Briefmarken Atteste

Thema:

Bund Farbverwischungen

spain01 Am: 28.02.2025 01:04:51 Gelesen: 2975 # 1
Hallo Allerseits, bevor diese und hoffentlich weitere gezeigte Marken unter "Druckzufälligkeiten" untergehen, habe ich ein neues Thema aufgemacht. Ich möchte hier zwei Marken zeigen, die sicherlich nach Definition nur Druckzufälligkeiten sind, aber so im Druckprozess wohl nie hätten ausgegeben werden dürfen. Bei beiden Marken ist eine sehr auffällige Farbverwischung erkennbar. Zunächst die Bund MiNr. 1248: Diese sehr starke Farbverwischung im rechten oberen Randbereich hätte doch eigentlich von der Qualitätskontrolle aussortiert werden müssen, oder? Der Stempel geht über den entsprechenden Bereich und die Fluoreszenz ist, so sehe ich das unter UV-Licht, nicht beeinträchtigt. Heißt, die Marke mit Farbverwischung wurde ganz normal verkauft (Post oder Versandstelle). Nun die Bund MiNr. 2740: Auch hier ist die Farbe vom linken Markenrand nach innen weggewischt. Drucktechnisch dürfte das doch bei einem normalen Druckprozess (Rastertief- bzw Offsetdruck) nicht vorkommen. Und wenn dann doch und dies in den Verkehr kommt, dann wäre das doch eher die Ausnahme und somit etwas selten. Wäre es dann nicht ein anzuerkennender Druck-(nicht Platten-)Fehler? Wobei es sich, um möglichst alle Fakten zu akzeptieren, um eventuelle Einzelmerkmale handeln könnte, die kaum ein zweites Mal auftauchen? Bin gespannt auf weitere Belege und besonders auf Infos unserer Druckspezialisten, die solche Erscheinungen sicherlich präzisieren können. Gruß Michael
Ben 11 Am: 28.02.2025 09:15:39 Gelesen: 2933 # 2
@ spain01 [#1] Guten Morgen Michael, bei beiden Marken zeigt die Beschädigung nicht in Produktionsrichtung, kann also nicht dort entstanden sein, meine ich. VG, Ben.
opti53 Am: 28.02.2025 10:20:34 Gelesen: 2913 # 3
Hallo, ich habe diese Erscheinungen auch schon öfter gesehen. Inzwischen bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass es sich um mechanischen Abrieb bei der Beförderung handelt. Offenbar sind die Materialstrukturen insbesondere bei selbstklebenden Marken für diese Art der Beschädigung anfällig. Bei nassklebenden Marken sieht man eher Einrisse. Viele Grüße Thomas
Stefan Am: 28.02.2025 10:34:11 Gelesen: 2908 # 4
@ spain01 [#1] Auch hier ist die Farbe vom linken Markenrand nach innen weggewischt. Hierbei handelt es sich um Gummiabrieb von der Briefsortieranlage im Briefzentrum der DPAG. Ich kenne dieses Phänomen auch von Sortieranlagen von Postmitbewerbern. Entweder ist der Schlitz zur Zuführung zu schmal eingestellt (wird von Rädern aus Plastik zusammengedrückt) oder an den Laufbändern, wo die Sendung hochkant stehend mit hoher Geschwindigkeit durch die Anlage Richtung Sortierfächer läuft, ist an einzelnen Stellen auch sehr schmal eingestellt um die Sendung kontinuierlich in gleicher Position halten zu können bis diese am Zielsortierfach ankommt. Journalist hatte dieser Tage in [1] das Foto einer Stempelmaschine von Klüssendorf aus einem Briefzentrum der DPAG gezeigt. M.W. waren solche Stempelmaschinen zum Schluss den eigentlichen Sortieranlagen vorgeschaltet bzw. darin integriert (Stempelung und anschließende Sortierung in einem Durchgang). Auf dem Foto lässt sich der Schlitz erkennen, wo jede Sendung eingeführt werden musste bzw. automatisiert einzeln eingezogen wurde. Gruß Stefan [1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=360890
spain01 Am: 28.02.2025 13:17:07 Gelesen: 2876 # 5
