Briefmarken Atteste

Thema:

Raritäten: Wertvolle Briefe mit gewöhnlichen Briefmarken und Ganzsachen

Heinz 7 Am: 17.07.2025 10:16:04 Gelesen: 5244 # 1
Liebe Leser, liebe Leserin Wir wissen, dass es viele wertvolle Briefmarken gibt. Einer der führenden Briefmarken-Katalog Herausgeber ("Michel" vom Schwanenberger Verlag GmbH) hat 2010 dazu einen sehr nützlichen Katalog herausgegeben: "Wertvolle Briefmarken aus aller Welt", der weltweit alle Briefmarken auflistet, welche einen Katalogwert von Euro 200 erreichte oder überschritt. Der Katalog hat einen stattlichen Umfang von mehr als 1200 Seiten und listet, gemäss Eigenwerbung, "über 10 000 Briefmarken" auf, die von der Katalog-Redaktion akzeptiert wurden - einige seltene und teure Marken werden nicht katalogisiert, aus verschiedenen Gründen, welche an dieser Stelle nicht kommentiert werden sollen. Es gibt viele Briefmarken-Sammler oder -Händler oder Auktionatoren, die sammeln/kaufen/verkaufen nur Briefmarken, welche in diesem Katalog überhaupt aufgeführt wurden. Briefmarken, die einen Katalogwert von unter Euro 200 haben, werden nicht gesammelt/gekauft/verkauft. Dieses Vorgehen ist verständlich und vernünftig, aber es blendet eine Tatsache aus, die wir in diesem Thema besprechen wollen: es gibt viele wertvolle Briefe mit gewöhnlichen Briefmarken! Es gibt mehrere Gründe, warum Sammler bereit sind, hohe Preise für Briefe zu bezahlen, die gar keine teuren Marken tragen. - ungewöhnliche Verwendung der Briefmarke (z.B. Halbierung) - hohe Frankaturen - Mischfrankatur (verschiedene Briefmarken-Ausgaben auf demselben Brief) - seltene Destinationen - seltene Entwertungen - postgeschichtliche Seltenheiten - Ersttag- oder Letzttag-Verwendung - besondere Beförderungsart (z.B. Ballonpost) - Absender oder Empfänger ist/war eine bekannte Persönlichkeit Ich schlage vor, wir zeigen in diesem Thema solche Briefe und kommentieren sie nach Möglichkeit, damit der/die Leser/in erkennen kann, WARUM der Brief sehr teuer ist. Wir wollen dazu bitte eine Limite von Euro oder CHF 2'000 festlegen. Die ganze Thematik stellt sich auch bei Briefen ganz OHNE Briefmarken; diese wollen wir bitte in einem separaten Thema besprechen. Ganzsachen hingegen dürfen gerne AUCH in diesem Thema gezeigt werden. Als ersten Beleg zeige ich anbei einen Brief aus Bayern von 1861 von Fürth nach Neapel. Er ist frankiert mit nicht weniger als 12 Briefmarken in drei verschiedene Farben (= "Buntfrankatur"): 1. Ausgabe, 3 Kreuzer (Michel Nr. 2 II) 1. Ausgabe, 12 Kreuzer (Michel Nr. 6) Fünferstreifen 1. Ausgabe, 18 Kreuzer (Michel Nr. 7) Fünferstreifen und Einzelstück Zusammen ergibt dies eine Frankatur von 171 Kreuzer, welche von den Porto-Spezialisten genau erklärt werden können: der Brief wurde genau richtig frankiert! Dieser optisch sehr attraktive Brief erschien 1966 in einer Auktion in London und wurde später auf dem Titelblatt namhafter Auktionshäuser abgebildet (Deider München Jahr 2000, Köhler Wiesbaden 2013). Die Ausruf- oder Schätzpreise lagen dann bei Euro 18'000 (2000) bzw. bei Euro 25'000 (2013). Heinz
Heinz 7 Am: 17.07.2025 10:39:18 Gelesen: 5225 # 2
@ Heinz 7 [#1]

Die Michel Nr. 22, die 10-Bani-Marke der 7. Ausgabe 1869, hat einen Katalogwert von nur Euro 40 (gestempelt; Michel-Katalog 2021). Der hier gezeigte Beleg - eine Quitanta (eine Aufgabe-Quittung für ein Paket) - wurde ca. 1869 mit nur einer halben dieser Marke frankiert. Sehr wahrscheinlich bestand damals ein Mangel an 5 Bani-Marken (gelb/orange, Michel Nr. 21), darum wurde eine 10-Bani-Marke halbiert und so als Frankatur geduldet.



Solche Halbierungen sind selten und darum kam dieser Beleg im Jahr 2010 in Zürich zum Startpreis von CHF 5'000 zum Angebot. Der Zuschlag erfolgte dann erst bei CHF 7'150 (+ Aufgeld von 19.5%; Auktion Sammlung Fritz Heimbüchler, Teil 1).

