Thema:
Wie wollen wir die Zukunft unserer Michel-Kataloge gestalten ?
Am: 22.11.2025 21:42:25
Gelesen: 5931
# 1
Liebe Sammlerfreunde,
mit zunehmendem Unwillen verfolge ich die Paralleldiskussion rund um die Entlassung Herrn Berndts durch den Schwaneberger Verlag. Was mich besonders irritiert, ist., dass die Diskussion aus meiner Sicht völlig an der Kernfrage vorbeigeht, die uns wirklich allen unter den Nägeln brennen sollte! Einige Leser haben zwar versucht, die Diskussion in eine fruchtbarere Richtung zu lenken, allerdings ging dies in den vielen Beiträgen von den Fans der Diskussion "Jura für Laien - wer weiß mehr als ich?" schnell wieder unter. Daher habe ich mir erlaubt, ein separates Thema aufzumachen. Dieses lautet: Wie wollen wir die Zukunft unserer Michel-Kataloge gestalten?
@ Richard
Ich würde mich freuen, wenn wir dieses Thema als separates Thema offenlassen könnten (gern auch unter dieser Überschrift, denn für diese gibt es m.E. gute Gründe - dazu sogleich).
@ Alle
(Laien-)Gesellschafts- und Handelsrechtler möchte ich bitten, sich weiter im anderen Thema auszutauschen, dito alle Hantschel-/Hohenester-/Berndt-Fans bzw. -Antifans. Eure Beiträge haben natürlich auch alle ihre Berechtigung, aber hier soll es um ein anderes Thema gehen, nämlich um die Zukunft. Vielen Dank.
Ausgangspunkt dieses Themas ist ja die offensichtliche Erkenntnis, dass der/die Eigentümer des Schwaneberger-Verlags kein Interesse mehr an einer Fortführung in der bisherigen Weise haben. Darüber kann man lamentierten, aber am Ende gilt wie auch sonst im Leben: Kannste nix machen. Reisende soll man ziehen lassen. Wir sollten uns lieber der Frage zuwenden, wie es mit unserem Michel weitergehen sollte. Immerhin sind die Kataloge des Verlags vielleicht das zentrale Bindeglied der Sammlerschaft in Deutschland und die besten Kataloge der Welt.
Kleiner Exkurs Nr. 1 für die schlauen Leute aus dem Nachbarthema: ja, ihr habt recht, es ist formal juristisch nicht "unser" Michel und schon gar nicht unser Verlag, er gehört den Gesellschaftern, die können damit tun und lassen was sie wollen, etc. etc. Das lässt aber völlig außer Betracht, dass der Verlag nicht irgendeine Müller-Meier Speditions GmbH ist, die an irgendjemanden verkauft werden soll, sondern eine deutschlandweit, vielleicht sogar weltweit einmalige Institution, deren Zukunft uns alle angeht.
Kleiner Exkurs Nr. 2 für die Michel-Verächter: ja, wir haben verstanden, dass Ihr Koryphäen in Eurem Sammelgebiet seid und der Michel für Euch total unwichtig ist, weil Ihr es ohnehin viel besser und genauer wisst, und dass der Michel auch viel zu teuer ist, zu hohe und zu niedrige Katalogwerte verwendet, etc., etc. Das ist auch alles in Ordnung und richtig, ändert aber nichts am Befund, dass der Michel nach wie vor für die große Mehrheit der Sammler eine maßgebliche Autorität und Erkenntnisquelle ist. Auch die Spezialisten in den ArGes übernehmen sehr oft explizit oder implizit die Michel-Logik. Kurz: die Zukunft unseres Michels sollte für uns alle eine wichtige Frage sein.
Wie könnte Sie also aussehen, die Zukunft unseres Michels?
Wenn man sich international umschaut, sieht man bei den führenden Katalogen drei verschiedene Modelle, die nüchtern betrachtet alle funktionieren, und ein viertes Modell, das bisher allerdings von bescheidenem Erfolg gekrönt ist:
(1) Herausgabe durch einen unabhängigen Nur-Verlag wie z.B. Schwaneberger. Dass dies funktioniert bzw. bisher funktioniert hat, ist durch den jahrzehntelangen Erfolg des Schwaneberger-Verlags bewiesen. Allerdings glaube ich gern, dass es künftig immer schwieriger wird, einen auf Philatelie und verwandte Themen beschränkten Spezialverlag profitabel zu führen. Vielleicht wäre die Übernahme durch einen großen und breiter aufgestellten Verlag eine Lösung, so dass durch Synergieeffekte im Idealfall auch die Profitabilität wieder hergestellt werden könnte.
(2) Herausgabe durch einen Händler bzw. Auktionator wie z.B. Stanley Gibbons oder Zumstein. Auch das funktioniert offensichtlich. Auch wenn viele hier an den kommerziell orientierten Handelshäusern dieser Welt und deren Praktiken scharfe Kritik üben (Stanley Gibbons), muss man doch nüchtern festhalten: die Erfahrung lehrt, dass auch unter einer solchen Führung ein Qualitätsprodukt entstehen kann. Insoweit spricht das sicherlich hier und da kritikwürdige Geschäftsgebaren Herrn Hantschels nicht per se gegen diese Lösung. Er scheint ja ein erfolgreicher Geschäftsmann zu sein, oder anders formuliert: es scheint neben seinen Kritikern auch viele Sammler und Gewerbetreibende zu geben, die ihn trotz der aufgeworfenen Fälschungsthematik vertrauen. Insoweit: eine durchaus denkbare und vielleicht sogar gute Lösung, wenn dadurch nur das langfristige Überleben des Michels gesichert wird.
(3) Herausgabe durch eine Sammlerorganisation/-verein/-verband oder einen sonstigen nicht unmittelbar gewinnorientierten Verband (z.B. Händlervereinigung) – Beispiele: NVPH-Katalog Niederlande oder Schweizer Briefmarkenkatalog, darüber hinaus natürlich viele Spezialkataloge mit engerem Fokus. Dass auch dies funktioniert, ist durch die jahrzehntelange Herausgeberschaft der genannten Institutionen m.E. hinreichend bewiesen. Mehr dazu unten.
(4) Man könnte auch sagen, der Michel hat keine Zukunft, die Zukunft gehört vielmehr den Plattformen und Wikis. Diese Lösung hat mich bisher ehrlich gesagt nicht überzeugt. Klar, es gibt viele Online-Projekte dieser Art, aber bisher hat keines auch nur annähernd in Sachen Detailtiefe, Breite und Evidenz/Glaubwürdigkeit das Niveau des Michels erreichen können. Oft starten diese Projekte durchaus ambitioniert, schlafen dann aber ein. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass eine Zukunft ohne Michel und nur mit diesen Plattformen eine gute Zukunft für die Sammler sein würde.
Fazit: aus meiner Sicht gibt es drei denkbare Lösungen. Ich möchte an dieser Stelle gern Eure Meinungen hören, zugleich aber auch eine konkrete Idee in den Raum stellen: die Übernahme des Schwaneberger-Verlags durch den BDPh.
Für manche sicher eine überraschende oder vielleicht sogar völlig abwegige Idee. Aber es gibt aus meiner Sicht gute Argumente dafür:
(A) Dass es prinzipiell funktioniert, einen Katalog nicht durch einen Gewerbebetrieb zu führen, zeigen die oben genannten Beispiel unter (3).
(B) Ein anderes viel diskutiertes Thema der letzten Jahre war die Zukunft des BDPh. Richtig zündende Ideen, um den schleichenden Bedeutungsverlust und den Mitgliederschwund aufzuhalten sowie die Geldknappheit zu beheben, habe ich bisher offen gesagt leider nicht gesehen. Würde der BDPh die Michel-Kataloge fortführen, so hätte er auch bessere Zukunftsperspektiven, langfristige Relevanz und eine Einnahmequelle. Selbst die Mitgliederzahl könnte hiermit aus meiner Sicht stabilisiert oder sogar gesteigert und internationalisiert werden, wenn z.B Mitglieder privilegierten Zugang zu bestimmten Informationen hätten, die neuen Kataloge als erste bekommen könnten und das vielleicht sogar mit Rabatt im Vergleich zu Nicht-Mitgliedern. Was es dafür natürlich bräuchte, wären mutige Entscheider im BDPh, die nicht nur behaupten, total "out of the box" zu denken anstatt nur das Dahinsiechen zu verwalten, sondern es auch wirklich einmal tun.
(C) Der Michel könnte fortan frei von Primat des Profits geführt werden (bei einen e.V. ist das sogar wichtig). Natürlich darf auch der BDPh in gewissen Grenzen Gewinne erzielen und damit auch sonstige Anliegen und Aufgaben des BDPh querfinanzieren. Allerdings muss und darf das Streben nach Gewinnmaximierung nicht an erster Stelle stehen. Das kann eine sehr viel nachhaltigere Zukunftsperspektive eröffnen als die o.g. Varianten (1) und (2). Damit ist auch zugleich eine über jeden Zweifel erhabene Unabhängigkeit möglich, was zumindest bei der o.g. Variante (2) für viele Sammlerfreunde wohl nicht immer gegeben ist
(D) Die Qualität der Kataloge könnte gesteigert werden: jede unter dem Dach des BDPh organisierte Arbeitsgemeinschaft könnte die Patenschaft für "ihren" Katalogteil übernehmen und so den stetigen Zutrag neuer Informationen sicherstellen, statt wie bisher häufig nicht gehört oder gar übergangen zu werden.
(E) Der Michel hätte echtes Identifikationspotenzial: er wäre dann wirklich unser aller Michel - jedenfalls der BDPh-Mitglieder, und davon gibt es nun einmal in der Sammlerschaft nicht wenige.
Es gibt natürlich auch ein Problem, das auf der Hand liegt: woher soll der notorisch klamme BDPh das Geld nehmen? Die Schwaneberger-Eigentümer wollen den Verlag ja sicherlich nicht edelmütig spenden. Hier habe ich auch keine Patentlösung bei der Hand, allenfalls erste Gedanken: (x) es findet sich ein edelmütiger Einzelspender oder gleich mehrere; (y) die Gesamtheit aller Auktionshäuser und Händler, also nicht bloß einer, legt zusammen, um den Kaufpreis zur Verfügung zu stellen. Das sollte dann pro Haus nicht übermäßig zu Buche schlagen und wäre obendrein eine sinnvolle Investition in die Zukunft der Philatelie, von der ja nicht zuletzt auch diese Häuser leben
Ich bin gespannt auf Eure Gedanken. Vielleicht gibt es ja auch noch ganz andere Ideen, wie eine gute Zukunft unseres Michels aussehen könnte?
