Briefmarken Atteste

Thema:

Der Postort Aachen (inkl. OPD)

reichswolf Am: 09.06.2024 19:02:54 Gelesen: 18483 # 1
In diesem Thread möchte ich in loser Reihenfolge Belege aus meiner Heimatsammlung "Aachen" zeigen. In erster Linie soll es dabei um Belege gehen, die entweder innerhalb der heutigen Stadtgrenzen aufgegeben wurden oder dorthin liefen, aber es wird auch Belege geben, die aus der OPD Aachen (01.01.1850 - 31.12.1870 & 01.01.1876 - 02.03.1943) stammen. Außerdem in geringen Mengen auch andere philatelistische Objekte mit Bezug auf Aachen, z.B. Briefmarken mit entsprechendem Motiv oder auch Belege aus der Fiskalphilatelie. Ich möchte jeden Leser herzlich dazu einladen, eigene Belege hier ebenfalls zu zeigen. Und natürlich bin ich für Anregungen, Korrekturen und Ergänzungen zu meinen Erklärungen nicht nur offen, sondern sehr dankbar. Den Anfang mache ich mit einem Brief vom 15.03.1798 (Datum auf der Rückseite). Zu dieser Zeit war Aachen bereits seit vier Jahren französisch besetzt, und just 1798 wurde die Departementsgliederung in den besetzten linksrheinischen Gebieten eingeführt. Die Stadt Aachen wurde zur Hauptstadt des Départements de la Roer (103), und der Aachener Generalkommissar der Post Loiff zum Generalpostinspekteur der vier linksrheinischen Departements, wodurch Aachen quasi die postalische Hauptstadt dieses Gebietes wurde. Der in Rot abgeschlagene Aufgabestempel ist daher auf Französisch, er lautet AixlaCh: (Aix-la-Chapelle). Die mit Rötelstift notierte 4 kann ich nicht erklären, dazu fehlt mir zu viel an Wissen. Allerdings kann ich sagen, dass erst im April 1798 französische Postgebühren eingeführt wurden. Gelaufen ist der Brief über Koblenz (dort befand sich meines Wissens ein französisches Austauschpostamt) nach Langensalza in Sachsen. LG, Christoph
bayern klassisch Am: 09.06.2024 19:12:40 Gelesen: 18471 # 2
@ reichswolf [#1] Hallo Christoph, was du als "4" liest, ist eine "1-", also 1 1/2 Batzen. Eine Rötel-Taxe, die 1 1/2 Gutengroschen bzw. 6 rheinischen Kreuzern entsprach. Liebe Grüsse, Ralph
Jürgen Witkowski Am: 09.06.2024 21:57:58 Gelesen: 18450 # 3
Aachen als Durchgangspostamt nach Belgien und Frankreich Seit 1727 bestand zwischen Thurn und Taxis und dem Stift Essen ein Postvertrag. Mit dem Frieden von Lunéville gingen für das Haus Thurn und Taxis wesentliche Postgebiete verloren. Dadurch war es veranlasst, mit Frankreich einen Postvertrag abzuschließen. Nachdem der preußische Staat durch einen Spruch des Reichsdeputationshauptausschusses zu Regensburg das ehemalige Fürstentum Essen offiziell annektieren konnte, war die am 14. Dezember 1801 geschlossene Postkonvention am 1. Mai 1803 schon wieder hinfällig. Vor Inkrafttreten des Postvertrages zwischen Thurn und Taxis und Frankreich war Essen in den Jahren 1801 und 1802 Durchgangsbüro und hatte mit Köln und Aachen einen Briefpaketanschluß. Der am 20. Februar 1802 in Riga geschriebene Geschäftsbrief lief über Hamburg , Essen und Aachen in das seinerzeit von Frankreich annektierte Belgien nach Hodimont, heute ein Stadtteil von Verviers. Vermutlich wurde er als Kaufmannsbrief „per Forwarder“ mit nach Hamburg genommen und dort, wie der Stempel belegt, am T&T Kaiserlichen Reichs-Ober-Postamt als Portobrief (siegelseitige rote Taxierung) aufgegeben. Über Essen ging es weiter nach Aachen, wo er den roten Zweizeiler ESSEN / PAR AIX LA CHAPELLE (aus Essen über Aachen) erhielt. Am Bestimmungsort ist er gemäß handschriftlicher Notiz am 15. März 1802 angekommen. Mit besten Sammlergrüßen Jürgen
bayern klassisch Am: 10.06.2024 10:09:20 Gelesen: 18423 # 4
@ Jürgen Witkowski [#3] Lieber Jürgen, ein ganz feines Stück - dein Brief war, nach dem Schmuggel von Riga, "franco Düsseldorf" gestellt worden und die siegelseitige Taxe, die ich als Rötel nicht sicher deuten kann, zeigte, dass jemand in Hamburg dort diesen Betrag für den Brief bezahlt hatte. Der Empfänger zahlte 3 Decimes Porto ab dem Rhein als Grenze. Liebe Grüsse, Ralph
reichswolf Am: 10.06.2024 14:47:56 Gelesen: 18385 # 5
@ bayern klassisch [#2] Ganz herzlichen Dank für die Erläuterung! @ Jürgen Witkowski [#3] Ein tolles Stück! Auch meinen nächsten Beleg kann ich leider nicht komplett erklären. Erst einmal die offensichtlichen Dinge: Der Brief lief am 30.03.1802 von Aachen (bzw. Burtscheid, damals über Aachen postalisch versorgt, heute eingemeindet) nach Schwyz in der Schweiz. Der Aufgabestempel 103 AIX-LA-CHAPELLE ist eines von sechs gleichlautenden Geräten. Vor dem französischen Namen der Stadt steht darin die 103 für die Departementsnummer. Empfänger war Johann Jakob Castell & Cie, heute die St. Jakobskellerei Schuler & Cie AG. Es handelt sich laut der Aufschrift Échantillons sans valeur beim Inhalt des Briefes um Muster ohne Wert, was durch den Brieftext bestätigt wird. Ob dieser Vermerk nur den Zoll betraf oder auch eine postalische Bedeutung hatte, entzieht sich meiner Kenntnis. Zur Röteltaxe und der schwarzen 46 kann ich gar nichts sagen. LG, Christoph
reichswolf Am: 10.06.2024 14:51:23 Gelesen: 18384 # 6
Übrigens gab es einen Grund, warum ich den Thread einfach nur Aachen genannt habe.
bayern klassisch Am: 10.06.2024 18:00:05 Gelesen: 18355 # 7
@ reichswolf [#5] Hallo Christoph, der Vermerk mit dem Muster ohne Wert(h) war ein zollrechtlicher, da es nicht angehängt worden war und damit sowieso keine Ermässigung nach sich ziehen konnte. Die Aufgabepost taxierte den schweren Brief mit 20 Decimes. Die Schweiz reduzierte diese in 40 Kreuzer und addierte ab der Grenze 6 weitere Kreuzer hinzu, so dass der Empfänger 46 Kr. total zu zahlen hatte. Das war eine Menge Geld damals, sogar für die Schweiz. Wieder ein feines Stück in sehr guter Erhaltung, Glückwunsch! Liebe Grüsse, Ralph
reichswolf Am: 15.06.2024 09:20:05 Gelesen: 18237 # 8
Heute zeige ich einen Brief mit einem waagerechten Paar der MiNr. 19 des Deutschen Reiches, aufgegeben am 07.02.1874 in Aachen, wo die Marken mit einem von drei 1873 - 1875 parallel genutzten Einkreisstempeln ohne Postamtsnummer und UB bzw. Sternen entwertet wurden. Unterscheidbar sind diese Stempel vor allem an der Größe der Inschrift. Einen Tag später erreichte der Brief Burgdorf im Kanton Bern, und am 09.02. am Zielort Biglen (ebenfalls im Kanton Bern), wie die rückseitigen Stempel zeigen. LG, Christoph
bayern klassisch Am: 15.06.2024 09:51:16 Gelesen: 18230 # 9
@ reichswolf [#8] Hallo Christoph, das Franko wurde zwischen dem Reich und der Schweiz im Verhältnis 60 zu 40 geteilt. Liebe Grüsse, Ralph
reichswolf Am: 16.06.2024 10:37:37 Gelesen: 18170 # 10
@ bayern klassisch [#9] Danke für die Information, ist notiert! Am Katschhof, zwischen Dom und Rathaus, stand bis zu seiner Zerstörung im 2. Weltkrieg das 1902 gebaute, neugotische Verwaltungsgebäude. 1957 entstand dort ein neues Verwaltungsgebäude, in dem seit Juni 2014 auch das Centre Charlemagne – Neues Stadtmuseum Aachen untergebracht ist. Die Ausstellungen darin sind immer wieder großartig, zum Beispiel Mokka Türc & Marihuana – Schmuggel an der Aachener Grenze oder auch Vom fauchenden Fafnir zum Fahrzeug der Zukunft – Aachen und das Auto. Zu sehen ist das Verwaltungsgebäude auf der Bildseite dieser Ansichtskarte, die am 06.07.1907 von AACHEN * 1 i nach HIGHBURY, S.O. N. in England lief, wo die Karte am folgenden Tag ankam. Und damit verabschiede ich mich für zwei Wochen in den Urlaub. LG, Christoph
reichswolf Am: 30.06.2024 10:49:46 Gelesen: 18061 # 11
Zurück von meiner zweiwöchigen Fahrradtour zeige ich heute wieder nur etwas ganz einfaches. Es handelt sich um einen Ganzsachenumschlag (MiNr. kenne ich nicht), der am 03.10.1895 in CAWNPORE (heute Kanpur) von dem Juwelier, Uhrmacher und Optiker Lange aufgegeben wurde. Gelaufen ist der Brief nach Burtscheid, das damals noch "unabhängig" war. Erst am 01.04.1897 wurde Burtscheid nach Aachen eingemeindet, wodurch ab dann bei neuen Stempeln der Text nicht mehr BZ. AACHEN oder BEI AACHEN lautete, sondern AACHEN-BURTSCHEID, bis diese Zusätze dann durch Postamtsnummern ersetzt wurden. Hier aber lautet der Ankunftstempel vom 21.10.1895 noch BURTSCHEID (Bz AACHEN). Schade ist, dass der dritte und vierte Stempel auf dem Beleg jeweils nur ein Fragment ist. LG, Christoph
reichswolf Am: 30.06.2024 13:57:24 Gelesen: 18031 # 12
An anderer Stelle habe ich folgenden Beleg bereits einmal gezeigt, aber da das hier ja der Sammelthread für alles, was mit Aachen als Postort zusammenhängt sein soll, kopiere ich mal meinen alten Beitrag hierher. Den folgenden Beleg kann ich nicht vollständig beschreiben. Klar ist, dass er von Paris über Aachen nach Neuenrade lief. Die Marken wurden entwertet mit dem Sternstempel (étoile chiffrée) 8, dazu gehört der Zweikreis-Tagesstempel PARIS R. D´ANTIN vom 21.5.1866. Der Brief wurde von der Post im Briefkasten gefunden, wie der Stempel Trouvé à la Boîte 8 zeigt. Das war insofern wichtig, als der Brief unzureichend frankiert war. Das zeigt der rote Stempel AFFR. INSUFF. 8 (affranchissement insuffisant). In Aachen kam am 22.5. der rückseitige blaue Transitstempel AUS FRANKREICH PER AACHEN. B dazu (mit Zugnummer 4 und dem B für prompte Beförderung). Am Ziel erhielt der Beleg einen Tag später noch den Ausgabestempel AUSG. N 2. Leider habe ich keinen Zugriff mehr auf meine Literatur, daher kann ich zu den Tarifen oder Michelnummern nichts sagen. LG, Christoph
bayern klassisch Am: 30.06.2024 14:31:07 Gelesen: 18022 # 13
@ reichswolf [#12] Hallo Christoph, aus der Hüfte: Korrektes Franko 40 Centimes, nur 30 Cent. frankiert, daher war der Preis eines einfachen unfrankierten Briefe zu 60 Centimes abzüglich des Wertes der verwendeten Freimarken = 30 Centimes Nachporto zu rechnen, in Aachen reduziert auf 2 1/2 Silbergroschen. Liebe Grüsse, Ralph
reichswolf Am: 30.06.2024 14:51:17 Gelesen: 18018 # 14
@ bayern klassisch [#13] Das klingt gut. Zum Vergleich hier ein Beleg vom 27.10.1862, der mit 40 Centimes frankiert ist und nicht beanstandet wurde. Aufgabestempel war PARIS D 2 (60) D 2, zur Entwertung wurde der Nummernstempel D52 (?) genutzt. Außerdem bekam der Brief zwei rote PD-Stempel. In Aachen erhielt der Brief am 28.10. den Transitstempel AUS FRANKREICH PER AACHEN FRANCO. Am Zielort Elberfeld (heute Wuppertal) schließlich kam noch ein rückseitiger AUSG.-Stempel dazu. Falls es jemanden interessiert, zeige ich auch den Briefinhalt. LG, Christoph
Clemens M Brandstetter Am: 30.06.2024 15:11:03 Gelesen: 18010 # 15
Dieser Beleg hat mit Aachen nur wegen eines Stempels zu tun "P.38." - wobei ich die Information übernommen, aber nie überprüft habe
bayern klassisch Am: 30.06.2024 16:15:45 Gelesen: 17998 # 16
@ Clemens M Brandstetter [#15] Das stimmt so. Liebe Grüsse, Ralph
reichswolf Am: 30.06.2024 16:27:05 Gelesen: 17992 # 17
@ Clemens M Brandstetter [#15] Sehr schön, dass du hier mitmachst! Der Nummernstempel P.38. stand ab dem 01.01.1866 für Briefe aus Russland und Polen nach Frankreich. Vom 1858 an erhielten entsprechende Briefe den Stempel P.35. und vom 01.01.1862 lautete die Nummer P.33.. Und natürlich gab es auch weitere Stempel für Briefe aus anderen Ländern, außerdem unterschied man mit den Nummernstempeln nicht nur die Herkunft, sondern auch die Ziele. Obige Nummern galten für Briefe nach Frankreich, liefen sie darüber hinaus, bekamen sie andere Nummern. LG, Christoph
reichswolf Am: 01.07.2024 15:49:08 Gelesen: 17950 # 18
Heute zeige ich eine einfache Feldpostkarte (Heimat - Heimat) vom 04.05.1915. Aufgabestempel ist AACHEN * 1 e, und zusätzlich zeigt die Karte den violetten Truppenstempel RESERVE-LAZARETH V * AACHEN * Brief- Stempel. Wie der Text zeigt, lag der Absender in Section 4 dieses Lazaretts, was immer das für eine Abteilung war. Die Bildseite zeigt den Lousberg. Der Sage nach "hatten die Aachener den Teufel beim Bau des Aachener Doms hereingelegt. Der Teufel sann auf Rache und wollte Dom und Stadt für immer mit Sand verschütten. Er wurde aber von einer armen Frau überlistet und ließ den Sandhaufen nördlich der Stadt fallen, wodurch ein größerer und ein kleinerer Berg entstanden. Weil die Frau „lous“ war, was im Aachener Dialekt „schlau“ bedeutet, wurde der größere Berg „Lousberg“ genannt." [Wikipedia] LG, Christoph
reichswolf Am: 03.07.2024 12:49:37 Gelesen: 17830 # 19
Aus Graz stammt das folgende Einschreiben vom 01.03.1932. Entwertet wurden die Marken (MiNr. kenne ich nicht) mit dem Stempel GRAZ 1 * 2e *. Wenig überraschend war Aachen das Ziel, doch irgendetwas ist dem Brief unterwegs zugestoßen. Denn in Aachen ist der Brief Beschädigt eingegangen. Amtlich verschlossen. Postamt 1 Aachen .............................................. Zeuge: ..............................................., wie der rückseitige Stempel sagt. Zudem finden sich zwei amtliche Verschlussmarken aus Aachen auf dem Brief, wie der Stempeltext ja schon andeutet. Außerdem ist noch der Aachener Tagesstempel AACHEN * 1 ? vom 02.03. zu sehen. Die Stempel könnten klarer sein, aber so oft finde ich solche beschädigten Belege nicht, also sind mir die schwachen Stempel egal. LG, Christoph
reichswolf Am: 03.07.2024 13:13:38 Gelesen: 17814 # 20
Spannend ist diese Karte, die ich leider nicht datieren kann. Der Grund, warum ich sie unbedingt haben musste ist ein ganz einfacher. Der Stempel AACHEN AUSLAND 2 * * (vielleicht auch mit Punkt hinter der 2) ist in Wigand Bruns und Heinz Kaußens Buch Aachener Postgeschichte und Stempelkatalog völlig unbekannt! Wenn jemand weitere Abschläge davon hat, würde ich mich über Bilder freuen. LG, Christoph
preussen362 Am: 03.07.2024 18:57:55 Gelesen: 17766 # 21
Zum Datum: Ich würde das Gekrakel unten links auf der Rückseite als "A. 30/6. 1876" deuten. Schönes Stück! viele Grüße, Andreas
wuerttemberger Am: 03.07.2024 18:58:41 Gelesen: 17765 # 22
@ reichswolf [#20] Auf der Rückseite steht das Datum 30.06.1876 (für mich) deutlich geschrieben. Der Stempel ist tatsächlich außergewöhnlich und das habe ich auch noch nicht gesehen. Gruß wuerttemberger
Clemens M Brandstetter Am: 04.07.2024 09:37:48 Gelesen: 17720 # 23
Ein etwas neuerer Beleg, der wahrscheinlich mehr hergibt, als er zeigt. Vielleicht lassen sich die Abkürzungen erklären und mehr zum Capitaine Ley herausfinden.
