Thema:
Prüfdauer durch BPP Prüfer
Am: 01.08.2025 20:01:16
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# 1
Hallo Allerseits,
das grundsätzliche Thema wurde wohl schon angesprochen.
Dennoch möchte ich mal nachfragen, welche Prüfdauer - von der Einsendung bis zur Rücksendung - denn eigentlich akzeptabel ist.
Grundsätzlich ist mir klar, dass auch (BPP)-Prüfer Geschäftsleute sind, die eine Dienstleistung erbringen. Aber ist es akzeptabel, wenn die Bearbeitung einer Prüfsendung mehr als 5 Monate dauert, was ich grundsätzlich für unverhältnismäßig lange erachte?
Die Antwort, "es dauert so lange, bis es bearbeitet ist" oder vergleichbar ist wirklich nicht hilfreich!
Natürlich kann kein Prüfkunde von einem Prüfer verlangen, dass er mehr Personal zum bearbeiten eingehender Prüfsendungen einstellt. Aber wenn ein Prüfer nicht nur prüft, sondern auch Auktionen durchführt, was sicherlich seine Zeit für eigentliche Prüftätigkeiten zusätzlich beeinträchtigt, dann darf sich doch sicherlich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit zwischen Prüfer und Autionator und dem damit verhältnismäßigen Zeitaufwand stellen, oder?
Eine Information durch Herrn Geigle zu diesem Thema wäre sicherlich auch interessant.
Bin sehr gespannt auf eure Meinungen dazu!
Gruß
Michael
Am: 01.08.2025 21:13:47
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# 2
@ spain01 [#1]
Dass du dich an Herrn Geigle wendest, ist sicher ein richtiger Weg. Ob es nützt ?
Aber grundsätzlich ist das ein Thema von Angebot und Nachfrage.
Die Nachfrage ist scheinbar größer als das Angebot. Da spielt es auch keine Rolle, ob, und welchen Hauptberuf der Prüfer hat.
Der eine ist Auktionator, der andere hat einen anderen Beruf und die Zeit für Prüfungen ist eben begrenzt.
Inwiefern andere Kunden (z.B. Auktionshäuser) bevorzugt werden, kann halt keiner nachprüfen. Auch da gilt, Kunden mit viel Umsatz werden evtl. bevorzugt.
Wenn es Konkurrenz gibt, leider meistens nicht, dann halt diese nutzen.
Das ist leider das Los der (kleinen) Sammler.
Viele Grüße,
Klemens
Am: 01.08.2025 21:39:57
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# 3
@ spain01 [#1]
"es dauert so lange, bis es bearbeitet ist"
Bekamst du diese Antwort vom Prüfer? Meines Wissens nach missbilligt der BPP diese Art von Antworten.
Philatelist:innen sind erstaunlich oft schlechte Geschäftsleute. Wäre ich Prüfer und bekäme mit, dass ich 5 Monate Wartezeit wegen hohen Auftragseingangs habe, würde ich die Preise erhöhen - notfalls auch über die vom BPP vorgegebenen maximal 4% Michel. Was soll der BPP tun? Er tut ja auch nichts gegen lange Wartezeiten. Die höheren Preise reduzieren entweder die Zahl der Einsendungen so stark, dass ich schneller antworten kann oder die höheren Einnahmen ermöglichen mir die Einstellung von Mitarbeiter:innen.
" Dennoch möchte ich mal nachfragen, welche Prüfdauer - von der Einsendung bis zur Rücksendung - denn eigentlich akzeptabel ist."
Wenn es keine anderen Prüfer:innen für das Gebiet gibt, die schneller arbeiten, ist zwangsläufig jeder Zeitraum akzeptabel.
In einem Markt mit Wettbewerb würde ich von maximal 2 Wochen bei einfachen, 4 Wochen bei komplexen (quantitativ oder qualitativ) Einsendungen ausgehen. Mein Anwalt benötigt einige Tage für mehrseitige Schriftsätze. Ich wüsste nicht, weshalb eine Prüfsendung mit ein paar Marken/Belegen länger dauern sollte.
