Thema:
Schweiz: Gedanken zur Marktlage 2024
Am: 20.12.2024 09:29:42
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Zum letzten mal vor der Übergabe der Firma an seinen Sohn schreibt Gottfried Honegger seine Gedanken zur Marktlage, die wir mit seiner Erlaubnis übernehmen:
Schweiz: Gedanken zur Marktlage 2024
Ausblick für die Zukunft der klassischen Schweizer Philatelie
Wenn Sie für eine solche Voraussage nur die täglichen Tagesschauberichte anschauen, so werden Sie sicher zu keiner positiven Prognose kommen. Sagen wir es offen, die rein politischen Gegebenheiten sind unsicher bis düster. Jedenfalls für viele Länder. Aber gilt dies auch für uns in Europa oder konkret auch für die Schweiz? Hier sehe ich dies anders, um nicht zu sagen immer noch recht positiv! Lassen Sie mich ein paar Punkte aufzählen:
Wir sind von grossen politischen Umwälzungen verschont geblieben, weil unsere westlichen Länder auf demokratischen Grundlagen aufgebaut sind. Zwar sind wir von grossen Hilfeleistungen für überfallene Länder und von Flüchtlingsströmen aus dem Süden ge- und in Einzelfällen auch überfordert. Aber mit viel Einsatz, gutem Willen und grosser Hilfsbereitschaft ist dies bislang einigermassen noch gelungen. Jedenfalls möchte kaum jemand mit jenen Menschen tauschen, die um unsere Hilfe bitten. Ist es nicht eine besondere Vorsehung, die uns deren Schicksal bisher und hoffentlich auch künftighin erspart hat? Dafür sollten wir dankbar sein.
Nach den Pandemie-Jahren mit strukturellen Bereinigungen gibt es immer mehr Branchen, die Arbeiter einstellen möchten, aber keine – oder nicht genügend – finden. Davon zeugt auch die Statistik der Arbeitslosen. In Europa ist von den grossen Industrienationen Deutschland mit derzeit «nur» 3% Arbeitslosen mit Abstand an der Spitze. Im übrigen Europa liegt diese rund beim doppelten Wert. In der Schweiz jedoch ist die Arbeitslosenzahl im letzten Monat von 1,9% auf 2% gestiegen! Früher hatte man 3% Arbeitslose als Vollbeschäftigung definiert, weil ja längst nicht alle Menschen überhaupt arbeiten wollen. Ich rede hier nicht etwa nur von Clocharen – auch ein Hochschulstudium kann man über etliche Fakultäten und zahllose Semester ausdehnen (vor allem natürlich, wenn es gratis angeboten wird).
Unsere Kunden stammen vor allem aus der Schweiz, aus Europa, Amerika und den westlich orientierten Staaten in Asien. Diese Länder bieten gute bis sehr gute Verdienstmöglichkeiten. Menschen dieser Regionen benötigen in der Regel nicht das ganze Einkommen für den Lebensunterhalt, sondern können einen Teil davon in irgendeiner Form anlegen. Da die Aktienmärkte weltweit sich recht schwankend verhalten haben, scheuen viele Menschen neue Anlagen in die Aktienmärkte. Überschüssige Mittel sind jedoch vorhanden und häufen sich oft sogar an. Investitionen in Grundstücke oder Immobilien sind an gesuchten Lagen meist zu teuer oder gar nicht mehr möglich. Das kommt alternativen Anlagen seit einigen Jahren und wohl auch künftig zugute. Das können Käufe von Bildern, von Schmuck oder eben auch klassischen Schweizer Marken sein.
Bei Anlagen spielt die Währung eine grosse Rolle. In Ländern mit einer hohen Inflation erlebt man in der Regel auch Währungsverluste gegenüber stabilen Währungen. Der Schweizer Franken hat sich als eine der stärksten Währungen der Welt erwiesen und wird es auch künftig bleiben. Es wird häufig übersehen, was für Verluste da entstehen können. Ich möchte dabei überhaupt nicht mit Währungen von Drittweltländern vergleichen, sondern mit jenen der führenden und weltwirtschaftlich wohl wichtigsten Währungen. So hat beispielsweise der EURO allein im Jahre 2023 bisher gegenüber dem Schweizer Franken rund 4% an Wert verloren. Und der US-Dollar, als immer noch wichtigste Währung der Welt, sage und schreibe rund 9%!
