Briefmarken Atteste

Thema:

Philatelistische Messen in Deutschland: Werden sie noch lange stattfinden ?

Lars Boettger Am: 29.09.2024 14:03:48 Gelesen: 3490 # 1
Wer organisiert eine Neuauflage der Messe Essen? Wer finanziert die Neuauflage? Wo sollte sie stattfinden? Warum wählt man einen Termin während der Birmingham 2025? Ich will nicht ausschließen, dass so etwas passieren kann, halte das aber für unwahrscheinlich. Beste Grüsse! Lars
Richard Am: 06.10.2024 15:48:08 Gelesen: 2562 # 2
@ Lars Boettger [#1] Wer organisiert eine Neuauflage der Messe Essen? Wer finanziert die Neuauflage? Wo sollte sie stattfinden? Das waren mehrere der von Dir genannten Fragen, warum sie nicht stattfinden wird. Das aber sind für mich die wahren Gründe: Die Briefmarkenmesse Essen findet nicht statt weil: - die Messegesellschaft (der Betreiber) ständig steigende Energie- Sach- und Personalkosten durch steigende Quadratmeterpreise [und weitere Kosten] kompensieren muss - die Händler durch die steigenden Messepreise, sowie die steigenden Energie-, Sach-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten sowie steigende Lohnkosten für Mitarbeiter keine Gewinne mehr kalkulieren kann - die Arbeitsgemeinschaften, Vereine, Verbände und und Sammler steigende Fahrt-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten zusätzlich zum Eintritt zu zahlen haben - usw., usw. Damit kommen weniger Anbieter von philatelistischer Waren und Informationen, denen eine kleinere Nachfrage von Seiten der Verbraucher (z.B. Sammler) gegenübersteht. Dies trifft nicht nur in Essen zu, sondern auch in Ulm, wo der Landesverband Südwest finanzielle Verluste durch eigene Mittel ausgeglichen hat und für München, wo die philatelia nur durch die Kooperation mit dem Münzhändlerverband zu einem in etwa ausgeglichenen Ergebnis führt. Aber auch der LV Südwest wird nicht ständig seine Kasse plündern wollen und ob in München die Numismatika der Münzhändler stattfindet, wird in jeden Jahr neu entschieden. Damit ist für mich keinesfalls auszuschliessen, dass in sehr wenigen Jahren landesweit keine grosse Veranstaltung mehr stattfindet. Alle oben aufgeführten Beteiligten können durch ihr eigenes Tun und Lassen dazu beitragen, die Geschwindigkeit der Entwicklung zu verlangsamen oder zu beschleunigen, sollten sich aber auch darüber im Klaren sein, dass die Entwicklung der verbliebenen Messen und der Sammlerzahlen eng miteinander verbunden sind. Soweit einige Gedanken von mir, die weder korrekt noch vollständig dargestellt sein müssen. Schöne Grüsse, Richard (ex Veranstalter von mehrfachen kombinierten 3-Tages-Fachseminaren mit Messe auf eigenes Risiko)
drmoeller_neuss Am: 06.10.2024 16:16:26 Gelesen: 2540 # 3
@ Richard [#2] Das Problem der deutschen Briefmarkenmessen ist das "Weiter so" aller Beteiligten. Der Briefmarkenmarkt schrumpft, und es können nicht mehr so viele Menschen wie vor 20 Jahren an den Messen verdienen. Die Münchner Philatelia stellt eine Ausnahme da, weil der APHV diese Messe in Eigenregie zum Selbstkostenpreis organisiert. In Ulm haben wir eine Händlerhalle und etwa die gleiche Fläche für die organisierte Philatelie. Die Rechnung, dass die Händler die Philatelisten finanzieren, geht aus den von Richard genannten Gründen nicht mehr auf. Meine ketzerischen Fragen an alle Beteiligten: Muss jede Arbeitsgemeinschaft einen eigenen