Briefmarken Atteste

Thema:

**** (?) (1) Deutsches Reich Mi-Nr. 141 - Fragen zu ungewöhnlichen Stempeln

Sammlerfreund Christian Am: 07.07.2025 20:43:38 Gelesen: 616 # 1
Liebe Sammlerfreunde, unter meinen Marken der Mi-Nr. 141 (Dt. Reich) habe ich drei Exemplare mit erklärungsbedürftigen Stempeln entdeckt. - bei der Marke ganz rechts besteht die Entwertung aus einem Portrait-Stempel ohne schriftliche Informationen. Wer kann diesen Stempel zuordnen/zu diesem Stempel etwas sagen? - bei den anderen beiden Marken handelt es sich scheinbar um aptierte Stempel alter R2-Preußenstempel. Ich habe aber weder im Feuser noch in der stampsx-Datenbank noch bei Philastempel hierzu etwas finden können. Wer weiß Näheres - sind diese aptierten Stempel schon bekannt und lässt sich etwas zur Seltenheit sagen? Zum Vergleich ganz links der nicht aptierte R2 von Cottbus auf einer Preußen-Marke. Einen nicht aptierten Stempel von Rathenow habe ich leider nicht. Über jegliche Hilfe würde ich mich sehr freuen. Vielen Dank und beste Grüße Christian
Jürgen Witkowski Am: 07.07.2025 21:48:06 Gelesen: 584 # 2
@ Sammlerfreund Christian [#1]

Der rechte Stempel ist ein Maschinenstempel aus Eisenach. In der Philastempel-Datenbank findest ihn. [1]

