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Thema:

Stempel, echt oder manipuliert?

spain01 Am: 04.03.2025 02:45:47 Gelesen: 1822 # 1
Hallo Allerseits, bezüglich Stempel oute ich mich als wirklichen Nichtkenner, wenn es darum geht, einen Stempel, besonders aus dem kritischen Bereich der Infla-Marken, Danzig, SBZ, All. Bes. etc einzuschätzen. Wird auch nie mein Gebiet werden, da es dafür ja langjährige Erfahrung braucht (meine Spezialgebiete sind andere). Dennoch verfolge ich sehr gerne und aufmerksam die Fragen/Antworten besonders zu fraglichen Abstempelungen aus diesen besonders fälschungsgefährteden Bereichen. Eins ist ja klar... Wenn das Datum nicht dem Gültigkeitszeitraum entspricht, dann liegt eine Falschstempelung/Fälschung vor. Bei einem aktuellen Thema zu Danzig-Stempel wird die Echtheit von einem unserer Profis auch durch die Stempelfarbe angezweifelt. Chapeau, wer dies so erkennen kann, um Rückschlüsse auf die zeitgerechte Verwendung/Echtheit eines Stempels einschätzen kann!!! Da wurden auch Teilabschläge mit sehr viel Detailreichtum diskutiert. Mir stellen sich nun mehrere, meiner Meinung nach logische Verständnisfragen... Wenn in einem Postamt (DR, Danzig, nach ´45...) Stempelfarbe wegen Verbrauch nachbestellt wird, erhält es die selbe Mischung wie vorher? Oder kann es nicht vorkommen, dass durch den Zulieferer, der ja auch wechseln kann, die Mischung der Bestandteile der Stempelfarbe, z. B. durch eine andere Mischung, weil nicht exakt die selben Bestandteile ev. durch Lieferengpässe (es war ja wirtschaftlich jeweils eine schwere Zeit), etwas verändert werden konnte/musste? Dies könnte dann doch eine - meist nur für einen Kenner sichtbare - Änderung der Stempelfarbe führen, was nicht ausschließt, dass sie im regulären Verwendungszeitraum dennoch ordnungsgemäß benutzt wurde, die damit gestempelten Marken somit als echt gestempelt gelten. Und es besteht ja auch die Möglichkeit, dass Marken nach Ende ihrer Gültigkeit mit einem echten, aber rückdatierten Stempel und mit passender Stempelfarbe gestempelt wurden. Wenn nun nicht durch (Abnutzungs)Veränderungen am Stempel eine verfälschte Abstempelung erkennbar ist, so würden solche tatsächlichen Falschstempelungen nicht erkannt und vermutlich als echt gestempelt geprüft werden. Oder unterliege ich einem Gedankenfehler? Dass "moderne" Stempelfälschungen, damit meine ich hier expliziert die Stempelfarbe, von Profis erkannt werden können, finde ich klasse und zeugt von dem hervorragenden Kenntnisstand der Spezialisten hier. Gruß Michael
Richard Am: 06.03.2025 12:36:14 Gelesen: 1671 # 2
@ spain01 [#1] Hallo Michael, meine Empfehlung ist, JEDES der Gebiete einzeln (in einem gesonderten Thema) und anhand ganz praktischer Beispiele (Stempel zeigen) unter die philatelistische Lupe zu nehmen. Grüsse aus dem sonnigen Allgäu, Richard
bernhard Am: 06.03.2025 18:24:43 Gelesen: 1582 # 3
@ Richard [#2] Ich finde das passt so Richard, auch mit dem Zeitraum Inflation bis Nachkriegsdeutschland. Hier geht es ja um etwas Grundsätzliches. Und jeder kann ja zu seinem Gebiet eine Antwort geben. @ spain01 [#1] Hallo Michael, ein sehr gutes Thema. Ich wundere mich da auch immer wieder über verschiedene Aussagen zu den Stempelfarben, schmunzele aber auch gleichzeitig darüber. Offenbar hast du mit deinen direkten und berechtigten Fragen den Spezialisten etwas Angst eingejagt, da es bis jetzt noch keine Antwort darauf gab. Sollte sich hier keiner der angesprochenen Spezialisten melden, werde ich demnächst versuchen deine Fragen zu beantworten. Natürlich sollte eine abweichende Stempelfarbe auf jeden Fall erst mal ein Alarmzeichen sein! Es ist verdächtig, kann aber verschiedene Gründe haben. Viele Grüße Bernhard
spain01 Am: 06.03.2025 22:17:25 Gelesen: 1532 # 4
