Liebe Leser, liebe Leserin
Wir wissen, dass es viele wertvolle Briefmarken gibt. Einer der führenden Briefmarken-Katalog Herausgeber ("Michel" vom Schwanenberger Verlag GmbH) hat 2010 dazu einen sehr nützlichen Katalog herausgegeben: "Wertvolle Briefmarken aus aller Welt", der weltweit alle Briefmarken auflistet, welche einen Katalogwert von Euro 200 erreichte oder überschritt. Der Katalog hat einen stattlichen Umfang von mehr als 1200 Seiten und listet, gemäss Eigenwerbung, "über 10 000 Briefmarken" auf, die von der Katalog-Redaktion akzeptiert wurden - einige seltene und teure Marken werden nicht katalogisiert, aus verschiedenen Gründen, welche an dieser Stelle nicht kommentiert werden sollen.

Es gibt viele Briefmarken-Sammler oder -Händler oder Auktionatoren, die sammeln/kaufen/verkaufen nur Briefmarken, welche in diesem Katalog überhaupt aufgeführt wurden. Briefmarken, die einen Katalogwert von unter Euro 200 haben, werden nicht gesammelt/gekauft/verkauft. Dieses Vorgehen ist verständlich und vernünftig, aber es blendet eine Tatsache aus, die wir in diesem Thema besprechen wollen:
es gibt viele wertvolle Briefe mit gewöhnlichen Briefmarken!
Es gibt mehrere Gründe, warum Sammler bereit sind, hohe Preise für Briefe zu bezahlen, die gar keine teuren Marken tragen.
- ungewöhnliche Verwendung der Briefmarke (z.B. Halbierung)
- hohe Frankaturen
- Mischfrankatur (verschiedene Briefmarken-Ausgaben auf demselben Brief)
- seltene Destinationen
- seltene Entwertungen
- postgeschichtliche Seltenheiten
- Ersttag- oder Letzttag-Verwendung
- besondere Beförderungsart (z.B. Ballonpost)
- Absender oder Empfänger ist/war eine bekannte Persönlichkeit
Ich schlage vor, wir zeigen in diesem Thema solche Briefe und kommentieren sie nach Möglichkeit, damit der/die Leser/in erkennen kann, WARUM der Brief sehr teuer ist. Wir wollen dazu bitte eine Limite von Euro oder CHF 2'000 festlegen.
Die ganze Thematik stellt sich auch bei Briefen ganz OHNE Briefmarken; diese wollen wir bitte in einem separaten Thema besprechen. Ganzsachen hingegen dürfen gerne AUCH in diesem Thema gezeigt werden.
Als ersten Beleg zeige ich anbei einen Brief aus Bayern von 1861 von Fürth nach Neapel.

Er ist frankiert mit nicht weniger als 12 Briefmarken in drei verschiedene Farben (= "Buntfrankatur"):
1. Ausgabe, 3 Kreuzer (Michel Nr. 2 II)
1. Ausgabe, 12 Kreuzer (Michel Nr. 6) Fünferstreifen
1. Ausgabe, 18 Kreuzer (Michel Nr. 7) Fünferstreifen und Einzelstück
Zusammen ergibt dies eine Frankatur von 171 Kreuzer, welche von den Porto-Spezialisten genau erklärt werden können: der Brief wurde genau richtig frankiert!
Dieser optisch sehr attraktive Brief erschien 1966 in einer Auktion in London und wurde später auf dem Titelblatt namhafter Auktionshäuser abgebildet (Deider München Jahr 2000, Köhler Wiesbaden 2013). Die Ausruf- oder Schätzpreise lagen dann bei Euro 18'000 (2000) bzw. bei Euro 25'000 (2013).
Heinz