Was wäre hier nicht alles möglich gewesen? Praktisch alles ab 1936 – also von Franco (zum Gruseln) bis zu Kathedralen im Stichdruck (zum Niederknien schön). Aber seinerzeit (1990 – 21 Jahre alt – philatelistisch noch jung und dumm, ohne historische Bestände und Doubletten, und das Geld saß auch nicht so locker) gluckten ja alle auf ihren postfrischen Hortungsbeständen und das Preisniveau war ein anderes.
Gott sei Dank, habe ich damals noch in einem anderen Postamt eine Sonderausgabe gekriegt - das war ein Sechser-Zusammendruck historische Schmiedekunst in Stichdruck - und die wärmen mir bis heute noch immer das Herz, wenn ich im Album drüber stolpere.
Thema:
Abenteuer auf der Reise – Auge in Auge mit der örtlichen Postverwaltung
Am: 10.04.2021 21:03:00
Gelesen: 28752
# 1
Liebe Sammler,
Urlaub heißt Erholung, aber sicher auch Abenteuer. Und wer sammelt, der ist auch Jäger.
Was macht also der Sammler, wenn er in Urlaub ist?
Genau, er besucht die örtliche Post.
Einerseits in der Hoffnung auf einen guten Fang für die Sammlung, also auf Beute, ohne die man sich unmöglich zu Hause sehen lassen könnte. Und als Zeichen, dass man sich erfolgreich im Ausland durchgesetzt und zurechtgefunden hat, und welches deshalb für immer zum ewigen Ruhm als Trophäe in die Sammlung aufgenommen wird.
Natürlich muss auch was für die Urlaubsgrüße her, die man nach Hause schickt, und da hat man ja einen Ruf zu verlieren.
Dieser Tage erinnerte ich mich daran und schaute Karten durch, die überlebt haben.
Das älteste Exemplar – sozusagen die Nr. 1 - lade ich einmal hoch. Und das Ergebnis ist.....völlig trivial.
Tja, sieht so aus als, wäre man als ambitionierter Tiger gesprungen und als kastrierter Hauskater gelandet. So etwas kommt vor, wenn es dem bösen Postler nicht gefällt.
Was wäre hier nicht alles möglich gewesen? Praktisch alles ab 1936 – also von Franco (zum Gruseln) bis zu Kathedralen im Stichdruck (zum Niederknien schön). Aber seinerzeit (1990 – 21 Jahre alt – philatelistisch noch jung und dumm, ohne historische Bestände und Doubletten, und das Geld saß auch nicht so locker) gluckten ja alle auf ihren postfrischen Hortungsbeständen und das Preisniveau war ein anderes.
Gott sei Dank, habe ich damals noch in einem anderen Postamt eine Sonderausgabe gekriegt - das war ein Sechser-Zusammendruck historische Schmiedekunst in Stichdruck - und die wärmen mir bis heute noch immer das Herz, wenn ich im Album drüber stolpere.
Was wäre hier nicht alles möglich gewesen? Praktisch alles ab 1936 – also von Franco (zum Gruseln) bis zu Kathedralen im Stichdruck (zum Niederknien schön). Aber seinerzeit (1990 – 21 Jahre alt – philatelistisch noch jung und dumm, ohne historische Bestände und Doubletten, und das Geld saß auch nicht so locker) gluckten ja alle auf ihren postfrischen Hortungsbeständen und das Preisniveau war ein anderes.
Gott sei Dank, habe ich damals noch in einem anderen Postamt eine Sonderausgabe gekriegt - das war ein Sechser-Zusammendruck historische Schmiedekunst in Stichdruck - und die wärmen mir bis heute noch immer das Herz, wenn ich im Album drüber stolpere.
Am: 10.04.2021 21:27:14
Gelesen: 28738
# 2
Lieber Bendix,
da hast du eine klassische Erfahrung gemacht was den Briefmarkenkauf in Spanien angeht! Danke für den netten Text.
Die von dir erwähnten Sondermarken zur Schmiedekunst sind wirklich gelungen, nachfolgend ein Beispiel für die anderen Leser hier:
Noch eine kleine Anmerkung zur von dir erwähnten Drucktechnik: Es heißt "Stich tiefdruck", nicht "Stichdruck".
Die obige Abbildung stammt aus dem Onlinekatalog aller spanischen Briefmarken der FESOFI, dem spanischen Pendant zum BDPh. Einsehbar unter [1].
Mit philatelistischen Grüßen
Ralf
[1] http://catalogodesellos.fesofi.es/ - nur auf Spanisch verfügbar!
Noch eine kleine Anmerkung zur von dir erwähnten Drucktechnik: Es heißt "Stich tiefdruck", nicht "Stichdruck".
Die obige Abbildung stammt aus dem Onlinekatalog aller spanischen Briefmarken der FESOFI, dem spanischen Pendant zum BDPh. Einsehbar unter [1].
Mit philatelistischen Grüßen
Ralf
[1] http://catalogodesellos.fesofi.es/ - nur auf Spanisch verfügbar!
Am: 10.04.2021 21:52:52
Gelesen: 28719
# 3
Und hier noch alle sechs Kostbarkeiten, nicht optimal getrennt, aber wunderschön:
Am: 18.04.2021 21:22:01
Gelesen: 28590
# 4
Liebe Sammler,
ich teile heute einmal folgende Erfahrung mit Euch (für Freunde der Jagd, der Gegenwartsphilatelie oder des Sammelgebiets).
1992 fand ich mich im August in der Türkei. Also, wenn man schon mal auf Tour ist, gehört selbstverständlich ein Besuch des Postamtes in der nächsten größeren Stadt für den Philatelisten zum festen Teil des Besuchsprogramms.
Manavgat, mit 200.000 Einwohnern mittelgroße Stadt, befindet sich im Bezirk Antalya, nah an der Küste und in der Nachbarschaft zum antiken Side (Apollon-Tempel, griechisches Theater). Tourismus spielt eine entscheidende wirtschaftliche Rolle, internationale Besucher sind daher allgegenwärtig.
Als man in die Post reinkam, war vielversprechend, dass sich im Eingangsbereich der Post ein Rahmen mit verschiedenen Sondermarken befand, eine Präsentationsform die sich so ähnlich auch in den 1970er bis 1990er Jahren in den Postämtern Deutschlands finden lies.
Allerdings fielen die niedrigen Nominalen und die leichte Verblasstheit der Farben auf (typische Folge lang anhaltender Lichteinwirkung – nun ja, unter anderem wurde ein Block aus dem Jahr 1987 gezeigt, die Ausgaben waren daher ca. fünf Jahre alt).
So war denn auch festzustellen, dass die ausgestellten Marken, gar nicht verfügbar waren. Am Schalter habe ich dann nach „pul“ = Briefmarken und „filateli“ gefragt.
Nachdem der Tarif für Postkarten nach Deutschland klar war (TRL 1.500), habe ich aus den vorrätigen Marken eine Auswahl (siehe unten) mitgenommen. Herrlich, mal lässt sich Seite für Seite im Vorratsbuch zeigen, was da ist.
Vorfinden konnte man Marken aus den Jahren 1990-1992, insbesondere Freimarken – vorrätige Sondermarken waren Einzelwerte aus Sätzen. Ein Angebot vollständiger Sätze im Sinne einer philatelistischen Konfektion gab es nicht.
Daraus schließe ich
• Eine Limitierung des Verkauf von Marken nur satzweise fand daher in diesem Postamt nicht statt, obwohl die Auflagen der Sätze von zwei oder vier verschiedenen Nennwerten zu der Zeit einheitlich 0,6 Mio. Stück betrug
• Verfügbarkeit von Sondermarken = eine bedarfsmäßige Verwendung war einem breiten Publikum möglich
Andere Länder, andere Sitten – das macht das Reisen ja so spannend. So auch die Designs und Themen (siehe unten)
• Allgegenwärtig in der Türkei ist Kemal Atatürk, so auch auf den Freimarken. Er hat es wohl verdient:
- Kriegsheld des ersten Weltkrieges und des anschließenden Verteidigungskrieges gegen die schier maßlosen Annektionsaktivitäten der Ententemächte und ihrer Parteigänger
- Staatspräsident, radikaler Reformer, Schöpfer der modernen westlich orientierten Türkei – ihm haben wir es zu verdanken, dass wir die Beschriftung auf türkischen Briefmarken lesen können (in dem er das lateinische Alphabet eingeführt hat)
- Säkularisierer, aber auch autoritär. Dem Alkohol soll er auch zugetan gewesen sein, nun ja.
• Tiere (nicht mein bevorzugtes Motiv, aber hier mit lokalem Bezug was Tierwelt und Entwurf angeht, auch die Farbauswahl ist nicht kontinentaleuropäisch)
• Olympiade 92 – hier ist es schön zu sehen, dass die in der Türkei und in der Region allgemein populäre Sportart Ringen, es auf den Höchstwert gebracht hat
• Die Marken mit Postbezug (150 Jahre türkische Post und Mittelmeerkabel) haben eher Freimarkencharakter, man findet sie häufig in der Tagespost dieser Zeit.
Die unten gezeigte gestempelten Marken mit Normalstempel sind echt gelaufen und weisen den typischen türkischen Handstempel (am Schalter aufgelieferte Post). Die gezeigte Postkarte wurde hingegen in den Briefkasten geworfen und zeigt eine abweichende Stempelform.
Ebenfalls landestypisch ist der große Respekt und die Hilfsbereitschaft, die in der Türkei dem ausländischen Besucher entgegengebracht werden, was auch hier half, die Sprachbarriere zu überwinden (und da darf man sich nichts vormachen, was vermutlich im umgekehrten Fall schwerer wäre).
Bereits seinerzeit litt das Land an Inflation, die sich in den Folgejahren immer weiter emporschaukelte und 2004 zu Millionennominalen führte (weswegen die Mitnahme von Freimarken höherer Nomialwerte seinerzeit einfach nicht ratsam war).
Den unten gezeigten Block erwarb ich mit meinen letzten Banknoten (alles musste weg!) in einem Souvenir-Shop (dort lagen ca. 100 Blöcke lose übereinander, ich glaube zum Preis von TRL 12.000, was seinerzeit ca. DEM 2,40 entsprach. Die Nominale der prächtigen Atatürk-Ausgabe von 1981 beträgt immerhin TRL 500. Im Ausgabejahr entsprach das einem Gegenwert von ca. USD 4,00 bzw. DEM 7,50 oder dem Porto für rund 50 Inlandsbriefen.
Eine soweit gelungene Erfahrung, die Atatürk-Freimarken und die Sonderausgaben der 1970er blieben aber meine Favoriten.
Am: 08.05.2021 14:26:58
Gelesen: 28421
# 5
Abenteuer in Deutschland? Aber ja!
Erstens wird doch wohl jeder von uns seine Erfahrungen mit Postlern gemacht haben (viele gute, leider manchmal schlechte). So war es seinerzeit (wir schreiben das Jahr 1994) nicht selbstverständlich auf Service ausgerichtete Postmitarbeiter zu finden. Ich wache noch heute schweißgebadet auf, wenn mir im Traum der Giftzwerg begegnet, der mir als Dreizehnjährigen (1982) immer wieder gesagt hat „Haben wir nicht, kriegst du nicht, watt willste“ nur wenn ich mal eine Woche nach Ausgabetermin nach der Vorrätigkeit von irgendwelchen Neuheiten gefragt habe. Ich hätte es vielleicht vergessen, wenn es ein einmaliges Ereignis gewesen wäre, aber das Personal der Ämter meines hassgeliebten Heimatstädtchens, war darin spezialisiert, einen zu kujonieren.
Zweitens beginnt das Abenteuer doch schon immer bereits dann, wenn wir unsere Wohnhöhle verlassen. Wer weiß, was einen da erwartet? Vielleicht auch ein Grund, warum wir unsere Sammlung zu Hause lassen, wenn‘s rausgeht. Es soll ihr nichts passieren (oder sind wir da etwa übervorsichtig – erst geht es für die Marken über hunderte und tausende Kilometer vom Absender zum Empfänger -und dann, nichts mehr, Stillstand?). Wir sind da selbst mutiger; oder muten wir uns da mehr zu?
Wie dem auch sei, tatsächlich ging es seinerzeit auf Radtour (nix geplant, nix vorgebucht, nur die Richtung war klar, wo abends Schluss war – das war die Überraschung, ein paar Banknoten in der Tasche – Aus dem Leben eines Taugenichts).
Und es ist doch erstaunlich, kaum sind wir draußen und von zu Hause weg, schon wenden wir uns aus der Ferne (mit einem Kärtchen) nach Hause und lassen die anderen wissen: wir sind unterwegs, wir machen da was - aber an Euch, da haben wir gedacht.
Am: 15.05.2021 17:18:45
Gelesen: 28336
# 6
Wer das Abenteuer im Ausland sucht, kommt auch in Deutschland auf seine Kosten. Denn das ist doch eine Frage der Perspektive - wer von außen zu uns kommt, muss das Treiben hier ja auch als exotisch wahrnehmen (isses ja auch). Und Deutschland ist so verschieden. Man fährt 100 km und trifft die Sprache leicht verändert an, die Architektur wird anders, usw, usw. Ständen wir uns gegenüber, wir würden staunen.
Wem das nicht reicht und wer die Reise noch bunter haben will, kann ja auch von deutschem Boden aus, einen Abstecher ins Ausland machen, wir haben schließlich 3.758 km Außengrenze.
Z.B. kurz nach Frankreich. Da kam ich auf der Reise vorbei, und befand mich, ehe ich mich versah, ebenda und habe zielgerichtet anno 1994 die Post in Lauterbourg angesteuert. Dort wurde ich mit den unten gezeigten Marken belohnt. Nun sind Motive immer eine Geschmacksfrage - ich war von der Qualität der Marken jedenfalls schwer begeistert.
Und war das jetzt ein gutes Geschäft und die richtige Entscheidung?
Mir gefallen die Marken immer noch, und es ist erstaunlich. Sehe ich die, sind die immer mit der Reise und der verkaufenden Postlerin verbunden (da fand ich bemerkenswert, dass die 1 km hinter der deutschen Grenze, im Elsass, vorgab kein Deutsch zu verstehen – habe ich halt in rostiges Französisch gewechselt. Und natürlich wollte ich herausfinden, ob das jetzt Franzosen oder Deutsche sind. Was ist da dran an den Konflikten der Vergangenheit, die immer wieder zitiert werden, und was ist die kulturelle Realität? Also, wenn die Postlerin nicht aus Paris vom Geheimdienst geschickt wurde, um deutsche Reisende zu täuschen, dann dominiert das Französische).
Und wenn Ihr meinen vorherigen Beitrag gelesen habt, wo ich mal wieder über meine lokalen Postler in meiner Heimatstadt (50.000 Seelen) hergezogen bin. Was bekomm ich in einem französischen 3.000 Einwohner Städtchen? Ein tolles Markenheftchen Französisch-Schwedische Beziehungen (1,5 Mio. Auflage – was seinerzeit deutlich unterdurchschnittlich war) – na also, es geht doch.
Fazit: die Marken sind unbezahlbar.
Ach ja, und die Franzosen, die könnte ich immer noch verkleben, während es sich die Deutsche Post sich bei der Euro-Einführung nicht hat nehmen lassen, die ausgegebenen Marken zu devaluieren (mich ärgert vor allem, dass man sie nicht mehr benutzen kann - echt schade um die Fülle der tollen Motive).
Deswegen sage ich heute mal: Vive la France!
Und war das jetzt ein gutes Geschäft und die richtige Entscheidung?
Mir gefallen die Marken immer noch, und es ist erstaunlich. Sehe ich die, sind die immer mit der Reise und der verkaufenden Postlerin verbunden (da fand ich bemerkenswert, dass die 1 km hinter der deutschen Grenze, im Elsass, vorgab kein Deutsch zu verstehen – habe ich halt in rostiges Französisch gewechselt. Und natürlich wollte ich herausfinden, ob das jetzt Franzosen oder Deutsche sind. Was ist da dran an den Konflikten der Vergangenheit, die immer wieder zitiert werden, und was ist die kulturelle Realität? Also, wenn die Postlerin nicht aus Paris vom Geheimdienst geschickt wurde, um deutsche Reisende zu täuschen, dann dominiert das Französische).
Und wenn Ihr meinen vorherigen Beitrag gelesen habt, wo ich mal wieder über meine lokalen Postler in meiner Heimatstadt (50.000 Seelen) hergezogen bin. Was bekomm ich in einem französischen 3.000 Einwohner Städtchen? Ein tolles Markenheftchen Französisch-Schwedische Beziehungen (1,5 Mio. Auflage – was seinerzeit deutlich unterdurchschnittlich war) – na also, es geht doch.
Fazit: die Marken sind unbezahlbar.
Ach ja, und die Franzosen, die könnte ich immer noch verkleben, während es sich die Deutsche Post sich bei der Euro-Einführung nicht hat nehmen lassen, die ausgegebenen Marken zu devaluieren (mich ärgert vor allem, dass man sie nicht mehr benutzen kann - echt schade um die Fülle der tollen Motive).
Deswegen sage ich heute mal: Vive la France!
Am: 22.05.2021 23:39:35
Gelesen: 28237
# 7
Und manchmal kommt man bei der Reise unter die Räder – genau wie das unten gezeigte Stück, das Blessuren aufweist. Ich tippe auf einen Fehleinzug der Sortier- / Stempelmaschine.
Man sieht, dass das Reisen in Deutschland auch gefährlich sein kann.
Waldshut am Rhein, seinerzeit hatte ich das Postamt in Waldshut zum Depot gemacht, denn man konnte seinerzeit noch Pakete inländisch poste restante versenden, perfekt zum Wäschewechsel. Bei der Gelegenheit wurde noch ein Kärtchen nach Hause geschickt.
Völlig unbeschadet hingegen kamen die einen Tag zuvor in Basel beschafften Marken an. Denn die wurden auf der dortigen Hauptpost gekauft, dann im Gepäck verstaut und sicher nach Hause transportiert.
Werfen wir mal einen Blick auf die Schweizer (die nach der Heimkehr natürlich im Triumpfzug begleitet mit einem festlichen Essen und geistigen Getränken, in die Sammlung eingefügt wurden):
- Kunstwerke von Frauen – die 60er und der Höchstwert gefallen mit gut (Wer hätte daran gezweifelt, dass Frauen gute Designer sind? Denk ich an meine Schulzeit zurück, waren meine Mitschülerinnen in dem Bereich in der Mehrzahl einfach deutlich leistungsfähiger. Also: uns liegt hier eine politisch geprägte Ausgabe vor, und ich habe eine Vorliebe für gute Propaganda)
- die Jahrestage – so kennt man die Schweizer: nüchterne Designs. Interessant ist die Idee, vier unterschiedliche Themen in einem Satz zu packen. Also Formate gleich, Gestaltung und Gedenkanlass heterogen.
- Buchdruck - für meinen heutigen Geschmack bieder designte Ausgabe – andererseits die Qualität, für die Schweizer Marken in der Sammlerschaft geschätzt werden. Pralle Farben, ja wir sind in den 90ern.
So, eine Laudatio haben die guten Stücke heute also auch noch bekommen.
Da können wir schon nicht mehr von Gebrauchsgegenständen sprechen, sondern müssen wohl den Begriff des Kultgegenstandes verwenden – also damit höchsten Weihen, nämlich in unsere Sammlung aufgenommen worden zu sein.
Und was für Zeiten, kosteten damals nicht CHF 100,-- noch DEM 120,--? Das entspräche 1 EUR = CHF 1,62. Da soll noch einer sagen, das Sammeln von Briefmarken sei ein Verlustgeschäft.
Waldshut am Rhein, seinerzeit hatte ich das Postamt in Waldshut zum Depot gemacht, denn man konnte seinerzeit noch Pakete inländisch poste restante versenden, perfekt zum Wäschewechsel. Bei der Gelegenheit wurde noch ein Kärtchen nach Hause geschickt.
Völlig unbeschadet hingegen kamen die einen Tag zuvor in Basel beschafften Marken an. Denn die wurden auf der dortigen Hauptpost gekauft, dann im Gepäck verstaut und sicher nach Hause transportiert.
Werfen wir mal einen Blick auf die Schweizer (die nach der Heimkehr natürlich im Triumpfzug begleitet mit einem festlichen Essen und geistigen Getränken, in die Sammlung eingefügt wurden):
- Kunstwerke von Frauen – die 60er und der Höchstwert gefallen mit gut (Wer hätte daran gezweifelt, dass Frauen gute Designer sind? Denk ich an meine Schulzeit zurück, waren meine Mitschülerinnen in dem Bereich in der Mehrzahl einfach deutlich leistungsfähiger. Also: uns liegt hier eine politisch geprägte Ausgabe vor, und ich habe eine Vorliebe für gute Propaganda)
- die Jahrestage – so kennt man die Schweizer: nüchterne Designs. Interessant ist die Idee, vier unterschiedliche Themen in einem Satz zu packen. Also Formate gleich, Gestaltung und Gedenkanlass heterogen.
- Buchdruck - für meinen heutigen Geschmack bieder designte Ausgabe – andererseits die Qualität, für die Schweizer Marken in der Sammlerschaft geschätzt werden. Pralle Farben, ja wir sind in den 90ern.
So, eine Laudatio haben die guten Stücke heute also auch noch bekommen.
Da können wir schon nicht mehr von Gebrauchsgegenständen sprechen, sondern müssen wohl den Begriff des Kultgegenstandes verwenden – also damit höchsten Weihen, nämlich in unsere Sammlung aufgenommen worden zu sein.
Und was für Zeiten, kosteten damals nicht CHF 100,-- noch DEM 120,--? Das entspräche 1 EUR = CHF 1,62. Da soll noch einer sagen, das Sammeln von Briefmarken sei ein Verlustgeschäft.
Am: 29.05.2021 23:43:27
Gelesen: 28152
# 8
Jede Reise geht einmal zu Ende (denn wir gehen ja auch auf die Reise um wieder glücklich – sprich unversehrt – nach Hause zu kommen). Die letzten Etappen gingen vom Bodensee nach München. 1.000 km Deutschland + Besuch bei den Nachbarn. Phantastisch vielseitig – wie unsere Markenwelt.
Auf der Hälfte der Strecke ging noch mal eine Karte nach Hause, aus Schongau. Drehte man sich nach Süden um, sah man die Alpen.
Also noch einmal auf die Post – und toll wieder eine andere Marke zum Postkartentarif.
Gestempelt im Stil der Zeit – lesbar, mit Ortsbezeichnung. Maschinenstempel mit Werbezudruck, damals für Philatelisten nicht die bevorzugte Form der Entwertung.
Wie wurde anno 1994 gesammelt: überwiegend saubere Normalstempel. Und die Zeiten ändern sich, heutzutage soll es doch der Vollstempel sein, der Ort und Zeitpunkt angibt. Dann noch echt gelaufen und Bedarf, am besten noch als Beleg – soviel Platz muss man erst einmal haben, denn da kommt über die Jahre einiges zusammen.
Am: 29.05.2021 23:56:19
Gelesen: 28147
# 9
@ Bendix Gruenlich [#8]
Wir sind vor Jahren einmal über Luxemburg gekommen. Meine Frau sammelte damals Münzen und in einem kleinen Ort suchten wir eine Bank und trugen unsere Wünsche nach Sonder- und Gebrauchsmünzen vor. Daraufhin ging der Bankbeamte extra in den Tresorraum und holte frische Münzrollen für uns heraus. In Deutschland undenkbar.
Viele Grüße
Ingo
Am: 13.06.2021 00:19:31
Gelesen: 28048
# 10
Höchste Zeit mal gen Osten aufzubrechen. So im Jahr 1995, als man Deutschland wiedervereinigt vorfand (jetzt schon seit 31 Jahren – sensationell, wer hätte das, sagen wir einmal 1988, gedacht).
Bin Westler, wäre aber 1989/90 gerne nach Ostdeutschland und Berlin gefahren, Atmosphäre schnuppern. Dank meines seinerzeitigen zwangsweisen 15-Monats-Aufenthalt im Staatsdienst (mit Reiseverbot für das Warschauer Pakt-Gebiet und lausiger Bezahlung unter Grundsicherungsniveau, war ans Reisen nicht zu denken). Mann, war ich froh, als ich am 30.06.90 meine persönliche Freiheit wiedergewann (deshalb ist 1990 auch das Jahr der Befreiung, jawohl).
Also, sagen wir der Repression Ade. Und erinnern wir uns des Preises der Freiheit: es wurden leider die DDR-Marken und wohl als notwendige politische Konzession in diesem Zuge auch die Berlin-Marken ungültig (schade, schade - aber seien wir mal froh, dass die bundesrepublikanischen Marken bis zum 30.06.2002 gültig blieben). Wir Deutschen glauben ja immer, wir seien Weltmeister in allem - bei der Gültigkeit von Postwertzeichen sind wir das jedenfalls nicht und mit Blick auf die Vielzahl der Teilgebiete kann man uns wohl nur als Raubstaat bezeichnen.
Die Marke habe ich in Eisenach gekauft und in Weimar verschickt. Das war die seinerzeit erhältliche Sondermarke für Postkarten. Motiv Regensburg, aber selbst von einem Philatelisten kann man nicht verlangen, dass er immer nur dahin fährt, wo sich bei der Post im Ausgabejahr eine spezifische passende Ausgabe finden lässt.
Die Post in Eisenach war seinerzeit noch unrenoviert und hatte den Charme eines höchstfunktionalen, seit Jahrzehnten im erfolgreichen Betrieb befindlichen Postamts. Bester Service im Bereich Marken und Pakete durch selbstbewusster Postlerinnen (die wussten, was sie taten).
Hier noch ein Beweis, dass ich seinerzeit auch wirklich in Thüringen war (von wegen alles nur vorgegaukelt, alles gefälligkeitsgestempelt, alles nur gefaked, das ist ja gar kein Bedarf, Du hast Dein Zuhause gar nicht verlassen, sondern bei Hermann E. Sieger bestellt usw. usw.): die Thüringer auf dem Domplatz in Erfurt kostete seinerzeit DEM 1,00 pro Stück, und ich habe drei davon verputzt. Na, überzeugt?
Vom Rheinland nach Thüringen, da ist doch auch was dazwischen. Aber was? Also gut, musste eh noch ein paar Neuzugänge wegsortieren, nahm mir daher die letzten 60 Seiten meiner Deutschland-Sammlung vor (Lücken, Lücken, Lücken – aber die DEM-Marken-Ungültigkeitserklärung zusammen mit der voraussichtlich nicht dauerhaften Aufbewahrungsfähigkeit selbstklebender Marken in postfrischer Qualität hat eben ihre dauerhaften seelischen Schaden hinterlassen).
Das Ziel: du findest irgendwas was zum Thema
Die Erkenntnis: es gibt Leben zwischen Düsseldorf und Weimar!
Untenstehend Beweise auf Briefmarke:
• Die innerdeutsche Grenze ist weg? Nein, sie besteht immer noch, nur ist sie heute ein Naturschutzgebiet und ein Wanderweg. Kaum zu glauben (tolle Farbwahl)
• Tradition: im preußischen Teil des Weges galten mal Marken des Norddeutschen Postbezirks – die deutsche Post würdigt das mit einer Sonderausgabe – zu Recht
• Wer auf der Reise Hunger kriegt, für den gibt es deutsche Spezialitäten. Deutsches Brot – ich war schon an vielen Orten, sage aber mit voller Inbrunst: hier gibt es das Beste! Für einen Marke zu Ehre des deutschen Brots wurde es höchste Zeit
• Frankenberg / Eder – fantastische Fachwerkstädte lassen sich in Hessen entdecken. Hier Fachwerk mit Ziegelornamenten. Prachtvolles Deutschland!
• Die Wartburg – mit ein Idealbild für die Burg im deutschen Mittelgebirge – ich war da seinerzeit Essen (ja, wir sind halt Republik)
• Gehört zum Thema: Reformer oder je nach Perspektive mitteldeutscher Aufrührer und Populist – Martin Luther – Design der Marke: Zitat einer bekannten ikonographischen Darstellung
• Gotha – noch ein Schloss, aber in Thüringen gab es ja auch genug Fürstenhäuser
• Auf der Strecke allgegenwärtig: deutscher Wald (kaum Autobahn, kaum Eisenbahn, alles ist Mittelgebirge, kleine Städte – Deutschland Land der Romantik) und mittendrin satter grüner Wald und dünn befahrene Landstraßen
• Gebrüder Grimm – legendäre Sprachwissenschaftlicher, die kennt in Deutschland jedes Kind. Hessen vermarktet sich touristisch als Märchenland und die Waldgegenden, die wirken an manchen Stellen auch so wunderbar verwunschen.
• Prachtvolle Bauten – allerorten zu finden, hier ein Beispiel vor der Styroporisierung deutscher Fassaden
Na, Lust bekommen auf die Gegend? Ich hab es ja vor kurzem im „Luxusgut-Artikel“ in diesem Forum gesagt: Briefmarken sind sinnliche Inspiration auf kleinstem Raum.
Sinnliche Inspiration? Wie wäre es zum Schluss mit zusätzlich was zu Essen. Habe just diese Reise (bzw. die zweite Etappe von Morsbach nach Biedenkopf) vor ca. zwei Monaten kulinarisch mit Gästen geehrt:
• Spargelsuppe
• Gebackene Forelle, Kartoffeln, Salat – dazu grüne Sauce
• Paprikaschnitzel mir Fritten und Krautsalat
• Apfelpfannekuchen
• Getränke: Quellwasser, lokale Biere, Wein vom Rhein, Doppelwacholder
Danach singt Ihr die Nationalhyme, also die deutsche, wenn das Essen gelungen ist!
Denn folgendes: das Anfeuchten von Briefmarkengummierung alleine macht nicht satt!
Und das waren Inspirationen (wenn auch von Hölzken auf Stöcksken) aus acht, auch noch unvollständigen sechs Jahrgängen deutscher Briefmarken.
Und da ist noch viel, viel mehr in unseren Alben, das es zu entdecken und wiederentdecken gibt.
Hier noch ein Beweis, dass ich seinerzeit auch wirklich in Thüringen war (von wegen alles nur vorgegaukelt, alles gefälligkeitsgestempelt, alles nur gefaked, das ist ja gar kein Bedarf, Du hast Dein Zuhause gar nicht verlassen, sondern bei Hermann E. Sieger bestellt usw. usw.): die Thüringer auf dem Domplatz in Erfurt kostete seinerzeit DEM 1,00 pro Stück, und ich habe drei davon verputzt. Na, überzeugt?
Vom Rheinland nach Thüringen, da ist doch auch was dazwischen. Aber was? Also gut, musste eh noch ein paar Neuzugänge wegsortieren, nahm mir daher die letzten 60 Seiten meiner Deutschland-Sammlung vor (Lücken, Lücken, Lücken – aber die DEM-Marken-Ungültigkeitserklärung zusammen mit der voraussichtlich nicht dauerhaften Aufbewahrungsfähigkeit selbstklebender Marken in postfrischer Qualität hat eben ihre dauerhaften seelischen Schaden hinterlassen).
Das Ziel: du findest irgendwas was zum Thema
Die Erkenntnis: es gibt Leben zwischen Düsseldorf und Weimar!
Untenstehend Beweise auf Briefmarke:
• Die innerdeutsche Grenze ist weg? Nein, sie besteht immer noch, nur ist sie heute ein Naturschutzgebiet und ein Wanderweg. Kaum zu glauben (tolle Farbwahl)
• Tradition: im preußischen Teil des Weges galten mal Marken des Norddeutschen Postbezirks – die deutsche Post würdigt das mit einer Sonderausgabe – zu Recht
• Wer auf der Reise Hunger kriegt, für den gibt es deutsche Spezialitäten. Deutsches Brot – ich war schon an vielen Orten, sage aber mit voller Inbrunst: hier gibt es das Beste! Für einen Marke zu Ehre des deutschen Brots wurde es höchste Zeit
• Frankenberg / Eder – fantastische Fachwerkstädte lassen sich in Hessen entdecken. Hier Fachwerk mit Ziegelornamenten. Prachtvolles Deutschland!
• Die Wartburg – mit ein Idealbild für die Burg im deutschen Mittelgebirge – ich war da seinerzeit Essen (ja, wir sind halt Republik)
• Gehört zum Thema: Reformer oder je nach Perspektive mitteldeutscher Aufrührer und Populist – Martin Luther – Design der Marke: Zitat einer bekannten ikonographischen Darstellung
• Gotha – noch ein Schloss, aber in Thüringen gab es ja auch genug Fürstenhäuser
• Auf der Strecke allgegenwärtig: deutscher Wald (kaum Autobahn, kaum Eisenbahn, alles ist Mittelgebirge, kleine Städte – Deutschland Land der Romantik) und mittendrin satter grüner Wald und dünn befahrene Landstraßen
• Gebrüder Grimm – legendäre Sprachwissenschaftlicher, die kennt in Deutschland jedes Kind. Hessen vermarktet sich touristisch als Märchenland und die Waldgegenden, die wirken an manchen Stellen auch so wunderbar verwunschen.
• Prachtvolle Bauten – allerorten zu finden, hier ein Beispiel vor der Styroporisierung deutscher Fassaden
Na, Lust bekommen auf die Gegend? Ich hab es ja vor kurzem im „Luxusgut-Artikel“ in diesem Forum gesagt: Briefmarken sind sinnliche Inspiration auf kleinstem Raum.
Sinnliche Inspiration? Wie wäre es zum Schluss mit zusätzlich was zu Essen. Habe just diese Reise (bzw. die zweite Etappe von Morsbach nach Biedenkopf) vor ca. zwei Monaten kulinarisch mit Gästen geehrt:
• Spargelsuppe
• Gebackene Forelle, Kartoffeln, Salat – dazu grüne Sauce
• Paprikaschnitzel mir Fritten und Krautsalat
• Apfelpfannekuchen
• Getränke: Quellwasser, lokale Biere, Wein vom Rhein, Doppelwacholder
Danach singt Ihr die Nationalhyme, also die deutsche, wenn das Essen gelungen ist!
Denn folgendes: das Anfeuchten von Briefmarkengummierung alleine macht nicht satt!
Und das waren Inspirationen (wenn auch von Hölzken auf Stöcksken) aus acht, auch noch unvollständigen sechs Jahrgängen deutscher Briefmarken.
Und da ist noch viel, viel mehr in unseren Alben, das es zu entdecken und wiederentdecken gibt.
Am: 26.06.2021 18:37:41
Gelesen: 27928
# 11
Abenteuer? Hier vielleicht noch eine von der Distanz (5.200 km) her wirklich abenteuerliche Destination.
Wir wäre es denn mal mit St. Pierre & Miquelon (Archipel vor der kanadischen Küste, letzte französische Kolonialbesitzung in Nordamerika, ehemals ein Fisch-Dorado – bis der Kabeljau ausblieb).
Erst einmal, wie kommt man dahin?
Bus 790 der Rheinbahn, dann S-Bahn nach Leverkusen, dort in die Regionalbahn – umsteigen in Koblenz. Dann nach Frankfurt, dann hopp, in den Flieger nach Halifax (dann ist man schon mal in Kanada). Von da geht ein Flieger der Air St. Pierre nach St. Pierre (und das hab ich mir nicht ausgedacht, sondern 2019 wirklich so gemacht).
Das Postamt auf St. Pierre ist ein prägnanter Bau am Hafen.
Am Nachmittag kam ich auf St. Pierre an – erst einmal Postkarten besorgen (beim Fotografen Michael Briand wurde ich fündig). Abends ins Restaurant, bei der Gelegenheit schon mal Karten geschrieben und Frankaturen angebracht.
Zugegeben, diese Aktion hatte ich detailliert vorbereitet (Tarif erfragt, bei der Post die Gültigkeit der Marken abgefragt, schon zu Hause die Frankaturen vorgedacht, mögliche Dimensionen vorgeplant), denn hier durfte man wohl nichts dem Zufall überlassen. Wann ist man schon auf dem Archipel?
Die freundliche Antworten von dort (ich erhielt gleich zwei): alle Marken seien noch gültig, wenn sie die Bezeichnung „St. Pierre & Miquelon“ bzw. SPM tragen. Darunter alte Franc, CFA-Franc (entspricht dem alten Franc), neue Franc und Euro.

Das Postamt auf St. Pierre ist ein prägnanter Bau am Hafen.
Am Nachmittag kam ich auf St. Pierre an – erst einmal Postkarten besorgen (beim Fotografen Michael Briand wurde ich fündig). Abends ins Restaurant, bei der Gelegenheit schon mal Karten geschrieben und Frankaturen angebracht.
Zugegeben, diese Aktion hatte ich detailliert vorbereitet (Tarif erfragt, bei der Post die Gültigkeit der Marken abgefragt, schon zu Hause die Frankaturen vorgedacht, mögliche Dimensionen vorgeplant), denn hier durfte man wohl nichts dem Zufall überlassen. Wann ist man schon auf dem Archipel?
Die freundliche Antworten von dort (ich erhielt gleich zwei): alle Marken seien noch gültig, wenn sie die Bezeichnung „St. Pierre & Miquelon“ bzw. SPM tragen. Darunter alte Franc, CFA-Franc (entspricht dem alten Franc), neue Franc und Euro.

Am: 03.07.2021 19:48:38
Gelesen: 27835
# 12
Es gab auch einmal eine Periode (1976-1985), wo die Inseln als französisches Departement geführt wurden und Marken des Mutterlandes ohne Aufdruck benutzt wurden.
Bis heute sind für SPM über 1200 Michel-Nrn. verzeichnet.
Unfassbar, es sind also auch noch die Marken in den Kolonialzeichnungen gültig, deren Kleinstwerte sich in unterschiedlichster Erhaltung in vielen Anfängersammlungen finden.
Beim Katalogpreisniveau fällt auf. Dass die Marken bis 1976 zum Teil sehr hohe Katalogwerte aufweisen, z.B. Nominale FRF 4,00 – Katalogwert EUR 24,00 postfrisch. Das Niveau ändert sich, nach der Wiederaufnahme der Emission eigener Marken in 1986, z.B. FRF 5,00 - Katalogwert EUR 3,40 postfrisch.
Auflagen nennt der Michel für die Marken bis ca. 2015 keine, erst danach werden sie vereinzelt verzeichnet, z.B. 50.000 für eine Sondermarke mit gängiger Nominale, 40.000 für einen Block.
Die Einwohnerzahl des Archipels beträgt ca. 6.000 (90% auf der kleineren Insel St. Pierre mit 26 km², nur 10% auf der 10mal größeren Insel Miquelon/Langlade). Gehen wir also davon aus, dass das Interesse von nicht auf SPM ansässigen Sammler hoch ist.
Über den Sinn eigener Briefmarken für ein Gebiet mit 6.000 Menschen kann man streiten. Gehen wir aber davon aus, dass es nicht nur Lokalpatriotismus ist, sondern konkrete wirtschaftliche Vorteile Motive gibt.
Die Nennwerte erscheinen im Vergleich mit denen des Mutterlandes hoch, dafür weisen die Marken die gleiche hervorragende Qualität wie die des Mutterlandes aus.
Und sie sind dauerhaft gültig.......das ist einfach stark! Also man hält sein Versprechen, ohne dass es der Post weh tut, denn selbstverständlich hat die Inflation, die Nominalwerte devaluieren lassen.
Günstig war, dass ich kurz vor meinem Aufenthalt, eine Partie Marken aus den Jahren 1990 bis 2002 für einen Bruchteil (ca. 35%) ihrer Nominale erstehen konnte, ca. 300 Stück, so dass ich aus ich aus dem Vollen schöpfen konnte.
Zeit für einen Beleg
Und zwei Impressionen - Blick auf Saint Pierre und auf das menschenleere Langlade (subarktische Wildnis) von der Ostseite der Insel St. Pierre aus.
(wird fortgesetzt)
Über den Sinn eigener Briefmarken für ein Gebiet mit 6.000 Menschen kann man streiten. Gehen wir aber davon aus, dass es nicht nur Lokalpatriotismus ist, sondern konkrete wirtschaftliche Vorteile Motive gibt.
Die Nennwerte erscheinen im Vergleich mit denen des Mutterlandes hoch, dafür weisen die Marken die gleiche hervorragende Qualität wie die des Mutterlandes aus.
Und sie sind dauerhaft gültig.......das ist einfach stark! Also man hält sein Versprechen, ohne dass es der Post weh tut, denn selbstverständlich hat die Inflation, die Nominalwerte devaluieren lassen.
Günstig war, dass ich kurz vor meinem Aufenthalt, eine Partie Marken aus den Jahren 1990 bis 2002 für einen Bruchteil (ca. 35%) ihrer Nominale erstehen konnte, ca. 300 Stück, so dass ich aus ich aus dem Vollen schöpfen konnte.
Zeit für einen Beleg
Und zwei Impressionen - Blick auf Saint Pierre und auf das menschenleere Langlade (subarktische Wildnis) von der Ostseite der Insel St. Pierre aus.
(wird fortgesetzt)
Am: 11.07.2021 19:39:11
Gelesen: 27749
# 13
SPM / Teil 3
Als ich das Postamt am folgenden Tag betrat, schlug mir das Herz, denn das war doch wirklich unglaublich.
Ich ging dann erst einmal zum Schalter, dort lagen unter Glas die vorrätigen Marken. Habe Kleinstwerte erworben und alles was mir gefiel (es waren ungefähr die Ausgaben der letzten drei Jahre vorrätig). Bedienung war bestens, allerdings war es vorteilhaft, noch etwas Schulfranzösisch sprechen zu können.
Als Appetitanreger ein Blick auf einen Teil der Beute
Ich zog mich dann zurück, gegenüber vom Schalter konnte man sich setzen (ca. drei Sitzplätze) und in Ruhe die Karten vervollständigen, einen A4-Umschlag an Sammlerfreunde hatte ich auch dabei.
Es war ganz schön Betrieb, viele Einheimische waren vor Ort (insbesondere Paketdienst). Wer auf St. Pierre seine Briefpost haben will, muss übrigens auch die Post besuchen, denn es gibt nur Postfächer, keine Hauszustellung (wobei das wirklich kein Problem wäre, so groß ist die Insel nicht).
Dann alles bestückt und mit klopfenden Herzen zurück an den Schalter und um Handstempelung gebeten. Hatte darauf hingewiesen, dass ich alles EUR-cent-genau vorgerechnet habe, habe auch noch einmal den Betrag erläutert.
Der Postler war aber völlig aufgeräumt, professionell und nicht überrascht. Er sagte mir die gewünschte Entwertung zu (und hat Wort gehalten - einfach hervorragende Arbeit!). Habe mir bei der Gelegenheit noch historische Kleinstwerte abstempeln lassen (was für ein Souvenir!).
Und da schauen wir mal gemeinsam drauf.
• Mi-Nr 73 von 1909: Auf SPM dreht sich alles um die See und die Fischerei. Mit einem Seemann / Fischer wurde daher ein treffendes lokales Motiv gefunden. Typische erste Kolonialzeichnung, die es für jedes französische Gebiet im einheitlichen Format zweifarbig gibt. Das Nominal beträgt alte Franc 0,01. Seinerzeit bestand Goldstandard, so gelingt eine Umrechnung, das entsprach 0,82 Pfennig. Und da die Marke bis zur Entwertung 110 (!) Jahre später gültig war, gucken wir mal auf den Wert in EUR. Das waren EUR 0,0000152449.
• Mi-Nr 134 von 1932: Die nächste Serie der Kolonialzeichnung, Franc 0,02 - Hügel mit Leuchtturm.
• Mi-Nr 170 von 1938 – mit alten Franc 0,02 ebenfalls der Kleinstwert. Bedenkt man, dass zu der Zeit ein Inlandbrief in Frankreich 0,75 Franc kostete, spürt man, dass dieser Wert keine große kommerzielle Bedeutung gehabt haben kann. Man sieht Schlittenhunde, weil es dort im Nordatlantik mit 120 Frosttagen pro Jahr eher frisch ist
• Mi-Nr 381 von 1957 – jetzt in CFA-Franc, der dem alten Franc entspricht. Nominal Franc 0,40. Ein Inlandsbrief in Frankreich kostete seinerzeit alleine schon 15,00. Man sieht einen Kabeljau, der Reichtum des Gebietes (und übrigens auch Neufundlands) und die wirtschaftliche Grundlage der Inseln zu dieser Zeit. Tragisch, dass man ihn massiv überfischt zu haben scheint. Moratorium / Fangverbot in 1992 – bis heute immer noch keine Erholung.
• Mi-Nr 375 von 1955 – für meinen Geschmack toll gezeichnet, im Stichtiefdruck der Refrigerateur, also das Kühlhaus. Das steht noch, wenn es auch nicht mehr im Betrieb gewesen zu sein schien, es liegt außerhalb der Siedlung, die Straße endet dort. Dort findet man das Ding, zusammen mit Infrastruktur (Öltanks etc., typisch Überseegebiet). Nominal CFA-Franc 0,40.
• Mi-Nr 347 von 1947: ein Fels vor Langlade, Marke ebenfalls in hervorragender Qualität ausgeführt.

