Thema:
(?) (1) Bund: Gibt es Ortsbriefe von Helgoland ? - bitte zeigen !
Am: 15.01.2025 21:53:37
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# 1
Gibt es Ortsbriefe von Helgoland?
Gibt es Ortsbriefe von Helgoland aus der Zeit vom 1.3.1952 bis zum 31.3.1956?
Kann jemand eventuell solche Briefe oder Postkarten (keine Anichtskarten) zeigen?
Am: 15.01.2025 22:01:00
Gelesen: 1012
# 2
@ bovi11 [#1]
Warum die Zeitbeschränkung? Die Frage wäre allgemein interessant.
Warum keine Ansichtskarten? Wurden AK innerhalb Helgolands verschickt?
Ich denke, auch diese wären sehr selten.
Weitere Frage: Galt Helgoland (gesamt) als Ort? Sprich waren Sendungen innerhalb Helgolands immer Ortszustellungen?
Viele Grüße,
Klemens
Am: 15.01.2025 22:12:15
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# 3
@ Frankenjogger [#2]
Die Insel Helgoland (seit der Übernahme von England am 1.3. 1952) war Zollausland.
Trotzdem galten für Helgoland im Wesentlichen die gleichen postalischen Regelungen wie für das Inland einschließlich der Notopferpflicht. Die Notopferpflicht endete am 31.3.1956.
Echte Ansichtskarten innerhalb Helgolands wären sicher selten aber sicherlich keine Bedarfspost.
Helgoland ist ein Ort. Jede Postsendung innerhalb der Insel wäre Ortspost.
Innerörtliche Sendungen von Paketen (Paketkarten) wären natürlich auch interessant. Pakete nach Deutschland waren als Auslandspakete mit Auslandspaketkarten zu versenden. Ich habe so eine Auslandspaketkarte von Helgoland nach Pinneberg.
Hier die Auslandspaketkarte:

Und hier ein philatelistischer Brief vom Ersttag von Helgoland nach Mülheim/Ruhr:
Ich suche solche Belege - möglichst Bedarfspost.

Und hier ein philatelistischer Brief vom Ersttag von Helgoland nach Mülheim/Ruhr:
Ich suche solche Belege - möglichst Bedarfspost.
Am: 16.01.2025 15:33:45
Gelesen: 852
# 4
@ bovi11 [#3]
Die Frage dürfte sich anhand der Geschichte des Wiederaufbaus Helgolands beantworten lassen. Gab es innerhalb der Laufzeit der Notopfermarken bereits eine intakte Siedlungsstruktur auf Helgoland, d.h. mit dort dauernd lebenden Menschen in sozialen Strukturen, die sich zu Familienanlässen geschrieben haben?
Die überschaubare Größe der Insel dürfte keine grosse Rolle spielen. Ich habe Bedarfspost, die innerhalb kleinster Dörfer im Münsterland gelaufen ist. In den Zeiten vor Email und Facebook wurden zu Familienanlässen (Taufe, Hochzeit, Beerdigungen etc.) noch fleissig Karten gedruckt. Viele wurden allerdings per Drucksache verschickt, und die brauchten keine Notopfermarke. Die Antwort kam aber dann meistens per persönlichem Ortsbrief mit Notopfermarke. Solche Briefe wurden auch gerne in den Familienunterlagen samt Umschlag aufgehoben. Wenn sich etwas finden lässt, dann am ehesten in Familienchroniken vor Ort.
Inlandspakete halte ich für sehr unwahrscheinlich. Hier wäre erst einmal zu erforschen, ob es überhaupt eine Paketzustellung im klassischen Sinn auf Helgoland gibt. Bekanntlich gibt es auf Helgoland keine Fahrzeuge, selbst Fahrradfahren geht nur mit Ausnahmegenehmigung. Pakete waren in den alten Bundespostzeiten ein recht teurer Spass, und die wurden nicht zum Spass verschickt.
"Übersee"-Pakete aus Helgoland in die Bundesrepublik sind nicht selten. Es gab genügend Kurgäste, die ihre schmutzige Wäsche nach Hause geschickt haben. Auch die Bestellung von Waren aus dem zollfreien Helgoland schien sich zu lohnen, obwohl die Mehrwertsteuer durch das Zollamt beim Empfänger eingehoben wurde. Die gezeigte Paketkarte dürfte von einem der "Pioniere" stammen, die am Wiederaufbau der Insel beteiligt waren. Darauf lässt die Absenderangabe "Arge-Baracke" schliessen.
