Anfang August 1914 beginnt der Erste Weltkrieg. Aachen hatte auch damals eine besondere Bedeutung, wurde es als Grenzstadt quasi automatisch zu einer wichtigen Lazarettstadt und zum Aufmarschgebiet (vgl. dazu [#47] und [#49]) der deutschen Truppen. In den Morgenstunden des 4. August 1914 marschieren deutsche Truppen aus der Aachener Region unter Bruch des Völkerrechts in das neutrale Belgien ein, womit fast augenblicklich die Hölle über Europa hereinbrach.
An anderer Stelle im Forum habe ich schon einmal ein paar Belege aus Aachener Lazaretten gezeigt, hier zeige ich sie noch einmal gesammelt und um ein paar weitere Stücke ergänzt. Trotzdem ist die Sammlung wohl ziemlich unvollständig, daher würde ich mich über Ergänzungen sehr freuen! Außerdem bin ich bisher außerstande gewesen, weiterführende Informationen zu den Lazaretten zu finden. Weder scheint es eine Gesamtdarstellung zu geben, welche Lazarette es gab, noch finde ich Eröffnungs- und Schließungsdaten. Daher müssen Die Belege komplett für sich stehen.
Folgende Karte zeigt den Truppenstempel
Reserve-Lazarett I Aachen * Abt. Mariahilf u. Josepfinum * und den Tagesstempel
AACHEN * 1 ? (ich schätze, es wird der UB e sein). Gelaufen ist die Karte am 26.8.1915 in Richtung Front. Die Bildseite zeigt das Landesbad in Burtscheid. Dieses wurde in den Jahren 1907 bis 1912 an Stelle einer Tuchfabrik errichtet. Das Landesbad nutzt Thermalwasser, wobei einzelne Quellen mit 74 °C zu den heißesten Thermalquellen Mitteleuropas gehören.

Die nächsten zwei Belege stammen aus dem gleichen Lazarett, tragen aber den etwas anderen Truppenstempel
Reserve-Lazarett I Aachen Abt. Mariahilf u. Josefinum . Der erste Beleg ist ein Brief vom 27.01.1917 mit dem bereits bekannten Maschinenstempel
AACHEN * 1 V ("AACHEN" 17,5 mm breit). Da die Rückseite leer ist, zeige ich sie nicht, statt dessen aber den Briefinhalt.

Am 05.07.1917 lief folgende Karte nach Dresden. Der Tagesstempel ist der gleiche wie beim letzten Beleg. Bildseitig sieht man den Hansemannplatz. Dieser Platz wurde nach dem Unternehmer und Politiker David Justus Ludwig Hansemann (* 12.07.1790; † 04.08.1864) benannt, dessen Statue auf der Karte in der Bildmitte zu sehen ist. Von bleibender Bedeutung ist er für Aachen nicht nur als Gründer der
Aachener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft (später
AachenMünchener), sondern auch, weil er maßgeblich daran beteiligt war, dass die Bahntrasse von Köln nach Antwerpen über Aachen führt.
Der Platz sieht heute ganz anders aus, die Statue ist aber noch da.

Immer noch das RL I, jetzt aber
Reserve-Lazarett I. • Abt. Franziskanerinnen • Aachen Paulusstr. 10 und Tagesstempel
AACHEN * 1 V (mit 17,5 mm breitem Schriftzug) vom 17.06.1916 auf Ansichtskarte vom Lehrter Bahnhof (Berlin).

Auf der nächsten Karte vom 23.01.1917 sieht man einen textgleichen Truppenstempel wie beim letzten Beleg, der nun aber statt des Adlers ein Kreuz in der Mitte zeigt. Der Kreisgitterstempel
AACHEN * 2 * ist etwa von 1900 bis 1926 belegt. Das Motiv ist der Dom, vom Rathaus aus gesehen. Rechts im Bild das alte Verwaltungsgebäude (vgl. [#10]).
Königl. Reservelazarett * Aachen II * Brief- Stempel und Tagesstempel
AACHEN * 1 e vom 06.11.1914 auf Karte nach Köln. Auf der Rückseite sind der Dom und der Elisenbrunnen zu sehen. Dieser "ist ein klassizistischer Bau der Architekten Johann Peter Cremer und Karl Friedrich Schinkel. Benannt wurde der Bau nach der preußischen Kronprinzessin Elisabeth Ludovika von Bayern (Elise). Er Elisenbrunnen besteht heute aus einer offenen Wandelhalle mit dorischem Säulenvorbau und jeweils einem Pavillon links und rechts mit mehreren Räumlichkeiten. Aus zwei Trinkbrunnen fließt das warme Wasser der Kaiserquelle (52 °C), das über eine Leitung vom Büchel zum Brunnen geleitet wird. Das Wasser ist stark schwefelhaltig, so dass vom Elisenbrunnen stets ein charakteristischer Geruch nach faulen Eiern (Schwefelwasserstoff) ausgeht." [1] Im "E-Brunnen" hängen auf Tafeln die Namen der berühmtesten Besucher, ein echtes Who-is-Who der Geschichte mit Namen wie Casanova, Zar Peter der Große und oder Kaiserin Josephine. Leider wurde auch der Elisenbrunnen im 2. Weltkrieg stark beschädigt, so dass er heute in vielen Details nicht mehr dem Original entspricht.
Der Text ist hier sehr eindrucksvoll: "Liebe Eva. Wie Du schon von meiner Schwester Bertha hörtest, liege ich seit 1 Woche mit kaput [sic!] geschossenem Kopf hier in Aachen im Lazarett. Es geht mir ganz gut, aber so bald doch noch nicht wieder rauskommen. Vielen Dank für deine Karte und herzl. Grüsse sendet Dir Karl". Was wohl aus Karl wurde?