Viele Grüße
Christian
Am: 22.11.2025 21:55:11
Gelesen: 5920
# 2
@ Sammlerfreund Christian [#1]
In diesem Zusammenhang wiederhole ich meine Frage in der Paralleldiskussion:
"MICHEL-Produkte werden auch in Zukunft neutral, kompetent und zuverlässig bleiben!"
Ob dieser Satz von Herrn Hohenester auch in Zukunft Bestand haben wird?
Am: 22.11.2025 22:10:45
Gelesen: 5892
# 3
Christian der BDPH hat doch bereits den Verlag "Philatelie Promotion GmbH" von daher wäre dein Gedankengang irgenwo nachvollziehbar, den Katalog über einen Verband zu drucken und zu vertreiben.
Die Sammler sollten sich aber aus meiner Sicht von den übertriebenen Preisen im Katalog verabschieden. Hier könnten dann realistische Preise in den Katalog einfliesen. Im Oktober konnte ich einer Diskussion über den Wert und Verkaufspreis beiwohnen, hier kam ein Wert von 5 - 10 % des Katalogpreis als realistischer Verkaufspreis auf. Zugegeben ich war von 5 - 10 % des Katalogpreis überrascht weil ich selbst wirklich noch von anderen Preisen ausging.
Am: 22.11.2025 22:20:26
Gelesen: 5879
# 4
@ nagel.d [#3]
Die Aussage 5-10 Prozent der Katalogpreise seien die tatsächlichen Verkaufspreise mögen im Einzelfall zutreffen.
Ich selbst muss bei gesuchten Sachen oft den Katalogpreis oder auch das Mehrfache dieses Preises zahlen.
Das gilt im Übrigen auch für viele scheinbar banale Ausgaben. Dazu muss man sich nur ideal gestempelte Marken der Bundesrepublik Dautschland oder von Berlin anschauen.
Am: 22.11.2025 22:33:42
Gelesen: 5865
# 5
@ bovi11 [#4]
Deshalb war ich ja auch etwas überrascht. Ich bin der Meinung mann muß hier eine Einzelfallbetrachtung machen, sicherlich die Massenware wird in dieser Preisklasse von 5 - 10 % liegen.
Am: 22.11.2025 23:13:34
Gelesen: 5831
# 6
@ Sammlerfreund Christian [#1]
Hallo Christian,
ich bin dir wirklich dankbar für deinen Beitrag, weil wie du sicher gesehen hast, habe ich selbst versucht die Diskussion wieder auf das Wesentliche zurückzubringen.
Ich muss sagen, dein Beitrag ist eine der besten den ich bisher in diesem Forum gelesen habe. Du hast Fakten und Möglichkeiten aufgezählt und sie neutral aufgestellt. Dazu kann ich dir nur vollkommen zustimmen.
Meine Meinung dazu ist folgende: für mich ist der Michel nach wie vor das zentrale Nachschlagewerk wie die Allgemeine Philatelie. Wenn es den Michel nicht mehr gibt, werden mit Sicherheit wieder einige Sammler auf der Strecke bleiben ja und es wird nachher Einsteigern noch schwerer fallen sich zurechtzufinden.
Natürlich sind die Preise in den letzten Jahren immens gestiegen. Dies ist aber auch zwangsläufig, da die Neuerscheinungen immer mehr wurden und die Konsumenten immer weniger. Man braucht sich ja nur die Profile der Forumsmitglieder ansehen, dann wird man feststellen, dass bei vielen nur noch alte Michelkataloge vorhanden sind. Von dem kann natürlich der Verlag nicht leben.
Ich persönlich leiste mir den Michel online, um nur mal nachsehen zu können, was es auf der ganzen Welt an Marken gibt und wie die einzuordnen sind. Das finde ich eine super Sache und so einfach und günstig war es noch nie, sich über die Briefmarken in der ganzen Welt zu informieren. Für mein Spezialgebiet leiste ich mir Michel Spezial Band 1 und 2 für Deutschland. Dabei habe ich in letzter Zeit nur die online Version, da sie billiger ist und ich sie auch immer zur Hand habe, sei es am Computer oder am Handy. Dazu bin ich auch in den Michel Club eingetreten, weil ich dadurch Vorteile habe, die aus meiner Sicht bei meinem Konsum von Michel Produkten auszahlen
Was nun die Zukunft des Michel an sich angeht, so werde ich zunächst einfach abwarten. Alle deine Lösungen sind eine Möglichkeit aber ich weiß nicht welche die bessere sein soll, weil es am Schluss immer auf die tatsächliche Umsetzung ankommt und nicht auf die Organisation, die dahintersteckt. Aber ich sehe dem ganzen jetzt erst einmal ganz neutral entgegen und warte einfach ab, was der neue Eigentümer daraus machen wird. Wenn er es an die Wand fährt, wird es sicherlich für andere Konkurrenten eine Möglichkeit sein, diese Lücken auszufüllen.
Und dabei möchte ich gar nicht auf die Frage, die bovi11 schon wieder krampfhaft in beiden Themen aufwirft, eingehen, ob sich das Versprechen des Herrn Hohenester erfüllen wird, da dies wieder reine Spekulation ist und zu einem uferlosen Diskussionsschwall führen wird.
Aus meiner Sicht wird und muss sich die Verlagsbranche immer mehr darauf einstellen, dass die Zukunft vorwiegend digital sein wird. Dies ist aus Kostengründen nötig und gibt auch Möglichkeiten viel schneller sich den Gegebenheiten anzupassen. Für die Michel Buchausgaben im Online Format würde ich mir wünschen, dass die Lesbarkeit komfortabler wird. Wenn diese in einer Art PDF Gestaltung geschehen könnte, würde diese meines Erachtens besser, weil man nicht so viel zoomen und scrollen müsste. Natürlich weiß ich nicht ob das dann mit dem Kopierschutz klappt.
Am: 23.11.2025 07:05:32
Gelesen: 5752
# 7
Die Antwort auf die Fragen liegt vielleicht in den Staaten.
Vor Kurzem hat dort eine Gruppe von Philatelisten den Scott Catalog übernommen und wir werden jetzt sehen, wie sich das evtl. schon im nächsten Jahr auswirkt (ich war/bin, um zwei Ecken rum, seit Jahren ein "Contributor" des Scott Specialised und deshalb interessiert mich das brennend).
Es ist wohl Jedem klar das mit kontinuierlich abnehmendem Kundenstamm kein Riesenkonstrukt mehr am Leben erhalten werden kann von irgend einem Verlag, weltweit. Ausser Jemand buttert jedes Jahr Millionen rein (siehe Stanley Gibbons).
Am: 23.11.2025 11:15:11
Gelesen: 5658
# 8
Die Entwicklung war irgendwie vorauszusehen. Trotz rapid abnehmendem Briefverkehr und schrumpfender Sammlerschaft produzieren die Briefmarkenherausgeber weltweit Briefmarken oder was sie dazu erklären (siehe österr. Porzellanmarke) in Hülle und Fülle. Wenn ein Katalogherausgeber das alles katalogisieren will, werden die Kataloge ständig umfangreicher und damit teurer. Der Michel Deutschland ab 1945 muss sicher bald geteilt werden.
Ich habe daraus die Konsequenz gezogen und das Sammeln von Neuheiten eingestellt. Ich brauche also keine neuen Kataloge mehr. Und damit bin ich nicht allein in unserem Verein. Jeder spezialisiert sich auf ein Gebiet oder Thema. Für sie ist der Online-Katalog ideal. Die klassischen Ländersammler werden immer weniger und damit jene, die nach Katalognummern sammeln.
Gruß
Bernd
Am: 24.11.2025 12:39:48
Gelesen: 5370
# 9
@ Sammlerfreund Christian [#1]
Zu deinem in Beitrag Nummer [#4] angestoßene Idee ich bin zweigeteilt. Wenn ich zuhause am PC bin ist es nützlich eine Internetplattform / Onlinekatalog / Hompage (oder wie man es nennen mag) zu haben. Auf der anderen Seite habe ich gern einen Katalog in der Hand wenn ich unterwegs bin und gerade kein Laptopp oder PC bzw. Internet verfügbar ist.
Die Nutzer der Kataloge in Papierform wird natürlich zurückgehen (Altersstruktur) und wird irgendwann auch komplett verschwunden sein.
Am: 24.11.2025 13:00:45
Gelesen: 5344
# 10
Ich melde mich hier zum ersten Male zu Wort. Ich warte schon seit Jahren darauf, dass Michel seine Kataloge als e-books herausgibt. In Papierform habe ich sie schon seit 2010 nicht mehr gekauft. Die online-Kataloge sind nett und gut, aber man muss immer eine Datenverbindung haben. Einen Katalog als e-book hätte ich jederzeit auf meinem iPad verfügbar und ich müsste nicht mehrere Kilo mit mir herumschleppen. Außerdem könnte man dann überlegen die Kataloge länderweise herauszugeben. Ich sammle z.B. unter anderem Myanmar und Sudan, die anderen Länder in den Überseekatalogen interessieren mich nicht.
Es wird wohl leider alles ein frommer Wunsch bleiben.
Gruß
Karl
Am: 24.11.2025 14:28:16
Gelesen: 5248
# 11
@ kwierichs [#10]
Warum Schwaneberger keine eBooks herausgibt - echte eBooks, keine PDFs - wissen die vermutlich selbst nicht. Mittels DRM hätten sie einen Kopierschutz, wenn sie meinen, den zu brauchen. Mittels DRM könnten sie die eBooks an Accounts koppeln, oder nur unsichtbare Wasserzeichen einfügen, oder Kopien beschränken, was immer sie wollen. Sie könnten praktisch den Gebrauchtmarkt killen, auf dass jeder immer zum Vollpreis beim Verlag kaufen muss.