Wegen der Zollbehandlung im Bundesgebiet wurden Auslandspaketkarten verwendet. Das gleiche Verfahren wurde auch im anderen innerdeutschen "Zollausland" angewandt, wie z.B. im Postamt Hamburg 14 (Freihafen).
Praktischerweise befindet sich die Helgoländer Post heute direkt im Zollamt, der Postkunde geht mit seinem Paket erst zum Zollschalter und dann nach der Freigabe zum Postschalter. [1]
Was interessant wäre, sind Briefsendungen mit entsprechenden grünen Zolletiketten aus Helgoland. Gibt es es so etwas oder war das Verschicken von Waren in Briefen aus Helgoland grundsätzlich nicht erlaubt?
[1] https://www.helgoland.de/adressen/post/
[2] Philipp Rachor, "Weltkriege und Touristen - Die bewegte Post- und Fernmeldegeschichte Helgolands", in: DAS ARCHIV 4/2018, Seiten: 62-67, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Post- und Telekommunikationsgeschichte e.V., Frankfurt am Main
Am: 16.01.2025 16:12:13
Gelesen: 814
# 5
@ drmoeller_neuss [#4]
Das mag ja alles zutreffen, beantwortet aber nicht die konkrete Frage.
Natürlich war es möglich, Post innerhalb des Ortes zu versenden, obwohl selbst die entlegendste Ecke von Helgoland fußläufig zu erreichen war und ist.
In der Arge Notopfer sind derartige Belege aber nicht bekannt.
Deshalb meine nach wie vor unbeantwortete Frage.
Am: 17.01.2025 10:43:32
Gelesen: 685
# 6
@ bovi11 [#5]
Natürlich war es möglich, Post innerhalb des Ortes zu versenden, obwohl selbst die entlegendste Ecke von Helgoland fußläufig zu erreichen war und ist.
In der Arge Notopfer sind derartige Belege aber nicht bekannt.
Als (zufälliger) Besitzer einen solchen Beleges würde ich mich aber auch nicht an die Arge Notopfer wenden. Aus Notopfer-Sicht wäre ein solcher Beleg auch nichts besonderes, es wurden in Helgoland keine besonderen Notopfer-Marken verwendet, und die Regeln entsprachen denen des übrigen Bundesgebietes.
Anders dagegen die gezeigte Auslandspaketkarte: Notopfermarken auf Auslandpaketkarten waren nur auf Helgoland und im Freihafen Hamburg möglich, sieht man einmal von durchgeschlüpften Fehlverwendungen ab.
Ortsbriefe "mit fußläufigen Entfernungen" sind per se nicht selten. Ärtze und Behörden tragen ihre Post nicht selbst aus, selbst wenn der Empfänger nur einen Häuserblock weiterwohnt. Auch zu Familienanlässen wurde gerne Post verschickt. Umgekehrt wurden Briefe an "fußläufige" Behörden und Arbeitgeber per Einschreiben geschickt, um als Absender einen Nachweis der fristgerechten Aufgabe zu haben.
Deshalb ist meine Anregung, die Situation auf Helgoland innerhalb der Laufzeit der Notopfermarken zu recherchieren. Gab es bis zum 31. März 1956 nur ein paar Bauarbeiter in Baracken oder schon mehr Leben auf Helgoland?
Das Museum Helgoland hat eine postgeschichtliche Abteilung [1]. Wenn Dir so viel an einem solchen Beleg liegt, würde ich vor Ort aufschlagen. Am besten in der Nebensaison, da hat man für Dich vielleicht mehr Zeit, und kann weitere Kontakte herstellen. Das geht besser persönlich als per Brief.
Bringe die Paketkarte mit, aus Helgoländer Sicht ist das ein toller zeitgeschichtlicher Beleg aus der Wiederaufbauzeit. Was wurde denn vom dem Bauarbeiter Alfred Wittkau von Helgoland nach Pinneberg geschickt? Schmutzige Wäsche zum Waschen oder frisch gefangener Hummer?
[1] https://www.museum-helgoland.de/home/themen/postgeschichte.html