Heinz
Heinz 7 Am: 17.07.2025 11:12:48 Gelesen: 5204 # 3
@ Heinz 7 [#1] Die Briefmarken der Ausgabe "Sitzende Helvetia gezähnt" waren im 19. Jahrhundert lange im Einsatz und nur wenige davon sind selten. Die 20 Rappen-Marke (SBK Nr. 32) hat lediglich einen Katalogwert von CHF 5, der Wert zu 50 Rappen liegt höher; bei CHF 100 (gestempelt, SBK Nr. 43, Michel Nr. 35). Der hier gezeigte Brief kostete an einer Auktion in Zürich gleichwohl CHF 3'000 (+ Aufgeld 21 %). Briefe mit Destination China waren 1868 recht selten. Die Gebühr für diesen Brief (doppeltes Gewicht) betrug CHF 2.00 oder 200 Rappen, die wie folgt bezahlt wurden: Tübli-Ganzsache 10 Rappen 2 x die 20 Rappen-Marke (SBK Nr. 32) 3 x die 50 Rappen-Marke (SBK Nr. 43) Der Brief ist in optisch sehr guter Erhaltung. Heinz
Heinz 7 Am: 17.07.2025 11:44:41 Gelesen: 5190 # 4
@ Heinz 7 [#1] Die Scott no. 35 von der Ausgabe 1857-1861 hatte gestempelt einen Katalogwert von US$ 65 (Scott 2000) und ist als Einzelfrankatur nicht selten (Brief-Bewertung Scott 2000 $ 77.50). Warum dieser Brief von St. Joseph (Missouri) nach Wilmington (Ohio) mit US$ 2'000 Startpreis ausgerufen wurde (3.6.2016, Global Philatelic Network, New York) wird bei der Betrachtung des Briefes sichtbar: der Brief wurde mit der Beförderungsart "Pony Express" befördert, wie der glasklare Stempel links oben ausweist. Unten links ist der Beförderungsauftrag auch noch handschriftlich vermerkt. Einige dieser Pony-Express-Belege sind sehr begehrt und dementsprechend teuer. Auch dieser Brief zierte einst die Sammlung von Erivan Haub. Heinz
TeeKay Am: 17.07.2025 12:47:16 Gelesen: 5156 # 5
Berlin MiNr 20, gestempelt Katalogwert 80 Euro. 2 Stück auf Übersee-Luftpost-Einschreiben in die USA brachten vor einigen Jahren 25.000 Euro + ~24% Aufgeld bei einer Schlegel-Auktion. Es ist die einzig bekannte Mehrfachfrankatur der Marke. Warum es überhaupt eine 5 Mark Marke gab, auch noch mit einer Million Stück Auflage, weiß ich nicht, da es mWn außer diesen extrem seltenen Edge Cases keinerlei Einsatzmöglichkeiten im Produktspektrum der Post 1948/1949 gab. Pakete, wo solche Wertstufen hätten eingesetzt werden können, waren während des Verkaufszeitraums der Marke auf einen max. 120 Pf teuren 4kg Tarif bzw. nach Rückzug vom Schalterverkauf auf 400 Pf begrenzt, so dass die Marke dafür nicht benötigt wurde. Um diese Mehrfachfrankatur zu erzeugen, benötigte der Absender nicht nur 10 Mark, sondern auch 16 aus dem Ausland importierte Internationale Antwortscheine - und wer hatte die im Jahr 1949 schon?
TeeKay Am: 17.07.2025 13:24:57 Gelesen: 5138 # 6
Bund MiNr 186, gestempelt Katalogwert 0,80 Euro. Auf Kindergeldausweis-Doppel brachte sie vor einigen Jahren auf einer Schlegel Auktion 5.200 Euro + ~24% Aufgeld. MWn ist es nicht nur das einzig bekannte Exemplar der MiNr. auf Kindergeldausweis-Doppel, sondern der Kindergeldausweis selbst ist das einzig bekannte Exemplar überhaupt, dessen Existenz bis vor einigen Jahren gänzlich unbekannt war. Dass die Karte überhaupt existiert, ist nur dem Umstand zu verdanken, dass die Postbeamt:in die damals seit zwei Monate geltende neue Regel nicht beachtete, nach der die Gebühr für die Ausstellung des Doppel im Nummerkarten-Zuschreibebuch zu verkleben war. Oder es wurde bewusst dagegen verstoßen, um ein Sammelobjekt zu kreieren - die perfekte Erhaltung könnte darauf hindeuten. Warum ist ein Kindergeldausweis im Vergleich zum ebenfalls seltenen Rentenausweis so eine Rarität? Laut BPP wurde Kindergeld in der Bundesrepublik ab Mitte Oktober 1954 ab dem 4. Kind bezahlt, allerdings als Teil vom Lohn. Eine Ausweiskarte der Post war also nicht nötig. 1955 wurde es auch an arbeitslose Eltern und Familien ab 3 Kindern gezahlt. Vermutlich brauchten nur Arbeitslose solch einen Kindergeldausweis der Post, da Arbeitnehmer:innen über die Berufsgenossenschaften das Geld als Lohnbestandteil erhielten. Und ab Mai 1956 war die Gebühr für die Ausstellung des Doppel nicht mehr auf dem Ausweis zu verkleben. Der Kreis derjenigen, die überhaupt einen solchen Ausweis benötigten, war also relativ klein. Aus diesem kleinen Kreis musste dann noch jemand seinen gerade erst neu erhaltenen Ausweis verlieren, ein Doppel anfertigen lassen und das Doppel dann einer philatelistischen Sammlung zuführen. Das alles in maximal 17 Monaten, in denen die Doppel in der gezeigten Form ausgestellt wurden. [1] https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/193015/60-jahre-kindergeldgesetz/
Heinz 7 Am: 20.07.2025 15:52:33 Gelesen: 4977 # 7