Vermutlich sieht man sich nicht im Inhalte-Geschäft, sondern im Buchdruck- und Verkaufsgeschäft. Good luck, sag ich da nur. Die 1 Mio Euro bilanzierten Lagerbestand, höchstwahrscheinlich in Form gedruckter, jährlich massiv an Wert verlierender Bücher, würde ich mir an deren Stelle nicht antun.
Oder sie glauben selbst die typische Philatelisten-Opfer-Ausrede: "Philatelist:innen/unsere Kund:innen wollen keine Computer".
Am: 24.11.2025 16:23:23
Gelesen: 5130
# 12
Hallo,
ich mache da etwas ganz Schlimmes. Ich streiche mir die vorhandenen Marken im Katalog an. Da ich ich nicht nur Hauptnummern sammle, geht das aus meiner Sicht auch nicht anders. Eine elektronische Lösung müsste für mich eine gute Möglichkeit der Markierung (vielleicht mit verschiedenen Farben) und dem Einfügen von Kommentaren beeinhalten. Dann wäre es toll, weil ich dann die Kataloge immer bei mir haben kann. Eine weitere Anforderung wäre dann noch, dass man Updates erwerben kann, die meine eingtragenen Daten nicht löschen.
Wenn ich mir aktuell einen neuen Katalog zulege, was nur alle paar Jahre vorkommt, muss ich natürlich alle Einträge neu machen. Dabei sehe ich aber auch sehr schön, wo sich was verändert hat, bzw. dass sich meistens sehr wenig verändert.
Viele Grüße
Thomas
Am: 24.11.2025 16:46:06
Gelesen: 5104
# 13
@ opti53 [#12]
Dann willst du aber kein eBook, sondern eine App. Das ist etwas völlig anderes und aus Anbietersicht aufwendiger und teurer als eine DRM-geschützte ePub-Datei (eBook) zum Download anzubieten. Zum Start wäre ein eBook bereits ein enormer Fortschritt gegenüber dem Status quo. Sofern die Kataloginhalte zu jeder Katalognummer in einer Datenbank liegen, wäre eine App aber auch kein riesiger neuer Schritt mehr.
Am: 24.11.2025 16:54:02
Gelesen: 5088
# 14
@ TeeKay [#13]
Zum Start wäre ein eBook bereits ein enormer Fortschritt gegenüber dem Status quo.
Das gibt es schon:
Am: 24.11.2025 17:00:53
Gelesen: 5074
# 15
@ TeeKay [#11]
Die meisten Philatelisten, die ich (Jahrgang 1950) kenne und deren Sammelgebiete nicht "So langweilig da reichen die noch existierenden Berliner Händler aus" (Zitat) sind, nutzen PC und sonstige Technik für all das, was die Philatelie interessant macht, stellen international aus und sind entsprechend vernetzt. Sie nutzen die Möglichkeiten, die die Gemeinschaft der Sammler ehrenamtlich erarbeitet hat und beschäftigen sich nicht nur mit peripheren Themen, um irgendeinen Frust gegenüber einem Verband loswerden zu können. Wir empfinden uns auch keinesfalls als Opfer, egal, wie oft das von Ihnen wiederholt wird.
Mit besten Sammlergrüßen
Werner
Am: 24.11.2025 17:22:02
Gelesen: 5047
# 16
Da muss ich jetzt dem Michel schon mal etwas zur Seite springen. So schlecht und altmodisch, wie er jetzt hier dargestellt wird, ist er dann doch nicht. Er ist mit dem Michel Online sehr bemüht und lässt jetzt auch Listen zu. Wenn ich auch sagen muss, ich habe das noch nicht so richtig kapiert. Außerdem bietet er die meisten seiner Kataloge auch in der digitalen Version an, wenn auch das Format nicht unbedingt das Beste ist. Darüber hinaus nutze ich auch Michelsoft, das auch die Daten des Michel Spezial Deutschland enthält. Er ist als Datenbank für die Archivierung einer Sammlung gar nicht so schlecht. Einzelne Sachen, die er ankündigt, funktionieren zwar nicht, zum Beispiel, dass man eigene Belege einfügen kann, da werden dann andere Bilder dafür überschrieben.
Zu diesem Punkt habe ich mich auch schon mit der Firma in Verbindung gesetzt, aber das ist eine externe Firma, die anscheinend nicht unbedingt die Hellsten auf diesem Gebiet sind. Außerdem nervt jedes Jahr das ziemlich komplizierte Update, da man hier immer irgendwelche Ordner suchen muss und in andere Verzeichnisse reinkopieren muss. Wenn ich da meine berufliche Software anschaue, da laufen die Updates mehr oder weniger von selbst.
Aber ich verteufle jetzt den neuen Inhaber noch nicht schon von vornherein. Vielleicht ist es gut, wenn das jetzt eine etwas größere und breiter aufgestellte Firma ist, die die nötigen Verbesserungen durchführen kann. Dass das nicht von heute auf Morgen geschehen kann und auch seinen Preis hat, verstehe ich von selbst. Aber am Ende zählt das Produkt und das es überhaupt eine Zukunft gibt, da aus meiner Sicht nach wie vor an den Michelkatalogen nichts vorbeigeht.
Am: 24.11.2025 18:09:39
Gelesen: 4982
# 17
@ TeeKay [#13]
Ja, dann ist es eben eine App. Wenn Fortschritt, dann richtig, und nicht so halbgare Sachen. Bei meiner WiSo-Software muss ich die zwar jedes Jahr neu installieren, aber ich kann die Daten vom Vorjahr übernehmen. So könnte es gehen, oder so ähnlich. Aber WiSo ist das viel komplizierter, da dort etwas berechnet werden muss. Im Katalog werden nur Datenbank-Inhalte nach Schema f dargestellt.
Das muss der Schwaneberger Verlag ja auch nicht selber programmieren. Er muss dafür halt ein vernünftiges Software-Haus engagieren.
Viele Grüße
Thomas
Am: 24.11.2025 19:38:13
Gelesen: 4896
# 18
Für mich wäre es schon ein Gewinn, würde es den Michel Online auch mit monatlicher Zahlweise geben. Nicht jeder kann/will dafür auf einen Schlag rd. 300,- € für eine digitale Dienstleistung ausgeben. Dass es dieses Angebot nicht mit monatlicher Zahlweise gibt, lässt mich rätseln, zumal mir einmal auf Anfrage mitgeteilt wurde, dass das technisch nicht ginge.
In der heutigen Zeit, wo es doch darum geht, die Leute möglichst niedrigschwellig abzuholen, sollte es doch ein Leichtes sein, zumindest den Michel Online, analog Spotify, Netflix und Co., mit monatlicher Zahlweise und Kündigungsmöglichkeit anzubieten.
Keine Ahnung, ob das letztlich viele Neuabonennten zu Michel spült, aber ein Versuch wäre es doch wert.
Eine App/eBook/Platform die verschiedenste Verknüpfungen (zu anderen Sammlern, Argen, Wikipedia, Bibliotheken) zulässt, die dich über deinen Sammelfortschritt informiert, Auktionshäuser direkt einbindet (aber nicht als nervige Pop-Up-Werbung), das Hinterlegen eigener Bilder (Belege) ermöglicht und jedes Jahr (auch rückwirkend) die von dir gewünschten Jahrgänge, der von dir gewünschten Länder und Gebiete zum Kauf anbietet - kurzum, individuelle Lösungen und Möglichkeiten für alle Sammler - wäre in meinen Augen das vielleicht wünschenswerte, digitale Ziel. Vielleicht auch mit einer Art Schnittstelle zwischen Arge und Katalog, um neue Forschungsergebnisse schneller publizieren zu können?
Grüße,
Stefan
Am: 24.11.2025 19:54:16
Gelesen: 4865
# 19
Ich glaube nicht, dass es Sammlerfreund Christian im Beitrag [#1] um die technischen Möglichkeiten der Michel-Kataloge ging. Nur diese technischen Varianten werden aber hier diskutiert.
Ich lese die Fragestellung eher so, ob die Michel-Kataloge auch in Zukunft neutral und zuverlässig bleiben. Diese Frage ist nach wie vor unbeantwortet.
Am: 24.11.2025 20:02:11
Gelesen: 4850
# 20
@ bovi11 [#19]
Diese Frage wird aber niemand beantworten können, wenn er das wirklich so gemeint hat, was ich bezweifle.
Am: 24.11.2025 20:10:34
Gelesen: 4832
# 21
@ sammler70 [#20]
Vielleicht äußert sich Sammlerfreund Christian dazu, was er konkret mit seiner Fragestellung gemeint hat.
Die technischen Varianten sind schon x-Mal diskutiert worden.
Am: 24.11.2025 21:28:54
Gelesen: 4746
# 22
@ stampmix [#14]
Leider nur zwei Bände und nur in Kombination mit einem Abo, das teurer ist als die beiden gedruckten Kataloge.
@ opti53 [#17]
Sehe ich wie du. Bevor aber wieder die ganzen Status-Quo-Verteidiger mit Kosten kommen, wäre ich schon mit eBooks zufrieden. Die lassen sich vermutlich mit einem Mausklick aus dem Satzprogramm exportieren.
Was ist der Vorteil von eBooks? Sie haben (bzw sollten) kein festes Layout haben. Der eBook-Reader bzw. die Anzeigesoftware arrangiert die Inhalte bei jedem Nutzer individuell in Abhängigkeit von Bildschirmauflösung und vom Nutzer gewählter Zoomstufe. Im Gegensatz dazu haben PDF ein festes Layout und sind meistens zu gross oder zu klein, so dass man ständig herumscrollen muss.
Am: 24.11.2025 23:13:36
Gelesen: 4650
# 23
@ bovi11 [#21]
Hallo Dieter,
der ehemalige Chefredakteur der Michel Kataloge, Oskar Klan, hat auf einem Vortrag anschaulich geschildert, was passieren "könnte". Vielleicht kennst Du die Story.
Die Katalogpreise werden (oder wurden zumindest damals) auf Basis der Verkaufs-Listenpreise der teuersten Händler) ermittelt. Ich vermute, dieses System der sog. Bruttopreise (auf die Rabatte gewährt werden können) besteht noch immer.
Nun kam ein grosser Händler auf eine blendende Idee: Es wurden ZWEI Listen mit deutlich unterschiedlichen Preisen gedruckt. Die mit den hohen Preisen wurde an die Michel Redaktion geschickt, die mit den niedrigen Preisen an die Sammler.
