Thema:
DDR DS Köpfe I und Pieck I im Michel DSK 2025 - Kritik von Carsten Burkhardt
Am: 28.04.2025 09:37:16
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# 1
Überarbeitung Köpfe I und Pieck I im Michel DSK 2025
Köpfe I (Seite 217-219)
Es wurden drei Papiervarianten katalogisiert:
Farbe
Transparenz
Oberfläche
UV
Papierdicke
s
bräunlich bis grau
transparent
leicht glasige Oberfläche
bläulich bis violettgrau
0,06-0,08
t
grau bis graugelblich bzw. weiß bis gelblichweiß
erste Auflagen durchscheinend
grau bis rosagelb
0,07-0,09
u
(gelblich)weiß
nicht durchscheinend
glatt
weißlich bis cremefarben
0,08-0,10
Die Einteilung entspricht in etwa dem Forschungsansatz aus den Jahren 2008-2009 mit den Papieren p1 bis p3, später modifiziert durch Paul mit den jetzt benutzten Kürzeln s bis u, welche auch im Köpfe-Handbuch 4. Auflage verwendet wurde.
Die Frage der Prüfbarkeit war Streitthema zwischen Jörg Schönherr BPP und Siegfried Paul BPP in den Jahren der Prüfaussetzung, bis ein Kompromiss in der Art gefunden wurde, dass auf eine Katalogisierung verzichtet wurde. Dieser Kompromiss kam durch ein Machtwort von BPP-Präsident Geigle zustande.
Es gab mehrere Argumente von Jörg Schönherr BPP gegen eine Papier-Unterscheidung:
1. fehlende scharfe Grenzen
2. große Unterschiede im Aussehen zwischen postfrischen und gewaschenen Marken, was die Transparenz betrifft
3. wenn die Transparenz und die Papierdicke als Kriterien herangezogen werden, ist die Prüfung auf Unterlage (Brief, PK-Ausschnitt etc.) nicht durchführbar.
Ich hatte mich seinerzeit der Argumentation von Jörg Schönherr BPP angeschlossen, weil ein wildes Durcheinander der Prüfergebnisse zu einem chaotischen Zustand führen wird, der dem Prüfgebiet weiteren Schaden zufügen kann. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass vor einer Änderung der Michel-Katalogisierung eine genaue Abstimmung der Prüfer erfolgen muss. Bekanntlich gibt es derzeit nur einen BPP-Prüfer für die Köpfe I (Dr. Karsten Ruscher). Heiko König BPP prüft nur ab DDR. In anderen Verbänden prüfen Henry Mayer (VP), Jörg Schönherr (VP) und Dr. Carsten Burkhardt (VPEX) diese Serie.
Wie ich gestern erfahren habe, waren sowohl Heiko König als auch Henry Mayer nicht informiert. Ich hatte im Clubjournal der ArGe DDR-Spezial gelesen, dass es 2024 ein Treffen der Fachgruppenleiter mit dem Vorstand gab, auf dem nicht näher erläuterte Beschlüsse gefasst worden sind. Ich war nicht anwesend, war auch nicht explizit eingeladen. Seit meiner Absetzung als Fachgruppenleiter und der Ernennung von Enrico Mann als meinem Nachfolger hat meines Wissens keinerlei Fachgruppenarbeit mehr stattgefunden. Eine Abstimmung durch den Vorstand der ArGe mit mir oder anderen ehemaligen Mitgliedern der Fachgruppe hat es nicht gegeben.
Formal juristisch ist sicher aus Sicht des Michels und des BPP alles korrekt abgelaufen. Die zuständige ArGe hat sich mit dem zuständigen BPP-Prüfer abgestimmt und einen Änderungsvorschlag (offensichtlich) durch den BPP-Vorstand genehmigt bekommen, der dann vom Michel akzeptiert wurde.
Welche Änderungen ergeben sich in der Praxis?
1. Alle Prüfungen ohne Papier-Kennzeichnung sind hinfällig. Alles muss theoretisch neu geprüft werden. Hat das einen praktischen Nutzen? Ergibt sich für die Prüfkunden ein spürbarer Nutzen?
Eine sichere Trennung zwischen s (p1) und t (p2) ist meiner Meinung nach fast immer möglich. Die UV-Farbe ist hilfreich, aber nicht 100%ig sicher. Die Marken der ersten Auflage sind in den Sammlungen massenhaft vorhanden, bringen also preislich keinerlei Steigerung. Das ist auch so umgesetzt worden. Die Michel-Notierungen sind fast immer identisch. Ausnahmen: 25 Pf (s kostet 8,00 postfrisch, t nur 2,00), 60 Pf (20,00 bzw 12,00 bei Farbe a, 20,00 bzw. 10,00 bei Farbe b).
2. Ein weiterer Übergang besteht zwischen t und u. Diese Grenze ist sehr fließend. Während der Forschung 2008-2009 ergaben sich selbst an losen Marken große Probleme der Abgrenzung. Ob die angegebenen UV-Unterschiede stichhaltig sind, wird die Prüfpraxis zeigen. Gerade im Grenzbereich gibt es bei einigen Wertstufen eine große Zahl von Auflagen mit sehr ähnlich aussehenden und quarzenden Papieren innerhalb einer Farbvariante. Und was bei der einen Wertstufe scheinbar funktioniert, sieht bei der nächsten Wertstufe wieder ganz anders aus.