@ TeeKay [#5] @ TeeKay [#6] Das sind beeindruckende Beispiele/ Preise Mexiko kennt viele Halbierungen. Anbei ein Brief mit folgender Frankatur: Ausgabe 1861 - 4 Reales, (Mi. 9 II)(Scott Nr. 9), halbiert Ausgabe 1861 - 8 Reales, (Mi. 10 II)(Scott Nr. 11), halbiert Die ganzen (ungeteilten) Marken hatten 2010 einen Katalogwert von Euro 75 bzw. 240 Der Brief mit den zwei Halbierungen wurde jedoch zu Euro 6'000 angeboten, und zwar im Jahr 2002 (Afinsa mit Soler y Llach, Barcelona). Die Gebühr für den Brief betrug 6 Reales, was mit den obigen zwei Halbierungen erreicht wurde. Warum nicht zwei GANZE Marken verwendet wurden zu 4 und 2 Reales (Michel Nr. 8), weiss ich nicht. Heinz
drkohler Am: 20.07.2025 15:58:55 Gelesen: 4972 # 8
Der Brief mit den zwei Halbierungen wurde jedoch zu Euro 6'000 angeboten, und zwar im Jahr 2002 (Afinsa) Und wo Afinsa drauf steht sollte man so schnell so weit wie möglich wegrennen. Ich glaube die Führungsriege von Afinsa ist mittlerweile wieder aus dem Knast raus. [Redaktionell hinzugefügt - Links bitte anklicken:] https://www.philaseiten.de/thema/9248 - https://www.philaseiten.de/beitrag/132679
bovi11 Am: 20.07.2025 17:14:03 Gelesen: 4936 # 9
@ TeeKay [#6] @ alle Zwar kein Doppel eines Kindergeld-Ausweises, aber ein Doppel eines Rentenausweises. Das Original ist dann irgendwann wohl doch noch aufgetaucht: Auch dafür musste ich bei Schlegel vor ein paar Jahren tief und vierstellig in die Tasche greifen.
bovi11 Am: 20.07.2025 17:40:58 Gelesen: 4918 # 10
Bei dem Doppel der Rundfunk-Genehmigung mit der billigen 50-Pfennig-Posthorn war ebenfalls ein noch tieferer Griff in Portemannaie erforderlich - auch bei Schlegel:
bedaposablu Am: 20.07.2025 18:26:04 Gelesen: 4884 # 11
@ bovi11 [#10] Hallo! Sehe ich hier richtig, ein aptierter Stempel aus der Zeit des Dritten Reichs, aptiert wurde "STADT DES DEUTSCHEN HANDWERKS" und auch noch nicht in der Datenbank? Rundfunkgenehmigung für ein KFZ? Was es alles gab! Noch nie gesehen! Viele Grüße aus Magdeburg! Klaus-Peter
bovi11 Am: 20.07.2025 18:35:49 Gelesen: 4870 # 12
@ bedaposablu [#11] Hallo Klaus-Peter, durch den Kreisvordruck war mir der Einkreisstempel gar nicht aufgefallen. Da ist in der Tat "STADT DES DEUTSCHEN HANDWERKS" aptiert. Kannst den gerne in die Datenbank übernehmen. "Rundfunkgenehmigung für ein KFZ? Was es alles gab! Noch nie gesehen!" Ist ja auch äußerst selten. Grüße Dieter
christel Am: 20.07.2025 18:50:47 Gelesen: 4851 # 13
@ bovi11 [#9] @ bovi11 [#10] Solch große Raritäten wie die von Dieter gezeigten Duplikate der Rentenausweise und Rundfunkgenehmigung kann ich nicht beisteuern. Aber zwei 50 Pfg Heuss I Werten in gestempelt mit 1,20 Katalogwert. Mein Telegramm des BPA Frankfurt (Main) hingegen wird, so meine Meinung, sicherlich ein Vielfaches dessen an Bewertung erzielen. Was mich ein wenig verwundert, warum wurde ein doch wohl Diensttelegramm überhaupt gebührenpflichtig? Gruß. Christel von der Post
bovi11 Am: 20.07.2025 19:07:54 Gelesen: 4835 # 14
Blindensendung von Übach-Palenberg an Fräulein Mathilde Teusch, Blindenschule, Düren, Meckerstr. 1-3 Die Sendung war von der Abgabe „Notopfer Berlin“ befreit. Fälschlicherweise wurde sie gleichwohl neben einer 4 Pfennig Posthornmarke mit einer Notopfermarke Nr. 6 Z versehen. Tagesstempel (22c) ÜBACH-PALENBERG 2.3.53 Mathilde Teusch war Blindenoberlehrerin und ihr wurde am 26. Mai 1967 das Verdienstkreuz am Bande verliehen. Sowohl die 4-Pfennig-Posthornmarke als auch die Notopfermarke Nr. 6 Z sind praktisch wertlos. Der Brief hingegen wertet vierstellig.
bovi11 Am: 20.07.2025 20:24:05 Gelesen: 4802 # 15
Alles billige Marken, aber als Auslandspaketkarte von Helgoland nach Pinneberg ein Knaller. Versucht mal, so ein Teil zu bekommen. Auslandspaketkarte für den Versand eines Pakets von Helgoland nach Pinneberg mit Notopfermarke Nummer 8 X. Freimarken und Notopfermarke sind entwertet mit dem Tagesstempel (24a) HELGOLAND 04.11.54 Außerdem trägt die Auslandspaketkarte einen violetten Stempelabschlag „ZOLLAMT PINNEBERG“ Die Paketkarte ist mit dem Aufkleber versehen: Darf in Deutschland nur durch Vermittlung des zuständigen Z o l l a m t s ausgehändigt werden.
Heinz 7 Am: 21.07.2025 22:38:47 Gelesen: 4623 # 16
@ Heinz 7 [#1] Man darf sicher sagen, die 80 Parale-Marke von Rumänien, 2. Ausgabe 1858, sei keine "gewöhnliche" Briefmarke. Sie ist ziemlich selten, und hat lose auf weissem Papier einen Katalogwert von Euro 380 (Michel 2021, Nr. 7ay). Im Handbuch III von Fritz Heimbüchler (Ergänzungsband 2007) bewertete der Experte und Grand-Prix-Sammler die lose Marke mit Euro 400, eine Einzelfrankatur mit Euro 1500. Trotzdem sei mir erlaubt, sie in diesem Thema vorzustellen. Dies, weil dieser Brief besonders wertvoll ist, aus einem besonderen Grund... Der beiliegende Brief kostete vielviel mehr, als die oben genannte Bewertung, wie die Ergebnisliste zeigt: CHF 60'000 Zuschlag plus Aufgeld (19.5 %) - Auktion 2.-4.3.2010 Corinphila Zürich. Der Grund ist einfach: es liegt hier ein Ersttag-Brief vor! Am 21.7.1858 erschienen die ersten Briefmarken des Fürstentums Moldau, die weltberühmten Ochsenköpfe (rund). Bereits am 1.11.1858 wurden die vier Werte abgelöst durch die 2. Ausgabe; die Wertstufen hatten gewechselt und der Ochsenkopf war nun in einem Viereck mit abgerundeten Ecken. Der 1. November 1858 war also der erste Tag der zweiten Ausgabe. Dies liess sich ein Sammler viel Geld kosten. Es ist meines Wissens der einzige Ersttagsbrief der zweiten Ausgabe. Heinz