So konnte man ganz erheblich dazu beitragen, dass die Katalogpreise sehr hoch notiert wurden und indirekt damit der Verkauf über niedrige Preise angekurbelt wurde.
Zum Jahr 2025/2026: Was könnte passieren, wenn ein Händler oder eine Firmengruppe mit einem sehr grossen Umsatz den Schwaneberger Verlag kauft ? Aufgrund des zuletzt negativen Jahresergebnisses von 200.000 Euro in der Firmenbilanz (2023) und der hohen Lagerstände (rund 1.000.000 Euro), vielleicht auch noch Pensionsverpflichtungen gegenüber den beiden Gesellschaftern, wäre der Kaufpreis sicher gut zu bezahlen, wenn auch mit weiteren Verpflichtungen. Dann schaut der Händler oder die Firmengruppe auf die eigenen Lagerbestände und prüft, ob nicht die eine oder andere Position im nächsten Katalog etwas "angehoben" werden könnte.
Der letzte Absatz ist reine Fiktion und kam mir nur so in den Sinn. Vor etwa 40 Jahren waren Bundes- und Landeskriminalämter meine Kunden (Infodienste) und auch meine Auftraggeber. zusammen mit Fachanwälten und Staatsanwaltschaften (Fachgutachten in Betrugsfällen), von daher sind mir solche Gedanken nicht unbekannt. Mit dem Schwaneberger Verlag haben sie absolut nichts zu tun, es könnte weltweit auch alle anderen Kataloge betreffen.
Gute Nacht, Deutschland
Am: 25.11.2025 05:47:47
Gelesen: 4583
# 24
@ bovi11 [#21]
In der Tat, es ging mir darum, wer in der Zukunft die Verantwortung für den Michel übernehmen kann, damit diese Sammlerinstitution überhaupt überleben kann, nicht um technische Wünsche. Um den Michel neben Michel-online auch noch als App, E-Book usw, herausgeben zu können, braucht es in erster Linie Geld, das der Schwaneberger-Verlag ausweislich der neuen Infos von Richard nicht hat. Vielleicht ist die von mir in den Raum gestellte Idee aber auch schon hinfällig: (1) Haben die Eigentümer etwa schon verkauft? Ich hoffe nicht. (2) Liest hier überhaupt Funktionsträger mit? Ich habe nicht den Eindruck.
@ Richard [#23]
Die Anhebung von Preisen durch einen Händler-Eigentümer, damit dieser seine Lagerbestände besser losschlagen kann, halte ich für ein untergeordnetes Risiko. Ein solcher Versuch hätte allenfalls ein Strohfeuer zur Folge und wäre bestens geeignet, sowohl den Ruf des Unternehmens nachhaltig zu beschädigen als auch den Untergang der Sammlerinstitution Michel zu beschleunigen. Um noch einmal ein Beispiel aufzugreifen: der Zumstein-Katalog ist - soweit ich das beurteilen kann - eine unbestrittene Autorität, und das schon seit Jahrzehnten. Von einem Fall, in dem das Zumstein-Handelshaus bewusst einzelne Preise gepusht hätte, habe ich noch nie etwas gehört.
Allen einen schönen Tag!
Christian
In der Tat, es ging mir darum, wer in der Zukunft die Verantwortung für den Michel übernehmen kann, damit diese Sammlerinstitution überhaupt überleben kann, nicht um technische Wünsche. Um den Michel neben Michel-online auch noch als App, E-Book usw, herausgeben zu können, braucht es in erster Linie Geld, das der Schwaneberger-Verlag ausweislich der neuen Infos von Richard nicht hat. Vielleicht ist die von mir in den Raum gestellte Idee aber auch schon hinfällig: (1) Haben die Eigentümer etwa schon verkauft? Ich hoffe nicht. (2) Liest hier überhaupt Funktionsträger mit? Ich habe nicht den Eindruck.
@ Richard [#23]
Die Anhebung von Preisen durch einen Händler-Eigentümer, damit dieser seine Lagerbestände besser losschlagen kann, halte ich für ein untergeordnetes Risiko. Ein solcher Versuch hätte allenfalls ein Strohfeuer zur Folge und wäre bestens geeignet, sowohl den Ruf des Unternehmens nachhaltig zu beschädigen als auch den Untergang der Sammlerinstitution Michel zu beschleunigen. Um noch einmal ein Beispiel aufzugreifen: der Zumstein-Katalog ist - soweit ich das beurteilen kann - eine unbestrittene Autorität, und das schon seit Jahrzehnten. Von einem Fall, in dem das Zumstein-Handelshaus bewusst einzelne Preise gepusht hätte, habe ich noch nie etwas gehört.
Allen einen schönen Tag!
Christian
Am: 25.11.2025 06:19:55
Gelesen: 4569
# 25
P.S. ich habe die folgende Nachricht per E-Mail erhalten, die ich gern im kompletten Original weitergebe:
"Hallo, wie weltfremd bist Du? Wie wollen wir die Zukunft unserer Michel-Kataloge gestalten ? Ich kenne viele weltfremde Personen, aber so einen Riesenhaufen wie unter den Philatelisten habe ich noch nie gesehen. Zähne, Druck & Farbe stören den Blick auf das Wesentliche….
Kennst Du die Bilanzen des Verlags? 2022 – 2023 mal anbei. Auf 2024 habe ich keinen Zugriff; das Ergebnis gibt es aber schon…. Kostet allerdings…
Am besten Du fragst mal bei Ebert nach, ob er von den 60€ etwas abgibt. Alle virtuellen Portale, auch Philaseiten.de, nehmen dem Michel was weg…"
Den Verfasser nenne ich nicht, aber er darf sich gern selbst outen, wenn er sich denn traut.
Dazu nur ein paar kurze Antworten (mehr lohnt nicht):
- Tagtäglich werden 100e Unternehmen veräußert, die einen Jahresfehlbetrag ausweisen. Die Käufer sind nicht dumm oder weltfremd, sondern wissen, dass eine Bilanz immer nur eine Momentaufnahme darstellt. Wenn ein Käufer glaubt, es besser machen zu können, oder wenn ihm das völlig egal ist, weil der vielmehr auf den Erwerb des Assets schielt (hier z.B. die Datenbank des Verlags mit Unmassen an Informationen), dann kauft er so ein Unternehmen gern. Der E-Mail-Verfasser muss wohl davon ausgehen, dass nicht nur die Sammler weltfremd sind, sondern auch Unternehmer wie Herr Hantschel. Steile These.
- *Ironiemodus an* @Richard: jetzt haben wir es: Du trägst die Schuld! Schließe doch einfach die philaseiten und schon werden für den Michel goldene Zeiten anbrechen. *Ironiemodus aus*
- Wenn ein Unternehmen aus prinzipiellen Gründen nicht mehr profitabel betrieben werden kann (z.B. demografiebedingter Kundenschwund), die damit verbundene Institution auf Grund ihrer überragenden Bedeutung aber erhalten werden soll (z.B. Michel), so spricht das aus meiner Sicht erst recht für eine Vergemeinschaftung. Entweder übernimmt ein Sammlerverband wie der BDPh, der nicht auf den Profit schielt und der einen Teil der kostenträchtigen Arbeit durch Freiwillige erbringen kann, oder es übernimmt ein Händlerverband wie der APHV. Dieser hat natürlich auch ein unmittelbares Interesse an der Fortführung des Michel, da jeder Händler hiervon tagtäglich unmittelbar profitiert. Die allermeisten Verkaufspreise werden schließlich mit der Angabe des Michelpreises als "Beweis des innewohnenden Wertes" gerechtfertigt. Ein Händlerverband ist in dieser Hinsicht nicht dasselbe wie ein einzelner Händler, sondern eigentlich das komplette Gegenteil: viele Händler wären vermutlich nicht begeistert, wenn ein Konkurrent exklusiven Zugriff auf den Michel hätte - wenn dieser unter neutraler Obhut eines Händlerverbands gestellt würde, hingegen schon.
Am: 25.11.2025 08:16:17
Gelesen: 4499
# 26
@ Richard [#23]
Was könnte passieren, wenn ein Händler oder eine Firmengruppe mit einem sehr grossen Umsatz den Schwaneberger Verlag kauft ? Aufgrund des zuletzt negativen Jahresergebnisses von 200.000 Euro in der Firmenbilanz (2023) und der hohen Lagerstände (rund 1.000.000 Euro), vielleicht auch noch Pensionsverpflichtungen gegenüber den beiden Gesellschaftern, wäre der Kaufpreis sicher gut zu bezahlen, wenn auch mit weiteren Verpflichtungen. Dann schaut der Händler oder die Firmengruppe auf die eigenen Lagerbestände und prüft, ob nicht die eine oder andere Position im nächsten Katalog etwas "angehoben" werden könnte.
Das kennen wir doch schon.
Stichwort: Afinsa-Skandal
Am: 25.11.2025 08:45:51
Gelesen: 4465
# 27
Ein nicht unumstrittener Händler trifft sich anlässlich einer Briefmarkenmesse zu einer langen Unterredung mit einem maßgeblichen Gesellschafter des Schwaneberger Verlags. Das ist sogar durch Fotos belegt.
Vor dem Hintergrund, dass es seit langem ein offenes Geheimnis ist, dass der Verlag zum Verkauf steht, keimen deshalb zwangsläufig Gedanken, die die Unabhängigkeit der Michel-Kataloge in Frage stellen. Man muss wahrlich kein Prophet sein, um darin das Verspielen des letzten Funkens Glaubwürdigkeit der Michel-Kataloge zu sehen. Die Kataloge verkommen zu Marketing-Instrumenten.
Kommen wir zu der Frage:
„Wie wollen wir die Zukunft unserer Michel-Kataloge gestalten?“
Der Verkauf an einen solchen Händler (aber auch an andere Händler) würde unweigerlich den vollständigen Niedergang der Michel-Kataloge nach sich ziehen. Warum sollte jemand derartige Kataloge erwerben, wenn sie – drastisch formuliert – zur Preisliste eines Handelsunternehmens verkommen sind?
„Wir“ können nichts gestalten. Die Entwicklung liegt einzig und allein bei dem/den Gesellschafter/n und daran, wohin diese das Unternehmen steuern. Das dokumentierte Treffen in Ulm jedenfalls lässt nichts Gutes erwarten.