Das sind die Marken, die wir in vielen Anfängersammlungen finden (sei es von SPM oder anderen französischen Überseegebieten). Das lässt den Schluss zu, dass diese Werte vor allem hergestellt zu sein scheinen, um an Sammler verkauft zu werden, zum kleinen Preis, daher die niedrigen Nominalen (mich würde mal interessieren, wie seinerzeit der Vermarktungsmechanismus war und wieviel die Post mit den ganzen Kolonialzeichnungen eingenommen hat). So sind mir diese Stücke über die Jahre auch in die Hände gefallen, sozusagen als Beifang.
Teilweise fehlte die Gummierung. der älteste Wert wies Spuren von ca. vier Falzen auf, auch bei den Werten aus den Fünfziger war noch Falz festzustellen. Was lag also näher als, wo ich schon mal da war, die Marken zu veredeln. Auch weil gestempelte Marken mir seltener erscheinen, als postfrische. Also alles Spielerei? Also mir hat das wahnsinnigen Spaß gemacht, die sind Bestandteil meiner Sammlung, und ich freue mich und schmunzle, wenn die sehe und ich daran erinnert werde, dass ich wirklich vor Ort war. Auch das Datum des Aufenthalts kann ich jetzt nicht mehr vergessen. Waschechte Trophäen also!
Einen Wert in CFA-Franc immerhin konnte ich noch sinnvoll nutzen.
Ich bin anschließend noch für ein paar Wochen nach Kanada gefahren (es gibt Fährverkehr von SPM nach Kanada, der Fähranleger – ist ja klar – legt direkt hinter der Post), aber von Freunden hörte ich, die Post sei rasch angekommen.
Es wäre auch möglich gewesen nach Miquelon überzusetzen, dort gibt es ebenfalls eine Poststelle, aber die Fähren fahren nicht täglich und es war leider, leider nicht wirksam mit Kanada zu synchronisieren (das muss alles sehr detailliert geplant werden, Unterkünfte sind rar und man muss schauen, wo man über Nacht bleibt).
Übrigens SPM-Tourismus weist auf ihrer website darauf hin, dass eine Anreise auch mit dem eigenen Boot möglich ist, Ankerplätze gibt es südlich der Post im Segelschulhafen. Meiner Meinung nach der am besten auf den Aufenthalt vorbereitende Anreiseweg (7 Tage auf See und dann in den sicheren Hafen einlaufen – das wäre doch was, da stimme ich sofort ein Seemannslied an...)
Also Leute, Anker auf!
Ich zog mich dann zurück, gegenüber vom Schalter konnte man sich setzen (ca. drei Sitzplätze) und in Ruhe die Karten vervollständigen, einen A4-Umschlag an Sammlerfreunde hatte ich auch dabei.
Es war ganz schön Betrieb, viele Einheimische waren vor Ort (insbesondere Paketdienst). Wer auf St. Pierre seine Briefpost haben will, muss übrigens auch die Post besuchen, denn es gibt nur Postfächer, keine Hauszustellung (wobei das wirklich kein Problem wäre, so groß ist die Insel nicht).
Dann alles bestückt und mit klopfenden Herzen zurück an den Schalter und um Handstempelung gebeten. Hatte darauf hingewiesen, dass ich alles EUR-cent-genau vorgerechnet habe, habe auch noch einmal den Betrag erläutert.
Der Postler war aber völlig aufgeräumt, professionell und nicht überrascht. Er sagte mir die gewünschte Entwertung zu (und hat Wort gehalten - einfach hervorragende Arbeit!). Habe mir bei der Gelegenheit noch historische Kleinstwerte abstempeln lassen (was für ein Souvenir!).
Und da schauen wir mal gemeinsam drauf.
• Mi-Nr 73 von 1909: Auf SPM dreht sich alles um die See und die Fischerei. Mit einem Seemann / Fischer wurde daher ein treffendes lokales Motiv gefunden. Typische erste Kolonialzeichnung, die es für jedes französische Gebiet im einheitlichen Format zweifarbig gibt. Das Nominal beträgt alte Franc 0,01. Seinerzeit bestand Goldstandard, so gelingt eine Umrechnung, das entsprach 0,82 Pfennig. Und da die Marke bis zur Entwertung 110 (!) Jahre später gültig war, gucken wir mal auf den Wert in EUR. Das waren EUR 0,0000152449.
• Mi-Nr 134 von 1932: Die nächste Serie der Kolonialzeichnung, Franc 0,02 - Hügel mit Leuchtturm.
• Mi-Nr 170 von 1938 – mit alten Franc 0,02 ebenfalls der Kleinstwert. Bedenkt man, dass zu der Zeit ein Inlandbrief in Frankreich 0,75 Franc kostete, spürt man, dass dieser Wert keine große kommerzielle Bedeutung gehabt haben kann. Man sieht Schlittenhunde, weil es dort im Nordatlantik mit 120 Frosttagen pro Jahr eher frisch ist
• Mi-Nr 381 von 1957 – jetzt in CFA-Franc, der dem alten Franc entspricht. Nominal Franc 0,40. Ein Inlandsbrief in Frankreich kostete seinerzeit alleine schon 15,00. Man sieht einen Kabeljau, der Reichtum des Gebietes (und übrigens auch Neufundlands) und die wirtschaftliche Grundlage der Inseln zu dieser Zeit. Tragisch, dass man ihn massiv überfischt zu haben scheint. Moratorium / Fangverbot in 1992 – bis heute immer noch keine Erholung.
• Mi-Nr 375 von 1955 – für meinen Geschmack toll gezeichnet, im Stichtiefdruck der Refrigerateur, also das Kühlhaus. Das steht noch, wenn es auch nicht mehr im Betrieb gewesen zu sein schien, es liegt außerhalb der Siedlung, die Straße endet dort. Dort findet man das Ding, zusammen mit Infrastruktur (Öltanks etc., typisch Überseegebiet). Nominal CFA-Franc 0,40.
• Mi-Nr 347 von 1947: ein Fels vor Langlade, Marke ebenfalls in hervorragender Qualität ausgeführt.

