Redaktionell ergänzt: 1860/61 - 2 gr. dunkelblau in Mischfrankatur mit Toscana Governo Provvisorio 20 c. hellblau auf Brief vom 29. Mai 1861 von Neapel nach Trani - Leichte Mängel und leichter horizontaler Knick über den Marken, aber einmalige Mischfrankatur Note Neapel - Toskana - Cert. Colla und Diena (Bol. n. 54a + Toscana GP n. 38A) (Sass. n. 20d + Toscana GP n. 20) [DeepL]
Thema:
Berichte von Auktionen - Altitalien
Am: 27.04.2024 20:06:57
Gelesen: 1218
# 1
Leider kam ich erst jetzt dazu, über die von Liebhabern Altitaliens sowie des Königreichs Italien lang erwartete Frühjahrsauktion von Bolaffi (11.4.-12.4.2024) zu berichten. Ich war live die meiste Zeit anwesend, gegen die zahlreiche Bieterschaft (vor Ort als auch online) habe ich es aber kaum geschafft, ein Gebot erfolgreich unterzubekommen.
Nach einer kleinen Aufwärmphase gab es viele Bieterschlachten, viele Briefe waren heiß begehrt, Kirchenstaat praktisch ausverkauft - 2-, 3-, 4-fache manchmal bis zu 24-fache (!!) Steigerungen waren eher die Regel als die Ausnahme. Weniger gefragt waren die hochwertigen Einzellose, von wenigen Ausnahmen abgesehen wie z.B. Lira Tre, Toskana 60 sowie die Farbfehldrucke der Neapolitanischen Provinzen, welche alle 2 bis 4-fache Steigerungen erzielten - wobei der Ausrufpreis auch eher niedrig angesetzt war.
Spektakulär war die Bieterschlacht um eine Spezialsammlung der Fälschungen Kirchenstaat sowie Neapel und Neapolitanischer Provinzen. Hier stieg der eh schon recht hohe Ausrufpreis von 6.500 € auf sagenhafte 90.000 € zzgl. 22 % Auktionsgebühr insgesamt also 109.800 € !!
Ebenfalls sehr spannend war die Bieterschlacht um eine der äußerst seltenen Mischfrankaturen Neapolitanische Provinzen, Provisorische Übergangsregierung Toskana. Dieser unten gezeigte Brief erzielte nach einem Ausrufpreis von 20.000 € am Ende 62.000 € - insgesamt war es einem Käufer also 75.640 € wert, diese tolle Rarität zu besitzen.
Los 337 Italien Staaten Neapel
Sassone20d
Beschreibung
1860/61 - 2 gr. azzurro scuro in affrancatura mista con Toscana Governo Provvisorio 20 c. azzurro su lettera del 29 maggio 1861 da Napoli per Trani - Lievi difetti e leggera piega orizzontale che attraversa i francobolli ma unica affrancatura mista nota Napoli - Toscana - Cert. Colla e Diena (Bol. n. 54a + Toscana GP n. 38A) (Sass. n. 20d + Toscana GP n. 20)
Redaktionell ergänzt: 1860/61 - 2 gr. dunkelblau in Mischfrankatur mit Toscana Governo Provvisorio 20 c. hellblau auf Brief vom 29. Mai 1861 von Neapel nach Trani - Leichte Mängel und leichter horizontaler Knick über den Marken, aber einmalige Mischfrankatur Note Neapel - Toskana - Cert. Colla und Diena (Bol. n. 54a + Toscana GP n. 38A) (Sass. n. 20d + Toscana GP n. 20) [DeepL]
Redaktionell ergänzt: 1860/61 - 2 gr. dunkelblau in Mischfrankatur mit Toscana Governo Provvisorio 20 c. hellblau auf Brief vom 29. Mai 1861 von Neapel nach Trani - Leichte Mängel und leichter horizontaler Knick über den Marken, aber einmalige Mischfrankatur Note Neapel - Toskana - Cert. Colla und Diena (Bol. n. 54a + Toscana GP n. 38A) (Sass. n. 20d + Toscana GP n. 20) [DeepL]
Am: 12.05.2024 21:09:34
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# 2
@ Dobe [#1]
Gerade durfte ich Zeuge einer Bieterschlacht auf CataWiki sein, welche ich so auch noch nicht erlebt habe.
Geboten wurde für eine "Italian Ancient States 1860 - NAPOLI NAPLES Trinactria, 1/2 Tornese, wide margins, repaired, NO RESERVE PRICE, Certificate - Michel No 8, Sassone No 15", welche in gestempelt und perfekter Erhaltung im Michel mit 12.000 € und im Sassone mit 27.500 € hinterlegt wird. Zweifelsohne eine der am meisten gesuchten Marken Altitaliens, ist diese Marke sowohl von dem Wappen (ein "Drei-Bein" mit Harlekin-Kopf) als auch der besonderen Farbe vermutlich weltweit in ihrer Skurrilität zu der Zeit einzigartig (und ihrer Zeit weit voraus) und in jedem Album ein absoluter Hingucker.