reichswolf Am: 04.07.2024 11:30:26 Gelesen: 17699 # 24
@ preussen362 [#21] @ wuerttemberger [#22] Danke für's Vorlesen, ich konnte das leider nicht entziffern. @ Clemens M Brandstetter [#23] Etwas mehr an Erklärung / Beschreibung deinerseits wäre cool, damit man später die Belege auch wiederfinden kann. LG, Christoph
Clemens M Brandstetter Am: 04.07.2024 12:13:20 Gelesen: 17684 # 25
@ reichswolf [#24] Ich warte noch auf das Schwarm-Wissen.
reichswolf Am: 04.07.2024 13:05:26 Gelesen: 17666 # 26
@ Clemens M Brandstetter [#25] Na ja, zumindest die Stichworte Telegramm (vermutlich belgisch wegen der zwei Sprachen) und das Datum im Stempel hättest du ohne Schwarmwissen nennen können ;-) Ich vermute einen Beleg, der mit der Rheinlandbesetzung zusammen hängt. Zwar sind in Bruns / Kaußens Buch Aachener Postgeschichte und Stempelkatalog belgische Stempel aus dieser Zeit gelistet, dieser jedoch nicht. Falls du den Beleg irgendwann loswerden willst, melde dich ruhig bei mir. LG, Christoph
reichswolf Am: 04.07.2024 14:45:38 Gelesen: 17637 # 27
Der folgende Beleg stammt vom 20.01.1809, also aus der Zeit, in der Aachen als Hauptstadt des Département de la Roer Teil Frankreichs war. Daher lautet der Aufgabestempel 103 AIX-LA-CHAPELLE (vgl. https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=343769 ). Deutlich spannender ist jedoch der blaue Stempel L´Evéque d´Aixlachapelle ("Der Bischof von Aachen"). Bruns / Kaußen führen ihn unter den Franchisestempeln, also sollte der Bischof portobefreit sein, doch wenn ich es richtig sehe, ist der Brief ja taxiert (ich tue mich mit diesen Dingen wirklich schwer). Da es ja unterschiedliche Arten von Portobefreiungen (aktiv, passiv, ein- und uneingeschränkt) gab, ist das kein automatischer Widerspruch in sich. Vielleicht kann dazu ein Spezialist mehr sagen. Gelaufen ist der nach Dülken, wenn ich mich nicht irre, und zwar an den dortigen Pfarrer. Dülken war eine Mairie (Bürgermeisterei) im Canton Bracht des Département de la Roer. Den Briefinhalt zeige ich ebenfalls, vielleicht interessiert es ja jemanden, ob sein Latein noch gut genug ist, um das zu lesen. Ansonsten zeigt der Text immerhin einen weitern Namen Aachens, Aquisgranum (Latein). Aix-la-Chapelle und Aachen hatten wir ja schon in Stempeltexten, ich hoffe darauf, irgendwann auch noch einen Beleg zeigen zu können mit dem niederländischen Namen Aken, was durch niederländische Bahnpoststempel möglich wäre. LG, Christoph
Clemens M Brandstetter Am: 04.07.2024 14:45:41 Gelesen: 17637 # 28
Sorry, alles was man sieht, muss man nicht erwähnen [alte Indianerweisheit!]. 1928: die alliierte Rheinlandbesetzung war schon beendet [1] - ebenso der Versuch, eine Rheinischen Republik zu gründen [2]. - Die NSDAP ist noch eine Splitterpartei... https://de.wikipedia.org/wiki/Alliierte_Rheinlandbesetzung https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Republik#Geschehnisse_in_verschiedenen_rheinischen_St%C3%A4dten_und_Gemeinden
reichswolf Am: 04.07.2024 14:55:58 Gelesen: 17631 # 29
Indianer hatten kein Internet, darum mussten sie auch keine Bilder darin beschreiben. Dass die Aussage Unfug ist, sieht der geneigte User übrigens u.a. daran, dass z.B. auf X (früher Twitter) ein Extra-Feature existiert, um Bilder mit Worten zu beschreiben. Da geht es um Sehbehinderte (Vorlesesoftware gibt es ja auch noch). Hier geht es, wie ich schon schrieb, um Auffindbarkeit. Kann man mit gutem Willen auch leicht nachvollziehen. Die Belgier waren bis Ende November 1929 in Aachen (Tipp: Lies, was du verlinkt hast!). Die "Rheinische Republik" und die NSDAP habe ich nie erwähnt, warum auch, bei diesem Beleg?
Stefan Am: 04.07.2024 15:12:31 Gelesen: 17622 # 30
@ Clemens M Brandstetter [#28] Sorry, alles was man sieht, muss man nicht erwähnen [alte Indianerweisheit!]. Es wäre schon sinnvoll, kurz mit ein paar Stichworten beschreiben, was man vor sich liegen hat. Die Forumssuche kann keine Grafiken durchsuchen. Deshalb schreibt der Forumsbetreiber Richard immer mal wieder Mitglieder an mit der Bitte, nicht nur Scans aus (Ausstellungs-)Sammlungen kommentarlos zu zeigen sondern auch ein paar Worte dazu zu schreiben. Klar, so ziemlich jeder Leser kann den Text in der Grafik lesen, nur findet man hinterher über die Forumssuche nichts mehr wieder (über Google aktuell weiterhin auch nicht - vielleicht klappt dies in ein paar Jahren massentauglich). Inhaltlich geht es in dem Telegramm aus Beitrag [#23] um Dankesgrüße des Capitaine Ley an einen Chef bzw. Leiter in Aachen. Er war nach Belgien zurückgehrt und scheinbar wurde kurz zuvor seine Einheit in Aachen aufgelöst. Er äußert seine Zufriedenheit über die Art und Weise des Aufenthaltes in Aachen. Weiterhin wünscht er dem Empfänger des Telegramms alles Gute für eigene Gesundheit und dessen Karriere. Gruß Stefan
Clemens M Brandstetter Am: 04.07.2024 17:10:05 Gelesen: 17597 # 31
@ reichswolf [#29] Ups, danke - Irrtum - ich war beim rechtsrheinischen Ruhr-Gebiet. https://de.wikipedia.org/wiki/Alliierte_Rheinlandbesetzung#/media/Datei:Occupation_of_the_Rhineland.png
Richard Am: 04.07.2024 21:07:59 Gelesen: 17572 # 32
@ Stefan [#30] Es wäre schon sinnvoll, kurz mit ein paar Stichworten beschreiben, was man vor sich liegen hat. Die Forumssuche kann keine Grafiken durchsuchen. Deshalb schreibt der Forumsbetreiber Richard immer mal wieder Mitglieder an mit der Bitte, nicht nur Scans aus (Ausstellungs-)Sammlungen kommentarlos zu zeigen sondern auch ein paar Worte dazu zu schreiben. Hallo Stefan, das habe ich ihm schon mehrfach mitgeteilt - leider absolut ohne Wirkung. Und dass in Beitrag [#28] auf das @ klicken soll, ebenfalls - ohne Wirkung. Nächstes Mittel von mir ist "Beiträge verschwinden lassen". Schöne Grüsse, Richard
Clemens M Brandstetter Am: 04.07.2024 23:50:45 Gelesen: 17548 # 33
@ Richard [#32]

Apropos Reisswolf - ich wünsche dass meine Beiträge [23], [25], [28] und [31] gelöscht werden - danke!
reichswolf Am: 05.07.2024 11:23:01 Gelesen: 17477 # 34
Schade, dass der Hickhack scheinbar dafür gesorgt hat, dass mein letzter Beleg unbeachtet blieb. Na egal. Heute zeige ich eine Anschriftenprüfkarte, die am 02.01.1950 in Hamburg aufgegeben wurde. Entwertet wurde die Marke (MiNr. 74) mit dem Maschinenstempel HAMBURG 1 b mit Wellen links. Gelaufen ist die Karte nach Ronheide in Aachen, genauer gesagt an die dortige Poststelle I. Die Prüfung der erfagten Adresse ergab, dass der fragliche Empfänger unbekannt verzogen 1944 war. Daher erhielt die Karte anschriftenseitig den Stempel An Absender zurück in schwarz. Also ging die Karte zurück an das Honighaus Bienenfleiß, dem mit Sicherheit einige Sammler hier schon begegnet sind. LG, Christoph
reichswolf Am: 06.07.2024 14:47:39 Gelesen: 17386 # 35
Ich wünschte wirklich, der Threadtitel würde wieder geändert, denn es soll hier ganz ausdrücklich NICHT nur um MEINE Sammlung drehen, sondern um alles, was mit Aachen als Postort (inkl. OPD) zu tun hat. Und ich erhoffe mir ebenso ausdrücklich, dass andere User passende Stücke aus ihren Sammlungen zeigen. Evtl. sogar ergänzt durch die Vorstellung anderer, nicht philatelistischer, aber verwandter Sammelstücke, z.B. alter Adressbücher. Daher präferiere ich immer noch den ursprünglich von mir gewählten, ganz schlichten Titel Aachen. Oder von mir aus Der Postort Aachen. So jedenfalls läuft der Titel meiner Intention entgegen. Ich glaube fest daran, dass die User hier in der Lage sind, auch einen Thread nur mit dem Ortsnamen nicht mit Nachrichten zu aktuellen Tanzveranstaltungen am Ort zu fluten. Zum Thema: Ich mag Absenderstempel von allen Arten von Gewerbetreibenden, denn sie spiegeln ein Stück Wirtschaftsgeschichte, so wie die Poststempel die Postgeschichte. Daher sammle ich gerne auch Belege wie den folgenden, der rein philatelistisch betrachtet nicht viel hergibt. Es ist eine Postkarte vom 17.08.1904 mit dem Motiv Aachener Dom von der Südseite, ein sehr häufiges Motiv. Der Tagesstempel AACHEN * 1 i wurde mindestens 20 Jahre lang genutzt, die Marke in dem Zustand ist im Prinzip Müll. Ansonsten zeigt die Karte noch den französischen Ankunftstempel TOURCOING NORD vom 18.08. ( Nord ist das Departement, Tourcoing wird zehn Jahre später vier Jahre lang von deutschen Truppen besetzt werden). Mich interessierte hier lediglich der hübsche Stempel des Hôtel Grand Monarque Anton Welchert Aix-la-chapelle., der ebenfalls das Aufgabedatum zeigt. LG, Christoph
webpirate Am: 06.07.2024 19:20:00 Gelesen: 17314 # 36
@ reichswolf [#11] Die Kette mit den Burtscheider Stempeln kann ich noch ein wenig weiterspinnen und die dort verwendeten Kreisstempel mit Segment oben zeigen. Vor der von dir schon beschriebenen Eingemeindung 1897 war zunächst noch dieser im Einsatz BURTSCHEID / (BZ. AACHEN) / * a hier auf einer Postkarte vom 24.10.1891 und nachfolgend die beiden nach der Eingemeindung ab April 1897 eingesetzten AACHEN- / BURTSCHEID 1 / * * vom 22.10.1904 AACHEN- / BURTSCHEID 2 / * * vom 06.02.1902 Gruß Denis
reichswolf Am: 07.07.2024 11:57:24 Gelesen: 17256 # 37
@ webpirate [#36] Hallo Denis, danke für's Mitmachen. Besonders den Brief der Firma Scheibler finde ich stark, zu diesem Aachener Autobauer habe ich selbst bislang keine Belege. Jetzt weiß ich gar nicht, welchen Faden ich weiter verfolgen soll, Burtscheider Stempel, Aachener KOS oder lieber Autos aus Aachen :-) Ich entscheide mich mal für die Autos und zeige eine Vignette der Firma Fafnirwerke Aktiengesellschaft [1]. LG, Christoph [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Fafnir-Werke
reichswolf Am: 08.07.2024 19:38:28 Gelesen: 17165 # 38
Heute wieder etwas streng philatelistisches, aber ich bleibe bei Burtscheid als Thema, allerdings diesmal als Destination, nicht als Aufgabeort. Auf dem Brief vom 20.09.1810 aus Madrid findet sich als Zielangabe Borcete Zerca de Aquisgrana [sic!]. Borcette (mit zwei t) ist der französische Name Burtscheids, und da die Stadt genau wie Aachen selbst zum Département de la Roer gehörte, ist die Angabe auch absolut richtig. Zerca de Aquisgrana bedeutet nichts anderes als bei Aachen, wobei ich nicht weiß, ob die Schreibweise von cerca mit z damals normal war. Vorderseitig zeigt der Brief den Stempel ESPAGNE PAR BAYONNE, ein Transitstempel für Briefe aus Spanien über Bayonne nach Frankreich. Leider kann ich (wie gewohnt) nichts zur Taxierung sagen, da hoffe ich auf bayern klassisch oder andere Berufene. Die Rückseite gibt für mich keine weiteren Informationen preis, und den Briefinhalt kann ich aufgrund fehlender Spanischkenntnisse auch nicht wiedergeben. Ich zeige ihn dennoch, man weiß ja nie, ob er nicht für irgendeinen Leser von Interesse ist. LG, Christoph
reichswolf Am: 13.07.2024 11:02:47 Gelesen: 16924 # 39
Heute wieder was ganz schlichtes, nämlich eine Postkarte, die ich heute erhalten habe. Die Karte datiert vom 01.06.1915 und wird anschriftenseitig als Deutsche Kriegskarte statt Postkarte bezeichnet. Bildseitig ist Kaiser Wilhelms II. berühmter Satz "Ich kenne keine Parteien mehr, kenne nur noch Deutsche" unter seinem Bildnis abgedruckt. Mit diesem Satz beschwor Wilhelm II. sein Volk, einen Burgfrieden zu schließen, also untereinander eins zu sein gegen die äußeren Feinde. Wie weit dieser Burgfrieden ging, zeigt der Herausgeber der Karte, das Central-Komitee vom Roten Kreuz, Berlin W35. Denn das auf Anregung von Henry Dunant 1863 gegründete Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat eine ausschließlich humanitäre Mission, basierend auf den Prinzipien der Unparteilichkeit, Neutralität und Unabhängigkeit, dem Schutz des Lebens und der Würde der Opfer von Kriegen und innerstaatlichen Konflikten. Die vorliegende Karte tritt diese Werte regelrecht mit Füßen. Die Germania-Marke zu 5 Pfennig wurde entwertet mit der Universal-Halbstempelmaschine AACHEN * 1 V. Mit diesem Stempeltext gab es drei verschiedene Geräte in Aachen, leicht unterscheidbar durch die Breite des Schriftzuges AACHEN, gemessen von der Spitze das ersten A und dem oberen Ende des rechten Schenkels des N. Die entsprechenden Maße sind 19,5 mm (hier zu sehen), 17,5 mm und 15,5 mm. Zur Spionageabwehr wurde in den Grenzkreisen ab dem 12.04.1915 der Inlandspostverkehr überwacht. Von der Aachener Überwachungsstelle stammt der violette Gummistempel Aachen-Stadt zu befördern * P.K. *. In dieser Form existierten mindestens zehn verschiedene Geräte, die über die genaue Anordnung des Textes und der Sterne unterscheidbar sind. LG, Christoph