Heinz 7 Am: 26.07.2025 11:38:54 Gelesen: 4407 # 17
@ Heinz 7 [#1] Die erste französische Briefmarken-Serie erschien am 1.1.1849. Die Marke mit Nominale 20 Centime ist nicht selten, und hat einen Katalogwert von Euro 45 (Michel 2010) bzw. US$ 40 (Scott 2000). Im Scott-Katalog ist auch der Briefpreis genannt: "on cover $ 55", also nur 37.5 % mehr. An einer Auktion von Spink London wurde am 21.11.2018 das obenstehende Los angeboten. Nun hat dieser Brief einen Startpreis von Euro 5000 ! Der Grund ist simpel: es ist ein Ersttag-Brief. Gemäss Katalog wurde ein FDC vom Katalog "Spink Maury" sogar mit Euro 39'000 bewertet. Das sind gewaltige Aufschläge zu Briefen mit einem Stempel nicht vom ersten Tag der Verwendung. Es kann sich also lohnen, hier genau hinzuschauen. Heinz
hohenzollern Am: 27.07.2025 17:30:48 Gelesen: 4297 # 18
Ein Dreierstreifen der THURN UND TAXIS Erstausgabe, 3 Kreuzer vom 1. Januar 1852 für die sieben deutschen Kleinstaaten im südlichen Gebiet ist keine Rarität, dennoch immer schön anzuschauen. Mit der Entwertung durch die alten Ein-Zeiler-Stempel der Vormarkenzeit ist die Bewertung nach Spezialkatalog/Handbuch Peter Sem mit 1.300,- Euro auch ganz ordentlich. Allerdings hat der Ausruf und Zuschlag eines Briefes von Erivan Haub in der 7. Sonderauktion am 26. März 2022 mit 25.000,- Euro Ausruf und 105.000,- Euro Zuschlag dem Fass den Boden rausgehauen. Die Erklärung ist ganz einfach: Die Entwertung erfolgte mit dem roten Achtring (Versuchs-) Stempel, welcher zwischen dem 1. Juni 1852 und 4. Februar 1853 im hohenzollerischen Gammertingen zeitweise im Einsatz war. Ziel war die optimale Entwertung der Marken zu erzielen, um die Wiederverwendung zu verhindern. Das Ergebnis war dann die Einführung der Nummernstempel. Es handelt sich um den schönsten der insgesamt lt. Peter Sem (BPP) sieben bekannten Briefen mit dem Achtring Stempel, wovon sich zwei im Thurn und Taxis-Archiv befinden. Provenienz: 39. Stock-Auktion (1929), John Boker jr. (1988) Gammertingen ca. 1860 Einige Jahre davor, in der 199. Corinphila Auktion am 29. Juni 2015, wurde ein Brief mit einer 3 Kreuzer Einzelmarke aus dem Nachlass des ehemaligen Bundesprüfers Dr. Erwin Sommer mit 10.000,- Sfr. Ausruf und 9.000 Sfr. zugeschlagen.
Heinz 7 Am: 27.07.2025 19:35:09 Gelesen: 4247 # 19
@ Heinz 7 [#1] Die erste Ausgabe der Vereinigten Staaten (General issues/Unions-Ausgaben) wurden 1847 herausgegeben: die 5 Cents Marke braun (Scott 1) und die 10 Cents Marke schwarz (Scott 2). Beide Marken sind nicht wirklich selten und notieren im Michel (2010) mit Federzug-Entwertung mit Euro 300 (no. 1) bzw. mit Euro 900 (no. 2). Im Scott Catalogue Jahr 2000) finde ich folgende Notierungen: no. 1: US$ 600 - on cover US$ 700 no. 2: US$ 1400 - on cover US$ 1750 Das zeigt, dass auch Briefe mit dieser Marke (Einzelfrankaturen) nicht wirklich grosse Raritäten sind. Das Resultat kann sich aber gewaltig ändern bei Mehrfach-Frankaturen! 1848 sandte Benjamin Rush einen Brief von Philadelphia nach Paris an seinen Vater. Die Frankatur war hoch, betrug 60 Cents. Sie wurde freigemacht mit einem Sechserstreifen der 10 Cents-Marke. Heute kennt man meines Wissens nur zwei Briefe mit einer solchen Frankatur. An allen Auktionen erregte der Brief grosse Aufmerksamkeit: 1910 - Morgenthau: John Seybold-collection (an Henry Gibson) 1944 - Ward: Henry Gibson-collection (an Philip Rust) 1971 - Harmer New York: Rust-Lose (an Kapiloff) 2006 - Siegel: Kapiloff-Los (an William Gross) 2020 - Siegel: Gross-collection 1971 brachte der Brief ein Resultat von hohen US$ 18'000 ein. Ich weiss, das tönt heute nach "nicht viel", aber 1971 war das schon "eine Hausnummer". 35 Jahre später wurde dieser Brief wieder angeboten, nun, nicht unbescheiden, mit einem Startpreis von US$ 1'000'000 (bei Siegel). Der Brief wurde tatsächlich auch verkauft, Zuschlag US$ 1'200'000 plus Aufgeld! Als der Brief 2020 wieder angeboten wurde, fiel der Hammer nur knapp über dem Schätzpreis von US$ 400'000 - 500'000, nämlich bei US$ 510'000. Wir werden aber vermutlich trotzdem nicht von einem "tiefen Resultat" sprechen... Es ist einer der wertvollsten Briefe der USA. Heinz
Heinz 7 Am: 27.07.2025 20:22:11 Gelesen: 4227 # 20
@ Heinz 7 [#19]

