Briefmarken Atteste

Thema:

Der unscheinbare Beleg

DERMZ Am: 11.10.2024 06:15:30 Gelesen: 2144 # 1
Der unscheinbare Beleg Guten Morgen, immer wieder fallen einem Belege in die Hände, die unscheinbar daher kommen, doch bei genauerer Betrachtung doch manch kleine Entdeckung mitbringen. Einen solchen Beleg stelle ich hier kurz vor: Ein schöner Beleg vom Ersttag der Emil-von-Behring Marke, gestempelt in Marburg am 26.November 1940. Das ist schon ein schöner Beleg, aber in meinen Augen eher unscheinbar. Interessanter empfinde ich Absender und Empfänger. Sohnemann Heinz Lindemann hat diesen Brief an seinen Vater Georg Lindemann in Hannover auf die Reise geschickt. Heinz studierte zu dieser Zeit Medizin in Marburg und war in der Burschenschaft der Arminen tätig. 1904 war sein Vater ebenfalls Student (allerdings im Fach Jura) in Marburg und Mitglied bei den Arminen. Wenn man jetzt die online-Lexika von wikipedia bemüht, dann lesen wir über den Senator a.D. Georg Lindemann: Nach erfolgreichem Studium praktizierte Lindemann in Hannover als Rechtsanwalt, wechselte dann in die Stadtverwaltung. 1930 wurde er zum 2. Bürgermeister von Hannover gewählt, am 7. April 1933 wurde er entlassen, da er wohl mit den "neuen" politischen Leitlinien Deutschlands haderte. Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde er zum Bürgermeister ernannt und führte Hannover durch die Nachkriegsjahre. Sein Sohn Heiz war Arzt für Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten in Hannover und wurde 1986 zum Ehrenpräsidenten der Ärztekammer ernannt. Was der Sohn dem Papa geschrieben hat, ist leider nicht überliefert, das geht mich auch eigentlich nichts an. Aber so ist aus diesem unscheinbaren Beleg doch ein Beleg mit einer kleinen Geschichte geworden. Mit besten Grüßen Olaf
Gernesammler Am: 11.10.2024 07:55:24 Gelesen: 2121 # 2
@ DERMZ [#1] Hallo Olaf, tolles Thema, ich selbst finde es auch immer wieder interessant wenn Belege eine Hintergrundgeschichte haben. Gruß Rainer
notna1 Am: 11.10.2024 11:09:23 Gelesen: 2035 # 3
Hallo zusammen, auch ich möchte hier einen unscheinbaren Beleg aus dem Postalltag zeigen. Beim genauen Betrachten des Stückes ist mir aufgefallen, dass dieser Umschlag nicht nur die letzte Marke (mit dem grünen Leerfeld in halber Markengröße, am oberen Markenrand zu sehen) einer damit verbrauchten Markenrolle aufweist, sondern auch die erste Marke ganz links (mit der Zählnummer 500 auf der Rückseite) von der neuen Rolle. Sicherlich wäre es für die Schalterkraft (damals wohl noch im Beamtenstatus) ein