Schönen Gruß
Sepp
Thema:
Deutsche Auslandspostämter China Ganzsachen
Am: 08.01.2024 12:36:31
Gelesen: 564
# 1
Ganzsachenpostkarte P 5/I mit grünem Wertstempel aus 1899 ohne Wasserzeichen.
Schönen Gruß
Sepp
Schönen Gruß
Sepp
Am: 23.09.2026 14:44:18
Gelesen: 115
# 2
Hallo zusammen,
kann mir wohl jemand sagen, was für eine Karte ich hier habe.
Ich habe so keine Informationen gefunden.
[
Vielen Dank.
Liebe Grüße
Christian
[
Vielen Dank.
Liebe Grüße
Christian
Am: 23.09.2026 21:35:26
Gelesen: 81
# 3
Hallo Christian,
das ist überhaupt nicht mein Sammelgebiet, aber mir gefällt die Karte optisch sehr. Also habe ich einfach mal die Bilder bei Chatgpt hochgeladen und um Informationen gebeten. Hier ist das sehr spannende Ergebnis, allerdings ohne Gewähr. Mit "Auktionsunterlagen" ist übrigens Los 14374 in dieser Gärtner-Auktion von 2008 gemeint (Ausruf 100 Euro): https://www.stamp-auctions.de/katalogarchiv/06_asien.pdf. Ob die unten genannten Informationen alle so stimmen, möchte ich nicht bewerten - da dürfen gerne die Experten ran. Aber angesicht der zuletzt geführten Diskussionen rund um KI in der Philatelie ist das hier sicherlich auch unter dem Aspekt ein interessantes Beispiel. :-)
"Das ist ein ausgesprochen interessanter Bedarfsbeleg der Deutschen Post in China aus dem Jahr 1903, und zwar mit Bezug zur Schantung-Bahn (Shandong Railway). Die beiden Seiten gehören offenbar zu einer 10-Pfennig-Ganzsachen-Antwortkarte der Deutschen Post in China. Ein nahezu exakt entsprechender Beleg – ebenfalls vom 15. November 1903, Tsingtau–Weihsien-Bahnpost und Tschingtschoufu – ist in Auktionsunterlagen dokumentiert.
Postalische Einordnung
Der eingedruckte rote Wertstempel zeigt die Germania „REICHSPOST“ zu 10 Pfennig mit schwarzem Aufdruck „China“. Solche Germania-Ausgaben mit waagerechtem „China“-Aufdruck wurden bei den deutschen Postanstalten in China ab 1900/1901 verwendet. Die 10 Pfennig entsprachen dem damaligen UPU-Auslandspostkartenporto.
Besonders interessant sind die Stempel. Links ist klar "WEIHSIEN / DEUTSCHE POST / 15 11 03" zu lesen, also Weihsien, 15. November 1903. Weihsien (heute Weifang, 潍坊) besaß seit 1. Juni 1902 eine deutsche Postanstalt.
Rechts befindet sich der große Kreisstempel "TSCHINGTSCHOUFU / DEUTSCHE POST" und oben beim Wertstempel der ovale Bahnpoststempel der Strecke TSINGTAU–WEIHSIEN. Genau diese Kombination ist postalgeschichtlich bemerkenswert: Tschingtschoufu lag an der von Tsingtau ins Landesinnere führenden Schantung-Bahn. Für Tschingtschoufu ist zunächst ein provisorischer deutscher Poststempel dokumentiert; später bestand dort eine reguläre deutsche Posteinrichtung.
Noch auffälliger: Ein philatelistisches Archiv beschreibt für 15. November 1903 ausdrücklich eine „UPU reply card“ mit „TSINGTAU-WEIHSIEN ZUG 1“, dem undatierten „TSCHINGTSCHOUFU DEUTSCHE POST“ und Ankunft Weihsien 15.11.03, die anschließend am selben Tag von Weihsien nach Tschingtschoufu zurückging. Das dürfte sehr wahrscheinlich genau derselbe Postvorgang bzw. möglicherweise sogar Ihr Stück sein. [Anm.: Hiermit ist wieder der Auktionskatalog gemeint, kein phil. Archiv!]