Vor dem Hintergrund, dass es seit langem ein offenes Geheimnis ist, dass der Verlag zum Verkauf steht, keimen deshalb zwangsläufig Gedanken, die die Unabhängigkeit der Michel-Kataloge in Frage stellen. Man muss wahrlich kein Prophet sein, um darin das Verspielen des letzten Funkens Glaubwürdigkeit der Michel-Kataloge zu sehen. Die Kataloge verkommen zu Marketing-Instrumenten.
Kommen wir zu der Frage:
„Wie wollen wir die Zukunft unserer Michel-Kataloge gestalten?“
Der Verkauf an einen solchen Händler (aber auch an andere Händler) würde unweigerlich den vollständigen Niedergang der Michel-Kataloge nach sich ziehen. Warum sollte jemand derartige Kataloge erwerben, wenn sie – drastisch formuliert – zur Preisliste eines Handelsunternehmens verkommen sind?
„Wir“ können nichts gestalten. Die Entwicklung liegt einzig und allein bei dem/den Gesellschafter/n und daran, wohin diese das Unternehmen steuern. Das dokumentierte Treffen in Ulm jedenfalls lässt nichts Gutes erwarten.
Am: 25.11.2025 08:47:58
Gelesen: 4460
# 28
@ bovi11 [#27]
Warum sollte jemand derartige Kataloge erwerben, wenn sie – drastisch formuliert – zur Preisliste eines Handelsunternehmens verkommen sind?
Ist das bei den Staley Gibbons Katalogen anders????
Zum "Wir", ganz meine Meinung... "Wir" können da gar nichts tun...
Am: 25.11.2025 09:08:03
Gelesen: 4436
# 29
Hallo Michael,
du hast in deinem ersten Beitrag die Möglichkeiten, die es theoretisch gibt, schon sehr gut aufgezählt. In der Praxis sehe ich aber auch nur die Möglichkeit, dass der Michel Verlag von einem finanzstarken Unternehmen fortgeführt wird.
Hier sind Tausende, wenn nicht Millionen Euro im Spiel. Wer soll das finanzieren. Der BDPh ist zum Großteil jetzt schon mit seinen Aufgaben überfordert. Bei einem Verein sehe ich auch wenig Möglichkeiten. So ein Unternehmen ist ein Vollzeitjob der Experten braucht, und es kann nicht ehrenamtlich betrieben werden. Darüber hinaus werden Banken Vereinen wohl keine großen Kredite geben, weil einfach die Sicherheiten fehlen.
Wie das beim Zumstein Katalog funktioniert, weiß ich nicht, mir war dieser Katalog bis dato unbekannt.
Aber nur um auch ein Beispiel zu nennen, die Stempelgilde. Diese ist wahrscheinlich eine der größten Arbeitsgemeinschaften im BDPh. Sie hat einen Bochmann Katalog übernommen, den sie vermarktet. Sie hat es aber seit 30 Jahren beziehungsweise seit 1990 nicht geschafft, diesen weiterzuführen. Dies wäre meines Erachtens damals kein zu großer Aufwand gewesen, weil damals die Unterlagen zu den Stempeln noch vorhanden gewesen wären. Glaubst du ein Verein mit Ehrenamtlichen könnte ein Unternehmen führen, das auf weltweite Beziehungen angewiesen ist und jeder will zeitnah die neusten Ergebnisse.
Ich bin zunächst überhaupt einmal froh, Das ist mit dem Michel überhaupt einmal weitergeht. Wenn man die Ergebnisse ansieht der letzten Jahre, so wird das wohl nur durch Kostenreduzierung und durch Verschlankung möglich sein.
Was die von dir veröffentlichte Email anbelangt, so ist die zwar hart formuliert, hat aber meines Erachtens schon einen wahren Kern. Herr Hantschel hat von mir den größten Respekt, dass er sich traut ein Unternehmen zu übernehmen, das mit einer Kundschaft in die Zukunft gehen soll, die zum größten Teil jenseits der 80 ist. Noch dazu mit einer Gruppe, der zum größten Teil sogar schon der BDPh zu viel ist. Wie oben bereits einmal angeklungen, sammelt auch fast niemand mir Neuheiten, weil ihnen das auch zu teuer ist. Die meisten der Sammler, die ich kenne, benutzen Kataloge, die 10 Jahre und älter sind. Wenn man es nüchtern betrachtet, ist es ein wahres Wunder, dass sich überhaupt noch einer die Mühe macht, so ein Werk fortzuführen.
du hast in deinem ersten Beitrag die Möglichkeiten, die es theoretisch gibt, schon sehr gut aufgezählt. In der Praxis sehe ich aber auch nur die Möglichkeit, dass der Michel Verlag von einem finanzstarken Unternehmen fortgeführt wird.
Hier sind Tausende, wenn nicht Millionen Euro im Spiel. Wer soll das finanzieren. Der BDPh ist zum Großteil jetzt schon mit seinen Aufgaben überfordert. Bei einem Verein sehe ich auch wenig Möglichkeiten. So ein Unternehmen ist ein Vollzeitjob der Experten braucht, und es kann nicht ehrenamtlich betrieben werden. Darüber hinaus werden Banken Vereinen wohl keine großen Kredite geben, weil einfach die Sicherheiten fehlen.
Wie das beim Zumstein Katalog funktioniert, weiß ich nicht, mir war dieser Katalog bis dato unbekannt.
Aber nur um auch ein Beispiel zu nennen, die Stempelgilde. Diese ist wahrscheinlich eine der größten Arbeitsgemeinschaften im BDPh. Sie hat einen Bochmann Katalog übernommen, den sie vermarktet. Sie hat es aber seit 30 Jahren beziehungsweise seit 1990 nicht geschafft, diesen weiterzuführen. Dies wäre meines Erachtens damals kein zu großer Aufwand gewesen, weil damals die Unterlagen zu den Stempeln noch vorhanden gewesen wären. Glaubst du ein Verein mit Ehrenamtlichen könnte ein Unternehmen führen, das auf weltweite Beziehungen angewiesen ist und jeder will zeitnah die neusten Ergebnisse.
Ich bin zunächst überhaupt einmal froh, Das ist mit dem Michel überhaupt einmal weitergeht. Wenn man die Ergebnisse ansieht der letzten Jahre, so wird das wohl nur durch Kostenreduzierung und durch Verschlankung möglich sein.
Was die von dir veröffentlichte Email anbelangt, so ist die zwar hart formuliert, hat aber meines Erachtens schon einen wahren Kern. Herr Hantschel hat von mir den größten Respekt, dass er sich traut ein Unternehmen zu übernehmen, das mit einer Kundschaft in die Zukunft gehen soll, die zum größten Teil jenseits der 80 ist. Noch dazu mit einer Gruppe, der zum größten Teil sogar schon der BDPh zu viel ist. Wie oben bereits einmal angeklungen, sammelt auch fast niemand mir Neuheiten, weil ihnen das auch zu teuer ist. Die meisten der Sammler, die ich kenne, benutzen Kataloge, die 10 Jahre und älter sind. Wenn man es nüchtern betrachtet, ist es ein wahres Wunder, dass sich überhaupt noch einer die Mühe macht, so ein Werk fortzuführen.
Am: 25.11.2025 09:41:04
Gelesen: 4382
# 30
In den Köpfen einiger Sammler dürfte noch immer die Idee stecken, dass man mit der Herausgabe von Katalogen reich werden kann, und dass der Schwaneberger Verlag eine Goldgrube ist. Wenn dem so wäre, würden die Investhaie aus Amerika und dem persischen Golf Herrn Hohenester die Bude einrennen.
Vor 40 Jahren war dieser Eindruck gerechtfertigt: jedes Jahr wurden 30.000 Deutschland-Kataloge verkauft, quasi im Abonnement, denn jeder Sammler wollte ein Jahr später wissen, ob der Olympiablock wieder um eine Mark gestiegen war. Das Geschäft mit den Deutschland-Katalogen hat den gesamten Verlag finanziert, da konnte so mancher unrentabler Exoten-Katalog „durchgefüttert“ werden.
Das zweiten Märchen ist, dass der Michel-Katalog die Verkaufspreise für Briefmarken festsetzt. Die Preise macht der Markt und sie richten sich nach Angebot und Nachfrage. Dank des Internets ist der Markt transparent geworden. Die Qualität ist das entscheidende Preiskriterium. Ein Katalog kann sich immer nur auf den Durchschnitt beziehen. Natürlich gibt es auch heute noch die „Michel-Reichrechner“, die ihren Spaß daran haben, die Preise aus dem Katalog zusammenzuzählen. Bloss hat das mit der Realität nichts zu tun.
Es wird immer Leute geben, die an der Katalogisierung bestimmter Marken wirtschaftliche Interessen habe. Man denke nur an Prüfer, an deren Expertise keine Redaktion vorbeikommt, die aber auf der anderen Seite von hohen Katalogwerten und damit hohen Prüfkosten profitieren. Ich möchte an dieser Stelle die unselige Farbendiskussion nicht wieder aufkochen.
Bevor man sich über das inhaltliche Konzept der Michel-Kataloge Gedanken macht, muss man eine wirtschaftliche Grundlage für das weitere Bestehen schaffen. Niemand hat einen Goldesel, weder die Verbände noch private Unternehmer, und kann auf lange Zeit einen unrentablen Verlag durchfüttern und Geld zuschiessen.
Die Fixkosten für eine unabhängige Redaktion sind unabhängig von der Anzahl der tatsächlich verkauften Kataloge. Der Aufwand für eine Neuheitenkatalogisierung ist immer der gleiche, egal ob die Informationen in einen gedruckten Katalog einfliessen oder in eine Online-Datenbank.
Möchte man nicht ins Minus rutschen, muss man entweder die Fixkosten reduzieren, oder den Umsatz erhöhen. Die Preise der Kataloge sind schon am oberen Limit, mehr dürfte der Markt nicht hergeben. Und mehr Sammler werden es in absehbarer Zeit auch nicht geben.
In der Redaktion und im Verlag arbeiten etwa zehn Leute, und der Geschäftsführer möchte auch bezahlt werden. Dazu kommen noch freischaffende Honorarkräfte. Ich rechne einmal grob mit 1 Mio. EURO an Fixkosten, d.h. Vollkostenrechnung inklusive Büroausstattung und Vertriebskosten. Dann bräuchte es 20 bis 40.000 Abonnenten oder verkaufte Kataloge pro Jahr.