Dass man die Marke also absolut haben möchte, kann man gut verstehen. Nun ist die Marke allerdings repariert, sogar so stark repariert (auf den Fotos auch gut zu erkennen), dass im Attest von "restauriert" die Rede ist (Alt-Attest Mohrmann von 1978), d.h. dass lt. Sassone der Katalogwert "nur" noch 2.750 € anzusetzen ist, eher sogar weniger. Reparierte Trinacrias werden auch verkauft, aber selten für mehr als 800 €-1000 €.
Diese Marke ist bildseitig recht schön, aber dem Bieter war sie sage und schreibe 3000€ wert (und damit dreimal so viel wie von den eh schon ambitionierten CataWiki-Prüfern angepeilt). Inklusive Auktionsgebühr ist die Marke damit also mit 3300€ bewertet und damit ca. 120% des Sassone-Preises. Das habe ich auch noch nie erlebt.
https://www.catawiki.com/en/l/82955847-italian-ancient-states-1860-napoli-naples-trinactria-1-2-tornese-wide-margins-repaired-no-reserve-price-certificate-michel-no-8-sassone-no-15
https://www.catawiki.com/en/l/82955847-italian-ancient-states-1860-napoli-naples-trinactria-1-2-tornese-wide-margins-repaired-no-reserve-price-certificate-michel-no-8-sassone-no-15
Am: 26.06.2024 22:37:40
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# 3
@ Dobe [#2]
Nicht ganz so spektakulär wie die jüngsten USA-Auktionen aber dennoch sehr erfolgreich verlief die jüngste Auction Phila (AP) Auktion am 22.06. mit gerade einmal 194 Angeboten für Italien. 118 Lose erzielten ca. 250.000 € Umsatz zzgl. Auktionsgebühr.
Von den Einzelmarken sind nach wie vor perfekt zentrierte und postfrische Marken der frühen Königreich-Serien (1863-1901) äußerst gefragt.
So erzielten die überschriebenen Marken aus dem sogenannten Onduline-Set (1878) Höchstwerte. Der Wert 2 Cent auf 2.00 z.B. erzielte 1.250 € zzgl. 20 % Gebühr - in mittelmäßiger Zentrierung kann man im Netz diese Marke selbst in postfrisch für 60-70 € erhalten. Auch andere Werte erzielten zum Teil sehr hohe Preise und lagen meist so bei 25-30 % des Sassone-Werts.
Eine wunderschöne Lira Tre der Provisorischen Regierung der Toskana wechselte für 16.000 € den Besitzer. Hingegen blieb ein kompletter postfrischer Satz der "Artistica"-Serie 1922/1923 bei einem Ausruf von 100.000 € unverkauft. Etwas hoch gegriffen waren aber manche Ausrufe, z.B. für den 30 C. Wert der Filiberto-Serie (1928) Kopfsteher (capovolta, einer von 2 bekannten) für 75.000 €.
Das nächste Großereignis für Liebhaber von altitalienischen Spitzenwerten und spektakulären Frankaturen dürfte die Ferrario-Auktion am 02.07. sein. Mehrere Ausrufe für spektakuläre Frankaturen Modena, Sizilien und Kirchenstaat starten mit Ausrufen von 20.000-30.000 € Man darf gespannt sein.
Viele Samllergrüße
Michael
Am: 21.09.2024 23:23:52
Gelesen: 798
# 4
Bei der kommenden Auktion von AF Milano am 22.10.2024 kann man im Rahmen einer Mini-Auktion (ganze 115 Lose insgesamt) eine der größten Raritäten Altitaliens erwerben, vorausgesetzt man hat das nötige Kleingeld.
Der folgende Brief mit einer 4-Farben-Frankatur aus Sardinien (4. Emission) von Turin nach Triest am 18.5.1862 hat eine Frankatur von unglaublichen 9,35 Lire und ist einer von zwei bekannten 3-er-Streifen auf Brief mit einer Lira Tre (4. Emission). Es sind insgesamt nur 34 Briefe mit einer Lira Tre überhaupt bekannt, davon 2 Briefe mit einem Zweierstreifen (oder Paar), 2 Briefe mit einem Dreierstreifen und ein Brief mit einem Viererstreifen. Briefe auch nur mit einer Lira Tre der 4. Emission haben bereits einen Katalogwert nach Sassone von 300.000 €. Mehrfachfrankaturen sind nicht mehr aufgeführt.
