Thema:
Beschwerde an das Bundesministerium der Finanzen
Am: 22.09.2024 09:57:03
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# 1
Ich habe beim Finanzministerium beschwert und erhielt zur Auskunft:
vielen Dank für Ihre Email vom 14. September 2024, die uns die BFA zu Beantwortung weitergeleitet hat.
Die Deutsche Post AG ist berechtigt, die Themen und die grafische Gestaltung von Krypto-Briefmarken festzulegen. Von dieser Möglichkeit hat sie Gebrauch gemacht. Alle Detailfragen hierzu wären unmittelbar von der Deutschen Post AG zu beantworten. Wir bitten Sie deshalb, sich mit Ihren diesbezüglichen Fragen unmittelbar dorthin zu wenden. Die Deutsche Post AG erreichen Sie z.B. über den folgenden Link zum Kontaktformular:
https://shop.deutschepost.de/shop/infocenter/kontakt.jsp
Daraufhin habe ich heute wie folgt geantwortet:
Sehr geehrter Herr Minister Lindner, sehr geehrtes Referat für Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerdialog,
Sie machen es sich mit der Antwort Ihres Hauses einfach … sehr einfach … eindeutig zu einfach. So können Sie sich nicht aus der Verantwortung stehlen, mag dies auch noch so bequem erscheinen. Ich kann ja schwerlich die Deutsche Post bitten, sie möge das Ministerium auffordern, ihr die Erlaubnis zu entziehen.
Ich könnte Ihrer Aussage wohl zustimmen, wenn es um die Eigenausgaben der Post ginge. Für die Briefmarken mit der Bezeichnung “Deutschland” trägt aber Ihr Haus die volle und ungeteilte Verantwortung. Es ist im politischen Raum ja leider eine negative Entwicklung festzustellen, dass man das Wort “Verantwortung” nur noch auf den Lippen trägt. Will Ihr Haus diese Verantwortung nicht mehr wahrnehmen, so muss es die Konsequenz ziehen und keine Briefmarken mehr herausgeben, auch wenn Ihnen dadurch nette und positiv belegte öffentliche Auftritte verloren gingen.
Solange aber das Ministerium als Herausgeber auftritt hat es die volle und ungeteilte Verantwortung und zwar auch für die Varianten, die das Ministerium ermächtigt hat. Das Ministerium legt die Regeln fest. Das Ministerium kann die Regeln auch ändern oder “Berechtigungen für die Zukunft wieder entziehen. In diesem Fall ist dies angebracht, weil die Deutsche Post hier weit über ein tolerierbares Maß hinausgegangen ist. Dieses Vorgehen der Post schädigt nicht nur die Philatelie, sondern auch das Ansehen und die Seriosität Ihres Hauses.
Nun hat der Krypto Firlefanz nicht das allergeringste mit einem irgendwie gearteten postalischen Bedarf zu tun, sondern zielt allein auf Gewinnmaximierung und es war grundsätzlich ein Fehler die Post zu ermächtigen, die Briefmarken für die Sie die Verantwortung tragen so zu verwenden, dass eigenständige Briefmarkenausgaben entstehen (selbstklebend statt nassklebend). Nachdem die erste Kryptomarke “nur” teuer war, so wurden die Modalitäten mit der zweiten Kryptomarke aber verändert und es kam eine Wundertüten/Gewinnspielkomponente hinzu, in dem Varianten geschaffen wurden, die man (angeblich) nur per Zufall erhält. Ich kann aus Ihrer Antwort nicht erkennen, dass Sie die Deutsche Post zu diesem Glücksspiel berechtigt hätten.
Aus meiner Sicht ist die neuere Entwicklung ein sehr guter Grund, die Erlaubnis wieder zu entziehen. Briefmarken für die Ihr Haus die Verantwortung trägt, sollten zum Nennwert erhältlich und sollten auch allgemein verfügbar sein. Wie bereits geschrieben, habe ich keine Probleme damit, wenn die Deutsche Post AG diese Spielchen mit den Eigenausgaben betreibt, die nicht mit “Deutschland” sondern mit “Deutsche Post” beschriftet sind, auch wenn ich auch hier die volle Firmenbezeichnung “Deutsche Post AG” bevorzugen würde.
Vielleicht sollten sich noch mehr beschweren. Gemäß dem Grundsatz: Viel wenig gibt ein Viel.
Am: 22.09.2024 12:18:12
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# 2
@ coronatus [#1]
Zuerst einmal Respekt und Danke dafür daß du dich beschwert hast.