Hallo Allerseits, danke für die Statements. Aus rationaler Überlegung bleibe ich jedoch etwas skeptisch: - die Bund MiNr. 1248 wurde am 3.10.85 gestempelt, also lange bevor die gezeigte Maschine zum Einsatz kam. Würde es sich durch einen Abrieb beim Einzug eines Briefes in eine Stempelanlage handeln, müsste dann die Erscheinung nicht am linken Rand der Marke entstehen? Die Marke wurde senkrecht stehend gestempelt. - bei der Bund MiNr. 2740 ist kein Farbabrieb sondern eine Farbverwischung erkennbar. Somit müsste die Farbe noch feucht gewesen sein und das ist doch nur beim eigentlichen Druckvorgang möglich. In beiden Fällen erscheint die Papierstruktur unbeschädigt zu sein. Gruß Michael
Ben 11 Am: 28.02.2025 15:18:33 Gelesen: 2850 # 6
@ spain01 [#5] bei der Bund MiNr. 2740 ist kein Farbabrieb sondern eine Farbverwischung erkennbar. Somit müsste die Farbe noch feucht gewesen sein und das ist doch nur beim eigentlichen Druckvorgang möglich... Die gezeigte Marke hat die Nr. 2755 und ist eine selbstklebenden Marke, die auf Folienstreifen aus Rollen hergestellt wurde. In der Bucht gibt es noch einzelne Fünferstreifen zu erwerben. Diese Streifen zeigen, dass die Marke aufrecht stehend gedruckt wurde. Es ist somit nicht plausibel erklärbar, wie eine "Farbverwischung" quer zur Produktionsrichtung auf der Papierbahn entstehen könnte. die Bund MiNr. 1248 wurde am 3.10.85 gestempelt, also lange bevor die gezeigte Maschine zum Einsatz kam. Würde es sich durch einen Abrieb beim Einzug eines Briefes in eine Stempelanlage handeln, müsste dann die Erscheinung nicht am linken Rand der Marke entstehen? Die Marke wurde senkrecht stehend gestempelt. Diese Marke wurde nach meiner Meinung liegend gedruckt, wenn man davon ausgeht, dass die Bogennummern auf dem Schalterbogen seitlich aufgetragen wurden. Auch hier würde die Beschädigung quer zur Druckrichtung liegen, und damit nicht in Laufrichtung der Papierbahn zeigen. Der aufgezeigte Zusammenhang zwischen der Beschädigung, gezeigtem Stempel und der gezeigten Stempelmaschine ist auch nicht zwingend, da es 1985 sicher auch Sortieranlagen gab ;). Gleichwohl ist das Aussehen der Beschädigung schon etwas speziell. Nimm Dir bitte mal ein Mikroskop und verwende eine seitliche Lichtquelle, so dass die Papierstruktur sichtbar wird. Ich denke, hier liegt eine mechanische Beanspruchung vor. In beiden Fällen erfolgte die Beschädigung nach meiner Meinung nicht in der Druckmaschine und konnte somit auch nicht von der Qualitätskontrolle erkannt werden. Viele Grüße Ben.
Journalist Am: 28.02.2025 17:27:34 Gelesen: 2814 # 7
@ spain01 [#1] Hallo Michael, wie auch schon einige andere vor mir bezüglich der selbstklebenden Marken vermutet haben, handelt es sich hier mit großer Wahrscheinlichkeit um eine mechanische Beschädigung der Marke. Dies liegt daran, das heute bis zu 40.000 Sendungen je Stunde durch die Stempel- und Sortiermaschinen gejagt werden, je nach eventueller Unebenheit des Umschlags oder anderer Gründe führt das dann zu Anschabungen, leicht umgeknickte Ecken oder bei Postkarten oft zu beobachten, angehobelte Postkarten, bei denen das Papier leicht aufgespaltet wurde. Bei der oberen Marke, der 60 Pfennig sieht es auch eher so aus, das diese Marke vor dem Aufkleben schon leicht beschädigt war, es dürfte daher in beiden Fällen nichts besonderes sein. Dies lässt sich hier bestimmt mit einer guten Lupe mit Beleuchtung schon erkennen, das hier rechts oben die Papieroberfläche beschädigt war / wurde bevor die Marke zur Frankatur genutzt wurde. Viele Grüße Jürgen
Koban Am: 28.02.2025 19:38:20 Gelesen: 2790 # 8
Vor mehreren Jahren wurde die Geschwindigkeit des Brieftransportes innerhalb der Sortieranlagen erhöht. Um ein durchdrehen der schneller laufenden Transporträder zu vermeiden, wurde deren Anpressdruck erhöht. Seitdem sind derartige Beschädigungen schon fast zum Normalfall geworden. Gruß, Koban
spain01 Am: 28.02.2025 20:55:44 Gelesen: 2767 # 9
@ Koban [#8] Das Stempeldatum auf der Bund MiNr. 1248 ist aber der 3.10.85.