Mit einer Investition in klassische Schweizer Marken investieren Sie gleichzeitig auch in eine der stärksten Währungen der Welt und – wenn Sie ein ausländischer Käufer sind – nehmen Sie automatisch auch an diesem Währungsgewinn teil!
Empfehlungen
Wichtig zu erwähnen ist, dass immer, wenn ich von Anlagen in klassische Schweizer Marken spreche, dass ich dann nicht von den Ausgaben des 20. Jahrhunderts rede. Letztere gehören nicht zu unserem Liefergebiet. Deshalb möchte ich mich dort eines Kommentars enthalten.
Kaufen Sie nur, was Ihnen gefällt und was Sie sich leisten können. Sie müssen Freude daran haben. Das sollte überhaupt der wichtigste Kaufgrund sein: Freude haben an jedem einzelnen Stück, das Sie neu erwerben können, oder das Sie beim häufigen Betrachten Ihrer Sammlung schon vorfinden.
Kaufen Sie dort, wo Sie sich gut und kompetent beraten fühlen. Dort also, wo Sie gerne erneut kaufen möchten.
Kaufen Sie Marken und nicht einfach nur Atteste! Es hat wohl schon immer gute und auch andere Prüfer gegeben. Je bessere eigene Kenntnisse Sie haben, desto weniger werden Sie hier Enttäuschungen erleben. Dennoch: denken Sie daran, dass alle Menschen Fehler machen (ich selber mache wohl täglich immer noch solche)! Es ist nicht entscheidend, ob jemand Fehler macht, sondern, ob er in einem solchen Fall auch dazu steht. Das hat mehr mit Demut und Charakter zu tun als mit blossem Wissen.
Ob Sie nun bei einem Laden- oder Versandhändler kaufen oder aber bei einer Auktion, es kann immer sein, dass Sie bei einem «Feierabendhändler», der das Geschäft nur als Hobby betreibt, ein Stück billiger bekommen können als bei einem professionellen Händler, der seine Spesen (Miete, Versicherungen, Steuern, Mehrwertsteuer, Standmieten im In- und Ausland, Lebensunterhalt usw.) verdienen muss. Seien Sie mit dem Profihändler also etwas nachsichtig. Denn spätestens, wenn es einmal darum geht, Ihre eigene Sammlung zu veräussern, werden Sie vielfach auf ihn zurückkommen wollen oder gar müssen.
Wenn Sie eine Marke kaufen, so sollte nicht ein allenfalls möglicher Gewinn bei einem Verkauf im Vordergrund stehen. Natürlich kann ein solcher entstehen. Besonders bei sehr guten eigenen Kenntnissen oder einer guten Beratung durch den Lieferanten. Aber blosses Gewinnstreben hat sehr viel mit reiner Spekulation zu tun. Und diese führt vielfach früher oder später zu Verlusten, weil der Verkauf von Briefmarken nicht immer ganz einfach ist. Bei Bildern oder Schmuck ist es keinesfalls besser oder einfacher – im Gegenteil! Deshalb einmal mehr: Kaufen Sie, was Ihnen gefällt und was Ihnen Freude macht (nur Ihnen, nicht einer Jury oder einer Person, wo persönliche Vorlieben oder Interessen involviert sind!)!