Mit besten Sammlergrüßen
Jürgen

[1] https://www.philastempel.de/stempel/suchen/ablage/1618
Sammlerfreund Christian Am: 07.07.2025 22:26:42 Gelesen: 565 # 3
@ Jürgen Witkowski [#2] Vielen Dank, Jürgen! Sehr informativ - dort steht: "Stempel kam ausschließlich zur "Gelegenheit" des Wartburgfestes zum Einsatz." Jetzt kann ich diesen besser einordnen. Genau genommen liegt ein unvollständiger Stempelabschlag vor, da rechts davon noch der Tagesstempel zu sehen sein müsste. Ich werde den Stempel trotzdem in meine Sammlung integrieren. Zu den anderen beiden Stempeln habe ich auch etwas mehr an Erkenntnis erzielen können. Im relativ neuen Infla-Buch "Not- und Behelfsentwertungen im Deutschen Reich 1919-1923" der Herren Claussen, Filbrandt und Weinbuch werden drei Rahmenstempel abgebildet, die in sehr ähnlicher Weise aptiert sind: Waldheim, Sagan und Dessau. Daraus würde ich im Umkehrschluss folgern, dass meine beiden bisher noch nicht bekannt/erfasst sind. Der aptierte Stempel von Dessau ist übrigens auch im Feuser als nachverwendeter Stempel erwähnt. Daher würde ich die beiden Stempel, die ich oben abgebildet habe, als bisher unbekannte nachverwendete Stempel kategorisieren. Ohne Aptierung sind sie im Feuser genannt, im Falle von Rathenow allerdings nur bis NDP. Mit anderen Worten: der Stempel muss knapp 50 Jahre in der Schublade gelegen haben, bevor er hervorgeholt, aptiert und wiederverwendet wurde. Viele Grüße Christian
Lars Boettger Am: 07.07.2025 23:21:17 Gelesen: 548 # 4
@ Sammlerfreund Christian [#3] Mit anderen Worten: der Stempel muss knapp 50 Jahre in der Schublade gelegen haben, bevor er hervorgeholt, aptiert und wiederverwendet Hallo Christian, die Stempel sind nicht aptiert, es wurde nur das Datum weggelassen. Die Stempel wurden oft noch als Formularstempel weiterverwendet - sie waren ja noch in Ordnung! Ich bin kein Preussen-Experte, aber ich würde davon ausgehen, dass der Stempel nicht 50 Jahre in der Schublade lag, sondern die Stempel noch im Einsatz waren. Auf jeden Fall sind die Germania-Marken mit den Preussen-Stempeln sehr schön! Eventuell klebten sie ja einmal auf Formularen. Beste Grüsse! Lars
Matthias Bock Am: 08.07.2025 07:40:46 Gelesen: 491 # 5
Bei den Preussenstempeln gibt es einige Erklärungsmöglichkeiten: Wie Lars schreibt wurden diese eigentlich ausrangierten Stemepel noch auf Formularen verwendet. Für alles, was nicht in direktem Zusammenhang mit Briefmarken verwendet wurde, ist das überlieferte Material oft sehr lückenhaft. Hat früher niemanden interessiert bzw. interne Postunterlagen gingen irgendwann in die Altpapierverwertung Die Verwendung als Provisorium gibt es eher in kleinen Orten, wenn der einzige Stempel ausgetauscht oder repariert werden musste. Das ist bei Cottbus oder Rathenow sicherlich nicht relevant, da es hier mehrere Stempel gab. Mein Favorit ist die Verwendung als sogenannter Grobsendungsstempel. In erster Linie waren das Päckchen oder alle anderen Umschläge, die aufgrund der Beschaffenheit des Inhalts auf der Frankaturseite keine glatte Oberfläche hatten, auf der man einen Datumsstempel lesbar abschlagen konnte. Da wurden dann oft dese alten Stempel, da man zumindest den in gerader Linie stehenden Ortsnamen mit etwas Übung noch lesbar auf eine unebene Fläche bringen konnte. Viele Grüße, Matthias
Sammlerfreund Christian Am: 08.07.2025 09:24:59 Gelesen: 468 # 6
@ Lars Boettger [#4] @ Matthias Bock [#5] Guten Morgen Lars und Matthias, vielen Dank für Eure Hinweise, die sehr nützlich sind! I Ich glaube mittlerweile kurz gesagt, dass einiges davon stimmt, anderes wiederum nicht. Grundlage hierfür ist das bereits genannte Infla-Buch "Not- und Behelfsentwertungen im Deutschen Reich 1919-1923" der Herren Claussen, Filbrandt und Weinbuch. Ich bin erst auf die Idee gekommen, dort hineinzuschauen, nachdem ich den ersten Beitrag geschrieben hatte. Wie der Titel bereits nahelegt, unterscheiden die Autoren zwischen Not- und Behelfsstempel. Beide sind eine häufige Erscheinung der Inflationszeit. Die Autoren definieren Notstempel als solche, die zum Einsatz kamen, wenn der eigentlich vorgeschriebene Aufgabestempel fehlte (warum auch immer). Behelfsstempel sind hingegen solche, die zum Einsatz kamen, obwohl der eigentlich vorgeschriebene Aufgabestempel in Benutzung war (warum auch immer). Zur letzten Kategorie gehören auch die "Grobsendungsstempel", welche von den Autoren Päckchenstempel genannt werden und sicherlich die häufigste Form der Behelfsstempel sind. Die Autoren nennen darüber hinaus noch (i) Formularstempel, (ii) Dienstsiegel/Dienststempel, (iii) Innendienststempel, (iv) Wiederverwendung nachverwendeter Altdeutschlandstempel (v) Bezirksstempel, (vi) Bahnpoststempel/Bahnfrachtstempel, (vii) Stumme Stempel, (viii)-(xv) weitere, deren Aufführung ich mir hier mangels Relevanz spare. Nach dieser Unterteilung und den entsprchenden Abbildungen/Verzeichnissen handelt es sich weder um einen Grobsendungsstempel noch um einen Formularstempel. Das ist nicht nur Terminologie, sondern auch der Sache nach ein Unterschied: die drei von Claussen, Filbrandt und Weinbuch aufgeführten teilaptierten Rahmenstempel Waldheim, Sagan und Dessau wurden zur Entwertung von Briefen verwendet (also weder Päckchen noch Formulare). Die Autoren verwenden bzgl. Waldheim die schöne Formulierung, dass der Stempel "aus der Ablage zur Unterstützung des Stempeldienstes herangezogen wurde." Daher stellt sich für mich die wahrscheinliche Historie meiner beiden Stempel von Cottbus und Rathenow wie folgt dar: 1. Verwendung der unaptierten Stempel zur postalischen Entwertung zunächst zur Preußenzeit, dann als nachverwendete Stempel während des NDP und - im Falle von Cottbus - auch während des Dt. Reichs. 2. Ablösung der Stempel durch neue Stempelgeräte. Die Rahmenstempel sind dann entweder in "die Ablage" (= Schublade) gewandert oder wurden als Aushilfs-Formularstempel nicht postalisch verwendet. "Aushilfs-Formularstempel" deswegen, weil klassische Formularstempel anders aussehen. Genaueres wissen wir nicht, wir waren ja nicht dabei. 3. Reaktivierung als postalische Behelfsstempel und zu diesem Zweck Teilaptierung durch Herausnahme der Stecktypen für Datum und Uhrzeit. Ich glaube, "Aptierung" ist hier der richtige Begriff. Es wird oft auf die Definition im Fremdwörterbuch (Duden) verwiesen, wonach hiermit recht unspezifisch gemeint ist, "einen Stempel den neuen Erfordernissen anzupassen, um ihn weiterhin benutzen zu können". So auch hier in Anbetracht der neuen Funktion als Behelfsstempel. Auch die o.g. drei Autoren benutzen den Begriff bzgl. des Stempels Dessau. Langer Rede kurzer Sinn: mir gefallen die Stempel sehr, weil sie erstens ungewöhnlich und wohl auch nicht so häufig sind und weil sie zweitens einiges zu erzählen haben. Das genannte Infla-Buch kann ich übrigens wärmstens empfehlen. Selbst wenn man diese Stempel nicht sammelt, ist es zum einen sehr lehrreich, zum anderen auf Grund der vielen schönen Abbildungen eine Augenweide! Wer weiß, vielleicht liest ja einer der Autoren mit und möchte sich äußern? Viele Grüße und einen schönen Tag Christian