reichswolf Am: 14.07.2024 00:21:40 Gelesen: 16835 # 40
@ reichswolf [#39] Hier noch ergänzend etwas ganz ähnliches. Die Wohlfahrtspostkarte wurde herausgegeben zum Besten des Deutschen Vereins für Sanitätshunde Oldenburg i/Gr. Zu diesen Hunden sowie dem Verein siehe [1]. Die Bildseite zeigt hier den Generalleutnant Ludendorff, Chef des Stabes der Streitkräfte im Osten und damit einen der wichtigsten Militärs des Deutschen Reiches im I. Weltkrieg. Anschriftenseitig findet sich auf der Karte neben der Frankatur eine Vignette mit der Inschrift Kreuz-Pfennig-Sammlung 1914 und der Wertziffer 5. Diese Vignette gibt es auch mit der Wertziffer 2, desweiteren existieren Karten, auf denen das Motiv der Vignette direkt aufgedruckt ist. Der Tagesstempel vom 21.06.1915 ist der selbe wie oben in [#39], der Postüberwachungsstempel eines der erwähnten textgleichen Geräte. Der deutlichste Unterschied ist die Stellung des P.K.. Die Buchstaben stehen hier deutlich enger beieinander. LG, Christoph [1] https://www.drk-nordrhein.de/rettungshunde/geschichte
Lars Boettger Am: 14.07.2024 18:20:45 Gelesen: 16780 # 41
@ Clemens M Brandstetter [#15]

Hallo Clemens,

bei solchen Transitbriefen interessiert mich immer, warum und für was der Empfänger die 11 Décimes bezahlen musste und wie hoch der an Preussen und an Russland vergütete Anteil war. Dann hast Du noch das postgeschichtliche Problem, in welcher Gewichtsstufe der Brief lag.

Beste Grüsse!

Lars
reichswolf Am: 15.07.2024 14:45:57 Gelesen: 16672 # 42
@ Lars Boettger [#41] Genau deswegen habe ich mir jetzt für den Anfang die preußisch-französischen Postverträge von 1817 und 1827 besorgt. Aber haben und verstehen sind halt zweierlei, ich tue mich mit der Sprache durchaus schwer. Heute mal etwas völlig kurioses, wie ich finde. Der Brief vom 02.06.1920 aus dem finnischen Turku (schwedisch Åbo) lief nach Aachen, womit er in meine Sammlung passt. Zu den Marken kann ich leider nichts sagen, dazu fehlt mir Katalog. Der Tagesstempel ÅBO * TURKU * * ist vermutlich ein altes russisches Gerät, bei dem die russische Schreibweise АБО entfernt wurde. Interessanterweise steht in der Adresse trotz des Zieles Aachen nicht Deutschland, sondern Frankrike, außerdem wird ein Secteur postale 191 als Teil der Anschrift angegeben. Aachen war aber 1920 kein Teil Frankreichs, auch wenn die Stadt nach dem Ersten Weltkrieg zeitweise von französischen Truppen besetzt wurde. Der Empfänger, das Centre de Liaison Française (C.L.F.), gibt Aufschluss über den Hintergrund. Der militärische Geheimdienst der Franzosen richtete das C.L.F. als Tarnorganisation ein, mittels derer im Rheinland das besiegte Deutschland nachrichtendienstlich überwacht wurde. Das C.L.F. in Aachen saß in der Villa von Hans Benno Hermann von Luttitz, Major a. D., als solcher Teilnehmer am I. Weltkrieg und Träger des E.K. I. 1923 zog das C.L.F. dann nach Düsseldorf um. Die Zentrale des Dienstes saß in Paris. Rückseitig zeigt der Brief folgerichtig keine deutschen Stempel, sondern zwei französische Militärpoststempel: PARIS-B.P. SECTION-MILITAIRE * vom 08.06. und TRESOR ET POSTES * 191 * * (vgl. Anschrift) vom 09.06. Die historischen Angaben in diesem Beitrag habe ich einem französischsprachigen PDF [1] entnommen. Da mein Französisch nicht besonders ist, verlinke ich das PDF einmal, vielleicht hat ja jemand Lust, mich zu überprüfen. Unter [2] findet sich aber zumindest eine teilweise Bestätigung dessen, was ich schrieb. LG, Christoph [1] http://www.aassdn.org/001.pdf [2] http://www.familienbuch-euregio.de/genius/?person=579999
reichswolf Am: 16.07.2024 21:09:36 Gelesen: 16584 # 43
@ reichswolf [#11] @ webpirate [#36] Noch einmal ein Stempel aus Burtscheid, diesmal der Gitterstempel AACHEN- BURTSCHEID 1 vom 23.05.1907 auf einer MiNr. 86 I. Gelaufen ist die Postkarte nach Antwerpen (französisch Anvers). Sie erhielt dort den Ankunftstempel ANVERS ARIVEE, und das nur sieben Stunden nach der Aufgabe. Außerdem ist ein schwach abgeschlagener und daher nicht sicher identifizierbarer Briefträgerstempel aus Antwerpen zu sehen. Bildseitig zeigt die Karte das Maria-Hilfs-Hospital. Zur Geschichte dieses Hauses und des dazugehörigen Klinikgartens heißt es auf Wikipedia [1]: "Nachdem Anfang der 1850er-Jahre das von Stadtbaumeister Friedrich Joseph Ark entworfene Maria-Hilf-Hospital in Aachen mit 260 Betten als konfessionelles Allgemeines Krankenhaus an der Monheimsallee [...] im Stadtzentrum errichtet worden war, wurde 1852 der dazugehörende großräumige Klinikgarten [...] angelegt. Um die laufenden Kosten für die Instandhaltung des Parks zu decken, wurde dieser ab 1870 gegen Entgelt für den Publikumsverkehr freigegeben und wurde damit zu einem städtischen Garten. Im Jahr 1885 erfolgte eine erste Erweiterung der Anlage um [...] einen botanischen Garten und um [...] einen dendrologischen Garten. Zudem richtete die Stadtgärtnerei auf dem Areal ein Palmenhaus, zwölf Gewächshäuser und eine Orangerie ein. [...] Schließlich erhielt im Jahr 1900 auf dem Wingertsberg das neue Meteorologische Observatorium Aachen einen geeigneten Standort [Anmerkung: dieses Institut erhielt bis 1935 auch täglich Wetterdaten aus Doorn, Niederlande. Diese Meldungen endeten mit dem Tod des Melders, eines gewissen Wilhelm II.]. Im Zuge der Planung und Umsetzung eines neuen Aachener Kurbezirkes zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde ab 1904 das Maria-Hilf-Hospital stufenweise in die neu erbauten städtischen Anlagen an der Goethestraße verlegt und anschließend das alte Gebäude abgerissen. Danach erfolgte zwischen 1914 und 1916 an Platz des ehemaligen Hospitals der Bau des Kurhotels Quellenhof, des Kurmittelhauses, einer Wandelhalle und des Neuen Kurhauses. Zugleich wurde der bis dahin bestehende öffentliche Spitalpark [...] zu einem [...] Kurpark und Stadtgarten umgestaltet [...]." Der Quellenhof ist bis heute international bekannt, auch wenn seine Glanzzeit lange vorüber ist. Im Neuen Kurhaus war bis 2015 das Casino Aachen untergebracht. Der Kurpark selbst bietet bis heute Erholung für die Aachener, und die jährlich stattfindenden Kurpark Classix, ein Open-Air–Festival mit nationalen und internationalen Stars aus Klassik, Rock und Pop, sind ein Highlight im Aachener Veranstaltungskalender. Irgendwann zeige ich auch dazu mal Belege. LG, Christoph [1] https://de.m.wikipedia.org/w/index.php?title=Stadtgarten_Aachen&diffonly=true#Kurpark_und_Stadtgarten
reichswolf Am: 23.07.2024 12:23:03 Gelesen: 16469 # 44
Heute zeige ich einen KOS aus Aachen, genauer aus STEINEBRÜCK b. AACHEN * *, vom 20.07.1900. Gelaufen ist die Ansichtskarte nach Huy in Belgien, wo die Karte noch am Aufgabetag (trotz relativ später Aufgabe) ankam und den Stempel HUY (NORD) sowie den Briefträgerstempel 1 erhielt. Steinebrück gehörte ursprünglich zu Burtscheid, doch mit der Eingemeindung Burtscheids nach Aachen am 01.04.1897 kam auch Steinebrück zur Kaiserstadt. Eine Postagentur gab es in Steinebrück vom 25.09.1899 bis ca 1910. Auf der Bildseite sieht man den Pelzerturm im Aachener Stadtwald. Dazu heißt es bei Wikipedia [1]: "Der Pelzerturm befand sich auf der Bergkuppe Steineknipp, die mit 358 m über NN Höhe den höchsten Punkt des Aachener Stadtwaldes darstellt. Die ursprüngliche Konstruktion bestand aus mächtigen Baumstämmen und wurde 1886 auf Anregung des Oberförsters Franz Oster errichtet. Am 14. Juli 1899 wurde der Nachfolger dieses ersten Turmes nahe dem ursprünglichen Standort eingeweiht. Der neue Turm war aus Bruchsteinen nach Entwürfen des Architekten Hermann Jansen gebaut. Sein Grundriss war rechteckig. Er hatte eine ebenerdige Vorhalle und ein doppelt angelegtes Treppenhaus. Der Turm hatte eine Plattform mit Galerie in 27 m Höhe und war bis zur Wetterfahne 42 m hoch. Auf etwa halber Höhe zur Plattform gab es eine Zwischenetage. Das Dach des Turms war mit einem auf die Ecke gesetzten Türmchen mit Spitzdach verziert, das Wetterfahne und Blitzableiter trug. Vom Pelzerturm bot sich ein Ausblick bis zur Stadt Stolberg und weiter bis in den Landkreis Aachen sowie ins Hohe Venn. Der Pelzerturm mit angeschlossener Außengastronomie wurde zu einem beliebten Ausflugsziel. Zudem befand sich bis 1945 am Fuße des Pelzerturmes eine Außenstelle des Meteorologischen Observatoriums Aachen, die mit einer Englischen Hütte ausgestattet war. Der Turm erhielt am 30. März 1915 seinen Namen nach Ludwig Pelzer, dem am 1. März 1915 verstorbenen ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt Aachen. 1944 wurde der Pelzerturm von amerikanischen Truppen gesprengt. Heute zeigen noch verstreute Steinreste den ehemaligen Standort." LG, Christoph [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Pelzerturm
reichswolf Am: 26.07.2024 14:04:04 Gelesen: 16339 # 45
Eine Bogenecke unten links der MiNr 756 auf Brief vom 02.04.1942 mit Handwerbestempel AACHEN · 742 1942 · GROSSDEUTSCHLAND GEDENKT KARLS DES GROSSEN nach Hann. Münden. Kaiser Karl wurde wahrscheinlich am 02.04.747 vllt. auch 748, aber eher nicht 742, wie der Stempel sagt) geboren, und da Aachen und Karl der Große eng verbunden sind (er machte Aachen zur Kaiserpfalz, der Dom geht auf seine Kapelle zurück), wurde sein Geburtstag mit diesem Sonderstempel gefeiert. LG, Christoph (der Vollständigkeit halber kopiert aus Deutsches Reich Belege mit Sondermarken 1933 bis 1945)
bayern klassisch Am: 26.07.2024 14:08:27 Gelesen: 16337 # 46
@ reichswolf [#38] Hallo Christoph, dein schöner Brief aus Spanien sollte 12 Decimes gekostet haben. Ein Grenzfranko Spaniens (bis La Junquera oder Irun) kann ich nicht erkennen, aber den Postvertrag Frankreichs mit Spanien kenne ich leider nicht, sonst wäre ich sicherer mit meiner Aussage. Liebe Grüsse, Ralph
reichswolf Am: 26.07.2024 14:53:19 Gelesen: 16332 # 47
Heute ein paar Belege von der Truppensammelstelle in Aachen. Vom 25.06.1916 stammt die erste Karte. Tagesstempel war eine Universal-Halbstempelmaschine AACHEN * 1 V, hier die mit 17,5 mm breitem Schriftzug (vgl. [#39]). Der Absenderstempel lautet Truppen-Sammelstelle * Aachen * Brief- Stempel, der Empfänger lebte im Kreis Hadersleben. Der gehörte damals zu Schleswig-Holstein, musste jedoch 1920 an Dänemark abgetreten werden. Wenn ich mich nicht irre, ist der Text auch auf Dänisch. Die Bildseite zeigt den alten Ba(h)kauvbrunnen von 1904, der eine Aachener Sage figürlich (aber fehlerhaft) darstellt ([1],[2]). Am 14.9.1918 wurde die unten gezeigte Feldpostkarte aus Aachen an einen Empfänger beim Infanterie-Regiment 120 geschickt. Als Tagesstempel fungierte ebenfalls eine der Universal-Halbstempelmaschinen AACHEN * 1 V, hier die mit 15,5 mm breitem Schriftzug. Als Absenderstempel erhielt sie den dreizeiligen Rahmenstempel S. B. Truppensammelstelle Aachen, außerdem von der Inlandspostüberwachung einen der Einkreiser Aachen-Stadt zu befördern * P.K. * (vgl. ebenfalls [#39]). Allerdings war der Empfänger nicht so leicht auszumachen, wie die verschiedenen Stempel zeigen, die angeben, zu welchen Einheiten er jeweils nicht gehörte: Nicht 1. E. 120., N. 1. GARN. ?. E/120 und Nicht 1. Gen. E1/120 (wenn ich die Stempel alle richtig lese). Schlussendlich scheint die Karte dann nach Gertingen (heute Guerting) gelaufen zu sein. Die Bildseite zeigt das Neue Kurhaus, also einen räumlichen Nachfolger des in [#43] gezeigten Maria-Hilfs-Hospitals. Vom 25.10.1918 stammt die nächste Karte, gelaufen nach Penig. Der Tagesstempel ist ein schlecht abgeschlagener AACHEN * 1 c, auch hier gab es zusätzlich noch einen Stempel der Inlandspostüberwachung. Die Bildseite zeigt hier links das alte Verwaltungsgebäude und mittig die Rückseite des Rathauses (der bauliche Nachfolger der Kaiserpfalz Karls des Großen). Der Platz davor ist der Katschhof, ein Platz, auf dem heute Flohmärkte, Konzerte, das Aachener Domspringen und der Archimedischen Sandkasten regelmäßig das kulturelle Leben der Stadt bereichern. LG, Christoph [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Bahkauv [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Bahkauvbrunnen
reichswolf Am: 26.07.2024 14:57:42 Gelesen: 16329 # 48
@ bayern klassisch [#46] Danke vielmals!