Wenn Ihnen ein Hobby Freude macht, so kann das ohne weiteres auch Geld kosten. Wenn Sie gerne skifahren, kommen Sie auch kaum auf die Idee, am Abend die abgefahrene Tageskarte irgendwie noch «versilbern» zu wollen. Deshalb: warum muss denn – etwas überspitzt gefragt – das Hobby Briefmarkensammeln auch noch rentieren? Wie gesagt, es kann unter gewissen Voraussetzungen durchaus rentieren. Aber muss es das auch im Falle der häufigen 08/15-Sammlungen aus den Marken der täglich eingehenden, aber leider immer spärlicher frankierten Post, ohne jegliche Ankäufe von hochwertigen Stücken?
Natürlich können Sie auch heute noch einem Schüler ein Vordruckalbum schenken, wie man dies seit Jahrzehnten schon getan hat. Er wird wahrscheinlich eifrig Marken sammeln und bei Verwandten erbetteln. Soweit, so gut. Aber dies führt zu keiner persönlichen Sammlung. Mehr zu einer, die «alle» haben, die solch ein Album besitzen und zu füllen versuchen. Persönliche Sammlungen haben den Vorteil, dass sie einmalig sind. Alle sind verschieden. Und im Gegensatz zu einem Vordruckalbum, wo man sofort sieht, was man schon hat und welche Lücken noch klaffen, ist eine persönliche Sammlung nie vollständig. Man betrachtet das, was man hat. Beispiele solch persönlicher Sammlungen:
Heimatsammlungen: Wenn einem eine Sammlung aller Schweizer Marken zu viel ist (Vordruckalbum), so kann man sich auf die Abstempelungen (lose Marken und Briefe) nur eines Kantons oder nur eines Bezirkes oder einer einzelnen Stadt oder eines Tales beschränken. Das hat den Vorteil, dass man auch das ansieht (im Freundeskreis oder an einer Ausstellung), was man hat und nicht bemängelt, was allenfalls noch fehlt.
Geburtstagssammlungen: Früher hat man eigene, oder Paten- oder Enkel-Kinder häufig mit einer Goldmünze zu einem Geburtstag (oder zu Weihnachten) beschenkt. Mein Rat: überdenken Sie doch den Vorschlag einer Geburtstagssammlung! Darunter versteht man das Zusammentragen von Marken oder Briefen mit dem Geburtsdatum des Beschenkten. Aber nur den Tag und den Monat, aus möglichst vielen verschiedenen Jahren. Was hat dies für Vorteile? Oft geht es darum, dass der Beschenkte eines Tages die Sammlung des Schenkenden erhalten, erben soll. Nicht häufig kommt es vor, dass jemand als junger Mensch es bedauert hat, dass der Vater sich nach seinem Empfinden die Sonn- oder sonstigen Freitage viel zu sehr mit seinem Hobby, dem Briefmarkensammeln befasst hat, als sich mit den Interessen des Jugendlichen zu befassen. Deshalb ist die Begeisterung für das väterliche Hobby nicht sonderlich ausgeprägt. Mit anderen Worten: er versucht, dieses Erbstück, also diese geerbte Briefmarkensammlung sofort nach dem Hinschied es Schenkers zu versilbern, um mit dem Erlös eigene Ziele zu realisieren. Erbt er aber eine Briefmarkensammlung mit dem Darum des eigenen Geburtstages, ist dies für ihn eine rein persönliche Sammlung, zu der er eine ganz andere, eben eine persönliche Beziehung hat. Und die wird er wahrscheinlich in Ehren behalten und nicht veräussern. Wenn er sich in der «Sturm- und Drangzeit» befindet, so wird er wahrscheinlich nicht sofort seine Interessen wechseln und zum begeisterten Briefmarkensammler werden. Aber sobald er sich selber einmal beruflich und familiär etabliert hat, kommt die Zeit, wo man sich ein Hobby sucht. Da kann die Erinnerung an die erste eigene Briefmarkensammlung kommen. Und weil er sich jahrelang damit ja beschäftigt hatte, wird ihm ein Einstieg in dieses Hobby viel leichter fallen als jemandem, der nie einen Bezug dazu erhalten hatte.
https://honegger-philatelie.ch/de/wissenswertes/artikelsammlung/2024/173-gedanken-zur-marktlage-2024