Tisch haben, oder würde es ausreichen, vielleicht 4-5 Gemeinschaftsstände zu betreiben? Dann muss der Stand nicht von morgens bis abends mit eigenen Leuten besetzt werden, sondern es würden wenige Stunden Standdienst ausreichen, die man auf die Mitglieder aufteilen könnte, die ohnehin einen Messebesuch geplant haben. Übernachtungskosten und Spesen würden dann für die Arbeitsgemeinschaften entfallen. Und wenn sich keine Mitglieder für einen Standdienst finden, lässt man es eben bleiben. Ganz ketzerische Frage: wieviele Neumitglieder gewinnt eine Arbeitsgemeinschaft durch einen Messestand? Viele ArGe-Stände sind inwzischen zu heimlichen Verkaufständen verkommen. Das kann auch nicht im Sinne des Messebetreibers sein. Die gleiche Frage an die "Philaseiten"-Betreiber: ein "Philaseiten"-Treffen, zum Beispiel in einem netten Restaurant in Ulm würde auch ausreichen, um die Redaktion und die Mitglieder zusammenzubringen. Und es gibt landesweite Veranstaltungen mit "zivilen" Standpreisen. Ich denke da nur an die zweitägigen Messen in Löhne und Siegen. Die Provinz schlägt die Metropole, zumindest von den Kosten her. Auch der Besucher freut sich über die günstigeren Parkgebühren und Hotelkosten auf dem Lande. Die vom belgischen Händlerverband organisierte Antwerpfila kommt mit einem Bruchteil der deutschen Standmieten aus. Was machen die Belgier besser oder anders? [1] [1] http://antwerpfila.be/antwerpfila/
22028 Am: 06.10.2024 16:40:01 Gelesen: 2521 # 4
@ drmoeller_neuss [#3] Die vom belgischen Händlerverband organisierte Antwerpfila kommt mit einem Bruchteil der deutschen Standmieten aus. Was machen die Belgier besser oder anders? Frage halt mal dort nach und berichte.
Lars Boettger Am: 06.10.2024 17:47:58 Gelesen: 2483 # 5
@ drmoeller_neuss [#3] Die vom belgischen Händlerverband organisierte Antwerpfila kommt mit einem Bruchteil der deutschen Standmieten aus. Was machen die Belgier besser oder anders? So ein Vergleich klingt erst einmal vernünftig. Aber wenn Du in die Tiefe gehst, dann vergleichst Du Äpfel mit Birnen. - Keine Ausstellungen (Ulm hat dieses Jahr drei Ausstellungen: REMSMA, Postgeschichte Live und BDPh-Teamwettbewerb) - Ländereinladung - dieses Jahr: Türkei - Zwei anstatt drei Tage - Reine Händlerbörse -> in Ulm ist der Handel stark vertreten, aber die ArGen kommen nicht umsonst, um sich dort zu präsentieren - Kostenstruktur? -> in Belgien wird die Philatelie von der Bpost stark unterstützt - wir sind in Ulm froh, dass die Deutsche Post AG und weitere Postanstalten teilnehmen und man dort das aktuelle Marken-Programm kaufen kann Ulm ist eine Erfolgsstory. Der LV Südwest, der LV Bayern und der BDPh haben die Möglichkeit, hier direkt mit den Sammlern und Vereinen zu sprechen und neue Ideen vorzustellen. Der Malwettbewerb ist nach ersten Angaben in den Neu-Ulmer und Ulmer Grundschulen besser gelaufen, als letztes Jahr. Die Zukunftswerkstatt des LV Südwest wird ihre neue Ideen vorstellen (hoffentlich!). Ob die jeder gut findet? Glaube ich nicht =D Aber keiner wird sie sofort vergessen! Die Internationale Briefmarkenmesse Ulm wird dieses Jahr für alle Teilnehmer ein unvergessliches Erlebnis! Wer lieber nach Löhne oder Siegen fährt, der verpasst etwas. Beste Grüsse! Lars [Beiträge [#1] bis [#5] ausgelagert aus dem schon längst geklärten Thema: Findet die Briefmarkenmesse Essen 2025 statt ?]