Welche Möglichkeiten hätte ein Verlag?
1. Umsatz erhöhen: im Inland dürfte nicht mehr gehen, jeder Sammler kennt die Marke „Michel“. Bleibt nur noch die Expansion ins Ausland. Die gedruckten Kataloge scheitern außerhalb der deutschsprachigen Länder an der Sprachbarriere, dazu kommen noch die Logistikkosten und Zollprobleme. Die Online-Datenbank ist dagegen länderübergreifend einsetzbar. In den Zeiten der künstlichen Intelligenz ist eine Übersetzung der Katalogtexte in die meisten Sprachen der Welt kein Problem mehr.
Wie realistisch ist der Vorschlag? Erst einmal bräuchte man zuverlässige Partner im Ausland. Die wachsen nicht gerade auf Bäumen und wollen auch nicht ehrenamtlich arbeiten. Auch im Ausland will man keine toten Pferde reiten. Einige Katalogverlage wie Stanley Gibbons empfehlen sich als Partner nicht wirklich. Die Kunden aus der Philatelie sind zudem sehr „papieraffin“ und viele Sammler haben oder wollen keinen digitalen Zugang. Außerdem gibt es eine starke Konkurrenz durch kostenlose Datenbanken wie Colcnet.
Die Idee, die Katalogdatenbank mit einer Verkaufsplattform zu verknüpfen, hat ihren Charme. Doch wer soll es umsetzen? Der Schwaneberger Verlag hat nicht die Mittel dafür und für Ebay und Amazon ist das Geschäft zu klein und unbedeutend. Im Übrigen ist der Briefmarkenmarkt nicht einfach, man denke nur an die notwendige Fälschungsbekämpfung.
2. Fixkosten senken: an diesem schmerzhaften Weg wird man wohl nicht vorbeikommen. Der Verlag hält noch immer an dem Anspruch fest, alle Neuheiten aus der Welt katalogisieren zu wollen, obwohl die Neuheitensammler aussterben. Weniger wäre mehr: nur noch die Neuheiten der deutschsprachigen Länder erfassen, und andere ausgewählte Länder in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Arbeitsgemeinschaften. Viele Länder wird man nicht mehr pflegen können, Neuauflagen von den Überseekatalogen wird es nicht mehr geben.
Der Schwaneberger Verlag hat schon vor Jahren die Vertriebskosten optimiert, und auf den Zwischenhandel verzichtet. Ein Zusammenschluss mit einem Briefmarkenhandelshaus wird nur wenige Synergieeffekte bringen. Fast alle Sammler kennen den „Michel“ als Bibel des Sammlers, die Adresskarteien von Händlern dürften keine Neukunden bringen.
eBooks senken nicht die Fixkosten der Redaktion. Der Verlag spart sich lediglich die Druckkosten und die Kosten für Lager und Logistik. Man bindet weniger Geld, aber auf der anderen Seite erwartet der Kunde einen deutlichen Preisnachlass gegenüber gedruckten Werken.
FAZIT: Ohne drastische personelle und inhaltliche Einschnitte wird man nicht überleben können. Die ganze Welt kann ein einzelner Verlag nicht mehr katalogisieren. Der Schwaneberger Verlag sollte sich auf die Deutschland-Kataloge beschränken. Das ist auch im Interesse der Sammler, weil es für die deutschen Spezial-Kataloge keine Alternative auf dem Markt gibt.
Am: 25.11.2025 10:47:26
Gelesen: 4277
# 31
@ drmoeller_neuss [#30]
"Man bindet weniger Geld, aber auf der anderen Seite erwartet der Kunde einen deutlichen Preisnachlass gegenüber gedruckten Werken."
Dann gilt es, Mehrwerte zu kommunizieren oder überhaupt erst zu schaffen. Ich meine, dass ein digitaler, durchsuchbarer Katalog an sich bereits einen Mehrwert bietet. Wieso sollte der günstiger angeboten werden als ein gedruckter Katalog? Bei Fachbüchern kosten eBooks in der Regel das gleiche wie die gedruckte Ausgabe.
"Man bindet weniger Geld, aber auf der anderen Seite erwartet der Kunde einen deutlichen Preisnachlass gegenüber gedruckten Werken."
Dann gilt es, Mehrwerte zu kommunizieren oder überhaupt erst zu schaffen. Ich meine, dass ein digitaler, durchsuchbarer Katalog an sich bereits einen Mehrwert bietet. Wieso sollte der günstiger angeboten werden als ein gedruckter Katalog? Bei Fachbüchern kosten eBooks in der Regel das gleiche wie die gedruckte Ausgabe.
Am: 25.11.2025 12:25:36
Gelesen: 4144
# 32
....... reicht dieses ?
https://colnect.com/de/stamps/countries
In der "einfacher" Version ist es kostenlos. In der Premiumversion, zusätzliche Felder für eigene Notizen etc. rd. 100 €. Beide jedoch ohne Preise. Für mich als "Normalsammler" reicht dieses völlig.
Gruß
Horst
https://colnect.com/de/stamps/countries
In der "einfacher" Version ist es kostenlos. In der Premiumversion, zusätzliche Felder für eigene Notizen etc. rd. 100 €. Beide jedoch ohne Preise. Für mich als "Normalsammler" reicht dieses völlig.
Gruß
Horst
Am: 25.11.2025 12:40:07
Gelesen: 4121
# 33
.... vergessen: die 100 € sind Jahresgebühren.
Am: 25.11.2025 12:54:10
Gelesen: 4098
# 34
@ franzi2005 [#32]
Da benutze ich eher Stampworld [1].
Hier gibt es auch Wertangaben.
Ich bin da nicht komplett mit zufrieden, denn z.B. bei gestempelten Inflamarken kann man die Preisangaben vergessen. Im Klassikbereich ist die Katalogisierung schon mal etwas oberflächig, weil Varianten nicht immer verzeichnet sind.
Hilfreich ist StampWorld für mich jedenfalls im moderneren Bereich, wenn ich mal ein paar ausländische Marken nachsehen will, wofür ich keinen Katalog habe.
Ansonsten habe ich für meine Sammelgebiete Papierkataloge von Michel und teilweise nationale Kataloge wie Fischer (PL), oder JSCA Japan.
In solchen Katalogen der jeweiligen Länder findet man dann auch Informationen, die es im Michel nicht gibt.
Viele Grüße
Thomas
[1] https://www.stampworld.com/de/
Am: 25.11.2025 19:05:49
Gelesen: 3853
# 35
Was meiner Meinung nach auch die Kosten unnötig hochtreibt, ist die Tatsache, das jetzt jeder Michel ein Hardcover hat und die Seiten gebunden sind. Ich fand die Softcover früher besser, der Katalog war auch einfach nur geleimt und das hält auch noch bis heute.
Mit den Hardcovers hat man die Kataloge einfach nur verteuert und verschlimmbessert.. das Handling mit den Softcovers war irgendwo besser und wenn man mal ein Katalog wohin mitgenommen hat, dann hat das Softcover auch weniger aufgetragen und hat sich in einer Tasche auch eher mal klein gemacht...die Hardcovers sind einfach nur sperrige Schachteln die ihren festen Platzverbrauch haben.
Am: 25.11.2025 19:17:28
Gelesen: 3837
# 36
Siehste... und ich bin froh mit dem Hardcover. Bei mir stehen die Kataloge im Regal - das sieht besser und "wertiger" aus. Irgendwohin mitnehmen brauche ich die Kataloge auch (fast) nicht, warum auch als Stempelsammler?
Zwei Köpfe - zwei Meinungen. :-)
Am: 25.11.2025 19:23:12
Gelesen: 3827
# 37
Obwohl Sammlerfreund Christian mittlerweile klargestellt hat, dass er hier die Ausrichtung des Verlags diskutieren möchte [#24] wird lustig am Thema vorbei geredet.
Am: 25.11.2025 20:51:48
Gelesen: 3727
# 38
@ bovi11 [#37]
Das stimmt. Mir scheint, die meisten haben keinen rechten Zugang zu diesem Thema. Vielleicht war mein Eingangsstatement auch zu lang.
Das ist aber alles nicht so schlimm - ich würde mich freuen, wenn die Idee wenigstens für einen Moment bei einem der Entscheidungsträger im APHV oder BDPh kurz angedacht wird. Man wird ja bescheiden. Die vornehmen Herren äußern sich ja grundsätzlich nicht in einem plebejischen Forum wie diesem, was auch nicht schlimm ist. Aber vielleicht hat ja einer der Leser Zugang zu einem der Herren und wäre so freundlich, auf dieses Thema hinzuweisen. Dann wäre ich schon zufrieden.
Viele Grüße und allen einen schönen Abend
Christian
Am: 25.11.2025 21:08:03
Gelesen: 3702
# 39
@ Sammlerfreund Christian [#38]
"Die vornehmen Herren äußern sich ja grundsätzlich nicht in einem plebejischen Forum wie diesem, was auch nicht schlimm ist."
Wolfgang Lang, Präsident des APHV, schreibt durchaus öfter in diesem Forum.
"Die vornehmen Herren äußern sich ja grundsätzlich nicht in einem plebejischen Forum wie diesem, was auch nicht schlimm ist."
Wolfgang Lang, Präsident des APHV, schreibt durchaus öfter in diesem Forum.
Am: 25.11.2025 23:04:10
Gelesen: 3611
# 40
@ Sammlerfreund Christian [#38]
Das ist aber alles nicht so schlimm - ich würde mich freuen, wenn die Idee wenigstens für einen Moment bei einem der Entscheidungsträger im APHV oder BDPh kurz angedacht wird.
Die Verbände haben nicht die finanziellen Mittel, um einen angeschlagenen Verlag unter die Arme zu greifen.
Denkbar wäre aber eine Unterstützung von der Stiftung Philatelie und Postgeschichte, die auch bereits andere Literatur unterstützt hat. Die finanziellen Mittel reichen aber auch hier nicht aus, um das bisherige Konzept der weltweiten Katalogisierung finanziell zu tragen.
Tut mir leid, dass ich das am schnöden Mammon fest mache, aber wenn der Schwaneberger Verlag eine Goldgrube mit Zukunft wäre, dann würde die Diskussion hier ganz anders laufen.