Mir ist die wahrscheinlich vom BPP kommende Argumentation bekannt, nach der viele Prüfer:innen nicht profitabel arbeiten und das eher als Hobby betreiben. Das hieße dann aber für mich, dass die besonders schnell antworten können, da sie wenig Aufträge haben. Und wenn ich als Dienstleister wenig Aufträge habe, versuche ich naturgemäß, besonders zufriedene Kund:innen zu haben, auf dass ich profitabel werden kann.
Und die profitabel arbeitenden Prüfer:innen haben wenig Ausreden, warum es 5 Monate dauern sollte, hätten sie doch bei variablen Preisen die oben beschriebenen Möglichkeiten.
Mehrmonatige Prüfdauern sind für Kund:innen auch ein unnötiges Risiko. Ich bin auf das Überleben, wirtschaftlich wie physisch, der Prüfer:in angewiesen, dass es dort nicht brennt oder eingebrochen wird etcpp. Und wenn ich im Protokoll der Jahresversammlung der Arge Nordische Staaten lesen muss, dass Prüfsendungen an einen verstorbenen Prüfer nicht zurückgegeben wurden oder werden konnten, dann will ich das Risiko ungern monatelang tragen.
Am: 01.08.2025 23:16:20
Gelesen: 1810
# 4
@ TeeKay [#3]
Ich wüsste nicht, weshalb eine Prüfsendung mit ein paar Marken/Belegen länger dauern sollte.
Michael hat nicht offengelegt, wie gross oder komplex seine Prüfsendung war. Wenn es nur eine oder zwei Marken sind, die mir nicht in gestempelter Erhaltung vorliegen, ist die Prüfsendung meist postwendend erledigt. Wenn man aber 20-30 Marken mit Stempelprüfungen dabei hat, die je nach Gebiet schnell komplex werden können, dann dauert es länger. Dann gehen die Wochen bei einem Hobbyprüfer, der arbeiten muss, schnell vorbei. Das ist zwar nicht mein Anspruch, kommt aber vor. Wenn die Prüfsendung gut ist, schreibst Du noch Befunde, musst die Rechnung zusammen fummeln, Bilder für Dein Archiv machen - eventuell für die Provenienz Nachforschungen anstellen usw., usf. - der Schreibkram frisst Dich zeitlich auf.
Beste Grüsse!
Lars
Am: 02.08.2025 00:23:07
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# 5
@ Lars Boettger [#4]
Hallo Lars,
ich wollte eigentlich nicht explizit die Prüftätigkeit von Schlegel, hier A. Schlegel, kritisieren, aber der Zeitraum für eine Prüfsendung von ca. 20 - 25 Marken (genau ist das nicht), die ich im Feb. ´25 verschickt habe, ist etwas lang. Kurz nach dem Eingang der Sendung bekam ich einen Anruf mit der Weiterleitung einiger Marken an einen weiteren Prüfer. Soweit alles gut, Diese Marken bekam ich dach etwa 3 Monaten geprüft zurück.
Ich gebe zu, dass ich bis jetzt auch nicht eine Mail/Anruf beim Büro A. Schlegel getätigt habe. Und will jetzt auch nicht Herrn Schlegel ganz persönlich kritisieren.
Dennoch kann ich es nicht nachvollziehen, weshalb Prüfsendungen sooo lange dauern.
Ok, das Prüfgebiet der beiden Herren Schlegel ist umfangreich. Und sie sind, zumindest A. Schlegel, noch als Auktionator tätig.
Für mich sieht das so aus, als würde ein BPP seine Prüftätigkeit für den Bereich Auktionen derart zurückstellen, dass als Konsequenz daraus Prüfsendungen länger zur Bearbeitung quasi "liegen bleiben". Heisst: die Vorbereitungen von Auktionen im "Prüfhaus (Schlegel)" gehen zu Lasten von "normalen" Prüfsendungen zur Bearbeitung.