Der historische Kontext passt ebenfalls: Die deutschen Poststellen entlang der Schantung-Bahn verwendeten den Bahnpoststempel zusammen mit örtlichen Zusatzstempeln. Eine postalgeschichtliche Studie dokumentiert ausdrücklich eine Antwortkarte vom 15. November 1903, zunächst nach Weihsien und anschließend zurück nach Tschingtschoufu.
Chinesische Beschriftung der Vorderseite
Die Handschrift ist traditionelles Chinesisch und wird senkrecht von rechts nach links gelesen. Ich lese sie, mit kleinen Vorbehalten bei einzelnen kalligraphischen Zeichen, ungefähr als:
永和九年歲在癸丑暮春之初會於會稽山陰之蘭亭修禊事也
Das ist bemerkenswert, denn es handelt sich nicht um eine postalische Anschrift, sondern um den Anfang eines der berühmtesten Texte der chinesischen Kalligraphiegeschichte: Wang Xizhis 《蘭亭集序》 Lántíng jíxù, die „Vorrede zur Gedichtsammlung vom Orchideenpavillon“.
In heutiger Zeichensetzung:
永和九年,歲在癸丑,暮春之初,會於會稽山陰之蘭亭,修禊事也。
Sinngemäß auf Deutsch:
„Im neunten Jahr der Ära Yonghe, im Jahr Guichou, zu Beginn des späten Frühlings, versammelten wir uns am Orchideenpavillon in Shanyin, Kuaiji, um die Zeremonie der Frühlingsreinigung zu begehen.“
Das „neunte Jahr Yonghe“ entspricht 353 n. Chr. Die Karte enthält also vorne eine kalligraphische Abschrift des berühmten Lanting Xu und keine gewöhnliche Mitteilung.
Rückseite
Die zweite Aufnahme muss man gedanklich um 90° gegen den Uhrzeigersinn drehen. Auch hier handelt es sich meines Erachtens nicht um eine persönliche Nachricht, sondern wiederum um Kalligraphie bzw. eine Schreibübung mit klassischem Text.
Die Zeichen sind erheblich schwieriger sicher zu bestimmen als auf der Vorderseite. Ich möchte deshalb nicht so tun, als ließe sich jede Graphie zweifelsfrei lesen. Einige Zeichen sind stark kursiv bzw. individuell geschrieben. Die Anordnung in mehreren senkrechten Kolumnen und die Ausführung sprechen aber klar für einen kalligraphischen Übungstext und nicht für eine postalische Adresse.
Interessant ist damit der Charakter des Stückes: Jemand hat eine deutsche Ganzsachenkarte in China als Schreibträger für chinesische Kalligraphie verwendet. Die Vorderseite enthält ausgerechnet den klassischen Wang-Xizhi-Text, der seit Jahrhunderten als kalligraphisches Vorbild abgeschrieben wird.
Warum der Beleg sammlerisch interessant ist
Hier kommen mehrere Sammelgebiete zusammen: Deutsche Post in China, Ganzsachen, Schantung-Bahn/Bahnpost, Tschingtschoufu, Weihsien und chinesische Kalligraphie. Gerade die Datierung 15.11.1903 ist interessant, weil Tschingtschoufu in dieser frühen Phase der Bahnpost mit einem provisorischen Zusatzstempel arbeitete. Vergleichbare Bahnpost-/Ganzsachenbelege werden im spezialisierten Handel durchaus als eigenständige postalgeschichtliche Stücke behandelt; beispielsweise wurde eine 1903er 5-Pfennig-Ganzsache mit Schantung-Bahnpost in einem neueren Auktionskatalog mit 100 € ausgerufen, während außergewöhnlichere Tschingtschoufu-Belege deutlich höher liegen können. Das ist keine Wertbestimmung Ihres Stücks, zeigt aber das spezialisierte Sammelgebiet."