Das Beispiel Siegen


Nach der Kapitulation Siegens vor amerikanischen Truppen Anfang April 1945 und der Übergabe der Stadt an die britische Militärverwaltung ruhte für längere Zeit der Postverkehr völlig. Erst nach dem 1. Juli 1945 wurde er in beschränktem Umfang wieder aufgenommen. Auch das Telefonnetz war unterbrochen. Dadurch war auch die unter britischer Aufsicht arbeitende Polizei von der Außenwelt abgeschlossen. Dieser Zustand war unhaltbar. Deshalb genehmigte die Militärverwaltung vorübergehend den Einsatz von Polizeikurieren, die die Dienstpost per Auto oder Motorrad beförderten. Derartige poststempel- und markenlose Zeitzeugnisse waren für Briefmarkensammler uninteressant. Deshalb sind nur wenige erhalten geblieben. Den hier beschriebenen kaufte ich für ein paar Euro im Internet. Strobel (s. Lit.) kennt noch Reichsbankkuriere vom Juni 1945.
Der hier besprochene Brief ist in die Zeit vor Juli 1945, vielleicht auch noch später, zu datieren. Er wurde zunächst vom Polizeipräsidenten in Bonn nach Siegen geschickt. Aus Mangel an Briefumschlägen wurde in Siegen die alte Anschrift ausgestrichen und die Briefhülle wiederverwendet für einen Brief nach Dortmund.
Literatur: Wolfgang Georg Strobel: Die Aufnahme des Postverkehrs in Deutschland nach der Besetzung 1945. 3 Auflagen, es gibt spätere. Der Erforschung der Postverhältnisse der Nachkriegszeit galt das Lebenswerk dieses bedeutenden streitbaren Philatelisten, gegen den der Bundesprüfer Hans-Georg Schlegel 1995 prozessierte und teuer verlor.