Das sind die Marken, die wir in vielen Anfängersammlungen finden (sei es von SPM oder anderen französischen Überseegebieten). Das lässt den Schluss zu, dass diese Werte vor allem hergestellt zu sein scheinen, um an Sammler verkauft zu werden, zum kleinen Preis, daher die niedrigen Nominalen (mich würde mal interessieren, wie seinerzeit der Vermarktungsmechanismus war und wieviel die Post mit den ganzen Kolonialzeichnungen eingenommen hat). So sind mir diese Stücke über die Jahre auch in die Hände gefallen, sozusagen als Beifang.
Teilweise fehlte die Gummierung. der älteste Wert wies Spuren von ca. vier Falzen auf, auch bei den Werten aus den Fünfziger war noch Falz festzustellen. Was lag also näher als, wo ich schon mal da war, die Marken zu veredeln. Auch weil gestempelte Marken mir seltener erscheinen, als postfrische. Also alles Spielerei? Also mir hat das wahnsinnigen Spaß gemacht, die sind Bestandteil meiner Sammlung, und ich freue mich und schmunzle, wenn die sehe und ich daran erinnert werde, dass ich wirklich vor Ort war. Auch das Datum des Aufenthalts kann ich jetzt nicht mehr vergessen. Waschechte Trophäen also!
Einen Wert in CFA-Franc immerhin konnte ich noch sinnvoll nutzen.
Ich bin anschließend noch für ein paar Wochen nach Kanada gefahren (es gibt Fährverkehr von SPM nach Kanada, der Fähranleger – ist ja klar – legt direkt hinter der Post), aber von Freunden hörte ich, die Post sei rasch angekommen.
Es wäre auch möglich gewesen nach Miquelon überzusetzen, dort gibt es ebenfalls eine Poststelle, aber die Fähren fahren nicht täglich und es war leider, leider nicht wirksam mit Kanada zu synchronisieren (das muss alles sehr detailliert geplant werden, Unterkünfte sind rar und man muss schauen, wo man über Nacht bleibt).
Übrigens SPM-Tourismus weist auf ihrer website darauf hin, dass eine Anreise auch mit dem eigenen Boot möglich ist, Ankerplätze gibt es südlich der Post im Segelschulhafen. Meiner Meinung nach der am besten auf den Aufenthalt vorbereitende Anreiseweg (7 Tage auf See und dann in den sicheren Hafen einlaufen – das wäre doch was, da stimme ich sofort ein Seemannslied an...)
Also Leute, Anker auf!
Am: 28.11.2021 12:11:20
Gelesen: 27425
# 14
Reise? Dann schauen wir doch einmal was da geht (siehe Foto, oben beginnen - von links nach rechts)
1. Als erstes brauchts da mal Ferien - Gott sei Dank haben wir Deutschen einige Tage an Urlaub im Jahr, darum beneidet uns die Welt. Um das zu feiern gab‘s von der Post eine Marke - natürlich für den Postkartentarif, denn kein Urlaub ohne Urlaubsgrüße
2. Begeben wir uns also auf die Reise, die in meinem Fall (meinem Wohnort) immer in Deutschland beginnen muss. Schwarz-Rot-Gold sind unsere aktuellen Farben. Also gut, bleiben wir doch erst einmal in Deutschland
3. In 1996 war Ostdeutschland für einen Westdeutschen noch exotisch – denn der friedliche Umbruch war nur wenige Jahre alt. Unglaublich, wie schnell das damals ging, und unblutig – seien wir da froh.
4. Also los geht’s...mit der Eisenbahn...in wenigen Stunden ist man weit weg....und kommt in Mecklenburg an
5. Mecklenburg, also „Ostzone“ wie mein von dort stammender Großvater immer gesagt hat. Und was ist eine der größten Errungenschaften der DDR? Genau, es ist das Sandmännchen, denn nach einer guten Geschichte schläfts sich einfach besser. Gönnen wir unseren Jüngsten dieses Vergnügen der letzten leisen Aufregung vor einem tiefen, erholsamen Schlaf.
6. Früher Sommer in Norddeutschland, da kann man solche Felder und Alleen antreffen wie auf der Marke.
7. Norddeutschland, da hat die Hanse ihre bis heute sichtbaren Spuren hinterlassen, bis sie von der Kriegsmaschinerie des 30 jährigen Krieges zermalmt wurde
8. ...und dann bewegen wir uns der Küstenlinie lang von West nach Ost – Wismar – so schön, dass es Weltkulturerbe wurde
9. Rostock – Stadt mit architektonischem Licht und Schatten
10. Rügen und seine Steilküsten
11. Nochmal Rügen diesmal im DDR-60er-Jahre Design (pastellfarben, gefällig fürs Auge)
12. Stralsund – Tor zu Insel Rügen – hier Rathaus der Weltkulturerbestadt
13. Ostseeküste: mit der einzigartigen Mischung von Kiefernwäldern und Sandstränden
14. Sassnitz – Fährhafen für Schweden. Also, setzen wir über......und schauen im kommenden Beitrag, was da zu finden war.
1. Als erstes brauchts da mal Ferien - Gott sei Dank haben wir Deutschen einige Tage an Urlaub im Jahr, darum beneidet uns die Welt. Um das zu feiern gab‘s von der Post eine Marke - natürlich für den Postkartentarif, denn kein Urlaub ohne Urlaubsgrüße
2. Begeben wir uns also auf die Reise, die in meinem Fall (meinem Wohnort) immer in Deutschland beginnen muss. Schwarz-Rot-Gold sind unsere aktuellen Farben. Also gut, bleiben wir doch erst einmal in Deutschland
3. In 1996 war Ostdeutschland für einen Westdeutschen noch exotisch – denn der friedliche Umbruch war nur wenige Jahre alt. Unglaublich, wie schnell das damals ging, und unblutig – seien wir da froh.
4. Also los geht’s...mit der Eisenbahn...in wenigen Stunden ist man weit weg....und kommt in Mecklenburg an
5. Mecklenburg, also „Ostzone“ wie mein von dort stammender Großvater immer gesagt hat. Und was ist eine der größten Errungenschaften der DDR? Genau, es ist das Sandmännchen, denn nach einer guten Geschichte schläfts sich einfach besser. Gönnen wir unseren Jüngsten dieses Vergnügen der letzten leisen Aufregung vor einem tiefen, erholsamen Schlaf.
6. Früher Sommer in Norddeutschland, da kann man solche Felder und Alleen antreffen wie auf der Marke.
7. Norddeutschland, da hat die Hanse ihre bis heute sichtbaren Spuren hinterlassen, bis sie von der Kriegsmaschinerie des 30 jährigen Krieges zermalmt wurde
8. ...und dann bewegen wir uns der Küstenlinie lang von West nach Ost – Wismar – so schön, dass es Weltkulturerbe wurde
9. Rostock – Stadt mit architektonischem Licht und Schatten
10. Rügen und seine Steilküsten
11. Nochmal Rügen diesmal im DDR-60er-Jahre Design (pastellfarben, gefällig fürs Auge)
12. Stralsund – Tor zu Insel Rügen – hier Rathaus der Weltkulturerbestadt
13. Ostseeküste: mit der einzigartigen Mischung von Kiefernwäldern und Sandstränden
14. Sassnitz – Fährhafen für Schweden. Also, setzen wir über......und schauen im kommenden Beitrag, was da zu finden war.
Am: 11.12.2021 17:38:09
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# 15
Es wurde höchste Zeit, das jetzt auch einmal fortzusetzen. Etwaig zwischenzeitlich aufgekommene Gerüchte, das Schiff – also die Fähre nach Schweden – sei vermutlich seinerzeit gesunken, und daher könne der Bericht nicht fortgeführt werden, sind natürlich falsch.
Nein, die Überfahrt war unkompliziert und nach wenigen Stunden landete ich in Ystad an.
Ach ja, Schweden und Skandinavien – deutsche Sehnsuchtsorte, deswegen sind auch die Gebiete bei uns Sammlern ungewöhnlich beliebt. Woran liegt das? Vermutlich eine Form von „Ewig singen die Wälder“-Romantik – da finden völkerwandernde Deutsche bevorzugt im Wald, immer ganz plötzlich und überraschend freundliche, junge, blonde Mädchen vor, die seit einigen Jahren auf einen warten. Schön, dass sie eine Hütte an einem See hat, in der ihr bleiben könnt, bevor ihr sie auf Euer weißes Pferd hebt und sie nach Wolfsburg, Leverkusen oder Gelsenkirchen, wo ihr als Diplom-Ingenieur arbeitet, mitnehmen könnt.
Märchenhaft schön jedenfalls sind die Briefmarken des Landes, insbesondere ab Beginn der 1970er Jahre. Bis dahin waren die Marken von erstaunlich nüchternen, meist ein- / zweifarbigen Designs im Stichtiefdruck geprägt.
Auch danach noch haben die Schweden einen Großteil ihrer Marken gestochen, übrigens bis heute, auch wenn zunehmend mehr Offset eingesetzt wird.
Ganz typisch sind die Verkaufsformen in Schweden. Freimarken werden in den Poststellen von großen Rollen verkauft, Sondermarken in der Regel im Heftchen (also im Zusammendruck, mit einem i.d.R. leichten Karton außen herum – was sehr angenehm ist, weil man die ins Album stecken kann, ohne dass das ausbeult. Dazu gibt es einen erläuternden Text, seinerzeit nur auf schwedisch – das aber für uns Germanen nicht schwer zu verstehen ist.
Dabei muss man vor allem den Gebrauchswert eines Heftchens schätzen: die Briefmarken wirksam schützend, mehrere Exemplare bevorratend, gut in Brief- oder Handtasche aufbewahrbar, damit leicht zu transportieren und immer zur Hand.
Ich bin in Schweden keinen sprachlichen Barrieren begegnet, die nicht leicht zu überwinden gewesen wären. Englisch war unproblematisch, Deutsch erstaunlich weit verbreitet.
Nach der Anlandung habe ich Westkurs eingeschlagen - und schon ist man in wenigen Kilometern in der schwedischen Großstadt Malmö. Da bin ich dann in der Innenstadt auf die Post.
Auf der Post gab es eine große Auswahl an Ausgaben. Die gingen - wir schreiben das Jahr 1996 - bis 1992 zurück. Die letzten beiden Jahrgänge waren vollständig da, viel auch aus Vorjahren. Insgesamt eine sehr erfreuliche Ausbeute, da freut sich der Sammler.
Hier zwei Beispiele
a. Damit Ihr Euch in Schweden einfühlen könnt: schwedische Häuser zum Inlandstarif
b. Einer meiner absoluten Favoriten: Design des frühen 20. Jahrhundert – diese phantastischen Muster und prachtvollen Gegenstände! Bereit, auch heute noch aufgestellt zu werden. Ich liebe das blaue Tapetenmuster. Sagenhaft!
Und weil die Beute so reichhaltig war noch eine Stichprobe
a. Passte wunderbar zur Überfahrt mit der Fähre: historische Segler
b. Goldschmuck – ebenfalls im Stichtiefdruck
Und dass Briefmarken auch einen Zweck haben, sieht man mal wieder hier. Natürlich echt gelaufen - sieht gut aus, macht neugierig, was für eine schöne Überraschung für den Empfänger.
Und man kann so ziemlich jede Marke seit 1920 noch benutzen – allerdings ist die Nominale einer Marke aus den 1950ern (SEK 0,05 bzw. 5 Öre kaum nutzbringend zu gebrauchen). Übrigens habe ich seinerzeit noch Kleinstwerte kaufen können. Die niedrigste Wertstufe war SEK 0,05, also EUR 0,005 bzw. DEM 0,01.
Ich bin hier als Sammler voll auf meine Kosten gekommen. Wenn Ihr also sagt, dieser Beitrag ist hier wie ja eine Werbesendung für das Sammeln schwedischer Briefmarken, dann ist das schon richtig. Hier hat einfach alles gestimmt.
Ich bin noch ein paar Tage die Küste entlangetourt – und in Halsingborg nach Dänemark übergesetzt. Aber das ist dann eine andere Geschichte.
Und weil die Beute so reichhaltig war noch eine Stichprobe
a. Passte wunderbar zur Überfahrt mit der Fähre: historische Segler
b. Goldschmuck – ebenfalls im Stichtiefdruck
Und dass Briefmarken auch einen Zweck haben, sieht man mal wieder hier. Natürlich echt gelaufen - sieht gut aus, macht neugierig, was für eine schöne Überraschung für den Empfänger.
Und man kann so ziemlich jede Marke seit 1920 noch benutzen – allerdings ist die Nominale einer Marke aus den 1950ern (SEK 0,05 bzw. 5 Öre kaum nutzbringend zu gebrauchen). Übrigens habe ich seinerzeit noch Kleinstwerte kaufen können. Die niedrigste Wertstufe war SEK 0,05, also EUR 0,005 bzw. DEM 0,01.
Ich bin hier als Sammler voll auf meine Kosten gekommen. Wenn Ihr also sagt, dieser Beitrag ist hier wie ja eine Werbesendung für das Sammeln schwedischer Briefmarken, dann ist das schon richtig. Hier hat einfach alles gestimmt.
Ich bin noch ein paar Tage die Küste entlangetourt – und in Halsingborg nach Dänemark übergesetzt. Aber das ist dann eine andere Geschichte.
Am: 11.12.2021 18:35:24
Gelesen: 27266
# 16
@ Bendix Gruenlich [#15]
Hallo Bendix,
weil Du "Ewig singen die Wälder" erwähnt hast: Für alle die nur den Film kennen, unbedingt die Bücher von Trygve Gulbranssen: "Und ewig singen die Wälder", "Das Erbe von Björndal" und "Heimkehr nach Björndal" lesen. Auch wenn die Filme gut sind (ähnlich wie "Die Geier-Wally" von W.v.Hillern), die Bücher sind aussergewöhnlich. Und witzigerweise sehr unterhaltsam auch für jemanden wie mich, der sonst eher auf Fantasy, Science Fiction und Horror steht.
Liebe Grüße,
harald
Am: 09.01.2022 11:26:45
Gelesen: 27117
# 17
Kommen wir zum Ende der Reise und würdigen Dänemark philatelistisch.
Leider ist aus Dänemark seinerzeit (1996) keine Karte erhalten geblieben bzw. die Empfänger haben nicht abgeliefert (das kann man halt nicht immer erzwingen), aber ein Besuch auf der Post in Helsingör war erfolgreich.
Ein vollständiger Satz aus 1994 Schlösser war zu bekommen (in Prestigeverpackung, die auch noch erhalten geblieben ist - auf der Innenseite mit ETB-ähnlichen Erläuterungen - das ist ja ganz schön, aber in der Masse so platzeinnehmend), ein paar Sondermarken aus 1996 (Einzelverkauf der Marken eines Satzes fand statt) Segelboot und Ergänzungsmarken zum Auffrankieren auf Postkarten für den seinerzeitigen Deutschland-Tarif.
Insbesondere die Freimarke ist eine Würdigung wert. Immerhin 54 (Stand 2020) verschiedene gibt es, dann noch 35 mit zugedruckten zusätzlichen kleinen heraldischen Herzen. Dieses Design ist 1921 zum ersten Mal erschienen und wurde bis heute beibehalten. Diese Marken sind immer Öre-nominiert.
Ich finde die Schlichtheit des Entwurfs passt ganz gut zum Land, in dem ich es schwierig fand, einmal einen geöffneten Laden vorzufinden oder ein Restaurant (gut, ich habe zugegebenermaßen seinerzeit Kopenhagen umfahren und bin über Land gereist, aber das war schon augenfällig).
Selbst die Banknoten zu dieser Zeit waren auffällig unauffällig gestaltet.
Diese Schlichtheit zog sich auch durch meine seinerzeitigen Briefmarkenbestände des Landes, dass offenbar die Tatsache, dass man Marken auch vielfarbig und in frischen Farben drucken kann, ca. 30 Jahre nach anderen europäischen Ländern entdeckt hat.
Als Folge meiner Eindrücke habe ich dem Land, Dänemark-Freunde mögen mir verzeihen, den Titel des langweiligsten Landes der Welt verliehen.
Da nützen auch Olsen-Bande-Filme (die dänische Antwort auf James Bond?) oder die Tatsache, dass Dänemark in den frühen Siebzigern der Weltmarktführer des pornographischen Films war (bisher philatelistisch ungewürdigt), nichts.
Immerhin, die wenigen erschienen Marken sind häufig, preiswert und einfach zu bekommen. Auch wenn sich der Reiz häufig erst auf dem zweiten Blick erschließen mag, druckqualitativ gibt es nichts zu bemängeln. Ich erwarb über zwanzig Jahre später eine postfrische Sammlung 1970-1987 für übersichtliche EUR 40 (= 4 Abende beste Unterhaltung im Corona-Lockdown). Die Marken sind noch gültig (alles seit 1933 noch verwendbar) die Preise für Postdienstleistungen sind aber so unglaublich teuer geworden (Porto der Postkarte 1996 DKK 4,00 - heute (2022) wären DKK 36,00 ! fällig = ja, das sind ca. EUR 4,80), so dass eine wirtschaftlich sinnvolle Verwendung von Altnominalen schwierig ist (auf einer Karte wäre wohl nicht mal mehr Platz für ein Empfängerangabe).
Trotzdem, es macht einfach Spaß mal beim Nachbarland nachzuschauen, was da so vor sich geht.
Wer also irgendwo Dänemark-Marken liegen hat, sollte die mal herauskramen, durcharbeiten, sich eine eigene Meinung bilden und seinen Sammelhorizont erweitern. Den Impuls wollte ich heute einfach einmal geben.
Denn wer weiß, vielleicht sehe ich nur ein hässliches Entlein, und tatsächlich handelt es sich um einen prächtigen Schwan.
Insbesondere die Freimarke ist eine Würdigung wert. Immerhin 54 (Stand 2020) verschiedene gibt es, dann noch 35 mit zugedruckten zusätzlichen kleinen heraldischen Herzen. Dieses Design ist 1921 zum ersten Mal erschienen und wurde bis heute beibehalten. Diese Marken sind immer Öre-nominiert.
Ich finde die Schlichtheit des Entwurfs passt ganz gut zum Land, in dem ich es schwierig fand, einmal einen geöffneten Laden vorzufinden oder ein Restaurant (gut, ich habe zugegebenermaßen seinerzeit Kopenhagen umfahren und bin über Land gereist, aber das war schon augenfällig).
Selbst die Banknoten zu dieser Zeit waren auffällig unauffällig gestaltet.
Diese Schlichtheit zog sich auch durch meine seinerzeitigen Briefmarkenbestände des Landes, dass offenbar die Tatsache, dass man Marken auch vielfarbig und in frischen Farben drucken kann, ca. 30 Jahre nach anderen europäischen Ländern entdeckt hat.
Als Folge meiner Eindrücke habe ich dem Land, Dänemark-Freunde mögen mir verzeihen, den Titel des langweiligsten Landes der Welt verliehen.
Da nützen auch Olsen-Bande-Filme (die dänische Antwort auf James Bond?) oder die Tatsache, dass Dänemark in den frühen Siebzigern der Weltmarktführer des pornographischen Films war (bisher philatelistisch ungewürdigt), nichts.
Immerhin, die wenigen erschienen Marken sind häufig, preiswert und einfach zu bekommen. Auch wenn sich der Reiz häufig erst auf dem zweiten Blick erschließen mag, druckqualitativ gibt es nichts zu bemängeln. Ich erwarb über zwanzig Jahre später eine postfrische Sammlung 1970-1987 für übersichtliche EUR 40 (= 4 Abende beste Unterhaltung im Corona-Lockdown). Die Marken sind noch gültig (alles seit 1933 noch verwendbar) die Preise für Postdienstleistungen sind aber so unglaublich teuer geworden (Porto der Postkarte 1996 DKK 4,00 - heute (2022) wären DKK 36,00 ! fällig = ja, das sind ca. EUR 4,80), so dass eine wirtschaftlich sinnvolle Verwendung von Altnominalen schwierig ist (auf einer Karte wäre wohl nicht mal mehr Platz für ein Empfängerangabe).
Trotzdem, es macht einfach Spaß mal beim Nachbarland nachzuschauen, was da so vor sich geht.
Wer also irgendwo Dänemark-Marken liegen hat, sollte die mal herauskramen, durcharbeiten, sich eine eigene Meinung bilden und seinen Sammelhorizont erweitern. Den Impuls wollte ich heute einfach einmal geben.
Denn wer weiß, vielleicht sehe ich nur ein hässliches Entlein, und tatsächlich handelt es sich um einen prächtigen Schwan.
Am: 13.02.2022 11:45:04
Gelesen: 26939
# 18
Nach der Reise ist ja bekanntlich vor der Reise, hat doch Sepp Herberger so oder so ähnlich gesagt.
Aber wo könnte man da hinfahren? Da unterscheiden wie doch einmal drei Typen
1. Den, der immer woanders hinfahren muss. Entweder weil das eine Konsumerwartung ist oder weil ihn die Ruhelosigkeit (sei es aus Neugier, Eroberungswillen oder Todessehnsucht) von Kulturkreis zu Kulturkreis treibt. Solche Typen begegnen uns Sammlern in der Gestalt unbelehrbarer Alle-Welt-Sammler.
2. Dann gibt es den, der zwar das eigene Land verlässt und auch mal den Urlaubsort wechselt, aber immer in einen bestimmten Kulturkreis fährt, z.B. nach Frankreich, das bekanntlich groß ist - weil er Französisch spricht - oder in die Alpen, weil da immer gut Klettern ist. Das wäre der Typ Deutschland-Sammler zuzüglich eines spezifischen anderen Sammelgebiets.
3. Typ drei pendelt immer zwischen seinem Heimatort und dem traditionellen Urlaubsort (Wohnort Köln, Urlaub Gran Canaria - oder in extremer Ausprägung, wie mir kürzlich begegnet, Urlaub 30 Jahre lang immer an einem bestimmten Ort an der Nordsee.
Das liest sich vielleicht erst einmal trivial, kann aber durchaus Konflikte bergen:
• Typ 1 wird von Typ 3 für nicht ernstnehmbar, labil, per se verdächtig und letztlich auch gefährlich gehalten (weil er die Ordnung bedroht und den Horizont sprengt).
• Typ 2 ist der des limitierten, gut übersehbaren, weil ihn nicht überfordernden, Risikos.
• Typ 3 zeichnet sich in seiner Extremform durch eine überreinliche (keine Eckstücke, Versandstellenstempel)-Sammlung Deutschland unter Vordrucken aus. Etwas anderes käme auch nicht ins Haus, weil das nicht verstanden werden würde.
Wenn diese Typen interagieren, dann kommt es häufig zum Ausbruch von Wortscharmützeln entlang dieser Konfliktlinien - auch hier regelmäßig im Forum zu lesen. Das ist menschlich und gehört zu einer guten Diskussion.
So, wie kam ich noch darauf. Ach ja, ich ordne mich eher Typ 1 zu, aber nachdem ich im letzten Beitrag über Dänemark hergezogen bin (langweiligstes Land der Welt), wo bin ich da im nächsten Jahr hingefahren ?
Allerdings nur mit dem Ziel umgehend wieder nach Schweden überzusetzen. Ein Besuch der Post in Helsingör war allerdings wieder möglich, wo ich vorstehende farbfrohe Auswahl treffen konnte.
Wo da jetzt der Abenteuerfaktor ist? Nun:
• Wann seid Ihr zum letzten Mal zum Briefmarkenkaufen 780 km gefahren (das ist die Distanz vom Rheinland nach Helsingör)?
• ...in einer nächtlichen Zugfahrt - irgendein Nachtzug von Düsseldorf nach Hamburg, der irgendwann um Mitternacht losfuhr. Die Gestalten, die sich um diese Zeiten rumtreiben, sind schon einmalig und eine Bedrohung für jede bürgerliche Existenz. Das Rattern des Zuges durch die Nacht. Übernächtigt Umsteigen in Hamburg, mit der Eisenbahn und der Eisenbahnfähre über die Vogelfluglinie über See nach Kopenhagen. Wieder in einer anderen Großstadt orientieren, umsteigen.
• Bei solchen Aktionen muss man einfach auf dem Quivive sein.
Vogelfluglinie? 1963 eingeweiht. Das ist eine Verkehrsverbindung seinerzeit auch mit Eisenbahnfähre (also der Zug kam in die Fähre) über Fehmarn nach Dänemark bzw. von Dänemark nach Deutschland. Mit der Eisenbahn kann man heute nicht mehr fahren, die Verbindung ist eingestellt worden. Fährverkehr gibt es natürlich noch, aber auf Personen und nicht-schienengebundene Fahrzeuge beschränkt.
Zur Einweihung gab es übrigens seitens Westdeutschlands und Dänemarks Sonderausgaben. Ich habe ja an den dänischen Ausgaben das letzte Mal Kritik geäußert (zu bescheiden, unspektakulär). Aber bitte, urteilt selbst...
Na? Wie auch immer Euer Urteil ausgefallen ist (bildet Euch doch einfach selbst Eure Meinung und habt Freude an der einen oder anderen Gestaltung oder an beiden), ich wollte noch kurz erwähnen, dass die dänische Marke von Meister Slania gestochen wurde.
Mir gefallen beide
• Die deutsche Marke ist informativer, hier kommt schneller rüber was gemeint wird. Deutlich vielfarbiger und frischer. Thema und Vogelflugmotiv meiner Meinung gut verknüpft.
• Die dänische Marke ist ein erhabener Stichtiefdruck in grün und weiß. Man muss schon genauer hinschauen, um zu erkennen, was gemeint ist (oben Eisenbahn, in der Mitte eine Reifenspur = Straßenverkehr, der Fluss wohl für das Element Wasser und die See. Die Marke ist ornamentaler (und dafür habe ich eine Schwäche).
Michelwert ca. EUR 0,60 und damit unwürdig besprochen zu werden? Ich denke doch, die beiden Marken haben uns für 10 Minuten gut unterhalten. Ich rate davon ab, zu versuchen Kultur in Geldeinheiten zu messen.
Auch immer wieder faszinierend: Festzustellen, dass man die Infrastruktur, die hier auf Briefmarke gewürdigt wurde, auch einmal selbst benutzt hat.
Allerdings nur mit dem Ziel umgehend wieder nach Schweden überzusetzen. Ein Besuch der Post in Helsingör war allerdings wieder möglich, wo ich vorstehende farbfrohe Auswahl treffen konnte.
Wo da jetzt der Abenteuerfaktor ist? Nun:
• Wann seid Ihr zum letzten Mal zum Briefmarkenkaufen 780 km gefahren (das ist die Distanz vom Rheinland nach Helsingör)?
• ...in einer nächtlichen Zugfahrt - irgendein Nachtzug von Düsseldorf nach Hamburg, der irgendwann um Mitternacht losfuhr. Die Gestalten, die sich um diese Zeiten rumtreiben, sind schon einmalig und eine Bedrohung für jede bürgerliche Existenz. Das Rattern des Zuges durch die Nacht. Übernächtigt Umsteigen in Hamburg, mit der Eisenbahn und der Eisenbahnfähre über die Vogelfluglinie über See nach Kopenhagen. Wieder in einer anderen Großstadt orientieren, umsteigen.
• Bei solchen Aktionen muss man einfach auf dem Quivive sein.
Vogelfluglinie? 1963 eingeweiht. Das ist eine Verkehrsverbindung seinerzeit auch mit Eisenbahnfähre (also der Zug kam in die Fähre) über Fehmarn nach Dänemark bzw. von Dänemark nach Deutschland. Mit der Eisenbahn kann man heute nicht mehr fahren, die Verbindung ist eingestellt worden. Fährverkehr gibt es natürlich noch, aber auf Personen und nicht-schienengebundene Fahrzeuge beschränkt.
Zur Einweihung gab es übrigens seitens Westdeutschlands und Dänemarks Sonderausgaben. Ich habe ja an den dänischen Ausgaben das letzte Mal Kritik geäußert (zu bescheiden, unspektakulär). Aber bitte, urteilt selbst...
Na? Wie auch immer Euer Urteil ausgefallen ist (bildet Euch doch einfach selbst Eure Meinung und habt Freude an der einen oder anderen Gestaltung oder an beiden), ich wollte noch kurz erwähnen, dass die dänische Marke von Meister Slania gestochen wurde.
Mir gefallen beide
• Die deutsche Marke ist informativer, hier kommt schneller rüber was gemeint wird. Deutlich vielfarbiger und frischer. Thema und Vogelflugmotiv meiner Meinung gut verknüpft.
• Die dänische Marke ist ein erhabener Stichtiefdruck in grün und weiß. Man muss schon genauer hinschauen, um zu erkennen, was gemeint ist (oben Eisenbahn, in der Mitte eine Reifenspur = Straßenverkehr, der Fluss wohl für das Element Wasser und die See. Die Marke ist ornamentaler (und dafür habe ich eine Schwäche).
Michelwert ca. EUR 0,60 und damit unwürdig besprochen zu werden? Ich denke doch, die beiden Marken haben uns für 10 Minuten gut unterhalten. Ich rate davon ab, zu versuchen Kultur in Geldeinheiten zu messen.
Auch immer wieder faszinierend: Festzustellen, dass man die Infrastruktur, die hier auf Briefmarke gewürdigt wurde, auch einmal selbst benutzt hat.
Am: 01.03.2022 22:51:27
Gelesen: 26826
# 19
Ja, in der Ukraine war ich auch mal.
In 2014, kurz nach der Maidan-Revolution ging es nach Kiew, mit dem Ziel weiter nach Minsk zu touren.
Eigentlich gäbe es hier alleine von der ersten Etappe schon viel zu erzählen, aber wir alle sehen heute Bilder, die wir vor wenigen Tagen nicht für möglich gehalten hätten. Seinerzeit ging es nördlich aus Kiew raus, auf die Straße P02, durch Iwanow, an Tschernobyl vorbei, nach Owrutsch.
Kaum zu glauben, dass das in diesen Momenten eine Aufmarschstraße für russische Truppen zur Führung eines offenbar von langer Hand geplanten Angriffskriegs ist (wohl mit dem Ziel, das es in der Ukraine so schön bleiern zugeht, wie in Russland – also: man geht da auf die Straße, klappt das falsche Logo auf und schon ist man im Lager. Einfach die miesesten Tscheka-Methoden!).
Wenn es doch so toll in Russland ist, warum fliehen seit Jahrhunderten alle Nachbarn aus der eisigen Umarmung?
Widerlich! Geht nach Hause, ihr Drecksäcke! Was für eine Schande für alle Russen, die an daran teilnehmen!
Am: 03.03.2022 09:10:55
Gelesen: 26750
# 20
@ Bendix Gruenlich [#13]
In SPM gibt es auch mehrere Philatelisten. Einer hat einen Katalog herausgegeben und betreibt einen Briefmarkenhandel: Jean-Jacques Tillard [1]. Ich lernte ihn zufällig bei der ESTONIA 2020 am Frühstückstisch kennen (bevor ich wusste, wer er war). Er gewann dort den Grand Prix.[2]. Ein feiner Mensch! Und wenn ein Leser dieser Zeilen mal nach SPM kommt - Jean-Jacques spricht auch Englisch!
1 https://tillard-spm-philatelie.fr/
2 https://arge-baltikum.de/archiv_1-de.shtml (-> 2020, auf dem breiten Titelbild ist er im Gespräch mit dem Juror Thomas Höpfner)
Am: 27.03.2022 22:34:51
Gelesen: 26586
# 21
Dann schaue ich mal in das Jahr 2014 zurück. Ich wollte nach Weißrussland, die haben seinerzeit die Eishockey-WM ausgerichtet, und das war die einmalige (!) Gelegenheit mit einer Eishockeyeintrittskarte (für EUR 6,--, und zwar zum Spiel Deutschland vs. Kasachstan am 10.05.) visafrei und ohne bizarre bürokratische Prozeduren einzureisen.
Bei der Gelegenheit habe ich darüber gegrübelt, wie man am besten da einreist. Und siehe da, ab Dortmund (100 km von mir weg) konnte man mittels Wizz-Air direkt nach Kiew in die Ukraine fliegen. Das war nah dran und eine prima Gelegenheit die dortige Hauptpost zu plündern, so dachte ich.
Als ich am Flughafen ankam, wurde mir klar, dass ich ab hier „lost in translation“ sein werde, denn Englisch sprach kaum jemand. Also galt es mit 100 Vokabeln und einem auswendig gelernten kyrillischen Alphabet durch die Sowjetunion-Nachfolgestaaten zu touren. Dawaitsche!
Das ging schon beim Zoll los, ich hatte ein Fahrrad im Karton mit, das erregte Aufmerksamkeit. Der Taxi-Fahrer war ebenfalls nicht auf internationalen Besuch eingestellt. Aber natürlich, irgendwie geht das immer.
Auch auf der Post auf dem Maidan (die Maidan-Revolution war erst drei Monate her, es stand noch alles voll Barrikaden, irgendwelche uniformierten Gruppierungen standen noch wegen Spenden herum), hat die resolute (wie sind in der Ex-SU) Vorsteherin der Hauptpost mir zwar das verschafft, was ich wollte (Marken für Postkarten nach Deutschland), aber leider keine Sondermarken.
Eine Marke habe ich noch übrig und die ist noch immer gültig. Sie repräsentiert USD 0,70 (Auslandstarife werden in USD bepreist und zum Tageskurs abgerechnet).
Ich fuhr gegen die Zeit und wollte auch - wenn möglich - am 10.05. tatsächlich in Minsk sein, da wollte ich nicht zwei Tage verlieren, um die Öffnung des Philatelieschalters abzuwarten.
Also aufsitzen (auf den Fahrradsattel) und los! Die prestigeträchtigste Straße (und auch die optimalste Distanz) ging über die P02 an Tschnernobyl (Atomkraftwerkhavarie) vorbei. Ich habe mich im Hotel erkundigt, ob die Straße frei wäre. Das wurde bestätigt. Also bei bestem Wetter raus aus Kiew, hinein in die ukrainische Provinz, Atmosphäre schnuppern. Als ich aus Kiew raus war, wurde klar, mit Unterkünften wird das nicht einfach. Und dann zog es mich Kilometer um Kilometer in die Etappe hinein. Je weiter man vordrang, desto ländlicher und spärlicher besiedelt wurde es, aber auf Tour gilt: kein zurück.
Bei örtlichen „Produkty“ habe ich mich versorgt, da wurde kopekengenau herausgegeben, und dem schien auch ein wirtschaftlicher Wert beigemessen zu werden. Den „Fremden“ hat man mir angesehen und vor allem angehört. Irgendwie begegnete man ihm dabei mit einer gewissen Distanz, einer Art Schock, ein Stirnrunzeln, dass man nicht das örtliche Idiom sprach. Dabei stärker bei Frauen feststellbar als bei Männern, interessant. Aber so macht man das halt, man wirft sich ins Alltagsleben im fremden Land und irgendwie gehts immer. Da sind dann beide Seiten, so meine Wahrnehmung, hinterher positiv überrascht.
Nachdem ich in Iwanow, als einzige Herberge eine kleine Zimmervermietung neben einer Tankstelle gesehen hatte, beschloss ich einfach weiterzufahren.
Dann kam es wie es kommen musste: 40 km nach der letzten kleinen Stadt tauschte eine Schranke, ein Gebäude und eine schwer bewaffnete Wachmannschaft auf. Die Schranke war geschlossen!
Kein Durchkommen ohne Sonderausweis. Einer aus der Mannschaft sprach ein paar Worte Englisch, die Dienstgerade und der Wachoffizier nicht. Ja, sagte ich, da müsste ich wohl im Wachgebäude schlafen, was natürlich abgelehnt wurde (hatte ich auch nicht ernstlich vor), aber irgendwie musste ich bedeuten, das etwas passieren müsste.
Nun, für alles gibt es eine Lösung, und die bestand hier aus.....nun ja, nennen wir es eine Bearbeitungsgebühr von UAH 200,00 bzw. EUR 12,50, welche verdeckt in einem Stück Papier übergeben werden mussten. Mein Propass (ein Stück Papier) wurde sodann ausgefertigt und ausgehändigt und mit der Ermahnung, nicht den Weg zu verlassen, öffnete, sich die Schranke und mit militärischer Ehrenbezeugung wurde ich auf den Weg geschickt. Ich will hier nicht richten, vielleicht hat man mir einen Gefallen getan, und tatsächlich hätte es sonst kein Durchkommmen gegeben. Die Leute waren sanft (hätte auch ganz anders laufen können).
(gezeigte Marke habe ich 2016 im Filatelia-Geschäft in Iwanko-Frankiwsk gekauft)
Der Gruselfaktor war natürlich gewaltig, auch wollte ich mich in dem Abschnitt nicht länger als nötig aufhalten. Mir wurde auch die Ermahnung klar, den Weg nicht zu verlassen, im Sperrgebiet gab es nämlich eine kleine Geisterstadt, aufgegeben nach dem Unglück, bei der die Natur im Begriff war, sich das Gelände wiederzuholen. Katastrophentouristen lockt das an. Den Weg soll man nicht verlassen, weil überall noch verstrahltes Graphit rumliegen kann, das hat sich nämlich seinerzeit unregelmäßig verteilt.
Nach ca. 12 km kam dann der Austritt aus dem Sperrgebiet, wieder eine Schranke, dort eine Wache mit Maschinenpistole, dort sprach man besser Englisch „I am Ukrainian Police, do you have a gift?“. Mein Gott! Der Preusse in mir war geschockt, der Rheinländer in mir sah sofort die Notwendigkeit zum Kompromiss (EUR 5,00), zumal die Sonne unterging.
Im Hinblick auf den aktuell, in diesem Moment stattfindenden Krieg ist es interessant, dass dieser Kontrollpunkt genau an einer Straßenkreuzung, lag, weswegen dort eine Sperre auch angebracht war (nach Osten ca. 50 km bis Tschernobyl, nach Norden ca. 20 km nach Weißrussland - genau hier sind die Russen vorgestoßen, aus einem radioaktiv kontaminierten Sperrgebiet von der Weißrussischen Seite heraus-, nach Westen ca. 40 km nach Owrutsch).
Die Straße nach Owrutsch haben die Russen nicht genommen, sie ist eng und geht durch die Prypjat-Sümpfe links und rechts. Perfekt für leichte Einheiten zum Angriff auf Kolonnen.
Nun, für mich hieß es damals volle Kraft voraus, da keine Unterkunft mehr kam, musste ich nach Owrutsch und dort was finden. Irgendwann um 22h00 kam ich in dem staubigen Städtchen an, Gott sei Dank habe ich das Gasthaus „Panska Kata“ gefunden. Die nahmen mich - trotz skeptischen Blicks meiner Wirtin - auch auf. Nachdem die Formalitäten und die Bezahlung klar waren, hat mich die Wirtin auch sofort ins Restaurant (mit gehaltvoller osteuropäischer Küche, nebenan feierten mit einer Karaokemaschine, schöne Stimmung) geschickt. Und dass ist es, was so wundervoll am Gastgewerbe ist: die schauen nach uns, kümmern sich um uns, versorgen uns gut. Das zeichnete die Wirtin aus – sie erkannte, was nötig war. Wo wären wir, wenn wir solche dienstbaren Geister nicht hätten.
Vor kurzem schaute ich mir aus aktuellem Anlass die Original-Reiseunterlagen an. Sogar eine handgeschriebene Restaurantrechnung von diesem Abend fiel mit in die Hände, bedient wurde ich von Anna.
Und darauf will ich hinaus – alle diese Menschen denen ich begegnet sind, haben einen Namen, ein Leben und sind in Gefahr. Durch den aktuellen Krieg. Mein Gasthaus liegt in der besetzten Zone und wird beschlagnahmt sein, wenn es überhaupt noch steht, vermutlich werden da Soldaten ihr Unwesen treiben. Das ist unglaublich und auch ungeheuerlich.
Für was, Leute, für was?
Damit man die beherrschen kann, für nichts anderes. Damit man die als freier Mensch nicht mehr besuchen kann.
Und wem nützt das, man hat doch schon 144 Mio. Menschen, die man schikanieren und einschüchtern kann. Denn ein materieller Nutzen besteht doch nicht. Keinem wird es dadurch besser gehen. Nicht den 144 Mio. Russen (die mit Ihren Erdöl-Milliarden doch die Ernte der Ukraine einfach kaufen könnten), nicht den 40 Mio. Ukrainern.
Gut, man kann die Ukraine ausbeuten. Aber es ist doch eine Illusion zu glauben, dass käme den 144 Mio. in irgendeiner Form zu gute. Bleibt die Elite, dann fallen also ein paar Milliarden mehr den ca. 1.000 Profiteuren des Putin-Systems zu. Wertschöpfung, die die nicht ausgeben können, und damit auch keinen Zusatznutzen darstellen kann.
Das macht mich so wütend. Ich sehe die Zerstörung, die Toten, Menschen in Angst, die durch eine unberechenbare Soldateska bedroht werden. Kafkaesker Terror um des Terrors willen.
Ansonsten eigentlich ein tolles Abenteuer, ein irre Anekdote, die mit der einen nominallosen Marke verbunden ist. Also, Briefmarkensammeln soll langweilig sein?
Nur schade, dass der Krieg einen so unübersehbaren Schatten wirft, was ich hier nicht ignorieren konnte, weil mich das bewegt.
Ich fuhr gegen die Zeit und wollte auch - wenn möglich - am 10.05. tatsächlich in Minsk sein, da wollte ich nicht zwei Tage verlieren, um die Öffnung des Philatelieschalters abzuwarten.
Also aufsitzen (auf den Fahrradsattel) und los! Die prestigeträchtigste Straße (und auch die optimalste Distanz) ging über die P02 an Tschnernobyl (Atomkraftwerkhavarie) vorbei. Ich habe mich im Hotel erkundigt, ob die Straße frei wäre. Das wurde bestätigt. Also bei bestem Wetter raus aus Kiew, hinein in die ukrainische Provinz, Atmosphäre schnuppern. Als ich aus Kiew raus war, wurde klar, mit Unterkünften wird das nicht einfach. Und dann zog es mich Kilometer um Kilometer in die Etappe hinein. Je weiter man vordrang, desto ländlicher und spärlicher besiedelt wurde es, aber auf Tour gilt: kein zurück.
Bei örtlichen „Produkty“ habe ich mich versorgt, da wurde kopekengenau herausgegeben, und dem schien auch ein wirtschaftlicher Wert beigemessen zu werden. Den „Fremden“ hat man mir angesehen und vor allem angehört. Irgendwie begegnete man ihm dabei mit einer gewissen Distanz, einer Art Schock, ein Stirnrunzeln, dass man nicht das örtliche Idiom sprach. Dabei stärker bei Frauen feststellbar als bei Männern, interessant. Aber so macht man das halt, man wirft sich ins Alltagsleben im fremden Land und irgendwie gehts immer. Da sind dann beide Seiten, so meine Wahrnehmung, hinterher positiv überrascht.
Nachdem ich in Iwanow, als einzige Herberge eine kleine Zimmervermietung neben einer Tankstelle gesehen hatte, beschloss ich einfach weiterzufahren.
Dann kam es wie es kommen musste: 40 km nach der letzten kleinen Stadt tauschte eine Schranke, ein Gebäude und eine schwer bewaffnete Wachmannschaft auf. Die Schranke war geschlossen!
Kein Durchkommen ohne Sonderausweis. Einer aus der Mannschaft sprach ein paar Worte Englisch, die Dienstgerade und der Wachoffizier nicht. Ja, sagte ich, da müsste ich wohl im Wachgebäude schlafen, was natürlich abgelehnt wurde (hatte ich auch nicht ernstlich vor), aber irgendwie musste ich bedeuten, das etwas passieren müsste.
Nun, für alles gibt es eine Lösung, und die bestand hier aus.....nun ja, nennen wir es eine Bearbeitungsgebühr von UAH 200,00 bzw. EUR 12,50, welche verdeckt in einem Stück Papier übergeben werden mussten. Mein Propass (ein Stück Papier) wurde sodann ausgefertigt und ausgehändigt und mit der Ermahnung, nicht den Weg zu verlassen, öffnete, sich die Schranke und mit militärischer Ehrenbezeugung wurde ich auf den Weg geschickt. Ich will hier nicht richten, vielleicht hat man mir einen Gefallen getan, und tatsächlich hätte es sonst kein Durchkommmen gegeben. Die Leute waren sanft (hätte auch ganz anders laufen können).
(gezeigte Marke habe ich 2016 im Filatelia-Geschäft in Iwanko-Frankiwsk gekauft)
Der Gruselfaktor war natürlich gewaltig, auch wollte ich mich in dem Abschnitt nicht länger als nötig aufhalten. Mir wurde auch die Ermahnung klar, den Weg nicht zu verlassen, im Sperrgebiet gab es nämlich eine kleine Geisterstadt, aufgegeben nach dem Unglück, bei der die Natur im Begriff war, sich das Gelände wiederzuholen. Katastrophentouristen lockt das an. Den Weg soll man nicht verlassen, weil überall noch verstrahltes Graphit rumliegen kann, das hat sich nämlich seinerzeit unregelmäßig verteilt.
Nach ca. 12 km kam dann der Austritt aus dem Sperrgebiet, wieder eine Schranke, dort eine Wache mit Maschinenpistole, dort sprach man besser Englisch „I am Ukrainian Police, do you have a gift?“. Mein Gott! Der Preusse in mir war geschockt, der Rheinländer in mir sah sofort die Notwendigkeit zum Kompromiss (EUR 5,00), zumal die Sonne unterging.
Im Hinblick auf den aktuell, in diesem Moment stattfindenden Krieg ist es interessant, dass dieser Kontrollpunkt genau an einer Straßenkreuzung, lag, weswegen dort eine Sperre auch angebracht war (nach Osten ca. 50 km bis Tschernobyl, nach Norden ca. 20 km nach Weißrussland - genau hier sind die Russen vorgestoßen, aus einem radioaktiv kontaminierten Sperrgebiet von der Weißrussischen Seite heraus-, nach Westen ca. 40 km nach Owrutsch).
Die Straße nach Owrutsch haben die Russen nicht genommen, sie ist eng und geht durch die Prypjat-Sümpfe links und rechts. Perfekt für leichte Einheiten zum Angriff auf Kolonnen.
Nun, für mich hieß es damals volle Kraft voraus, da keine Unterkunft mehr kam, musste ich nach Owrutsch und dort was finden. Irgendwann um 22h00 kam ich in dem staubigen Städtchen an, Gott sei Dank habe ich das Gasthaus „Panska Kata“ gefunden. Die nahmen mich - trotz skeptischen Blicks meiner Wirtin - auch auf. Nachdem die Formalitäten und die Bezahlung klar waren, hat mich die Wirtin auch sofort ins Restaurant (mit gehaltvoller osteuropäischer Küche, nebenan feierten mit einer Karaokemaschine, schöne Stimmung) geschickt. Und dass ist es, was so wundervoll am Gastgewerbe ist: die schauen nach uns, kümmern sich um uns, versorgen uns gut. Das zeichnete die Wirtin aus – sie erkannte, was nötig war. Wo wären wir, wenn wir solche dienstbaren Geister nicht hätten.
Vor kurzem schaute ich mir aus aktuellem Anlass die Original-Reiseunterlagen an. Sogar eine handgeschriebene Restaurantrechnung von diesem Abend fiel mit in die Hände, bedient wurde ich von Anna.
Und darauf will ich hinaus – alle diese Menschen denen ich begegnet sind, haben einen Namen, ein Leben und sind in Gefahr. Durch den aktuellen Krieg. Mein Gasthaus liegt in der besetzten Zone und wird beschlagnahmt sein, wenn es überhaupt noch steht, vermutlich werden da Soldaten ihr Unwesen treiben. Das ist unglaublich und auch ungeheuerlich.
Für was, Leute, für was?
Damit man die beherrschen kann, für nichts anderes. Damit man die als freier Mensch nicht mehr besuchen kann.
Und wem nützt das, man hat doch schon 144 Mio. Menschen, die man schikanieren und einschüchtern kann. Denn ein materieller Nutzen besteht doch nicht. Keinem wird es dadurch besser gehen. Nicht den 144 Mio. Russen (die mit Ihren Erdöl-Milliarden doch die Ernte der Ukraine einfach kaufen könnten), nicht den 40 Mio. Ukrainern.
Gut, man kann die Ukraine ausbeuten. Aber es ist doch eine Illusion zu glauben, dass käme den 144 Mio. in irgendeiner Form zu gute. Bleibt die Elite, dann fallen also ein paar Milliarden mehr den ca. 1.000 Profiteuren des Putin-Systems zu. Wertschöpfung, die die nicht ausgeben können, und damit auch keinen Zusatznutzen darstellen kann.
Das macht mich so wütend. Ich sehe die Zerstörung, die Toten, Menschen in Angst, die durch eine unberechenbare Soldateska bedroht werden. Kafkaesker Terror um des Terrors willen.
Ansonsten eigentlich ein tolles Abenteuer, ein irre Anekdote, die mit der einen nominallosen Marke verbunden ist. Also, Briefmarkensammeln soll langweilig sein?
Nur schade, dass der Krieg einen so unübersehbaren Schatten wirft, was ich hier nicht ignorieren konnte, weil mich das bewegt.
Am: 03.05.2022 22:47:52
Gelesen: 26328
# 22
Dann mal wieder zurück nach Skandinavien und zu einem für den äußeren Betrachter idyllischen und völlig friedlichen Ort, nach Schweden. Es war diese spürbare Ruhe und Unbeschwertheit, die mich dazu bewog, das Land nochmals, aber an anderen Orten zu bereisen.
Dabei wirkte das Land so erstaunlich entspannt, wohlhabend und frei (und ja, auch das sei erwähnt - die Frauen waren schön und selbstbewusst), dass mir die Zeit als eine ganz unbeschwerte in Erinnerung ist. Mein vorher zu Rate gezogener Reiseführer meinte zu Land und Leuten, dass man sich darauf einstellen müsse, dass es in Schweden kühl und distanziert zugehe.
Tatsächlich wurde ich überall freundlich aufgenommen und habe bei der Unterkunftssuche tätige Unterstützung und viel Freundlichkeit erfahren, wie selten in einem Land.
So auch nicht anders auf der Post in Göteborg, wo ich den seinerzeit unterhaltenen Philatelieschalter ausfindig machen konnte (schließlich braucht jede Reise einen kleinen philatelistischen Höhepunkt - abgesehen davon, man kann ja nicht unterwegs sein, ohne ein paar Marken bei der Hand zu haben, oder? Wenn möglich natürlich die schönsten, die man finden kann). Hier war man noch besser sortiert als im Vorjahr in Malmö, die Auswahl ging gar bis in Jahr 1990 zurück.
Dann zeig ich mal einen Auszug aus der Beute:
Wie wär es denn mit schwedischem Film - oben rechts „Wilde Erdbeeren“ dürfte der international bekannteste sein (habe ich das letzte Mal vor 25 Jahren gesehen, seitdem in Giftschrank).
Passend zum sommerlichen Ausflug: der Sommer in der Kunst.
Außerdem war Inflation auch ein schon damals bekanntes Problem. Das Porto war gegenüber dem Vorjahr - meiner Treu! – um 7,7% gestiegen.
Freundlicherweise überließ man mir zum Einkauf die nachstehende Karte als Souvenir. Ihr seht, sie hat die Läufe der Zeit überlebt.
Und auf der Rückseite wurde für den Service geworben („vackra“ heißt übrigens „wunderschön“ und nicht „wacker“ oder „mutig“. Etwa weich geworden, die Wikinger?). Außerdem erfreulich lange Öffnungszeiten, 9-19h00.
Und war das damals nicht in einem Traditionsgebäude untergebracht? Hm, ich zweifle, also versuche ich, den aktuellen Standort zu finden. Gut, Post in Nordstan habe ich gefunden. Die ist jetzt im Einkaufszentrum untergebracht. Dies ist das Bild, das google dazu zeigt (und ja, es ist wirklich unglaublich - es zeigt die öffentlichen Toiletten!).
Also, eine Telefonnummer war auf der Karte auch angegeben (Vorinternetzeitalter). Gut, dachte ich, dann ruf ich jetzt mal an und klär das. Es klingelt....eine Stimme.... (warum nehmen die immer Frauen, mit Stimmen, die verlockend wie odysseusche Sirenen klingen, ich hab gleich zweimal angerufen) ...die sagt mir auf schwedisch, dass unter der Nummer niemand erreichbar sei.... Gut, also, tempi passati.
Aber es hätte wirklich schlimmer kommen können: stellt Euch vor, die Aufsicht über die Toiletten hätte den Hörer abgenommen..
Passend zum sommerlichen Ausflug: der Sommer in der Kunst.
Außerdem war Inflation auch ein schon damals bekanntes Problem. Das Porto war gegenüber dem Vorjahr - meiner Treu! – um 7,7% gestiegen.
Freundlicherweise überließ man mir zum Einkauf die nachstehende Karte als Souvenir. Ihr seht, sie hat die Läufe der Zeit überlebt.
Und auf der Rückseite wurde für den Service geworben („vackra“ heißt übrigens „wunderschön“ und nicht „wacker“ oder „mutig“. Etwa weich geworden, die Wikinger?). Außerdem erfreulich lange Öffnungszeiten, 9-19h00.
Und war das damals nicht in einem Traditionsgebäude untergebracht? Hm, ich zweifle, also versuche ich, den aktuellen Standort zu finden. Gut, Post in Nordstan habe ich gefunden. Die ist jetzt im Einkaufszentrum untergebracht. Dies ist das Bild, das google dazu zeigt (und ja, es ist wirklich unglaublich - es zeigt die öffentlichen Toiletten!).
Also, eine Telefonnummer war auf der Karte auch angegeben (Vorinternetzeitalter). Gut, dachte ich, dann ruf ich jetzt mal an und klär das. Es klingelt....eine Stimme.... (warum nehmen die immer Frauen, mit Stimmen, die verlockend wie odysseusche Sirenen klingen, ich hab gleich zweimal angerufen) ...die sagt mir auf schwedisch, dass unter der Nummer niemand erreichbar sei.... Gut, also, tempi passati.
Aber es hätte wirklich schlimmer kommen können: stellt Euch vor, die Aufsicht über die Toiletten hätte den Hörer abgenommen..
Am: 03.06.2022 19:33:35
Gelesen: 26151
# 23
Wenn man schon mal in Schweden ist, was liegt da nahe? Genau: ein Besuch Norwegens. Also auf nach Oslo, der unaufgeregten Hauptstadt Norwegens.
Hauptstadt = Hauptpost = Philatelieschalter = beste Bedienung für Sammler, so die Gleichung, die ich im Kopf hatte. Schauen wir also, ob die Erwartung aufging.
Norwegen weist eine erstaunliche Kontinuität aus, nämlich die eine der am längsten laufenden Freimarken-Zeichnungen der Welt zu nutzen - das norwegische Posthorn. Die erste Ausgabe erschien 1872, in neuer Dezimalwährung 1877 .....und die NOK-Ausgaben sind bis heute gültig. Ja, die allermeisten Marken dieses Landes sind noch oder wieder verwendbar. Ein gnädiger Gesetzgeber hat sogar verschiedene Altausgaben von 1945 und davor 1981 wieder für gültig erklärt. Halleluja!
Für alle die bisher nicht an Wunder geglaubt haben, hier eine Auswahl aus 100 Jahren Posthorn....und die 0,30er, die habe ich seinerzeit in Oslo gekauft.
Was erstaunlich an Norwegen ist, ist der Wandel vom armen Agrar- / Seefahrerstaat zum superreichen Wohlfahrtsstaat – durch, na was wohl: durch Öl und Gas. Meiner Meinung nach der Rohstoff, der am schnellsten reich macht, und zwar vorurteilsfrei: unabhängig von Rasse, Geschlecht, religiöser Orientierung oder Intelligenz. Man muss nur das Glück haben auf einer Gas- / Ölblase zu leben.
Aus der Beute vom Postbesuch zwei bemerkenswerte Heftchen (Auflagen ca. 1,2 Mio).
Erst einmal etwas mit - für meinen Geschmack - sehr konventioneller Zeichnung: 350 Jahre Postdienst in Norwegen. Mir gefallen die Zitate der Postbeförderung: ob per Läufer, Zug, Rad, Flugzeug, die Post bringt‘s - über Berge, das Meer, auch an ferne Orte. Eine tolle logistische Leistung – die Post überwindet alle Hindernisse und verbindet Menschen.
Höhepunkte der norwegischen Nachkriegsgeschichte - künstlerisch für meinen Geschmack schon ansprechender. Darunter 1971: Eröffnung des ersten Ölfeldes: Ekofisk (müsste eigentlich auf Echtgoldfolie gedruckt sein). Also acht Marken für 40 Jahre Landesgeschichte. Information noch kompakter? Geht kaum.
Folge dieses Reichtums ist ein - selbst für skandinavische Verhältnisse - atemberaubendes Preisniveau. So schafft es Oslo kontinuierlich zusammen mit Tokio und Zürich auf die vordersten Plätze der Städte mit den teuersten Lebenshaltungskosten der Welt.
Es kommen gar nicht so viele Marken pro Jahr heraus, ca. 25 habe ich in 1997 gezählt. In Oslos Frimerkerketj (also dem Philatelieschalter) gab es die Marken der letzten beiden Jahre.
So, ich habe aus dem Gedächtnis gearbeitet, aber siehe da, die Kaufquittung hat überlebt:
Ich wollte eigentlich noch über das Hardangervidda nach Bergen, habe das aber verworfen und auf später verschoben, weil meine Reisekasse wie Schnee unter norwegischer Sommersonne an einem Südhang dahinschmolz (kein Getränk, keine einfache Speise unter DEM 10,--. Da war ich im Restaurant - es geht auch ohne Alkohol, dachte ich – bestellte ein alkoholfreies Bier. Das kostete dann eine Mark weniger als das mit Alkohol, nämlich DEM 12,00. Hammer!). Zurück mit der Fähre nach Deutschland, Kiel.
Aber vorher noch ein Kärtchen nach Hause…. (wäre doch kein Beitrag ohne was Echtgelaufenes)
Und hier kurz mal ein Aspekt zur Auflage: Der König wurde 6,374 Mio. mal gedruckt. Deutschland hat 14,8 mal so viele Einwohner wie Norwegen. Dann rechnen wir das mal hoch - das entspräche einer Auflage in Deutschland von ca. 89 Mio. Stück (in Deutschland üblich waren seinerzeit ca. 30 Mio, für Sondermarken ohne Zuschlag). Selten ist die Marke also nicht – aber Sie passte wunderbar auf den sommerlichen Kartengruß (als ob man selbst von der Yacht herunter jovial grüßen würde).
Die Rückkehr nach Deutschland war hart - weil die Menschen hier hart und gnadenlos sein können (da nehme ich mich selber nicht aus). 15 Minuten am Kieler Bahnhof an einem Sonntagmorgen und ich war wieder in der deutschen Realität angekommen (in Teilen rücksichtslos, im Vergleich zu Skandinavien schmuddelig und lieblos, jede Menge Angetrunkene - am Vormittag. Ich hab geschluckt!).
Was erstaunlich an Norwegen ist, ist der Wandel vom armen Agrar- / Seefahrerstaat zum superreichen Wohlfahrtsstaat – durch, na was wohl: durch Öl und Gas. Meiner Meinung nach der Rohstoff, der am schnellsten reich macht, und zwar vorurteilsfrei: unabhängig von Rasse, Geschlecht, religiöser Orientierung oder Intelligenz. Man muss nur das Glück haben auf einer Gas- / Ölblase zu leben.
Aus der Beute vom Postbesuch zwei bemerkenswerte Heftchen (Auflagen ca. 1,2 Mio).
Erst einmal etwas mit - für meinen Geschmack - sehr konventioneller Zeichnung: 350 Jahre Postdienst in Norwegen. Mir gefallen die Zitate der Postbeförderung: ob per Läufer, Zug, Rad, Flugzeug, die Post bringt‘s - über Berge, das Meer, auch an ferne Orte. Eine tolle logistische Leistung – die Post überwindet alle Hindernisse und verbindet Menschen.
Höhepunkte der norwegischen Nachkriegsgeschichte - künstlerisch für meinen Geschmack schon ansprechender. Darunter 1971: Eröffnung des ersten Ölfeldes: Ekofisk (müsste eigentlich auf Echtgoldfolie gedruckt sein). Also acht Marken für 40 Jahre Landesgeschichte. Information noch kompakter? Geht kaum.
Folge dieses Reichtums ist ein - selbst für skandinavische Verhältnisse - atemberaubendes Preisniveau. So schafft es Oslo kontinuierlich zusammen mit Tokio und Zürich auf die vordersten Plätze der Städte mit den teuersten Lebenshaltungskosten der Welt.
Es kommen gar nicht so viele Marken pro Jahr heraus, ca. 25 habe ich in 1997 gezählt. In Oslos Frimerkerketj (also dem Philatelieschalter) gab es die Marken der letzten beiden Jahre.
So, ich habe aus dem Gedächtnis gearbeitet, aber siehe da, die Kaufquittung hat überlebt:
Ich wollte eigentlich noch über das Hardangervidda nach Bergen, habe das aber verworfen und auf später verschoben, weil meine Reisekasse wie Schnee unter norwegischer Sommersonne an einem Südhang dahinschmolz (kein Getränk, keine einfache Speise unter DEM 10,--. Da war ich im Restaurant - es geht auch ohne Alkohol, dachte ich – bestellte ein alkoholfreies Bier. Das kostete dann eine Mark weniger als das mit Alkohol, nämlich DEM 12,00. Hammer!). Zurück mit der Fähre nach Deutschland, Kiel.
Aber vorher noch ein Kärtchen nach Hause…. (wäre doch kein Beitrag ohne was Echtgelaufenes)
Und hier kurz mal ein Aspekt zur Auflage: Der König wurde 6,374 Mio. mal gedruckt. Deutschland hat 14,8 mal so viele Einwohner wie Norwegen. Dann rechnen wir das mal hoch - das entspräche einer Auflage in Deutschland von ca. 89 Mio. Stück (in Deutschland üblich waren seinerzeit ca. 30 Mio, für Sondermarken ohne Zuschlag). Selten ist die Marke also nicht – aber Sie passte wunderbar auf den sommerlichen Kartengruß (als ob man selbst von der Yacht herunter jovial grüßen würde).
Die Rückkehr nach Deutschland war hart - weil die Menschen hier hart und gnadenlos sein können (da nehme ich mich selber nicht aus). 15 Minuten am Kieler Bahnhof an einem Sonntagmorgen und ich war wieder in der deutschen Realität angekommen (in Teilen rücksichtslos, im Vergleich zu Skandinavien schmuddelig und lieblos, jede Menge Angetrunkene - am Vormittag. Ich hab geschluckt!).
Am: 03.07.2022 21:02:30
Gelesen: 25904
# 24
Also auf zur nächsten Reise, warum nicht mal nach Österreich, für mich als Rheinländer nicht um die Ecke, aber kaum zu glauben, die Alpen kannte ich (mit 29 Jahren) noch nicht.
Also Anschauengehen.
Das Ganze fand 1998 statt und altgedienten Philatelisten sagt diese Jahreszahl etwas.
Großes warf seine Schatten voraus, nämlich die Euro-Einführung in 1999 (Geldzeichen gab es erst 2002, aber als Buchgeld wurde das schon 1999 eingeführt).
Der Schrecken für uns Sammler war ja seinerzeit die Frage, was wird aus unseren gehorteten ungebrauchten / postfrischen Beständen, und Österreichs Antwort war die Außerkurssetzung von ATS-nominierten-Marken in 2002.
Wer jetzt in Tränen ausbricht, braucht sich dessen nicht zu schämen, ein todtrauriges Ereignis. Ruhet in Frieden ihr vom 10.12.1947 bis 30.06.2002 gültigen Schilling-Marken. 18 Jahre später fiel mir für eine handvoll Euro eine Teilsammlung Österreich in die Hände, mit dabei mindestens 100 gefalzte, verschiedene Neue Schilling-Marken darunter die 1948er Wiederaufbau-Marken Wien und Salzburger Dom (wo wart ihr, als ich Euch gebraucht hätte). Fantastische Kunstwerke im Stichtiefdruck. Ach wie gern, würde ich Euch nutzen und auf meiner Post als Botschafter der Kultur und der eigenen Sache um die Welt senden. Aber ach - es ist vorbei.