leichtes gewesen, auf solch einen Brief eine 280 Pf-Marke als Einzelfrankatur aufzukleben, die sicherlich auch am Schalter vorrätig war. Warum also diese Mischfrankatur? Ich kann mir nur vorstellen, dass der vorher frankierte Brief mit der vorletzten Marke der Rolle mit den 80 Pf-Marken beklebt wurde und deshalb nur noch eine einzige Marke aus der Rolle übrig war, die schnell benutzt werden sollte. Als diese Marke auf den gezeigten Brief (natürlich ganz rechts) verklebt war, fehlten für das benötigte Porto von 280 Pf jetzt noch 200 Pf. Da zu dieser Zeit aber am Schalter keine 200er-Rollenmarke mehr vorhanden war, musste gestückelt werden. Die naheliegende Möglichkeit war es, mit je einer Marke zu 120 Pf und 80 Pf das noch fehlende Porto aufzufüllen. Und so kam jetzt auch die erste Marke zu 80 Pf aus der neuen Rolle zum Einsatz und so klebten in einer tollen Kombination die letzte und die erste Marke von zwei aufeinanderfolgenden Rollen der selben Wertstufe auf dem Brief. Dieser Brief ist wohl wenig anschaulich und würde beim Verkauf wohl auch keine 10 ct. einbringen, aber etwas Besonderes (also keine Massenware) ist er für einen Sammler dieser Ausgaben alle Mal. Und dass die Frankatur dieses Briefes philatelistisch beeinflusst ist, kann mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Beste Grüße an alle notna1
volkimal Am: 12.10.2024 09:27:40 Gelesen: 1918 # 4
Hallo zusammen, auf den ersten Blick ist das eine ganz normale Postkarte P 36 der Sowjetischen Zone. Die Karte wird aber durch den Stempel hochinteressant. Diese Postkarte mit dem 12 Pfg. Wertstempel "Friedrich Engels" schickte Gottfried Werdermann (Friedel), der Bruder meines Großvaters an meinen Großvater. Gottfried lebte in der sowjetischen Zone. Bei einem Besuch in West-Berlin schickte er die Karte am 6.1.1949 in Berlin-Britz ab. Die Postkarte ist im November 1948 in der Sowjetischen Zone (SBZ) erschienen und durfte zunächst auch in Westberlin verwendet werden. Ab 14.1.1949 waren die SBZ Postwertzeichen/Ganzsachen in Westberlin aber nur noch für Postsendungen nach Ostberlin oder in die SBZ erlaubt (Anlaß: Verhinderung von Postkriegsmaßnahmen durch die ostzonalen Ämter). Ab 20.3.1949 war dann endgültig Schluß mit dieser Regelung. Marken der Sowjetischen Zone waren danach in Wertberlin nicht mehr zulässig. Entsprechend dieser sehr kurzen Zeitspanne sind solche Karten der sowjetischen Besatzungszone, in West-Berlin verwendet, ausgesprochen selten. Viele Grüße Volkmar
bayern klassisch Am: 12.10.2024 13:33:30 Gelesen: 1865 # 5
@ volkimal [#4]