Es ist mir klar, dass auch Mitarbeiter des Prüfbüros hier mitlesen und es wäre super toll, wenn es von ihrer Seite aus eine plausible Stellungnahme geben würde. Dies wäre ganz sicher im Interesse von vielen Sammlern/Mitgliedern, die prüfbare/prüffähige Marken haben.
Gruß
Michael
Am: 04.08.2025 18:28:37
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# 6
In den deutschsprachigen Ländern haben wir allein neun Prüfervereinigungen/-verbände (BPP+8), deren Websites (sofern sie eine haben!) man durchaus einmal durchsehen und danach ggf. einen Fachprüfer ausprobieren sollte. Es sind dies (Details siehe unter "Briefmarken-Atteste" bei PhilaSeiten!)
AIEP- zwar offiziell kein deutschsprachiger Verband, aber in Österreich ansässig und von einem Deutschsprachigen präsidiert
BPP
BPB Basel
JLHSN (BPP)
SBPV ASEP
VÖB
VP
VPEX
VPh
Nicht alle sind gleichermaßen qualitativ zu empfehlen, aber wie auch die drei "Platzhirsche" in England (Brandon, BPA und Royal <RPSL>) sollte man sich je nach Prüfgebiet durchaus auch einmal mit den Alternativen befassen (bei der Google-Eingabe einfach die obige Abkürzung plus dem Wort "Prüferverband" eingeben). Der TÜV dachte auch noch vor 30 Jahren, er sei der einzig fähige Prüferverband, und heute gibt man sein Auto anstandslos alternativ zu DEKRA und bekommt dort auch kein Schrottgutachten!
Wie sagte mir einmal der einst legendäre Auktionator Hans-Joachim Schwanke?: Welchem Prüferverband Herr XYZ angehört, ist mir schnurzpiepegal, Hauptsache, der Mann ist fähig und kennt sein Handwerk!
Am: 04.08.2025 20:37:12
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# 7
Hallo zusammen,
dem Vernehmen nach sind die Zeiten für Prüfungen mitunter doch recht lang. Schickt mal einen Bayern-Beleg zu Herrn Sem und dann zu Herrn ´Stegmüller. Ihr werdet euch über die Zeiten wundern.
In einem anderen Forum hat ein Oldenburg-Sammler berichtet, daß eine Prüfsendung seit 2 ½ Jahren bei Herrn Stegmüller liegt. Der kann sich nicht entschließen, die Stücke als Probedrucke zu befunden, obwohl in der Literatur seit langer Zeit bekannt, und hat einen Befund so lange vor sich hergeschoben.
Dieter
Am: 04.08.2025 21:39:58
Gelesen: 1443
# 8
In meiner ArGe-SOPhia*, der immerhin 8 VP-, 5 BPP-, 5 VPh-, 3 AIEP- und 1 SBPV-Verbandsprüfer angehören, gibt es bekanntlich jährlich Treffen mit über 40 Teilnehmenden, unter ihnen auch regelmäßig zahlreiche der o.g. Verbandsprüfer. Diese Diskussionen zu den Prüfdauern kommt dort auch immer wieder auf, aber Gott sei Dank ist niemand dieser teilnehmenden Verbandsprüfer unter jenen Bösewichten, die monatelang ihren Prüfauftrag vor sich herschieben. Was ich immer wieder höre - und ich selbst bin ja Neuling in diesem Kreise - ist, dass Prüfdauern von ein-zwei Monaten in schwierigen Fällen und bei größeren Mengen Prüfstücken üblich sind, es aber sehr oft vorkommt, dass den Einlieferern die Prüfergebnisse bereits nach wenigen Tagen vorliegen.