Wenn ich das richtig erinnere, war dieses kommende Unglück 1998 bereits bekannt oder zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit zu befürchten. Also, alles musste raus.
So habe ich denn vor meiner Reise geschaut, was weg kann, ja, was weg musste. Das habe ich gefunden….
In Landeck ging ich aufs Amt und suchte um saubere Handstempelung nach, und das ist leider ganz schön schiefgegangen, denn die Christel von der Post hatte keinen guten Tag (und wie ich es erinnere, auch wenig Lust, ja ich hatte auch den Eindruck, dass sie mein Ansinnen gar nicht verstand - erst war es zu wenig Farbe, dann wurde einfach lieblos irgendwie nach dem Fassen neuer Farbe nachgestempelt und auch das war dann nicht lesbar). Schade, das ist aber nun einmal manchmal Postalltag. Nicht jeder Stempel gelingt, dann haben die Österreicher auch einiges an Stichdruckmarken, die nehmen die Entwertungen nicht so glasklar auf.
Und Neues wurde von der Reise nicht mitgebracht, die drohende Außerkurssetzung hat mein Herz hart werden lassen. Nichts mitbringen, das fällt mir eigentlich schwer, aber der Groll gegen die anstehende Enteignung (und den Entzug von tausenden wundervollen Motiven zur Frankaturgestaltung) wog schwerer. Ein Blick in die Katalognotierungen der 60er Jahre bei Bund für postfrisches Material hat für mich den Weg gewiesen. Mein Fazit: das bekommst Du nächstens deutlich günstiger, und das ist ja auch in einer Intensität wahr geworden, die ich damals nicht für möglich gehalten hätte.
Für uns Flachländer (wohne auf 40 Meter über dem Meeresspiegel) sind ja die Alpen etwas ganz Besonderes - ein tolles Panorama (zurück mit der Bahn über die phantastische Arlbergstrecke) - und das Wetter war auch der Hammer, im September war von Fön bis 20 cm Neuschnee alles dabei, und so sehe ich mich für die Verstempelung angemessen entschädigt.
Apropos „Christel von der Post“, ich kann gar nicht erklären, warum ich auf die Bezeichnung verfallen bin und weibliches Postpersonal grundsätzlich so bezeichne und. Also kurz das Internet befragt: das ist eine Figur aus einer Zeller-Operette und zwar einer Postlerin aus Tirol – na, das passt doch hervorragend - mehr Österreich geht nicht.
Für (Post-)Nostalgiker daher folgendes
https://www.youtube.com/watch?v=XG-5Ozo0c7I
(herrlich: im Liedtext macht man sich auch über Postlaufzeiten lustig…am besten begleitet mit einem Glas Sekt anschauen / anhören...oder das ganze Stück, da würde dann aber eine Flasche fällig werden, dazu empfehle ich die Durchsicht der Jahrgänge der 60er Jahre)
Na, dann sag ich für heute mal Servus.
Wenn ich das richtig erinnere, war dieses kommende Unglück 1998 bereits bekannt oder zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit zu befürchten. Also, alles musste raus.
So habe ich denn vor meiner Reise geschaut, was weg kann, ja, was weg musste. Das habe ich gefunden….
In Landeck ging ich aufs Amt und suchte um saubere Handstempelung nach, und das ist leider ganz schön schiefgegangen, denn die Christel von der Post hatte keinen guten Tag (und wie ich es erinnere, auch wenig Lust, ja ich hatte auch den Eindruck, dass sie mein Ansinnen gar nicht verstand - erst war es zu wenig Farbe, dann wurde einfach lieblos irgendwie nach dem Fassen neuer Farbe nachgestempelt und auch das war dann nicht lesbar). Schade, das ist aber nun einmal manchmal Postalltag. Nicht jeder Stempel gelingt, dann haben die Österreicher auch einiges an Stichdruckmarken, die nehmen die Entwertungen nicht so glasklar auf.
Und Neues wurde von der Reise nicht mitgebracht, die drohende Außerkurssetzung hat mein Herz hart werden lassen. Nichts mitbringen, das fällt mir eigentlich schwer, aber der Groll gegen die anstehende Enteignung (und den Entzug von tausenden wundervollen Motiven zur Frankaturgestaltung) wog schwerer. Ein Blick in die Katalognotierungen der 60er Jahre bei Bund für postfrisches Material hat für mich den Weg gewiesen. Mein Fazit: das bekommst Du nächstens deutlich günstiger, und das ist ja auch in einer Intensität wahr geworden, die ich damals nicht für möglich gehalten hätte.
Für uns Flachländer (wohne auf 40 Meter über dem Meeresspiegel) sind ja die Alpen etwas ganz Besonderes - ein tolles Panorama (zurück mit der Bahn über die phantastische Arlbergstrecke) - und das Wetter war auch der Hammer, im September war von Fön bis 20 cm Neuschnee alles dabei, und so sehe ich mich für die Verstempelung angemessen entschädigt.
Apropos „Christel von der Post“, ich kann gar nicht erklären, warum ich auf die Bezeichnung verfallen bin und weibliches Postpersonal grundsätzlich so bezeichne und. Also kurz das Internet befragt: das ist eine Figur aus einer Zeller-Operette und zwar einer Postlerin aus Tirol – na, das passt doch hervorragend - mehr Österreich geht nicht.
Für (Post-)Nostalgiker daher folgendes
https://www.youtube.com/watch?v=XG-5Ozo0c7I
(herrlich: im Liedtext macht man sich auch über Postlaufzeiten lustig…am besten begleitet mit einem Glas Sekt anschauen / anhören...oder das ganze Stück, da würde dann aber eine Flasche fällig werden, dazu empfehle ich die Durchsicht der Jahrgänge der 60er Jahre)
Na, dann sag ich für heute mal Servus.
Am: 03.07.2022 21:50:55
Gelesen: 25880
# 25
@ Bendix Gruenlich [#24]
Hallo Bendix,
von der Dame in violett (und allen anderen Farben) gab es zwei Ausgaben, eine 1948/52 auf graustichigem bis gelblichgrauem Papier, eine 1958 auf gelblichweissem bis weissem Papier - Deine Damen hier kommen recht hell daher scheint mir, also wohl eher von 1958.
Liebe Grüße,
harald
Am: 04.07.2022 19:18:53
Gelesen: 25770
# 26
@ Bendix Gruenlich [#24]
Ich bin mal gespannt, ob die Bundesdeutschen Euro Marken ohne Matrixcode jetzt auch sehr kurzfristig ausser Kurs gesetzt werden, wenn sich das System mal gefestigt hat.
Siehe England, kurz nach Einführung der Datamatrixmarken wurde angekündigt, das die alten Marken nur noch 6 Monate gültig sind.
Am: 04.08.2022 22:01:24
Gelesen: 25493
# 27
Nicht nur die Österreicher mussten sich von ihren Vor-Euromarken verabschieden, auch wir in Deutschland.
Von einer kleinen Tagesausfahrt ist dies erhalten geblieben.
Abgestempelt von einem der kleinsten Postämter in Bad Neuenahr, dem Postamt 11, wahrscheinlich schon seit Jahren geschlossen.
Ruhig ging es zu, eine Postangestellte vor Ort, die meinen Stempelauftrag nach möglichst vollen Stempeln sehr geflissentlich ausgeführt hat.
Natürlich sind die Briefmarken nicht ganz zeitgemäß verwendet worden und auch nicht vom Postamt vor Ort verkauft worden.
Das kam so: weil ich erst 1981 den Kauf postfrischen Materials aufgenommen hatte, fehlten mir immer die ersten Jahrgänge der noch gültigen Marken ab 1969. Durch die drohende Euroeinführung 2002 kamen auf einmal (nach meiner Wahrnehmung ab 1995) gehortete Marken auf dem Markt. Bin im Sommer 1998 einfach mal bei einem Briefmarkenhändler in Köln ins Geschäft gegangen und habe frech nach fünfmal den Jahrgängen 1969-1974 gefragt (die bis dato für mich immer unerreichbar waren, denn da sind alle Ausgaben enthalten, die in den 1970-er und 1980-er Jahren Wahnsinnsspekulationsobjekte waren und einzelne Marken zwischen dem 10-20-fachen ihres Postpreises gehandelt wurden)….und auch bekommen, ohne Zuschläge, zu 80%! Ich war sehr zufrieden.
Ab diesem Zeitpunkt wurde meine Post deutlich bunter.
Es hat einfach Spaß gemacht, sich hinzusetzen und bunte Kombinationen für ein Poststück zusammenzustellen und sicher viele Empfänger glücklich zu machen.
Auch ich habe mich immer gefreut, wenn sich Kunden mal Mühe bei der Frankatur gemacht haben. Gerne habe ich die Freundlichkeit, wann immer möglich, erwidert. Mit dem Material ging dann was.
Eine kleine, feine Reise. Von Euskirchen (150 Meter über NN) geht es direkt ins Mittelgebirge (immer eine der die schönsten Seiten Deutschlands, 400 Meter über NN) einem Teil der Eifel über kurvige Straßen über die Berge, auf und ab, bis man am Nürburgring vorbeifährt, ins Ahrtal eintritt, zum Rhein wo man von Sinzig bis Bonn etwas Rheinromantik schnuppern kann bis, bis man nördlich von Bonn ins industrialisierte Rheinland eintaucht, um in Köln in die Domstadt einzureiten (Radtour). Am besten mit ein paar Bier und einer deftigen rheinischen Mahlzeit den Tag ausklingen lassen.
Abgestempelt von einem der kleinsten Postämter in Bad Neuenahr, dem Postamt 11, wahrscheinlich schon seit Jahren geschlossen.
Ruhig ging es zu, eine Postangestellte vor Ort, die meinen Stempelauftrag nach möglichst vollen Stempeln sehr geflissentlich ausgeführt hat.
Natürlich sind die Briefmarken nicht ganz zeitgemäß verwendet worden und auch nicht vom Postamt vor Ort verkauft worden.
Das kam so: weil ich erst 1981 den Kauf postfrischen Materials aufgenommen hatte, fehlten mir immer die ersten Jahrgänge der noch gültigen Marken ab 1969. Durch die drohende Euroeinführung 2002 kamen auf einmal (nach meiner Wahrnehmung ab 1995) gehortete Marken auf dem Markt. Bin im Sommer 1998 einfach mal bei einem Briefmarkenhändler in Köln ins Geschäft gegangen und habe frech nach fünfmal den Jahrgängen 1969-1974 gefragt (die bis dato für mich immer unerreichbar waren, denn da sind alle Ausgaben enthalten, die in den 1970-er und 1980-er Jahren Wahnsinnsspekulationsobjekte waren und einzelne Marken zwischen dem 10-20-fachen ihres Postpreises gehandelt wurden)….und auch bekommen, ohne Zuschläge, zu 80%! Ich war sehr zufrieden.
Ab diesem Zeitpunkt wurde meine Post deutlich bunter.
Es hat einfach Spaß gemacht, sich hinzusetzen und bunte Kombinationen für ein Poststück zusammenzustellen und sicher viele Empfänger glücklich zu machen.
Auch ich habe mich immer gefreut, wenn sich Kunden mal Mühe bei der Frankatur gemacht haben. Gerne habe ich die Freundlichkeit, wann immer möglich, erwidert. Mit dem Material ging dann was.
Eine kleine, feine Reise. Von Euskirchen (150 Meter über NN) geht es direkt ins Mittelgebirge (immer eine der die schönsten Seiten Deutschlands, 400 Meter über NN) einem Teil der Eifel über kurvige Straßen über die Berge, auf und ab, bis man am Nürburgring vorbeifährt, ins Ahrtal eintritt, zum Rhein wo man von Sinzig bis Bonn etwas Rheinromantik schnuppern kann bis, bis man nördlich von Bonn ins industrialisierte Rheinland eintaucht, um in Köln in die Domstadt einzureiten (Radtour). Am besten mit ein paar Bier und einer deftigen rheinischen Mahlzeit den Tag ausklingen lassen.
Am: 01.11.2022 20:10:23
Gelesen: 24899
# 28
Ich bin ja vom Nordrhein. Gehe ich aus der Tür und wende mich nach Westen, dann sind es so fünf Kilometer, da ich stehe am Rhein, auf der rechten Rheinseite. Jetzt einfach nur kurz auf die Fließrichtung schauen und dem Fluss rheinabwärts folgen. Ich wohn genau auf der kurkölnischen / niederrheinischen Kulturgrenze. Dann geht’s 100 km stromabwärts durch die Landschaft des Niederrheins. Wenn der Fluss sich teilt, sind wir da - bei unseren Nachbarn, den Niederlanden.
Einst formell Teil des Deutschen Reiches wurde man 1648 - nachdem man dort 80 Jahre für die Unabhängigkeit von Spanien, dem seinerzeitigen tatsächlichen Territorialherrn, gekämpft hat, unabhängig. Es war letztlich ein Religions- / Kulturkrieg (Calvinisten vs. Katholiken – ethnische Spanier gegen Niederländer…und ums Geld gings natürlich auch).
Seitdem protestantisch geprägt, dabei wirtschaftlich, in Handel und Kultur bemerkenswert erfolgreich. Extrem wirtschaftsstark und wirtschaftskulturell irgendwo in der Mitte zwischen Briten und Deutschen anzusiedeln. Hervorragende Kaufleute!
Eigenes Land - eigene Kultur - eigene Briefmarken (wobei man sprachlich nicht wirklich weit auseinander liegt. Guckt Euch mal die Mitgliederkarte der Philaseiten an, dann wisst Ihr Bescheid - auch wo die Sprachgrenze in Belgien verläuft, kann man auch gut sehen).
Und bei den Briefmarken sind die Niederlande beim Design auffällig. Stets modern, mit grafisch (heraus-)fordernden Designs (Collagen und Abstraktem), da schaut man zwei oder dreimal hin und staunt.
1999 bin ich da getourt, unter anderem um Amsterdam zu sehen. Da das in die Phase der Euro-Einführung fiel, habe ich Dubletten und zweite Wahl aufgebraucht.
Das mag auf den ersten Blick unspektakulär wirken, aber folgendes:
• Die Sondermarke: Auf den ersten Blick erkannte ich eine historische Zeichnung und den beigen und roten Hintergrund. Nun, das hätte alles würdigen könne (irgendein historisches Ereignis). Dann habe ich den Ausgabeanlass gelesen. Aha, botanischer Garten in Leiden. Dann wunderte ich mich, Garten? Da hätte ich eigentlich Pflanzen erwartet. Und da erst erkannte ich: dass sind keine einfachen Hintergrundfarben, sondern die ganze Marke ist eine Tulpenblüte. Die erstreckt sich über die gesamte Marke einschließlich der Zähnung. Man hat hier also optisch getäuscht (die Herrschaften sind klein und die Tulpenblüte überrascht, weil Sie gegenüber den Herrschaften überdimensioniert ist. Auch besteht ein Garten aus Anlagen, Beeten und Bäumen, aber hier zitiert man nur die Blüte einer Pflanze, die im Frühjahr im Übrigen zu tausenden zu sehen ist. Dann ist das auch noch die Pflanze, die uns typisch für die Niederlande scheint). Also, das ist doch eine starke Grafik! Und so geht es mit vielen niederländischen Briefmarkendesigns.
• Zufrankiert wurde die Freimarkenserie Ziffern, die klassische Ergänzungsmarke
• Ferner sehen wir das Juliane-Design aus den 1950ern. Diese waren aber seit 1985 bereits ungültig. Da hab ich mir also seinerzeit die Beförderung erschlichen. Nun ja, die Welt ist schlecht. Das Todesurteil für den Beleg? Das wäre schade - zitiert wird nämlich auch noch das Porträt der Königin. Das zieht sich durch die Jahrzehnte und ist ganz typisch für Post aus den Niederlanden. Das versuche ich mal hiermit zu beweisen.
Ich behaupte, bei den meisten klingelt es – die Formate erkennt man sofort wieder, während sich die Designs modernisieren / erneuern. Und um diesen Wiedererkennungswert des Gebrauchsgegenstands Briefmarke geht es doch für alle Nutzer.
Wer jetzt nach diesen Ausführungen erschöpft ist und sich stärken muss, dem empfehle ich zum Schluss die lokale Spezialität Fritten-Special. Fritten mit Mayonnaise kriegt man natürlich auch hier im Rheinland. Das „speciale“ sind gehackte rohe weiße Zwiebeln dazu (ein bis zwei Esslöffel).
Nur Mut (zum Sammelgebiet und zur Mahlzeit)!
Das mag auf den ersten Blick unspektakulär wirken, aber folgendes:
• Die Sondermarke: Auf den ersten Blick erkannte ich eine historische Zeichnung und den beigen und roten Hintergrund. Nun, das hätte alles würdigen könne (irgendein historisches Ereignis). Dann habe ich den Ausgabeanlass gelesen. Aha, botanischer Garten in Leiden. Dann wunderte ich mich, Garten? Da hätte ich eigentlich Pflanzen erwartet. Und da erst erkannte ich: dass sind keine einfachen Hintergrundfarben, sondern die ganze Marke ist eine Tulpenblüte. Die erstreckt sich über die gesamte Marke einschließlich der Zähnung. Man hat hier also optisch getäuscht (die Herrschaften sind klein und die Tulpenblüte überrascht, weil Sie gegenüber den Herrschaften überdimensioniert ist. Auch besteht ein Garten aus Anlagen, Beeten und Bäumen, aber hier zitiert man nur die Blüte einer Pflanze, die im Frühjahr im Übrigen zu tausenden zu sehen ist. Dann ist das auch noch die Pflanze, die uns typisch für die Niederlande scheint). Also, das ist doch eine starke Grafik! Und so geht es mit vielen niederländischen Briefmarkendesigns.
• Zufrankiert wurde die Freimarkenserie Ziffern, die klassische Ergänzungsmarke
• Ferner sehen wir das Juliane-Design aus den 1950ern. Diese waren aber seit 1985 bereits ungültig. Da hab ich mir also seinerzeit die Beförderung erschlichen. Nun ja, die Welt ist schlecht. Das Todesurteil für den Beleg? Das wäre schade - zitiert wird nämlich auch noch das Porträt der Königin. Das zieht sich durch die Jahrzehnte und ist ganz typisch für Post aus den Niederlanden. Das versuche ich mal hiermit zu beweisen.
Ich behaupte, bei den meisten klingelt es – die Formate erkennt man sofort wieder, während sich die Designs modernisieren / erneuern. Und um diesen Wiedererkennungswert des Gebrauchsgegenstands Briefmarke geht es doch für alle Nutzer.
Wer jetzt nach diesen Ausführungen erschöpft ist und sich stärken muss, dem empfehle ich zum Schluss die lokale Spezialität Fritten-Special. Fritten mit Mayonnaise kriegt man natürlich auch hier im Rheinland. Das „speciale“ sind gehackte rohe weiße Zwiebeln dazu (ein bis zwei Esslöffel).
Nur Mut (zum Sammelgebiet und zur Mahlzeit)!
Am: 01.11.2022 21:38:04
Gelesen: 24885
# 29
@ Bendix Gruenlich [#28]
Danke für den Ausflug ins Nachbarland, markenmäßig, aber auch was die speziellen Pommes betrifft.
Grüßle
Mümmel
Am: 01.12.2022 19:55:45
Gelesen: 24630
# 30
Ich lege in Sachen Niederlande noch einmal nach. Denn, wenn wir schon mal da sind, wäre es doch unverzeihlich, nicht mal kurz an der See vorbeizuschauen. Von Amsterdam sind es weniger als 50 km bis zur Küste.
Für alle Freunde des Mondänen sei Scheveningen empfohlen, wenn ich mich richtig erinnere, kann man mit der Straßenbahn nach Den Haag hineinfahren. Folgt man der Küste, geht es über das Rhein- / Schelde-Delta nach Zeeland, praktisch die Badewanne des Niederrheins und des Ruhrgebiets, weswegen mit Blick auf die seit Jahrzehnten ausgegeben deutschen Touristen-Euro, der breite Sandstrand eigentlich aus Goldstaub bestehen sollte.
Einem Briefkasten in Domburg vertraute ich Nachstehendes an
Schrott? Massenware? Moment mal!
• In der Kombination sicher nicht so häufig zu finden
• Mit Dezembermarke - Gestaltung in ungewöhnlicher Form, nämlich der eines Rhombus. Gelocht (amtlich) sind die Marken auch. Die Marke ist gespickt mit Motiven zum Jahreswechsel / zu Weihnachten. Ich habe alleine fünf Motivzitate gesehen. Das sieht zwar wie eine Sondermarke aus, ist von der Auflage her (105 Mio.!) aber eher freimarkenähnlich.
• Mit einem fürs Auge gefälligen Viererblock der Ziffern-Ausgabe
• Zum Stempel: Habe ich nicht gerade behauptet, das in Zeeland eingeworfen zu haben? Und was sehen wir in der Entwertung? Rotterdam! Also: die Post muss gesammelt und dann in einem Briefzentrum in Rotterdam maschinengestempelt worden sein. Und das nimmt mir als Postkartenromantiker so einiges bei der Wirkung der Karte. Wir schicken ja etwas nach Hause, um zu zeigen, wo wir waren. Das sind in der Regel Orte, die uns als besonders in Erinnerung geblieben sind und auf die wir aufmerksam machen wollen. Karte, Marken, Text, Stempel bilden da eine Einheit, die am besten gemeinschaftlich wirkt. Und dieser Wirkung ist das jetzt beraubt. Heimatbelegsammler werden wissen, was ich meine.
Nun, die Ziffern - noch eine Besonderheit der Niederlande. Habe ich das letzte Mal die Königinnen hervorgehoben, mache ich das jetzt einmal mit den Ergänzungsmarken, den Ziffernausgaben.
Jetzt nehmen wir die typische Form der Königinnen und drehen sie um 90 Grad, dann haben wir: genau, das Ergänzungsmarkenformat! Auch dieses Format hat Tradition. Schaut mal hier - hundert Jahre Gebrauchsgegenstandsdesign:
Mein Favorit ist die orangefarbene 5 cent-Marke im Stil der Fünfziger (minimalistisches Gebrauchsdesign - nichts kommerziell Wertvolles - trotzdem faszinierend und Wert gewürdigt zu werden).
Ach ja, die See, die breiten Sandstrände, die graue und rauhe Nordsee. Baut eine Sandburg, geht Baden, spaziert am Strand, atmet diese wunderbare Seeluft ein. Nachdem der Wind an Euch gezerrt hat, geht in ein Strandcafe und trinkt einen starken Kaffee oder ein kleines helles Bier. Unbezahlbar. Vielleicht der beste Moment einen Gruß nach zu Hause zu verfassen.
Hartlijke Groeten!
Schrott? Massenware? Moment mal!
• In der Kombination sicher nicht so häufig zu finden
• Mit Dezembermarke - Gestaltung in ungewöhnlicher Form, nämlich der eines Rhombus. Gelocht (amtlich) sind die Marken auch. Die Marke ist gespickt mit Motiven zum Jahreswechsel / zu Weihnachten. Ich habe alleine fünf Motivzitate gesehen. Das sieht zwar wie eine Sondermarke aus, ist von der Auflage her (105 Mio.!) aber eher freimarkenähnlich.
• Mit einem fürs Auge gefälligen Viererblock der Ziffern-Ausgabe
• Zum Stempel: Habe ich nicht gerade behauptet, das in Zeeland eingeworfen zu haben? Und was sehen wir in der Entwertung? Rotterdam! Also: die Post muss gesammelt und dann in einem Briefzentrum in Rotterdam maschinengestempelt worden sein. Und das nimmt mir als Postkartenromantiker so einiges bei der Wirkung der Karte. Wir schicken ja etwas nach Hause, um zu zeigen, wo wir waren. Das sind in der Regel Orte, die uns als besonders in Erinnerung geblieben sind und auf die wir aufmerksam machen wollen. Karte, Marken, Text, Stempel bilden da eine Einheit, die am besten gemeinschaftlich wirkt. Und dieser Wirkung ist das jetzt beraubt. Heimatbelegsammler werden wissen, was ich meine.
Nun, die Ziffern - noch eine Besonderheit der Niederlande. Habe ich das letzte Mal die Königinnen hervorgehoben, mache ich das jetzt einmal mit den Ergänzungsmarken, den Ziffernausgaben.
Jetzt nehmen wir die typische Form der Königinnen und drehen sie um 90 Grad, dann haben wir: genau, das Ergänzungsmarkenformat! Auch dieses Format hat Tradition. Schaut mal hier - hundert Jahre Gebrauchsgegenstandsdesign:
Mein Favorit ist die orangefarbene 5 cent-Marke im Stil der Fünfziger (minimalistisches Gebrauchsdesign - nichts kommerziell Wertvolles - trotzdem faszinierend und Wert gewürdigt zu werden).
Ach ja, die See, die breiten Sandstrände, die graue und rauhe Nordsee. Baut eine Sandburg, geht Baden, spaziert am Strand, atmet diese wunderbare Seeluft ein. Nachdem der Wind an Euch gezerrt hat, geht in ein Strandcafe und trinkt einen starken Kaffee oder ein kleines helles Bier. Unbezahlbar. Vielleicht der beste Moment einen Gruß nach zu Hause zu verfassen.
Hartlijke Groeten!
Am: 31.12.2022 16:58:41
Gelesen: 24282
# 31
Ach ja, von Holland muss man auch wieder zurückkommen. Also, machen wir uns auf den Rückweg….über Belgien (war doch klar, dass ich mir den Besuch dieses bedeutenden Briefmarkenlandes nicht entgehen lasse).
Mal zum historischen Hintergrund: Belgien, das sind die ehemals spanischen Niederlande. Sind die Niederlande protestantisch geworden, ist Belgien katholisch und bis zur napoleonischen Zeit habsburgisch geblieben. Wer das jetzt als unrelevant abtut, sei darauf hingewiesen, dass die Niederlande und Belgien kurz vereint waren. Man hat sich nicht verstanden - die Niederlande haben Belgien (wirtschaftlich und politisch) zu sehr dominiert. Folge: Bürgerkrieg und Unabhängigkeit Belgiens.
Ich habe 50% protestantischen Familienhintergrund, 50% katholischen. Meine evangelischen Verwandten fahren nach Holland (oder an die mecklenburgische Ostsee), meine katholischen fühlen sich in Belgien wohler. Kein Scherz!
Auch zwischen den Briefmarkendesigns der Belgier und der Niederländer liegen Welten. Die belgischen Ausgaben sind barocker und gegenständlicher. Oft großformatig, häufig im Stichtiefdruck und auch zahlreicher. Ich habe als Stichprobe (vom Anfang des Sammelgebietes bis 1990) mal ca. 60% mehr Michel-Nrn. gezählt als für die Niederlande. Blöcke sind häufig (und beliebt!).
Das mit dem Katholischen / Evangelischen kann man belächeln. Aber die Angst vorm Fegefeuer ist bei den Katholiken höher. Das führt zum Paradoxon, dass es eine größere Tendenz zu Sinnesfreuden gibt (wenn schon Sünde, dann richtig!). Essen kann man daher meiner Erfahrung nach in Belgien besser (im Vergleich zu den Niederlanden).
Sinnesfreudig, das gilt auch im Hinblick auf die bildlichen Darstellungen (man bedenke folgendes: im Katholizismus gibt es Bilderverehrung - im Protestantischen liebt man es eher nüchtern).
Nun, wie dem auch sei - mein Weg führte über Gent. Fehlende Marken habe ich mir dort bei der Post gekauft, in diesem Gebäude - schaut Euch den link an, es lohnt sich. Das ist keine Post, sondern ein philatelistischer Sakralbau. Hat die bpost mittlerweile zu Geld gemacht. Ist jetzt ein Einkaufszentrum mit Hotel.
https://nl.wikipedia.org/wiki/Oud_Postgebouw_(Gent)
Und wie siehst's sonst so in Gent aus? Na so zum Beispiel....
Etappe in Brüssel. Ab die Post, Karte nach Hause! Abends noch Zeit den Großen Platz zu besuchen. Auf dem Weg dorthin bin ich auf einem Kilometer an drei Briefmarkengeschäften vorbeigekommen. Allerdings war das 1999.
In Belgien sind Marken ohne Zuschlag seit 1952 und Zuschlagsmarken ab 1961 unbegrenzt frankaturgültig (sei es in BEF, EUR oder nach dem aktuellen - von mir wenig geschätzten - Nummernsystem).
Alleine schon im Hinblick auf diese Auswahl, sollte sich eine Reise nach Belgien lohnen!
Etappe in Brüssel. Ab die Post, Karte nach Hause! Abends noch Zeit den Großen Platz zu besuchen. Auf dem Weg dorthin bin ich auf einem Kilometer an drei Briefmarkengeschäften vorbeigekommen. Allerdings war das 1999.
In Belgien sind Marken ohne Zuschlag seit 1952 und Zuschlagsmarken ab 1961 unbegrenzt frankaturgültig (sei es in BEF, EUR oder nach dem aktuellen - von mir wenig geschätzten - Nummernsystem).
Alleine schon im Hinblick auf diese Auswahl, sollte sich eine Reise nach Belgien lohnen!
Am: 31.12.2022 20:06:19
Gelesen: 24258
# 32
Danke für den kurzen Ausflug in mein Lieblings-Ausland (warum wohl? bin übrigens sogar auch katholisch) ! Ich musste über die tolle Beschreibung der (nicht nur sprachlich durchaus konfus wirkenden) Art und Weise unseres nahen Nachbarlandes reichlich schmunzeln.
Und doch hat Belgien für mich auch wegen der Stilblüten der Regional- und Sprachpolitik immer etwas mysteriöses, unverständliches - aber ebenfalls immer etwas Neues und Herausforderndes.
Ein Abstecher dahin lohnt sich - in die aufgeräumten und funktionierenden Niederlande kann doch jeder. :-D
Am: 31.01.2023 12:56:25
Gelesen: 24028
# 33
Da hatte ich noch eine Woche Urlaub und keine Termine. Was macht man da? Man begibt sich auf eine Reise. Um mal rauszukommen, um mal was anderes zu sehen, ja das befreit. Also, die Satteltaschen gepackt und auf den Weg gemacht.
Eine der schönsten Eisenbahnstrecken Deutschlands ist die Eifelstrecke von Köln nach Trier (aktuell wegen Hochwasserschäden zwischen Kall und Kyllburg leider immer noch unterbrochen). Da steigt man auf halber Strecke (nach Überschreitung der Kulturgrenze Aachen+Kurköln / Rheinland-Pfalz) aus und kann sich mit der Durchquerung der Eifel und Luxemburgs einem prima Bergtraining unterziehen, denn das Höhenprofil, dieses windigen und hügeligen Landstrichs ist nicht ohne.
Wer das an einem Sonntag tut – wie ich seinerzeit -, steht natürlich in Luxemburg vor geschlossenen Postamtstüren. Gut, greifen wir also zur Verdeutlichung auf historisches Material zurück und ehren das durchfahrene Vianden / Luxemburg kurz in einzelnen Aspekten philatelistisch:
• Blutjung und bildhübsch: Großherzogin Marie-Adelheid, die leider zwischen die Fronten geriet. Frankreich, Belgien und Deutschland rütteln ständig an den Grenzen des kleinen Pufferstaates (Luxemburgs sehr effektive Rache: das kontinuierliche Unterbieten der Verbrauchssteuern und Kapitalertragssteuern der großen Nachbarn). Vorwurf an die Großherzogin: zu deutschfreundlich – schwer das nicht zu sein, wenn man mal wieder besetzt ist, hier: 1914/18 durch Deutschland – , dazu noch Versorgungskrisen, Aufstände, letztendlich zur Abdankung gezwungen. Damit leider auch von Briefmarken verschwunden. Schade, ein echter Blickfang (ich bleibe da beim Durchblättern der Sammlung immer hängen)
• Vianden-Ansichten: aus den 1920ern und eine Ausgabe aus den Fünfzigern mit dem Hinweis auf Aufenthalte des Exilanten Victor Hugo
• hält fit: Radfahren in Luxemburg - allerdings empfehle ich als Straßenfahrer / Touristiker auf den Sattel zu steigen
Am Abend kommt man in Belgien, in Arlon, an (schließlich hatte ich noch ein paar minderwertige belgische Marken, die mussten aufgebraucht werden).
Als Briefmarkensammler zieht einen die Post immer magisch an. Vermutlich ist das Reisen nur ein Vorwand, um mal im Ausland auf die Post zu gehen.
Enttäuscht von anonymen Briefzentrumsstempeln bin ich dazu übergegangen, persönlich am Schalter vorzusprechen, wenn irgend möglich.
Hier hat man meinem Wunsch auch entsprochen. Es wurde eine wilde Stempelei, insgesamt fünf Stempel wurden abgeschlagen.
Für die Stempeldatenbank hätte ich den Arlon-Stempel gerne hinterlegt. Doch ich lade mal dazu ein, genau hinzuschauen. Kaum zu glauben, aber keiner der Stempelabschläge ist vollständig (mal fehlen Buchstaben des Ortes, mal der Unterscheidungsbuchstabe, mal ist das Datum unvollständig….).
Ja, das ist halt Postalltag - aber das beweist für mich ein ums andere Mal, wie schwierig es in Wirklichkeit ist, Belege mit hervorragender Stempelqualität zu finden.
Ich stelle fest, dass doch von den Sachen, die man in Ausstellungen sieht / unter Sammlern kursieren, doch mindestens 80 % „gemacht“ sind. Zeppelin-Briefe mit seltenen Flugpostmarken und glasklaren Stempeln von X-Postverwaltungen? Das ist einfach unglaubwürdig. Die philatelistische Welt dreht sich um sich selbst.
Deshalb wünsche ich mir von allen Qualitäts-Fundamentalisten mehr Respekt und mehr Sympathie auch für das Unvollkommene, als das ehrlichere Material.
Am Abend kommt man in Belgien, in Arlon, an (schließlich hatte ich noch ein paar minderwertige belgische Marken, die mussten aufgebraucht werden).
Als Briefmarkensammler zieht einen die Post immer magisch an. Vermutlich ist das Reisen nur ein Vorwand, um mal im Ausland auf die Post zu gehen.
Enttäuscht von anonymen Briefzentrumsstempeln bin ich dazu übergegangen, persönlich am Schalter vorzusprechen, wenn irgend möglich.
Hier hat man meinem Wunsch auch entsprochen. Es wurde eine wilde Stempelei, insgesamt fünf Stempel wurden abgeschlagen.
Für die Stempeldatenbank hätte ich den Arlon-Stempel gerne hinterlegt. Doch ich lade mal dazu ein, genau hinzuschauen. Kaum zu glauben, aber keiner der Stempelabschläge ist vollständig (mal fehlen Buchstaben des Ortes, mal der Unterscheidungsbuchstabe, mal ist das Datum unvollständig….).
Ja, das ist halt Postalltag - aber das beweist für mich ein ums andere Mal, wie schwierig es in Wirklichkeit ist, Belege mit hervorragender Stempelqualität zu finden.
Ich stelle fest, dass doch von den Sachen, die man in Ausstellungen sieht / unter Sammlern kursieren, doch mindestens 80 % „gemacht“ sind. Zeppelin-Briefe mit seltenen Flugpostmarken und glasklaren Stempeln von X-Postverwaltungen? Das ist einfach unglaubwürdig. Die philatelistische Welt dreht sich um sich selbst.
Deshalb wünsche ich mir von allen Qualitäts-Fundamentalisten mehr Respekt und mehr Sympathie auch für das Unvollkommene, als das ehrlichere Material.
Am: 31.01.2023 13:19:04
Gelesen: 24023
# 34
@ Bendix Gruenlich [#33]
"Deshalb wünsche ich mir von allen Qualitäts-Fundamentalisten mehr Respekt und mehr Sympathie auch für das Unvollkommene, als das ehrlichere Material."
Hallo Bendix,
wie wahr, und wie immer sehr erfrischend deine aus dem wahren Leben gegriffenen Beiträge zu lesen! ;-)
Von mir etwas dazu aus Sicht der Stempeldatenbank und ein Tipp deine Stempel aus Arlon durchaus datenbanktauglich aufzubereiten. Gerade weil die 1 A Musterabschläge im täglichen Postalltag nicht oft vorkommen und heutzutage erst recht immer rarer werden, bevorzugen wir für die Datenbank eben echte Abschläge aus dem Postalltag, nicht "aufgehübscht" oder gar frei gestellt oder retuschiert. Es sollten halt nur die wichtigsten Daten (Ortsname, PA Ziffern, UB, Datum, PLZ) erkennbar oder ohne viel Phantasie rekonstruierbar sein.
Auch aus deiner üppigen Stempelauswahl auf der gezeigten [#33] Karte, lässt sich etwas datenbanktaugliches basteln, so wie hier:
ARLON 1 / w / 6700 vom 20.09.99
So ist der Stempel auch jederzeit in der Datenbank willkommen.
Viele Grüße,
Peter
ARLON 1 / w / 6700 vom 20.09.99
So ist der Stempel auch jederzeit in der Datenbank willkommen.
Viele Grüße,
Peter
Am: 28.02.2023 22:40:33
Gelesen: 23813
# 35
Übrigens, wenn Deutsche sich die über die Eifel anschleichen und das neutrale Luxemburg und Belgien durchqueren….dann heißt das für Frankreich nichts Gutes. Zumindest galt das für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Ich hab das Muster jedenfalls kopiert…und bin vom neutralen Belgien aus in Frankreich eingefallen. Verdun ist dann noch am gleichen Tag gefallen. Allerdings habe ich mir nicht die Schlüssel der Stadt aushändigen lassen, sondern nur die zu einem Hotelzimmer.
Dort habe ich folgenden Beleg aus allerhand Resten angefertigt, den ich für gelungen halte und besonders liebe, und ihn am Morgen auf die Post gebracht.
Une obliteration extraordinaire! Was für eine nette Überraschung. Es war mir ein Vergnügen, diesen ornamentalen Stempel unter Nr. 395029 in der philastempel-Datenbank zu hinterlegen (Details dort).
Frankreich hat ja die angenehme Eigenheit (Vive la France!), dass da praktisch alle Marken von Beginn an (mit Ausnahme weniger Kollaborations-Ausgaben) noch verklebt werden können (wer also noch Marken mit Napoleon dem Dritten drauf übrig hat, nur zu, der benutze sie doch einfach).
Tragisch: Philippe Petain wurde einst zum Kommandeur der Truppen zur Verteidigung Verduns 1916 ernannt und für den dortigen Sieg (seiner Einheiten) gefeiert, hat sich dann aber 1940 an die Spitze des Kollaborationsregimes stellen lassen. Und mit Verlierern wird selten gnädig umgegangen. Marken mit seinem Porträt sind daher nicht mehr zur Frankatur zugelassen.
Das Porto auf der Karte stimmt jedenfalls centime-genau, auch in alten Franc. Viel Spaß beim Nachrechnen. Und seinerzeit galt noch der günstige Europatarif (Porto in die Europäische Union entsprach dem Inlandsporto). Interessantes historisches Detail; der rechts oben zitierte Vertrag von Verdun war eine Erbfolgeregelung. Drei Söhne Karls des Großen teilten das Reich in ein West- (Gallien), Mittel- (Burgund / Lothringen) und Ostteil (Deutschland) auf. Um den Mittelteil wurde dann 1.000 Jahre lang gekämpft (eine echte Erbauseinandersetzung halt).
Gereist bin ich bei herbstlichem Wetter, hin durch das Maastal, zurück dann Richtung Metz.
Es fallen einem die vielen, vielen Friedhöfe am Wegesrand auf. Abertausende tote Soldaten…nun, c’est la guerre...trotzdem ist das bitter, bitter.
Da lernt man Europa-Marken zu schätzen (mit ihrer wichtigen politischen Botschaft), die sind mir nämlich lieber als Feldpost.
Das wäre eigentlich ein guter Schlusssatz gewesen, ich lege aber noch etwas Bildliches nach, denn ich ahne, dass uns Sammlern nach Markenansichten verlangt.
Von links nach rechts
• Souvenir, Souvenir: 1 centime in alten Franc, also FRF 0,0001 aus einer Freimarkenausgabe aus den 1930ern. Ich dachte, das wäre ein Betrag, den ich zur Dokumentation meines Aufenthalts aufwenden habe aufwenden dürfen, ohne unvernünftig zu erscheinen.
• Metz: die Kathedrale - hatte ein Hotel direkt am Platz
• Willkommen zurück in Deutschland: Tourende im Saarland. Jedenfalls habe ich ein Gespräch zwischen zwei einheimischen Damen am Bahnhof aufgeschnappt. Meiner Treu, ich hab nicht verstanden, was die geschwatzt haben und gerade deswegen die Ohren gespitzt. Ob das Saarland deswegen mal eigene Marken hatte?
Une obliteration extraordinaire! Was für eine nette Überraschung. Es war mir ein Vergnügen, diesen ornamentalen Stempel unter Nr. 395029 in der philastempel-Datenbank zu hinterlegen (Details dort).
Frankreich hat ja die angenehme Eigenheit (Vive la France!), dass da praktisch alle Marken von Beginn an (mit Ausnahme weniger Kollaborations-Ausgaben) noch verklebt werden können (wer also noch Marken mit Napoleon dem Dritten drauf übrig hat, nur zu, der benutze sie doch einfach).
Tragisch: Philippe Petain wurde einst zum Kommandeur der Truppen zur Verteidigung Verduns 1916 ernannt und für den dortigen Sieg (seiner Einheiten) gefeiert, hat sich dann aber 1940 an die Spitze des Kollaborationsregimes stellen lassen. Und mit Verlierern wird selten gnädig umgegangen. Marken mit seinem Porträt sind daher nicht mehr zur Frankatur zugelassen.
Das Porto auf der Karte stimmt jedenfalls centime-genau, auch in alten Franc. Viel Spaß beim Nachrechnen. Und seinerzeit galt noch der günstige Europatarif (Porto in die Europäische Union entsprach dem Inlandsporto). Interessantes historisches Detail; der rechts oben zitierte Vertrag von Verdun war eine Erbfolgeregelung. Drei Söhne Karls des Großen teilten das Reich in ein West- (Gallien), Mittel- (Burgund / Lothringen) und Ostteil (Deutschland) auf. Um den Mittelteil wurde dann 1.000 Jahre lang gekämpft (eine echte Erbauseinandersetzung halt).
Gereist bin ich bei herbstlichem Wetter, hin durch das Maastal, zurück dann Richtung Metz.
Es fallen einem die vielen, vielen Friedhöfe am Wegesrand auf. Abertausende tote Soldaten…nun, c’est la guerre...trotzdem ist das bitter, bitter.
Da lernt man Europa-Marken zu schätzen (mit ihrer wichtigen politischen Botschaft), die sind mir nämlich lieber als Feldpost.
Das wäre eigentlich ein guter Schlusssatz gewesen, ich lege aber noch etwas Bildliches nach, denn ich ahne, dass uns Sammlern nach Markenansichten verlangt.
Von links nach rechts
• Souvenir, Souvenir: 1 centime in alten Franc, also FRF 0,0001 aus einer Freimarkenausgabe aus den 1930ern. Ich dachte, das wäre ein Betrag, den ich zur Dokumentation meines Aufenthalts aufwenden habe aufwenden dürfen, ohne unvernünftig zu erscheinen.
• Metz: die Kathedrale - hatte ein Hotel direkt am Platz
• Willkommen zurück in Deutschland: Tourende im Saarland. Jedenfalls habe ich ein Gespräch zwischen zwei einheimischen Damen am Bahnhof aufgeschnappt. Meiner Treu, ich hab nicht verstanden, was die geschwatzt haben und gerade deswegen die Ohren gespitzt. Ob das Saarland deswegen mal eigene Marken hatte?
Am: 31.03.2023 21:40:54
Gelesen: 23608
# 36
In 1999 hatte ich mir ein altes, neues Auto angeschafft. Eine Zufallsbekanntschaft, wir trafen uns gar gar nicht weit von meiner Wohnhöhle entfernt auf der Straße, wo das Fahrzeug einem neuen Herrn zum Kauf angeboten wurde. Dieses 1.000,-- DEM-Fahrzeug (ein feuerroter Ford Sierra Kombi – sehr praktisch und zuverlässig – weswegen aus einer anfänglichen reinen Arbeitsbeziehung im Laufe der Zeit echte Zuneigung wurde) wollte auch einmal bewegt werden.
Also auf zur Wochenendausfahrt – mal was anderes sehen, mal rauskommen. Die DBZ informierte mich über eine bevorstehende große Briefmarkenmesse / -ausstellung in Brüssel. Man schaut noch einmal auf den Ölstand, tankt voll, bestückt die Brieftasche mit einer paar Banknoten, packt eine Zahnbürste ein und los gehts. Ach ja, das war vor der Zeit, wo man sich blind kleinen Navigationsgeräten anvertraute. Also habe ich am Vorabend noch die Karte studiert und mir signifikante Punkte eingeprägt (für grafikliebende Briefmarkensammler kein Problem).
Nach einer Stunde Fahrt kommt die Grenze, man überquert sie und schon ist man im Ausland. Landschaft, Verkehrsschilder, Autos, Menschen alles ändert sich und das ist ja das Spannende, weswegen man sich auf die Reise macht. Ob auch in der Fremde alles gut geht? Man verspürt die Lust sich an dieser Aufgabe zu messen und zu bewähren, vielleicht etwas Neues zu entdecken und zu erproben, wie man damit zurechtkommt (Do or die!).
Schon der Eintritt auf belgische Autobahnen (Marke links) löst dieses Kribbeln aus. Das sind Bauwerke der sechziger und siebziger Jahre, jahrzehntelang mit dem gelblichen Licht der frankophonen Autowelt beleuchtet, eine Kette, der man folgen muss und die einen immer weiter ins Land zieht.
Das Ziel waren die Messegelände im Brüsseler Norden. Der würdige Anlass der Ausstellung der 150. Jahrestag der Erstausgabe belgischer Briefmarken (Marke Mitte: eine Nr. 4b im historischen Erstdesign).
Am Abend kann man noch in die Innenstadt fahren. Seinerzeit fand ich – kaum zu glauben, da recht prominent gelegen – unmittelbar vor dem Königspalast (Marke rechts) eine günstige Parkmöglichkeit.
Natürlich war beim Ausstellungsgeschehen auch die Belgische Post vor Ort. Ich sandte seinerzeit einen Gruß nach Hause.
Und nachdem wir in Beitrag Nr. [#31] einen einfachen Maschinenstempel gesehen haben, in Beitrag Nr. [#33] das Ergebnis eines zwar bereitwilligen, aber einen in Fragen philatelistischer Stempelung nicht wirklich erfahrenen Postangestellten betrachten konnten, haben natürlich die Philatelieprofis der Post auf der Ausstellung eine sehr gute Qualität geliefert.
Das hat natürlich – auch wenn echt gelaufen – wieder einmal den Charakter des „gemachten“ Belegs, wie so häufig anzutreffen in der Welt der Philatelie, ist aber durch das Arrangement der Marken (eben als graphisches Muster, die Stempel mussten ja korrespondierend angebracht werden, sie verstärken das Muster und erlauben eine Gliederung des Textes), wie ich finde, schön anzusehen.
Seitdem sind Jahrzehnte vergangen. In der Zwischenzeit habe ich einfach mal ein paar belgische Restsammlungen für einen Appel und ein Ei erworben (EUR 40,00 und EUR 80,00 aus einem Auktionsnachverkauf für tausende Marken). Unfassbar günstig, gültig wären die meisten Marken auch noch. Auch auf den ppa-Auktionen werden kleine Lots für viel Spaß angeboten.
Falls jetzt noch nicht alles zu Belgien gesagt sein sollte, die Bundeszentrale für politische Aufklärung (genau, wofür zahlen wir eigentlich Steuern) hat auf 340 Seiten alles zum Land mal kurz zusammengefasst. Stilistisch für meinen persönlichen Geschmack manchmal zu jovial – die Zeiten halt – aber alles solide auf engstem Raum zusammengefasst und mit Grafiken angereichert.
https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/Pocket%20Belgien%20-%206183%20-komplett.pdf
Eh ich es vergesse, falls Ihr Appetit auf Belgien entwickelt haben solltet (schließlich habe ich doch für die jetzt wirklich ordentlich die Werbetrommel gerührt), bevor Ihr im nächsten Herbst ans Sortieren / Durchschauen Eurer (neuen?) Belgien-Sammlung herangeht - Stärkung nicht vergessen. Hier ein Vorschlag der Belgischen Post aus 2001: „Triumph der Muschel“.
Mahlzeit!
Natürlich war beim Ausstellungsgeschehen auch die Belgische Post vor Ort. Ich sandte seinerzeit einen Gruß nach Hause.
Und nachdem wir in Beitrag Nr. [#31] einen einfachen Maschinenstempel gesehen haben, in Beitrag Nr. [#33] das Ergebnis eines zwar bereitwilligen, aber einen in Fragen philatelistischer Stempelung nicht wirklich erfahrenen Postangestellten betrachten konnten, haben natürlich die Philatelieprofis der Post auf der Ausstellung eine sehr gute Qualität geliefert.
Das hat natürlich – auch wenn echt gelaufen – wieder einmal den Charakter des „gemachten“ Belegs, wie so häufig anzutreffen in der Welt der Philatelie, ist aber durch das Arrangement der Marken (eben als graphisches Muster, die Stempel mussten ja korrespondierend angebracht werden, sie verstärken das Muster und erlauben eine Gliederung des Textes), wie ich finde, schön anzusehen.
Seitdem sind Jahrzehnte vergangen. In der Zwischenzeit habe ich einfach mal ein paar belgische Restsammlungen für einen Appel und ein Ei erworben (EUR 40,00 und EUR 80,00 aus einem Auktionsnachverkauf für tausende Marken). Unfassbar günstig, gültig wären die meisten Marken auch noch. Auch auf den ppa-Auktionen werden kleine Lots für viel Spaß angeboten.
Falls jetzt noch nicht alles zu Belgien gesagt sein sollte, die Bundeszentrale für politische Aufklärung (genau, wofür zahlen wir eigentlich Steuern) hat auf 340 Seiten alles zum Land mal kurz zusammengefasst. Stilistisch für meinen persönlichen Geschmack manchmal zu jovial – die Zeiten halt – aber alles solide auf engstem Raum zusammengefasst und mit Grafiken angereichert.
https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/Pocket%20Belgien%20-%206183%20-komplett.pdf
Eh ich es vergesse, falls Ihr Appetit auf Belgien entwickelt haben solltet (schließlich habe ich doch für die jetzt wirklich ordentlich die Werbetrommel gerührt), bevor Ihr im nächsten Herbst ans Sortieren / Durchschauen Eurer (neuen?) Belgien-Sammlung herangeht - Stärkung nicht vergessen. Hier ein Vorschlag der Belgischen Post aus 2001: „Triumph der Muschel“.
Mahlzeit!
Am: 31.03.2023 23:47:07
Gelesen: 23592
# 37
Hallo Bendix,
so weit brauchst du gar nicht zu reisen. Versuche einmal, in kleinen Orten in Mecklenburg-Vorpommern oder in etwas abgelegenen Gegenden in Brandenburg saubere Poststempel zu bekommen, du wirst da manches Abenteuer erleben. Manche Mitarbeiter/innen der Post nehme ihre Aufgabe sehr genau und achten auf Korrektheit, aber es gibt auch diverse andere, die recht gleichgültig ihren Aufgaben gegenüberstehen, leider.
Aber mache bitte weiter mit deinen Reiseberichten, meine Erlebnisse passen hier nicht so recht hinein.
Viele Grüße
Ingo
Am: 29.04.2023 16:31:38
Gelesen: 23387
# 38
Keine Zeit für lange Reisen? Wie wäre es denn dann einmal mit der kleinsten bekannten Reise: dem Ausflug.
Jetzt muss man nur noch ein reizvolles Ziel finden. Was könnte für uns Briefmarkensammler da in Frage kommen? Genau, die lokale Briefmarkenausstellung in Eurer Nähe.
Ich wohne im rheinischen Ballungsgebiet, das kann Vorteile haben. So hat in Köln jahrzehntelang die „philatelia“ stattgefunden und zwar in den Messehallen in Köln-Deutz. Der Dom ist auf der anderen Rheinseite, das ist immer einen Blick wert. Eine gleichnamige Messe findet nunmehr in München statt.
Messetrubel macht natürlich Laune, auch wenn mir persönlich eigentlich der Ausstellungsteil mehr Freude macht. Das Messegeschehen ist halt stark kommerziell geprägt, und da Geld nun einmal als Kaufmann mein Beruf ist, braucht man davon und vom Geschacher auch mal gelegentlich eine Pause.
Die Ausstellungen sind doch eine tolle Sache - ich sag immer, liebe Sammer, „zeigt mal was“ und „sagt mal was dazu“. Das kann man in der Ausstellung erleben und selber Schwerpunkte setzen (das eine guckt man sich intensiver an, das andere weniger).
Dann will ich da mal selber was tun und da nicht hintenanstehen
Für mich ist das ein reines Souvenir, denn zwei Dinge könnten für meinen Geschmack besser sein:
• Die Dürer-Ehrung (1971) kann ich gut nachvollziehen (ein echter Meister der Grafik), aber die Bundesrepublik war da bei der Abbildung nur des Monogramms zu bescheiden
• Die Sonderstempel sind mir zu gegenwärtig, ohne mich vom Design her zu voll zu überzeugen – aber was soll man hier meckern, zur Entwertung taugten sie allemal.
Bleibt natürlich die Frage, wo da der Abenteuerfaktor ist? Nun, das kommt auf die Perspektive und die Anreisemethode an.
• Ich benutze ja gerne öffentlichen Nahverkehr. Und wenn ich einmal Rechenschaft ablegen muss, was ich mit meinem Leben angestellt habe, kommt nach Schlafen sicher bald das zweitzeitintensive, das Warten auf ein Verkehrsmittel. Übrigens, mein lokaler Bus 790 bringt einen nicht nur zur Atlantikinsel St. Pierre (Beitrag Nr. 8), sondern vor allem und zuerst zum Bahnhof meiner Heimatstadt (leider eher ein Beispiel für weniger vorteilhafte Gegenwartsarchitektur, da muss man ja zur Briefmarke greifen) und von da kann man dann bequem nach Köln fahren. Allerdings (jetzt kommt der Abenteuerfaktor) muss die Bahn dann fahren. Da wird gestreikt, monatelang gebaut, da fallen Bahnen aus (Personalmangel, technische Störungen, Personen auf der Fahrbahn, Polizeieinsatz, Notarzteinsätze (hier im Rheinland wird mehr in der S-Bahn gestorben, als in jedem anderen Ort Deutschlands, so scheint es– ich kann die faulen Ausreden singen). Kommt das Ding (also der Zug), kann ich mir allerdings eine entspanntere Reise nicht vorstellen (Landschaft gucken, Leute schauen, in der Presse / im Mobiltelefon blättern…)
• Und wessen Sammlers Herz schlägt nicht höher bei solch großen Veranstaltungen. Aus Vorfreude und Neugier. Zum Marken anschauen, zum schachern, zur Begegnung, zum schräge Vögel beobachten.
Aktuell (Frühjahr / Sommer 2023) stehen ja mit Essen und Trier größere Ereignisse an.
Also, gute Fahrt!
Für mich ist das ein reines Souvenir, denn zwei Dinge könnten für meinen Geschmack besser sein:
• Die Dürer-Ehrung (1971) kann ich gut nachvollziehen (ein echter Meister der Grafik), aber die Bundesrepublik war da bei der Abbildung nur des Monogramms zu bescheiden
• Die Sonderstempel sind mir zu gegenwärtig, ohne mich vom Design her zu voll zu überzeugen – aber was soll man hier meckern, zur Entwertung taugten sie allemal.
Bleibt natürlich die Frage, wo da der Abenteuerfaktor ist? Nun, das kommt auf die Perspektive und die Anreisemethode an.
• Ich benutze ja gerne öffentlichen Nahverkehr. Und wenn ich einmal Rechenschaft ablegen muss, was ich mit meinem Leben angestellt habe, kommt nach Schlafen sicher bald das zweitzeitintensive, das Warten auf ein Verkehrsmittel. Übrigens, mein lokaler Bus 790 bringt einen nicht nur zur Atlantikinsel St. Pierre (Beitrag Nr. 8), sondern vor allem und zuerst zum Bahnhof meiner Heimatstadt (leider eher ein Beispiel für weniger vorteilhafte Gegenwartsarchitektur, da muss man ja zur Briefmarke greifen) und von da kann man dann bequem nach Köln fahren. Allerdings (jetzt kommt der Abenteuerfaktor) muss die Bahn dann fahren. Da wird gestreikt, monatelang gebaut, da fallen Bahnen aus (Personalmangel, technische Störungen, Personen auf der Fahrbahn, Polizeieinsatz, Notarzteinsätze (hier im Rheinland wird mehr in der S-Bahn gestorben, als in jedem anderen Ort Deutschlands, so scheint es– ich kann die faulen Ausreden singen). Kommt das Ding (also der Zug), kann ich mir allerdings eine entspanntere Reise nicht vorstellen (Landschaft gucken, Leute schauen, in der Presse / im Mobiltelefon blättern…)
• Und wessen Sammlers Herz schlägt nicht höher bei solch großen Veranstaltungen. Aus Vorfreude und Neugier. Zum Marken anschauen, zum schachern, zur Begegnung, zum schräge Vögel beobachten.
Aktuell (Frühjahr / Sommer 2023) stehen ja mit Essen und Trier größere Ereignisse an.
Also, gute Fahrt!
Am: 31.05.2023 23:35:31
Gelesen: 23078
# 39
Zeit ein neues Kapitel aufzuschlagen.
Genau, die Lusiaden, ein Heldengedicht (das aber die seefahrerischeren Erfolge Portugals verherrlicht, weniger meinen Aufenthalt).
Portugal hat mich einmal 1989 überaus freundlich empfangen, anlässlich eines kleinen Aufenthalts an der Algarve.
Dazu gehört – na klar – immer auch ein Besuch des lokalen Postamts, seinerzeit in Portimao. Dies war ein echter Höhepunkt. Man kam in die Post hinein und da befand sich doch tatsächlich zur linken ein ca. zwei Meter langer Sammlerschalter mit einer überaus bunten Auslage von Portugal, Madeira und Azoren-Ausgaben. Die Verkäuferin, eine propere, kleine ältere lusitanische Dame war vor Ort und Herrin dieses kleinen Standes. Links hinter ihr befand sich ein jahrzehntealter dunkler Geldschrank, und der war voller Sonderausgaben. Rasch war ich als Interessent wahrgenommen und meine Augen gingen gierig über die gezeigten Bestände: eine Vielzahl von Blöcken, viele Sondermarken in der für Portugal typischen Würdigung eines Themas mittels eines Satzes bestehend aus vier bis sechs Marken in einem Design, gerne ergänzt um einen Block mit einem Höchstwert. Ich wählte dies und das aus und die Dame nahm genau wahr, was ich aussuchte und fand im Tresor weitere passende Ausgaben oder Formen (z.B. Heftchen statt Einzelmarken). Die Ausgaben der Jahre 1986-1989 waren vorrätig. Geld war damals bei mir sehr knapp, aber für die für mich damals hohe Summe von DEM 50 / PTE 5.000 hab ich Material mitgenommen. Und sagte nicht der Michel aus der Stadtbücherei, die aktuellen Marken Portugals seinen unbeschränkt frankaturgültig?
Hier eine damals typische Ausgabe, in Markenheftchenform – oben und unten geschnitten und mit einer deutlich geringeren Auflage (60.000) als die voll gezähnten (600.000).
Ich habe das nie vergessen – wurde auch sonst freundlich aufgenommen, und habe für Portugal eine Sympathie entwickelt, die bis heute nicht abgekühlt ist.
Also, 2001 fand ich mich (nach einer privaten Baumaßnahme, die ich früher als geplant und unter Budget abschließen konnte) gut gelaunt, mit einem angemessenen Budget versehen und 10 Tagen unverbrauchten Urlaubs.
Kurz entschlossen habe ich einen Flug nach Faro gebucht, ein paar Sachen gepackt und los gings.
Allerdings Portugal-Sammler werden wissen, was mich für ein Schock erwartete, als ich in den dann aktuellen Michel schaute, bevor ich ein paar Briefmarken aus den 1989-Einkauf in mein Gepäck stecken wollte (um sie zu verbrauchen – die Euro-Einführung nahte). Die Briefmarken werden nämlich regelmäßig in unregelmäßigen Intervallen von drei bis acht Jahren für ungültig erklärt - egal, ob Freimarke oder Sondermarke. Oha, ein ziemlicher Schock, ich kam zu spät.
Auf meiner Rundreise kam ich auch an Portimao vorbei und besuchte die Post, aber der Verkaufsstand, an dem ich seinerzeit bestens bedient wurde, existierte zu meinem großen Bedauern nicht mehr.
Von Lagos sandte ich folgenden Kartengruß nach Hause.
Die Postlerin in Lagos (übrigens ein hübsches Ding und agil - wieder mal der Beweis, dass Briefmarkensammeln ein sinnliches Hobby ist) nahm meine Karte zur Abstempelung entgegen und fragte mich, warum ich denn so viele Marken verklebt hätte (worüber wir Sammler natürlich nur schmunzeln können, denn eine Buntfrankatur macht einfach Freude) und griff dann beherzt zum Stempel, der dann fast reliefartig und gut lesbar abgeschlagen wurde. Gute Arbeit - das korrespondiert schön mit Position der Frankatur, finde ich.
Zwei spannende Details
• Die Freimarken erwarb ich vor Ort, meiner Erinnerung nach in Portimao. Offizielle Gültigkeit noch drei Tage – kaum zu glauben, zumal zur neuesten Freimarkenserie Vögel noch gar keine Kleinstnominalen herausgekommen waren. Ich vermutete, die Marken wurden über ihre Gültigkeit hinaus akzeptiert wenn nicht gar verkauft worden sein (wer zur Praxis der portugiesischen Post diesbezüglich etwas beitragen kann, der tue das gerne)
• Der Stempel: der Ort wird nur in Klammern angegeben – der Schwerpunkt liegt auf der Angabe „Portas de Portugal“, also auf einer Funktion, nicht auf den Ort (Lagos, eigentlich ein Hauptort an der Algarve)
Genau, die Lusiaden, ein Heldengedicht (das aber die seefahrerischeren Erfolge Portugals verherrlicht, weniger meinen Aufenthalt).
Portugal hat mich einmal 1989 überaus freundlich empfangen, anlässlich eines kleinen Aufenthalts an der Algarve.
