


Erstflugbriefe sind kein Papiermüll



Erstflug Berlin (Ost) - Belgrad vom 5.4.1960
Mit Bleistift ist darauf noch ein Preis vermerkt, 10.-, noch Mark oder schon Euro? Völlig egal, heute bekommt man den für 1 Euro. Er ist aber auf alle Fälle m.E. ein schönes Stück. Abgebildet darauf, als Zudruck, passend auch zum Sonderstempel eines der ersten Flugzeuge der "Deutschen Lufthansa" (der DDR - die gab es nur ein paar Jahre von 1955-63, somit auch luftfahrthistorisch interessant), eine Iljuschin Il-14. Als kleine Besonderheit auch noch ein Detail, die Iljuschin auf dem Zudruck trägt noch den Lufthansakranich (wie auch im Aufgabestempel der Luftpoststelle in Berlin-Ost), im Sonderstempel ist bereits von der Nachfolgeorganisation Interflug die Rede und bereits deren Logo zu sehen. Man sieht also auch auf solchem "Papiermüll" (ich benutze hier mal sentawaus Wort ;-)) gibt es Interessantes zu entdecken.
KLM/Garuda Erstflug Denpasar (Indonesien) über Abu Dhabi nach Amsterdam am 5.11.1986
Über den monetären Wert brauchen wir gar nicht philosophieren, für mich ein super Beleg wegen des in Denpasar verwendeten Handrollstempels. Nicht alltäglich und auch nicht oft zu finden. Aber dazu muss man natürlich auch Gefallen an diesen "bösen" Handrollstempeln finden.
Last not least:
First Air Mail Flight AM 33 ab Kailua Hawaii vom 10.7.1949
Auch wieder so ein "1 Euro-Beleg" ;-). Ist der nicht schön?
Schöner Cachet Stempel, frankiert mit zwei Viererblöcken aus der Präsidenten-Serie, alle Marken entwertet, zumindest mit Killer-Stempel und dann noch ein 1A Duplex-Stempel von Kailua. Da freut sich jedes einzelne meiner verschiedenen Sammlerherzen!
So, jetzt wurde es doch länger als gedacht, aber ich hoffe ein paar Ideen vermittelt zu haben und vor allem den Mythos "Papiermüll" ins Reich der Fake-news verbannt zu haben.
Viele Grüße,
Peter
Natürlich kein Bedarfsbeleg, sondern für Sammler gemacht. Gleiches gilt übrigens auch für die meisten bis heute noch zu hohen Preisen gehandelten Zeppelinbriefe. ;-) Erstflug des französischen Kampfflugzeugs, umgangssprachlich gerne als "Düsenjäger" benannt, Mirage 2000. Abgestempelt mit einem ganz normalen Tagesstempel vom 10.März 1978 des Postamts auf dem französischen Testflugplatz der Armée de l'air (franz. Luftwaffe) in Istres und einem Cachet Stempel. In meinen Augen ganz gewiss kein "Papiermüll" und wer mich gut kennt weiß auch genau warum.
Gleich noch aus diesem Jahrzehnt, ein paar Jahre früher, ein ganz besonderer Erstflugbeleg den ich mal aus einer Tauschrundsendung fischte, den man so schnell auch nicht wieder findet:
Erster Luftpostflug vom provisorischen Flugplatz "Hooker's Point" (errichtet von der argentinischen Luftwaffe) bei Port Stanley auf den Falkland Inseln am 15.11.1972. Als Aufgabestempel ein Sonderstempel zu dem Ereignis sowie verschiedene Cachet- und Flugbegeleit-/bestätigungsstempel, rückseitig mit Ankunftstempel Buenos Aires. Die Frage, ob es sich hierbei um "Papiermüll" handelt stellt sich mir nicht.
Horrido und viele Grüße,
Peter



