Infrastruktur oft veraltet. Das ist ein allgemeines Problem in den Staaten, vieles ist am Verlottern weil seit Jahrzehnten Nichts investiert wurde (Highways, Stromnetz, Staudämme, Brücken, etc). Zumindest ist man dabei, neue Postwägelchen anzuschaffen bevor die alten Dinger völlig auseinander fallen. Die klassische Anektote war die (echte) Story des US Postal Inspectors General, der von der Ehefrau eines (wahrscheinlich Provinz-)Postmeisters einen Brief bekam, in dem sie sich über die Behandlung ihres Ehemanns bitter beklagte. Als der IG nachfragte, warum sich nicht ihr Ehemann per Brief beklagte, war die ehrliche Antwort "Wenn er lesen und schreiben könnte, hätte er das auch getan". Die Story hat erst mal niemand geglaubt, ist aber wahr. Die USPost kämpft also auch mit dem Problem der durchschnitlichen Intelligenz ihrer Angestellten. Stories von in Müllgruben gefundenen Haufen von nicht ausgelieferten Postsäcken machen jedes Jahr 1-2mal die Runde, ebenfalls Stories von kriminellen Vorgängen. Kein US-Auktionator benutzt mehr die reguläre Post zum Verschicken der Lots. Post die in die Weihnachtszeit reicht wird im Zufallsprinzip befördert. Ich bekam Mitte Januar eine Auktionslot, dass Mitte November abgeschickt wurde. Als das Linn's Stamp Journal noch echt papierern verschickt wurde, bekam ich die Dezemberausgaben jeweils zwischen Ende Januar und April. Lange Lieferzeiten über Weihnachten/Neujahr sind die Regel, nicht die Ausnahme. Da ist die Post einfach überfordert mit der anfallenden Postmenge.
saeckingen Am: 19.02.2026 07:05:17 Gelesen: 1196 # 3
Die Erfahrung kann ich für großformatige Briefe bestätigen. Das Problem liegt auch nicht in Deutschland oder beim Transport in die USA - die Sendungen bleiben dann bei Ankunft in den USA liegen. Bei Einschreiben kann man das sehr gut verfolgen. Ich vermute, dass der Zoll dahinter steht, der die Sendungen nicht schnell genug bearbeitet. Ich vermute sogar, dass die großformatigen und schwereren Briefsendungen absichtlich mehrere Wochen bis Monate liegen gelassen werden, um bei eventuell enthaltenem Warenversand dem Absender Probleme zu bereiten und diesen zukünftig zu unterbinden. Grüße Harald
lueckel2010 Am: 19.02.2026 18:20:20 Gelesen: 1112 # 4
@ saeckingen [#3] Guten Abend, Harald, vielen Dank für die plausible Rückmeldung. Allerdings: Beide involvierten Sendungen waren Standardbriefe, in die (verbotenerweise?) jeweils einige Sammler-Briefmarken eingelegt waren, würde aber auch bedeuten, dass der US-Zoll alle aus dem Ausland eingehenden Briefsendungen öffnet und auf unzulässige Inhalte überprüft. Erscheint mir zwar ziemlich unrealistisch, aber seit Mr. Trump dort wieder "am Ruder" ist, ist wahrscheinlich nichts mehr "unmöööglich". Ich frage beim Empfänger nach, ob die Briefe geöffnet und wieder verschlossen wurden und ob sie eventuell entsprechend gekennzeichnet waren. Werde das Ergebnis dann hier veröffentlichen. Moin aus Ostfriesland, Gerd Lückert
drkohler Am: 19.02.2026 21:11:28 Gelesen: 1072 # 5
Das 08-15 Briefe aus "unverdächtigen" Ländern geöffnet werden halte ich für sehr unwahrscheinlich. Da fehlt einfach die Zeit und das Personal. Allein all das Chinesenzeug sorgt schon für Überstunden. Das grosse Chaos brach ja aus, als Orangehead je nach Lust und Laune täglich Strafzölle erfand. Den Zollbehörden/Absendern hatte man aber nicht gesagt, wer wann wo und wie die Zölle zu erheben und zu kassieren sind. Das führte zu erheblichen Staus an den Eingangsorten (typischer Weise NY für Europazeug). Danach haben viele Postagenturen den Briefverkehr mit den Staaten vorübergehend eingestellt, das half als Nebeneffekt mit dem Abbau des Staus. Also für Post im zweiten Halbjahr war in den Staaten das reine Chaos angesagt. Im Moment ist es so, dass man sein Zeug einfach als einfachen Brief verschickt und hofft, oder man markiert den Brief mit dem richtigen Zollcode. Es gibt auch Kreativlösungen zB wer einen Bekannten in Kanada hat kann sein Zeug über Kanada schicken und dann mittels CUSMA zollfrei in die Staaten weiterleiten lassen. Mit Paketen hat man die Arschkarte gezogen weil der de minimis Tarif abgeschafft wurde. Auf der Website von Boston 20226 jubeln die Organisatoren ja auch seit einigen Wochen über den offiziellen Brief, der Philatelie die Zollfreiheit bestätigt. Was mich allerdings verwundert ist, das im Brief nur der normale Zoll erwähnt wird für Philatelieprodukte. Es wird Nichts geschrieben über Orangeheads Zölle, die zusätzliche Strafzölle auf Alles sind - und nicht reguläre Zölle. Aber da braucht es wahrscheinlich den Juristen um das zu Durchschauen.
saeckingen Am: 20.02.2026 08:01:42 Gelesen: 1013 # 6
Die Briefe werden in der Regel nicht geöffnet, nur alle liegen gelassen. Damit verdirbt man den Käufern den Auslandskauf und den Verkäufern Waren in der Briefpost in die USA zu senden, weil sie zu viele Rückbelastungen bekommen. Grüße Harald
iholymoses Am: 20.02.2026 17:31:57 Gelesen: 947 # 7
Hallo zusammen, ich kann die gemachten Erfahrungen nicht bestätigen - hatte gerade kürzlich 2 ebay Verkäufe in die USA verschickt und nach 2-3 Wochen positive Bewertungen mit folgenden Aussagen: 1) " Prompt shipping. Well packed. ..." (Versand in kleine Ortschaft in Kalifornien) 2) " Fast shipping and good packaging. ...." (Versand in kleinen Ort im Staat New York) Das waren jeweils normale Briefe mit der Deutschen Post. Viele Grüße, Reinhard
lueckel2010 Am: 23.02.2026 23:11:01 Gelesen: 828 # 8
@ saeckingen [#3] @ iholymoses [#7] @ drkohler [#5] Vielen Dank für die zielführenden Auskünfte. Aufgrund der erhaltenen Erkenntnisse gehe ich daher davon aus, dass nicht die Deutsche - sondern die US-Post für diese Verzögerungen verantwortlich ist. Leider hat sich der Empfänger der beiden Briefe trotz entsprechender Nachfrage (Zoll, Zensur etc) bis heute nicht gemeldet. Da der Inhalt beider Briefe jedoch bereits bezahlt wurde, nehme ich an, dasss er sie in dem Zustand, wie ich sie abgeschickt habe, auch erhalten hat. Moin aus Ostfriesland, Gerd Lückert