Dieter 66 Am: 28.02.2025 21:59:15 Gelesen: 2752 # 10
@ spain01 [#9] @ Journalist [#7] Hallo und guten Abend. Beim Offsetdruckverfahren ist es ein bekanntes Druckproblem. In der Drucksprache nennt man dieses Phänomen „Abschmieren“. Es kommt dadurch zustande, dass beim Druckvorgang der Druckbogen oder die Bahn mit einem Maschinenteil in Berührung kommt. Die frische Farbe verschmiert, weil sie noch nicht trocken ist. Das kann bei einer Sackbildung der Bahn oder bei einem Bahnriss vorkommen. Dieses konnte ich auch selbst in einer Druckerei beobachten in der ich als Techniker tätig war und es kam nicht selten vor, dass so was übersehen wurde. Zumindest im Illustrationsdruck. Der Scann der Briefmarke zeigt meiner Meinung nach eindeutig ein Abschmieren. Schönen Gruß Dieter.
Koban Am: 28.02.2025 22:06:24 Gelesen: 2750 # 11
@ spain01 [#9] Und? Sortieranlagen gab es auch schon 1985. Beschädigungen dieser Art waren damals aber eine eher seltene Ausnahme. Das Argument mit der Stempelstellung zieht übrigens nicht, da jeder Brief ja erstmal maschinell in die Position gebracht werden musste, in der die Frankatur gestempelt/getroffen werden konnte. Genug Gelegenheiten, um derartige Quetschungen/Verschmierungen zu produzieren. Wobei anhand des Bildes natürlich nicht auszuschliessen ist, dass in diesem Fall eine andere Ursache vorliegen mag. Gruß, Koban
Stefan Am: 06.03.2025 20:46:55 Gelesen: 2599 # 12
@ spain01 [#5] bei der Bund MiNr. 2740 ist kein Farbabrieb sondern eine Farbverwischung erkennbar. Somit müsste die Farbe noch feucht gewesen sein und das ist doch nur beim eigentlichen Druckvorgang möglich. Ergänzend zu Beitrag [#4]: auf der Suche nach etwas zu einem ganz anderen Thema fiel mir der Flyer der LVZ Post Leipzig mit Stand vom 01.03.2012 in die Hände: Eines der Fotos zeigt eine Detailaufnahme einer Briefsortieranlage - m.E. Modell Criterion des Herstellers Böw, Bell & Howell (BBH), welche ab 2007 vom Vorgänger PIN Leipzig und anschließend von der LVZ Post (seit 2008) verwendet wurde (wird): Dort kann man ganz gut die Führungsschiene sehen, welche eine C6-Sendung hochkant stehend durchläuft. Bei dem dünkelgrünen Etwas handelt es sich um ein gummibeschichtetes Band und die schwarzen Transportrollen bestehen ebenfalls aus Plastik. Wenn der Brief zu dick ist oder der Abstand zwischen dem durchflutschenden Brief und dem Gummiband zu schmal, sorgt dies für einen Abrieb auf dem Briefumschlagpapier oder der Briefmarke. Gruß Stefan
spain01 Am: 06.03.2025 21:13:57 Gelesen: 2590 # 13
@ Stefan [#12] Danke für deine Aufmerksamkeit, aber ich bleibe dabei, dass es keine (erkennbaren) Papierbeschädigungen bei beiden Marken gibt, die doch bei einem maschinellen Abrieb vorhanden sein müss(t)en, wodurch auch ein etwas dünneres Papier an der beschädigten Stelle vorhanden sein müsste. Und nochmals... Bei einem Abrieb muss ja Farbe fehlen, bei der Bund MiNr. 2755 handelt es sich doch wohl eindeutig um eine Farbverwischung. Dieter hat das ja in seinem Beitrag [#10] plausibel erklärt. Ich verstehe nur nicht, wieso das als tatsächliche Möglichkeit (bei beiden Marken) ignoriert wird. Wäre schön, wenn sich nach Dieter 66 noch ein Druckprofi dazu äußern könnte. Grundsätzliche Meinungen sind natürlich immer willkommen! Aber sachlich fundierte können hoffentlich das gezeigte Phänomen stichhaltig und nachvollziehbar aufklären. Bei wirklich allem und dankbaren Respekt der geposten Einschätzungen sollten meine gezeigten Ausschnitte in der Qualität (1200dpi) sein, um zu erkennen, dass es sich zumindest bei der MiNr. 2755 nicht um eine banale Abschürfung handeln kann. Denn dann wäre der betroffene Bereich recht farbfrei und würde nicht, wie gezeigt, wie eine Farbverwischung aussehen. Dennoch lasse ich mich gerne eines Besseren belehren. Gruß Michael