... super Stück und noch dazu sehr schön mit Familienbezug - Sammlerherz, was willst du mehr?

Liebe Grüsse von bayern klassisch
22028 Am: 12.10.2024 18:47:10 Gelesen: 1784 # 6
World Letters Inc. Expedition Campaigns 1932-1941 Zu diesem Thema mag wohl kaum einer hier schon was gehört zu haben ich gestehe, auch für mich war es Neuland. Im Zuge meiner Overland Mail Baghdad-Haifa Sammlung habe ich den hier gezeigten Brief erworben. Der Brief zeigt einen sehr seltenen Stempel „Received By Overland Mail“ von dem nur 7 Abschläge bekannt sind. Was mich aber stutzig machte war der Absender des Briefes, die World Letters Inc. und ich befürchtete schon, dass es ein Philatelistisch beeinflusster Brief sei und machte mich an die Recherche zu diesem Absender. Die World Letters Inc. wurde in den 1930er Jahren in USA gegründet. Hintergrund war das Reisen damals recht populär wurde, aber nur wenige Leute, insbesondere Jugendliche sich das leisten konnten. Da Reisen ja bildet hatte der World Letters Inc. mehrere Reisejournalisten engagiert die mehrere "Expedition" durch die Welt machten und welche von World Letters Inc gesponsert wurden. Schule oder auch Privatpersonen konnten sich nun gegen Zahlung dem World Letters Inc anschließen und Briefe an diese senden welche dann dem Reisejournalisten weitergeleitet wurden. Dieser sandte dann im Gegenzug detaillierte Reiseberichte die dann als Kopien in Alben eingefügt und weitergegeben wurden. Das in Kürze die Geschichte. Habe einen mehrseitigen Artikel über die World Letters Inc welcher 2015 im GeoJournal publiziert wurde bekommen. Wer Interesse daran hat kann sich gerne bei mir melden.
Fridolino Am: 12.10.2024 19:24:19 Gelesen: 1754 # 7
@ DERMZ [#1] Besonders erwähnenswert finde ich, dass der Brief um 16:00 in Marburg gestempelt wurde und schon am gleichen Tag um 06:00 in Hannover ankam.
lueckel2010 Am: 12.10.2024 23:02:07 Gelesen: 1686 # 8
@ Fridolino [#7] Guten Abend, Fridolino, nichts für ungut, aber nachdem ich meine Brille intensiv geputzt (Scherz!) und mir danach den in [#1] gezeigten Ankunftsstempel "Hannover" noch einmal angeschaut habe, komme ich zu dem Schluss, dass dieser das Datum "28.11.40 - 6" zeigt (zwar etwas "verwackelt", aber dennoch deutlich lesbar). Das würde dann auch "passen". Wünsche ein schönes Wochenende, und auch weiterhin viel Spaß am gemeinsamen Hobby. Moin aus Ostfriesland, Gerd Lückert
DERMZ Am: 01.11.2024 16:06:21 Gelesen: 1476 # 9
Guten Tag, sehr unscheinbar ist dieser Beleg, eine alte Karte aus Marburg nach London aus dem Jahr 1887 Die Karte war an den Photographen Charles Praetorius in London adressiert, nach meinem Wissen lebte dieser von 1818 bis 1900 und war Österreicher, welches auch den in deutsch gehaltenen Text sinnig macht. Praetorius war Mitglied der "Photographic Society of Great Britain" (Royal Photographic Society) Professor von Sybel bittet auf dieser Karte den Photographen um Nutzungserlaubnis von dessen Bildern für eine Publikation. Ich ordne den Beleg Ludwig von Sybel zu, geboren 1846 in Marburg und 1929 ebendort verstorben. Er hat diverse Publikationen in Marburg verfasst. Ebenfalls gibt es in Marburg eine Sybelstraße, diese ist jedoch nach Heinrich von Sybel benannt, Historiker, der ab 1845 in Marburg wirkte und der Vater von Ludwig von Sybel war. Ein unscheinbarer Beleg, der doch ein wenig Geschichte erzählt, die sich für mich jedoch nicht 100% verifizieren lässt. Mit besten Grüßen Olaf
DERMZ Am: 22.02.2025 17:13:09 Gelesen: 1223 # 10
Guten Nachmittag, kurz vor der Sportschau zeige ich einen weiteren unscheinbaren Beleg, den ich dankenswerterweise aus Berlin erhalten habe, vielen DANK Lars! Nun welchen Zusammenhang gibt es zwischen Marburg und Albrecht Dürer? Ehrlich ist mir keiner bekannt, man hat sich die Karte wohl ausgesucht weil sie als schön empfunden wurde. Was ist jetzt unscheinbar? Genau, die Empängerin - Fräulein Hanna Jursch in Jena. Ich vermute, daß sie Post von Ihrer Schwester Ilse bekam. Es steht geschrieben: Liebes Puppchen! Zum Sonntag einen Gruß in der Hoffnung, dass auch Du trotz der Kälte weiter brütest. Ich habe mir den Termin verlängern lassen, hoffe aber Baacher bald verelstert zu haben. - hat Grübchen mal was von sich hören lassen= Was tust Du Pfingsten? Gruß sister. Hanna Maria Margarete Jursch, wie sie mit vollem Namen hieß lebte von 1902 bis 1972. Sie war eine deutsche evangelische Theologin und Kirchhistorikerin und sie war die erste Frau auf einem Lehrstuhl für Theologie an einer deutschen Universität. 1955 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Universität Marburg. Es macht immer Freude, wenn man bei der Recherche auf solch kleine Geschichten stößt. Mit besten Grüßen Olaf https://de.wikipedia.org/wiki/Hanna_Jursch_(Theologin)