reichswolf Am: 04.08.2024 10:46:49 Gelesen: 16153 # 49
@ reichswolf [#47] In Ergänzung zu obigem Beitrag hier noch eine Karte mit dem Zweikreisstempel Truppen-Sammelstelle * Aachen * Brief- Stempel, diesmal vom 13.05.1916. Der Tagesstempel der Reichspost ist AACHEN * 1 h. Laut Text der Karte war der Absender wohl verwundet, jedenfalls war er nur garnisonsdienstfähig und auf der Reise nach Graudenz zu seinem Ersatzbataillon. Der Empfänger war ebenfalls Soldat, und zwar bei der Reserve-Eisenbahnbaukompanie 32, war aber laut der roten Notiz und der Änderung der Nummer in der Anschrift versetzt worden zur Reserve-Eisenbahnbaukompanie 20 in Laugszargen im damaligen Ostpeußen. Ab 1920 gehörte der Ort zum sogenannten Memelland, heute zu Litauen (Danke @charly999 und @chris63). Auf der Bildseite sehen wir eine Gesamtansicht Aachens, aufgenommen vom Lousberg (vgl. [#18]). Ziemlich in der Mitte ist das Rathaus zu sehen, hier mit den 1902 vollendeten beiden neugotischen Turmhelmen, die wegen eines Feuer 1883 nötig waren. Dazu mehr in einem anderen Beitrag. LG, Christoph
reichswolf Am: 06.08.2024 12:05:47 Gelesen: 16015 # 50
Und noch einmal ein paar Belege, die mit dem Lousberg zu tun haben. Lange Zeit war dieser Berg kahl und wurde nur als Weidefläche für Schafe genutzt. Noch unter Napoleonischer Herrschaft wurde jedoch damit begonnen, den Berg in einen Park zu verwandeln. Dazu wurde er aufgeforstet, und im Laufe der Jahre entstand dann dort auch die Gaststätte und Spielcasino Belvedere, zu sehen schon auf der Karte in [#18]. Dort existierte auch ein Briefkasten, in dem die Ausflügler ihre Post werfen konnten. Im Lokal wurden wohl auch Postkarten verkauft, die bereits blanko mit einem Stempel versehen wurden, der nicht postalischen Ursprunges ist, aber auf den Lousberg und den Briefkasten dort hinweist. Ca. von 1899 bis 1910 wurde der zweizeilige Rahmenstempel Postbriefkasten Aachen, Lousberg in violett, rot und blau dazu verwendet. Auf dem erstem Beleg ist der Stempel blanko in violett abgeschlagen. Die Bildseite zeigt Lous- und Salvatorberg, gut zu sehen darauf das Belvedere und die Salvatorkirche von 1886. Der gleiche Stempel, wieder in violett, auf einer Ansichtskarte, die am 05.08.1908 nach Roermond geschickt wurde. Tagesstempel war der Gittersegmentstempel AACHEN * 1 a, hier mit 8/8 Gittersegmentstrichen (es gibt einen textgleichen Stempel mit 6/6 Gittersegmentstrichen). Am Ziel gab es für die Karte noch den Ankunftstempel ROERMOND * 1 * und den Briefträgerstempel B.4. Hier jetzt der Stempel in rot auf einer AK nach Köln vom 15.06.1910 mit Tagesstempel AACHEN * 1 e. Ab 1911 nutzte das Lokal den Doppelkreisstempel Postbriefkasten * Aachen. * Lousberg in blau und rot. Auf der ersten Karte vom 02.09.1913 ist der Stemmpel in blau abgeschlagen. Der Tagesstempel lautet AACHEN * 1 g. Bildseitig sind zwei im Krieg 1870/71 eroberte französische Geschütze zu sehen. Die Texttafel auf dem Bild lautet G eschenk Sr. Majestät Kaiser Wilhelm I., gewidmet der Aachener Karlsschützen-Gilde für geleistete Ehrendienste während des Feldzuges 1870-71. Die Kanonen standen ganz in der Nähe des Belvedere, ausgerichtet waren sie ungefähr in Richtung St. Salvator. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Kanonen dann eingeschmolzen, um neue Waffen herzustellen. Zu guter letzt hier noch eine Karte nach Posen vom 31.05.1916. Die Universal-Halbstempelmaschine AACHEN * 1 V, hier mit 17,5 mm breitem Schriftzug (vgl. [#39], kennen wir ja schon. Der Lousberg-Stempel ist hier in rot zu sehen. LG, Christoph
reichswolf Am: 06.08.2024 14:14:33 Gelesen: 15997 # 51
Und nun zu etwas völlig anderem: AACHEN - KÖLN/BONN FLUGHAFEN ÜBERLANDPOST b auf Ganzsache vom 27.08.1973. Die Karte diente dem Postamt Aachen 1 als "Antwortkarte" auf eine Anfrage eines Sammlers bzgl. der Überlandpoststempel, daher zeigt sie im Absenderfeld den Abschlag des "Absenderstempels" Postamt 1 - III 3 - in violett. Rückseitig erklärt der Post-Mitarbeiter, dass die ÜpU seit dem 01.04.1963 existiert und nur ein, bisher unveränderter, Stempel geführt wird. LG, Christoph (aus dem Thread Bahnpost: Überlandpost Stempel kopiert)
reichswolf Am: 11.08.2024 12:03:21 Gelesen: 15826 # 52
Anfang August 1914 beginnt der Erste Weltkrieg. Aachen hatte auch damals eine besondere Bedeutung, wurde es als Grenzstadt quasi automatisch zu einer wichtigen Lazarettstadt und zum Aufmarschgebiet (vgl. dazu [#47] und [#49]) der deutschen Truppen. In den Morgenstunden des 4. August 1914 marschieren deutsche Truppen aus der Aachener Region unter Bruch des Völkerrechts in das neutrale Belgien ein, womit fast augenblicklich die Hölle über Europa hereinbrach. An anderer Stelle im Forum habe ich schon einmal ein paar Belege aus Aachener Lazaretten gezeigt, hier zeige ich sie noch einmal gesammelt und um ein paar weitere Stücke ergänzt. Trotzdem ist die Sammlung wohl ziemlich unvollständig, daher würde ich mich über Ergänzungen sehr freuen! Außerdem bin ich bisher außerstande gewesen, weiterführende Informationen zu den Lazaretten zu finden. Weder scheint es eine Gesamtdarstellung zu geben, welche Lazarette es gab, noch finde ich Eröffnungs- und Schließungsdaten. Daher müssen Die Belege komplett für sich stehen. Folgende Karte zeigt den Truppenstempel Reserve-Lazarett I Aachen * Abt. Mariahilf u. Josepfinum * und den Tagesstempel AACHEN * 1 ? (ich schätze, es wird der UB e sein). Gelaufen ist die Karte am 26.8.1915 in Richtung Front. Die Bildseite zeigt das Landesbad in Burtscheid. Dieses wurde in den Jahren 1907 bis 1912 an Stelle einer Tuchfabrik errichtet. Das Landesbad nutzt Thermalwasser, wobei einzelne Quellen mit 74 °C zu den heißesten Thermalquellen Mitteleuropas gehören. Die nächsten zwei Belege stammen aus dem gleichen Lazarett, tragen aber den etwas anderen Truppenstempel Reserve-Lazarett I Aachen Abt. Mariahilf u. Josefinum . Der erste Beleg ist ein Brief vom 27.01.1917 mit dem bereits bekannten Maschinenstempel AACHEN * 1 V ("AACHEN" 17,5 mm breit). Da die Rückseite leer ist, zeige ich sie nicht, statt dessen aber den Briefinhalt. Am 05.07.1917 lief folgende Karte nach Dresden. Der Tagesstempel ist der gleiche wie beim letzten Beleg. Bildseitig sieht man den Hansemannplatz. Dieser Platz wurde nach dem Unternehmer und Politiker David Justus Ludwig Hansemann (* 12.07.1790; † 04.08.1864) benannt, dessen Statue auf der Karte in der Bildmitte zu sehen ist. Von bleibender Bedeutung ist er für Aachen nicht nur als Gründer der Aachener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft (später AachenMünchener), sondern auch, weil er maßgeblich daran beteiligt war, dass die Bahntrasse von Köln nach Antwerpen über Aachen führt. Der Platz sieht heute ganz anders aus, die Statue ist aber noch da. Immer noch das RL I, jetzt aber Reserve-Lazarett I. • Abt. Franziskanerinnen • Aachen Paulusstr. 10 und Tagesstempel AACHEN * 1 V (mit 17,5 mm breitem Schriftzug) vom 17.06.1916 auf Ansichtskarte vom Lehrter Bahnhof (Berlin). Auf der nächsten Karte vom 23.01.1917 sieht man einen textgleichen Truppenstempel wie beim letzten Beleg, der nun aber statt des Adlers ein Kreuz in der Mitte zeigt. Der Kreisgitterstempel AACHEN * 2 * ist etwa von 1900 bis 1926 belegt. Das Motiv ist der Dom, vom Rathaus aus gesehen. Rechts im Bild das alte Verwaltungsgebäude (vgl. [#10]). Königl. Reservelazarett * Aachen II * Brief- Stempel und Tagesstempel AACHEN * 1 e vom 06.11.1914 auf Karte nach Köln. Auf der Rückseite sind der Dom und der Elisenbrunnen zu sehen. Dieser "ist ein klassizistischer Bau der Architekten Johann Peter Cremer und Karl Friedrich Schinkel. Benannt wurde der Bau nach der preußischen Kronprinzessin Elisabeth Ludovika von Bayern (Elise). Er Elisenbrunnen besteht heute aus einer offenen Wandelhalle mit dorischem Säulenvorbau und jeweils einem Pavillon links und rechts mit mehreren Räumlichkeiten. Aus zwei Trinkbrunnen fließt das warme Wasser der Kaiserquelle (52 °C), das über eine Leitung vom Büchel zum Brunnen geleitet wird. Das Wasser ist stark schwefelhaltig, so dass vom Elisenbrunnen stets ein charakteristischer Geruch nach faulen Eiern (Schwefelwasserstoff) ausgeht." [1] Im "E-Brunnen" hängen auf Tafeln die Namen der berühmtesten Besucher, ein echtes Who-is-Who der Geschichte mit Namen wie Casanova, Zar Peter der Große und oder Kaiserin Josephine. Leider wurde auch der Elisenbrunnen im 2. Weltkrieg stark beschädigt, so dass er heute in vielen Details nicht mehr dem Original entspricht. Der Text ist hier sehr eindrucksvoll: "Liebe Eva. Wie Du schon von meiner Schwester Bertha hörtest, liege ich seit 1 Woche mit kaput [sic!] geschossenem Kopf hier in Aachen im Lazarett. Es geht mir ganz gut, aber so bald doch noch nicht wieder rauskommen. Vielen Dank für deine Karte und herzl. Grüsse sendet Dir Karl". Was wohl aus Karl wurde? Der gleiche Lazarettstempel, hier mit Maschinenstempel AACHEN * 1 V (19,5 mm), auf Karte vom 16.01.1916 nach Berlin-Friedenau. Auf der Karte sieht man das Hauptpostgebäude in Aachen, das sich leicht konkav dem Verlauf des Kapuzinergrabens anschmiegt. Der Komplex enthielt neben dem Postamt auch das Telegrafenamt, das Postspeditionsamt XIII und die Verwaltung der OPD Aachen. Heute fehlen der Giebel und die Türme. In dem Gebäude sind zahlreiche Geschäfte, und im ehemaligen Hinterhof findet man u.a. das Cinekarree mit neun Kinos. Das ganze Areal nennt sich heute Kapuziner Karree. Und noch einmal auf Ansichtskarte nach Mayen vom 9.5.1916 mit Tagesstempel AACHEN * 1 u, wieder mit dem Landesbad als Motiv. Auch das Reserve-Lazarett II hatte offenbar mehrere Abteilungen, es folgen zwei Belege des Reserve-Lazarett II. Aachen Abt. Krankenhaus FORST. Der erste Abschlag findet sich auf einer AK vom 19.05.1915 mit nicht identifizierbaren Tagesstempel aus Aachen. Gelaufen ist die Karte nach Kiel-Gaarden. Sie zeigt das Motiv Kreuzgang im Dom. Abschlag Nummer 2 ist vom 24.07.1916, Tagesstempel ist AACHEN * 1 V (17,5 mm). Zusätzlich zu den Stempeln trägt die Karte nach Rosenheim eine nicht notwendige Feldpost-Vignette. Der im Bild zu sehende zweischiffige Krönungssaal im Rathaus war mit 45 m Länge und 18,5 m Breite nach seiner Errichtung um 1349 der größte profane Saal im Heiligen Römischen Reich. Heute finden darin unter anderem Die Karlspreis-Verleihungen statt. Nur einen Beleg besitze ich mit dem Stempel RESERVE-LAZARETT 4 * AACHEN *. Die Weihnachtsgrußkarte vom 22.12.1914 hat den Tagesstempel AACHEN * 1 k und lief nach Pillmannsgrün in Sachsen. Es folgen Belege des RL V, zuerst einer mit dem Stempel RESERVE-LAZARETT * AACHEN V. *, hier mit dem Maschinen-Tagesstempel AACHEN * 1 V (17,5 mm) vom 25.04.1917. Als nächstes zeige ich zwei Belege mit dem Truppenstempel RESERVE-LAZARETT V * AACHEN * Brief- Stempel in