Dieter 66 Am: 06.03.2025 23:05:04 Gelesen: 2564 # 14
@ spain01 [#13] Hallo Michael, Ich bin zwar schon in Rente, aber man hat ja noch so seine Kontakte. Mein Bekannter war Drucker im Offsetdruck der AS in Ahrensburg, die es leider nicht mehr gibt und gerade abgerissen wird. Ist aber ein anderes Thema. Ich habe mit ihm gesprochen und das mit der Briefmarke geschildert. Er meinte ich sollte mal im Internet unter „Abmehlen“ suchen. Er hat mir das auch recht ausführlich erklärt. Hier der Link zum nachlesen [1]. Er meinte noch, dass es bei älteren Druckmaschinen eher vorkam, da diese noch nicht so hoch technologisiert waren. Ein Abwischen gibt es auch, ist seiner Meinung nach aber unwahrscheinlicher, da diese sich eher großflächig auswirkt. Schönen Gruß Dieter. [1] https://www.f-mp.de/expertenteam-papier/papierlexikon/abmehlen-kreiden
Ben 11 Am: 07.03.2025 10:17:54 Gelesen: 2532 # 15
@ Dieter 66 [#10] @ Dieter 66 [#14] In der Drucksprache nennt man dieses Phänomen „Abschmieren“.[ ] Er meinte ich sollte mal im Internet unter „Abmehlen“ suchen. Hier werden zwei Begriffe mit unterschiedlicher Bedeutung und gegensätzlicher Ursache genannt. Unter "Abschmieren" (oder auch Ablegen) versteht man die Übertragung der frischen Farbe auf die Rückseite des nachfolgenden Bogens. Ursache ist eine Farbe, bei der das Bindemittel zu langsam in das Papier eindringt oder die Saugfähigkeit des Papiers zu gering ist. Beim "Abmehlen" lässt sich die Farbe (also das Farbpigment) von der Papieroberfläche abwischen. Ursache ist hier, dass das Bindemittel zu schnell in das Papier eindringt oder das Papier zu saugfähig ist. Abmehlen entsteht durch mechanische Beanspruchung. @ spain01 [#13] Das "Abmehlen" wäre möglich und ließe sich leicht überprüfen: Nimm einen Radiergummi und ziehe ihn über eine andere Stelle der Marke, ohne großen Druck auszuüben. Mich stört die Richtung der "Verschmierung", die nicht in Produktionsrichtung der Markenbahn verläuft. Die "Verschmierung" kann demnach nicht in der Druckmaschine entstanden sein. Zeige mir bitte mal eine Aufnahme der Marke / der Stelle unter UV-Licht. Du kannst mir die Marke auch gern mal schicken, dann schaue ich sie mir mal genauer an. Meine email ist hinterlegt. Schreib mir bei Interesse und Du bekommst meine Adresse. Viele Grüße Ben.
spain01 Am: 07.03.2025 13:31:55 Gelesen: 2510 # 16
@ Ben 11 [#15] Hier beide Marken unter UV-Licht fotographiert: Gruß Michael
angim Am: 07.03.2025 14:27:41 Gelesen: 2498 # 17
@ spain01 [#16] Ich befürchte das war die Mühe nicht wert. Es wurde doch bereits eine plausible Erklärung für diese Erscheinung gegeben. Aber vielleicht stellt Herr Schlegel ja ein Fotoattest aus, wenn Du da mal die Marke vorlegst. Viele Grüße Thomas
Stefan Am: 07.03.2025 15:36:54 Gelesen: 2478 # 18
@ spain01 [#13]

Danke für deine Aufmerksamkeit, aber ich bleibe dabei, dass es keine (erkennbaren) Papierbeschädigungen bei beiden Marken gibt, die doch bei einem maschinellen Abrieb vorhanden sein müss(t)en, wodurch auch ein etwas dünneres Papier an der beschädigten Stelle vorhanden sein müsste.

Ich hatte nirgendwo in meinen Ausführungen in den Beiträgen [#4] und [#12] geschrieben, dass es es sich bei dem Abrieb um eine Schädigung des Briefmarkenpapiers handeln würde ;-)

Nachfolgend ein paar Beispiele als Briefstücke aus Kiloware (d.h. Briefmarken noch ungewaschen) - vorläufig ohne weitere Erklärung - zuerst eine Gesamtaufnahme als Scan zu 300 dpi:



Und anschließend als Einzelscans zu 600 dpi für eine bessere Vergrößerung bzw. Sichtbarkeit:





Was fällt an den fünf Einzelscans auf?

Gruß
Stefan
Ben 11 Am: 07.03.2025 15:58:03 Gelesen: 2468 # 19
@ Stefan [#18] Sehr gute Beispiele!