Dazu gehört – na klar – immer auch ein Besuch des lokalen Postamts, seinerzeit in Portimao. Dies war ein echter Höhepunkt. Man kam in die Post hinein und da befand sich doch tatsächlich zur linken ein ca. zwei Meter langer Sammlerschalter mit einer überaus bunten Auslage von Portugal, Madeira und Azoren-Ausgaben. Die Verkäuferin, eine propere, kleine ältere lusitanische Dame war vor Ort und Herrin dieses kleinen Standes. Links hinter ihr befand sich ein jahrzehntealter dunkler Geldschrank, und der war voller Sonderausgaben. Rasch war ich als Interessent wahrgenommen und meine Augen gingen gierig über die gezeigten Bestände: eine Vielzahl von Blöcken, viele Sondermarken in der für Portugal typischen Würdigung eines Themas mittels eines Satzes bestehend aus vier bis sechs Marken in einem Design, gerne ergänzt um einen Block mit einem Höchstwert. Ich wählte dies und das aus und die Dame nahm genau wahr, was ich aussuchte und fand im Tresor weitere passende Ausgaben oder Formen (z.B. Heftchen statt Einzelmarken). Die Ausgaben der Jahre 1986-1989 waren vorrätig. Geld war damals bei mir sehr knapp, aber für die für mich damals hohe Summe von DEM 50 / PTE 5.000 hab ich Material mitgenommen. Und sagte nicht der Michel aus der Stadtbücherei, die aktuellen Marken Portugals seinen unbeschränkt frankaturgültig?
Hier eine damals typische Ausgabe, in Markenheftchenform – oben und unten geschnitten und mit einer deutlich geringeren Auflage (60.000) als die voll gezähnten (600.000).
Ich habe das nie vergessen – wurde auch sonst freundlich aufgenommen, und habe für Portugal eine Sympathie entwickelt, die bis heute nicht abgekühlt ist.
Also, 2001 fand ich mich (nach einer privaten Baumaßnahme, die ich früher als geplant und unter Budget abschließen konnte) gut gelaunt, mit einem angemessenen Budget versehen und 10 Tagen unverbrauchten Urlaubs.
Kurz entschlossen habe ich einen Flug nach Faro gebucht, ein paar Sachen gepackt und los gings.
Allerdings Portugal-Sammler werden wissen, was mich für ein Schock erwartete, als ich in den dann aktuellen Michel schaute, bevor ich ein paar Briefmarken aus den 1989-Einkauf in mein Gepäck stecken wollte (um sie zu verbrauchen – die Euro-Einführung nahte). Die Briefmarken werden nämlich regelmäßig in unregelmäßigen Intervallen von drei bis acht Jahren für ungültig erklärt - egal, ob Freimarke oder Sondermarke. Oha, ein ziemlicher Schock, ich kam zu spät.
Auf meiner Rundreise kam ich auch an Portimao vorbei und besuchte die Post, aber der Verkaufsstand, an dem ich seinerzeit bestens bedient wurde, existierte zu meinem großen Bedauern nicht mehr.
Von Lagos sandte ich folgenden Kartengruß nach Hause.
Die Postlerin in Lagos (übrigens ein hübsches Ding und agil - wieder mal der Beweis, dass Briefmarkensammeln ein sinnliches Hobby ist) nahm meine Karte zur Abstempelung entgegen und fragte mich, warum ich denn so viele Marken verklebt hätte (worüber wir Sammler natürlich nur schmunzeln können, denn eine Buntfrankatur macht einfach Freude) und griff dann beherzt zum Stempel, der dann fast reliefartig und gut lesbar abgeschlagen wurde. Gute Arbeit - das korrespondiert schön mit Position der Frankatur, finde ich.
Zwei spannende Details
• Die Freimarken erwarb ich vor Ort, meiner Erinnerung nach in Portimao. Offizielle Gültigkeit noch drei Tage – kaum zu glauben, zumal zur neuesten Freimarkenserie Vögel noch gar keine Kleinstnominalen herausgekommen waren. Ich vermutete, die Marken wurden über ihre Gültigkeit hinaus akzeptiert wenn nicht gar verkauft worden sein (wer zur Praxis der portugiesischen Post diesbezüglich etwas beitragen kann, der tue das gerne)
• Der Stempel: der Ort wird nur in Klammern angegeben – der Schwerpunkt liegt auf der Angabe „Portas de Portugal“, also auf einer Funktion, nicht auf den Ort (Lagos, eigentlich ein Hauptort an der Algarve)
Am: 30.06.2023 18:39:59
Gelesen: 22652
# 40
Wo waren wir? Ach ja, in Portugal – kennt ihr nicht? Dann schaut mal hier (fünf von ca. zweihundert verschiedenen Varianten der sehr bekannten Ceres-Freimarken, bildgleiche Marken für die Kolonien kommen hinzu).
Algarve ist der touristisch am besten erschlossene Teil Portugals, es gibt umfangreichere Strände an der Südküste als an der Hauptküste.
Wem das zu rummelig ist, biegt hinter Sagres einfach auf der Küstenstraße nach Norden ab. Und mit einem Mal wird es ruhig.
Natürlich gibt es Küstenorte und auch Strände – aber Vorsicht die Strömung ist stark und zieht einen rasch ins Meer. Auch der Wellengang kann stark sein - es ist halt der Atlantik (auch im Süden, dort aber milder).
Am Ende eines langen Tages kam ich in einem kleinen Ort, Odeceixe, an. Und nach einem der schlechtesten Quartiere aller Zeiten in Lagos, freut man sich über eine bescheidene, saubere Pension mit umtriebiger, bienenfleißiger Chefin und ein ruhiges Dinner im Ortskern. In der Nacht geht ein schwerer Regen nieder, der draußen auf die in Portugal unvermeidlichen Kacheln klatscht, während man selber sicher und geschützt ruht. Dies nimmt man kurz war, fühlt Geborgen- und Sicherheit und fällt zurück in tiefen, erholsamen Schlaf.
Wer reist, der stürzt sich ganz natürlich ins Alltagsleben (zweite Frühstücke im Cafe – mit typischen Schinkenbroten und kleinen, wunderbar kräftigen schwarzen Kaffees, so stärkt man sich aufs Beste). Und seinerzeit musste man noch Geld tauschen. Meine Lieblingsbank (so etwas ist für mich als Kaufmann wichtig) war die Banco Nacional Ultramarino (die Nationale Überseebank, heute von der Caixa Geral – einer nationalen Sparkasse – absorbiert). Schon die Firmenbezeichnung verspricht Weltläufigkeit und weckt Lust auf Abenteuer, das wird durch das Firmensignet noch verstärkt – hier der Beweis.
In drei Etappen nach Lissabon. Dumm nur, wenn man am Samstagnachmittag ankommt (ist ähnlich schlau, wie einen Ruhetag am Montag einzulegen – da haben nämlich i.d.R. alle Museen geschlossen). Da befand sich meiner Erinnerung nach die Post mit Sammlerschalter am Praca do Comercio – und zwar im westlichen Turm dieses phantastischen Platzes. Heute gem. Internetrecherche dort nicht mehr vor Ort. Also seinerzeit dank Samstagsankunft keine Beute für mich.
Erstaunlich war, dass ich in der Großstadt Lissabon zufällig einen Mitreisenden aus dem Flieger von Deutschland nach Faro wiedertraf (…unglaublich, wie wahrscheinlich ist so etwas..). Der empfahl mir eine schräge Pension in einer tollen Altbauwohnung mit beeindruckenden Stuckdecken in einem lebendigen, aber nicht ganz koscheren Stadtteil Lissabons. Der Rezeptionist – der Sohn der Wirtin - konsumierte endlos Videobänder – die Mutter, ca. 45, schaute mit Ihrem ca. dreißigjährigen goldkettengeschmückten, schwarzen Gefährten, mit angolanischen Wurzeln würde ich tippen, am Abend auch mal rein. Abendessen in einem traditionellen portugiesischen Restaurant ausgekleidet mit Azulejos (Schmuckfliesen). Es gab Tanzsalons in der Nähe bei dem man sich die Partnerinnen hinzubuchen konnte (so etwas habe ich davor und danach nie mehr gesehen – erinnerte an die 40er oder 50er Jahre des letzten Jahrhunderts), Bars mir gemischten Publikum und echt schrägen Typen und kühlen portugiesischen Bieren, Clubs und und und. Kurz: ein bunter und sicher unkonventioneller Abend.
Und es wimmelt von Baudenkmälern in Portugal, am nächsten Tag durchquerte ich Lissabon und kam später an Sintra vorbei. Dort war es an meinem Besuchstag allerdings so neblig, dass es mir unmöglich war, weder die preisgekrönten Paläste noch die Altstadt zu finden. Unfassbar, ich frage mich bis heute, wie das möglich war.
Soviel zum Abenteuer-Teil, das muss doch mit Briefmarken anzureichern sein (also einfach mal zur Sammlung gegriffen, was hab ich da für Euch….)
• für alle Klassik-Sammler, die sich bisher zu kurz gekommen glauben: meine älteste Portugal-Marke (mit Lisboa-Stempel), eine 57ya von 1882 (Auflage 9.224.000). Übrigens war König Louis der I. Nachkomme eines Gastarbeiters (Vater war ein Deutscher aus dem Haus Sachsen-Coburg-Gotha). Deswegen als Bonus noch die 63b von 1887 (Auflage 90.975.000).
• der berühmte Turm von Belem in Lissabon
• einer der Paläste in Sintra, hier: der historische Stadtpalast. Die Türme sind die Schornsteine der Schlossküche
Auch schön als Reminiszenz an Lissabon - ein Europamarken-Block mit einer kompletten Ansicht Lissabons (bitte beachtet das sprachgewaltige Gedichtzitat, so wünsch ich mir Briefmarken - die Sinne reizend)
Immerhin, am Ende des Tages schlug ich zufällig in Mafra mit dem dortigen Palacio Nacional auf, eine wuchtige Mischung aus Palast und Kloster – wieder Weltkulturerbe. Zeit einen Kartengruß nach Hause zu schicken. Die Frankatur finde ich gelungen, sie ist portogerecht (um den Preis eines Kaffees in einer Bar zu jener Zeit), mit Marken, die man damals auf der Post auftreiben konnte. Meiner Erinnerung nach wurde von den Postlern vor Ort ein Handstempel abgelehnt, daher ist die Karte im Briefkasten gelandet. Habe nichts gegen Postbedarfsstempel, aber wir wissen, wie schnell da was (unter Sammleraspekten) schief gehen kann - hier: deutlich zu schwach gestempelt.
Soviel für heute - vejo voce em breve (bis bald)!
Algarve ist der touristisch am besten erschlossene Teil Portugals, es gibt umfangreichere Strände an der Südküste als an der Hauptküste.
Wem das zu rummelig ist, biegt hinter Sagres einfach auf der Küstenstraße nach Norden ab. Und mit einem Mal wird es ruhig.
Natürlich gibt es Küstenorte und auch Strände – aber Vorsicht die Strömung ist stark und zieht einen rasch ins Meer. Auch der Wellengang kann stark sein - es ist halt der Atlantik (auch im Süden, dort aber milder).
Am Ende eines langen Tages kam ich in einem kleinen Ort, Odeceixe, an. Und nach einem der schlechtesten Quartiere aller Zeiten in Lagos, freut man sich über eine bescheidene, saubere Pension mit umtriebiger, bienenfleißiger Chefin und ein ruhiges Dinner im Ortskern. In der Nacht geht ein schwerer Regen nieder, der draußen auf die in Portugal unvermeidlichen Kacheln klatscht, während man selber sicher und geschützt ruht. Dies nimmt man kurz war, fühlt Geborgen- und Sicherheit und fällt zurück in tiefen, erholsamen Schlaf.
Wer reist, der stürzt sich ganz natürlich ins Alltagsleben (zweite Frühstücke im Cafe – mit typischen Schinkenbroten und kleinen, wunderbar kräftigen schwarzen Kaffees, so stärkt man sich aufs Beste). Und seinerzeit musste man noch Geld tauschen. Meine Lieblingsbank (so etwas ist für mich als Kaufmann wichtig) war die Banco Nacional Ultramarino (die Nationale Überseebank, heute von der Caixa Geral – einer nationalen Sparkasse – absorbiert). Schon die Firmenbezeichnung verspricht Weltläufigkeit und weckt Lust auf Abenteuer, das wird durch das Firmensignet noch verstärkt – hier der Beweis.
In drei Etappen nach Lissabon. Dumm nur, wenn man am Samstagnachmittag ankommt (ist ähnlich schlau, wie einen Ruhetag am Montag einzulegen – da haben nämlich i.d.R. alle Museen geschlossen). Da befand sich meiner Erinnerung nach die Post mit Sammlerschalter am Praca do Comercio – und zwar im westlichen Turm dieses phantastischen Platzes. Heute gem. Internetrecherche dort nicht mehr vor Ort. Also seinerzeit dank Samstagsankunft keine Beute für mich.
Erstaunlich war, dass ich in der Großstadt Lissabon zufällig einen Mitreisenden aus dem Flieger von Deutschland nach Faro wiedertraf (…unglaublich, wie wahrscheinlich ist so etwas..). Der empfahl mir eine schräge Pension in einer tollen Altbauwohnung mit beeindruckenden Stuckdecken in einem lebendigen, aber nicht ganz koscheren Stadtteil Lissabons. Der Rezeptionist – der Sohn der Wirtin - konsumierte endlos Videobänder – die Mutter, ca. 45, schaute mit Ihrem ca. dreißigjährigen goldkettengeschmückten, schwarzen Gefährten, mit angolanischen Wurzeln würde ich tippen, am Abend auch mal rein. Abendessen in einem traditionellen portugiesischen Restaurant ausgekleidet mit Azulejos (Schmuckfliesen). Es gab Tanzsalons in der Nähe bei dem man sich die Partnerinnen hinzubuchen konnte (so etwas habe ich davor und danach nie mehr gesehen – erinnerte an die 40er oder 50er Jahre des letzten Jahrhunderts), Bars mir gemischten Publikum und echt schrägen Typen und kühlen portugiesischen Bieren, Clubs und und und. Kurz: ein bunter und sicher unkonventioneller Abend.
Und es wimmelt von Baudenkmälern in Portugal, am nächsten Tag durchquerte ich Lissabon und kam später an Sintra vorbei. Dort war es an meinem Besuchstag allerdings so neblig, dass es mir unmöglich war, weder die preisgekrönten Paläste noch die Altstadt zu finden. Unfassbar, ich frage mich bis heute, wie das möglich war.
Soviel zum Abenteuer-Teil, das muss doch mit Briefmarken anzureichern sein (also einfach mal zur Sammlung gegriffen, was hab ich da für Euch….)
• für alle Klassik-Sammler, die sich bisher zu kurz gekommen glauben: meine älteste Portugal-Marke (mit Lisboa-Stempel), eine 57ya von 1882 (Auflage 9.224.000). Übrigens war König Louis der I. Nachkomme eines Gastarbeiters (Vater war ein Deutscher aus dem Haus Sachsen-Coburg-Gotha). Deswegen als Bonus noch die 63b von 1887 (Auflage 90.975.000).
• der berühmte Turm von Belem in Lissabon
• einer der Paläste in Sintra, hier: der historische Stadtpalast. Die Türme sind die Schornsteine der Schlossküche
Auch schön als Reminiszenz an Lissabon - ein Europamarken-Block mit einer kompletten Ansicht Lissabons (bitte beachtet das sprachgewaltige Gedichtzitat, so wünsch ich mir Briefmarken - die Sinne reizend)
Immerhin, am Ende des Tages schlug ich zufällig in Mafra mit dem dortigen Palacio Nacional auf, eine wuchtige Mischung aus Palast und Kloster – wieder Weltkulturerbe. Zeit einen Kartengruß nach Hause zu schicken. Die Frankatur finde ich gelungen, sie ist portogerecht (um den Preis eines Kaffees in einer Bar zu jener Zeit), mit Marken, die man damals auf der Post auftreiben konnte. Meiner Erinnerung nach wurde von den Postlern vor Ort ein Handstempel abgelehnt, daher ist die Karte im Briefkasten gelandet. Habe nichts gegen Postbedarfsstempel, aber wir wissen, wie schnell da was (unter Sammleraspekten) schief gehen kann - hier: deutlich zu schwach gestempelt.
Soviel für heute - vejo voce em breve (bis bald)!
Am: 31.07.2023 18:52:45
Gelesen: 22224
# 41
Haben wir vor kurzem hier im Forum nicht die ungläubige Frage gelesen, wer denn noch schreibe?
Also, ich tue das. Weil ich gerne sammle, Briefmarken für mich Gebrauchsgegenstände sind, aus Freundschaft und Verbundenheit - auf der Reise erlebe ich zeitliche Freiheit. Warum da nicht einen Gedanken / eine Stimmung / eine Impression teilen (und dies dezent übermitteln).
Ich bin immer wieder überrascht, wie positiv das wirkt. Dem Empfänger des folgenden Poststücks schicke ich möglichst einmal im Jahr ein Kärtchen. Man ruft sich in Erinnerung und grüßt aus der Ferne (mit einem schönen Motiv, Frankatur die gefallen soll und einem individualisierten Text – weil wir Freude machen wollen). Mein Gott, wie oft ist er schon umgezogen – und was hat alle diese Umzüge über die Jahre überlebt: meine Karten, jawohl – weil die gefallen haben. Letztlich ist das nur ein Nachgeben, nämlich dem eines bereits vorhandenen, unterbewussten Sammeltriebs, dem wir Briefmarkensammler ja alle, aber offener, verfallen sind. Jetzt hat er die Karten digitalisiert und die Originale habe ich bekommen, darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich teile das mal heute hier.
Auch einen anderen Bekannten, des Briefmarkensammelns garantiert unverdächtig, erwischte ich mal dabei, dass er anlässlich einer Reunion die zeitnah nach dem Eintreffen einer meiner Karten stattfand, er diese in die Luft hob und dann auf den Stapel (!) zu den anderen empfangenen legte.
Nazaré, das sagt Euch vielleicht was. Ja, das ist der Surfer-Hotspot in Portugal mit beeindruckenderen Wellen als auf Hawaii. Von der Szene Ende der 1990er entdeckt. Und ich war dabei, in 2001 war von einem Überrennen des netten Ortes durch Surfer noch nichts festzustellen. Aber ich kam abends an, hatte ein schönes strandnahes Quartier und fragte mich, ob ich noch kurz schwimmen gehen sollte. Ich mag den Atlantik und seine Wellen, aber ich kann nur sagen, das hätte absolute Lebensgefahr bedeutet. Die Dünung war heftig und hätte einen Menschen schlicht erschlagen. Aber auch schon ein Spaziergang am breiten, langen Strand war beeindruckend, die Kraft und Gewalt der Wellen, die Frische und Kühle des Ortes mit der durch Gischt versetzen Luft. Ein sehenswertes und erlebbares Spektakel.
Für diejenigen denen der Beitrag zu bunt und gegenwärtig war, also den Pietisten der Philatelie, zeige ich noch mal einen Klassiker zu deren Beruhigung.
Von 1892. Eine Nr. 66 – Auflage 15.880.000 und Nr. 70 – Auflage 50.702.000, daher keine Seltenheiten. Motiv: König Carlos I, der 1908 auf dem Praca do Comercio einem Attentat zum Opfer fiel – also, alle die nach der Krone streben, seien gewarnt, und mögen zur Kenntnis nehmen, wie das enden kann („Uneasy lies the head that wears the crown“ so Shakepeare). Links: prächtig – Sechseckstempel mit interessanten Schmuckelementen.
Wahrscheinlich kaum bekanntes historisches Detail: portugiesischer Staatsbankrott in 1891 – seitdem arbeiteten die Hauptgläubiger Großbritannien und Deutschland ernsthaft an Plänen zur Aufteilung des portugiesischen Kolonialreiches in Afrika (bis man sich 1914 selbst gegenseitig an die Kehle ging). Das Zeitalter des puren Imperialismus.
Auch einen anderen Bekannten, des Briefmarkensammelns garantiert unverdächtig, erwischte ich mal dabei, dass er anlässlich einer Reunion die zeitnah nach dem Eintreffen einer meiner Karten stattfand, er diese in die Luft hob und dann auf den Stapel (!) zu den anderen empfangenen legte.
Nazaré, das sagt Euch vielleicht was. Ja, das ist der Surfer-Hotspot in Portugal mit beeindruckenderen Wellen als auf Hawaii. Von der Szene Ende der 1990er entdeckt. Und ich war dabei, in 2001 war von einem Überrennen des netten Ortes durch Surfer noch nichts festzustellen. Aber ich kam abends an, hatte ein schönes strandnahes Quartier und fragte mich, ob ich noch kurz schwimmen gehen sollte. Ich mag den Atlantik und seine Wellen, aber ich kann nur sagen, das hätte absolute Lebensgefahr bedeutet. Die Dünung war heftig und hätte einen Menschen schlicht erschlagen. Aber auch schon ein Spaziergang am breiten, langen Strand war beeindruckend, die Kraft und Gewalt der Wellen, die Frische und Kühle des Ortes mit der durch Gischt versetzen Luft. Ein sehenswertes und erlebbares Spektakel.
Für diejenigen denen der Beitrag zu bunt und gegenwärtig war, also den Pietisten der Philatelie, zeige ich noch mal einen Klassiker zu deren Beruhigung.
Von 1892. Eine Nr. 66 – Auflage 15.880.000 und Nr. 70 – Auflage 50.702.000, daher keine Seltenheiten. Motiv: König Carlos I, der 1908 auf dem Praca do Comercio einem Attentat zum Opfer fiel – also, alle die nach der Krone streben, seien gewarnt, und mögen zur Kenntnis nehmen, wie das enden kann („Uneasy lies the head that wears the crown“ so Shakepeare). Links: prächtig – Sechseckstempel mit interessanten Schmuckelementen.
Wahrscheinlich kaum bekanntes historisches Detail: portugiesischer Staatsbankrott in 1891 – seitdem arbeiteten die Hauptgläubiger Großbritannien und Deutschland ernsthaft an Plänen zur Aufteilung des portugiesischen Kolonialreiches in Afrika (bis man sich 1914 selbst gegenseitig an die Kehle ging). Das Zeitalter des puren Imperialismus.
Am: 31.08.2023 17:08:01
Gelesen: 21849
# 42
Portugal: Es ist der 03.10.2001 – es sind noch 89 Tage bis zur Einführung des EUR-Bargelds.
Bis dahin musste man natürlich noch mit Escudos umgehen. Die portugiesische Post jedenfalls hatte bereits seit März 1999 doppelnominalige Briefmarken herausgegeben.
Alle rein PTE-nominierten Marken wurden am 30.09.2001 ungültig. Warum man nicht den 31.12.2001 genommen hat, ist für mich rätselhaft. Kleinnominalige EUR-Marken kamen erst am 02.01.2002 heraus (mit der Sonderausgabe Euro-Einführung, die die neu eingeführten Münzen zeigte – Briefmarken zum Nennwert der gezeigten Münzen, dabei auch Kleinwerte EUR 0,01, 0,02 und 0,05 in Millionenauflage).
Aus der Freimarkenserie Vögel kamen Kleinnominalen erst Februar 2002 und März 2003 hinaus. Kleinnominalen braucht es einfach, weil eigentlich jedes Jahr das Porto leicht erhöht wird. Ein Beispiel: Sondermarken zu PTE 100 aus 2000 brauchten in 2001 z.B. PTE 5 Zusatzfrankatur.
Ich habe jedenfalls nach dem 30.09.01 keine Kleinstwerte mehr bekommen, hatte in den von mir besuchten Postämtern auch keine Automaten wahrnehmen können, die einmal Kleinstwerte hätten ausgeben können, auch wenn mir einmal angeboten wurde (müsste in Nazaré gewesen sein), die Post bar bzw mittels Label freizumachen. Als Briefmarkensammler habe ich das abgelehnt.
So, die Post musste raus, da habe ich halt aus meinen Beständen überfrankiert und meinen Kleinbogen Entdecker, den ich eigentlich als Beute nach Hause führen wollte, kurzerhand seiner Bestimmung zugeführt. Allerdings, wie sich dann später herausstellte, waren die Marken eben schon ungültig (nämlich seit dem 01.10.2001). Aber die Post hat die durchrutschen lassen – meiner Meinung nach nur fair.
Jetzt zum Schluss mal was Modernes, dass es - vor Ort gekauft - nach Hause in die Sammlung geschafft hat: Eine Ausgabe zur Ehrung der Geografischen Gesellschaft, die sich um die Vermessung Angolas verdient gemacht hat. Denn Portugal hatte mit Angola und Mocambique überaus große und wirtschaftlich potente Kolonien. Aus 2000. Auflage 250.000.
Jetzt zum Schluss mal was Modernes, dass es - vor Ort gekauft - nach Hause in die Sammlung geschafft hat: Eine Ausgabe zur Ehrung der Geografischen Gesellschaft, die sich um die Vermessung Angolas verdient gemacht hat. Denn Portugal hatte mit Angola und Mocambique überaus große und wirtschaftlich potente Kolonien. Aus 2000. Auflage 250.000.
Am: 30.09.2023 09:35:50
Gelesen: 21403
# 43
Heute vergleiche ich mal zu Beginn zwei Marken aus den Jahren 2000 / 2001. Links: eine selbstklebende Freimarke (nicht von mir gekauft, irgendwann zur Sammlung hinzugekommen – ich misstraue dieser Erhaltungsart), rechts eine gummierte Sonderausgabe, Tourbeute, also vor Ort gekauft. Bitte vergleicht die Markenbilder. Ich will auf die Schrumpfung der selbstklebenden Marke hinaus, wohingegen die gummierte Marke keine Veränderung erfahren hat.
Mein Urteil: die nassklebenden Marken sind haltbarer und auch nachhaltiger, und das streben wir ja angeblich alle an. Und wie läuft‘s? Die selbstzerstörende Verbundkomponente setzt sich durch. Das ist für mich so, als ob sich der nicht recylbare Tetra-Pak gegen die Glaspfandflasche durchsetzt, und das macht mich nachdenklich.
Hier die Tourendkarte von Porto nach Hause. Und damit man mir nicht nachsagt, ich würde mich grundsätzlich nur an weibliches Postpersonal erinnern (dass ich in der Tat bevorzuge - meine persönliche Statistik sagt, dass die die besseren Abstempelungen hinbekommen): ich war überhaupt froh, eine offene Post am Nationalfeiertag zu finden. Hier hat ein Mitdreißiger mit Vollbart entschlossen den mich überaus zufriedenstellenden Stempel angebracht und die seit fünf Tagen ungültigen Marken, Gott sei Dank, passieren lassen.
Zurück mittels Flug, am Flughafen gab es eine Post. Ich bin da nochmal schwach geworden. Block Nr. 24 von Madeira, Auflage 60.000. Diese Marken sind auch auf dem Festland erwerbbar und gültig. Das gezeigte Exemplar ist seit 2007 leider nicht mehr frankaturgültig.
Essen und Trinken sind bisher zu kurz gekommen. Dabei sind Briefmarken, die lokale Spezialitäten würdigen, zahlreich.
Portugiesische Weine sind gut, ich schätze insbesondere die Fruchtigkeit und Spritzigkeit der Weißweine (erhältlich bei Eurem Portugiesen). Auch Porto und das Duoro-Tal sind im Weinanbau bedeutend.
Ich könnte jetzt von verschiedenen Mahlzeiten schwärmen, z.B. einer Bar in Porto die ich besuchen durfte, die allerlei Sorten von Bacalao (Kabeljau) basierten Speisen anbot. Ich habe mit großem Appetit und zur Freude meines Wirtes einige gekostet. Oder die allgegenwärtigen gegrillten Sardinen, deren Duft einem früher oder später am Tag in die Nase steigt (diese vielleicht begleitet von einem Sagres oder Super Bock verzehren – das sind lokale Biere, auch das letztgenannte, es ist kein Aphrodisiakum, wie der Name Deutschsprachigen eventuell verheißen mag).
Aber ich hab hier zum Schluss etwas, das ganz typisch für die dortige Küche ist und letztlich überall auf den Speisekarten verzeichnet ist. Und das ist auch in diesem Forum nicht deplatziert denn es ist eine Briefmarke, die gleichzeitig ein Kochrezept ist.
So, diese Reise wäre nun zu Ende. Vielleicht habe ich Euch jetzt Appetit auf portugiesische Briefmarken gemacht, und das ist doch nichts Schlechtes. Mögen sie Euch gut bekommen!
Mein Urteil: die nassklebenden Marken sind haltbarer und auch nachhaltiger, und das streben wir ja angeblich alle an. Und wie läuft‘s? Die selbstzerstörende Verbundkomponente setzt sich durch. Das ist für mich so, als ob sich der nicht recylbare Tetra-Pak gegen die Glaspfandflasche durchsetzt, und das macht mich nachdenklich.
Hier die Tourendkarte von Porto nach Hause. Und damit man mir nicht nachsagt, ich würde mich grundsätzlich nur an weibliches Postpersonal erinnern (dass ich in der Tat bevorzuge - meine persönliche Statistik sagt, dass die die besseren Abstempelungen hinbekommen): ich war überhaupt froh, eine offene Post am Nationalfeiertag zu finden. Hier hat ein Mitdreißiger mit Vollbart entschlossen den mich überaus zufriedenstellenden Stempel angebracht und die seit fünf Tagen ungültigen Marken, Gott sei Dank, passieren lassen.
Zurück mittels Flug, am Flughafen gab es eine Post. Ich bin da nochmal schwach geworden. Block Nr. 24 von Madeira, Auflage 60.000. Diese Marken sind auch auf dem Festland erwerbbar und gültig. Das gezeigte Exemplar ist seit 2007 leider nicht mehr frankaturgültig.
Essen und Trinken sind bisher zu kurz gekommen. Dabei sind Briefmarken, die lokale Spezialitäten würdigen, zahlreich.
Portugiesische Weine sind gut, ich schätze insbesondere die Fruchtigkeit und Spritzigkeit der Weißweine (erhältlich bei Eurem Portugiesen). Auch Porto und das Duoro-Tal sind im Weinanbau bedeutend.
Ich könnte jetzt von verschiedenen Mahlzeiten schwärmen, z.B. einer Bar in Porto die ich besuchen durfte, die allerlei Sorten von Bacalao (Kabeljau) basierten Speisen anbot. Ich habe mit großem Appetit und zur Freude meines Wirtes einige gekostet. Oder die allgegenwärtigen gegrillten Sardinen, deren Duft einem früher oder später am Tag in die Nase steigt (diese vielleicht begleitet von einem Sagres oder Super Bock verzehren – das sind lokale Biere, auch das letztgenannte, es ist kein Aphrodisiakum, wie der Name Deutschsprachigen eventuell verheißen mag).
Aber ich hab hier zum Schluss etwas, das ganz typisch für die dortige Küche ist und letztlich überall auf den Speisekarten verzeichnet ist. Und das ist auch in diesem Forum nicht deplatziert denn es ist eine Briefmarke, die gleichzeitig ein Kochrezept ist.
So, diese Reise wäre nun zu Ende. Vielleicht habe ich Euch jetzt Appetit auf portugiesische Briefmarken gemacht, und das ist doch nichts Schlechtes. Mögen sie Euch gut bekommen!
Am: 31.10.2023 22:48:51
Gelesen: 20871
# 44
Auf geht’s - neue Reise.
Ihr habt es vielleicht bemerkt: es hat mir eigentlich ganz gut gefallen, da auf der iberischen Halbinsel. Und da entsteht doch tatsächlich jedes Jahr aufs Neue ein neuer Urlaubsanspruch.
Was es dort wohl noch so zu sehen gibt? Finden wir es raus. Es sind ja nur drei Flugstunden ab Düsseldorf (mit dem Regionalzug käme man damit von Düsseldorf nach Mainz) und schon ist man wieder in…Porto.
Nicht schon wieder Portugal, schließlich bin ich doch, weiß Gott, zuletzt genug auf dem Thema herumgeritten? Gehen wir doch nur kurz darauf ein. Das fällt mir auch insoweit leicht, weil ich von Porto aus konsequent nach Norden gereist bin und nach zwei Tagen Portugal bereits wieder verlassen habe, auch die Post war geschlossen - Maifeiertag.
Deshalb zeig ich noch mal einen Klassiker - die Königszeichnung von 1895 (gültig bis 1910, Auflage unbekannt, aber keine Seltenheiten). Genießt die Andersartigkeit der Designs und mir gefallen die ornamentalen Stempelformen….und Dank an Portugal für den seinerzeitigen angenehmen Aufenthalt dort. Auch interessant: ich habe ja in den vorherigen Beiträgen älteres in aufsteigender Reihenfolge gezeigt – jetzt kann man erkennen, wie sich die Designs modernisieren.
Ja, der englische Einfluss auf Portugal war in den letzten Jahrhunderten hoch und die Briten haben eine bedeutende Rolle gespielt (als Verteidiger gegen die spanische und napoleonische Invasion, als Großgläubiger und als Handelspartner). Jedenfalls war die Verständigung mittels dieser Handelssprache im Land kein Problem.
Aber schauen wir doch nach Vorne und das heißt in diesem Fall nach Norden und überschreiten die Grenze Portugals….nach Spanien….und das hieß dann von Knall auf Fall, mit Grenzübertritt für die kommenden zwei Wochen ein Schweigegelübde abzulegen und sich in dieser Zeit mit 100 Spanisch-Vokabeln und Gebärden durchs Land zu schlagen, denn die Spanier sprachen seinerzeit nur spanisch und sonst gar nichts. Dios mio!
Ach ja, Spanien – siehe Beitrag [#1] – nach den anstrengenden Erfahrungen eines massentouristischen Aufenthalts (der mich 1990 reichlich geschockt hatte) hatte ich ein privates Reiseverbot für Spanien verhängt, dass ich erst 2002 aufgehoben habe.
2002 = Euro-Einführung und Spanien war dabei. Das hieß für rein ESP-nominierte-Marken, dass diese bis 28.02.02 für Post verwendet werden konnten, danach konnte man sie nur noch umtauschen. Und die Bandbreite der bis 28.02.02 benutzbaren Marken war groß, weil die meisten Marken seit 1936 bis eben zum 28.02.2002 benutzbar blieben, das sind über 2.800 Michel-Nrn. In Deutschland wurden ca. 1.500 Michel-Nrn. ungültig.
Dramatisch jedenfalls hat die Einführung von Labeln / Automarkenmarken gewirkt (verstärkt ab ca. 1991), die die nassklebende Marke rasch verdrängte. Schon damals - 2002 - war es schwierig, einen Postler zu finden, der sich mal Richtung Tresor / Lagerbuch aufmachte, um einmal etwas anderes auszugeben als Label. Die Freimachung mit Labeln ist ablauforganisatorisch für die Postler schlicht einfacher (abends einfach einmal einen Knopf drücken, das Geld zählen – fertig und man kann nach Hause - ohne dass man die Briefmarkenbestände durchzählen muss). Dass es dadurch auch kulturell eintöniger wird, interessiert die spanischen Postler weniger. Jedenfalls hatte ich in den ersten Tagen kein Glück oder nicht das Durchsetzungsvermögen an gute Ware zu kommen.
Damit das hier kein Beitrag ohne Marken wird, mache ich jetzt mal einen Zeitsprung und zeige mal Marken aus 1983 (…wetten dass, es mir auf Anhieb gelingt, die Marken die ich als 14 jähriger auf Mallorca in einem Supermarkt für meine Sammlung gekauft habe, aus meiner Sammlung herauszupicken, aber natürlich - hat genau 5 Sekunden gedauert…). Und wie es der Zufall will: stark, das neue Staatswappen von 1981, das passt doch wunderbar als Intro zum Eintritt in ein neues Land. Natürlich schlägt mein Herz mehr für die Fahrradmarke, denn sie gibt die Design-Highlights eines Stahlrahmen-Rennrads sehr gut wieder. Elegant und sehr belastbar - ich habe so etwas noch in der Garage (von 1981 - eine Schönheit).
Und hier eine erste Postsendung aus 2002 von Spanien nach Deutschland. Leider nur mit Label / Automarkenmarke freigemacht - mehr war einfach nicht drin.
Und das ist spannend: Michel nennt die Auflage des Labels in der Zeichnung auf der Postkarte mit 62 Mio. - 13 verschiedene Zeichnungen in Labeln liefen in einem Jahr bei ähnlich hohen Auflagen parallel. Sonderausgaben aus 2002 hingegen haben in der Regel eine Auflage von lediglich 1,2 Mio.
Ja, der englische Einfluss auf Portugal war in den letzten Jahrhunderten hoch und die Briten haben eine bedeutende Rolle gespielt (als Verteidiger gegen die spanische und napoleonische Invasion, als Großgläubiger und als Handelspartner). Jedenfalls war die Verständigung mittels dieser Handelssprache im Land kein Problem.
Aber schauen wir doch nach Vorne und das heißt in diesem Fall nach Norden und überschreiten die Grenze Portugals….nach Spanien….und das hieß dann von Knall auf Fall, mit Grenzübertritt für die kommenden zwei Wochen ein Schweigegelübde abzulegen und sich in dieser Zeit mit 100 Spanisch-Vokabeln und Gebärden durchs Land zu schlagen, denn die Spanier sprachen seinerzeit nur spanisch und sonst gar nichts. Dios mio!
Ach ja, Spanien – siehe Beitrag [#1] – nach den anstrengenden Erfahrungen eines massentouristischen Aufenthalts (der mich 1990 reichlich geschockt hatte) hatte ich ein privates Reiseverbot für Spanien verhängt, dass ich erst 2002 aufgehoben habe.
2002 = Euro-Einführung und Spanien war dabei. Das hieß für rein ESP-nominierte-Marken, dass diese bis 28.02.02 für Post verwendet werden konnten, danach konnte man sie nur noch umtauschen. Und die Bandbreite der bis 28.02.02 benutzbaren Marken war groß, weil die meisten Marken seit 1936 bis eben zum 28.02.2002 benutzbar blieben, das sind über 2.800 Michel-Nrn. In Deutschland wurden ca. 1.500 Michel-Nrn. ungültig.
Dramatisch jedenfalls hat die Einführung von Labeln / Automarkenmarken gewirkt (verstärkt ab ca. 1991), die die nassklebende Marke rasch verdrängte. Schon damals - 2002 - war es schwierig, einen Postler zu finden, der sich mal Richtung Tresor / Lagerbuch aufmachte, um einmal etwas anderes auszugeben als Label. Die Freimachung mit Labeln ist ablauforganisatorisch für die Postler schlicht einfacher (abends einfach einmal einen Knopf drücken, das Geld zählen – fertig und man kann nach Hause - ohne dass man die Briefmarkenbestände durchzählen muss). Dass es dadurch auch kulturell eintöniger wird, interessiert die spanischen Postler weniger. Jedenfalls hatte ich in den ersten Tagen kein Glück oder nicht das Durchsetzungsvermögen an gute Ware zu kommen.
Damit das hier kein Beitrag ohne Marken wird, mache ich jetzt mal einen Zeitsprung und zeige mal Marken aus 1983 (…wetten dass, es mir auf Anhieb gelingt, die Marken die ich als 14 jähriger auf Mallorca in einem Supermarkt für meine Sammlung gekauft habe, aus meiner Sammlung herauszupicken, aber natürlich - hat genau 5 Sekunden gedauert…). Und wie es der Zufall will: stark, das neue Staatswappen von 1981, das passt doch wunderbar als Intro zum Eintritt in ein neues Land. Natürlich schlägt mein Herz mehr für die Fahrradmarke, denn sie gibt die Design-Highlights eines Stahlrahmen-Rennrads sehr gut wieder. Elegant und sehr belastbar - ich habe so etwas noch in der Garage (von 1981 - eine Schönheit).
Und hier eine erste Postsendung aus 2002 von Spanien nach Deutschland. Leider nur mit Label / Automarkenmarke freigemacht - mehr war einfach nicht drin.
Und das ist spannend: Michel nennt die Auflage des Labels in der Zeichnung auf der Postkarte mit 62 Mio. - 13 verschiedene Zeichnungen in Labeln liefen in einem Jahr bei ähnlich hohen Auflagen parallel. Sonderausgaben aus 2002 hingegen haben in der Regel eine Auflage von lediglich 1,2 Mio.
Am: 30.11.2023 18:17:17
Gelesen: 20454
# 45
Galizien, das ist die wilde, hügelige, meerumtoste Landschaft im Norden Spaniens. Vom Massentourismus (wenn wir mal von Pilgerboom nach Santiago de Compostela absehen) im Vergleich zu Restspanien verschont. So reist man durch eine grüne, hügelige Landschaft, packt da aber besser einen Wollpullover extra ein, denn es kann im Mai sehr frisch sein.
Von Pontevedra ging es nach La Coruna. Auf und ab, durch Regen und Gegenwind. Dankbar ist man da für eine Herberge und ein Dach über den Kopf. Das verschlägt einen manchmal an die ungewöhnlichsten Orte. Concurbion, ein Städtchen seinerzeit mit Blick auf ein beachtliches Kraftwerk, damals wohl noch ohne Rußfilter als bedeutende Landmarke, das die Silhouette der Landschaft prägte wie ein Vulkan. In der Nähe der „Avenida Franco“ kam ich unter und hatte alsbald am Abend einen dampfenden Teller Meeresfrüchte vor mir. Waren das Seeschnecken? Jedenfalls Dinge, die man nicht alle Tage isst, ich musste mich instruieren lassen, wie man da an das Eiweiß kommt. Aber solche Fragestellungen gehören zu einer guten Reise, die muss kontrast- und lehrreich sein.
Hier mal ein paar Markenzitate zum Reiseziel. Gerne hebe ich die legendäre Provinzwappen-Serie hervor (1962-1966 – jeden Monat erschien eine) - eine Spanienreise in 57 Ausgaben mit einer Auflage von in der Regel je 4 Mio. Links typischer Bedarfsstempel – Maschinenstempel sind häufig, da schaue man sich nur die die eigenen empfangenen Karten an, wenn mal Post aus Spanien angekommen ist.
In Coruna konnte ich auf der Hauptpost auch mal endlich Briefmarken kaufen (ist doch dauerhaft kein Zustand, so ohne Marken). Allerhand Ausgaben von ca. November 2001 an waren vorhanden.
Außerdem habe ich der Banco Espana in Coruna einfach alle ESP-Münzen auf den Tisch geknallt, die sich in meinem Haushalt fanden. Das waren so zwanzig Stück aus allen Perioden nach 1970. Die Schalterbeamtin war natürlich erstaunt, dass sich ein Touri mit einem Kleinbetrag die Mühe machte, am Schalter vorzusprechen und war sehr misstrauisch. Sie hat die Münzen Stück für Stück untersucht, etwa fünf Stück waren nicht mehr umtauschfähig.
Zur Feier des Tages ein Lebenszeichen nach Hause…Briefkastenaufgabe und - ist ja klar - es ist schon wieder was schiefgegangen - es wurde gar nicht gestempelt. Regelmäßige Empfänger von Urlaubskarten aus Spanien werden das Phänomen vielleicht kennen. Immerhin erlaubt das jetzt einen vollen Blick auf die Motive. Die Militärakademie in Zaragossa (linke Marke) - dort hat im Oktober 2023 die Kronprinzessin ihren Fahneneid abgelegt, habe ich dieser Tage auf der Seite „Vermischtes“ in der Presse gelesen.
Nun, was kann man da tun? Und hier habe ich gute Nachrichten - also für alle, die jetzt nach La Coruna fahren, sie sieht so aus
Oh Wunder, es wird mal kein Service eingestellt, sondern es gibt etwas zu entdecken: die matasellos turisticos in Spanien (man wende sich an den Postschalter und verlange diese…).
Aufmerksam geworden bin ich darauf durch einen hier im Forum veröffentlichen Beleg. Das Angebot ist wunderbar vielfältig. Ich werde hierauf noch in einem separaten Thema hinweisen (damit das hier nicht untergeht und wiedergefunden werden kann).
Wenn ihr den gelesen habt, wisst Ihr Bescheid, was mit Eurer Post, wenn Ihr vor Ort seid, zu tun ist.
Hasta pronto!
In Coruna konnte ich auf der Hauptpost auch mal endlich Briefmarken kaufen (ist doch dauerhaft kein Zustand, so ohne Marken). Allerhand Ausgaben von ca. November 2001 an waren vorhanden.
Außerdem habe ich der Banco Espana in Coruna einfach alle ESP-Münzen auf den Tisch geknallt, die sich in meinem Haushalt fanden. Das waren so zwanzig Stück aus allen Perioden nach 1970. Die Schalterbeamtin war natürlich erstaunt, dass sich ein Touri mit einem Kleinbetrag die Mühe machte, am Schalter vorzusprechen und war sehr misstrauisch. Sie hat die Münzen Stück für Stück untersucht, etwa fünf Stück waren nicht mehr umtauschfähig.
Zur Feier des Tages ein Lebenszeichen nach Hause…Briefkastenaufgabe und - ist ja klar - es ist schon wieder was schiefgegangen - es wurde gar nicht gestempelt. Regelmäßige Empfänger von Urlaubskarten aus Spanien werden das Phänomen vielleicht kennen. Immerhin erlaubt das jetzt einen vollen Blick auf die Motive. Die Militärakademie in Zaragossa (linke Marke) - dort hat im Oktober 2023 die Kronprinzessin ihren Fahneneid abgelegt, habe ich dieser Tage auf der Seite „Vermischtes“ in der Presse gelesen.
Nun, was kann man da tun? Und hier habe ich gute Nachrichten - also für alle, die jetzt nach La Coruna fahren, sie sieht so aus
Oh Wunder, es wird mal kein Service eingestellt, sondern es gibt etwas zu entdecken: die matasellos turisticos in Spanien (man wende sich an den Postschalter und verlange diese…).
Aufmerksam geworden bin ich darauf durch einen hier im Forum veröffentlichen Beleg. Das Angebot ist wunderbar vielfältig. Ich werde hierauf noch in einem separaten Thema hinweisen (damit das hier nicht untergeht und wiedergefunden werden kann).
Wenn ihr den gelesen habt, wisst Ihr Bescheid, was mit Eurer Post, wenn Ihr vor Ort seid, zu tun ist.
Hasta pronto!
Am: 30.11.2023 18:38:24
Gelesen: 20447
# 46
Hallo in die Runde,
keine Ahnung, ob mein Beitrag hier herein passt, aber es wird nächstes Jahr 20 Jahre her sein, als die beste Ehefrau von Allen mit mir 8 Tage lang per Mietwagen die schöne Insel Irland bereisen durften.
Im Westen der Insel gefielen uns viele kleine Örtchen und wir wollten damals unseren Verwandten im In- und Ausland gerne hübsche Postkarten schicken, um ihnen die Schönheit Irlands zeigen zu können.
In einem Weiler mit vlt. 100 Einwohnern fand sich ein Tante-Emma-Laden, der auch Postkarten und Briefmarken feilbot. Wir gingen hinein - und niemand war da! Die Kasse war geöffnet, der Tresor (sicher 10 Zentner schwer und vor dem 2. Weltkrieg gebaut) stand ebenfalls offen mit all dem Inhalt von Geldscheinen, Briefmarken usw. - nur zu sehen war niemand. Nach ein paar Minuten (man wird in Irland auch entscheunigt, in Deutschland hätte ich nicht so lange gewartet), fing ich an ein Lied zu pfeifen und wenige Sekunden später erschallte eine ältliche Damenstimme aus dem "Back-Office" und wollte wissen, womit man dienen könnte.
Ich entgegnete, dass ich gerne ein Dutzend schöner Postkarten und die dazu gehörigen Briefmarken, möglichst Sondermarken, für Post ins Ausland kaufen wollte.
Die Dame blieb unsichtbar und verwies auf einen Kartenständer in einer dunklen Ecke ihres Ladens und auf den Tresor, in dem zahlreiche Marken bogenweise herumlagen und ich sollte mir doch bitte die passenden Marken selbst heraus suchen (die Nominale habe ich mittlerweile vergessen, sie kannte sie aber genau).
Ich suchte mir mit der Gattin ein Dutzend wundervoller Landschaftskarten heraus und holte aus dem Tresor ein Dutzend verschiedener Sondermarken in der von der Dame genannten Nominale und fragte die Stimme, was das alles kostet.
Sie rief mir schnell den frisch errechneten Preis zu und bat uns, den Betrag passend in die Kasse zu legen. Nachdem wir dies getan hatten, verabschiedeten wir uns von der unbekannten Besitzerin und sie wünschte uns noch einen schönen Tag.
Ob es das heute noch so gibt? Dort vielleicht, aber woanders wohl eher nicht (mehr) ...
Liebe Grüsse von bayern klassisch
Am: 31.12.2023 08:54:56
Gelesen: 20203
# 47
Zuletzt hatten wir ein ganz klar unterstempeltes Poststück. Geben wir doch der spanischen Post noch eine Chance. 100 km östlich, an der Grenze zwischen Galizien und Asturien liegt das kleine Städtchen Ribadeo. Dort ist im Briefkasten die nachstehende Karte gelandet.
Und um die Nichtstempelung aus Coruna wieder gut zu machen, wurde jetzt doppelt gestempelt, einmal mittels Maschine + einmal Nachstempelung per Hand, weil die Maschine nicht alles erwischt hat. Mir gefällts. Die Marken stammen aus dem Beutezug auf der Post in La Coruna.
Ihr seht, wir bewegen uns entlang der Küste. Zeit die spanische Seefahrt zu ehren. Das hat die spanische Post hinsichtlich der landeseigenen Marine mit einer umfangreichen Serie im Jahr 1964 selbst aufwendig getan, wie mir anlässlich des Kaufs einer Restsammlung (EUR 80,-- für 25 Jahrgänge – ca. 1.500 postfrische Marken, also etwa 6 cent das Stück – ein Betrag, der nicht überfordert) bewusst wurde. Hervorragende Qualität im Stichtiefdruck.
Dabei haben die das nicht nur für Sammler getan. Mir fallen immer wieder augenscheinlich bedarfsgestempelte Sondermarken der 1960-er Jahre in die Hände. Sehr erfreulich. Die Auflagen der Sondermarkenserien dieser Zeit lagen häufig zwischen 4-6 Mio.
Weitere 200 km östlich, auf der Post in Ribadasella (6.000 Einwohner) gab es auch mal wieder modernes Futter. Die Postlerin hat mal nicht gemauert, sondern hervorgekramt, was die Lagerbücher hergaben und das Angebot war reichhaltiger als in der Großstadt La Coruna. Das reichte für den Rest der Reise und für eine Heimkehr mit vorzeigbarer Beute. Ein Beispiel:
Ein Block von vielen mit irgendwelchen Blaublütern drauf? Schon möglich, aber: man beachte den stoischen Ernst der männlichen Familienmitglieder und das huldvolle Lächeln der weiblichen. Klar verteilte Rollen und sehr spanisch, fand ich.
Ich kann übrigens genau sagen, für wie viel ich damals Marken gekauft habe, denn der Umschlag, in dem die Christel (von der Post) oder nennen wir sie doch „nuestra senora de la oficina de correos“ (und machen sie so zur Heiligen, denn so gut in Spanien mit Sondermarken versorgt zu werden ist ein Wunder) die Marken sorgsam verstaut hat, hat überlebt (da sind heute alle Reiseunterlagen von damals drin - erstmals seit über 20 Jahren wieder geöffnet). Ich zeige mal einen Ausschnitt der postinternen Ganzsache, denn mit A4 ist das Format groß.
Ihr seht, wir bewegen uns entlang der Küste. Zeit die spanische Seefahrt zu ehren. Das hat die spanische Post hinsichtlich der landeseigenen Marine mit einer umfangreichen Serie im Jahr 1964 selbst aufwendig getan, wie mir anlässlich des Kaufs einer Restsammlung (EUR 80,-- für 25 Jahrgänge – ca. 1.500 postfrische Marken, also etwa 6 cent das Stück – ein Betrag, der nicht überfordert) bewusst wurde. Hervorragende Qualität im Stichtiefdruck.
Dabei haben die das nicht nur für Sammler getan. Mir fallen immer wieder augenscheinlich bedarfsgestempelte Sondermarken der 1960-er Jahre in die Hände. Sehr erfreulich. Die Auflagen der Sondermarkenserien dieser Zeit lagen häufig zwischen 4-6 Mio.
Weitere 200 km östlich, auf der Post in Ribadasella (6.000 Einwohner) gab es auch mal wieder modernes Futter. Die Postlerin hat mal nicht gemauert, sondern hervorgekramt, was die Lagerbücher hergaben und das Angebot war reichhaltiger als in der Großstadt La Coruna. Das reichte für den Rest der Reise und für eine Heimkehr mit vorzeigbarer Beute. Ein Beispiel:
Ein Block von vielen mit irgendwelchen Blaublütern drauf? Schon möglich, aber: man beachte den stoischen Ernst der männlichen Familienmitglieder und das huldvolle Lächeln der weiblichen. Klar verteilte Rollen und sehr spanisch, fand ich.
Ich kann übrigens genau sagen, für wie viel ich damals Marken gekauft habe, denn der Umschlag, in dem die Christel (von der Post) oder nennen wir sie doch „nuestra senora de la oficina de correos“ (und machen sie so zur Heiligen, denn so gut in Spanien mit Sondermarken versorgt zu werden ist ein Wunder) die Marken sorgsam verstaut hat, hat überlebt (da sind heute alle Reiseunterlagen von damals drin - erstmals seit über 20 Jahren wieder geöffnet). Ich zeige mal einen Ausschnitt der postinternen Ganzsache, denn mit A4 ist das Format groß.
Am: 31.01.2024 19:42:16
Gelesen: 19967
# 48
Santillana del Mar, Kantabrien: als ich am Nachmittag Quartier machen wollte, kam ich in diesem kleinen historischen Städtchen an. Rappelvoll, voller Ausflügler – erinnerte an Rothenburg ob der Tauber. Nachdem ich ein Zimmer in einem historischen Gasthaus gesichert hatte und gegen Abend auf Beutezug zu einem Abendessen ziehen wollte, war die Stadt auf einmal vollkommen ruhig und leer, als ob die Leute weggezaubert worden wären.
Nun, bekannt ist die Stadt für die nahe Altamira-Höhle mit Höhlenzeichnungen, davon gibt es in der Gegend eine ganze Menge. Ich zeig das mal (praktischerweise hat die spanische Post in einer ihrer jährlichen „Tag der Briefmarke“-Serien lokale Künstler geehrt - auch die der Steinzeit).
Unseren Vorfahren war ein voller Bauch besonders wichtig. War ihnen das Jagdglück hold, hat man Rauschmittel genommen und jene kultischen Zeichnungen angefertigt, habe ich einmal einer Fernsehreportage entnommen. Ich kann das gut nachvollziehen, bin ich doch selber wie ein hungriger Wolf durch das Dorf gestreift. Abendessen in Spanien übrigens ab 21h00. Das habe ich auch bekommen, habe aber darauf verzichtet, mein Zimmer mit Bildern zur Verherrlichung des Verzehrten zu verzieren, auch wenn das Essen eine solche Würdigung wertgewesen wäre und der Wein für einen inspirierenden Rausch gesorgt hätte.
Besser wir melden uns mal jetzt zu Hause und verkleben eine der neu erworbenen Sondermarken. Übrigens, in Spanien gab es keinen Europa-Freundschaftstarif (im Sinne gleicher Preis wie Inlandsbrief), die Auslandspostkarte nach Deutschland (EUR 0,50) kostete das Doppelte des Inlandstarifs (EUR 0,25) - Tourismus ist halt Geschäft und das ist für Spanien ein zu wichtiger Industriezweig, um diese wichtigen Einnahmen politischen Gesten zu opfern.
Unseren Vorfahren war ein voller Bauch besonders wichtig. War ihnen das Jagdglück hold, hat man Rauschmittel genommen und jene kultischen Zeichnungen angefertigt, habe ich einmal einer Fernsehreportage entnommen. Ich kann das gut nachvollziehen, bin ich doch selber wie ein hungriger Wolf durch das Dorf gestreift. Abendessen in Spanien übrigens ab 21h00. Das habe ich auch bekommen, habe aber darauf verzichtet, mein Zimmer mit Bildern zur Verherrlichung des Verzehrten zu verzieren, auch wenn das Essen eine solche Würdigung wertgewesen wäre und der Wein für einen inspirierenden Rausch gesorgt hätte.
Besser wir melden uns mal jetzt zu Hause und verkleben eine der neu erworbenen Sondermarken. Übrigens, in Spanien gab es keinen Europa-Freundschaftstarif (im Sinne gleicher Preis wie Inlandsbrief), die Auslandspostkarte nach Deutschland (EUR 0,50) kostete das Doppelte des Inlandstarifs (EUR 0,25) - Tourismus ist halt Geschäft und das ist für Spanien ein zu wichtiger Industriezweig, um diese wichtigen Einnahmen politischen Gesten zu opfern.
Am: 29.02.2024 22:18:56
Gelesen: 19695
# 49
Und schon sind wir im Baskenland, einem industrialisierten Wirtschafts-Schwergewicht in Spanien. Der Menschenschlag kam mir besonders vor und erschien mir ein Tick dunkler in Haar und Erscheinung als die Nachbarn.
Hier eine Ansicht aus Bilbao, das Guggenheim-Museum war eine gut sichtbare Landmarke.
Übrigens ist das Baskenland eine Region des Radsports, es wimmelt von Rennradfahrern. Auf die Nerven ging mir allerdings die Beschwörung des lokalen Nationalismus. An den Häusern fand ich manchmal seltsame Stiermänner aufgemalt, die ihre Feinde - ich meine in Schlangenform - vernichten / erwürgen, wenn ich es richtig interpretiert habe. Überall - auch in den Nachbarprovinzen - sieht man Schmierereien, wo behauptet wird, dies sei baskisch und das sei baskisch.
Quartier in einem kleinen baskischen Ort, Azpeitia, ein Wallfahrtsort - der Gründer des Jesuitenordens (Loyola) ist dort geboren. War allerdings eine kurze Nachtruhe, denn der Ort wimmelte von Federvieh. Und was machen die, wenn die Sonne aufgeht? Genau, die Hähne krähen, zehn verschiedene Stimmen haben ich rausgehört.
Ich bin übrigens der Meinung, neben einem kleinen Briefmarkenalbum sollte man auch immer etwas zu Lesen mithaben. Hatte ich auch im Gepäck. Freundliche Leihgabe meiner Bücherei. Das Buch steht heute - nach zwanzig Jahren - dort immer noch im Regal. Habe ich mir kurz für diesen Artikel noch einmal ausgeliehen. Spanische Erzähler aus fünf Jahrhunderten (640 Seiten, 14x9 cm passt in jede Reisetasche, ja sogar in jede Jacken- oder Hosentasche - Manesse Verlag, nur noch im Antiquariat oder der Bücherei zu finden,- der Rechteinhaber Bertelsmann ist der Meinung, dass sich das nicht mehr lohnt). Hier die Inhaltsangabe für Philatelisten (ja, war eine Wahnsinnstrefferquote - von 50% der Autoren fand ich ein Porträt in meiner Briefmarkensammlung, offenbar hat der Verleger das richtige Händchen gehabt).
Gerne hätte ich auch eine Marke mir der im Buch enthaltenen Geschichte des Lazarillo de Tormes philatelistisch gewürdigt, habe aber in meiner Sammlung leider nichts gefunden. Lazarillo ist der Held eines frühen Schelmenromans. Er gerät immer wieder in groteske Situationen durch Konfrontation mit seinen jeweiligen Herren: einem geizigen Bettler, einem ungnädigen Kirchenmann, einem bettelarmen Edelmann. Gehört zum Kanon spanischer Literatur, von 1554. Autor: anonym – viele Jahre von der Inquisition verboten.
Apropos alter Kram. Die spanische Post hat mehrere Zusammendrucke adressiert an Schüler herausgegeben, auf denen Geschichte mittels Karikaturen auf Briefmarken nähergebracht werden sollte. Hier einer der Blöcke - Tourbeute aus dem Fischzug auf der Post in Ribadeo. Zum Schmunzeln und Lernen - gute Unterhaltung, finde ich.
Übrigens ist das Baskenland eine Region des Radsports, es wimmelt von Rennradfahrern. Auf die Nerven ging mir allerdings die Beschwörung des lokalen Nationalismus. An den Häusern fand ich manchmal seltsame Stiermänner aufgemalt, die ihre Feinde - ich meine in Schlangenform - vernichten / erwürgen, wenn ich es richtig interpretiert habe. Überall - auch in den Nachbarprovinzen - sieht man Schmierereien, wo behauptet wird, dies sei baskisch und das sei baskisch.
Quartier in einem kleinen baskischen Ort, Azpeitia, ein Wallfahrtsort - der Gründer des Jesuitenordens (Loyola) ist dort geboren. War allerdings eine kurze Nachtruhe, denn der Ort wimmelte von Federvieh. Und was machen die, wenn die Sonne aufgeht? Genau, die Hähne krähen, zehn verschiedene Stimmen haben ich rausgehört.
Ich bin übrigens der Meinung, neben einem kleinen Briefmarkenalbum sollte man auch immer etwas zu Lesen mithaben. Hatte ich auch im Gepäck. Freundliche Leihgabe meiner Bücherei. Das Buch steht heute - nach zwanzig Jahren - dort immer noch im Regal. Habe ich mir kurz für diesen Artikel noch einmal ausgeliehen. Spanische Erzähler aus fünf Jahrhunderten (640 Seiten, 14x9 cm passt in jede Reisetasche, ja sogar in jede Jacken- oder Hosentasche - Manesse Verlag, nur noch im Antiquariat oder der Bücherei zu finden,- der Rechteinhaber Bertelsmann ist der Meinung, dass sich das nicht mehr lohnt). Hier die Inhaltsangabe für Philatelisten (ja, war eine Wahnsinnstrefferquote - von 50% der Autoren fand ich ein Porträt in meiner Briefmarkensammlung, offenbar hat der Verleger das richtige Händchen gehabt).
Gerne hätte ich auch eine Marke mir der im Buch enthaltenen Geschichte des Lazarillo de Tormes philatelistisch gewürdigt, habe aber in meiner Sammlung leider nichts gefunden. Lazarillo ist der Held eines frühen Schelmenromans. Er gerät immer wieder in groteske Situationen durch Konfrontation mit seinen jeweiligen Herren: einem geizigen Bettler, einem ungnädigen Kirchenmann, einem bettelarmen Edelmann. Gehört zum Kanon spanischer Literatur, von 1554. Autor: anonym – viele Jahre von der Inquisition verboten.
Apropos alter Kram. Die spanische Post hat mehrere Zusammendrucke adressiert an Schüler herausgegeben, auf denen Geschichte mittels Karikaturen auf Briefmarken nähergebracht werden sollte. Hier einer der Blöcke - Tourbeute aus dem Fischzug auf der Post in Ribadeo. Zum Schmunzeln und Lernen - gute Unterhaltung, finde ich.
Am: 31.03.2024 08:28:07
Gelesen: 19408
# 50
So, nächste Etappe - das könnte wo hin gehen? Ich geb mal einen Tipp.