drmoeller_neuss Am: 06.10.2024 18:41:19 Gelesen: 2435 # 6
@ Lars Boettger [#5] Dein Artikel geht in die Richtung "Weiter so" bis zum Verderben. Drei volle Messetage müssen kein Vorteil sein. Wenn die gleiche Anzahl an Besuchern in zwei Tagen kommt, liegt die Würze in der Kürze. Zum Thema Ausstellung: In einem anderen Artikel beklagt der Landesverbandsvorsitzende Dieter Schaile, dass es bei den Ausstellungen zu wenige Exponate gibt, trotz zweimaliger Verlängerung des Anmeldeschlusses. Angeblich haben die Aussteller keine Lust mehr oder sind weggestorben oder die Jury wird als ungerecht empfunden. Warum macht man die Ausstellung nicht Online? Würde ein Drittel der Hallenfläche sparen und wahrscheinlich würden sich sogar mehr Philatelisten die Sammlungen anschauen. Eine tolle Idee ist der Malwettbewerb in den Ulmer Schulen. Der kostet aber keine Hallenfläche und könnte auch in eine kleinere Messe eingebunden werden. Und Löhne war eine gut organisierte Veranstaltung, natürlich mit Schwerpunkt auf dem Handel, aber auch der Landesverband, der ausrichtende Verein und die Prüferverbände waren präsent. Ich bereue es nicht, dort hingefahren zu sein (obwohl es mir die Bahn schwer gemacht hat). Und nochmals: Für den Handel sind über 2000 Euro für einen kleinen Stand kein Pappenstiel. Der Umsatz muss erst einmal hereinkommen. Da können kleine Händler nicht mithalten.
nagel.d Am: 06.10.2024 21:13:22 Gelesen: 2327 # 7
@ drmoeller_neuss [#6] Über fehlende Aussteller oder Exponate kann nicht sein bzw geredet werden. Ich hatte mich mit 2 Exponaten angemeldet (1 x Postgeschichte Live und 1 x Remsma). Für beide Ausstellungen hatte ich eine Absage bekommen, die Gründe kann ich nicht mehr nennen, da die Absagen recht früh gekommen sind und die Unterlagen der Vernichtung zugeführt wurden.
22028 Am: 06.10.2024 21:19:25 Gelesen: 2318 # 8
@ nagel.d [#7] die Gründe kann ich nicht mehr nennen Gründe für die Nichtzannahme werden doch nie genannt.
DL8AAM Am: 06.10.2024 21:54:30 Gelesen: 2280 # 9
@ drmoeller_neuss [#6] Warum macht man die Ausstellung nicht Online? Ich kann zwar nur für mich sprechen (und zur Info, ich bin kein aktiver Aussteller). Aber ich besuche Ausstellungen, weil ich Originale im Original sehen will. Ich würde mir keine virtuelle Ausstellung anschauen, weder philatelistische Exponate noch irgendwelche anderen musealen Ausstellungen. Dafür setze ich mich mit meiner Frau auch gerne mal für 12+ Stunden in den Flieger, aber ein virtueller Museumsbesuch käme für mich nie in Frage, das ist ein absolutes No-Go. BTW, meine Frau ist keine Philatelistin, aber sie liebt philatelistische Ausstellungen, wenn sie einen musealen, interessanten historischen Rahmen abdecken. Gut eine Ausstellungssammlung als PDF schaue ich mir gerne im Nachgang irgendwann einmal an, aber dann eher nur für reine Recherchezwecke. Trotzdem bleibt immer noch die Frage nach den Kosten. Der "Louvre" macht sicherlich ordentlich "Umsatz" und wird nebenbei zusätzlich staatlich gut alimentiert, im Gegensatz zu unseren Hobbyausstellungen, wobei auch bei unseren Kostensteigerungen der Staat für einen gehörigen Anteil der Spirale verantwortlich zeichnet. Beste Grüße Thomas
Altsax Am: 07.10.2024 11:14:12 Gelesen: 2058 # 10
Letztlich läßt sich die Entwicklung philatelistischer Messen und Ausstellungen nicht von der Entwicklung der Philatelie insgesamt entkoppeln. Weniger Philatelisten bedeutet auch weniger Interessenten für Ausstellungen und weniger Käufer auf Messen. Es wäre eine Illusion zu glauben, daß die Philatelie wieder zu einer Massenbewegung wie einst wird. Es gilt sowohl für die Vereine und Verbände als auch für den kommerziellen Handel Konzepte zu finden, die dieser Entwicklung Rechnung tragen. Die jährliche Sindelfinger resp. Ulmer Messe hat sich als zentrale Veranstaltung für Postgeschichtler etabliert. Sie in Richtung einer zentralen Veranstaltung für die gesamte Philatelie in Süddeutschland zu erweitern, sollte möglich sein. Ein Pendant in Nord- und Mitteldeutschland könnte Haldensleben werden. Jährlich zwei Treffpunkte für Philatelisten in Deutschland sollten dauerhaft machbar und dann auch finanzierbar sein, wenn für entsprechende Attraktivität gesorgt wird. Virtuelle Ausstellungen bieten eine Reihe von Vorteilen, können aber nach meiner Überzeugung die persönliche Begegnung mit Gleichgesinnten nicht ersetzen.