@ bernhard [#3] Danke für deine Unterstützung bei diesem Thema. Bei so vielen Themen zu echten oder falschen Stempeln kommen meist sehr zeitnah qualitativ hochwertige Meinungen, welche die Fachkenntnis vieler Mitglieder hier zeigt. Aber hier verwundert es mich wirklich, dass sich von allen Stempelprofis bisher keiner geäußert hat. Meine Fragen/Anmerkungen sind grundsätzlicher Natur und meiner Meinung nach auch logisch begründet, daher verstehe ich dein Posting, Richard, wirklich nicht. Es sind doch grundsätzliche Fragen, die ich gestellt habe. Und wenn ich mal die Intensität meiner Frage nach möglicherweise mit echten Stempeln und echter Stempelfarbe rückdatierten Marken (wohl besonders bei Infla interessant) aufgreife, dann bleibt doch wirklich die Frage, ob alle als (bisher) echt gestempelt und geprüfte Marken wirklich zeitgerecht gestempelt worden sind. Habe nichts dagegen, in ein "Wespennest" zu stoßen, um dies in Frage zu stellen. Ist jemand in der Lage, zu 100% auszuschließen, dass so etwas nicht vorgekommen sein könnte? Bei den SS-Marken (DR MiNr. 909/910) ist eine echte Beförderung nicht nachgewiesen. Ok, Stand der aktuellen Forschung + alle Belege sind falsch, weil nachträglich gestempelt. Möchte hierzu auch nicht diskutieren, ob eine Beförderung doch möglich gewesen wäre (das ist ein anderes Thema). Aber die Stempelung, zurück besonders zu Infla, Danzig, und nach ´45, ist doch möglich und wohl auch unwiderlegbar. Man braucht doch nur einen "Postler", den man gut kennt... Für mich würde das bedeuten, dass besonders Marken in "Übergangszeiten", also besonders Ende Infl und All. Bes. durchaus "manipuliert" werden k(o/ö)nnten und damit ein wirklicher Echtheitsnachweis sachlich in Frage gestellt werden kann. Gibt es unter den Prüfern die Meinung "vermutlich echt, wird also geprüft"? Im Gegensatz zu so vielen Meinungen, dass "echt" nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden kann? Kann mir durchaus vorstellen, dass dieser Gedanke vielen Stempelsammlern nicht passt, aber ist er wirklich absurd? Von meiner Logik aus betrachtet, ist das alles möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich. Frei nach dem Motto: unmöglich gibt es nicht. Ganz super wäre es, wenn sich auch die Prüfer hier unter unseren Mitgliedern, die besonders die von mir angesprochenen zeitlichen Bereiche prüfen (gerne auch aus anderen Ländern mit "Übergangsproblemen"), dazu äußern würden. Das gäbe dem Ganzen eine zusätzliche Qualität. Abschließend nochmal: Ich behaupte von mir, kaum einen echten von einem falschen Stempel erkennen zu können. Aber jeder von uns hat seine Fachgebiete. Mir geht es einfach nur darum, mal diese Problematik im Bereich Stempelungen zu erörtern und erhoffe mir nun um vielfältige, fachlich fundierte Meinungen dazu, denn davon lebt ja unser Forum! Gruß Michael
bovi11 Am: 06.03.2025 22:23:59 Gelesen: 1528 # 5
@ spain01 [#4] "Aber hier verwundert es mich wirklich, dass sich von allen Stempelprofis bisher keiner geäußert hat." Wie Du richtig sagst, sind das grundsätzliche Stempelfragen und eine Aufteilung nach Gebieten schlicht unsinnig. Das Thema ist durch die Auslagerung schon jetzt zerrissen.
spain01 Am: 06.03.2025 22:59:26 Gelesen: 1517 # 6
@ bovi11 [#5] Warum? Es geht nur um grundsätzliches, und das betrifft doch wohl alle angesprochene Gebiete.
bovi11 Am: 06.03.2025 23:10:47 Gelesen: 1514 # 7
@ spain01 [#6] Richtig, es geht um Grundsätzliches. Das steht dem entgegen: [#2]
bernhard Am: 09.03.2025 14:38:43 Gelesen: 1286 # 8
@ spain01 [#1] Hallo Michael, vielleicht beantwortet dies zumindest einen Teil deiner Fragen: Stempelfarben und Stempelfärbegeräte In den Verkehrsämtern standen für amtliche Stempel verschiedene Stempelkissen zur Verfügung: • Für Metallstempel: Stempelkissen mit ölhaltiger Stempelfarbe. • Für Gummistempel: Stempelkissen mit Anilinfarben. Für den allgemeinen Bürobedarf: Einfache Stempelkissen, die häufig genutzt wurden, um Schreibarbeit zu reduzieren. Tinte für den Schreibbedarf. Je nach Funktion und Größe der Ämter kamen Stempelfarben in unterschiedlichen Varianten zum Einsatz. Dies betraf sowohl die Farben, als auch den Einsatzzweck (Handstempel, Maschinenstempel …). Stempelfarben für Metallstempel Die Stempelfarbe für Metallstempel musste bestimmte Anforderungen erfüllen. Saubere und klare Abdrucke waren wichtig, Unauslöschliche Farben verhinderten die Wiederverwendung von Postwertzeichen und andere Manipulationen. Die ölhaltige Farbe griff das Metall nicht an. Das Reichspostamt bzw. das Reichspostzentralamt (später andere Institutionen) testeten die Stempelfarben sorgfältig und ließen nur bestimmte Lieferfirmen zu. Die chemische Zusammensetzung der Farben war so abgestimmt, dass auch Mischungen verschiedener Hersteller problemlos funktionierten. Was in Notzeiten so alles anders sein konnte, überlasse ich mal deiner Fantasie. Bei Fragen melde dich einfach. Viele Grüße Bernhard