Post nach und aus Nordamerika vor 1939: zu Wasser, zu Land und in der Luft
Ich habe bewusst die Zeit vor 1939 gewählt. In Frühjahr diesen Jahres eröffnete die PanAm eine regelmäßige Verbindung New York – Marseille, auf der sie riesige Wasserflugzeuge, Clipper genannt, einsetzte. Mit einer Zwischenlandung auf den Azoren gelang endlich die Überquerung des Nordatlantik ausschließlich mit Flugzeugen. Alle vorherige Post überquerte den Nordatlantik an Bord eines Schiffes, auch wenn sie noch so bunt als Luftpost frankiert ist. Im gleichen Jahr gelang übrigens erstmals die Überquerung des Südatlantik nonstop mit einem deutschen Landflugzeug vom Typ Focker Wulf FW 200.


Vorweg ein eingeschriebener Brief aus Heilbronn, der am 24. Juni 1928 mit gewöhnlicher Schiffspost nach New York geschickt wurde. Dort kam er am 29. Juni an, wurde aber als unzustellbar zurückgeschickt. Auf dem Rücktransport wurde er beschädigt und amtlich verschlossen am 18.August.
Einfache Auslandspost erhielt in der Regel keinen Ankuftsstempel. Bei eingeschriebenen Briefen jedoch war es Vorschrift. Deshalb bilde ich ausnahmsweise einmal als Beispiel auch die Rückseite ab. Ich werde künftig nur abbilden, wenn sie etwas zu Transportgeschichte aussagt.
Bei den nachfolgend gezeigten Luftpostbriefen habe ich darauf verzichtet, meine Zeit mit dem Nachrechnen der Porti zu vertrödeln. Ich bin nicht Philatelist geworden, um eine Ausbildung als Postsekretär nachzuholen. Die Portoberechnung macht Sinn, wo der Verdacht auf Fälschung besteht, nicht aber als l’art pour l’art. Da die nachfolgend gezeigten Briefe unbeanstandet befördert wurden, gehe ich davon aus, dass ihre Porti stimmen.


Die abgebildete Postkarte, eine Ganzsache, wurde im Mai 1931 von Dresden nach Washington geschickt. Sie trägt den Vermerk „mit Luftpost“, hat aber keinen postalischen Hinweis auf eine solche Beförderung. Das gilt auch für den danach gezeigten eingeschriebenen Brief, der am 8.8.1938 von Berlin nach New York adressiert wurde. Die Post hielt sich damals an die Vorgaben der Absender, so dass anzunehmen ist, dass der größte Teil der Strecke tatsächlich geflogen wurde, es sei denn, die Post wusste, dass die Eisenbahnverbindung schneller war.

Dieser Brief vom 7.3. 1932 wurde per Luftpost und Eilboten zum Schnelldampfer „Europa“ nach Bremerhaven geschickt und kam mehr als eine Woche später laut rückseitig Stempel am 15.3.1932 in New York an, von wo er, umadressiert, zu Land nach Philadelphia weiterreiste.

Um die Amerikapost schnell zu machen, gab es im Deutschen Reich von 1929 bis August 1939 einen besonderen Dienst: Nachbringeflüge zu den drei Schnelldampfern Columbus, Bremen und Europa. Sie wurden durch besondere Stempel dokumentiert und sind nicht automatisch mit Katapult-Vorausflügen gekoppelt, sondern davon unabhängig. Sie sind allein verwendet nicht häufig. Haberer hat sie am Ende seines Katapultkataloges zusammengestellt, im Ganzsachen-Handbuch Drittes Reich von Frech finden sich die zusätzlichen Gebühren.

Am schnellsten gelangte deutsche Post in die USA, wenn Zubringerflug zu einem der beiden Schnelldampfer „Bremen“ oder „Europa“ mit der Zusatzleistung „Katapultflug“ gekoppelt wurde. Beide Schiffe waren mit Katapulten ausgestattet, die den Start eines Wasserflugzeuges zum Vorausflug zum Zielort ermöglichten.

Katapultpost konnte auch am Bord aufgegeben werden. Sie erhielt dann den Seepoststempel.

Sieht man von den Katapultflügen ab, so wurde aus den anderen europäischen Ländern die Nordamerikapost per Schiff befördert. Der abgebildete Luftpostbrief aus dem bereits mit Deutschland im Krieg befindlichen Frankreich dagegen flog am 28.11.1939 von Frankreich nach Lissabon und überquerte mit einem PanAm-Clipper den Nordatlantik.
Wird fortgesetzt.
Bessie wünscht allen Lesern ein Gutes Neues Jahr!