einer Antiqua-Schrift. Die erste Karte trägt den Tagesstempel AACHEN * 1 k und lief am 17.2.1915 nach Berlin. Sie zeigt das Ponttor, das neben dem Marschiertor eines der beiden heute noch erhaltenen der ehemals elf Stadttore Aachen ist. Es wurde gegen Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut, als neue Siedlungen und Kirchen außerhalb der alten Stadtmauer eine zweite Stadtbefestigung erforderten. Heute wird es von der Deutschen Jungenschaft Aachen und von Pfadfindergruppen als Heim genutzt. Die Karte wurde für das Kaufhaus Hammonia gedruckt, welches 1913/14 in der Adalbertstraße 20–30 von Emil Felix erbaut worden war. Ab 1927 gehörte dieses Haus dann der Leonhard Tietz AG, bis diese von den Nazis arisiert wurde. Daraus wurde dann im Laufe der Zeit der Kaufhof. Die zweite Karte ist vom 4.5.1915 und lief nach Bremen-Vegesack. Tagesstempel ist hier AACHEN * 1 e. Zum Lousberg auf der Bildseite siehe [#18] und [#50]. Ebenfalls RESERVE-LAZARETT V * AACHEN * Brief- Stempel lautet das nächste Exemplar, aber dieser Stempel zeigt eine Grotesk-Schrift. Tagesstempel vom 30.05.1917 ist AACHEN * 1 V (17,5 mm). Zu sehen ist einmal mehr die Nordseite des Doms. Ziel der Karte war Nidda. Der nächste Stempel ist RESERVE-LAZARETT * AACHEN V. * mit Adler, hier zu sehen auf einer Karte nach Meiningen mit AACHEN * 1 V (19,5 mm). Die Anlage vor dem Hauptbahnhof sieht heute völlig anders aus, und der links im Bild zu sehenden Straßenbahn trauern selbst Menschen nach, die sie gar nicht mehr erlebt haben. Schließlich noch zwei Belege des RL VI. Ins Feld lief die folgende Karte mit dem Tagesstempel AACHEN * 1 a vom 6.4.1916 und dem Truppenstempel Kgl. Preuss. Res. Laz. VI Aachen Briefstempel. Zu guter Letzt noch der Stempel Kgl. Preuss. Res.-Lazarett VI * AACHEN * Brief- Stempel auf einer AK mit AACHEN * 1 V (17,5 mm) vom 26.3.1917. Die Karte nach Trier zeigt das Denkmal des 99-Tage-Kaisers Friedrich III. Dieses wurde 1911 auf dem Kaiserplatz errichtet. Die Umfassung existiert heute nicht mehr. LG, Christoph [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Elisenbrunnen
reichswolf Am: 23.08.2024 11:22:29 Gelesen: 15602 # 53
Heute zeige ich eine Künstlerkarte mit dem Motiv Aachen-Burtscheid Abtei-Kirche. Diese Kirche wurde vom Aachener Stadtarchitekten Johann Joseph Couven ab 1715 geplant und errichtet. Nach Jahrzehnten Bauzeit 1754 fertiggestellt wurde die Kirche unter den Franzosen säkularisiert (1802), vier Jahre später von Napoleon wieder als Gotteshaus zugelassen und im Zweiten Weltkrieg bei drei Bombenangriffen schwer beschädigt. Bis in die Sechziger Jahre wurde die Kirche wieder aufgebaut. Heute gehört St. Johann-Baptist zur „Katholischen Pfarrgemeinde St. Gregor von Burtscheid“, einer Großgemeinde in Aachen. Das Motiv der Karte stammt von Charles E. Flower, einem englischen Maler, der 1906 viel in Europa, besonders in Deutschland, arbeitete. Er "arbeitete [...] fast vier Jahrzehnte für den Londoner Postkarten-Verlag Raphael Tuck & Sons. Flowers Motive von seinen Reisen wurden überwiegend in dessen seit 1903 herausgegebener Postkartenserie Oilette (kleine Versionen von Ölgemälden) in hoher Auflage verkauft." [1] Genau eine solche Karte liegt hier vor. Gelaufen ist die Karte ohne Marke von AACHEN * 1 d nach Hamburg. Wahrscheinlich dort erhielt sie den Kreisstempel Porto. Aus Aachen jedenfalls ist mir ein Portostempel in dieser Form nicht bekannt. LG, Christoph [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_E._Flower
reichswolf Am: 27.08.2024 13:45:43 Gelesen: 15455 # 54
@ reichswolf [#52] Kleine Ergänzung zu obigem Beitrag: Reserve-Lazarett I * Aachen-Karlsburg * auf Karte aus 1915 (genaues Datum kann ich nicht lesen). Tagesstempel ist AACHEN * 1 u, gelaufen ist der Beleg nach Osterath (Meerbusch). Der rückseitige Text ist leider arg verblasst. Auf der Karlsburg wurde 1885 das Städtische Isolierspital für Seuchenkranke (Typhus- und Cholera-Patienten) mit 120 Betten eröffnet. Gleicher Truppenstempel, hier mit Universal-Halbstempelmaschine AACHEN * 1 V (19,5 mm breit) und Postkontrollstempel Aachen-Stadt zu befördern * P.K. * (vgl. [#39] & [#40]). Gelaufen nach Detmold. Zum Bahkauv auf der Bildseite s. [#47]. Reserve-Lazarett * Aachen * Hospiz Vogelgasse mit Tagesstempel AACHEN * 1 V (AACHEN 17,5 mm breit) vom 21.01.1918. Dankenswerterweise ist auf der Bildseite das Hospiz selbst abgebildet. In der Vogelgasse (heute Weyhestraße) gab es bereits vor dem Krieg ein Hospiz für Arbeiterinnen. Reserve-Lazarett * Aachen V * Brief- Stempel und AACHEN * 1 V (AACHEN 17,5 mm breit) vom 26.09.1917. Im Unterschied zu den textgleichen Stempeln oben ist dieser hier kein reiner Großbuchstaben-Stempel. LG, Christoph
reichswolf Am: 03.09.2024 12:50:46 Gelesen: 15287 # 55
Philatelistische gesehen völlig unspektakulär ist dieser eingeschriebene Brief vom 16.02.1935, freigemacht mit einer MiNr. 567 für das Briefporto und einer MiNr. 523 für die Einschreibegebühr. Entwertet wurden beide Marken mit dem Zweikreisbrückenstempel AACHEN 1 a. Der Brief ist leider an drei Seiten beschnitten worden zur Öffnung, wodurch die Marke zur Saarabstimmung ein paar Zähne verlor. Zum Absender kann ich trotz rückseitiger Angabe und Siegel nichts sagen. Auf der Rückseite ist außerdem der Ankunftstempel BERLIN W * 8 z. Gekauft habe ich den Brief trotz der Mängel, weil ich ein wenig der Faszination des Bösen erlegen bin und einen Brief an Hitler (freilich ohne Inhalt) für einen Euro nicht liegen lassen wollte. LG, Christoph (der Vollständigkeit halber kopiert aus dem Thema Deutsches Reich Belege mit Sondermarken 1933 bis 1945)
reichswolf Am: 03.09.2024 12:50:54 Gelesen: 15286 # 56
@ reichswolf [#52] @ reichswolf [#54] Und noch eine Ergänzung, und sicher nicht die letzte. Reserve-Lazarett * Marien-Hospital * Aachen mit Tagesstempel AACHEN * 5 e vom 01.06.1915. Gelaufen ist die Karte nach Köln. Bildseitig ist das Forsthaus Siegel im Aachener Stadtwald zu sehen. Dieses ist Namensgeber für die zu Steinebrück und damit zu Burtscheid gehörende Siedlung Siegel. Als nächstes zeige ich den Truppenstempel Reserve-Lazarett Augenheilanstalt AACHEN Stephanstr. 16/20 vom 11.06.1916 mit dem Maschinenstempel AACHEN * 1 V (17,5 mm) und einem der violetten Gummistempel Aachen-Stadt zu befördern * P.K. * der Aachener Überwachungsstelle (vgl. [#39]). Gelaufen ist die Karte nach Millich, heute Teil von Hückelhoven im Kreis Heinsberg. LG, Christoph PS: Ich kann gar nicht glauben, dass sonst niemand Aachener Belege zeigen kann / mag :-(
reichswolf Am: 04.09.2024 17:04:45 Gelesen: 15212 # 57
Eine Postkarte vom 23.01.1906 möchte ich heute zeigen. Aufgabestempel auf der Karte ist AACHEN * 3 *, der in Bruns/Kaußens-Stempelkatalog auch erst ab 1906 bekannt ist. Es ist also ein recht früher Abschlag dieses Stempels, der mindestens bis 1937 weiter in Verwendung war. Die Marke mit der MiNr. 86I zeigt das Perfin LEO der Firma Leo Lammertz, einer der großen Aachener Nadelfabriken. Gelaufen ist die Karte nach Wattwil in der Schweiz, wo sie laut Ankunftstempel am folgenden Tag ankam. Empfänger war wenig überraschend Theod. Raschle sel. Erben, eine Textilfirma. Die Firma Leo Lammertz wurde 1861 gegründet. 1994 übernahm die Firma Rheinnadel Leo Lammertz, es wurden viele alte Gebäude abgerissen und Mitarbeiter entlassen. 2003 endete die Nadelproduktion, die Nadeln der Firma Lammertz werden aber noch immer gehandelt (schaut mal bei ebay), weil sie eine so hohe Qualität haben. Einige erhaltene Gebäude werden heute von der Stadt und von Vereinen genutzt. Eine weitere Spur in Aachen hat die Familie Lammertz mit der Villa Königshügel auf der Hörn hinterlassen, die heute denkmalgeschützt ist und als Gästehaus der RWTH Aachen dient. Der Beleg ist ein weiteres Indiz für die Bedeutung, die die Textilindustrie und damit auch die Nadelindustrie im Aachener Raum früher hatte. Erste Hinweise darauf sind bereits hier im Thread enthalten, und zwar in [#52]. Dort ist erwähnt, dass auf dem Gelände des Landesbades in Burtscheid vorher eine Tuchfabrik stand, außerdem wird dort bereits David Hansemann genannt, der nicht nur die Aachener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft und die Disconto-Gesellschaft (eine damals bedeutende Bank, die später mit der Deutschen Bank fusionierte) gründete, sondern eben auch ein Wollkontor. Dieses richtete er zusammen mit dem Tuchfabrikanten Joseph van Gülpen im Haus Großer Klüppel (steht leider nicht mehr) in der Aldegundisstraße, der heutigen Ursulinerstraße, ein. Zu Gülpen werde ich irgendwann auch einen Beleg zeigen, und ebenso eine Postkarte mit dem Großen Klüppel, allerdings sitzt darauf bereits eine andere Firme in dem Haus. Und natürlich wird auch noch viele andere Belege mit Bezug zu beiden Industrien geben. Schlussendlich sei erwähnt, dass das bekannte Aachener Erkennungszeichen, der Klenkes, auf die Nadelproduktion zurückgeht. Das Aussortieren schlechter Nadeln mit dem rechten kleinen Finger führte auf Dauer zu Fehlstellungen, an denen man also den Aachener erkannte. Heute dient der ausgestreckte rechte kleine Finger als Gruß unter den "Öchern". LG, Christoph [1] https://www.netzwerk-mode-textil.de/images/stories/Jahrbuch_nmt_2018/nmt_2018_nicolai.pdf [2] http://www.kaleidoskop-aha.de/index_htm_files/Aufstieg%20und%20Niedergang%20der%20Aachener%20Nadelindustrie-c.pdf [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Klenkes [4] https://de.wikipedia.org/wiki/David_Hansemann
reichswolf Am: 05.09.2024 13:03:54 Gelesen: 15148 # 58
Heute zeige ich eine Karte mit einem Stempel, dessen genaue Bedeutung bisher ungeklärt ist, den Einzeiler AACHEN • WE. Er kommt von 1904 bis 1923 auf Postkarten nach Belgien und Frankreich vor, und das nicht nur auf Karten aus Aachen. Es wird vermutet, dass der Stempel im Aachener Westbahnhof als Grenzübergangsstempel geführt wurde. Hier sehen wir ihn auf einer AK mit dem Bonner Münster und dem Tagesstempel BONN BAHNHOF auf einer MiNr. 145II vom 02.04.1921, gelaufen nach Aywaille in Belgien. Die Karte ist damit um die Hälfte unterfrankiert, denn am 01.04.1921 begann die Portoperiode 6, in der das Porto für Auslandskarten von 40 auf 80 Pfennig gestiegen war. Auch als Drucksache (die Karte enthält ja weniger als fünf handgeschriebene Worte, es fehlt aber ein Vermerk Drucksache) ist die Karte nicht portogerecht, denn die hätte nur 30 Pfennig gekostet. Zwar wurde die Karte nachts zwischen 1 und 2 Uhr gestempelt, aber nach meinem Verständnis hätte das nur exakt einen Tag früher einen portorichtigen Beleg aus der Karte gemacht. LG, Christoph
reichswolf Am: 07.09.2024 16:23:58 Gelesen: 14989 # 59
Soll ich die Serie mit den Lazarettstempeln fortsetzen oder lieber doch etwas anderes vorziehen? Bin unschlüssig und brauche eine Entscheidung.