*Arbeitsgemeinschaft Südost-Philatelie, vormals ArGe Jugoslawien & Nachfolgestaaten eV im BDPh
Am: 05.08.2025 14:10:22
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# 9
Guten Tag zusammen,
ich kann das Unverständnis zu langen Wartezeiten bzw. den Ärger von Michael verstehen. Meine berufliche Laufbahn liegt noch nicht so weit zurück, dass ich diese Unart nicht kennen würde.
Jedoch kann es bei philatelistischen Prüfungen immer zu Verzögerungen allein durch umfassende Recherche kommen, nur sollte es selbstverständlich sein, dass wenn dies der Fall ist oder bedingt durch andere Unwägbarkeiten privater und/oder beruflicher Natur, der Prüfer als Dienstleister zeitnah eine oder auch mehrere Rückmeldungen gibt, so dass der Kunde/Auftraggeber immer die notwendige Information zum Stand seiner Prüfung hat und eben auch psychologisch nicht ganz unwichtig, sich "mitgenommen" und wertgeschätzt sieht.
Diese, zumindest früher übliche Gepflogenheit scheint mehr und mehr in Vergessenheit zu geraten, was wie wir sehen und wissen zu verständlichem Unmut führt.
Man sollte eigentlich annehmen, dass diese "gesetzteren" Herren dies auch schon erlebt haben, leider führt dies nicht zu oben genanntem Ergebnis.
Ich schließe mich meinem "Vorredner" Jan umfänglich an, nach Möglichkeit, auf weitere Experten/Prüfer auszuweichen. Zweifelsohne ist die Hinwendung an die zuständige Prüfervereinigung sinnvoll, diese sollte ein Interesse an zufriedenen (und zahlenden) Kunden/Sammlern haben.
Beste Grüße
Andreas
Am: 08.08.2025 09:36:01
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# 10
@ Klesammler [#7]
Hallo Dieter,
sind es vielleicht Haftungsfragen des Prüfers, die einem eindeutigen dokumentierten Prüfergebnis entgegenstehen ?
Sollte sich im Nachhinein herausstellen, dass echte Postwertzeichen als FALSCH gestempelt sind, ist der finanzielle Schaden der UNGÜLTIG gestempelten Marken wohl recht gross. Zudem kann der gute Name des Prüfers leiden. Ob Du einen solchen Fall vollkommen ausschliesst oder nicht, spielt keine Rolle, denn die Prüfer steht in der Haftung.
Gibt es denn bei den anderen Prüfervereinigungen keine Oldenburg Prüfer ?
Viele Grüsse, Richard
Am: 08.08.2025 12:25:38
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# 11
@ Richard [#10]
Niemand zwingt ihn, die Stücke falsch zu stempeln, wenn er unsicher ist. In dem Fall geht die Prüfsendung ohne Befund/Signatur zurück - und zwar deutlich vor Ablauf von 2,5 Jahren. Das ist der allererste Punkt der BPP Prüfstandards: " Bei einem unklaren Prüfergebnis ist es nicht die Aufgabe des Prüfers, eine Fälschung oder Verfälschung nachzuweisen. Wenn der Prüfer bei Durchführung seiner Prüfung nicht zweifelsfrei zu der Überzeugung gelangt, dass der Prüfgegenstand echt ist, ist die Prüfung abzulehnen. Nur bei einer nachweisbaren Fälschung ist der Prüfgegenstand entsprechend der Prüfordnung zu kennzeichnen."
https://www.bpp.de/ueber-uns/pruefstandards/
Am: 08.08.2025 15:41:53
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# 12
Hallo,
vielleicht kann man Prüfordnungen ergänzen, indem man Bearbeitungsfristen einführt, die man dann auch nach Wert des Prüfgegenstandes staffeln kann.
Ich kann verstehen, daß die Bearbeitung zumindest im Einzelfall länger dauern kann, aber nach zig Monaten sollte es dann auch gut sein.
Viele Grüße
Thomas