saeckingen Am: 07.10.2024 16:47:29 Gelesen: 1941 # 11
@ Altsax [#10] Deinen Aussagen kann ich vollumfänglich zustimmen. Dazu darf man auch beim philatelistischen Handel nicht die allgemeine Entwicklung im Einzelhandel vergessen. Ein beachtlicher Teil des Umsatzes wird inzwischen online gemacht. Ein Briefmarkenhändler, der den ganzen Zeitaufwand aller Beteiligten nutzt, stattdessen Ware zu scannen und online zu stellen, macht vermutlich kaum weniger Umsatz, als er auf der Messe erzielt und einmal digitalisiert ist die Ware dauerhaft online zu finden. Seine Kosten bei eBay & Co sind dann immer noch deutlich geringer als auf der Messe. Daher sind sehr viele Händler, die früher auf Messen gegangen wären, dort allenfalls noch als Käufer zu finden. Hochwertigere Ware ist auf Messen eh schon länger rar geworden, die wandert seit Jahren meistens direkt zu Auktionen. Für mich ist Ulm eine wichtige philatelistische Veranstaltung, auf die ich nicht verzichten möchte, obwohl ich bei den Händlern seit Jahren kaum noch etwas für mich finde. Aber auf das ganze drum herum möchte ich nicht verzichten. Daher denke ich, dass es durchaus sinnvoll ist, solche Veranstaltungen durch die Verbände zu fördern oder auch sogar als Ausrichter aufzutreten. Grüße Harald
DL8AAM Am: 07.10.2024 18:59:34 Gelesen: 1856 # 12
@ saeckingen [#11] Aber auf das ganze drum herum möchte ich nicht verzichten. Daher denke ich, dass es durchaus sinnvoll ist, solche Veranstaltungen durch die Verbände zu fördern ... Das ist genau die Kernaussage, die das Thema am besten "abschliesst". Solche Veranstaltungen sind eher primär etwas für das Feel Good der Besucher, der heutigen Sammlerszene. Das Problem ist halt nur die Frage der Finanzierung. Dann muss man sich halt an die rückgehenden Sammlerzahlen entsprechend anpassen, einzwei oder auch drei "regional zentrale", verbandlich finanziell geförderte Veranstaltungen (dafür hat man diesen ja auch) für die Masse. Dabei meidet man dann halt "wichtig klingende" (d.h. teurere) Veranstaltungslokalitäten. Im Prinzip genau so, wie man es aktuell mit Ulm/Sindelfingen und Haldensleben andenkt, hier ist man auf einem guten Weg, also ja "weiter so"! Womöglich muss man sogar noch weiter in die "günstige Pampas" ausweichen? Und dann stecken die Verbände eben ihr "Geld" (und vielleicht auch einen Teil der Rücklagen) da rein, dafür hat man die ja (auch) ... genau das wäre so ein Mehrwert, nach dem ja immer gefragt wird, weshalb man im Verband sein soll. Und sei es nur, um den vieldiskutierten "Kipp-Punkt" viele Jahre in die Zukunft zu verschieben. Vielleicht sogar bis zu dem Zeitpunkt, bis zu dem der "Rückbau" auf die letzten dreiviertausend aktiven Philatelisten stattgefunden hat, mit denen sich dann wieder eine tragfähige, konsolidierte Neustruktur der Philatelieszene in D gebildet hat. Wir sind keine Massenbewegung mehr, werden es auch niemals mehr, wir werden unumkehrbar weniger (das einzige was wir können, ist den Rückgang abzupuffern), wir müssen aber trotzdem die aktuellen, übrig gebliebenen Reste der alten Masse, die "Alten Recken" bis dahin weiterhin "bespassen" und zusammenhalten und solche "Veranstaltungen" sind dabei ein zentraler Punkt - bis wir dann alle mal in einem gemeinsamen, großen "Deutschlandverein" (mit ein paar Referaten und "Sparten-" Arbeitsgruppen) gemeinsam aktiv sind. Beste Grüße Thomas