charly999 Am: 07.09.2024 18:08:23 Gelesen: 14970 # 60
@ reichswolf [#59] Ich würde Beiträge über Aachener Poststempel vorziehen. Briefstempel der vielen Lazarette sind zwar auch interessant, aber m.E. etwas eintönig. Auch Beiträge über Aachener R-, Paket- und V-Zettel würden mich interessieren, ebenso solche über die alliierte Besatzung nach dem 1.Weltkrieg (Feldpost, Zensur, Postsperre). Herzliche Grüße charly999
reichswolf Am: 08.09.2024 13:02:43 Gelesen: 14929 # 61
Zum Thema Zensur möchte ich heute eine P6 mit zufrankierter MiNr. 2 der Landespost in Belgien zeigen. Aufgegeben wurde die Karte am 20.05.1916 in Brüssel, entwertet wurden die Wertzeichen mit dem Maschinenstempel BRUSSEL 1 BRUXELLES 1 L. Die Karte lief nach Genf in die Schweiz. Um dorthin zu gelangen, musste die Karte zwangsläufig durch Aachen, denn alle Auslandspost, egal ob aus Belgien ins Ausland oder aus dem Ausland nach Belgien, musste ab dem 01.01.1915 bis zum 31.12.1916 in Aachen zensiert werden. Die Zensurstelle befand sich im Karlshaus, Theaterplatz 6/8. Dort wurde der violette Zweikreisstempel Auslandstelle Aachen Frei- gegeben abgeschlagen, außerdem müsste der farblich passende Stempel 21 von dort stammen und den Zensor bezeichnen. Der Zensurstempel existiert in zwei leicht unterscheidbaren Haupttypen. Die deutlichsten Unterschiede der beiden Geräte liegen im Stern und im "g" von "gegeben". Dessen Unterlänge (Schlinge bzw. Schleife) ist einmal offen, wobei der Steg rechts ansetzt, und einmal geschlossen mit links ansetzendem Steg, wie hier zu sehen. Empfänger der Karte war das Rote Kreuz. Mein Französisch ist nicht besonders gut, aber ich glaube, der Text ist eine Bitte um Informationen zu einem Gefangenen namens Marcel Mouront, gefangen gehalten in Tourcoing, Frankreich (Korrekturen sind herzlich willkommen). Die beiden blauen Vermerke C und IIa kann ich leider nicht deuten. Der gleiche Zensurstempel, diesmal auf eingehender Post aus den Niederlanden nach Brüssel. Tagesstempel ist hier 'S GRAVENHAGE * * * (Den Haag) vom 22.05.1915 auf zwei Marken der Serie Königin Wilhelmina (Michelnummern habe ich hier keine). Bei diesem Beleg wurde in der Anschrift sogar extra vermerkt, dass der Brief via Aachen zu leiten war. Weitere Belege zu diesem Thema, auch mit dem anderen Typ des Zensurstempels, werde ich in loser Reihenfolge zeigen. LG, Christoph
reichswolf Am: 11.09.2024 18:15:34 Gelesen: 14797 # 62
Einen Luftpost-Brief vom 20.10.1930 aus Los Angeles, California, USA nach Aachen möchte ich heute zeigen. Der Aufgabestempel lautet LOS ANGELES. CALIF. AIR MAIL. Der Absender war wohl ein Verwandter des Empfängers, Franz Matzkowsky, einem Schneidermeister in der Kleinmarschierstraße. Zur Frankatur kann ich aus guten Gründen nichts sagen, denn Beim Eingange fehlte die Marke Postamt Aachen 1 wie jemand, dessen Paraphe ich nicht lesen kann, am 01.11. dorthin stempelte, wo sich die Marke(n) einst befand. Der Stempel ist für mich besonders interessant, weil er in dieser Form nicht in Bruns / Kaußens Aachener Stempelkatalog auftaucht. Rückseitig findet sich neben dem Absender noch der Maschinenstempel AACHEN * 1 V AACHEN DAS RHEUMA- BAD Sommer- und Winterkuren vom 31.10.1930 als Ankunftstempel (auch zu Aachen als Kurort werde ich noch einiges zeigen). LG Christoph
reichswolf Am: 18.09.2024 23:45:40 Gelesen: 14627 # 63
Heute zeige ich eine Postkarte aus Menton, einer französischen Stadt an der Côte d’Azur (Département Alpes-Maritimes), unmittelbar vor der Grenze zu Italien gelegen. Wann genau die Karte dort aufgegeben wurde, kann ich leider nicht sagen, denn der Aufgabestempel MENTON ALPES MARITIMES auf der 10c-Marke mit dem Motiv Semeuse (dt. Säerin, ohne Sockel, Michelnummer kenne ich nicht) ist überlagert von einem Aachener Stempel. Und das kam so: ursprünglich war die Karte an einen Empfänger in Aachen gerichtet, jedoch war die angegebene Adresse wohl falsch. Richtig scheint stattdessen eine Anschrift in Simpelveld in den Niederlanden, einem Ort unmittelbar an der deutsch-niederländischen Grenze gewesen zu sein. Zur Weiterleitung hat man in Aachen am 29.03.1908 eine MiNr. 86I verklebt und diese (und eben auch die französische Marke und ihren Stempel) mit dem Stempel AACHEN * 1 a versehen. In Simpelveld kam die Karte schließlich am 30.03. an, wi der Ankunftstempel SIMPELVELD belegt. So zumindest meine Interpretation. Falls jemand die entsprechenden Vorschriften der UPU zu dem Verfahren kennt, würde ich mich über eine Bestätigung oder ggf. auch Ergänzug oder Richtigstellung freuen. Außerdem frage ich mich, wer wohl die 10 Pfennig zu bezahlen hatte. LG Christoph
wuerttemberger Am: 19.09.2024 08:19:13 Gelesen: 14611 # 64
@ reichswolf [#63] Ich lese als Aufgabedatum 25.3.08 in Menton. Die Karte wurde in Aachen zugestellt und am 29.03.08 mit korrigierter Adresse erneut aufgegeben. Dafür waren dann 10 Pfennig Porto fällig. Wäre die Karte direkt nachgesandt worden, wäre die Weiterleitung kostenlos gewesen. Gruß wuerttemberger
reichswolf Am: 19.09.2024 23:01:00 Gelesen: 14577 # 65
@ wuerttemberger [#64] Das ist zwar unspektakulär, klingt aber plausibel. :-) Danke dir! LG, Christoph
reichswolf Am: 23.09.2024 18:32:55 Gelesen: 14442 # 66
Heute zeige ich eine eingeschriebene Heeressache vom 11.11.1914 aus Namur nach Aachen. Der Beleg stammt vom Verkehrsoffizier vom Platz Namur, wie sowohl der voerderseitige Aufdruck auf dem Umschlag als auch der Dienststempel KAISERL. VERKEHRSOFFIZIER V. PLATZ * NAMUR * Brief- Stempel auf der Rückseite zeigen. Aufgabestempel ist NAMUR (BELGIEN), und ebenso (nur nicht in Großbuchstaben) lautet der Einschreibezettel. Stempel und Zettel sollten also von der deutschen Besatzungsmacht stammen. Adressat war die OPD Aachen (Abb. in [#52], siebter Beleg), daher findet sich rückseitig noch der Stempel AACHEN 1 * ANKUNFT g. Mit exakt diesem Text gab es in Aachen vier Geräte, die sich jeweils durch die Anzahl der Gittersegmentstriche und die Darstellung des UB g unterscheiden. Hier im Bild handelt es sich um die g-Variante mit Steg und Schleife in der Unterlänge und 8/8-Gittersegmentstrichen. Die anderen Varianten werde ich mit und mit auch zeigen. (Dieser Beitrag ist eine inhaltlich ans Thema angepasste Kopie aus dem Thread Deutsche Besetzung WK 1 Belgien Belege.)
reichswolf Am: 05.10.2024 12:24:45 Gelesen: 14248 # 67
Heute zeige ich einen Brief von einem Absender aus Parit Buntar, Perak, Föderation Malaya, der allerdings laut Marken und Poststempel in Penang, einem Nachbarstaat innerhalb der Förderation aufgegeben wurde. Zu den Marken oder sonstigen philatelistischen Aspekten kann ich nichts sagen, das ist weitab von meinen Gebieten. Gelaufen ist der Brief nach Kreiensen (Harz) West-Deutschland. Was das für eine Welt-Union ist, deren Direktor der Empfänger war, habe ich bisher nicht herausgefunden. Für meinen Kauf entscheidend war das alles aber auch nicht, mich interessierte die Rückseite. Dort findet sich nämlich ein Verschlussstreifen mit dem Text Zur Devisenüberwachung zollamtlich geöffnet sowie der violett abgeschlagene Stempel Devisen- Nachschaustelle des Zollamts Aachen-Post ..................................... mit zugestempeltem Datum 16. NOV 1950 und handschriftlicher Paraphe. Dieser Stempel ist im Stempelkatalog von Bruns/Kaußen bisher für die Jahre 1951 und 1953 gelistet, hier liegt also ein Frühdatum vor. Der Verschlussstreifen ist im selben Katalog von 1949 bis 1953 bekannt.
reichswolf Am: 09.10.2024 23:14:01 Gelesen: 14129 # 68
Im Postamt Aachen 1 wurden viele verschiedene Kreisgitterstempel als Aufgabestempel genutzt, die sich hinsichtlich des Unterscheidungsbuchstaben (UB) und der Anzahl der Gittersegmentstriche unterschieden. Bekannt sind im Stempelkatalog von Bruns/Kaußen die UB a, b, c, d, e, f, g, i, m, n und o. Auf die Unterschiede bei den Gittersegmentstrichen wird dort (noch?) nicht eingegangen. Belege zum Stempel AACHEN * 1 a mit (8/8) Gittersegmentstrichen habe ich bereits in [#50], [#52] und [#63] gezeigt. AACHEN * 1 d (8/8) in [#53], AACHEN * 1 e (8/8) in [#50], AACHEN * 1 g (8/8) in [#50], AACHEN * 1 i (9/9) in [#10] und [#35]. Heute möchte ich ergänzend zwei weitere Belege mit bisher nicht gezeigten Varianten vorstellen. Der erste ist eine Postkarte P36I mit dem Stempel AACHEN * 1 b (8/8) vom 06.02.1895, die innerhalb Aachens gelaufen ist. Der zweite Beleg ist eine Postkarte P20 (Druckdatum 890) mit zufrankierter MiNr. 46 (laut Notiz Farbe b, gelblichgrün). Der Stempel lautet AACHEN * 1 c (6/6) und ist vom 12.03.1891. Absender war laut Absenderstempel auf der Rückseite E. Kricker Karolus Magnus Apotheke u. Drogerie Markt No. 43 - Friedrich-Wilhelm-Platz No. 2. Diese Apotheke war die älteste in Aachen. Bevor Herr Kricker sie 1889 übernahm und ihr den auf der Karte zu lesenden Namen gab, hieß sie zuletzt Apotheke zum wilden Mann. Unter dem Namen Karls-Apotheke war sie noch bis zum 28.08.2019 am Markt zu finden [1]. Heute befindet sich in den Räumen ein Restaurant. Der Empfänger war die Holländische Cacao Fabrik in Amsterdam, eine mir sympathische Adresse. Dort kam die Karte am 13.03. an. Zwar ist die Karte leicht fleckig, aber sie spiegelt eben nicht nur Postgeschichte, sondern vor allem Aachener Wirtschaftsgeschichte, also ist sie mir ein wertvoller Teil der Sammlung. [1] https://www.karls-apo.de/geschichte/index.html
reichswolf Am: 09.10.2024 23:26:31 Gelesen: 14128 # 69
@Richard: Ich habe inzwischen hier im Thread einige Fehler gemacht. Da ich ja immer nur den letzten Beitrag berichtigen kann, wäre ich dir super dankbar, wenn du folgende Fehler korrigieren könntest: in [#55] hätte ich gerne die beiden Stempeltexte aus Aachen und Berlin in fetter Schrift, so wie es bei allen Stempeln mache in [#61] ersetze bitte "über Aachen" durch via Aachen (also in kursiv) in [#63] stimmt der angegebene UB nicht. Statt g müsste es a lauten Und natürlich sind auch im letzten Beitrag [#68] Fehler. Es ist zum Haare raufen! Es muss Karolus heißen statt Carolus. Und wenn du dann noch "Karls-Apotheke" in kursiv setzt, bin ich glücklich. [Beitrag redaktionell gelesen am 21.10.2024 um 14:45 Uhr. Leider ist der Verantwortliche noch nicht in der Lage, 24 Stunden täglich zu arbeiten. Ausser Forum gab es in den letzten 24 Stunden 40 Mails zu bearbeiten und zu beantworten, dazu die Vorbereitungen für die Messe Ulm, die heute an erster Stelle standen und weiter stehen, da sie nicht verschoben werden können.]