Leonard Kapiloff hatte eine grossartige USA-Sammlung. Bereits 1992 wurden bei Siegel zwei Auktionen mit wichtigen Teilen seiner Sammlungen verkauft.

Wir sahen (oben, Beitrag 19), dass Kapiloff auch den weltberühmten "Rush-Cover" besass und 2006 zu einem schwindelerregenden Preis verkaufen konnte. Doch 1992, als seine Ausstellungssammlung verkauft wurde (sales 743+744) hatte er sogar einen Brief mit achtmal der 10 Cents-Marke Scott 2



Dieser Brief von 1850 von New York nach San Francisco war schwer und kostete die doppelte Gebühr von 40 Cents. Diese wurde mit einem Fünferstreifen und einem Dreierstreifen bezahlt (Notiz auf dem Brief: "Prepaid").

Auch dieser Brief kostete eine Stange Geld. Den Estimate von US$ 400'000 wollten die Sammler 1992 aber nicht bezahlen; der Zuschlag erfolgte bei US$ 330'000. Damals betrug das Aufgeld erst 10 %.

Auch dies ist ein Beispiel für einen sehr wertvollen Brief mit (mehr oder weniger) "gewöhnlichen" Briefmarken...

Heinz
Heinz 7 Am: 30.07.2025 09:28:01 Gelesen: 4089 # 21
@ Heinz 7 [#1] Die Michel Nr. 21 der Schweiz, die 3 Rappen-Marke von 1862, ist (war) bewertet im Michel 2010 wie folgt: Euro 13 für *, immerhin Euro 130 für gestempelt. Richtig selten ist sie also nicht, aber ganz "gewöhnlich" oder häufig aber auch nicht. Im Katalog der Schweizer Briefmarkenhändler (SBK) 2020 ist sie auf Brief mit CHF 450 bewertet, als Einzelfrankatur gar mit CHF 800. Obwohl die Schweiz damals erst eine kleine Bevölkerungszahl hatte, wurden 1873 sehr viele Briefe geschrieben und versandt, dieser Brief von Muri (bei Bern) nach Neuchâtel (Neuenburg) hat 10 Rappen gekostet und diese wurden im Normalfall mit dem blauen 10 Rappen-Wert derselben Ausgabe (Michel Nr. 23) oder mit seiner Farbänderung auf rot (Michel Nr. 30) bezahlt. Im vorliegenden Fall lag dem Absender aber offenbar kein 10-Rappen-Wert vor, dafür hatte er viele kleine Werte, die er nun verklebte. Mit 4 x 3 Rappen hätte er 2 Rappen zuviel bezahlt (12 statt 10), das schien ihm nicht zu gefallen, also griff er zur Schere und halbierte eine Marke. Damit kam er rechnerisch auf 10.5 Rappen, die er so verklebte. Die rechte Hälfte seiner Marke behielt er wohl für eine ähnliche Absicht bei einem anderen Brief zurück. Diese Frankierung war meines Wissens so nicht erlaubt; die halbierte Marke galt als ungültig und also hätte der Brief eine Frankatur von nur 9 statt 10 Rappen gehabt. Doch die Post war in diesem Fall grosszügig und akzeptierte die Frankatur. Sie ist sehr selten. Im grossen Handbuch Zumstein 1924 wurde sie nicht erwähnt (nur halbierte 5, 10 oder 20 Rappen-Werte); auch im letzten Spezialkatalog Zumstein (25. Auflage, Jahr 2000) ist sie auf Seite 81 nicht zu finden. Im Auktionskatalog von Cuche 2015 steht: "non répertorié à ce jour", also "bis heute nicht aufgeführt/katalogisiert". Sie wurde mit einem Startpreis von CHF 5'000 ausgerufen, begleitet von zwei Attesten der CH-Prüfer Guinand und Berra. Andere Halbierungen der Sitzenden Helvetia gezähnt sind im Spezialkatalog 2000 (Seite 81) bewertet mit CHF 12'000 (2 Rappen-Wert) bis CHF 25'000 (30 Rappen-Wert). Heinz
Heinz 7 Am: 30.07.2025 10:03:32 Gelesen: 4071 # 22
@ Heinz 7 [#7] @ Heinz 7 [#21] Halbierungen von Marken, die von der Post akzeptiert wurden, können äusserst selten und teuer sein. Ich zeigte oben Beispiele von Mexiko und aus der Schweiz. Ein sehr ähnliches Beispiel zum Inland-Brief Schweiz 1873 kann ich auch von Rumänien zeigen: Die Michel Nr. 18 des Jahres 1870 wurde zur Frankatur eines Briefes von 1872 verwendet. Die Gebühr war 10 Bani, diese wurde nicht mit einer 10 Bani-Marke geleistet (Michel Nr. 22, der 7. Ausgabe), sondern mit Marken der 6. Ausgabe: 3 x 3 Bani plus eine DRITTELUNG einer weiteren 3-Bani Marke! Gemäss Attest Heimbüchler (Jahr 2014) akzeptierte die Post diese ungewöhnliche Frankatur: "Die Drittelung erfolgte wegen akutem Mangel an bestimmten Wertstufen in Jassy und anderen Orten Rumäniens". Die Notiz mit Blaustift bezeichnet er im Attest 2014 als: "Einige Blaustrichspuren sind nicht zeitgemäss". Gemäss Auktionskatalog Corinphila (2017; 213. Auktion) gibt es drei solcher Briefe mit einer Drittelung des 3-Bani-Wertes. Alle seien auf Briefen von Jassy verwendet worden. Der Brief wurde heiss beboten und stieg vom Ausrufpreis von CHF 15'000 auf einen Zuschlag von CHF 34'000, dazu kam ein Aufgeld von 20 %; also total ein Kaufpreis von stolzen CHF 40'800. Das ist sehr viel für einen Brief mit Briefmarken, die lose nur tief bewertet sind: Mi. 18 = * Euro 60, gest. Euro 45 (Michel 2021). Heinz
Lars Boettger Am: 30.07.2025 12:39:09 Gelesen: 4028 # 23
@ Heinz 7 [#22]

