
Weiterverwendung von deutschen Stempeln in Polen nach dem 1. Weltkrieg

Deutsche Ganzsache mit polnischer Zusatzfrankatur. In Gnesen hatte man die Deutschen Stempel schnell aptiert. Der Ortsname "Gnesen" wurde gegen "Gniezno" ausgetauscht. Bei der Uhrzeitangabe wurde das "V" bzw. "N" gegen "o̱" ausgewechselt.
Hier noch zwei deutsche Stempel auf polnischen Marken:
Viele Grüße
Volkmar
Hans-Jürgen Dobiat
Die Weiterverwendung von deutschen Stempeln in Polen nach dem 1. Weltkrieg
Die wechselvolle Beziehung zwischen Deutschland und Polen hat jahrzehntelang das politische und gesellschaftliche Leben beider Nationen beeinflusst. Eine Beziehung, die in vielen Bereichen ihre Spuren hinterlassen hat. So auch in der Postgeschichte. Anhand von Marken, Stempeln und Belegen lässt sich auf beiden Seiten dieses Auf und Ab über die Jahre darstellen. Gildefreund Hans-Jürgen Dobiat legt uns mit der Studie zu den "Weiterverwendeten deutschen Stempeln in Polen nach dem 1. Weltkrieg" einen weiteren Mosaikstein vor, der sich trefflich in das Gesamtbild der Postgeschichte dieser beiden Länder einfügt.
Jahrelange Sammlertätigkeit, die Auswertung von Literaturquellen und der Austausch mit Sammlern weltweit, wie die stattliche Liste der Danksagungen belegt, hat es Hans-Jürgen Dobiat ermöglicht, ein umfassendes Bild zu zeichnen, das er in diesem Buch präsentiert.
Neben historischen Hintergründen hat er seiner Arbeit Aufstellungen von Postorten und den verwendeten Stempeln sowie Aufstellungen der Postorte aus den weiter bestehenden Reichspostdirektionen, die an Polen abgetreten wurden, aufgeführt. Das in der Zeit 1918/1919, als der polnische Staat plötzlich wieder auf der Landkarte vorhanden war und es vorher (1914) keine polnische Verwaltung - weil es auch keinen Staat gab - zwangsläufig aus Mangel deutsche Poststempel, sei es in aptierter, teilaptierter oder unveränderter Form weiterverwendet wurden, liegt auf der Hand. Diese Übergangsphase reichte bis zu Beginn der 1920er Jahre. Erst mit einer Volksabstimmung wurde 1921 über den Verbleib des bislang unter alliierter Verwaltung stehenden Gebietes von Ostoberschlesien und die weitere Staatszugehörigkeit abgestimmt. Die daraus resultierende Teilung des Gebietes und die Festlegung, das weiterhin deutsches Geld seine Gültigkeit, auch in dem zu Polen zugeschlagenen Teil, behielt und die Post- und Telefongebühren weiterhin in deutscher Währung erhoben wurden, schufen für die Philatelisten ein neues Sammelgebiet. Auch dort gab es dann zwangsläufig deutsche Stempel, die im polnischen Teil weiterverwendet wurden und die in dieser Ausarbeitung ebenfalls aufgelistet worden sind.
80 Seiten, 27 Abb. In Farbe und s/w, DIN A 5 broschiert. Erschienen als Band 183 in der Neuen Schriftenreihe der Poststempelgilde e.V.
Bezug bei: Literaturstelle der Poststempelgilde e.V., Grabbeweg 36 a, 59494 Soest, info@poststempelgilde.de
Ein absolut zu empfehlender Titel. Ich hoffe, das Buch landet in vielen Bücherregalen. Ich habe es seit einiger Zeit und habe es auch bereits zwei oder drei mal verschenkt.
Christel
Volkimal hat in Beitrag [#2] eine kleine Übersicht der verschiedenen Kombinationen gegegeben. Dies war auch in [1] in einigen Beiträgen ein Thema gewesen. Ein Teil des ehemals deutsch (besetzten) Gebietes wurde mit dem Posener Aufstand ab Ende Dezember 1918 polnisch, ein Teil kam als sog. "Polnischer Korridor" mit Inkrafttreten des Versailler Friedensvertrages "(10.01.1920) zur Republik Polen. Ein weiterer Teil der Stempel stammt aus dem deutsch besetzten Gebiet im ersten Weltkrieg (siehe dort die Germanias mit den Aufdrucken "Generalgouvernehment Warschau" bzw. "Russisch-Polen"). Der nächste Schwung deutscher Stempel wurde ab Juni/Juli 1922 [2] im polnisch gewordenen Teils Oberschlesiens weiterverwendet, wobei m.W. lediglich der erwähnte Stempel RYBNIK **c es geschafft hat, nach dem Ende der Gültigkeit der Briefmarken von Ostoberschlesien (30.04.1923) weiter in Gebrauch zu bleiben. Grundsätzlich sind aber auch hier Neuentdeckungen möglich. In Kattowitz und Königshütte wurden ab ca. Mitte 1923 in größerem Umfang ovale Stempel verwendet, welche von der Form her wie ehemalige deutsche Bahnpoststempel ausschauen.
Es handelt sich bei dem Thema Weiterverwendungen um ein interessantes Gebiet mit viel Spaß (Freude) an der Suche und garantierter jahrelanger Beschäftigung.
Gruß
Stefan
[1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=2197&F=1&CP=0&full=1
[2] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=12400
[1] https://www.bazakolejowa.pl/index.php?dzial=linie&id=493&okno=przebieg
[2] https://wolnadroga.pl/poza-koleja/zapomniane-linie-kolejowe-kolej-pszczolki-koscierzyna/