Wir haben hier einen Premier vol postal spécial de la Swissair Suisse - Amérique du Sud 10 octobre 1947, einen "Posterstflug" der Swissair von der Schweiz nach Südamerika. Genauer von Genf nach Buenos Aires. Es ist, wie oft bei solchen Belegen, ein vom Absender gemachter Beleg, adressiert hier an eine nicht existente Fantasieadresse, so dass er wieder an den Absender zurück geschickt wird, wie hier belegt durch die vielen Stempel, auch geschehen. Mich als "Stempelfreak" begeistert der Beleg alleine schon durch die schönen Stempel!
Es hat auch funktioniert, die Anschrift Place Neuve 10 in Buenos Aires gab es nicht und der Name des Adressaten ist wahrscheinlich von der Ehefrau des Absenders. Der Brief wurde auch mit diesem Sonderflug am 10.10.1947 befördert, kam am 14.10. in Buenos Aires an (vielleicht früher, ein Stempel auf der Vorderseite ist nicht lesbar). Dort fand man die Adresse nicht, siehe Gummistempel DIRECCION DEFICIENTE (Adresse unbekannt/unvollständig) und sandte ihn zurück, wieder in Genf am 24.11.1947 angekommen und noch am selben Tag beim zuständigen Postamt des Absenders (Chene-Bougeries) eingegangen.
Den Spaß hat sich der wahrscheinlich begeisterte Luftpostsammler einiges kosten lassen, es sind immerhin für 5 Fr 80 Marken verklebt. Damals, 1947, sicher ein ordentlicher Betrag.
Viele Grüße,
Peter
Vom Erstflug FAM 18 gibt es auch einen Brief nach Österreich - damals im Jahr 1939 Teil des Deutschen Reichs.
Die Flugpostmarke zu 30 Cent wurde extra für diesen Erstflug herausgegeben.
Grüße
Reini46
Erster offizieller Luftpostflug von Australien nach Papua-Neuguinea im Juni/Juli 1934 mit der legendären Avro 10 Trimotor "Faith in Australia", geflogen von dem nicht weniger bekannten Charles Ulm. Die Gesamtstrecke lief damals von Melbourne quer durch den gesamten autralischen Kontinent mit Zwischenlandungen in Sydney, Brisbane, Rockhampton, Townsville, Cairns, Port Moresby (Papua-Neuguinea) bis Lae an der Nordküste Papua-Neuguineas. Damals durchaus ein abenteuerliches Unternehmen.
Dieser Beleg flog ab Townsville mit bis Port Moresby und dann (für den Rückflug in Port Moresby mit Marken Papuas frankiert) über Cairns wieder nach Townsville. Alles schön mit Stempel dokumentiert wie wir hier auch auf der Rückseite sehen:
Dieser Beleg stammt nicht aus einer 1 Euro Kiste ;-) und dürfte dem "Papiermüll" auch davon geflogen sein.
Viele Grüße,
Peter
Dieser "First regular official flight" führte von Fort McMurray nach Fort Chipewyan. Wie schon der Cachet-Stempel vermuten lässt, befinden wir uns jetzt wirklich im "Wilden Westen". Fort Chipewyan (so benannt nach dem einst dort ansässigen indigenen Volk der Chipewyan) ist selbst heute noch nicht ganzjährig über Straßen zu erreichen. Wichtigstes Verkehrs- und Versorgungsmittel ist immer noch das Flugzeug mit Verbindungen von Edmonton und wie damals begonnen Fort McMurray. Die Fluzeuge die heute dort fliegen sehen auch immer noch ähnlich aus wie damals 1929. Auf dem Cachet-Stempel (der es übrigens war, dass mich dieser Beleg interessierte und ich ihn erwarb) treffen zwei Welten aufeinander, das damals hochmoderne und neue Beförderungsmittel Flugzeug (hier eine Fairchild FC-2W, wie übrigens auch auf der schönen kanadischen Luftpostmarke abgebildet) und als Anachronismus der "Indianerhäuptling" (tut nicht weh diesen Begriff zu benutzen ;-)) der stolz auf seinem Pferd sitzend dem Flugzeug nachzublicken scheint. Fragt sich nur wer damals der Anachronismus war?
Natürlich ein "gemachter" Beleg wie es solche aus Kanada auch sehr viele gibt, aber immerhin rückseitig mit Ankunftstempel von Fort Chipewyan:
Rechts oben sind die genauen Anweisungen für die Frankierung, hier etwas größer:
Dort sollten die Marken für den Hinflug, also Papua (Port Moresby) oder Neuguinea (Lae) angebracht werden, das waren für Australien zusammengerechnet 8 Pence (es gab auch Zubringerpost von Neuseeland für diesen Flug, dann musste hier auch noch die Postgebühr von Neuseeland bis Australien in neuseeländischen Marken verklebt werden).
Im Feld darunter (dort sind auch auf meinem Beleg die beiden Papua Marken angebracht) musste, wenn der Beleg mit dem Flug wieder zurückgehen sollte, bereits vom Absender in Marken von Papua oder Neuguinea die Postgebühr verklebt werden, zusammengerechnet ebenfalls wieder 8 Pence. Es wurde also in Port Moresby nichts mehr aufgeklebt, sondern nur der bereits fertig frankiert ankommende Brief abgestempelt.
Interessant ist bei diesem Flug, dass für den Hinflug die bis Papua geplante Post in Port Moresby ausgeladen und bearbeitet wurde. Retourbriefe, so wie meiner, sollten dann auf dem Rückflug von Lae, Neuguinea, bei der geplanten Zwischenlandung in Port Moresby wieder eingeladen werden. Zum Zeitpunkt der Ankunft in Port Moresby war aber schon eine Wetterverschlechterung abgekündigt die den Anflug auf Port Moresby nicht ermöglichen wurde. Commander Ulm beschloß daher von Lae aus direkt nach Cairns in Australien zu fliegen und nicht mehr nach Port Moresby zurückzukehren. Um aber die Rückpost nicht zurückzulassen wurde diese gleich wieder, nach Abstempelung, ins Flugzeug geladen und flog auch noch mit bis Lae. Blieb dort aber im Flugzeug und wurde nicht postalisch bearbeitet. Ein interessantes Detail, welches ich erst jetzt durch weitere Recherche, dank deiner Frage, entdeckt hatte! ;-)
Viele Grüße,
Peter
Eingeschriebener Luftpostbrief mit 82g von Zürich nach Buenos Aires / Argentinien, Aufgabe am 2. November 1945.
Frankatur gemäss gültiger Gebührenverordnung vom 1.10.1924 – 29.02.1948 (Briefgebühr), 1.07.1930 – 29.02.1948 (Einschreibegebühr) und 1.01.1940 – 31.03.1946 (Luftpostgebühr):
Brief Ausland bis 20g …………………………………..= 30 Rappen
4x weitere 20g à 20 Rappen …………………………..= 80 Rappen
Einschreiben Ausland ………………………………….= 30 Rappen
Luftpostgebühr Argentinien 17x 5g à 150 Rappen = 2550 Rappen, ergibt 2690 Rappen (26.90 Franken)
Grüsse aus der Schweiz
Jacques

Esrtflug Wien - Bagdad vom 13.4.1930 - rückseitig Ankunftsstempel Bagdad 16.4.1930.
Die Imperial Airways haben die Linie London - Delhi über Wien wieder aufgenommen.
Grüsse
Reini46