Hallo Heinz,

steht im Attest etwas zu den Klebespuren unten rechts? Da scheint eine Marke oder ein Bogenrand geklebt zu haben.

Beste Grüße!

Lars
Heinz 7 Am: 30.07.2025 17:54:46 Gelesen: 3940 # 24
@ Lars Boettger [#23]

Guten Tag Lars

Du beobachtest scharf. Tatsächlich scheint unten rechts einmal ein gezähntes Papierstück geklebt zu haben. Aber was wohl? Im Attest Heimbüchler 2014 steht nichts dazu. Nur die bereits genannte Bemerkung:

"Einige Blaustrichspuren sind nicht zeitgemäss" Vielleicht kam auch dieser "Kleber" erst später auf den Brief? Wir wissen es nicht...

Heinz
Lars Boettger Am: 30.07.2025 19:20:25 Gelesen: 3901 # 25
@ Heinz 7 [#24]

Hallo Heinz,

eventuell klebte einmal ein Randstück darauf, weil sich jemand etwas notiert hat. Ich habe ein Beispiel aus Luxemburg angehängt - nicht häufig, aber eben mit billigen Marken frankiert bzw. eine Inlandsganzsache.

Oben rechts scheint jemand eine Auktionsnummer (2740) auf dem Brief vermerkt zu haben, unten links steht "Uniulm" oder "Unialm" - zumindest nach meiner bescheidenden Interpretationsgabe. Beim Attestschreiben ist es so eine Sache - entweder ich vermerke Anhaftungen und Auktionsnummern oder ich lasse das Stück für sich sprechen. Die Kenner wird es nicht stören, und die FDC-Qualität-Sammler machen um das Sammelgebiet Alt-Rumänien einen weitern Bogen.

Ein toller Brief! Vielen Dank für das Zeigen!

Beste Grüsse!

