Briefmarken Atteste

Thema:

Grosspostenauktionen - Ihre Erfahrungen ?

Richard Am: 13.01.2025 09:22:11 Gelesen: 1288 # 1
Liebe Erben, im Büro erreichen uns nahezu jedeWoche Anrufe oder Mails von teilweise verzweifelten und teilweise hoffnungsvolle Erwartung hegenden Personen, oft ältere Frauen. Unterwegs am Messestand in München oder Ulm nicht anders, nur können wir dort für das Gezeigte eine erste Auskunft über den Wert geben. Alternativ werden sie zu den anwesenden Auktionsfirmen oder Arbeitsgemeinschaften begleitet. Zurück zu den Mails. Man habe vom Onkel oder Grossvater eine sehr wertvolle Sammlung in 100 oder auch mehreren hundert Alben geerbt und möchte sie verkaufen. Sie wären sorgfältig gepflegt und - ja - der Erblasser hätte sein ganzes erspartes Geld darin "investiert". Wenn die Erben wirklich absolut nichts von der Sammlung verstehen und auch niemanden kennen, bleibt mir nur sie zu beglückwünschen nach dem Motto "Sammler sind glückliche Menschen", er habe sicher viel Freude an der Beschäftigung mit Briefmarken gehabt. Meistens wird das sofort bestätigt. Dann jedoch ein ABER von mir: Der Umfang und das Alter hat nichts mit einem möglichen Wert bei einem späteren Verkauf zu tun. Katalogpreise sind immer weniger aussagekräftig. Den Erben bleibt nichts anderes übrig als sich mit der Auskunft zufrieden zu geben oder sie anzuzweifeln und an anderer Stelle die gleiche Antwort zu erhalten. Auktionsfirmen - Namen möchte ich nicht nennen, teilen mittlerweile nicht mehr alle grosse Sammlungen in Einzelmarken und Sätze auf, weil es sich nicht lohnt, die Arbeitskraft teuer bezahlter Fachleute dafür einzusetzen. Sie verkaufen oft in Grossposten Auktionen ganze Sammlerbestände ("grosses Wohnzimmer wurde komplett ausgeräumt, Sammlungen an allen vier Wänden doppelt hintereinander gestellt"). Dann kommen Grossposten Auktionen wie in Freiburg, vermutlich aus dem 100-jährigen Lager von Sieger, in einer Auktion zur Auflösung. Dann sind die Käufer vielfach Händler, welche die Ware ab 1 % Michel übernehmen. Das hier abgebildete Los wurde bei Weiser in Frankfurt mit .... Abbildungen ganzer Albumseiten in Frankfurt gegen Gebot ab 200 Euro angeboten. Bei einem Gewicht von ... kg entspricht der Erlös von ... Euro einem Preis von ... Euro pro Paket oder ... Euro pro Kilo. Entspricht meine ganz grobe Schilderung der Wirklichkeit oder sauge ich mir das aus den Fingern ? Haben die Leser ähnliche oder ganz andere Erfahrungen beim Verkauf von Sammlungen ? Und: Haben Sie als künftiger Erblasser Vorsorge getroffen, damit Ihre Ehepartner, Geschwister Kinder oder Enkel wissen, was zu tun ist ? Ich wünsche Ihnen noch ein langes Leben und viel Freude an der Philatelie, Richard Briefmarken - Wunderkästen, Koffer, etc. Großposten, 12 Kartons, mit meist Dubletten 'Alle Welt' und einige Sammlungen, u.a. ein schöner Teil Großbritannien Dauerserien, Schweiz, etwas Deutsches Reich und Altdeutschland, Bund / Berlin / DDR, Übersee mit britischen und französischen Kolonien, Europa-CEPT, eine dicke Schwarte Europa, teils gut bestückt, etc., in 22 Alben, 48 großen- , 15 kleinen Steckbüchern, 7 Briefe-Alben, 9 ETB-Alben, 11 Auswahlhefte und 7 Kästchen, etc. (postfr., ungebr., gest., Bfst., Bf., Gewicht ca. 240 kg., Schätzpreis EUR 200,--) (2293)
bayern klassisch Am: 13.01.2025 10:20:56 Gelesen: 1249 # 2
Hallo Richard, für mich ist der Gradmesser nicht das Gewicht, die Anzahl der Alben oder das Alter von Marken und Sammler, sondern a) die Literatur und, noch wichtiger, b) die Anzahl der Atteste. Wenn keine Literatur vorhanden ist, oder evtl. ein 30 Jahre alter simpler Michel-Katalog, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass nur Massenware vorhanden ist (gegen die im Übrigen nichts spricht, außer der Tatsache, dass sie nicht verkäuflich ist). Vor vielen Jahren wurde ich gerufen, weil der Opa, der 60 Jahre lang gesammelt hatte, gestorben war und ich einschätzen sollte, was man für seine Sammlung bekommen könnte. Man führte mich in einen Raum mit ca. 1.000 Leitz-Ordnern, jeder etwa 200 Schulpapierseiten dick und von oben bis unten mit Marken gefüllt, die mit Leim eingeklebt worden waren. Ich schaute mir etliche Ordner an, alle hatten das Gleiche zum Inhalt, suchte nach Literatur, fand keine und nach Attesten zu fragen wäre angesichts der Situation fast Loriot-Komik in Perfektion gewesen. Ich entgegnete, so nett es ging, dass es vlt. 1-2 Millionen Marken waren, die dort zusammengetragen wurden, aber der Wert stark gegen Null tendierte, weil das Material simpelst war und der Zustand einer reinen Katastrophe glich. Kaufbelege gab es auch keine, also wurde wohl nie Geld ausgegeben. Darauf hin warf man mir vor, alles billig kaufen zu wollen, um es teuer verkaufen zu können und ein riesen Geschäft über die Bühne zu ziehen. Ich konnte nur, ehe man mich bat zu gehen, sagen, dass ich die Sammlung nicht mal geschenkt übernehmen würde. Das war es auch dann und zu weiteren "Riesensammlungen mit unschätzbarem Wert" ließ ich dann Andere fahren, bis auch denen der verbrauchte Sprit in keinem Verhältnis mehr zum inneren Wert der Sammlungen stand. Fazit: Wer nur von 50 Leuten und 2 Firmen oder Behörden die Tagespost wohl sortiert bekommt, diese Marken dann ausschneidet, abweicht, presst und mit Klebstoff übelster Güte seine "Schätze" auf Kinderseiten klebt, aber allen und jedem erzählt, was für Reichtümer er hat und was, nach seinem Tod, für ein Vermögen dort angehäuft wäre, betrügt a) sich permanent selbst und b) lügt Familie und Freunde an, denn in Wahrheit weiß doch jeder selbst, was er hat und wie viel es in etwa wert ist. Wer sehr viel Zeit, eine gute Kondition, noch bessere Augen, ein wenig Kleingeld und viel Muße hat, kann sich gerne solch einen Großposten via Kleinlaster nach Hause liefern lassen - wenn es ihm gefällt, ist doch alles prima. Wenn er ein paar Rosinen findet, deren Verkaufserlös die ganze Sammlung gratis macht, oder er sogar noch einen erklecklichen Gewinn erzielt, noch besser und ich freue mich für jeden, dem das gelingt. Ich gehe dergleichen nicht mehr an. Liebe Grüsse von bayern klassisch
Winni451 Am: 13.01.2025 12:58:02 Gelesen: 1185 # 3
@ Richard [#1] Und: Haben Sie als künftiger Erblasser Vorsorge getroffen, damit Ihre Ehepartner, Geschwister Kinder oder Enkel wissen, was zu tun ist ? Ich habe klar benannt: Entweder viel Arbeit reinstecken, dann Verkaufserlös im Bereich 0,01 €/h einstreichen, oder gesamte Sammlung verschenken, in der Hoffnung, dass jemand sich freut ob dem Geschenk. Damit ist alles gesagt und niemand enttäuscht. Es wird auf das Zweitere hinauslaufen so wie es jetzt aussieht, Interessierte dürfen schon mal Ihre Kontaktdaten bei mir hinterlassen, kann noch 50 Jahre oder nur 5 Stunden gehen, wer weiß das schon. PS: Einem Freund habe ich das vor Beginn der Besichtigung gleich gesagt: "normalerweise nie nix Wert, sonst (geh aber lieber Lotto spielen) melde ich mich wieder". Am Ende waren wir beide zufrieden, er, weil er mir eine Freude gemacht hatte, ich weil ich anderen mit dem Material eine Freude machen konnte. Grüße Winfried
Jahnnusch Am: 13.01.2025 13:14:16 Gelesen: 1166 # 4
Weil ich anderen eine Freude machen will. Aber nur einen Karton bearbeiten kann und der soll auch geschenkt sein. So viel zum Briefmarkensammeln. Und da ist doch das wichtigste im Leben, anderen eine Freude bereiten. Passt natürlich nicht zum Kapitalismus.
22028 Am: 13.01.2025 14:06:07 Gelesen: 1128 # 5
@ bayern klassisch [#2]