Aus der phantastischen Serie „Stierkampf“ von 1960 – insgesamt 16 Werte. Der Wert in der Mitte stellt das Treiben der Stiere in Pamplona dar.
Ich überlass so etwas ja amerikanischen Touristen (recht berühmt: Ernest Hemingway, der seine Erlebnisse in seinem Roman „Fiesta“ verarbeitet haben soll). Ich habe stattdessen die Post besucht (ohne dass als langweilig empfunden zu haben).
Ausgezeichnete Stempelqualität? Bin da selbst tätig geworden (die Postlerin war so genervt, dass sie mir endlich den Handstempel in die Hand gedrückt hat).
Übrigens: Schon gewusst, dass Navarra und die umliegenden Provinzen echte Rebellennester sind? Es soll sich um die Heimat der Karlisten handeln, ein besonders konservativer Kreis (Religion + Familie stehen da an erster Stelle – liberales und sozialistisches Gedankengut werden abgelehnt), der im 19. Jahrhundert Spanien ordentlich destabilisiert hat. Die haben sich um einen Gegenkönig gescharrt, der immer Carlos hieß und salisches Erbrecht (ausschließlich männliche Erbfolge) bemüht, um ihr Handeln zu rechtfertigen. Bürgerkrieg der zu Gunsten der Republik bzw. der sich anschließenden wiederbelebten (konstitutionellen) Monarchie ausging.
Hier der Gewinner, Alfons der XII. (bitte nicht mit dem Viertel vor Zwölften verwechseln, das war der König von Lummerland aus den Jim Knopf-Büchern), der mit 28 Jahren von der Tuberkulose dahingerafft wurde. Marke von 1876, defekt ist sie auch noch. Wert EUR 0,05 – was soll’s, als Stichwortgeber hat sie heute ihren Dienst getan und uns, so hoffe ich, gut unterhalten.
Aus der phantastischen Serie „Stierkampf“ von 1960 – insgesamt 16 Werte. Der Wert in der Mitte stellt das Treiben der Stiere in Pamplona dar.
Ich überlass so etwas ja amerikanischen Touristen (recht berühmt: Ernest Hemingway, der seine Erlebnisse in seinem Roman „Fiesta“ verarbeitet haben soll). Ich habe stattdessen die Post besucht (ohne dass als langweilig empfunden zu haben).
Ausgezeichnete Stempelqualität? Bin da selbst tätig geworden (die Postlerin war so genervt, dass sie mir endlich den Handstempel in die Hand gedrückt hat).
Übrigens: Schon gewusst, dass Navarra und die umliegenden Provinzen echte Rebellennester sind? Es soll sich um die Heimat der Karlisten handeln, ein besonders konservativer Kreis (Religion + Familie stehen da an erster Stelle – liberales und sozialistisches Gedankengut werden abgelehnt), der im 19. Jahrhundert Spanien ordentlich destabilisiert hat. Die haben sich um einen Gegenkönig gescharrt, der immer Carlos hieß und salisches Erbrecht (ausschließlich männliche Erbfolge) bemüht, um ihr Handeln zu rechtfertigen. Bürgerkrieg der zu Gunsten der Republik bzw. der sich anschließenden wiederbelebten (konstitutionellen) Monarchie ausging.
Hier der Gewinner, Alfons der XII. (bitte nicht mit dem Viertel vor Zwölften verwechseln, das war der König von Lummerland aus den Jim Knopf-Büchern), der mit 28 Jahren von der Tuberkulose dahingerafft wurde. Marke von 1876, defekt ist sie auch noch. Wert EUR 0,05 – was soll’s, als Stichwortgeber hat sie heute ihren Dienst getan und uns, so hoffe ich, gut unterhalten.
Am: 04.05.2024 22:35:25
Gelesen: 19087
# 51
Jaca, Aragonien - wir befinden uns am Fuße der Pyrenäen.
Aber bevor wir uns zum Aufstieg zum Somport-Pass begeben, werfen wir einen Blick zurück. Keine Sorge, ich werde Euch nicht mit Privatbildern langweilen. Die spanische Post hat hier vielmehr eine Serie beeindruckender Kunstwerke angefertigt, die Serie Sehenswürdigkeiten, die von 1964 bis 1987 aufgelegt wurde. 97 Marken habe ich gezählt
Prachtvolle Darstellungen und wie ich finde, auch hervorragende Anregungen für mögliche Besuchsziele.
Nutzen kann man die Marken natürlich nur, wenn man sie besitzt. Daher keine Scheu vor einer Spanien-Sammlung.
Und warum sich nur auf die Klassik beschränken? Die modernen Ausgaben sind meiner Meinung nach die gehaltvolleren Kulturbotschafter.
Vielleicht liegt bei Euch auch so etwas als Fragment noch rum, dann schaut Euch das an - der Unterhaltungswert ist groß, so habe ich es wieder einmal bei der Arbeit an der Artikelserie empfunden.
Aber bevor wir uns zum Aufstieg zum Somport-Pass begeben, werfen wir einen Blick zurück. Keine Sorge, ich werde Euch nicht mit Privatbildern langweilen. Die spanische Post hat hier vielmehr eine Serie beeindruckender Kunstwerke angefertigt, die Serie Sehenswürdigkeiten, die von 1964 bis 1987 aufgelegt wurde. 97 Marken habe ich gezählt
Prachtvolle Darstellungen und wie ich finde, auch hervorragende Anregungen für mögliche Besuchsziele.
Nutzen kann man die Marken natürlich nur, wenn man sie besitzt. Daher keine Scheu vor einer Spanien-Sammlung.
Und warum sich nur auf die Klassik beschränken? Die modernen Ausgaben sind meiner Meinung nach die gehaltvolleren Kulturbotschafter.
Vielleicht liegt bei Euch auch so etwas als Fragment noch rum, dann schaut Euch das an - der Unterhaltungswert ist groß, so habe ich es wieder einmal bei der Arbeit an der Artikelserie empfunden.
Am: 02.06.2024 19:49:51
Gelesen: 18449
# 52
Bevor es heute los geht, besuchen wir erst einmal ein örtliches Gotteshaus und werfen einen Blick auf Fresken in Kirchen in Jaca, auch eine Briefmarke zu Ehren Aragoniens habe ich noch gefunden.
Verlässt man Jaca, geht es in weiten, grünen Kehren hinauf ins Gebirge, in Passrichtung. Wer in den Bergen wohnt, weiß um die dramatischen Perspektiven, die sich einem dort eröffnen und die Leute aus dem flachen Land in Erstaunen versetzen.
Wer diese Strecke nimmt, kommt übrigens am palastähnlichen und völlig überdimensionierten Bahnhof Canfranc-Estacion vorbei, der der größte in Spanien sein soll. Hier hat man sich in den Dimensionen verschätzt, man hatte mit deutlich mehr Verkehr mit Frankreich gerechnet, das die Strecke auf seiner Seite aber nicht in Stand gehalten hat (im Bahnhof ist in 2022 ein Luxushotel eröffnet worden, habe ich der „Financial Times“ gelesen, die wissen normalerweise, wo sich gut leben lässt). Rasch ist man im Skigebiet Candanchu und alsbald auf dem Somport-Pass (1.640 m).
Nun verlassen wir Spanien. Was kann ich da zeigen, das Land ist so stolz und vielfältig.
Da fällt mir ein, dass auf den Postkarten - die viele von uns im Laufe ihres Lebens von dort erhalten haben werden - sehr, sehr oft und bis heute das Staatsoberhaupt zu sehen ist. Dann zeige ich noch eines.
Alfons der XIII. (man ahnt es: der Sohn des XII.) gilt als Mitbegründer und Förderer des modernen Tourismus. Aufgrund des frühen Todes seines Vaters als Kleinkind König geworden und unter dieser Briefmarkenzeichnung von 1889 sehr bekannt (die es auch für die Philippinen und Kuba gab).
Die Passhöhe ist Kultur-, Sprach- und Staatsgrenze zu Frankreich.
Jetzt stellt sich wohl jeder Leser die folgende entscheidende Frage: und wo war das erste Postamt auf französischer Seite? Hier die Antwort:
Und natürlich sind noch alle Marken Frankreichs (mit wenigen Ausnahmen) bis heute gültig - wo sollte da auch das Problem sein. Hier meine ältesten noch ungebrauchten Marken, jederzeit bereit, den Dienst zu leisten, für den sie bezahlt wurden.
Félicitations! Da kann ich als Preuße nur verschämt den Hut ziehen.
Verlässt man Jaca, geht es in weiten, grünen Kehren hinauf ins Gebirge, in Passrichtung. Wer in den Bergen wohnt, weiß um die dramatischen Perspektiven, die sich einem dort eröffnen und die Leute aus dem flachen Land in Erstaunen versetzen.
Wer diese Strecke nimmt, kommt übrigens am palastähnlichen und völlig überdimensionierten Bahnhof Canfranc-Estacion vorbei, der der größte in Spanien sein soll. Hier hat man sich in den Dimensionen verschätzt, man hatte mit deutlich mehr Verkehr mit Frankreich gerechnet, das die Strecke auf seiner Seite aber nicht in Stand gehalten hat (im Bahnhof ist in 2022 ein Luxushotel eröffnet worden, habe ich der „Financial Times“ gelesen, die wissen normalerweise, wo sich gut leben lässt). Rasch ist man im Skigebiet Candanchu und alsbald auf dem Somport-Pass (1.640 m).
Nun verlassen wir Spanien. Was kann ich da zeigen, das Land ist so stolz und vielfältig.
Da fällt mir ein, dass auf den Postkarten - die viele von uns im Laufe ihres Lebens von dort erhalten haben werden - sehr, sehr oft und bis heute das Staatsoberhaupt zu sehen ist. Dann zeige ich noch eines.
Alfons der XIII. (man ahnt es: der Sohn des XII.) gilt als Mitbegründer und Förderer des modernen Tourismus. Aufgrund des frühen Todes seines Vaters als Kleinkind König geworden und unter dieser Briefmarkenzeichnung von 1889 sehr bekannt (die es auch für die Philippinen und Kuba gab).
Die Passhöhe ist Kultur-, Sprach- und Staatsgrenze zu Frankreich.
Jetzt stellt sich wohl jeder Leser die folgende entscheidende Frage: und wo war das erste Postamt auf französischer Seite? Hier die Antwort:
Und natürlich sind noch alle Marken Frankreichs (mit wenigen Ausnahmen) bis heute gültig - wo sollte da auch das Problem sein. Hier meine ältesten noch ungebrauchten Marken, jederzeit bereit, den Dienst zu leisten, für den sie bezahlt wurden.
Félicitations! Da kann ich als Preuße nur verschämt den Hut ziehen.
Am: 03.06.2024 06:54:38
Gelesen: 18388
# 53
Hallo,
die 3 hübschen Marken sind recht alt. Hast Du mal gerechnet, welchen Frankaturwert sie in € haben?
Ich komme auf weniger als 1 cent.
mit morgendlichen Grüßen
Heinrich
Am: 03.06.2024 07:39:28
Gelesen: 18381
# 54
@ Bendix Gruenlich [#52]
"Und natürlich sind noch alle Marken Frankreichs (mit wenigen Ausnahmen) bis heute gültig". - Die wenigen Ausnahmen sind jene des Verräters Philippe Pétain wegen seiner Kollaboration mit den Deutschen anno 1940. Seine damalige Ansprache an die Nation finden wir unter https://de.wikipedia.org/wiki/Philippe_P%C3%A9tain#Kollaboration - sie ist durchaus lesenswert!
Am: 05.06.2024 19:10:05
Gelesen: 18227
# 55
Da habe ich in meinem jüngsten Beitrag [#52] tüchtig die Clairons (französisches beim Militär eingesetztes Signalhorn) geblasen (vermutlich die Marseillaise) und die Frankaturgültigkeit auch ältester französischer Briefmarken gepriesen, schon muss ich mich hinsichtlich der in der Mitte befindlichen Marke von 1924 zu Ehren der Kunstgewerbeausstellung korrigieren. Denn die gehört zu den wenigen nicht mehr frankaturgültigen Marken (laut Michel war sie nur bis zum 31.12.1925 gültig, wie schade).
Da bleiben nur noch die 15 und 30 Centimes-Pasteur-Marke übrig, die kann man postalisch noch nutzen.
Und,[#53] Heinrich, lass uns zum Spaß ruhig exakt werden.
Alte Franc 0,45 = 0,0045 neue Franc (FRF).
Geteilt durch den offiziellen Umrechnungskurs von 6,55957 = EUR 0,000686021. Also, wie Du schon sagst ist wirtschaftlich wenig los mit diesem Restwert.
Aber in meinem Beitrag [#35] habe ich mal einen Beleg gezeigt, wo ich solche alten Schätzchen tatsächlich vor der EUR-Einführung noch einmal portogerecht nutzen konnte. Bei mir sind ungebrauchte Marken eben nie sicher.
Frankaturgültige Marken mit Mängeln (z.B. die im Beitrag genutzte 30 Centimes-Pasteur-Marke von 1925 hatte meiner Erinnerung nach einen Falz und einen kleinen Riss). Solche Stücke stecken in aufsteigender Qualität hinter meiner Stammsammlung. Und wenn ich auf Reisen gehe, stecke ich davon paar ein und benutze sie.
Und natürlich waren die Pasteur-Marken von 1923 (Nrn. 154 und 155) nur ein Extrembeispiel. Bis zur Einführung von doppelnominaligen Marken notiert Michel tausende Werte, die letzte Marke in FRF hat die Nr. 3400. Ich würde sagen, da ist noch jede Menge Material zwischen diesen Nummern, dass der Verwendung harrt. Ich bekomme da Reiselust.
Clemens Brandstätter hat im Thema dann auch noch Spuren hinterlassen, in dem er auf den kleinen Hinweis im Beitrag [#52] auf nicht frankaturgültige Ausgaben, umgehend eine Petain-Marke gezeigt hat. Warum dann noch ein Link zu einer politisch kontroversen Rede Petains notwendig war in einem Briefmarkenforum in einem anekdotischem Reiseblog ist für mich rätselhaft, wenn auch nicht völlig überraschend. Nun ja.
Am: 03.07.2024 21:02:49
Gelesen: 17849
# 56
Pau, Aquitanien - Frankreich, 2002: Oh Schreck - ein Blick auf den Kalender macht deutlich, dass man sich zum Brötchenverdienen wieder in der Heimat einfinden muss. Also alles gepackt und mit der Eisenbahn von Pau nach Paris, das dauert mit dem TGV nur viereinhalb Stunden.
Das war aber schwieriger als gedacht. Ich hatte Sondergepäck mit, und das durfte ich nur verpackt mit in den TGV nehmen. Woher die Verpackung nehmen? Also in die Touristeninfo und Unterstützung eingefordert. Die einzige am Ort anwesende Dame war wahnsinnig verkatert von einer Feier am Vorabend. Mit ein paar Telefonaten, war klar, dass das, was ich brauchte, ca. 8 km entfernt zu bekommen war. Taxi und los, beschafft - ab zum Bahnhof. Zug verpasst, dann stellte ich auch noch fest, den Hotelschlüssel nicht abgegeben zu haben. Also auch noch mal zum Hotel zurück.
Abfahrt 15h15, Ankunft Paris Montparnasse 20h00. Schwer bepackt mit der Metro zum Gare du Nord (wenn mit unhandlichem Gepäck: nicht nachmachen, nehmt ein Taxi). Letzter Abendzug weg. Nächster Zug 06h55 am nächsten Morgen. Gut - jetzt mal nur die Ruhe, schließlich haben wir es soweit geschafft, hatte ja ein gutes Buch mit und wollte auch noch eine Reiseendkarte schreiben (hilft um runterzukommen). Da ist sie übrigens:
Irgendwann um 01h00 (Überraschung!) macht die SNCF aber den Bahnhof zu – für ca. drei Stunden (hätte ich das gewusst, hätte ich mir ein Zimmer genommen). Also wurde ich rausgekegelt und installierte mich mit Hilfe eines Passanten (der vorgab, selten in Paris zu sein, aber dauernd Bekannte begrüßte) zusammen mit anderen Vertriebenen und allerhand bunten Gestalten der Nacht in einem Bistro ein. Da bin ich wohl mal wieder unter die Räuber geraten. Um 04h30 macht der Bahnhof wieder auf. Dann klappte aber alles - um 11h00 war ich in Köln, am Mittag zu Hause.
Meine Postkarte habe ich übrigens um vier Tage überholt (normalerweise ist die französische Post der Zeit schneller - sind ja auch nur 500 km - aber es war ein Wochenende mit Feiertag).
Da mich die französische Eisenbahn so zuverlässig transportiert hat, möchte ich sie mit drei Markenzitaten ehren
• links: ein historischer Post-Waggon, Sondermarke von 1944
• Mitte: geht ab wie Schmitz Katze - TGV, Marke von 1974 - sieben Jahre vor Einführung des Dienstes
• rechts: braucht länger, ist aber ein Hingucker: Panoramaschienenbus - aus Kleinbogen in Doppelnominale
Das war aber schwieriger als gedacht. Ich hatte Sondergepäck mit, und das durfte ich nur verpackt mit in den TGV nehmen. Woher die Verpackung nehmen? Also in die Touristeninfo und Unterstützung eingefordert. Die einzige am Ort anwesende Dame war wahnsinnig verkatert von einer Feier am Vorabend. Mit ein paar Telefonaten, war klar, dass das, was ich brauchte, ca. 8 km entfernt zu bekommen war. Taxi und los, beschafft - ab zum Bahnhof. Zug verpasst, dann stellte ich auch noch fest, den Hotelschlüssel nicht abgegeben zu haben. Also auch noch mal zum Hotel zurück.
Abfahrt 15h15, Ankunft Paris Montparnasse 20h00. Schwer bepackt mit der Metro zum Gare du Nord (wenn mit unhandlichem Gepäck: nicht nachmachen, nehmt ein Taxi). Letzter Abendzug weg. Nächster Zug 06h55 am nächsten Morgen. Gut - jetzt mal nur die Ruhe, schließlich haben wir es soweit geschafft, hatte ja ein gutes Buch mit und wollte auch noch eine Reiseendkarte schreiben (hilft um runterzukommen). Da ist sie übrigens:
Irgendwann um 01h00 (Überraschung!) macht die SNCF aber den Bahnhof zu – für ca. drei Stunden (hätte ich das gewusst, hätte ich mir ein Zimmer genommen). Also wurde ich rausgekegelt und installierte mich mit Hilfe eines Passanten (der vorgab, selten in Paris zu sein, aber dauernd Bekannte begrüßte) zusammen mit anderen Vertriebenen und allerhand bunten Gestalten der Nacht in einem Bistro ein. Da bin ich wohl mal wieder unter die Räuber geraten. Um 04h30 macht der Bahnhof wieder auf. Dann klappte aber alles - um 11h00 war ich in Köln, am Mittag zu Hause.
Meine Postkarte habe ich übrigens um vier Tage überholt (normalerweise ist die französische Post der Zeit schneller - sind ja auch nur 500 km - aber es war ein Wochenende mit Feiertag).
Da mich die französische Eisenbahn so zuverlässig transportiert hat, möchte ich sie mit drei Markenzitaten ehren
• links: ein historischer Post-Waggon, Sondermarke von 1944
• Mitte: geht ab wie Schmitz Katze - TGV, Marke von 1974 - sieben Jahre vor Einführung des Dienstes
• rechts: braucht länger, ist aber ein Hingucker: Panoramaschienenbus - aus Kleinbogen in Doppelnominale
Am: 31.07.2024 19:06:47
Gelesen: 17505
# 57
Wir schreiben das Jahr 2003 - es ist Frühling. Bündel geschnürt und los.
Nach zwölf Stunden wieder in Pau. Die Mission: Bergpässe sammeln.
Laruns, 1.200 Einwohner, in den französischen Pyrenäen gelegen - wer es ruhig braucht, ist hier richtig. In einem Gasthaus gab es eine einfache Übernachtungsmöglichkeit, was zu Essen und einen Flipper (!) - die stehen manchmal in französischen Pinten.
Und natürlich hatte Laruns seinerzeit ein „Bureau de Poste“ mit einem „tampon ronde“ - einem Rundstempel.
Zum Schmunzeln: bitte mal auf die Briefmarkenmotive achten - nicht eines passt zum Reiseziel.
Tatsächlich ist Laruns durch eine Sondermarke geehrt worden (es ist doch unglaublich, was man so alles in seiner Sammlung finden kann), es gibt dort eine Schmalspurbahn. Und im Nachbartal befindet sich der bekannte Wallfahrtsort Lourdes.
In Laruns beginnt der Aufstieg bzw. man ist auf dem halben Weg zum Col de Portalet. 1.794m immerhin ein Berg der ersten Kategorie im Radsport, also ein ziemliches Biest - da am besten tief durchatmen und langsam, aber entschlossen hochdrücken (Fahrrad) bzw. je nach Wahl des Verkehrsmittels runterdrücken / ziehen (das Gaspedal / den Gaszug).
Und damit verlassen wir Frankreich auch schon wieder. Ob ich nicht noch was Altes für Euch habe? Gut, hab ich - hier Mi-Nr. 22a von 1862 und Mi-Nr. 28a von 1867 – Napoleon der III.
Ja, der alte Kram ist für manches gut und passt ja immer. Im 19. Jahrhundert gab es halt meist nur diese einheitlichen Designs, und da war überwiegend immer das Staatsoberhaupt drauf. Und das herrscht nun einmal über die ganzen Lande. Also auch über unseren Ort in den Pyrenäen.
Natürlich sind die deshalb auch gut als Stichwortgeber, aber sind meiner Meinung kein Vergleich mit der Grafikvielfalt ab den 1930ern Jahren. Vermutlich sind die Klassiker beliebt, weil sich wenigstens deren Preise (bis jetzt!) gehalten haben.
Napoleon III (Neffe des I.) hat jedenfalls ein bewegtes Leben hinter sich, das Geschick Frankreichs (diktatorisch, das aber anfänglich demokratisch legitimiert) für über 20 Jahre bestimmt und hat viele Außenbesitzungen arrondiert. Er hat dann den Fehler gemacht, gegen die Preussen 1870 zu verlieren (das Kriegführen an sich wurde ihm also nicht vorgeworfen, gewinnen hätte er halt müssen) und wurde nach verlorener Schlacht mit Gefangennahme rasch abgesetzt.
Ich lade zum Vergleich der Zeichnungen ein (links ohne Lorbeerkranz – rechts mit). Es ist interessant zu sehen, wie die Zeichnung der rechten Marke deutlich filigraner als das Vordesign wirkt.
À bientôt!
Nach zwölf Stunden wieder in Pau. Die Mission: Bergpässe sammeln.
Laruns, 1.200 Einwohner, in den französischen Pyrenäen gelegen - wer es ruhig braucht, ist hier richtig. In einem Gasthaus gab es eine einfache Übernachtungsmöglichkeit, was zu Essen und einen Flipper (!) - die stehen manchmal in französischen Pinten.
Und natürlich hatte Laruns seinerzeit ein „Bureau de Poste“ mit einem „tampon ronde“ - einem Rundstempel.
Zum Schmunzeln: bitte mal auf die Briefmarkenmotive achten - nicht eines passt zum Reiseziel.
Tatsächlich ist Laruns durch eine Sondermarke geehrt worden (es ist doch unglaublich, was man so alles in seiner Sammlung finden kann), es gibt dort eine Schmalspurbahn. Und im Nachbartal befindet sich der bekannte Wallfahrtsort Lourdes.
In Laruns beginnt der Aufstieg bzw. man ist auf dem halben Weg zum Col de Portalet. 1.794m immerhin ein Berg der ersten Kategorie im Radsport, also ein ziemliches Biest - da am besten tief durchatmen und langsam, aber entschlossen hochdrücken (Fahrrad) bzw. je nach Wahl des Verkehrsmittels runterdrücken / ziehen (das Gaspedal / den Gaszug).
Und damit verlassen wir Frankreich auch schon wieder. Ob ich nicht noch was Altes für Euch habe? Gut, hab ich - hier Mi-Nr. 22a von 1862 und Mi-Nr. 28a von 1867 – Napoleon der III.
Ja, der alte Kram ist für manches gut und passt ja immer. Im 19. Jahrhundert gab es halt meist nur diese einheitlichen Designs, und da war überwiegend immer das Staatsoberhaupt drauf. Und das herrscht nun einmal über die ganzen Lande. Also auch über unseren Ort in den Pyrenäen.
Natürlich sind die deshalb auch gut als Stichwortgeber, aber sind meiner Meinung kein Vergleich mit der Grafikvielfalt ab den 1930ern Jahren. Vermutlich sind die Klassiker beliebt, weil sich wenigstens deren Preise (bis jetzt!) gehalten haben.
Napoleon III (Neffe des I.) hat jedenfalls ein bewegtes Leben hinter sich, das Geschick Frankreichs (diktatorisch, das aber anfänglich demokratisch legitimiert) für über 20 Jahre bestimmt und hat viele Außenbesitzungen arrondiert. Er hat dann den Fehler gemacht, gegen die Preussen 1870 zu verlieren (das Kriegführen an sich wurde ihm also nicht vorgeworfen, gewinnen hätte er halt müssen) und wurde nach verlorener Schlacht mit Gefangennahme rasch abgesetzt.
Ich lade zum Vergleich der Zeichnungen ein (links ohne Lorbeerkranz – rechts mit). Es ist interessant zu sehen, wie die Zeichnung der rechten Marke deutlich filigraner als das Vordesign wirkt.
À bientôt!
Am: 31.08.2024 09:12:00
Gelesen: 17116
# 58
Wenig überraschend, betreten wir auf der Passhöhe des Col de Portalet wieder spanischen Boden.
Für alle Leser dieses Blogs, die sich fragen, was aus dem Kleinkind-König des Beitrags [#52] geworden habe ich folgenden Hinweis:
Wahrscheinlich kennt jeder die Szenerie eines Verwandtenbesuchs mit Kindern, wenn man sich einige Zeit nicht gesehen hat. „Bist Du aber groß geworden“ ist dann ja die übliche Adresse. Wir können das hier jetzt nachempfinden.
Übrigens trifft das „groß geworden“ nur auf den Kindkönig zu, Spanien ist in der Zeit geschrumpft. 1898 haben sich die USA die pazifischen und amerikanischen Restkolonien Spaniens kriegerisch erkämpft. Die Deutschen haben übrigens auch ein paar Inseln abbekommen (Marianen und Karolinen), haben sie den Spaniern aber abgekauft (für 17 Mio. Mark).
Die Marken haben echten Freimarken- und Gebrauchsfaktor, also Millionenauflagen. Die Spanier zählen ihre Auflage. Die 10 centavos-Marke (gezeigt mit deren Rückseite) hat eine Auflage von 242 Mio., die 1 Peseten-Marke von 11 Mio. Hinsichtlich der rückseitigen Kontrollnummern teilte Buzones hier an anderer Stelle einmal im Forum mit: Grundsätzlich sind spanische Marken der Jahre 1901 bis 1931/32 (mit Ausnahme einiger Kleinstwerte zu 1 und 2 cts) immer mit einer rückseitigen Kontrollnummer, die der jeweiligen Bogennummer entspricht, versehen.
Aber lassen wir das beiseite und konzentrieren uns auf die Naturschönheiten, denn wir befinden uns im Ordesa und Monte Perdido-Nationalpark. Die höchsten Gipfel markieren die Grenze zwischen Frankreich und Spanien. Das garantiert atemberaubende Panoramen. Natürlich hat sich die spanische Post die Darstellung dieses phantastischen Ortes nicht entgehen lassen - aus der Serie Sehenswürdigkeiten (zu ESP 0,15 – ein preiswerter Kulturbotschafter würde ich sagen, nämlich zum Zeitpunkt der Ausgabe ca. DEM 0,01 oder 2002 zur Euroeinführung EUR 0,0009).
Die Nationalstraße 260a und 260 führt zuverlässig und meiner Erinnerung nach angenehm ruhig und gespickt mit beeindruckenden Ausblicken durch die Pyrenäen entlang von 3000-ern. Gibt’s es denn in solch entlegenen Gegenden Postämter? Selbstverständlich, z.B. in Ainsa, wo ich den örtlichen Posthaltern folgendes zur Beförderung übergab.
Marken gekauft in 2002 in Ribadasella und Coruna – ja, dieser Gebrauchsgegenstand Briefmarke ist schon praktisch. Man kann ihn kaufen, aufbewahren und dann verwenden, wo und wenn man ihn braucht, oder - und das gefällt mir eigentlich noch besser - wenn einem danach ist.
Für Spanien heißt das, auch den Kampf gegen Windmühlen aufzunehmen, pardon - wollte sagen gegen die dortige Labelflut. Ich denke, dass das - damals jedenfalls - gelungen ist. Der Kampf geht natürlich laufend weiter.
Wahrscheinlich kennt jeder die Szenerie eines Verwandtenbesuchs mit Kindern, wenn man sich einige Zeit nicht gesehen hat. „Bist Du aber groß geworden“ ist dann ja die übliche Adresse. Wir können das hier jetzt nachempfinden.
Übrigens trifft das „groß geworden“ nur auf den Kindkönig zu, Spanien ist in der Zeit geschrumpft. 1898 haben sich die USA die pazifischen und amerikanischen Restkolonien Spaniens kriegerisch erkämpft. Die Deutschen haben übrigens auch ein paar Inseln abbekommen (Marianen und Karolinen), haben sie den Spaniern aber abgekauft (für 17 Mio. Mark).
Die Marken haben echten Freimarken- und Gebrauchsfaktor, also Millionenauflagen. Die Spanier zählen ihre Auflage. Die 10 centavos-Marke (gezeigt mit deren Rückseite) hat eine Auflage von 242 Mio., die 1 Peseten-Marke von 11 Mio. Hinsichtlich der rückseitigen Kontrollnummern teilte Buzones hier an anderer Stelle einmal im Forum mit: Grundsätzlich sind spanische Marken der Jahre 1901 bis 1931/32 (mit Ausnahme einiger Kleinstwerte zu 1 und 2 cts) immer mit einer rückseitigen Kontrollnummer, die der jeweiligen Bogennummer entspricht, versehen.
Aber lassen wir das beiseite und konzentrieren uns auf die Naturschönheiten, denn wir befinden uns im Ordesa und Monte Perdido-Nationalpark. Die höchsten Gipfel markieren die Grenze zwischen Frankreich und Spanien. Das garantiert atemberaubende Panoramen. Natürlich hat sich die spanische Post die Darstellung dieses phantastischen Ortes nicht entgehen lassen - aus der Serie Sehenswürdigkeiten (zu ESP 0,15 – ein preiswerter Kulturbotschafter würde ich sagen, nämlich zum Zeitpunkt der Ausgabe ca. DEM 0,01 oder 2002 zur Euroeinführung EUR 0,0009).
Die Nationalstraße 260a und 260 führt zuverlässig und meiner Erinnerung nach angenehm ruhig und gespickt mit beeindruckenden Ausblicken durch die Pyrenäen entlang von 3000-ern. Gibt’s es denn in solch entlegenen Gegenden Postämter? Selbstverständlich, z.B. in Ainsa, wo ich den örtlichen Posthaltern folgendes zur Beförderung übergab.
Marken gekauft in 2002 in Ribadasella und Coruna – ja, dieser Gebrauchsgegenstand Briefmarke ist schon praktisch. Man kann ihn kaufen, aufbewahren und dann verwenden, wo und wenn man ihn braucht, oder - und das gefällt mir eigentlich noch besser - wenn einem danach ist.
Für Spanien heißt das, auch den Kampf gegen Windmühlen aufzunehmen, pardon - wollte sagen gegen die dortige Labelflut. Ich denke, dass das - damals jedenfalls - gelungen ist. Der Kampf geht natürlich laufend weiter.
Am: 06.09.2024 21:12:54
Gelesen: 16931
# 59
Hallo zusammen,
ja ich wäre ja gerne in einer Postverwaltung, am Postschalter oder so gewesen um Briefmarken zu kaufen. Hatte aber vergessen vorab mich schlau zu machen, wo es sowas noch gibt um meinen Aufenthalt dort passend zu planen. Wahrscheinlich habe ich nur ein Dorf weiter den Postschalter übersehen, aber was solls:
vor kurzem war ich in den Niederlanden, genauer Provinz Zeeland. Und ich hatte tatsächlich kaum Raum für Gedanken an unser schönes Hobby. Doch dann: per WhatsApp wurde eine Postkarte eingefordert. Da wir Blankokarten zum selber malen dabei hatten, den Bedürfissen gerecht eine gemalt. Beim Besuch des wunderschönen Städtchens Zierikzee [1] wollten wir die Karte dann aufgeben. OK 12.000 Einwohner [1], da könnte es knapp werden mit einer Post. Und ja genau so ist es. Mein Kartendienst nannte zwar eine Poststelle der PostNL, diese ist aber ein gut versteckter, nur innen hübscher Blumenladen mit ausschließlich Paketannahme (hätten wir nicht gefunden, wenn wir nicht einigen Niederländern mit Paketen gefolgt wären). Die hilfsbereite Verkäuferin erklärte uns, Briefmarken gibt es im Supermarkt.
Dort nach langem suchen (also ich hätte ja wissen können: Briefmarken, Rasierklingen, Feuerzeuge: alles eine Kategorie, gehört selbstverständlich zusammen und sicher nicht zu den Postkarten):
Also für eine Postkarte gleich 10 Marken? Die freundliche Verkäuferin im Supermarkt wusste leider auch nicht, wo ich nur eine Marke bekomme (ja gut: ich hätte ja 10 Postkarten schreiben können, hab ich noch nie geschaft, aber hätte es ja versuchen können).
Später dann in Burgh-Haamstede (etwas mehr als 4200 Einwohner [2]) zufällig wieder ein Blumenladen mit PostNL-Logo, diesmal ohne Probleme auffindbar, man könnte meinen Kundschaft soll diesen Laden finden. Die sehr freundliche Verkäuferin hatte keine Briefmarken, aber auch keine Probleme die Postkarte trotzdem zu frankieren, ein Schalterlabel kam zu Einsatz. Damit am Ende alles gut. Karte kommt bestimmt irgendwann auch noch an.
PS: der im Supermarkt befindliche Postschalter der PostNL in Oostkapelle hatte immer zu, wenn ich dort durchgekommen bin. Ob die den vergessen haben?
Also nichts mit Auge in Auge, zumindest nicht am Postschalter, Grüße
Winfried
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Zierikzee oder https://www.zeeland.com/de-de/visit/inseln/schouwen-duiveland/doerfer-und-staedte/zierikzee
[2] https://www.zeeland.com/de-de/visit/inseln/schouwen-duiveland/doerfer-und-staedte/burgh-haamstede oder https://de.wikipedia.org/wiki/Burgh-Haamstede
[3] https://oostkapelle.net/de/ oder https://de.wikipedia.org/wiki/Oostkapelle
Also für eine Postkarte gleich 10 Marken? Die freundliche Verkäuferin im Supermarkt wusste leider auch nicht, wo ich nur eine Marke bekomme (ja gut: ich hätte ja 10 Postkarten schreiben können, hab ich noch nie geschaft, aber hätte es ja versuchen können).
Später dann in Burgh-Haamstede (etwas mehr als 4200 Einwohner [2]) zufällig wieder ein Blumenladen mit PostNL-Logo, diesmal ohne Probleme auffindbar, man könnte meinen Kundschaft soll diesen Laden finden. Die sehr freundliche Verkäuferin hatte keine Briefmarken, aber auch keine Probleme die Postkarte trotzdem zu frankieren, ein Schalterlabel kam zu Einsatz. Damit am Ende alles gut. Karte kommt bestimmt irgendwann auch noch an.
PS: der im Supermarkt befindliche Postschalter der PostNL in Oostkapelle hatte immer zu, wenn ich dort durchgekommen bin. Ob die den vergessen haben?
Also nichts mit Auge in Auge, zumindest nicht am Postschalter, Grüße
Winfried
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Zierikzee oder https://www.zeeland.com/de-de/visit/inseln/schouwen-duiveland/doerfer-und-staedte/zierikzee
[2] https://www.zeeland.com/de-de/visit/inseln/schouwen-duiveland/doerfer-und-staedte/burgh-haamstede oder https://de.wikipedia.org/wiki/Burgh-Haamstede
[3] https://oostkapelle.net/de/ oder https://de.wikipedia.org/wiki/Oostkapelle
Am: 06.09.2024 21:35:52
Gelesen: 16919
# 60
Ach ja, die Niederlande ...
das ging mir Ende 2018 in Den Haag ähnlich. Da hab ich eine Post (vermutlich war es sogar ein früher mal größeres Postamt) gefunden, und ja, es war offen. Also rein, denn die Urlaubskarten wollten ja in den nächsten Tagen auch geschrieben werden.
Mein erster Blick: oh, eine Vitrine mit den neuesten Sonderausgaben, Blöcken, etc! Gut, ich an den Schalter und danach gefragt. Die nette Dame erklärte mir freundlich, gerne, wenn ich davon was wollte, könnte ich das gerne bei ihr bestellen und die Versandstelle schickt mir das dann auch nach Deutschland heim.
Hm. Naja, für die Kartengrüße hilft das nicht weiter.
Auch kein Problem, da haben wir Marken im 5-er Pack (übrigens Winfried, auch in Deinem Bild sind die Marken für "Internationaal" im 5er-Set, die 10er-Packungen sind für innerhalb der Niederlande). Meine Nachfrage: gibt's denn keine einzeln? Nö, nur Schalterdrucker. Dafür müsste ich die geschriebenen Karten aber mitbringen.
Auf meinen leicht verzweifelten Blick (denn die Karten waren ja weder geschrieben noch gekauft) hatte die Dame dann allerdings einen wirklich guten Hinweis:
Ich könnte ruhig die 5er-Packs nehmen. Da steht nur noch die Portostufe drauf, gelten für Karten oder auch für Briefe, und wenn ich mal wieder in den Niederlanden bin, kann ich die auch nach und nach in den kommenden Jahren verbrauchen - Portoerhöhung hin oder her.
Das fand ich einleuchtend, hab mich herzlich bedankt und zuhause hat man sich seitdem immer mal wieder über eine Karte gefreut, weil ich die Marken (inzwischen alle) nach und nach verklebt habe, wenn ich in den Niederlanden war.
Grüße, Andreas
Am: 30.09.2024 13:56:56
Gelesen: 16587
# 61
Nicht nur die Berge machen die Pyrenäenregion sehens- und bereisenswert, sondern auch die typische Architektur und Kunstausrichtung.
Die Gotik jedenfalls spielt in dieser, in früheren Zeiten offenbar nicht leicht erreichbaren Gegend entlang der Berge, kaum eine Rolle. Die Romanik und sogar die Vorromanik herrschen vor, sehr gut erkennbar an den Sakralbauten und wie ich finde gut zur Region passend und ganz typisch für die Pyrenäen-Südseite.
Und natürlich ist das Gebirge abwechslungsreich, auch was das Klima angeht, von 5 Grad bis 32 Grad war wieder einmal alles dabei. Zickzackförmig geht es entlang der Bergmassive, jedes einzelne ein Naturreservat. Und Übergänge nach Frankreich sind nicht sehr zahlreich. Auf dreihundert Kilometern habe ich gerade mal 3 Pässe gezählt (deswegen bin ich auch nicht über Lourdes gekommen, das wäre eine Sackgasse gewesen).
Wildtiere fühlen sich hier wohl. Allerdings haben sich die auf den nachstehenden spanischen Marken gezeigten Tiere nicht blicken lassen, weder entlang der Wege, noch am Abend auf dem Teller. Das runde ich ab mit einer weiterer Pyrenäen-Marke, die mir in meiner Sammlung noch auffiel, und die das Panorama geradezu fotografisch wiedergibt (wobei ich die Stichtiefdruckmarke aus meinem vorherigen Beitrag bevorzuge).
Etappe in La Seu d’Urgell, erstmals auf katalanischem Gebiet.
Jedenfalls, wer den Weg der Tour auf der Karte verfolgt hat, sich die Tatsache vergegenwärtigt, dass Urgell ein Straßenknotenpunkte West/Ost und Nord/Süd-ist und wer sich das Hobby unseres Reisenden in Erinnerung ruft, weiß doch genau, was als nächstes kommt. Oder?
Und natürlich ist das Gebirge abwechslungsreich, auch was das Klima angeht, von 5 Grad bis 32 Grad war wieder einmal alles dabei. Zickzackförmig geht es entlang der Bergmassive, jedes einzelne ein Naturreservat. Und Übergänge nach Frankreich sind nicht sehr zahlreich. Auf dreihundert Kilometern habe ich gerade mal 3 Pässe gezählt (deswegen bin ich auch nicht über Lourdes gekommen, das wäre eine Sackgasse gewesen).
Wildtiere fühlen sich hier wohl. Allerdings haben sich die auf den nachstehenden spanischen Marken gezeigten Tiere nicht blicken lassen, weder entlang der Wege, noch am Abend auf dem Teller. Das runde ich ab mit einer weiterer Pyrenäen-Marke, die mir in meiner Sammlung noch auffiel, und die das Panorama geradezu fotografisch wiedergibt (wobei ich die Stichtiefdruckmarke aus meinem vorherigen Beitrag bevorzuge).
Etappe in La Seu d’Urgell, erstmals auf katalanischem Gebiet.
Jedenfalls, wer den Weg der Tour auf der Karte verfolgt hat, sich die Tatsache vergegenwärtigt, dass Urgell ein Straßenknotenpunkte West/Ost und Nord/Süd-ist und wer sich das Hobby unseres Reisenden in Erinnerung ruft, weiß doch genau, was als nächstes kommt. Oder?
Am: 31.10.2024 06:40:30
Gelesen: 16283
# 62
Also, wir sind hier:
La Seu bedeutet Bischofssitz. Und der Bischof von La Seu d’Urgell ist auch nominales Staatsoberhaupt, zusammen mit dem französischen Präsidenten - natürlich nicht von Spanien oder Katalonien, sondern des Gebietes Andorra.
Andorra - da ist es, dieses exotische Stück Land. Eingeschlossen von Spanien und Frankreich, die sich offenbar nicht darauf einigen konnten, wer das Gebiet jetzt beherrschen soll. Vielleicht war das auch gar nicht wichtig, denn ich kann nicht erkennen, dass der Besitz wirtschaftlich oder militärisch hätte entscheidend sein können.
Nun, für uns Briefmarkensammler ist das aber wesentlich geworden, mit dem Beschluss (in 1928) diesen entlegenen Teil der Welt mit eigenen Briefmarken auszustatten (offenbar ging es zuvor ohne). Also wieder einmal Briefmarken für einen Zwergstaat. Als ob das nicht schlimm genug wäre, gibt es aufgrund der Co-Verwaltung Andorras auch Ausgaben von zwei Postverwaltungen, nämlich Andorra der spanischen Post und Andorra der französischen Post.
Da ich schon mal in der Gegend war, habe ich mal den Weg nach Norden genommen. Das war wegen der eigenen Briefmarken alleine schon natürlich zwingend.
Nicht ganz unwesentlich für Trophäensammler ist allerdings auch die Tatsache, dass sich in Andorra der höchste Pyrenäenpass befindet. Wer also die Pyrenäen bezwungen haben will, kommt um den Pas de la Casa nicht vorbei.
Aber langsam, jetzt geht’s erst mal mit klopfenden Herzen Richtung Grenze Spanien - Andorra. Jetzt keine Fehler machen. Blick auf den Kalender: Wochentag, keine Feiertage - gut, da müssen ja die Postämter geöffnet sein. Los geht’s.
Aber jetzt sagen wir erst einmal „Adios“ nach Spanien (es war beeindruckend, abwechslungsreich und spannend) – zum Dank eine kurze Würdigung in drei zugegebenermaßen willkürlichen Zitaten
• Links: gleichalt wie ich, hat es im Gegensatz zu mir aber geschafft, nämlich auf Briefmarken: der derzeitige König Felipe
• Mitte: Juan Carlos I: der König zu der Zeit als ich in Spanien war. Ein stattlicher Mann, das muss der Neid ihm lassen, in einem landestypischen ehrfurchtgebietenden, stolzen Porträt als Mitte / Ende Vierzigjähriger. Hier übrigens der Höchstwert zu ESP 500 = beachtliche DEM 9 repräsentierend. Ich will ihn hier nur kurz zitieren, nämlich er hat mal zu Hugo Chavez (sozialistischer Runterwirtschafter des ehemals als Schweiz Südamerikas geltenden Venezuelas, berüchtigt für endlose phrasierende Dauerreden), der mit einer Rede wieder einmal kein Ende fand, auf einem Südamerikagipfel einmal gesagt „Halt doch einfach mal die Schnauze“.
• Rechts: nochmal was Altes: Alfons der XIII – was man diesen Potentaten nicht alles zuschreibt – er soll nämlich nicht nur Förderer des Tourismus gewesen sein, sondern auch des Militarismus. Vielleicht sollte man da auch mal die Kirche im Dorf lassen, man kann einer Gesellschaft als nicht absoluter Herrscher, in der Moderne also, nicht seinen Willen aufzwingen – jedenfalls auf klassischen Marken begegnet er uns wieder – heute mal was von 1909
Wer an der Grenze ankommt, wundert sich vielleicht über den Rückstau und die auffällig intensiven Grenzkontrollen. Nach ruhigen Tagen wird es auf einmal auch turbulenter. Der Verkehr nahm unangenehm zu. Ich fragte mich, mein Gott was suchen die denn. Nun, Andorra ist bzw. war ein Geldwäsche-, Steuerhinterziehungs- und Zollparadies. Typisch Kleinstaat.
Erstmal zum Einstieg ein paar Marken. Wir sind noch nahe der spanischen Grenze, dann zeige ich mal ein paar Ausgaben der spanischen Post für Andorra. Durch die Euro-Einführung entwertet – außer Kurs gesetzt. Ich spare mir an dieser Stelle, die üblichen kritischen Bemerkungen, aber meine Zähne knirschen.
Das sind Freimarken der spanischen Post in der Zeichnung der Sehenswürdigkeiten der spanischen Post in Spanien. Sehr schön und das macht doch eigentlich Appetit auf einen Besuch. Allerdings sind die Darstellungen insoweit überromantisch, weil sich die Bevölkerung Andorras vervielfacht hat. Andorra Stadt ist nicht mehr die übersichtliche Siedlung der 3 Peseten-Marke. Aber die Panoramen sind gut getroffen und geben einen Eindruck von der beachtlichen Höhe des umliegenden Bergmassivs. So klein Andorra ist, so ist doch die vorromanische Kunst dieses über Jahrhunderte schlecht erreichbaren Landstrichs beeindruckend, wovon viele Marken Andorras Zeugnis ablegen, so auch die Madonna von Meritxell auf der 6 Peseten-Marke.
Und natürlich musste modernes Material her. Keine fünf Kilometer und ich kam in St. Julia de Loria an und dort befand sich an der Straße (wenn man den alten Teil der Straße durch die Ortschaft nimmt) eine spanische Post. Die Bremse betätigt und rein.
Keine Seltenheiten – lacht ruhig, aber die Dinger sind vor Ort gekauft, für mich absolut sensationell, wenn auch natürlich nicht reichhaltig, aber Andorra-Stadt sollte ja noch kommen.
Durch Andorra zieht sich eine Hauptverkehrsstraße und – weiß Gott – die ist dicht befahren. Anstrengend! Aber Andorra-Stadt ist schnell erreicht. Ich fand das unübersichtlich und die Suche nach den Postämtern war recht zeitintensiv (vor Mobiltelefon-Zeitalter).
Karte geschrieben und dann wollte ich das in der spanischen Post mit viel Enthusiasmus aufgegeben. Meine Stimmung wurde aber nicht erwidert, ich war denen lästig. Es gab einfach zu viel Wichtigeres für die Postler zu tun, die waren nämlich mit dem Zählen von EUR 500,00-Scheinen beschäftigt, die die anderen Kunden in großer Zahl auf den Schalter legten. Im spanischen Volksmund hatten die Scheine den Spitznamen „Bin Laden“ (weil jeder weiß, dass es die gibt – aber die im Alltag nie jemand sieht), jedenfalls in Andorra war das offenbar die bevorzugte Banknote. Ich habe gestaunt und verstanden, was die spanischen Zöllner bei der Ausreise suchten (…Schwarzgeld…).
Meine Postkarte wurde kurz handgestempelt, dann musste ich sie auf einen Haufen legen (der dann noch mal maschinengestempelt wurde, war ja klar). Marken hatte man nicht oder wollte keine rausrücken, jedenfalls sind wir nicht zusammengekommen - enttäuschend, muss ich sagen.
Auch war Andorra la Vella anstrengend. Andorra ist eng, umschlossen von hohen Gipfeln. Zum Zeitpunkt der Markeneinführung (1928 + 1931) bewohnten Andorra bis zu 6.000 Einwohner. Das Leben war hart, karg und landwirtschaftlich geprägt, daher war die Migration raus aus Andorra immer hoch. Erst 1913 wurde eine befestigte Straße nach Spanien gebaut, nach Frankreich 1933. Unglaublich.
Seitdem ist die Bevölkerung auf 77.000 angestiegen, und das merkt man dem Tal auch an. Nach der großen Freiheit und Natur, die man auf der spanischen Seite der Pyrenäen großzügig genießen kann, wird es in Andorra spürbar eng. Steile Täler und intensiver Verkehr, das macht die Luft nicht besser.
Aber jetzt besuchen wir erst einmal die französische Post, in der nächsten Folge.
La Seu bedeutet Bischofssitz. Und der Bischof von La Seu d’Urgell ist auch nominales Staatsoberhaupt, zusammen mit dem französischen Präsidenten - natürlich nicht von Spanien oder Katalonien, sondern des Gebietes Andorra.
Andorra - da ist es, dieses exotische Stück Land. Eingeschlossen von Spanien und Frankreich, die sich offenbar nicht darauf einigen konnten, wer das Gebiet jetzt beherrschen soll. Vielleicht war das auch gar nicht wichtig, denn ich kann nicht erkennen, dass der Besitz wirtschaftlich oder militärisch hätte entscheidend sein können.
Nun, für uns Briefmarkensammler ist das aber wesentlich geworden, mit dem Beschluss (in 1928) diesen entlegenen Teil der Welt mit eigenen Briefmarken auszustatten (offenbar ging es zuvor ohne). Also wieder einmal Briefmarken für einen Zwergstaat. Als ob das nicht schlimm genug wäre, gibt es aufgrund der Co-Verwaltung Andorras auch Ausgaben von zwei Postverwaltungen, nämlich Andorra der spanischen Post und Andorra der französischen Post.
Da ich schon mal in der Gegend war, habe ich mal den Weg nach Norden genommen. Das war wegen der eigenen Briefmarken alleine schon natürlich zwingend.
Nicht ganz unwesentlich für Trophäensammler ist allerdings auch die Tatsache, dass sich in Andorra der höchste Pyrenäenpass befindet. Wer also die Pyrenäen bezwungen haben will, kommt um den Pas de la Casa nicht vorbei.
Aber langsam, jetzt geht’s erst mal mit klopfenden Herzen Richtung Grenze Spanien - Andorra. Jetzt keine Fehler machen. Blick auf den Kalender: Wochentag, keine Feiertage - gut, da müssen ja die Postämter geöffnet sein. Los geht’s.
Aber jetzt sagen wir erst einmal „Adios“ nach Spanien (es war beeindruckend, abwechslungsreich und spannend) – zum Dank eine kurze Würdigung in drei zugegebenermaßen willkürlichen Zitaten
• Links: gleichalt wie ich, hat es im Gegensatz zu mir aber geschafft, nämlich auf Briefmarken: der derzeitige König Felipe
• Mitte: Juan Carlos I: der König zu der Zeit als ich in Spanien war. Ein stattlicher Mann, das muss der Neid ihm lassen, in einem landestypischen ehrfurchtgebietenden, stolzen Porträt als Mitte / Ende Vierzigjähriger. Hier übrigens der Höchstwert zu ESP 500 = beachtliche DEM 9 repräsentierend. Ich will ihn hier nur kurz zitieren, nämlich er hat mal zu Hugo Chavez (sozialistischer Runterwirtschafter des ehemals als Schweiz Südamerikas geltenden Venezuelas, berüchtigt für endlose phrasierende Dauerreden), der mit einer Rede wieder einmal kein Ende fand, auf einem Südamerikagipfel einmal gesagt „Halt doch einfach mal die Schnauze“.
• Rechts: nochmal was Altes: Alfons der XIII – was man diesen Potentaten nicht alles zuschreibt – er soll nämlich nicht nur Förderer des Tourismus gewesen sein, sondern auch des Militarismus. Vielleicht sollte man da auch mal die Kirche im Dorf lassen, man kann einer Gesellschaft als nicht absoluter Herrscher, in der Moderne also, nicht seinen Willen aufzwingen – jedenfalls auf klassischen Marken begegnet er uns wieder – heute mal was von 1909
Wer an der Grenze ankommt, wundert sich vielleicht über den Rückstau und die auffällig intensiven Grenzkontrollen. Nach ruhigen Tagen wird es auf einmal auch turbulenter. Der Verkehr nahm unangenehm zu. Ich fragte mich, mein Gott was suchen die denn. Nun, Andorra ist bzw. war ein Geldwäsche-, Steuerhinterziehungs- und Zollparadies. Typisch Kleinstaat.
Erstmal zum Einstieg ein paar Marken. Wir sind noch nahe der spanischen Grenze, dann zeige ich mal ein paar Ausgaben der spanischen Post für Andorra. Durch die Euro-Einführung entwertet – außer Kurs gesetzt. Ich spare mir an dieser Stelle, die üblichen kritischen Bemerkungen, aber meine Zähne knirschen.
Das sind Freimarken der spanischen Post in der Zeichnung der Sehenswürdigkeiten der spanischen Post in Spanien. Sehr schön und das macht doch eigentlich Appetit auf einen Besuch. Allerdings sind die Darstellungen insoweit überromantisch, weil sich die Bevölkerung Andorras vervielfacht hat. Andorra Stadt ist nicht mehr die übersichtliche Siedlung der 3 Peseten-Marke. Aber die Panoramen sind gut getroffen und geben einen Eindruck von der beachtlichen Höhe des umliegenden Bergmassivs. So klein Andorra ist, so ist doch die vorromanische Kunst dieses über Jahrhunderte schlecht erreichbaren Landstrichs beeindruckend, wovon viele Marken Andorras Zeugnis ablegen, so auch die Madonna von Meritxell auf der 6 Peseten-Marke.
Und natürlich musste modernes Material her. Keine fünf Kilometer und ich kam in St. Julia de Loria an und dort befand sich an der Straße (wenn man den alten Teil der Straße durch die Ortschaft nimmt) eine spanische Post. Die Bremse betätigt und rein.
Keine Seltenheiten – lacht ruhig, aber die Dinger sind vor Ort gekauft, für mich absolut sensationell, wenn auch natürlich nicht reichhaltig, aber Andorra-Stadt sollte ja noch kommen.
Durch Andorra zieht sich eine Hauptverkehrsstraße und – weiß Gott – die ist dicht befahren. Anstrengend! Aber Andorra-Stadt ist schnell erreicht. Ich fand das unübersichtlich und die Suche nach den Postämtern war recht zeitintensiv (vor Mobiltelefon-Zeitalter).
Karte geschrieben und dann wollte ich das in der spanischen Post mit viel Enthusiasmus aufgegeben. Meine Stimmung wurde aber nicht erwidert, ich war denen lästig. Es gab einfach zu viel Wichtigeres für die Postler zu tun, die waren nämlich mit dem Zählen von EUR 500,00-Scheinen beschäftigt, die die anderen Kunden in großer Zahl auf den Schalter legten. Im spanischen Volksmund hatten die Scheine den Spitznamen „Bin Laden“ (weil jeder weiß, dass es die gibt – aber die im Alltag nie jemand sieht), jedenfalls in Andorra war das offenbar die bevorzugte Banknote. Ich habe gestaunt und verstanden, was die spanischen Zöllner bei der Ausreise suchten (…Schwarzgeld…).
Meine Postkarte wurde kurz handgestempelt, dann musste ich sie auf einen Haufen legen (der dann noch mal maschinengestempelt wurde, war ja klar). Marken hatte man nicht oder wollte keine rausrücken, jedenfalls sind wir nicht zusammengekommen - enttäuschend, muss ich sagen.
Auch war Andorra la Vella anstrengend. Andorra ist eng, umschlossen von hohen Gipfeln. Zum Zeitpunkt der Markeneinführung (1928 + 1931) bewohnten Andorra bis zu 6.000 Einwohner. Das Leben war hart, karg und landwirtschaftlich geprägt, daher war die Migration raus aus Andorra immer hoch. Erst 1913 wurde eine befestigte Straße nach Spanien gebaut, nach Frankreich 1933. Unglaublich.
Seitdem ist die Bevölkerung auf 77.000 angestiegen, und das merkt man dem Tal auch an. Nach der großen Freiheit und Natur, die man auf der spanischen Seite der Pyrenäen großzügig genießen kann, wird es in Andorra spürbar eng. Steile Täler und intensiver Verkehr, das macht die Luft nicht besser.
Aber jetzt besuchen wir erst einmal die französische Post, in der nächsten Folge.
Am: 01.11.2024 17:49:34
Gelesen: 16164
# 63
Hallo,
Ich hatte dieses Jahr Gelegenheit eine Reise nach Taiwan zu unternehmen. Auch wenn man mit der Heimat per WhatsApp kommuniziert, gehört es für mich doch dazu, zusätzlich Postkarten zu schicken. Ein Postamt (das kann man noch wirklich so bezeichnen) zu finden war nicht schwierig, wie das Bild des Postamts in der Nähe unseres Hotels beweist (© Google 2024):
Noch bevor ich Postkarten hatte, wollte ich schon mal Briefmarken dafür kaufen. Also ging ich in das Postamt. Man muss dort eine Nummer ziehen. Wenn man sich nicht auskennt und etwas unschlüssig herumschaut, ist gleich eine hilfsbereite Person da, wie meistens in diesem Land. Man wartet dann, bis die Nummer auf dem Display steht und geht dann zum entsprechenden Schalter, der hier noch so aussieht wie bei uns vor vielen Jahren. Ich brachte mein Anliegen vor, und bekam Briefmarken zu 12 TWD. Ich war skeptisch. 12 TWD sind umgerechnet ca. 0,36 Euro. Sollte das wirklich ausreichen?
Nun ging es daran, Postkarten zu erwerben. Nur, das war nicht so einfach. Postkarten werden hier eher als Souvenirs angesehen und wohl nicht so häufig verschickt. Relativ einfach war es noch im Taipei 101, im einst höchsten Gebäude der Welt. Dort gab es ein paar wenige Ansichten des Turmes zur Auswahl. Später suchten wir aber nach weiteren Karten mit Fotos der Stadt und mussten feststellen, dass es die fast nirgendwo gibt. Erst in einem Viertel mit besonders vielen Souvenir-Geschäften wurden wir fündig. Die Postkarten waren auch deutlich teurer, als die Briefmarken. In den Souvenir-Geschäften gab es auch Briefmarken-Sätze von unterschiedlichsten Jahrgängen zu extrem überteuerten Preisen.
Nachdem die Karten geschrieben waren, ging es daran, diese dem Postweg anzuvertrauen. Bei uns gebe ich solche Sendungen gerne am Schalter ab. Also versuchte ich es auch in Taipeh. Erst war ich mir nicht sicher, ob der Schalterbeamte mein Englisch richtig verstand, zumindest selber hat er nur Chinesisch gesprochen. Offenbar wollte er meine Karten nicht annehmen, ich sollte sie wohl irgendwo einwerfen und zeigte ich Richtung des Eingangs. Ich suchte vergeblich. Da kam er hinter dem Schalter hervor, und ging mit mir nach draußen auf die Straße. Dort standen tatsächlich zwei Briefkästen, einer in rot und der andere in grün. Auf dem roten stand wohl so etwas wie Airmail. Ich war zwar unsicher, ob das jetzt richtig war, warf die Karten aber trotzdem ein. Sicherheitshalber hatte ich auch eine Karte an mich geschrieben, um zu sehen, wann und wie sie ankommt.
Ziemlich genau 20 Tage später kam die Karte an. Sauber gestempelt (wenn auch maschinell), kein Nachporto o.ä.:
Viele Grüße
Thomas
Noch bevor ich Postkarten hatte, wollte ich schon mal Briefmarken dafür kaufen. Also ging ich in das Postamt. Man muss dort eine Nummer ziehen. Wenn man sich nicht auskennt und etwas unschlüssig herumschaut, ist gleich eine hilfsbereite Person da, wie meistens in diesem Land. Man wartet dann, bis die Nummer auf dem Display steht und geht dann zum entsprechenden Schalter, der hier noch so aussieht wie bei uns vor vielen Jahren. Ich brachte mein Anliegen vor, und bekam Briefmarken zu 12 TWD. Ich war skeptisch. 12 TWD sind umgerechnet ca. 0,36 Euro. Sollte das wirklich ausreichen?
Nun ging es daran, Postkarten zu erwerben. Nur, das war nicht so einfach. Postkarten werden hier eher als Souvenirs angesehen und wohl nicht so häufig verschickt. Relativ einfach war es noch im Taipei 101, im einst höchsten Gebäude der Welt. Dort gab es ein paar wenige Ansichten des Turmes zur Auswahl. Später suchten wir aber nach weiteren Karten mit Fotos der Stadt und mussten feststellen, dass es die fast nirgendwo gibt. Erst in einem Viertel mit besonders vielen Souvenir-Geschäften wurden wir fündig. Die Postkarten waren auch deutlich teurer, als die Briefmarken. In den Souvenir-Geschäften gab es auch Briefmarken-Sätze von unterschiedlichsten Jahrgängen zu extrem überteuerten Preisen.
Nachdem die Karten geschrieben waren, ging es daran, diese dem Postweg anzuvertrauen. Bei uns gebe ich solche Sendungen gerne am Schalter ab. Also versuchte ich es auch in Taipeh. Erst war ich mir nicht sicher, ob der Schalterbeamte mein Englisch richtig verstand, zumindest selber hat er nur Chinesisch gesprochen. Offenbar wollte er meine Karten nicht annehmen, ich sollte sie wohl irgendwo einwerfen und zeigte ich Richtung des Eingangs. Ich suchte vergeblich. Da kam er hinter dem Schalter hervor, und ging mit mir nach draußen auf die Straße. Dort standen tatsächlich zwei Briefkästen, einer in rot und der andere in grün. Auf dem roten stand wohl so etwas wie Airmail. Ich war zwar unsicher, ob das jetzt richtig war, warf die Karten aber trotzdem ein. Sicherheitshalber hatte ich auch eine Karte an mich geschrieben, um zu sehen, wann und wie sie ankommt.
Ziemlich genau 20 Tage später kam die Karte an. Sauber gestempelt (wenn auch maschinell), kein Nachporto o.ä.:
Viele Grüße
Thomas
Am: 10.12.2024 21:57:12
Gelesen: 15693
# 64
Französische Post in Andorra – Stand 2023 gab es 923 Michel-Nrn.
Angefangen haben die mit Ausgaben in 1931, mit Überdrucken auf französischen Freimarken. Die Auflagen waren sehr klein, die in vielen Generalsammlungen anzutreffenden Kleinwerte, z.B. des halben centime, haben eine Auflage von lediglich 30.000 Stück.
Schon ein Jahr später gab es eine Ausgabe mit lokalen Ansichten. Bei mir entstand der Eindruck, dass man das aus Vermarktungsabsichten heraus getan hat, zumal Inlandsbriefe portofrei waren. Es soll ja Kleinstaaten geben (Liechtenstein, Monaco, San Marino) bei denen der Briefmarkenverkauf eine wichtige Einnahmequelle für die Staatskasse war.