Lars

Heinz 7 Am: 05.08.2025 22:36:16 Gelesen: 3731 # 26
@ Heinz 7 [#17] Ein alter Ersttag-Brief ist natürlich eine schöne Sache! Ich habe in Beitrag [#17] gezeigt, wie ein Brief vom 1.1.1849 mit einer "gewöhnlichen" Marke (Katalogwert auf Brief US$ 55 (Scott 2000)) plötzlich einen vierstelligen Betrag kostet! Nun möchte ich eine noch grössere Seltenheit vorstellen. Das Auktionshaus "Le Timbre Classique" aus Genf konnte am 23. Januar 2024 eine spektakuläre Neuentdeckung anbieten. Am 30.12.1848 wurde in Mesnil-Roques ein Brief geschrieben, einem Ort ohne Postbüro. Der Absender hat den Brief am 31.12.1848 zum Postbüro in Gavray gebracht, wo er frankiert wurde mit der neuen Briefmarke (der ersten Frankreichs) zu 20 Centimes, schwarz. Der Posthalter hat diesen Brief bereits abgestempelt am 31.12.1848! Erst am 1.1.1849 aber wurde die Briefmarke offiziell in Verkehr gesetzt. Der Brief wurde versandt und kam am selben Tag am Bestimmungsort Coutances an, wo er einen Ankunftsstempel erhielt (ebenfalls 1.1.1849). Dieser Brief ist nach Angaben der Auktionatoren und der Prüfer 2023 (Jean-François Brun und Benoit Chandanson) der EINZIGE Brief mit einer France No. 3 gestempelt 31 décembre 1848! Der Brief wurde ausgerufen zu CHF 90'000 und nach Angaben des Auktionshaus für diesen Preis auch zugeschlagen. Ich wiederhole meinen Schluss-Satz zu Beitrag [#17]: "Es kann sich also lohnen, hier genau hinzuschauen." Heinz
Heinz 7 Am: 17.08.2025 20:11:09 Gelesen: 3470 # 27
@ Heinz 7 [#1] Ein Brief mit einer One-Penny-Marke gezähnt von 1879 erhält man im Normalfall "für ein Butterbrot". Der hier gezeigte Brief kostete aber den beachtlichen Betrag von US$ 1'610 (Zuschlag US$ 1'400 + 15 % Provision) Der Grund dafür ist offensichtlich: Der Sender verwendete einen illustrierten Brief, wie sie vor allem in Grossbritannien, aber auch in den USA, sehr beliebt sind. Am 27.4.2010 kam bei Siegel, New York, Los 1590 aus der Sammlung von Louis Grunin "Illustrated Covers" zum Angebot. Der Brief von Ross nach Dundee wurde vermutlich von einem Verein von Impfgegnern herausgegeben und mit der Post normal befördert. Offenbar war eine Gruppe von Impfgegnern also schon vor rund 150 Jahren publikumswirksam aktiv. Illustrierte Briefe haben eine hohe Anziehungskraft, deshalb sind selbst so hohe Preise wie in diesem Fall keine "Eintagesfliegen", sondern kommen immer wieder vor. Heinz
Heinz 7 Am: 21.08.2025 22:57:35 Gelesen: 3309 # 28
@ Heinz 7 [#1] Eine "Penny Black" - die erste Briefmarke der Welt (1840) - ist nicht selten, auch auf Brief kann man eine solche kaufen für einen kleinen dreistelligen Euro-Betrag. Sir Cyril Humphrey Cripps war ein britischer Sammler (1915-2000), der eine der beeindruckendsten Sammlungen "Grossbritannien" aller Zeiten zusammenstelle konnte. Spink London wurde damit beauftragt und führte seit 2011 mehr als ein halbes Dutzend Auktionen durch, gefüllt mit vielen Raritäten. Allein die erste "Grossbritannien"-Auktion umfasste 545 Lose. Spink nannte die Sammlung "The Chartwell collection". Der hier gezeigte Brief beeindruckt jeden Betrachter. Nicht weniger als zwei ganze volle Reihen der ersten Briefmarke der Welt, also 24 Briefmarken, wurden hier verklebt. Betrachten wir den Brief genauer, sehen wir, dass der Brief ursprünglich eine noch höhere Frankatur trug, denn unten wurde offensichtlich noch ein Viererstreifen aus dem Brief herausgeschnitten, was natürlich jedem Philatelisten weh tut. Die 28 Pence-Frankatur (oder: 2 Shillings und 4 Pence; 2/4 d.-rate) war nötig für einen Brief, der 14 Unzen wog. Der Brief von Salisbury nach Basingstoke hatte am 29.6.2011 einen Ausrufpreis von GB£ 80'000. Heinz
Heinz 7 Am: 21.08.2025 23:10:34 Gelesen: 3303 # 29
@ Heinz 7 [#28] Die 2 Pence Marke blau erschien zur selben Zeit wie die Penny-Black-Marke. Zum oben gezeigten Brief mit einer (ursprünglichen) 2/4 d.-Frankatur passt folgender Brief Wir zählen nicht weniger als 14 Briefmarken der 2 d-Marke; einen Zwölferstreifen plus ein Paar. Wir wissen, dass die ersten zwei GB-Briefmarken in Bogen zu 240 Briefmarken gedruckt wurden (20 x 12). Die Frankatur des Briefes von 1841 betrug also 28 Pence. Die 28 Pence-Frankatur (oder: 2 Shillings & 4 Pence; 2/4 d.-rate) war nötig für einen Brief, der 14 Unzen wog. Wir sehen: auch dieser Brief ging von Salisbury nach Basingstoke; er stammt also aus derselben Korrespondenz wie der einmalige 28-4=24 x 1d Brief vom 22.5.1841. Der 2 Pence-Brief ist optisch noch schöner als der andere Brief. Geschätzt wurde dieser Brief auf GB£ 30'000. Er wurde an derselben Auktion verkauft wie der oben gezeigte Brief (29.6.2011, Spink London, "The Chartwell Collection"). Also: auch "gewöhnliche" Briefmarken können - als Einheiten - wertvolle Sammelstücke werden. Heinz
iholymoses Am: 25.08.2025 18:26:55 Gelesen: 3111 # 30
Das passt vielleicht auch hier hin - aktuell bei ebay im Angebot: https://www.ebay.de/itm/165467874362 Bayern, Nr 7, 3 I a auf "325" (München) gestempeltem Brief nach Calcutta, Indien Artikelbeschreibung des Verkäufers: "siehe Scans; Bayern, Nr 7, 3 I a auf "325" (München) gestempeltem Brief nach Calcutta, Indien 1850/54: 18 Kr. gelborange mit waagerechtem Paar der 1 Kr. rosa, Platte I, alle auf weißem Papier, geschnitten auf bemerkenswert frischem Briefcouvert nach Calcutta adressiert "via Triest & Alexandria" weiter mit Overlandmail. Jede Marke mit offenem Mühlradstempel "325" MÜNCHEN übergehend entwertet, Zweizeiler vom 6. Jan 1857 beigesetzt. Rückseitig Frankaufteilung 11/9, Transitstempel Alexandria 17. Ja 1857 und britischer Seepoststempel mit Portovermerk "8" (Annas). Alle Werte voll bis breitrandig, die 18 Kr. mit anhängendem Teil der Unterrandes, die Linke 1 Kr. nach hinten Umgelegt (dadurch gefaltet), sonst tadellos. Obere Briefklappe durch Öffnen unvollständig. Portorichtig über Triest bis Alexandria freigemacht (9+11), das weitere Porto zahlte der Empfänger. Bayern-Briefe nach Calcutta sind selten. Attest Sem BPP." Wunschpreis: "EUR 22.500,00 oder Preisvorschlag" Schöne Grüße, Reinhard
bayern klassisch Am: 25.08.2025 18:39:00 Gelesen: 3106 # 31
@ iholymoses [#30] Hallo, es wird wohl ewig ein Wunsch bleiben, diesen Brief zu verkaufen. LG von bayern klassisch
asmodeus Am: 25.08.2025 18:47:34 Gelesen: 3096 # 32
@ bayern klassisch [#31] Aus Interesse! Was wäre ein realistischer Preis?
bayern klassisch Am: 25.08.2025 19:03:30 Gelesen: 3086 # 33
@ asmodeus [#32] Der Brief ist optisch unattraktiv, wie alle Briefe mit Quadratausgaben nach Indien. Die Umklebung der Marke tut ein übriges dazu. Hier wird die Destination zu bezahlen sein, das ist klar. Ob ein Verwandter von Justus von Liebig als Empfänger ins Spiel kommt, weiß ich nicht, weil ich kein Genealoge bin. Stünde dieser Justus von Liebig in Forschung etc. fachlich nahe, wäre das sicher eine Preiserhöhung wert. Ich selbst würde den Brief nicht für die Hälfte kaufen und auch keinen Preisvorschlag abgeben wollen, weil er einfach kein Gesicht hat. Aber andere Sammler mögen das anders sehen und ihn für ein Drittel des Wusnchpreises bekommen wollen. LG von bayern klassisch
Martin de Matin Am: 25.08.2025 19:59:56 Gelesen: 3058 # 34
@ iholymoses [#30] @ bayern klassisch [#33] "Ob ein Verwandter von Justus von Liebig als Empfänger ins Spiel kommt, weiß ich nicht, weil ich kein Genealoge bin. Stünde dieser Justus von Liebig in Forschung etc. fachlich nahe, wäre das sicher eine Preiserhöhung wert. " Gemäß Wikipedia war der Empfänger höchstwarscheinlich der Sohn von Justus von Liebig. "Georg war der älteste Sohn des Chemikers Justus von Liebig, der das freiherrliche Haus des liebigschen Geschlechts begründete. Er studierte in Gießen und Berlin und fuhr 1853 für die Englische Ostindien-Kompanie (E.I.C.) nach Bombay. 1856 wurde er Professor in Kalkutta,... " Zeitlich scheint es ja sehr gut zu passen. Gruss Martin https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_von_Liebig
Heinz 7 Am: 14.10.2025 20:11:06 Gelesen: 2470 # 35
Eine "Zürich 6" als "gewöhnliche" Briefmarke zu bezeichnen, ist vielleicht etwas respektlos. Immerhin ist die Zürich 6 eine der ersten Briefmarken der Welt und hatte im Katalog Michel 2010 einen Katalogwert von Euro 1'600 gestempelt (mit senkrechten Unterdrucklinien), Mi. No. 2 I (= SBK No. 2 S, KW = 2'500 gest. bzw. CHF 6'000 auf Brief).

