Briefmarken Atteste

Thema:

Taxcards aus der Schweiz

Stefan Am: 03.05.2025 09:59:21 Gelesen: 1167 # 1
Als ich die Dinger vorgestern das erste Mal sah, hatte nicht nur ich mich gefragt, was eine "Taxcard" sein soll. Auf der Vorderseite sind Abbildungen von Schweizer Briefmarken aus den 1980-er Jahren zu erkennen, rückseitig u.a. das Logo der Schweizer Post (PTT) sowie dem dreisprachig gehaltenen Hinweis, dass gebrauchte Karten an Postschaltern zurückgegeben werden konnten. Es war kein Chip oder Magnetstreifen (wie auf einer EC-Karte) o.ä. ersichtlich, was auf eine Telefonkarte verwiesen hätte. Doch was sind das nun für Kärtchen aus Plastik und für welchen Zweck wurden diese von der Post zu 10,00 Franken das Stück angeboten? Wikipedia liefert die Erklärung: Eine Telefonkarte, Telefonwertkarte oder eine Taxcard ist eine Karte, mit der man an dafür geeigneten öffentlichen Telefonen telefonieren konnte. Diese befanden sich meist in Telefonzellen. [...] Schweiz Die schweizerische Bezeichnung für Telefonkarte ist Taxcard. Sie wurde 1981 eingeführt. Die gewöhnlichen Karten wurden von der Swisscom vertrieben. 1996 lösten die Chipkarten das Vorgängersystem von Landis+Gyr ab. Die Taxcards der Standardserien gab es zu 5, 10 und 20 Schweizer Franken. Die Motive dieser drei Karten bildeten jeweils eine thematische Einheit.[3] 2019 wurde die letzte öffentliche Telefonkabine („Publifon“) abgebaut.[4] Noch gültige Taxcards konnten bis Ende Februar 2020 der Swisscom zugesandt werden, der Restbetrag wurde dann zurückerstattet.[5] Wieder etwas gelernt - in der Schweiz bezeichnete man die Telefonkarten (amtlich) als Taxcard. Die Schweizer Post verwendete die Vorderseite, um eine dreisprachig gehaltene Werbung über Briefmarken als Sammelobjekt zu platzieren. Gruß Stefan [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Telefonkarte
Nachtreter Am: 03.05.2025 17:28:29 Gelesen: 1123 # 2
@ Stefan [#1] Wenige Frama-Automaten in größeren Städten hatten auch einen Taxkarten-Leser, so dass man mit diesen Karten auch Automatenmarken (ATM) kaufen konnte - bis das Guthaben auf der Karte aufgebraucht war. Es funktionierte vergleichbar mit der Geldkarte bei den Sielaff-Geräte im Deutschland bzw. beim N24-Versuch mit Geldkarte im Raum Ravensburg - allerdings waren die Schweizer Karten nicht wieder aufladbar. Viele Grüße Nachtreter
SH-Sammler Am: 03.05.2025 17:37:48 Gelesen: 1117 # 3
@ Stefan [#1] Hallo Stefan, Du fragst Dich, wie diese Dinger funktionieren, ohne Chip, ohne Magnetstreifen… Nachstehend eine technische Abhandlung. Ich hoffe, dass ich das verständlich rüberbringen kann. Die Vorderseite der PVC-Karten wurden ganzflächig mit Aluminium bedampft. Die Alu-Schicht ist also sehr dünn, sie liegt im µ-Bereich (1/1000 mm). Danach konnte die Karte bedruckt werden mit farbiger Werbung, der Wertstufe der jeweiligen Landeswährung, alles was halt so gedruckt werden kann. NUR 1 STREIFEN von ca. 2-3mm Breite wurde über die Kartenlänge nicht bedruckt, die Aluminiumschicht lag also für die Weiterverarbeitung frei. Wo ist dieser Streifen nun? Du siehst den weissen Streifen auf der Vorderseite der Karte. Dieser Streifen besteht aus einer wärmeleitenden Schicht, welche als Paste aufgetragen wurde. Darunter befindet sich die dünne Aluminiumschicht. Nächster Schritt, einbringen der „Wertstufe“. In die Alu-Fläche wurde eine „holographische“ Gitterstruktur geprägt. Wir alle kennen die Kinegram-Sicherheitsmerkmale (die Aluminiumbildchen) auf den EUROS, den Franken, VISA Stickern, Ausweisen usw. Diese Sicherheitsmerkmale weisen verschiedene Gitterstrukturen auf. Allerdings „sehen“ wir kein Gitter, es sind Nanostrukturen mit 600 bis 850 (und mehr} Linien pro Millimeter. Ein gebündelter Lichtstrahl (Sonne, Laser) hingegen wird beim Auftreffen auf diese Struktur „abgelenkt“, das Bild resp die Struktur leuchtet auf. Man spricht hier von Beugung, also nicht verbogen, sondern Licht wird gebeugt. Im Telefonapparat wurde ein Lichtstrahl aus einer UV-Diode von der Kartenrückseite her durch das PVC auf die Gitterstruktur geleitet und damit zu einer Empfangsdiode „gebeugt“. Der Telefonapparat erkannte somit das Signal, nun konnte man „1 Einheit lang“ telefonieren. Eine Einheit (in der Schweiz damals 10 Rappen) konnte bei einem Ferngespräch nach China vielleicht nur 4-5 Sekunden dauern, im Nahbereich aber je nach Telefonfirma vielleicht 1 Minute. Während dem Telefonieren wurde mittels einer geheizten Sonde Einheit für Einheit durch die Wärmeleitpaste auf der Kartenvorderseite hindurch zerstört. Das dünne Aluminium wurde also Millimeter für Millimeter verbruzelt, war anschliesend vom Apparat nicht mehr lesbar. Karten mit 5 Franken Wert hatten eine geprägte Struktur von ca. 40 mm Länge, beim 10 Franken Wert wurde die ganze Streifenlänge mit der Gitterstruktur geprägt. Und nun frohes Lesen und studieren wünscht SH-Sammler Hanspeter
Stefan Am: 04.05.2025 06:57:49 Gelesen: 1077 # 4
@ Nachtreter [#2] @ SH-Sammler [#3] Ich danke euch beiden für die Infos. :-) Gruß Stefan