Die französische Post in Andorra folgt französischen Regeln, und das bedeutet, dass alle Marken dauerhaft frankaturgültig sind, auch die oben gezeigten. Merveilleuse!
Aber kehren wir zurück zum Postbesuch in 2003. Auf der französischen Post in Andorra-Stadt ging alles glatt.
Hier gab’s Beute und die Karte in die Heimat wurde bilderbuchmäßig gestempelt. Mes Complimènts!

Beute

So, das wäre also geschafft, ich war ganz froh, dann Andorra Stadt verlassen zu können. Hinter dem Zentrum kommt dann eine entscheidende Weggabel. Man kann nach Norden Richtung Massina / Ordino abbiegen (was aber eine Sackgasse wäre) oder weiter nach Nordosten dem Envalira-Tal folgen.
Ich habe die Strecke als recht steil und anstrengend empfunden, aber das kann man ja heute alles online ansehen, demnach ist das eine Strecke mit durchschnittlichen Steigungen. Aber frisch war es, und die Postbesuche haben ganz schön Zeit gekostet. Da habe ich in Soldeu früh am Tag Quartier gemacht, meine Ausrüstung um ein paar Handschuhe und eine Wollmütze ergänzt (typisch Flachländler, die reisen in kurzen Hosen und Sandalen ins Hochgebirge – wirklich leichtsinnig).
Ich möchte den heutigen Bericht mit zwei Sondermarken beschließen, mit vorromanischen (5-11. Jahrhundert) Fresken, für die Andorra recht berühmt ist und die sich vielfach auf Marken Andorras abgebildet finden. Von der französischen Post großformatig gewürdigt und vermarktet. Prachtvoll und erhaben!

Kann man Post denn so frankieren? Ja, liebe Label- und Barcode-Freunde, das ist möglich - vorausgesetzt ihr habt so etwas an der Hand.
Alle französischen Ausgaben Andorras sind wie gesagt unbegrenzt frankaturgültig.
Angefangen haben die mit Ausgaben in 1931, mit Überdrucken auf französischen Freimarken. Die Auflagen waren sehr klein, die in vielen Generalsammlungen anzutreffenden Kleinwerte, z.B. des halben centime, haben eine Auflage von lediglich 30.000 Stück.
Schon ein Jahr später gab es eine Ausgabe mit lokalen Ansichten. Bei mir entstand der Eindruck, dass man das aus Vermarktungsabsichten heraus getan hat, zumal Inlandsbriefe portofrei waren. Es soll ja Kleinstaaten geben (Liechtenstein, Monaco, San Marino) bei denen der Briefmarkenverkauf eine wichtige Einnahmequelle für die Staatskasse war.

Die französische Post in Andorra folgt französischen Regeln, und das bedeutet, dass alle Marken dauerhaft frankaturgültig sind, auch die oben gezeigten. Merveilleuse!
Aber kehren wir zurück zum Postbesuch in 2003. Auf der französischen Post in Andorra-Stadt ging alles glatt.
Hier gab’s Beute und die Karte in die Heimat wurde bilderbuchmäßig gestempelt. Mes Complimènts!

Beute

So, das wäre also geschafft, ich war ganz froh, dann Andorra Stadt verlassen zu können. Hinter dem Zentrum kommt dann eine entscheidende Weggabel. Man kann nach Norden Richtung Massina / Ordino abbiegen (was aber eine Sackgasse wäre) oder weiter nach Nordosten dem Envalira-Tal folgen.
Ich habe die Strecke als recht steil und anstrengend empfunden, aber das kann man ja heute alles online ansehen, demnach ist das eine Strecke mit durchschnittlichen Steigungen. Aber frisch war es, und die Postbesuche haben ganz schön Zeit gekostet. Da habe ich in Soldeu früh am Tag Quartier gemacht, meine Ausrüstung um ein paar Handschuhe und eine Wollmütze ergänzt (typisch Flachländler, die reisen in kurzen Hosen und Sandalen ins Hochgebirge – wirklich leichtsinnig).
Ich möchte den heutigen Bericht mit zwei Sondermarken beschließen, mit vorromanischen (5-11. Jahrhundert) Fresken, für die Andorra recht berühmt ist und die sich vielfach auf Marken Andorras abgebildet finden. Von der französischen Post großformatig gewürdigt und vermarktet. Prachtvoll und erhaben!