Aber der Sammler findet (fand) zu jeder Zeit problemlos ein Stück zu kaufen, weil wirklich selten sind solche Briefe nicht. Richard Schäfer nennt die Zahl von 900 registrierten Briefen (Buch: "Schweiz - Kantonalmarken. Frankaturen-Seltenheiten"); waagrechte 440 und senkrechte Unterdrucklinien 460.

Es gibt natürlich aber auch teure Briefe davon! Einen solchen SEHR teuren Brief will ich Ihnen heute vorstellen.



Es ist dies der offenbar EINZIGE Zierbrief (Damen-Zierbrief-Couvert) mit einer Zürich 6 (SBK 2 S).

Der Brief ging von Wald (Vorort von Zürich) nach Zürich und wurde gestempelt mit dem Zierstempel WALD 11 MARS 1844 (Mars = französisch = März). Als "normaler Brief" würde der Brief vielleicht CHF 4'000 kosten.

Als unikales Damen-Zierbrief-Couvert wurde der Brief nun aber bei Corinphila in Zürich angeboten für den stolzen Betrag von CHF 50'000. Der Brief wurde tatsächlich verkauft (10.10.2025), zum Ausruf; dazu kommen 23 % Aufgeld, d.h. Preis = CHF 61'500.

Im Spezialbuch von Schäfer wird der Beleg gezeigt auf Seite 51 (nicht Seite 57).

Heinz
bayern klassisch Am: 14.10.2025 21:04:59 Gelesen: 2435 # 36
@ Heinz 7 [#35] Den Preis kann ich gut nachvollziehen - ein Spitzenbrief mit einer Optik, die man nur alle Jahre findet. Dazu eine seltene Marke. So schön kann die Klassik sein! Danke fürs Zeigen und LG, Ralph
Heinz 7 Am: 12.02.2026 11:05:16 Gelesen: 1668 # 37
@ Heinz 7 [#1] Die Sassone Nrn 2+5+10 haben Katalogwerte von no. 2 (10 C. - 1852): 70 / 100 no. 5 (40 C. - 1852): 1700 / 250 no. 10 (25 C. - 1857/59): 350 / 120 (Preise in Euro, gemäss Michel 2010 - sorry, etwas "in die Jahre gekommen") Und damit schöne klassische Marken, wertmässig einmal im mittleren Bereich, zweimal aber auch im "eher unteren" Bereich. Das auch solche Briefe hohe Preise erzielen können, zeigt uns "Dobe": Michael zeigt uns eine sensationelle Mischfrankatur (siehe: "Die berühmtesten und wertvollsten Briefmarken der Welt", Beitrag Nr. 1034). "Bei der 749. Auktion bei Il Ponte wurde einer der schönsten Briefe Altitaliens überhaupt versteigert - inkl. Auktionsgebühr war dem Käufer der Brief 94.500 € wert. (...) Es handelt sich um eine spektakuläre Frankatur aus Parma. Briefumschlag von Pontremoli nach Genua, frankiert mit 4,80 Lire mit drei Exemplaren der 10-Centimo-Marke in Schwarz, zwei Einzelmarken und zwei äußerst seltenen Viererstreifen der 40-Centimo-Marke in Hellblau sowie einem Paar der 25-Centimo-Marke in Braun-Lila. Ein außergewöhnlicher Briefumschlag, der die höchste Frankierung des Herzogtums Parma darstellt und zu den größten Raritäten aller alten italienischen Staaten zählt. Allgemein anerkannt als „die spektakulärste Frankierung des Herzogtums Parma”. Ganzseitige Abbildung im Sassone-Katalog und Erwähnung im enzyklopädischen Katalog Bolaffi 1983/84 als „höchste Frankatur mit Briefmarken aus Parma – Unikat”. Zertifiziert von En. Diena. Unterschriften: A. Diena, G. Bolaffi, G. Colla, L. Gazzi. Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version), Michael" Danke, Michael! Dieser Brief trägt eine einmalige Frankatur mit drei verschiedenen Marken von zwei verschiedenen Ausgaben (= Mischfrankatur), optisch wunderschön, und mit tollen Einheiten der guten Marke Nr. 5 (zwei Viererstreifen). Darum übertrifft der Kaufpreis den Katalogwert der Marken bei Weitem! Heinz