Ich sehe nur eine kleine Chance für die Pflege der Deutschland-Spezialkataloge, für die es (noch) einen rentablen Markt gibt. Alle anderen Kataloge würden nicht mehr neu aufgelegt, können natürlich bei Bedarf nachgedruckt werden
Das ist aber alles nicht so schlimm - ich würde mich freuen, wenn die Idee wenigstens für einen Moment bei einem der Entscheidungsträger im APHV oder BDPh kurz angedacht wird.
Die Verbände haben nicht die finanziellen Mittel, um einen angeschlagenen Verlag unter die Arme zu greifen.
Denkbar wäre aber eine Unterstützung von der Stiftung Philatelie und Postgeschichte, die auch bereits andere Literatur unterstützt hat. Die finanziellen Mittel reichen aber auch hier nicht aus, um das bisherige Konzept der weltweiten Katalogisierung finanziell zu tragen.
Tut mir leid, dass ich das am schnöden Mammon fest mache, aber wenn der Schwaneberger Verlag eine Goldgrube mit Zukunft wäre, dann würde die Diskussion hier ganz anders laufen.
Ich sehe nur eine kleine Chance für die Pflege der Deutschland-Spezialkataloge, für die es (noch) einen rentablen Markt gibt. Alle anderen Kataloge würden nicht mehr neu aufgelegt, können natürlich bei Bedarf nachgedruckt werden
Am: 25.11.2025 23:14:16
Gelesen: 3602
# 41
@ Sammlerfreund Christian [#1]
Ohne mich tiefer in die Diskussion einmischen zu wollen, möchte ich nur zwei Sachverhalte erwähnen:
1) Der BDPh hat schon einmal einen Briefmarkenkatalog herausgebracht, und zwar im Jahr 1947.
2) Briefmarkenkataloge können offenbar auch billiger hergestellt werden, siehe DNK Deutschland-Katalog 2025. Preis 14,99 €. Wie hoch die Auflage ist weiß ich weder bei Michel, noch bei DNK.
Falls sich etwas in die falsche Richtung entwickelt, gibt es also Alternativen. Ich habe zwar hauptsächlich Michel-Kataloge, aber die sind für mich schon lange keine Bibel mehr.
Viele Grüße
Bernhard
Am: 26.11.2025 09:00:33
Gelesen: 3457
# 42
@ bernhard [#41]
Also ich würde jetzt den DNK Katalog nicht unbedingt mit dem Michel Spezial vergleichen. Der ist doch eher was für gezackte Bildchen in Album Stecker aber nicht für ernsthafte Briefmarkensammler.
Auch die weiter oben genannten Apps sind ganz nett, aber wenn man sie genauer betrachtet, dann kosten sie auch Geld, wenn man nicht alle 2 Sekunden eine lästige Werbung wegklicken möchte. Was die Neutralität dieser Apps betrifft, so soll sich jeder selbst seine Gedanken machen, wenn diese gleich mit Verkaufsplattformen verknüpft sind.
Im Übrigen habe ich den Eindruck, dass diese Kataloge und Apps eigentlich alle nur von Michel abschreiben und von dessen Arbeit profitieren. Dann kann ich natürlich billige Produkte anbieten, wenn ich mir 90% der redaktionellen Arbeit spare.
Ansonsten kann ich mich nur drmoeller neuss anschließen. Ohne dass ich die genauen Verkaufszahlen kenne, bin ich der Meinung, das gedruckte Kataloge in dieser Ausführlichkeit für die ganze Welt wohl eher unrentabel sind. Michel wird wohl eher für den deutschsprachigen Raum interessant sein, für den Rest der Welt ist Michel Online wohl ausreichend.
Und wenn wir wirklich ernsthaft den Michel retten wollen, so hätte ich die einfachste Lösung: jeder kauft jetzt mal mindestens 2 Michel Kataloge, dann werden die Lager geräumt und die 200.000 Defizit würden schnell ausgeglichen.
Am: 26.11.2025 09:40:34
Gelesen: 3424
# 43
@ sammler70 [#42]
Das Beispiel mit dem DNK-Katalog war ein allgemeines Kostenbeispiel für Briefmarkenkataloge. Da muss man schon Normalkatalog mit Normalkatalog vergleichen. Da ist Michel ca. 100% teurer.
Und wenn wir wirklich ernsthaft den Michel retten wollen, so hätte ich die einfachste Lösung: jeder kauft jetzt mal mindestens 2 Michel Kataloge, dann werden die Lager geräumt und die 200.000 Defizit würden schnell ausgeglichen.
Das halte ich für die schlechteste Idee aller Zeiten und waere nur ein Strohfeuer!
Der Michel war bereits DER Standardkatalog, bevor sie die Briefmarken der ganzen Welt katalogisiert hat.
Viele Grüße
Bernhard
Am: 26.11.2025 10:08:39
Gelesen: 3395
# 44
"Und wenn wir wirklich ernsthaft den Michel retten wollen, so hätte ich die einfachste Lösung: jeder kauft jetzt mal mindestens 2 Michel Kataloge, dann werden die Lager geräumt und die 200.000 Defizit würden schnell ausgeglichen."
"Das halte ich für die schlechteste Idee aller Zeiten und waere nur ein Strohfeuer!"
Da kann ich Bernhard nur zustimmen.
Michel ist offenbar aufgrund der Gesamtsituation daran interessiert, den kranken Gaul möglichst bald zu verkaufen. Was ein Käufer mit der Unabhängigkeit des Verlags macht, ist dabei völlig egal. Deshalb ist es den Verkäufern offenbar auch völlig egal, wer der Käufer ist nach dem Motto - nur weg damit. Dass die Geschäftspolitik der letzten Jahren oder sogar Jahrzehnte verfehlt war, wird ignoriert. Statt dessen werden neue Besen kurzerhand abserviert.
Am: 26.11.2025 16:12:35
Gelesen: 3210
# 45
Wie schon erwähnt wurde auch der Scott Katalog verkauft an private Philatelisten. Amos ging wohl auch das Geld aus (rumort hat es schon lange).
Es gibt wohl zwei Gebiete, die die neuen Besitzer Michel/Scott/Alle anderen Ungenannten überdenken müssen.
1. Das eigene Hauptgebiet (also Alles wo die USA/Deutschland die Finger drin hatten/haben).
2. Globale Kataloge.
1. Wird wohl weitergeführt so "original" wie halt möglich.
2. Das sehe ich den schnellen Tod nahekommen. Der Aufwand ist einfach viel zu hoch für den zu erwartenden Ertrag. Da sehe ich auch den Hauptgrund für die Verluste, die diese "globalen Player" einfahren. Stanley Gibbons ist sozusagen der Urvater aller Globalkataloge, und die leben nur noch weil jemand jedes Jahr Millionen reinbuttert in SG. Und das ohne Sinn und Vernunft, der Hauptladen am Strand verkauft jetzt im Wesentlichen Lionel-Modelleisenbahnen (oder versucht es zumindest, ist auch ein Verlustgeschäft)...
Haben Globalkataloge eine Ueberlebenschance? Da müssen sich alle Player zusammenraufen und Daten tauschen soweit das geht. Nur so kann der Aufwand in Grenzen gehalten werden. (Sowas gibt es doch schon in den Nordländern?)
Es gibt wohl zwei Gebiete, die die neuen Besitzer Michel/Scott/Alle anderen Ungenannten überdenken müssen.
1. Das eigene Hauptgebiet (also Alles wo die USA/Deutschland die Finger drin hatten/haben).
2. Globale Kataloge.
1. Wird wohl weitergeführt so "original" wie halt möglich.
2. Das sehe ich den schnellen Tod nahekommen. Der Aufwand ist einfach viel zu hoch für den zu erwartenden Ertrag. Da sehe ich auch den Hauptgrund für die Verluste, die diese "globalen Player" einfahren. Stanley Gibbons ist sozusagen der Urvater aller Globalkataloge, und die leben nur noch weil jemand jedes Jahr Millionen reinbuttert in SG. Und das ohne Sinn und Vernunft, der Hauptladen am Strand verkauft jetzt im Wesentlichen Lionel-Modelleisenbahnen (oder versucht es zumindest, ist auch ein Verlustgeschäft)...
Haben Globalkataloge eine Ueberlebenschance? Da müssen sich alle Player zusammenraufen und Daten tauschen soweit das geht. Nur so kann der Aufwand in Grenzen gehalten werden. (Sowas gibt es doch schon in den Nordländern?)
Am: 26.11.2025 17:52:32
Gelesen: 3113
# 46
Eine Philatelie ohne "Weltkatalog", d.h. ohne ein gemeinsames, strukturelles zusammenhaltendes Konstrukt, wird einfach global gesehen ihren Rang verlieren. Ein Objekt muss einen Namen haben, der global ansprechbar und verständlich ist. Auch bzw. sogar "inbesondere" - aber nicht nur - für einen funktionierenden globalen Markt.
Gerade diese globale Komplettkatalogisierung unterscheidet unser Hobby von vielen anderen Hobbys.
Diese einfache Grundvoraussetzung ist aber kein Schutzschirm vor den Zwängen einer wirtschaftlichen Tragfähigkeit einer solchen globalen Katalogisierung.
Aber auch ich sehe langfristig auch nur eine echte Überlebungschance für kommerzielle nationale (Spezial-) Kataloge für sammlerstarke Länder, à la Michels Deutschland/Deutschland Spezial, Scotts USA, Yverts Frankreich etc., falls überhaupt ...
Ein Online-Wiki wäre zwar eine verführerische schöne Idee, ja, aber sicherlich kaum "seriös" garantierbar, d.h. journalistisch sicher bzw. gesichert kompetent. Colnect et al. sind zwar nett, aber im Prinzip nur eine "Handelsplattform" - die im schlimmsten Fall von heute auf Morgen offline gehen können.
Ich sehe langfristig die globale Katalogisierung eigentlich nur im Rahmen einer globalen Kooperation aller "seriösen" Katalogredaktionen. In jedem Fall aber auch teilfinanziert von den Teilnehmern des "Händlermarkts" und unter einer (auch) finanziellen Schirmherrschaft der organisierten Weltphilatelie, wie dem FIP - womöglich auch unter direkter Finanzbeteiligung "wichtiger" nationaler Verbände. Denn eine "seriöse" globale Katalogisierung ist im Interesse sämtlicher Player in der Philatelie, von den Sammlern, von den Verbände über Händler (auch der "Michel-Verlage", und auch der Zubehörhändler) bis zu den großen Autktionshäusern.