Der Ausruf liegt dann auch bei 150.000 €. Der Dreierstreifen ist zudem auch allseits breitrandig, ebenfalls schon recht selten. Mich würde wirklich interessieren, was genau da befördert sein musste. Für die gesamte Zeit der Verwendung der 4. Emission ist das die dritthöchste bekannte Frankatur überhaupt. Ein Brief hat eine Frankatur von 9,40 Lire und die höchste bekannte Frankatur liegt bei 13,20 Lire.
Viele Grüße
Michael
Los 44 Italien Staaten Sardinien
Beschreibung
Sardegna - Eccezionale busta da Torino per Trieste affrancata con 5 più 10 più 20 cent. e striscia di tre del 3 lire ottimamente marginata ma con leggere pieghe - Spettacolare lettera quadricolore che rappresenta il più importante documento per la quarta emissione - Terzo posto scala rarità A.S.I. Sassone - Ex Achillito Chiesa - EmD/AD/ED/LG/Bolaffi - Cert. Colla (13Cb + 14D + 15E + 18A)
Los 44 Italien Staaten Sardinien
Beschreibung
Sardinien - Außergewöhnlicher Brief von Turin nach Triest frankiert mit 5 plus 10 plus 20 Cent. und Dreierstreifen der 3 Lire hervorragend gerandet aber mit leichten Knitterfalten - Spektakulärer vierfarbiger Brief, der den wichtigsten Beleg für die vierte Ausgabe darstellt - Seltenheitswert der dritten Stelle A.S.I. Sassone - Ex Achillito Chiesa - EmD/AD/ED/LG/Bolaffi - Cert. Kleber (13Cb + 14D + 15E + 18A)
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)
Am: 22.09.2024 08:01:12
Gelesen: 766
# 5
@ Dobe [#4]
Es wäre interessant wie sich die Gebühren von 9,40 Lire ergeben; also wie schwer war der Brief? Normale Briefe in Sardinien kosteten vertmutlich 20c. Dieser ging ins Ausland (Österreich) aber der Weg war nicht weit.
Vor Jahren habe ich von Italien MiNr. 22, einer 2Lire-Marke, eine Briefvorderseite, oder grosser Teil einer Vorderseite, der mit ca 15 bis 20 2Lire-Marken und etwas anderen von dem Satz frankiert war, auf einer Auktion gesehen.
Solche hohen Frankaturen sind die die Traumstücke eines Sammlers.
Gruss
Martin
Am: 22.09.2024 08:48:17
Gelesen: 753
# 6
Ich werde bei Gelegenheit mal Stephan Jürgens fragen, ich bin mir fast sicher, dass er diese Frage beantworten kann. Zudem ist dein Bericht von der Vielfach-Frankatur mit Mi Nr 22 (Königreich Italien) sehr spannend. Zwischen der Ausgabe der Lira Tre des Königreichs Sardiniens am 2.1.1861 und der Ausgabe der Lira Due (Mi-Nr 22) des Königreichs Italiens am 1.12.1863 liegen nur knapp 3 Jahre. Fakt ist, dass die höchste bekannte Frankatur für das komplette Königreich Sardinien 13,20 Lire beträgt (laut Sassone). Der von dir benannte Brief hat ja eine vielfach höhere Frankatur, eine nennenswerte Geldentwertung hat es aber in den 3 Jahren offensichtlich nicht gegeben. Der Nennwert der Briefmarken blieb fast identisch.
Die für mich einzig logische Erklärung könnte darin liegen, dass zwischen Ausgabe der Lira Tre am 2.1.1861 und dem Zusammenschluss der Altitalienischen Staaten (bis auf Kirchenstaat) und Ausruf des Königreichs unter Vittorio Emanuele II am 18.2.1861 nur ein sehr geringer Zeitraum lag. Zwar waren die Ausgabe der 4. Emission Sardiniens bis zum 31.12.1863 übergangsweise noch im gesamtem Königreich gültig (es gibt auch noch spätere Verwendungen). Aber vl. wurden in dieser turbulenten Übergangszeit generell nur sehr wenige schwere oder wertvolle Waren befördert.
Der Brief selbst ist übrigens im Sassone 2024 auf Seite 376 in Gänze abgebildet und wird dort als "der wichtigste Brief der gesamten 4. Emission des Königreichs Sardiniens" beschrieben. Vermutlich liegen von jedem der 5 Prüfer auf dem Brief auch Atteste bei. Der Händler hat sich vermutlich die Mühe gespart, weil jeder, der diesen Brief kaufen könnte, diesen kennt und die Atteste wg. Echtheit nicht benötigt.
Viele Grüße
Michael