b) die Anzahl der Atteste.

Dann wären meine Sammlungen nicht viel wert..., ich habe in allmeinen Sammlungen keine 50 Atteste...

Ansosnten...
Wichtig ist schon zu Lebzeiten zusammen mit dem Partner und ggfls. den Kindern Kontakt zu potentiellen Auktionshäusern aufzunehmen und die schauen sicher gerne mal darüber ob sich das angesammelte als Einlieferung lohnt oder nicht.

Großposten wie hier im Eingangspost beschrieben sind aber praktisch unverkäuflich und da werden die kommenden Jahre noch viel mehr solcher Posten auf den Markt kommen und der Preisverfall für diese Sachen wird sich fortsetzen.
Der Markt für ausgefallene Stücke, egal von welchem Gebiet, ist gut…, nur für die Aboware oder Kartonphilatelie halt nicht.
bayern klassisch Am: 13.01.2025 15:31:22 Gelesen: 1071 # 6
@ 22028 [#5]

Aber Literatur wirst du doch, wie ich dich kenne, ein paar Regalmeter herumstehen haben? Daran kann man schon auf den 1. Blick erkennen, wer Philatelist ist/war und wer nur zusammengetragen hat, was im Papierkorb anderer lag.

Liebe Grüsse von bayern klassisch
pritt Am: 13.01.2025 16:09:19 Gelesen: 1032 # 7
Wenn man die Fugen gut mit Klebeband zuklebt, kann man es ja noch als Dämmmaterial gebrauchen an einer schlecht Isolierten Wand am Eigenheim ?