reichswolf Am: 21.10.2024 14:31:15 Gelesen: 13961 # 70
@ reichswolf [#69] Zumindest ein "Nein" wäre schon nett gewesen. Aber egal, da ich jetzt krank zuhause bin, habe ich endlich wiedermal ein bisschen Zeit, hier etwas zu zeigen. Heute ist das ein Brief aus den letzten Monaten der Franzosenzeit, also der Zeit, in der die deutschen Gebiete links des Rheines ein Teil Frankreichs waren (Vgl. [#1], [#5] und [#26]). Mein Brief ist datiert auf den 19.10.1813. Als Aufgabestempel diente einer der in den genannten Beiträgen bereits erwähnten zweizeiligen Stempel 103 AIX-LA-CHAPELLE in rot. Absender war der Stolberger Pastor Heinrich Simon van Alpen, den der rückseitige Siegelstempel als Mitglied des CONSISTOIRE DES EGLISES REFORMEES CHEF LIEU STOLBERG ausweist (Chef Lieu = Hauptort). Laut [1] wurde er 1815 dann der dortige Konsistorialpräsident, während aus dem Brief hervorgeht, dass er das bereits 1813 war (s. Abb. 4). "Ein Konsistorium war in der reformierten Kirche Frankreichs ein Rat, der für die spirituelle, moralische und administrative Leitung einer Gemeinde oder lokalen Kirche zuständig war. Es vergab auch die Méreaux, Medaillen, die den Zugang zum Abendmahl ermöglichten, und wählte die Pastoren. Es besteht aus einem Pastor, den Ältesten und gegebenenfalls Diakonen. Die Ältesten sind angesehene Mitglieder der Gemeinschaft, die von der Gemeinschaft gewählt und durch Kooptation erneuert werden. Ihre Aufgabe ist es, auf das Verhalten der Gläubigen zu achten und die Disziplin im Gottesdienst sowie im täglichen Leben zu überwachen. Die Diakonen sind dafür verantwortlich, sich um die Armen und Kranken zu kümmern. Das Konsistorium hat auch die Funktion eines Gerichts, das abweichende Lehren oder moralische Verfehlungen beurteilt. Im 19. Jahrhundert, infolge des Konkordats (Gesetz vom 8. April 1802 oder 18. Germinal Jahr X), wurden nur Kirchen mit sechstausend Seelen anerkannt. Dies führte zur Zusammenlegung mehrerer lokaler Kirchen, um eine konsistoriale Kirche zu bilden, die vom Konsistorium geleitet wird. Letzteres besteht aus dem Pastor und Laien, die aus den wohlhabendsten Mitgliedern ausgewählt werden."[2] Empfänger des Briefes war der President d'Eglise Consistoriale reformeé in Maastricht. Der Inhalt des Briefes ist zwar sehr gut lesbar, aber ohne weiteren Kontext erschließt sich mir nicht, worum genau es darin geht. Zur Taxierung kann ich nichts sagen, ich vermute, der Brief hat 8 Centimes gekostet. Auf jeden Fall handelt es sich um einen innerfranzösischen Brief, denn Maastricht war Hauptort des französischen Départements de la Meuse-Inférieure und Stolberg eine Mairie im Département de la Roer. [1] https://portraits.hab.de/person/131 [2] https://archives.vendee.fr/ark:/22574/glossaire52#:~:text=Le%20consistoire%20est%20un%20des,une%20paroisse%20ou%20%C3%89glise%20locale. (Übersetztmit ChatGpT)
bayern klassisch Am: 21.10.2024 15:09:56 Gelesen: 13953 # 71
@ reichswolf [#70] Hallo, dein Brief wog 15 g, die oben links notiert wurden. Daher kostete er 8 Decimes = 80 Centimes Porto für den Empfänger. Briefe in Centimes gab es damals nicht; im Prinzip wurden alle manuellen Notationen bzw. späteren Stempeltaxen in Decimes angegeben, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Internationale Gebühren gab es zwar keine, da jede Postverwaltung in ihrer eigenen Währung abrechnete, aber wenn du dir Folgendes merkst, wirst du bald erkennen, ob Centimes, oder Decimes gemeint waren, weil ja jeder Transportleistung Gewicht und Entfernung als bestimmende Faktoren zugrunde lagen: 1 Decime = 3/4 Silbergroschen = 2,8 Kreuzer = 10 Rappen = 1 Decima (Italien) = 5/6 Penny paritätisch. Liebe Grüsse, Ralph
reichswolf Am: 21.10.2024 22:43:08 Gelesen: 13917 # 72
@ bayern klassisch [#71] Herzlich Dank Ralph! Witzigerweise hatte ich auch nach Decimes gegoogelt, denn das ist die Einheit, die ich von deinen stets großartigen Beschreibungen alter Briefe kenne, dann aber hier Centimes geschrieben. Heilige Konzentrationsschwäche, würde Batmans junger Sidekick Robin wohl sagen. Liebe Grüße Christoph
bayern klassisch Am: 22.10.2024 09:39:43 Gelesen: 13891 # 73
@ reichswolf [#72] Lieber Christoph, bei einem guten Forum fällt das sofort auf, woanders wahrscheinlich nie und würde bis in alle Ewigkeit falsch dastehen, was viele Sammler dazu bewegen könnte, das Falsche zu übernehmen. Ich lese ja, als Nicht-Aachener, nicht unbedingt alles im Forum über Orte, Gebiete und Länder, die mit Bayern eher, oder rein gar nichts zu tun hatten; aber ab und zu weiß ich auch über solche Stücke etwas zu erzählen, auch wenn sie nicht meine Kernkompetenz betreffen. Daher verbessere ich gerne, wo ich es kann und freue mich auch selbst, verbessert zu werden, wenn ich mal eine "heilige Konzentrationsschwäche" an den Tag lege - niemand ist perfekt, wir sind alle nur Menschen. Liebe Grüsse und ab jetzt gilt es zu warten auf deine nächste Rosine, Ralph
reichswolf Am: 17.11.2024 19:07:18 Gelesen: 13637 # 74
Frisch bei mir eingetroffen ist der folgende Beleg, ein portorichtiges Einschreiben, frankiert mit einer MiNr. 519 und einem senkrechten Paar der MiNr. 520. Aufgegeben wurde der Brief in Konzen über Aachen 1, die Marken wurden am 03.08.1937 entwertet mit dem Tagesstempel AACHEN 1 LAND, der von 1929 bis 1943 in Gebrauch war. Der Einschreibezettel lautet Aachen 1 Land. Zur Poststelle (II) in Konzen kann ich leider keine weiteren Details nennen. Der Brief ist nach Köln gelaufen und erhielt dort noch am Aufgabetag den Ankunftstempel KÖLN * 1 m. Konzen ist der älteste Teil von Monschau (erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 888) und liegt unmittelbar an der belgischen Grenze und am Hohen Venn. Von Konzen aus wurden Burg und Stadt Monschau gegründet.
reichswolf Am: 01.12.2024 00:49:24 Gelesen: 13541 # 75
Heute zeige ich eine Postkarte vom 27.07.1938, deren Marke wie in [#74] mit dem Tagesstempel AACHEN 1 LAND entwertet wurde. Der Landpoststempel lautet diesmal AACHEN-SIEF und ist der erste von fünf Stempeln, die die Bezeichnung Sief im Text führen. Verwendet wurde dieser Stempel laut Bruns/Kaußen von 1930 - 1939. "Sief war bis zum Ersten Weltkrieg ein Ortsteil von Raeren und wurde im Versailler Vertrag zunächst mit der Gemeinde Raeren an Belgien abgetreten, jedoch aus wasserwirtschaftlichen Gründen am 1. Oktober 1921 an Deutschland zurückgegeben und am 1. November 1922 in die Stadt Aachen eingemeindet. Seither bildet Sief eine der Gemarkungen Aachens. Bei der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen durch das Aachen-Gesetz kam Sief 1972 zum Stadtbezirk Kornelimünster/Walheim." [1] Bildseitig zeigt die Karte den Nürburgring, der auch im Kartentext erwähnt wird. Falls jemand das x sucht, das laut Text den Platz des Schreibers am Ring bezeichnet: es befindet sich zwischen Fuchsröhre und Adenauer Forst. [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Sief
Martin de Matin Am: 03.03.2025 21:36:46 Gelesen: 12909 # 76
Ich zeige etwas modernes, einem Umschlag für 10 Postzustellungsaufträge von der Stadt Aachen. Für die Gebühr wurden diverse Marken und einem Freistempler verwendet. Die Marken tragen einen Stempel vom 6.1.2004 und der Freistempel (Kennung F732986) mit dem Zusatz "Räumt auf wenn ihr Aachener seit" trägt das Datum vom 6.1.2003. Wegen der Grösse des Briefes musste ich das Bild aus zwei einzelnen zusammensetzen. Dies führte zu leichten Farbunterschieden und leichten Versatz. Gruss Martin
Cantus Am: 13.04.2025 23:00:29 Gelesen: 11918 # 77
Von mir ein Eilbrief vom 1.Mai 1930 der NEUTEX-Sicherheitsglas GmbH, gelaufen von Aachen nach Bochum.

Anfang der 1930er Jahre war in Deutschland die Neutex-Sicherheitsglas GmbH in Aachen-Forst als alleiniger Hersteller auf die Produktion von schusssicherem Panzerglas (genannt Neutex-Panzerglas)[2] spezialisiert. Im April 1931 wurde dort ein Fall von Industriespionage aufgedeckt: Der Neutex-Mitarbeiter Theodor Pesch wurde verhaftet, weil er „Fabrikationsgeheimnisse über das Herstellungsverfahren des sogenannten Panzerglases an Sowjetrußland verraten und Panzerglas nach dort geschafft haben“ soll.[3] Möglicherweise war dies die Grundlage für die Entwicklung von Triplex in der UdSSR.

Mitte 1931 führte die Deutsche Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen Beschussversuche mit dreischichtigem 20 mm starkem Panzerglas durch, um dessen Attribut „kugelfest“ zu überprüfen. Die mittlere Scheibe blieb bei den verwendeten Kalibern 6,35 mm, 7,65 mm und 9 mm in allen Fällen unbeschädigt. Damals war der Einsatz des Panzerglases für Schalter von Postämtern, Banken usw. sowie für die Verglasung von Autos als „sichere[m] Schutz gegen Geschosse und andere mutwillige Zerstörungsversuche“ vorgesehen [1].





Viele Grüße
Ingo

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Panzerglas
Cantus Am: 13.04.2025 23:55:52 Gelesen: 11915 # 78
Auf einem Brief, gelaufen am 6.3.1917 von Aachen nach München, findet sich vorderseitig ein Handstempel mit dem Text Aachen - Stadt / zu / befördern / P. K. mit dem ich nichts anfangen kann, denn der Brief war ja ein Fernbrief. Was hatte der Stempel zu bedeuten? Viele Grüße Ingo
Heinz 1 Am: 15.04.2025 09:43:30 Gelesen: 11786 # 79
Hallo Ingo, die beiden Abb. passen nicht zusammen. Die Feldpostkarte ist sicherlich die falsche Abb. zu dem Zensurstempel. Gruß Heinz
reichswolf Am: 11.01.2026 15:29:56 Gelesen: 7260 # 80
@ Cantus [#78] Ab April 1915 wurde die Inlandspost in den Grenzkreisen zum Zwecke der Spionageabwehr zensuriert. Dein Brief (auch wenn wir ihn nicht sehen) sollte dem Zensor nur vorgelegen haben, aber tatsächlich nicht geprüft worden sein. Laut Vorschrift erhielten tatsächlich geprüfte Stücke Stempel, aus deren Text dieser Umstand klar hervorgeht. Allerdings wurde die Anweisung nicht immer korrekt umgesetzt. Als Beispiel für einen geprüften Beleg mag diese Karte aus CÖLN- MÜLHEIM 1 f nach Aachen vom 23.05.1916 dienen. Hier lautet der rechteckige Postkontrollstempel Aachen Stadt P. K. geprüft und zu befördern.
Cantus Am: 11.01.2026 16:52:18 Gelesen: 7242 # 81
@ reichswolf [#80] Danke für die Info. Viele Grüße Ingo
reichswolf Am: 01.02.2026 17:36:36 Gelesen: 6777 # 82
Heute zeige ich einen Weihnachtsgruß auf Postkarte. Die leider defekte Marke der MiNr. 183x trägt zwei Stempel. Erstens den Landpoststempel 22c Berensberg über Aachen 1 und zweitens den Tagesstempel AACHEN 1 LAND l vom Dienstag, den 24.12.1957. Das besondere an der Karte ist aber etwas anderes. Die Karte lief im kleinen Grenzverkehr (vgl. entsprechende Threads), daher ist die Karte mit nur 10 Pfennig frankiert, obwohl der Zielort Bildchen in Belgien (siehe auch die Zusatzangabe La Calamine = Kelmis) lag. Aber auch das ist erstmal etwas völlig normales, wenn auch seltener als "normale" Belege. Was hier wirklich beachtenswert ist, ist der historische Hintergrund des Zielortes Bildchen. Dazu zitiere ich einmal Wikipedia: Im Wiener Kongress wurde Bildchen 1815 zu einem Bestandteil der zu Preußen gehörenden Gemeinde Preußisch-Moresnet, im Kreis Eupen. Durch den Versailler Vertrag 1919 wurde Preußisch Moresnet Belgien zugesprochen und wurde zu Neu-Moresnet geändert. Im Rahmen von Grenzkorrekturen kam Bildchen 1922 ins Deutsche Reich zurück und wurde zusammen mit anderen zurückgegebenen Gebieten des ehemaligen Kreises Eupen in die Stadt Aachen eingemeindet. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam am 2. April 1949 Bildchen zusammen mit weiteren Grenzgebieten, darunter die Orte Leykaul bei Kalterherberg und Losheim bei Hellenthal sowie der Weiler Hemmeres unter belgische Verwaltung. [...] Obwohl sich das Verhältnis zwischen Belgien und der Bundesrepublik Deutschland in den Folgejahren deutlich verbesserte, zogen sich die deutsch-belgischen Verhandlungen über einen Ausgleichsvertrag zu einer endgültigen Grenzregelung jahrelang hin. Es dauerte bis zum 24. September 1956, bis ein neuer Grenzvertrag in Brüssel unterzeichnet wurde, dessen Ratifizierung auf deutscher Seite jedoch erst am 6. August 1958 erfolgte. Schließlich konnten am 28. August 1958 die Grenzanpassungen vollzogen werden und die Gebiete, darunter Bildchen, wieder an Deutschland zurückgegeben werden. [1] Die Karte ist also ein Zeugnis der durch mehrere Kriege immer wieder geänderten Grenzverläufe in meiner Heimatregion. [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Bildchen_(Aachen)
reichswolf Am: 01.02.2026 17:53:38 Gelesen: 6770 # 83
@ reichswolf [#57] In Ergänzug zum verlinkten Beitrag zeige ich hier noch einen mit Werbung bedruckten Briefumschlag der Firma Leo Lammertz, der am 09.03.1935 von AACHEN 1 a nach Troppau (heute: Opava) in der Tschechoslowakei gelaufen ist. Die Frankatur besteht aus einer MiNr. 515 und einem senkrechten Paar der MiNr. 520, zusammen also aus 35 Pfennig. Die Frankatur erschließt sich mir nicht, Kaufanreiz war aber neben dem Umschlag der Umstand, dass alle drei Marken das Perfin LEO zeigen. DA die Rückseite leer ist, zeige ich sie nicht.
reichswolf Am: 03.02.2026 18:53:31 Gelesen: 6607 # 84
@ reichswolf [#82] Kleine Ergänzung: Berensberg gehört heute zu Kohlscheid, was wiederum zu Herzogenrath gehört. Die dortige Poststelle (II) wurde am 01.09.1929 eröffnet und bestand mit kriegsbedingter Unterbrechung bis zum 31.03.1978 unter verschiedenen Bezeichnungen (Berensberger Straße, Berensberg, Aachen 36). ___________________________________________________________________________________________________________________________ Astenet ist heute ein Ort im im Norden der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens mit ca 600 Einwohnern. Doch von 1815 an war er zunächst preußisch, gehörte dann ab der Reichsgründung zum Deutschen Reich und kam 1920 aufgrund des verlorenen Krieges zu Belgien. Vom 01.01.1850 an gehörte der Ort zur neugegründeten OPD Aachen, bis diese am 31.12.1870 der Oberpostdirektion Köln unterstellt wurde. Dies galt bis zum 01.01.1876, denn ab dann bestand erneut eine OPD Aachen. Aus diesem Ort schickte am 25.06.1917 der Unteroffizier Hoff eine Ansichtskarte mit Aachener Dom darauf per Feldpost an das Fräulein Hoff in Rostock. Der bei der Aufgabe verwendete Kreisgitterstempel lautet ASTENET * * *. Wann die Postagentur in Astenet eröffnet wurde, kann ich leider nicht sagen. Im Verzeichnis der Post-Anstalten in Deutschland (Wien, 1899) ist der Ort aber bereits aufgeführt. Die Karte selbst stammt von der Lithographischen Anstalt, Buch- und Steindruckerei Ostermann & Co., Aachen, Bahnhofstraße 25.