Der gleiche Lazarettstempel, hier mit Maschinenstempel
AACHEN * 1 V (19,5 mm), auf Karte vom 16.01.1916 nach Berlin-Friedenau. Auf der Karte sieht man das Hauptpostgebäude in Aachen, das sich leicht konkav dem Verlauf des Kapuzinergrabens anschmiegt. Der Komplex enthielt neben dem Postamt auch das Telegrafenamt, das Postspeditionsamt XIII und die Verwaltung
der OPD Aachen. Heute fehlen der Giebel und die Türme. In dem Gebäude sind zahlreiche Geschäfte, und im ehemaligen Hinterhof findet man u.a. das
Cinekarree mit neun Kinos. Das ganze Areal nennt sich heute
Kapuziner Karree.

Und noch einmal auf Ansichtskarte nach Mayen vom 9.5.1916 mit Tagesstempel
AACHEN * 1 u, wieder mit dem Landesbad als Motiv.

Auch das Reserve-Lazarett II hatte offenbar mehrere Abteilungen, es folgen zwei Belege des
Reserve-Lazarett II. Aachen Abt. Krankenhaus FORST. Der erste Abschlag findet sich auf einer AK vom 19.05.1915 mit nicht identifizierbaren Tagesstempel aus Aachen. Gelaufen ist die Karte nach Kiel-Gaarden. Sie zeigt das Motiv
Kreuzgang im Dom.

Abschlag Nummer 2 ist vom 24.07.1916, Tagesstempel ist
AACHEN * 1 V (17,5 mm). Zusätzlich zu den Stempeln trägt die Karte nach Rosenheim eine nicht notwendige Feldpost-Vignette. Der im Bild zu sehende zweischiffige Krönungssaal im Rathaus war mit 45 m Länge und 18,5 m Breite nach seiner Errichtung um 1349 der größte profane Saal im Heiligen Römischen Reich. Heute finden darin unter anderem Die Karlspreis-Verleihungen statt.

Nur einen Beleg besitze ich mit dem Stempel
RESERVE-LAZARETT 4 * AACHEN *. Die Weihnachtsgrußkarte vom 22.12.1914 hat den Tagesstempel
AACHEN * 1 k und lief nach Pillmannsgrün in Sachsen.

Es folgen Belege des RL V, zuerst einer mit dem Stempel
RESERVE-LAZARETT * AACHEN V. *, hier mit dem Maschinen-Tagesstempel
AACHEN * 1 V (17,5 mm) vom 25.04.1917.

Als nächstes zeige ich zwei Belege mit dem Truppenstempel
RESERVE-LAZARETT V * AACHEN * Brief- Stempel in einer Antiqua-Schrift. Die erste Karte trägt den Tagesstempel
AACHEN * 1 k und lief am 17.2.1915 nach Berlin. Sie zeigt das Ponttor, das neben dem Marschiertor eines der beiden heute noch erhaltenen der ehemals elf Stadttore Aachen ist. Es wurde gegen Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut, als neue Siedlungen und Kirchen außerhalb der alten Stadtmauer eine zweite Stadtbefestigung erforderten. Heute wird es von der Deutschen Jungenschaft Aachen und von Pfadfindergruppen als Heim genutzt. Die Karte wurde für das Kaufhaus
Hammonia gedruckt, welches 1913/14 in der Adalbertstraße 20–30 von Emil Felix erbaut worden war. Ab 1927 gehörte dieses Haus dann der
Leonhard Tietz AG, bis diese von den Nazis arisiert wurde. Daraus wurde dann im Laufe der Zeit der
Kaufhof.

Die zweite Karte ist vom 4.5.1915 und lief nach Bremen-Vegesack. Tagesstempel ist hier
AACHEN * 1 e. Zum Lousberg auf der Bildseite siehe [#18] und [#50].

Ebenfalls
RESERVE-LAZARETT V * AACHEN * Brief- Stempel lautet das nächste Exemplar, aber dieser Stempel zeigt eine Grotesk-Schrift. Tagesstempel vom 30.05.1917 ist
AACHEN * 1 V (17,5 mm). Zu sehen ist einmal mehr die Nordseite des Doms. Ziel der Karte war Nidda.

Der nächste Stempel ist
RESERVE-LAZARETT * AACHEN V. * mit Adler, hier zu sehen auf einer Karte nach Meiningen mit
AACHEN * 1 V (19,5 mm). Die Anlage vor dem Hauptbahnhof sieht heute völlig anders aus, und der links im Bild zu sehenden Straßenbahn trauern selbst Menschen nach, die sie gar nicht mehr erlebt haben.

Schließlich noch zwei Belege des RL VI. Ins Feld lief die folgende Karte mit dem Tagesstempel
AACHEN * 1 a vom 6.4.1916 und dem Truppenstempel
Kgl. Preuss. Res. Laz. VI Aachen Briefstempel.

Zu guter Letzt noch der Stempel
Kgl. Preuss. Res.-Lazarett VI * AACHEN * Brief- Stempel auf einer AK mit
AACHEN * 1 V (17,5 mm) vom 26.3.1917. Die Karte nach Trier zeigt das Denkmal des 99-Tage-Kaisers Friedrich III. Dieses wurde 1911 auf dem Kaiserplatz errichtet. Die Umfassung existiert heute nicht mehr.

LG,
Christoph
[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Elisenbrunnen