Andererseits stelle ich mal die Frage in den Raum: Wieviel Briefmarken erhälst du noch im "Tagesgeschäft" in der Post? Ich gehe einmal davon aus, wenn es nicht gerade ein philatelistischer Kollege ist, ist dies recht wenig Tendenz gar nicht mehr. Deshalb bin ich schon längere Zeit der Meinung, die Briefmarken dienen den Postanstalten nur noch zur Gewinnmaximierung, da die meisten Marken im Abo sind und ungenutzt in Alben verschwinden. Nur noch wenige nutzen doch wirklich noch Briefmarken zum Versand von Briefen, selbst an Schaltern bekommt man doch nur noch die Schalterlabels. Selbst auf Nachfragen bekommt man doch kaum noch irgendwelche Marken, selbst das Standartporto ist meistens nicht vorhanden, so meine Erfahrung.
Am: 22.09.2024 19:23:39
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# 3
@ nagel.d [#2]
Ich teile diese Ansicht nur zu einem kleinen Teil. Natürlich sind Sondermarken seit hundert Jahren ein Geschäft für die Postverwaltungen.
Tatsächlich erhalten wir in unserem Betrieb immer noch erstaunlich viele Briefe von Kleinbetrieben, Ärzten und Freiberuflern, die mit Briefmarken frankiert sind. Briefmarken sind hier die bessere Wahl. Natürlich immer selbstklebend und meist Dauermarken oder Kleinrollen. Privatpersonen kommunizieren kaum noch per Post und wenn, brauchen Sie keine 10er Bögen. Also in diesem Fall aus Kostgengründen dann doch eher das Label. Ich versorge aber immer noch nicht philatelistische Kollegen mit Kleinmengen "schöner" Briefmarken.
Die Auflagen der deutschen Briefmarken sind nach wie vor deutlich höher als der rein philatelistische Bedarf. Ich kenne auch niemanden mehr, der sich Briefmarken bogenweise zur Seite legt.
Die Versorgung an den Filialen ist sehr unterschiedlich. Die ganz großen und kleinen Filalen sind eher schlecht versorgt. Die mittleren immer noch ganz gut.
Und wegen der Beschwerde. Wer sich nicht beschwert hat bereits verloren.
[Beiträge und [#2] redaktionell verschoben aus dem Thema "Deutsche Post Neuheiten: Cryptowahnsinn erreicht auch Deutschland", zu dem nichts geantwortet wurde.]
Am: 22.09.2024 19:50:46
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# 4
@ coronatus [#3]
Wenn du die Erfahrung in eurem Betrieb gemacht hast, daß es noch eine gute Menge an Marken gibt, sage ich nur Glückwunsch. Bei uns auf der Poststelle sind 80 bis 90 % aller Briefe im durchschnitt mit Freistempler, Handyporto oder Schalterlabel frankiert, bei rückgehender Briefmenge (von einst 4 großen Postkisten auf durchschnittlich 1 1/2) der Rest sind Dauermarken. Dies scheint aber dann hier regional unterschiedlich zu sein. Dauermarken = selbstklebende Marken, die meist wie du sagst von Kleinunternehmer genutzt werden.
Ich weite meine Frage eigentlich weiter aus und gehe in deinen Privatbereich, ich habe also festgestellt in meinem privaten Bereich sind nur noch selten Briefmarken in der Post.
Am: 22.09.2024 19:51:43
Gelesen: 886
# 5
@ nagel.d [#4]
Deshalb bin ich schon längere Zeit der Meinung, die Briefmarken dienen den Postanstalten nur noch zur Gewinnmaximierung, da die meisten Marken im Abo sind und ungenutzt in Alben verschwinden.
Vor einiger Zeit gab es postseitig die Ansage, dass aktuell jedes Jahr noch mehr als 1.000.000.000 (ja, eine Milliarde) Briefmarken zu Frankaturzwecken in Deutschland verkauft werden. Ich meine, dies wäre auf der IBRA 2023 in Essen in einem Vortrag gewesen. Wenn wir jetzt hingehen und die Auflagezahlen eines Jahrgangs (ink. der selbstklebenden Sonder- und Zuschlagsmarken) ab (sagen wir mal) dem Jahr 2020 zusammenrechnen, wieviel mag dabei zusammenkommen? Dauerserien kämen noch hinzu.
Ich stelle die These auf, dass sich damit deine Aussage relativiert, dass die meisten Marken ungenutzt in Alben verschwinden. Aboware macht sicherlich lediglich einen kleinen Teil der verkauften Briefmarken aus und sind nicht der Nabel der Welt. Die Versandstelle in Weiden beliefert nicht nur Sammler sondern auch nichtphilatelistisch inspirierte Besteller (Firmen) und die Post(partner)filialen.
Es wäre allerdings mit Sicherheit einem Verkauf förderlicher, wenn keine nassklebenden sondern ausschließlich selbstklebende Briefmarken erscheinen (statt Zehnerbogen dann Folienbätter). Dann kämen sicherlich auch wieder deutlich mehr verschiedene Sondermarken in Gebrauch.
Gruß
Stefan