preussen362 Am: 03.02.2026 19:42:03 Gelesen: 6588 # 85
Da kann ich Dir helfen: Astenet erhielt eine Postexpedition im Jahre 1870. In Werner Münzbergs Werk "Preussen, Postgeschichte und Postanstalten 1649-1923", Teil I/A, heißt es hierzu: ASTENET Rheinland/Regierungsbezirk Aachen/Kreis Eupen/Gebührenfeld 1649 +Postexpedition II - OPD Aachen (Amtsblatt 30 vom 13.05.1870), ab 1.1.1871 zur OPD Köln, Postamt III ab 1.1.1876 zur OPD Aachen (Amtsblatt 1 vom 10.01.1876), nun Agentur (Amtsblatt 63 vom 03.12.1884) , an Belgien (Amtsblatt 3 vom 14.01.1920) (Abkürzungen von mir teilweise ausgeschrieben) Viele Grüße, Andreas
reichswolf Am: 05.02.2026 23:36:03 Gelesen: 6472 # 86
@ preussen362 [#85] Danke für die Information, ist direkt notiert! Liebe Grüße, Christoph
reichswolf Am: 15.02.2026 01:36:23 Gelesen: 6080 # 87
Heute zeige ich einen einfachen Brief vom 17.05.1938 nach Köln-Braunsfeld. Frankiert wurde der Brief mit dem Zusammendruck S155 mit anhängendem Rand (ändert der eigentlich etwas am potentiellen Preis?). Dieser wurde entwertet mit dem Serienstempel AACHEN 1 b 1933 - 1938 5 Jahre Reichsluftschutz- bund! 5 Jahre Einsatz für Deutschland!. Diesen Werbeeinsatz gab es in Aachen auch in Kombination mit mindestens einer weiteren Stempelkrone, dem Zweikreisbrückenstempel AACHEN 1 c. Davon liegt mir jedoch kein Exemplar vor. Liebe Grüße, Christoph
reichswolf Am: 01.03.2026 11:55:59 Gelesen: 5463 # 88
Heute zeige ich einen Brief, den komplett zu beschreiben mir etwas Probleme macht. Aber fangen wir mit dem an, was mir klar ist. Aufgegeben wurde der Brief wahrscheinlich am 12. Thermidor XIII (französischer Revolutionskalender), was dem 31.07.1805 unseres Kalenders entspricht. Aufgabeort war Lüttich, damals Hauptort (chef-lieu) und Sitz der Präfektur des Département de l’Ourthe. Dieses Département gehörte seit Oktober 1795 zu Frankreich. Der Aufgabestempel lautet 96 LIÉGE, zeigt also die Département-Nummer und den französischen Namen der Stadt. Der Absender war le Conservateur des Eaux et Forêts (die Verwaltung von Gewässern und Wäldern). Leider ist der entsprechende Stempel auf der Rückseite nur fragmentarisch erhalten geblieben. Nicht ganz klar ist mir der Laufweg des Briefes. Wenn ich den Vermerk links oben richtig lese, wurde das Porto bis Juliers (Jülich) bereits vom Absender gezahlt. Von da sollte es dann nach Aachen (Aix-la-Chapelle) im Roer-Département gegangen sein. Dort scheint der Empfänger aber nicht gewesen zu sein, weshalb der Brief ihm nachgesandt wurde. Diese Weiterleitung dokumentiert der rückseitige Stempel DÉB. AIX-LA-CHAPELLE. Aber wohin ging es dann? Und sehe ich das richtig, dass der Brief dann letztlich doch nach Aachen ging, dann aber an einen anderen Empfänger, der laut Vermerk rechts oben Angestellter der Präfektur in Aachen war? Auch sonst bin ich für Anmerkungen und Ergänzungen dankbar. Wie man erkennen kann, wurde der Brief innen bereits ein wenig geflickt. Das verwendete Material scheint mir ähnlich sein wie Tesafilm. Sollte ich mich darum kümmern, und wenn ja, was sollte ich tun? LG, Christoph
reichswolf Am: 03.03.2026 13:26:20 Gelesen: 5309 # 89
Aachen war lange ein wichtiger Ort für die Produktion von Stoffen, aber auch Nadeln wurden in der Region sehr gute gefertigt (vgl. [#52] und [#57]). Zeugnis davon geben zahlreiche Belege von entsprechenden Firmen. Vorstellen möchte ich heute einen eingeschriebenen Brief vom 16.11.1950. Die Frankatur besteht aus einem senkrechten Dreierstreifen der MiNr. 85. 20 Pfennig davon waren das Briefporto, 40 Pfennig die Einschreibegebühr. Entwertet wurden die Marken mit dem Stempel AACHEN 5 k, trotz der Form ein Nachkriegsstempel. Im Gegensatz zum Einschreibezettel trägt der Stempel aber noch nicht die Postgebietsleitzahl 22c. Gelaufen ist der Brief nach Frankfurt am Main, wo er noch am gleichen Tag ankam und rückseitig den Stempel (16) FRANKFURT (MAIN) 1 bx erhielt. Dort findet sich auch ein Klebesiegel der Firma J. van GÜLPEN K.G. AACHEN . Eingetragene Schutzmarke seit 1875 . Zum Firmengründer findet sich ein Eintrag in der Wikipedia [1]. Empfänger war die Hauptleitung der Kleiderkasse der deutschen [sic!] Bundesbahn. Diese erhielt auf diesem Wege ein zeitlich befristetes Angebot auf Oberstoffe für Dienstkleidung. [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_van_Gülpen LG Christoph (Der Vollständigkeit halber aus dem Kleidung und Wäsche - Rohmaterial, Herstellung, Vertrieb-Thread hierher kopiert)
reichswolf Am: 04.03.2026 12:37:01 Gelesen: 5238 # 90
Die Firma Aachener Tuchversand Matthias Reiners sandte am 06.03.1938 die heutige Werbepostkarte nach Bad Homburg v.d. Höhe. Frankiert wurde die Karte mit einer MiNr. 513 zu drei Pfennig, die Karte liefe also als Drucksache. Entwertet wurde die Marke mit dem Maschinenwerbestempel AACHEN 1 b RHEUMA - GICHT - ISCHIAS BAD AACHEN. Im Text werden Stoffmuster angepriesen. Der Empfänger stempelte am 10.03. die Karte als eingegangen. Matthias Reiners wurde am 24.02.1886 in Mönchengladbach geboren und ist am 04.02.1975 in Aachen verstorben. Seine Firma überlebte ihn nur um wenige Jahre. LG Christoph (Der Vollständigkeit halber aus dem Kleidung und Wäsche - Rohmaterial, Herstellung, Vertrieb-Thread hierher kopiert)
reichswolf Am: 05.03.2026 08:29:34 Gelesen: 5160 # 91
Noch ein Beleg zur Aachener Tuchindustrie: eine Warenprobe vom 17.09.1958, mittels Absenderfreistempel (22c) AACHEN 1 DEUTSCHE BUNDESPOST FEINTUCH-MARKE AarEdel ADLER-RING-TUCHE • HERVORRAGENDE QUALITÄT • FRITZ HERRMANN KG mit 15 Pfennig korrekt frankiert. Gelaufen ist diese nach Unterhausen in Württemberg, heute ein Ortsteil von Lichtenstein. Empfänger wäre ein Damenmodengeschäft gewesen, doch laut rückseitigem Vermerk war die Firma erloschen. "Die Fritz Herrmann KG hatte vor dem Zweiten Weltkrieg ihren Hauptsitz in Görlitz gehabt. 1952 nahm sie aufgrund der politischen Umstände die Produktion von feinen Kammgarnstoffen in Aachen wieder auf. Die neue Adresse war mit Bedacht gewählt, da die Aachener Tuchindustrie seit Jahrzehnten für ihre Kammgarntuche bekannt war, die Firma also von dem überregionalen Renommee des Standortes profitierte. Allerdings konnten weder der gute Ruf noch die unbestrittene Qualität der Produkte verhindern, dass auch die Aachener Tuchfabriken in den Sog des allgemeinen Niedergangs der deutschen Tuchindustrie gerieten. Zahlreiche Firmen mussten im Verlauf der letzten Jahrzehnte die Produktion einstellen. 1992 war das Ende auch für die Fritz Herrmann AG gekommen." [1] Unter der Anschrift Stromgasse 42-50 finden sich in Aachen heute Wohnungen. LG, Christoph [1] https://industriemuseum.lvr.de/de/sammlung/sammlung_entdecken/unternehmen___ihre_produkte/postkartenserie__aaredel_feintuche_/aaredel_feintuche_1.html (Der Vollständigkeit halber aus dem Kleidung und Wäsche - Rohmaterial, Herstellung, Vertrieb-Thread hierher kopiert)
Dieter 66 Am: 05.03.2026 22:28:51 Gelesen: 5082 # 92
Hallo, Eine Barfrankatur des Finanzamt Aachen an die Firma Venten & Co., Tuchgroßhandlung, Aachen Jülicherstr. 120. Auf Grund von Markenmangel wurden auch Paketstempel eingesetzt, um die Barfreimachung zu bestätigen. Das Aachener Postamt 1 verwendetet ein Paketstempel vom Postamt 7. Datum und Stundenangabe wurden entfernt, da der Stempel nur die eigentliche Freimachung zu dokumentieren hat. Zusätzlich wurde der Beleg mit einem Tagesstempel 9.4.46 abgeschlagen. Noch vorhandene Briefumschläge mussten entnazifiziert werden. Entweder wurde der Reichsadler mit schwarzer Farbe unkenntlich gemacht, oder wie in diesem Fall mit Papier verdeckt. Nähere Infos über die Fa. Venten & Co. konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Waren aber sicherlich auch ein Teil der Aachener Tuchindustrie. Schönen Gruß Dieter.
reichswolf Am: 08.03.2026 13:44:17 Gelesen: 4851 # 93
Wie gesagt, in Aachen machte man auch Nadeln, nicht nur Stoffe. Einen Brief dazu vom 27.06.1938 möchte ich heute zeigen. Freigemacht mittels Absenderfreistempel AACHEN 1 DEUTSCHES REICH ENFA Nadelfabriken Aachen lief der Brief nach Leipzig. Der Umschlag gibt mehr über den Absender preis, es handelte sich um die Aachener Nadelwerke, Simons & Reumont, G.m.b.H. Aachen Reichsweg 19 - 42. Da die Rückseite blank ist, verzichte ich aufs Zeigen. LG, Christoph
reichswolf Am: 10.03.2026 14:21:01 Gelesen: 4655 # 94
Weil ich sie neu bekommen habe, zeige ich heute zwei Karten aus der OPD Aachen, genauer aus Eschweiler. Die erste lief per Feldpost am 10.05.1915 nach Aachen. Sie trägt den Reichspoststempel ESCHWEILER (Kr. AACHEN) 1 a und in violetter Farbe den Truppenstempel Kommando des Landsturm-Rekruten-Depots * zu Eschweiler *. Eine Postexpedition wurde in Eschweiler am 01.05.1820 gegründet (Feuser/Münzberg, Deutsche Vorphilatelie). 1830 befand sich die Post in der Grabenstraße, 1833 wurde ein neues Postgebäude Ecke Jülicher Straße / Hehlrather Straße bezogen. Ein weiterer Umzug erfolgte an die Ecke Kaiserstraße / Rosenallee in unmittelbarer Nähe zum Eschweiler Talbahnhof. Da die Rückseite der Antwerpen-Ansichtskarte keinen Bezug zum Thema hat, verzichte ich hier auf eine Beschreibung. Die zweite Karte zeigt bildseitig Glückwünsche zum Namenstag. Die Frankatur von 10 Pfennig wurde mit einer MiNr 86I dargestellt, diese wurde am 17.03.1914 entwertet mit dem Stempel ESCHWEILER * RÖHE *. Zur Postgeschichte von Röhe habe ich leider keine Daten. Gelaufen ist die Karte nach Moresnet in Belgien [1], wo sie am folgenden Tag den Ankunftstempel MORESNET (BELGE) erhielt. Die Empfängerin der netten Grüße wohnte dort im Schloss David, genannt Eulenburg [2]. LG, Christoph [1] 1914 gab es in unmittelbarer Nachbarschaft drei Morenets: - das belgische Moresnet (seit 1977 Teil der Gemeinde Plombières), der Zielort der Karte - Preußisch-Moresnet (gehörte zur OPD Aachen, ab 1919 dann belgisch, ab 1920 Neu-Moresnet, seit 1977 Teil der Gemeinde Kelmis) - Neutral-Moresnet mit dem Dorf Kelmis / Altenberg [2] https://www.trois-frontieres.be/D/chro_mo_chateau_david.php?chro=8#begin
reichswolf Am: 23.03.2026 03:13:42 Gelesen: 4056 # 95
Heute zeige ich zwei Belege. Beide tragen Bahnpoststempel. Die erste Karte, eine Ganzsachenkarte P12/02 Platte B (Druckdatum 1084), zeigt mit dem Dreizeiler HOLZMINDEN AACHEN vom 21.12.1884 den ersten auf diesem Kurs benutzten Stempel. Bemerkenswert an diesem Abschlug ist die Kursnummer. Eine 12, zumal in arabischen Ziffern, habe ich bewusst bei dieser Stempelform noch nicht gesehen. Da Bahnpost aber auch nicht mein Spezialthema ist, kann ich dieses Detail nicht weiter einordnen. Was ich sagen kann: die Strecke führte von Aachen über Düsseldorf und Hagen nach Scherfede (gehört heute zu Warburg) und von dort nach Holzminden. Da die Strecke Scherfede-Holzminden erst am 15.10.1876 eröffnet wurde, sollte der hier gezeigte Stempel frühestens ab diesem Datum vorkommen. Gleiches gilt dann auch für den Stempel der Gegenrichtung. Auf der Karte ist außerdem noch der Ankunftstempel CÖLN (RHEIN) 1 * g vom selben Tag zu sehen. Die nächste Karte hat mit dem Thema eigentlich nichts zu tun, denn in der OPD Aachen war sie nie. Nur der Stempel HOLZMINDEN AACHEN BAHNPOST ZUG 400 auf der MiNr. 70, der den oben gezeigten abgelöst hat, rechtfertigt es, den Beleg hier zu zeigen. Bei diesem ersten Ovalstempel auf der Strecke wurde ZUG noch in Antiqua gesetzt. Auf der Ansichtskarte der Externsteine im Teutoburger Wald vom 12.04.1902 findet sich zudem der Ankunftstempel CHARLOTTENBURG 5 * ? (wahrscheinlich a) vom Bestellgang I am folgenden Tag. LG, Christoph
reichswolf Am: 25.03.2026 15:24:42 Gelesen: 3906 # 96
Vom 02.11.1909 stammt der folgende Beleg, dessen waagerechtes Paar mit Seitenrandschutz der MiNr. 70 mit dem Kreisgitterstempel AACHEN * 1 g entwertet wurde. Gelaufen ist die Karte nach London, England. Abgebildet ist Aachen. - Markt mit Rathaus, was dem Empfänger vom Absender freundlicherweise ins Englische übersetzt wurde. Die schöne Litfaßsäule im Vordergrund links (mit einer Werbung für einen Circus) existiert schon ewig nicht mehr. Das gilt auch für die Straßenlaterne dahinter. Auch die Häuserzeile im Hintergrund hat sich durch den Zweiten Weltkrieg sehr verändert. Der Brunnen, rechts der Bildmitte, ist der älteste Aachens, der Karlsbrunnen. Nicht herausfinden konnte ich, wohin die Treppe führte, die links unten im Bild ist. LG, Christoph (Der Vollständigkeit halber aus dem Thread Deutsches Reich Germania Belege ins Ausland kopiert.)