Verkürzt: Die absolut nötige globale Katalogisierung wird auf jedem Fall zukünftig nur noch als "konzertierte - gemeinnützige - Aktion" aller philatelistisch Beteiligten möglich sein - in einem "seriös"-professionellen Rahmen. Auf keinen Fall ist das ein 'auf gewinnorientierten Marktbasis' Ding (mehr).
Im Gegensatz zu den wichtigen Länderkatalogen von mir aus sogar als reines Online-System mit einer echten (professionellen) "Print On Demand"-Möglichkeit.
Und ja, ich weiß, dass klingt ein wenig wie eine Utopie...
Beste Grüße
Thomas
Am: 26.11.2025 21:45:37
Gelesen: 2946
# 47
Liebe Sammlerfreunde,
vielen Dank für Eure Beiträge. Nicht alles hat mich überzeugt, um ganz offen zu sein. Insbesondere bin ich ganz überrascht, dass sich einige Sammlerfreunde zutrauen, auf der Basis völlig zusammenhangloser Informationsschnipsel ("hohe Lagerbestände", Jahresfehlbetrag in 2023) ein Urteil zu fällen, wie es mit dem Schwaneberger-Verlag weitergehen soll. Ich würde mir so etwas auf keinen Fall zutrauen, daher war mein Plädoyer, dass die Entscheider die verschiedenen Optionen wenigstens einmal genauer unter die Lupe nehmen. Hoffentlich wischen APHV und BDPh diese nicht genauso schnell auf Basis pauschaler Annahmen beiseite.
Hier ein paar flüchtige Gedanken, um zu illustrieren, was ich meine:
- Ein Jahresfehlbetrag ist noch kein Todesurteil, sondern erst einmal nur eine Zahl. Es gilt zu analysieren, aus welchen Gründen es dazu gekommen ist. Es kann strukturelle Gründe haben (bspw. dauerhafter Kundenschwund), es kann Einmalursachen haben (Fehlkalkulation, Fehlinvestitionen, oder auch erfolgreiche Investitionen, die sich erst langfristig auswirken, Steuernachzahlungen, verlorene Rechtstreitigkeiten, und, und, und...). Die denkbaren Gründe sind so vielfältig wie das Leben selbst - und dementsprechend können auch die Schlussfolgerungen hieraus höchst unterschiedlich sein. Das bedarf eben einer genauen Analyse. Selbst wenn man ein strukturelles Problem hat (dauerhafter Kundenschwund), so ist das noch kein K.O.-Kriterium, sondern es geht vielmehr um die Frage, ob sich dennoch eine profitable oder wenigstens kostendeckende Nische findet. Der deutsche Sammlermarkt schrumpft seit Mitte der 1980-er Jahre, also seit geschätzt 40 Jahren - dennoch gibt es genug Unternehmen, die sich auch in einem schrumpfenden Markt stets sehr profitabel aufgestellt haben.
- Hohe Lagerbestände: auch hier handelt es sich um eine Momentaufnahme, die eines genaueren Blicks bedarf. Es kann sich um eine eine Fehlkalkulation handeln, um einen abgesprungenen Großabnehmer, es muss noch nicht einmal ein Fehler gewesen sein: fundierte Prognosen zur Käuferzahl könnten durch unvorhersehbare Ereignisse daneben gelegen haben. Es gibt tagtäglich auch äußerst banale Umstände: bei der Bestellung eine Null zu viel angegeben, schon ist es geschehen. In jedem Fall würde jedoch der vernünftige Kaufmann seine Lehren hieraus ziehen und seine Geschäftsplanung anpassen. Aus einer Momentaufnahme wie hohe Lagerbestände zum Tag X schließen zu wollen, dass es es immer so kommen wird oder gar noch schlimmer wird - das erscheint mir gewagt.
- Auch bei der Idee, dass der BDPh den Schwaneberger Verlag übernehmen könnte, scheint es bei einigen Sammlerfreunden hier durchaus zu Fehlvorstellungen gekommen zu sein. Natürlich bedeutet dies nicht, dass die Mitarbeiter entlassen werden sollen und fortan Herr Schmidt höchstpersönlich mit seinem Windows 98-Computer das Kind allein schaukeln soll. Es geht zunächst einmal nur um den Erwerb von Geschäftsanteilen. Nur weil der Eigentümer wechselt, bedeutet dies nicht, dass die ganze Unternehmensorganisation verschwindet. Und natürlich kann auch ein e.V. die Anteile an einer GmbH erwerben und das Unternehmen strukturell zunächst einmal so weiterführen wie bisher. Allein das kann schon einen Jahresfehlbetrag minimieren/auf Null senken, wenn man es denn steuerlich richtig aufsetzt.
- Ein Erwerber interessiert sich häufig nur am Rande für die Frage, ob das Geschäftsmodell in unveränderter Form zukünftig tragfähig ist. Er wird vielmehr prüfen, welche Änderungen des Geschäftsmodells nach Erwerb vielversprechend sind. Wenn jemand in derselben Branche tätig ist (z.B. Verlag), wird er beispielsweise Synergiepotenziale prüfen. Hier ist weder der APHV noch der BDPh in derselben Branche tätig, aber sie können dennoch Synergieeffekte erzielen, die einem kommerziellen Unternehmen verschlossen bleiben. Um nur ein paar Stichworte zu nennen: Einbindung der ArGes, bisher vom Michel offensichtlich nicht genutzt - der BDPh hätte hier direkten Zugang. Weiteres Beispiel: Kooperation mit anderen Verlagen weltweit - für ein kommerzielles Unternehmen nur mit großen Vorbehalten denkbar (da es sich prinzipiell um die Konkurrenz handelt), für einen nicht profitorientierten Erwerber ohne weiteres eine Option. Schließlich schaut ein versierter Kaufmann (oder eine Interessenvertretung wie APHV, aber auch der BDPh) natürlich nicht nur auf auf bilanzierbare Aspekte: beispielsweise ist der unschlagbare Vorteil von Geld, dass man vergleichbare Wertrelationen schafft und damit überhaupt erst den Handel ermöglicht. Das gilt natürlich auch für Kunstwährungen wie den Michel-Euro. Der Fortbestand eines aktuell gehaltenen Michels ist daher für alle, die sich im Briefmarkenmarkt kommerziell engagieren, von zentraler Bedeutung und ein richtiges Asset, auch wenn man es nicht bilanzieren kann.
- Augenscheinlich gibt es für den Schwaneberger Verlag einige "heilige Kühe", die ein neuer Eigentümer eher bereit wäre zu "schlachten". Auch hier wieder nur ein paar Beispiele: (1) man könnte Kataloge in gedruckter Form nur noch für die Jahrgänge herausbringen, für die eine nennenswerte Sammlerschaft besteht, beispielsweise die deutschen Gebiete bis 1990. Im übrigen könnte man auch weiterhin Neuheiten katalogisieren, aber eben nur noch online. (2) Man könnte bei der Katalogisierung bei großen Teilen auf die aufwendige und kostspielige Preisermittlung verzichten. So haben 99% aller Marken ab 1960 keinen echten Handelswert mehr, sondern nur noch ideellen Wert - kommt Euch das abwegig vor? Schaut einmal in den Facit. (3) Gedruckte Kataloge gibt es bei Deutschland nur noch alle zwei oder drei Jahre - oder Druck nach Bedarf, wenn sich die Lagerbestände dem Ende zuneigen. Kommt Euch abwegig vor? Schaut einmal, wie oft der Zumstein-Schweiz-Katalog veröffentlicht wird (jährlich) und wann der letzte Zumstein-Schweiz-Spezial-Katalog veröffentlicht wurde (vor 25 Jahren) - den Grund findet man auch ohne weiteres auf der Website - es sind noch Altexemplare auf Lager. (4) Briefmarken aus nicht deutschsprachigen Ländern werden konsequent nur noch auf Englisch oder gleich in mehreren Sprachen (je nach Sammelgebiet) katalogisiert. Die Übersetzungsprogramme sind mittlerweile so gut, es bedarf hier nur wenig mehr als eines Knopfdrucks, gerade bei sprachlich so einfach strukturierten Produkten wie Briefmarkenkatalogen, und einer Stichprobenkontrolle. Dann wäre man auch für die internationale Kundschaft anschlussfähiger.
Das sind alles nur Beispiele, man könnte die Liste beliebig fortsetzen. Manch einer mag einzelne Beispiele (oder auch alle) doof finden, aber darum geht es gar nicht. Ich möchte eigentlich nur klar machen, dass es zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten gibt und die wenigen verfügbaren Informationen überhaupt nichts bedeuten. Ich fände es umgekehrt von den Verantwortlichen z.B. des BDPh, die ja auch meine Interessen vertreten (oder es zumindest theoretisch tun sollten), ziemlich verantwortungslos, schlicht und einfach nichts zu tun, noch nicht einmal die Möglichkeiten zu erwägen, sondern wie mancher hier zu rufen: kann ma eh nichts machen. Mir erscheint dieser Jahresfehlbetrag in Anbetracht der Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten ehrlich gesagt belanglos.
Soweit von mir. Allen einen schönen Abend
Christian
Am: 30.11.2025 15:48:07
Gelesen: 2324
# 48
Die Idee einer Internationalen Zusammenarbeit ist gut und wahrscheinlich nicht neu. Ich denke, das sich die Verlage hier untereinander schon austauschen. Aber was noch keine bedacht hat - wenn der Verlag von einem Verein weitergeführt werden würde - dann muss und darf er sogar keinen Gewinn machen und bekommt auch staatliche Förderung, wenn die Kriterien von einem e.V. erfüllt werden. Denkbar wäre vllt auch ein Modell einer Stiftung.
Am: 30.11.2025 18:13:16
Gelesen: 2218
# 49
@ achim11-76 [#48]
Die satzungsgemäße Verwendung erzielter Gewinne (unbegrenzt) hat keinen Einfluss auf die Eintragung als e.V.
Hier egal, es drohen nun wahrlich keine Gewinne.