Allerdings sind gerade hier die Seltenheiten der Serie zu finden, was zu erheblichen Probleme in der Prüfpraxis führen kann, wenn man sich nicht (vorher!!) genau abstimmt. Preislich gibt es minimale Unterschiede von 1-2 Euro bei mehreren Werten. Größer ist der Preisunterschied bei 218 d (postfrisch 150,00 in t, 80,00 in u), ähnlich bei 223 a (80,00 bzw. 60,00) und 226 b (40,00 bzw. 25,00) und 227 a (4,00 bzw. 10,00). Aufgrund der Seltenheit mancher postfrischer Varianten und der wenigen bisher geprüften Marken auf dem Markt sind hier Preisexzesse auf Auktionen und vielleicht auch wieder massenhafte Fehleinordnungen wie damals bei 214 d nicht auszuschließen. Ich rate zur Vorsicht auf Seiten der Käufer. Lasst euch nicht treiben und bleibt kritisch. Zahlt nicht Hunderte oder gar Tausende für einige neue Varianten, weil sie mal im Katalog stehen!
3. Kritisch ist anzumerken, dass die Überarbeitung nicht zu einer Aufnahme der sicher abgrenzbaren bekannten neuen Farbvarianten geführt hat. Eine Wiederaufnahme von 214d wäre wünschenswert gewesen mit Beschreibung der silbrig glänzenden Oberfläche im Gegensatz zur stumpfen von 214c, 216b in t, 217d in t, 221 b und c in t und u.
4. Bei Durchsicht meiner Ausarbeitungen aus dem Jahr 2009 fehlen im Katalog : 215 bs, 215 ct, 217 ct, 218 bs.
Pieck I (Seite 234-235)
Die Typen-Katalogisierung ist ein mehrfach durch die Fachgruppe beschlossener und vorgetragener Wunsch gewesen, der seit Jahren Konsens ist.
Kritikwürdig ist die Umsetzung im Katalog:
251 wieder in zwei Farben. Dabei ist durch meine Forschungsergebnisse mehrfach nachgewiesen, dass es keine scharfe Grenze gibt, sondern alles fließend ineinander übergeht. Selbst wenn man sich Grenzen auf der Karte zurechtsteckt, kann man darauf warten, dass es uneinheitliche Prüfergebnisse geben wird innerhalb eines Prüfers je nach Tagesform. Aber das sind die Sammler ja gewohnt. Es wird also nichts schlimmer als bisher.
Ansonsten stehen viele Spalten ohne Preise da: 251 a II, 252 a II, 252 b I, 253 ba I, 253 bc I, alle -,-. Da kann man gespannt sein.
Dr, Carsten Burkhardt VPEX
Cottbus, den 25.04.2025
Am: 29.04.2025 16:01:44
Gelesen: 1393
# 2
Zur Verdeutlichung der Problematik habe ich mal eine Tüte 212 b ausgeschüttet und von hinten fotografiert.
Laut neuem Michel 212bu.
Farbabgrenzung hier: schwarz in Tönen. Oder andersherum: Alles, was nicht grau ist. Die grauen Töne sind a, die grünliche Variante ist c (Die Grenzmarke ist unter Mayer/Schönherr/Burkhardt abgestimmt, damit die Prüfung einheitlich ist)
Die Marken stammen aus einem 15 Jahre zurück liegenden Einkauf bei Felzmann, das Material kam von Udo Kovaczek aus aufgetrennten Bogenresten in 100-er Tüten. Dorther kam der Tipp. Habe ich vorhin im Schrank gefunden.
Die Transparenz geht von ziemlich stark durchscheinend (eigentlich Papier t) bis völlig undurchscheinend (Papier u).
Wie sollen die geprüft werden? Im Michel steht nur bu, aber jeder aufmerksame Betrachter sieht ein wildes Durcheinander von Papieren.
Gestempelt ist das noch etwas komplizierter, aber ich wollte mal postfrische zeigen.
Ich kann noch viele andere Beispiele bringen.
Viele Grüße
Carsten
Die Marken stammen aus einem 15 Jahre zurück liegenden Einkauf bei Felzmann, das Material kam von Udo Kovaczek aus aufgetrennten Bogenresten in 100-er Tüten. Dorther kam der Tipp. Habe ich vorhin im Schrank gefunden.
Die Transparenz geht von ziemlich stark durchscheinend (eigentlich Papier t) bis völlig undurchscheinend (Papier u).
Wie sollen die geprüft werden? Im Michel steht nur bu, aber jeder aufmerksame Betrachter sieht ein wildes Durcheinander von Papieren.
Gestempelt ist das noch etwas komplizierter, aber ich wollte mal postfrische zeigen.
Ich kann noch viele andere Beispiele bringen.
Viele Grüße
Carsten