Kann man Post denn so frankieren? Ja, liebe Label- und Barcode-Freunde, das ist möglich - vorausgesetzt ihr habt so etwas an der Hand.
Alle französischen Ausgaben Andorras sind wie gesagt unbegrenzt frankaturgültig.
Am: 31.12.2024 10:04:52
Gelesen: 15488
# 65
Der Hauptindustriezweig Andorras (neben Geldwäsche und Beihilfe zur Steuerverkürzung) ist heutzutage Tourismus, insbesondere Einkaufs- und Skitourismus. Hier Vorschläge für Aktivitäten.

Soldeu jedenfalls befindet sich auf 1.700 Metern. Ich mietete mich im brandneuen Sport-Hotel ein mit sehr komfortablen vier Sternen für unschlagbare EUR 50 incl. Halbpension. Mehrwertsteuer gab es damals in Andorra nicht. Es war wenig los Ende Mai, so hatte ich das Buffet und die Aufmerksamkeit der Köche für mich. Die hatten Lust zu zeigen, was sie können - ich hatte Appetit. Das war ein Fest, kann ich sagen.
Am Morgen bin ich noch kurz in den Ort gegangen. Dort gab es zwei Begegnungen
Erst einmal mit dem letzten katalanischen Bauern im Ort, der zwei Kühe aus dem Stall trieb. Wir tauschten auf der einen Seite neugierig, aber auch distanziert Blicke aus. Eine Konfrontation zweier Welten.
Der Bauer ging seiner Arbeit nach. Die Kühe dampften, waren massig und rochen nach Stall. Ich kann da nichts Minderwertiges erkennen, sondern das war trotz der Alltäglichkeit erhaben und warm. Das war unzweifelhaft deren Platz und Bühne. Und Landwirtschaft ist Arbeit.
Der Landwirt arbeitete und ich Industriemensch führte eine Form von „Grand Tour“ durch, reiste also zu meinem Vergnügen und ließ mich bedienen.
Ich fragte mich, ob ich das Recht habe, in die Welt des Bauern vorzudringen und sie zu verändern. Schwierig. Der Tourismus zerstört manchmal das, was er sucht, wenn das Ziel der Reise Ursprünglichkeit ist. Ich werde das verdeutlichen und der Volkskunst der Vergangenheit eine moderne Installation gegenüberstellen.

Ein kleines Postbüro der französischen Post, dass meiner Erinnerung nach vormittags geöffnet hatte, besetzt mit einer Dame, besuchte ich noch. Leider ist keine Karte von damals erhalten geblieben (unerhört, die wurden nicht abgeliefert). Auch gibt es das Postbüro gem. meiner aktuellen Recherche nicht mehr. Die Post legt offenbar auch in Andorra die Büros zusammen und verlegt sie einkaufszentrennah.
Ein Blick auf „google maps“ des heutigen Soldeu beweist, dass es ein traditionelles Dorf kaum mehr geben kann, denn es scheint nahezu vollständig aus Beherbergungsbetrieben zu bestehen.
Das alte Andorra gibt es nun einmal nicht mehr - man findet es eben nur noch auf Briefmarken (folgendes Exemplar ist Tourbeute, also vor Ort gekauft).

Aber jetzt fahren wir erst einmal auf den Pas de la Casa, lassen die neue Autostraße links liegen und nehmen den Weg um den Envalira-Tunnel herum (ebenfalls Tourbeute).

Pas de la Casa ist ein durchtechnisierter Kunstort und Steuerfrei-Einkaufen-Paradies bzw. je nach Perspektive eine Konsum-Hölle. Aber ein Büro der französischen Post gibt’s noch.
So, wird sind oben - 2.400 Meter und reihen uns in die Warteschlange beim Zoll ein. Das übliche Rattenrennen: Steuerhinterzieher-Konsumenten packen ein was geht, verstauen es schwer auffindbar und die Zöllner versuchen das dann wieder zu finden. Da müsste man eigentlich eine Show draus machen. Und Zeit lassen die sich…, wie kriegen wir die denn jetzt rum?
Wir drehen uns noch mal um:
Historische Ausgaben der französischen Post aus den Jahren 1936-1943.

Und ein paar Spanier

Ich habe in über 50 Jahren noch nie Post von dort bekommen, weder privat noch im Geschäft. Ist ein anderer Kulturkreis, daher in deutschen Sammlungen selten und wenn vorhanden über den Handel gekauft. Daher haben die vor Ort beschafften Marken eine besondere, ja kultische Bedeutung, für mich.
Übrigens, ich erinnere mich, dass bestimmte französische Postämter, die einen Philatelieschalter hatten, auch regelmäßig Marken von Andorra, SPM, Mayotte und Monaco verkauften.
Die Stichprobe eines kurzen Aufenthaltes von zwei Tagen in Andorra bestätigt mir, dass die Marken auch vor Ort kaufbar und benutzbar waren, für mich ein wichtiges qualitatives Merkmal. Meint man es ehrlich und erbringt man auch die Leistung für die man bezahlt wurde oder druckt man ausschließlich für den Export?
Mein Eindruck war, dass die insgesamt seriös handeln (aber wie jede Postverwaltung von Kleinstaaten die Hoffnung hegen werden, dass die gezahlte Leistung nie eingefordert wird).
Ergänzen möchte ich, dass ich vor meinem Besuch genau nur eine Briefmarke von Andorra in meiner Sammlung hatte (die Nr. 1 der französischen Post als typische Anfängermarke zu alten Franc 0,005). Die meisten hier gezeigten Marken stammen vom Kauf während meines Besuches. Die historischen Marken habe ich mal auf ppa-Auktion gekauft (für 4 cent das Stück, Grüße bei der Gelegenheit an den Verkäufer nageld, der auch alle Welt sammelt, wie ich). Bevor ich mal nach St. Pierre gereist bin, hatte ich mich mal mit Marken über eine Auktion versorgt, da waren auch noch Andorra-Marken dabei. Insgesamt habe ich aktuell so zwölf Seiten - überwiegend postfrisch und Ausgaben der französischen Post, für eine erneute Reise nach Andorra wäre ich also auf alle Fälle jederzeit gerüstet.
Soviel zu meinen Eindrücken vom Besuch Andorras.

Soldeu jedenfalls befindet sich auf 1.700 Metern. Ich mietete mich im brandneuen Sport-Hotel ein mit sehr komfortablen vier Sternen für unschlagbare EUR 50 incl. Halbpension. Mehrwertsteuer gab es damals in Andorra nicht. Es war wenig los Ende Mai, so hatte ich das Buffet und die Aufmerksamkeit der Köche für mich. Die hatten Lust zu zeigen, was sie können - ich hatte Appetit. Das war ein Fest, kann ich sagen.
Am Morgen bin ich noch kurz in den Ort gegangen. Dort gab es zwei Begegnungen
Erst einmal mit dem letzten katalanischen Bauern im Ort, der zwei Kühe aus dem Stall trieb. Wir tauschten auf der einen Seite neugierig, aber auch distanziert Blicke aus. Eine Konfrontation zweier Welten.
Der Bauer ging seiner Arbeit nach. Die Kühe dampften, waren massig und rochen nach Stall. Ich kann da nichts Minderwertiges erkennen, sondern das war trotz der Alltäglichkeit erhaben und warm. Das war unzweifelhaft deren Platz und Bühne. Und Landwirtschaft ist Arbeit.
Der Landwirt arbeitete und ich Industriemensch führte eine Form von „Grand Tour“ durch, reiste also zu meinem Vergnügen und ließ mich bedienen.
Ich fragte mich, ob ich das Recht habe, in die Welt des Bauern vorzudringen und sie zu verändern. Schwierig. Der Tourismus zerstört manchmal das, was er sucht, wenn das Ziel der Reise Ursprünglichkeit ist. Ich werde das verdeutlichen und der Volkskunst der Vergangenheit eine moderne Installation gegenüberstellen.

Ein kleines Postbüro der französischen Post, dass meiner Erinnerung nach vormittags geöffnet hatte, besetzt mit einer Dame, besuchte ich noch. Leider ist keine Karte von damals erhalten geblieben (unerhört, die wurden nicht abgeliefert). Auch gibt es das Postbüro gem. meiner aktuellen Recherche nicht mehr. Die Post legt offenbar auch in Andorra die Büros zusammen und verlegt sie einkaufszentrennah.
Ein Blick auf „google maps“ des heutigen Soldeu beweist, dass es ein traditionelles Dorf kaum mehr geben kann, denn es scheint nahezu vollständig aus Beherbergungsbetrieben zu bestehen.
Das alte Andorra gibt es nun einmal nicht mehr - man findet es eben nur noch auf Briefmarken (folgendes Exemplar ist Tourbeute, also vor Ort gekauft).

Aber jetzt fahren wir erst einmal auf den Pas de la Casa, lassen die neue Autostraße links liegen und nehmen den Weg um den Envalira-Tunnel herum (ebenfalls Tourbeute).

Pas de la Casa ist ein durchtechnisierter Kunstort und Steuerfrei-Einkaufen-Paradies bzw. je nach Perspektive eine Konsum-Hölle. Aber ein Büro der französischen Post gibt’s noch.
So, wird sind oben - 2.400 Meter und reihen uns in die Warteschlange beim Zoll ein. Das übliche Rattenrennen: Steuerhinterzieher-Konsumenten packen ein was geht, verstauen es schwer auffindbar und die Zöllner versuchen das dann wieder zu finden. Da müsste man eigentlich eine Show draus machen. Und Zeit lassen die sich…, wie kriegen wir die denn jetzt rum?
Wir drehen uns noch mal um:
Historische Ausgaben der französischen Post aus den Jahren 1936-1943.

Und ein paar Spanier

Ich habe in über 50 Jahren noch nie Post von dort bekommen, weder privat noch im Geschäft. Ist ein anderer Kulturkreis, daher in deutschen Sammlungen selten und wenn vorhanden über den Handel gekauft. Daher haben die vor Ort beschafften Marken eine besondere, ja kultische Bedeutung, für mich.
Übrigens, ich erinnere mich, dass bestimmte französische Postämter, die einen Philatelieschalter hatten, auch regelmäßig Marken von Andorra, SPM, Mayotte und Monaco verkauften.
Die Stichprobe eines kurzen Aufenthaltes von zwei Tagen in Andorra bestätigt mir, dass die Marken auch vor Ort kaufbar und benutzbar waren, für mich ein wichtiges qualitatives Merkmal. Meint man es ehrlich und erbringt man auch die Leistung für die man bezahlt wurde oder druckt man ausschließlich für den Export?
Mein Eindruck war, dass die insgesamt seriös handeln (aber wie jede Postverwaltung von Kleinstaaten die Hoffnung hegen werden, dass die gezahlte Leistung nie eingefordert wird).
Ergänzen möchte ich, dass ich vor meinem Besuch genau nur eine Briefmarke von Andorra in meiner Sammlung hatte (die Nr. 1 der französischen Post als typische Anfängermarke zu alten Franc 0,005). Die meisten hier gezeigten Marken stammen vom Kauf während meines Besuches. Die historischen Marken habe ich mal auf ppa-Auktion gekauft (für 4 cent das Stück, Grüße bei der Gelegenheit an den Verkäufer nageld, der auch alle Welt sammelt, wie ich). Bevor ich mal nach St. Pierre gereist bin, hatte ich mich mal mit Marken über eine Auktion versorgt, da waren auch noch Andorra-Marken dabei. Insgesamt habe ich aktuell so zwölf Seiten - überwiegend postfrisch und Ausgaben der französischen Post, für eine erneute Reise nach Andorra wäre ich also auf alle Fälle jederzeit gerüstet.
Soviel zu meinen Eindrücken vom Besuch Andorras.
Am: 31.01.2025 17:05:52
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# 66
So, über den Pass wären wir, wir sind also wieder in der Grande Nation (Frankreich über Frankreich). Ist ja auch schön da.
Hier ein paar Marken zu Ehren der Pyrenäen. Wer sich jetzt beschwert, ich hätte doch bereits im Beitrag Nr.[#61] Bären und Gemsen gezeigt, dem sage ich, dass das richtig ist, aber die jetzt abgebildeten sprechen halt Französisch.
Jetzt rollen wir erst einmal in aller Ruhe die Berge hinab und schauen während dessen auf etwas, das auffällt: Frauen, Frauen, Frauen.
Es gibt (im Gegensatz zu Deutschland - mir fallen da auf Anhieb nur die Germania und die berühmten Frauen der 1980/90er ein) eine Menge Frauen auf Freimarken, und diese nicht nur am Ende Ihrer Lebensleistung, sondern mitten im Leben stehend und auch für ihre Zeit attraktiv gezeichnet. Franzosen haben also keine Angst vor Sinnlichkeit oder davor Begehren zu wecken. Ich behaupte mal, da werden wir in den nächsten Folgen noch Beispiele sehen.
Zum Beweis greife ich erst einmal mal auf altes Material zurück, immer gut um auch diejenigen anzusprechen, die die Moderne überfordert. Eine Ceres (römische Göttin der Fruchtbarkeit) von 1870
Zur Erinnerung: der französische Kaiser hatte 1870 gespielt und verloren und wurde durch eine Republik abgelöst. Und die hat sich eben für dieses Sinnbild entschieden, bzw. sich dessen erinnert, denn es war eine bekannte Zeichnung aus Vorjahren.
Aber da sind wir auch schon nahe der Mittelmeerküste angekommen, in Perpignan (welches mittels des oben zitierten Pyrenäen-Vertrags, der ein Annektionsdokument war, als Teil des Gebietes Nordkatalonien zu Frankreich kam). Leider war mein Quartier trotz klangvollen Namens schwach (…übrigens wir haben aktuell kein heißes Wasser, sagte die Patronin, allerdings erst nachdem sie mir das Zimmer verkauft hatte und ich geduscht hatte - ich konnte das also bestätigen). Besuch der Altstadt, die seinerzeit vollkommen arabisiert zu sein schien, und am Palast des Königs von Mallorca bin ich auch noch vorbeigeschlendert.
Zeit auf die Post zu gehen, hatte ich auch noch. Größere Städte in Frankreich führen Sonderstempel, die auf Anforderung abgeschlagen werden (wenn Ihr da seid, einfach mal danach fragen - wenn Ihr mehr dazu wisst, also wo man die überall bekommt oder eine aktuelle Liste einsehen kann, bitte mal dazu berichten, ich habe da den Anschluss verloren).
Und schau an, eine Perpignan-Marke hatte ich auch noch im Gepäck. Daher konnte ich Freunde so grüßen.
Und da sehen wir auch schon ein paar Mariannes (de Luquet, Eva Luquet war die Gestalterin dieser von 1997-2005 laufenden Zeichnung) als Ergänzungswerte auf der Karte, um die erforderlichen EUR 0,46 zu erreichen.
Mariannes sind die attraktiven Berufsrevolutionärinnen aus Frankreich. Ich hatte hierzu mal in einem kleinen Beitrag in „Philatelie in der Presse“ berichtet.
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=310725
Da Briefmarkensammler irre Käuze sind, werden wahrscheinlich einige genervt mit den Augen rollen und sich die für sie hinsichtlich des ganzen Artikels wirklich einzig wichtige Frage stellen, nämlich ob das die Variante mit oder ohne Phosphorstreifen ist?
Wenn ich Euch jetzt raten würde, die Prüflampe an den Bildschirm zu halten, würdet ihr Euch vermutlich (zu Recht) vergackeiert fühlen. Auch liegt mir nicht mehr das Original vor (war nur eine temporäre Leihgabe des Empfängers).
Das hat mich gefuchst und so räsonierte ich, wie ich diesen Punkt beantworten könnte. Da riet mir mein Langzeitgedächtnis, doch mal in meine Verbrauchsbestände zu schauen (die sich als Teil meiner Sammlung jederzeit zum Einsatz in ihrem Herkunftsland bereithalten müssen, sollte die ordré dazu ergehen). Denn hatte ich nicht damals einen ganzen Bogen EUR 0,01-Marken gekauft? Davon müssten doch noch ein paar da sein. Und genau so war es, es ist die Phosphorstreifenvariante.
Jetzt rollen wir erst einmal in aller Ruhe die Berge hinab und schauen während dessen auf etwas, das auffällt: Frauen, Frauen, Frauen.
Es gibt (im Gegensatz zu Deutschland - mir fallen da auf Anhieb nur die Germania und die berühmten Frauen der 1980/90er ein) eine Menge Frauen auf Freimarken, und diese nicht nur am Ende Ihrer Lebensleistung, sondern mitten im Leben stehend und auch für ihre Zeit attraktiv gezeichnet. Franzosen haben also keine Angst vor Sinnlichkeit oder davor Begehren zu wecken. Ich behaupte mal, da werden wir in den nächsten Folgen noch Beispiele sehen.
Zum Beweis greife ich erst einmal mal auf altes Material zurück, immer gut um auch diejenigen anzusprechen, die die Moderne überfordert. Eine Ceres (römische Göttin der Fruchtbarkeit) von 1870
Und da sehen wir auch schon ein paar Mariannes (de Luquet, Eva Luquet war die Gestalterin dieser von 1997-2005 laufenden Zeichnung) als Ergänzungswerte auf der Karte, um die erforderlichen EUR 0,46 zu erreichen.
Mariannes sind die attraktiven Berufsrevolutionärinnen aus Frankreich. Ich hatte hierzu mal in einem kleinen Beitrag in „Philatelie in der Presse“ berichtet.
https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?PR=310725
Da Briefmarkensammler irre Käuze sind, werden wahrscheinlich einige genervt mit den Augen rollen und sich die für sie hinsichtlich des ganzen Artikels wirklich einzig wichtige Frage stellen, nämlich ob das die Variante mit oder ohne Phosphorstreifen ist?
Wenn ich Euch jetzt raten würde, die Prüflampe an den Bildschirm zu halten, würdet ihr Euch vermutlich (zu Recht) vergackeiert fühlen. Auch liegt mir nicht mehr das Original vor (war nur eine temporäre Leihgabe des Empfängers).
Das hat mich gefuchst und so räsonierte ich, wie ich diesen Punkt beantworten könnte. Da riet mir mein Langzeitgedächtnis, doch mal in meine Verbrauchsbestände zu schauen (die sich als Teil meiner Sammlung jederzeit zum Einsatz in ihrem Herkunftsland bereithalten müssen, sollte die ordré dazu ergehen). Denn hatte ich nicht damals einen ganzen Bogen EUR 0,01-Marken gekauft? Davon müssten doch noch ein paar da sein. Und genau so war es, es ist die Phosphorstreifenvariante.
Am: 28.02.2025 12:55:34
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# 67
Es war noch Zeit bis zum Urlaubsende, so konnte ich in aller Ruhe noch die Distanz zu meiner Wohnhöhle verkürzen. Warum sich nicht mal die Mittelmeerküste in aller Ruhe ansehen?
Und das ist ein Kontrast, denn nach den Gipfeln des Hochgebirges befindet man sich überwiegend in einer sehr flachen Region, geprägt von Salzmarschen. Es war daher nicht mal warm, mal kalt (Hochgebirge), sondern nur warm. Aber Reise sucht ja gerade diesen Kontrast und löst beim Reisenden Veränderungsnotwendigkeit aus. Gelingt das, ist das ein Zeichen für Anpassungsfähigkeit und Vitalität.
Es sind von Perpignan rund 100km bis zur Stadt Beziers, die ich auch einmal in Kindertagen mit der Familie besuchen konnte.
An einem Freitagabend kam ich an, und es war recht viel los in der Stadt. Der Abend beginnt für die Leute mit einer Runde (im Uhrzeigersinn) durch den Parque de Évèques. Sehen und Gesehenwerden! In Erinnerung blieb mir eine beeindruckende junge Frau mit Wurzeln im Kongo würde ich sagen, hochgewachsen, athletisch, selbstsicher und anmutig. So ist das in Frankreich, die Anzahl von Menschen mit Wurzeln aus dem ehemaligen Kolonialreich Frankreichs ist hoch und so unterschiedlich zum Deutschland der damaligen Zeit.
Aber wichtigeres gab es am kommenden Morgen zu tun, nämlich das nahegelegene Postamt zu besuchen (in der Nähe des Rathauses). Ich vermutete dort den örtlichen Sonderstempel. Leider war furchtbar viel Betrieb, was offenbar daran lag, dass jede Menge Rentner ihre Rente in bar abhoben. Jedenfalls musste ich recht lange warten, bis ich an die Reihe kam. Dort teilte man mir dann auf meine Frage nach dem Ortssonderstempel mit, ich sei im falschen Postamt, dies sei nicht die Hauptpost und eben dort befände sich der Sonderstempel. Noch einmal durch die Stadt und nochmal anstehen wollte ich aber nicht, deshalb habe ich meine Karten vor Ort aufgeliefert (wie schade ich das fand, könnt Ihr daran ermessen, dass ich mich an diesen Sachverhalt heute noch erinnere).
Und hatte ich nicht Mädels versprochen? Ja, habe ich – und so zeige ich heute als historisches Material die Ausgabe Frieden und Handel, auch als Typ Sage (Name des Gestalters) bekannt. Hier sehen wir zur Linken eine Frau mit Olivenzweig den Frieden repräsentierend und zur Rechten den für mich als Kaufmann wichtigen Gott, nämlich Hermes. Dies vor einer Weltkugel.
Die Freimarkenserie lief von 1876 bis 1900. Mit der Unbekleidetheit von Frau Frieden hatten die Franzosen also offenbar kein Problem.
Schön finde ich bei den Marken, dass diese auf gefärbtem Papier gedruckt wurden. Bei den Stempeln habe ich aus Anlass meines Aufenthalts bei dem 15 Centime Wert den Ort Béziers gewählt. Bei dem rechten Wert finde ich den Algier-Stempel hervorhebenswert (bis 1920 hatten die Algerier französische Marken mitbenutzt, Algerien galt als Mutterland, nicht als Kolonie)
Als Kaufmann habe ich es immer gern, wenn Geld und Waren zirkulieren und zwar um die Welt Zu der Zeit der Ausgabe konnte man seine Geschäftsbriefe mit diesem göttlichen Schutz auf den Weg geben. Das finde ich wunderbar. Gerne würde ich meine Post mit diesen Marken expediert sehen. Aber Moment, die ungebrauchten Briefmarken der Serie wären ja noch gültig, aber die Inflation macht jede nützliche Verwendung von Restbeständen unmöglich, verbietet sie aber nicht.
Gegenwartsphilatelisten können zusätzlich noch auf die Sondermarke zur Ehre des 100. Jahrestages der Ausgabe zurückgreifen.
Dann mal zur Reise
Oben: phantastisch schön gestochene Marke mit der Kathedrale von Béziers (wo die Leute wie beschrieben gerne flanieren)
Mitte: hatte ich in französischer Sprache dabei: Alexandre Dumas Graf von Monte Christo. Die Handlung kennt ja jeder, also gut zum Vokabeltrainung geeignet. Immer wieder gut zu lesen. Männer lieben halt Rachegeschichten. Die Marke von 1970 gefällt mir übrigens besser als die 2002er-Ausgabe.
Unten: Wir verlassen Béziers und fahren weiter nach Osten, die Küste entlang. Dort liegt die Stadt Agde. Als ich nach der Reise mal hier und da von den Reisewegen erzählte, erwähnte ich den Ort und merkte, dass sich die Stimmung eines Zuhörers sich sonderbar aufhellte. Das lag wohl daran – und ich musste das erst recherchieren – dass Agde für seine Nacktstrände und eine Sex-Club-Szene landesweit bekannt ist. Also ich kannte den Ort von der Karte und von der Briefmarke her. Die zeigt den Jüngling von Agde, eine im Flussbett des Herault in den 1960ern gefundene hellenistische Bronzefigur (die übrigens keinen Swinger, sondern Alexander den Großen darstellen soll). Die Figur soll wohl als Lichthalter in einer römischen Villa gedient haben.). Die Marke habe ich 1983 persönlich am Schalter in einem Frankreich-Urlaub von meinem Taschengeld gekauft, für FRF 4,00, ein für mich damals fürstlicher Betrag. Also seit 42 Jahren in meinem Besitz, von daher ist allein schon die Briefmarke fast antik. Und wer hat dieses fantastische Kunstwerk gestochen? Nun das war kein geringerer als Czeslaw Slania. Seit 1961 bis heute bringt die französische Post regelmäßig Kunstmarken in diesem Format an den Schalter, immer in hohen Wertstufen. Beachtlich, muss ich sagen!
Und hatte ich nicht Mädels versprochen? Ja, habe ich – und so zeige ich heute als historisches Material die Ausgabe Frieden und Handel, auch als Typ Sage (Name des Gestalters) bekannt. Hier sehen wir zur Linken eine Frau mit Olivenzweig den Frieden repräsentierend und zur Rechten den für mich als Kaufmann wichtigen Gott, nämlich Hermes. Dies vor einer Weltkugel.
Die Freimarkenserie lief von 1876 bis 1900. Mit der Unbekleidetheit von Frau Frieden hatten die Franzosen also offenbar kein Problem.
Schön finde ich bei den Marken, dass diese auf gefärbtem Papier gedruckt wurden. Bei den Stempeln habe ich aus Anlass meines Aufenthalts bei dem 15 Centime Wert den Ort Béziers gewählt. Bei dem rechten Wert finde ich den Algier-Stempel hervorhebenswert (bis 1920 hatten die Algerier französische Marken mitbenutzt, Algerien galt als Mutterland, nicht als Kolonie)
Als Kaufmann habe ich es immer gern, wenn Geld und Waren zirkulieren und zwar um die Welt Zu der Zeit der Ausgabe konnte man seine Geschäftsbriefe mit diesem göttlichen Schutz auf den Weg geben. Das finde ich wunderbar. Gerne würde ich meine Post mit diesen Marken expediert sehen. Aber Moment, die ungebrauchten Briefmarken der Serie wären ja noch gültig, aber die Inflation macht jede nützliche Verwendung von Restbeständen unmöglich, verbietet sie aber nicht.
Gegenwartsphilatelisten können zusätzlich noch auf die Sondermarke zur Ehre des 100. Jahrestages der Ausgabe zurückgreifen.
Dann mal zur Reise
Oben: phantastisch schön gestochene Marke mit der Kathedrale von Béziers (wo die Leute wie beschrieben gerne flanieren)
Mitte: hatte ich in französischer Sprache dabei: Alexandre Dumas Graf von Monte Christo. Die Handlung kennt ja jeder, also gut zum Vokabeltrainung geeignet. Immer wieder gut zu lesen. Männer lieben halt Rachegeschichten. Die Marke von 1970 gefällt mir übrigens besser als die 2002er-Ausgabe.
Unten: Wir verlassen Béziers und fahren weiter nach Osten, die Küste entlang. Dort liegt die Stadt Agde. Als ich nach der Reise mal hier und da von den Reisewegen erzählte, erwähnte ich den Ort und merkte, dass sich die Stimmung eines Zuhörers sich sonderbar aufhellte. Das lag wohl daran – und ich musste das erst recherchieren – dass Agde für seine Nacktstrände und eine Sex-Club-Szene landesweit bekannt ist. Also ich kannte den Ort von der Karte und von der Briefmarke her. Die zeigt den Jüngling von Agde, eine im Flussbett des Herault in den 1960ern gefundene hellenistische Bronzefigur (die übrigens keinen Swinger, sondern Alexander den Großen darstellen soll). Die Figur soll wohl als Lichthalter in einer römischen Villa gedient haben.). Die Marke habe ich 1983 persönlich am Schalter in einem Frankreich-Urlaub von meinem Taschengeld gekauft, für FRF 4,00, ein für mich damals fürstlicher Betrag. Also seit 42 Jahren in meinem Besitz, von daher ist allein schon die Briefmarke fast antik. Und wer hat dieses fantastische Kunstwerk gestochen? Nun das war kein geringerer als Czeslaw Slania. Seit 1961 bis heute bringt die französische Post regelmäßig Kunstmarken in diesem Format an den Schalter, immer in hohen Wertstufen. Beachtlich, muss ich sagen!
Am: 31.03.2025 08:32:57
Gelesen: 14313
# 68
So, weiter geht’s entlang der Küste. Dort findet man allerhand Étangs, das sind vom Meer mehr oder weniger getrennte stehende Gewässer mit langen Stränden zur Seeseite hin.
Dort muss sich der deutsche männliche Reisende auch gegen seinen einheimischen Gegenpart beweisen. Wohlmeinende mögen diese stolz finden, andere eitel. Kein Wunder, dass das Wappentier Frankreichs der Hahn ist (Marke links oben), da kann einem am Strand schon mal der Kamm schwellen, jedenfalls erinnere ich mich einen solchen Moments.
Ach ja, der deutsch-französische Gegensatz. Was sagt denn Jacques Rivière dazu (französischer Schriftsteller, geriet 1914 in vierjährige deutsche Kriegsgefangenschaft, der seine Eindrücke in seinem Werk „L’Allemand“ verarbeitete):
• Nun, Deutsche seien zwar stark und eisern, aber nicht im geringsten Liebhaber. Es fehle ihnen an Wildheit und an Sinn dafür, das Leben als Abenteuer zu begreifen.
• Bei Franzosen aber atme die Seele zu schnell, sie lägen sich voreilig fest und seien bereit zu jeder Art von Ungerechtigkeit, weil sie sich stets mit Leidenschaft und Französisch zu sein zu rechtfertigen vermögen.
Ich fand das amüsant geschrieben und teile das deswegen mal heute. Philatelistisch betrachtet ist wahr, dass Deutsche Spaßbremsen sind (Ungültigkeit von Marken in DEM, von Berlin, der DDR usw.), und Franzosen einfach mehr Vielfalt zulassen (fast alle Marken noch frankaturgültig, ich reite ja auf diesem Aspekt wirklich andauernd herum).
Aber zurück zur Geographie: man kommt am Ort La Grand Motte vorbei (tatsächlich die französische Antwort auf den Erfolg des spanischen Massentourismus, Betonbrutalismus für die Massen, aber vor kurzem noch in der Frankfurter Allgemeinen architektonisch gewürdigt, Architekt Jean Balladur). Ich hatte an dem Tag keinen Erfolg bei der Quartiersuche, aber die Touristeninformation vermittelte mir zu meinem Glück ein Zimmer in einem historischen Gasthaus im nahe gelegenen Aigues Mortes (phantastischer kleiner romantischer Festungsort) – siehe Marke rechts oben. Glück muss der Mensch haben.
Und nun geht es erst einmal durch die glutheiße Carmargue, für mich seinerzeit so heiß und lebensfeindlich, dass ich der Region wenig Schönes abgewinnen konnte. Bekannt ist die Gegend für ihre weißen Pferde, die dort seinerzeit tatsächlich auf der Weide zu finden waren. Diese wurden von Yves Brayer mit einem bekannten Gemälde geehrt, dass die Vorlage für eine Briefmarke wurde (oben Mitte).
Jetzt galt es die Rhone zu überwinden, das Rhonedelta war wie ein Hindernis und ich erkannte keine küstennahe Übergangsmöglichkeit. Vielmehr sah ich auf der Karte nur Sackgassen und Industriegebiete. So entschloss ich mich, den Fluss bei Arles zu überqueren und einen Tag im Hinterland zu verbringen. Hinter Salon en Provence bin ich Richtung Küste eingeschwenkt und in Cassis wieder aufs Meer gestoßen. Die Schönheit der Landschaft wurde von der französischen Post geehrt (Marke links unten).
Westlich von Toulon beginnt das überaus sehenswerte Department Var (Marke unten links, Kiefern und eine beachtliche Küstenlinie prägen die Region). Es wird schick, und auch ein paar nette Herbergen lagen am Wegesrand. Dabei begegnete ich einer, die durch ihre clubartige Gestaltung herausstach und an die goldenen Zeiten der 1960er erinnerte, in denen Gunter Sachs auf seinem Mammuth-Motorrad die Gegend unsicher machte.
Und das Leben ist voller Überraschungen, eine solche wiederfuhr mir in La Londe: die französische Post hatte ihr Porto um EUR 0,04 auf EUR 0,54 erhöht (so der Hinweis der charmanten Postlerin vor Ort, die mir die fehlenden EUR 0,04 abknöpfte und die nachfolgend gezeigte Karte gelungen handstempelte)
Von Rayol Canadel sandte ich noch eine Karte nach Deutschland, bevor es über eine faszinierende Strecke kurz nach St. Tropez ging. Hier empfehle ich eine Inspektion des Hafens. Spannend fand ich, dass die beeindruckenden Yachten alle Fahnen aus Steuerspardestinationen mit Union Jack-Zitaten trugen, und nicht eine trug die Trikolore am Heck.
Fehlt noch etwas? Ach ja, Frauen. Richtig, ich hab da noch etwas. Die Ausgabe Typ Blanc von 1900, das war die Zeichnung für die Kleinstwerte dieser Zeit.
Abgebildet ist eine weibliche Göttin der Freiheit, mit phyrgischer Mütze, die linke Brust unbedeckt (wie beim berühmten Bild von David mit dem Thema Sturm der Bastille). Die Waage in der rechten Hand steht für Gleichheit, die sich herzenden Putten für die Brüderlichkeit.
Mir fällt auch noch der der Spiegel in der linken Hand der Freiheit auf. Der Spiegel ist bekannt als Attribut der Göttin Aphrodite, das ist die Göttin der Liebe und der Schönheit. Auf der Marke hält Frau Freiheit ferner einen Lorbeerzweig in der linken Hand.
Typ Blanc lief bis 1932 - interessant finde ich die vielen vorzufindenden Farbunterschiede, gerne zeige ich ein Beispiel.
Soviel für heute für alle Freunde der angewandten Philatelie.
Dort muss sich der deutsche männliche Reisende auch gegen seinen einheimischen Gegenpart beweisen. Wohlmeinende mögen diese stolz finden, andere eitel. Kein Wunder, dass das Wappentier Frankreichs der Hahn ist (Marke links oben), da kann einem am Strand schon mal der Kamm schwellen, jedenfalls erinnere ich mich einen solchen Moments.
Ach ja, der deutsch-französische Gegensatz. Was sagt denn Jacques Rivière dazu (französischer Schriftsteller, geriet 1914 in vierjährige deutsche Kriegsgefangenschaft, der seine Eindrücke in seinem Werk „L’Allemand“ verarbeitete):
• Nun, Deutsche seien zwar stark und eisern, aber nicht im geringsten Liebhaber. Es fehle ihnen an Wildheit und an Sinn dafür, das Leben als Abenteuer zu begreifen.
• Bei Franzosen aber atme die Seele zu schnell, sie lägen sich voreilig fest und seien bereit zu jeder Art von Ungerechtigkeit, weil sie sich stets mit Leidenschaft und Französisch zu sein zu rechtfertigen vermögen.
Ich fand das amüsant geschrieben und teile das deswegen mal heute. Philatelistisch betrachtet ist wahr, dass Deutsche Spaßbremsen sind (Ungültigkeit von Marken in DEM, von Berlin, der DDR usw.), und Franzosen einfach mehr Vielfalt zulassen (fast alle Marken noch frankaturgültig, ich reite ja auf diesem Aspekt wirklich andauernd herum).
Aber zurück zur Geographie: man kommt am Ort La Grand Motte vorbei (tatsächlich die französische Antwort auf den Erfolg des spanischen Massentourismus, Betonbrutalismus für die Massen, aber vor kurzem noch in der Frankfurter Allgemeinen architektonisch gewürdigt, Architekt Jean Balladur). Ich hatte an dem Tag keinen Erfolg bei der Quartiersuche, aber die Touristeninformation vermittelte mir zu meinem Glück ein Zimmer in einem historischen Gasthaus im nahe gelegenen Aigues Mortes (phantastischer kleiner romantischer Festungsort) – siehe Marke rechts oben. Glück muss der Mensch haben.
Und nun geht es erst einmal durch die glutheiße Carmargue, für mich seinerzeit so heiß und lebensfeindlich, dass ich der Region wenig Schönes abgewinnen konnte. Bekannt ist die Gegend für ihre weißen Pferde, die dort seinerzeit tatsächlich auf der Weide zu finden waren. Diese wurden von Yves Brayer mit einem bekannten Gemälde geehrt, dass die Vorlage für eine Briefmarke wurde (oben Mitte).
Jetzt galt es die Rhone zu überwinden, das Rhonedelta war wie ein Hindernis und ich erkannte keine küstennahe Übergangsmöglichkeit. Vielmehr sah ich auf der Karte nur Sackgassen und Industriegebiete. So entschloss ich mich, den Fluss bei Arles zu überqueren und einen Tag im Hinterland zu verbringen. Hinter Salon en Provence bin ich Richtung Küste eingeschwenkt und in Cassis wieder aufs Meer gestoßen. Die Schönheit der Landschaft wurde von der französischen Post geehrt (Marke links unten).
Westlich von Toulon beginnt das überaus sehenswerte Department Var (Marke unten links, Kiefern und eine beachtliche Küstenlinie prägen die Region). Es wird schick, und auch ein paar nette Herbergen lagen am Wegesrand. Dabei begegnete ich einer, die durch ihre clubartige Gestaltung herausstach und an die goldenen Zeiten der 1960er erinnerte, in denen Gunter Sachs auf seinem Mammuth-Motorrad die Gegend unsicher machte.
Und das Leben ist voller Überraschungen, eine solche wiederfuhr mir in La Londe: die französische Post hatte ihr Porto um EUR 0,04 auf EUR 0,54 erhöht (so der Hinweis der charmanten Postlerin vor Ort, die mir die fehlenden EUR 0,04 abknöpfte und die nachfolgend gezeigte Karte gelungen handstempelte)
Von Rayol Canadel sandte ich noch eine Karte nach Deutschland, bevor es über eine faszinierende Strecke kurz nach St. Tropez ging. Hier empfehle ich eine Inspektion des Hafens. Spannend fand ich, dass die beeindruckenden Yachten alle Fahnen aus Steuerspardestinationen mit Union Jack-Zitaten trugen, und nicht eine trug die Trikolore am Heck.
Fehlt noch etwas? Ach ja, Frauen. Richtig, ich hab da noch etwas. Die Ausgabe Typ Blanc von 1900, das war die Zeichnung für die Kleinstwerte dieser Zeit.
Abgebildet ist eine weibliche Göttin der Freiheit, mit phyrgischer Mütze, die linke Brust unbedeckt (wie beim berühmten Bild von David mit dem Thema Sturm der Bastille). Die Waage in der rechten Hand steht für Gleichheit, die sich herzenden Putten für die Brüderlichkeit.
Mir fällt auch noch der der Spiegel in der linken Hand der Freiheit auf. Der Spiegel ist bekannt als Attribut der Göttin Aphrodite, das ist die Göttin der Liebe und der Schönheit. Auf der Marke hält Frau Freiheit ferner einen Lorbeerzweig in der linken Hand.
Typ Blanc lief bis 1932 - interessant finde ich die vielen vorzufindenden Farbunterschiede, gerne zeige ich ein Beispiel.
Soviel für heute für alle Freunde der angewandten Philatelie.
Am: 30.04.2025 07:48:36
Gelesen: 13428
# 69
Wir verlassen Var und treten in das Departement Alpes-Maritimes-Cote D’Azur ein.
Diese Region ist dichter besiedelt als die vorher besuchten, mit Cannes und Nizza weist sie auch größere Städte auf. Der Ruf der Region ist legendär als Urlaubs- und Gesellschafts-hot-spot. Werfen wir doch einen Blick auf ein paar Marken.
Wir kommen in Frejus vorbei, wo ich feststellen konnte, dass auf dem breiten Sandstrand am frühen Nachmittag ein buntes Treiben herrschte, anschließend begeben wir uns wieder entlang der hügeligen Küstenlinie, durchqueren Cannes mit dessen bekannter Strandpromenade…
…und nehmen Quartier in Antibes.
Die Halbinsel Cap Antibes ist von prachtvollen Anwesen und Villen übersäht. Es gibt eine Ringstraße und man kann der Küstenlinie folgen. Ein Hotel zu finden, war da gar nicht so einfach, denn die meisten Objekte befinden sich schlicht in Privathand und beherbergen keine Gäste. Jedenfalls hätte man in dem von mir letztlich gefundenen gut den Film „Swimmingpool“ nachspielen können.
Die Leistungsfähigkeit der französischen Post habe ich dann wieder in Nizza getestet, wo ich zielsicher die Hauptpost fand. Hier gab es nicht nur den erhofften Sonderstempel, sondern auch einen „guichet philatelique“ also einen Philatelieschalter. Hier konnte ich entspannt durchatmen und meine Postkarten mit der Bitte um saubere Entwertung aufgeben. Der Postler holte mit erfahrenem Griff den Sonderstempel hervor, stellte das aktuelle Tagesdatum ein und schritt zur Tat. Das kann schon mal dauern und ein hinter mir stehender ungeduldiger Mitkunde wurde zurechtgewiesen, dass das hier der Philatelieschalter sei und dass das jetzt Priorität habe. Mir als Sammler ging da natürlich das Herz auf, solche Gefühle kann man sich natürlich nur leisten, wenn man vorne in der Schlange steht.
Frankiert wurde mit Altbeständen aus der phantastischen Kunstserie – mit nur einem Zweck: Eindruck zu schinden (…Luxusgut Briefmarke…)
Bei der obigen Karte möchte ich einige meiner absoluten Lieblingsmotive hervorheben
• Die hochformatigen Marken bestechen durch ihre prachtvolle Ornamentik und wirken durch den Kontrast der Farben rot gegen blau. Die Marke mit dem Einhorn ist eine wundervolle Allegorie, hier werden selbst die wildesten Typen (vermutlich Männer im gesetzten Alter) durch den bezaubernden Rahmen gezähmt: beindruckende Blumenrabatte, schöne Bäume mit Früchten, mäandernde Ranken, eine prachtvoll gewandete schöne Frau, die einem (schmeichelnd oder auf das man sich selbst erkenne) den Spiegel vorhält – für die meisten männlichen Leser sind solche Szenen wahrscheinlich allabendlicher Alltag. Das Einhornmotiv sieht man übrigens sehr häufig auch im Film (z.B. Harry Potter I, das sieht man und denkt: Moment mal, das kennt du doch - Briefmarken können eben furchtbar bildend sein).
• Die mittlere Marke mit einem Ausschnitt aus den kostbaren Stunden des Herzogs von Berry zeigt ebenfalls eine echte Sehnsuchtsszene. Umgeben von schönen Frauen oder je nach Perspektive hoch gestellten Herren, geht es aufs Beste ausgestattet auf prächtigen Pferden auf einen festlichen Ausflug, auf Falkenjagd. Wer würde nicht gerne einen Tag so verbringen. Ich habe das nicht ohne zu Schmunzeln auf die Karte geklebt, denn auf der Suche nach dem perfekten Tag sind wir ja alle, insbesondere im Urlaub. Ich fürchte allerdings, der Herzog von Berry hatte ein so reiches Budget, dass heutige Normalsterbliche, die ihm nacheifern wollten, erfahren werden müssen, dass das vergebens sein wird. Und das zwanghafte Suchen nach schönen Momenten wird diese schlicht zerstören oder entwürdigen.
Und die Franzosen, die haben Nizza den Piemontesen abgeknöpft, so ehrt eine der oben gezeigten Marken das Rattachement, also die Angliederung der Grafschaft Nizza in 1860 (die zugegebenermaßen durch eine Volksabstimmung legitimiert wurde, die allerdings manipuliert worden sein soll. Die Gegend war der Preis für die französische Unterstützung im Kampf Italiens gegen Österreich um die Lombardei).
Und nun zum Blick auf die Frauen, Frankreich macht uns das durch seine Ausgabepolitik leicht. Heute die Type Mouchon von 1900, der Mittelwert der Freimarken dieser Periode.
Wieder eine Allegorie: die Republik als Frau mit phyrgischer Mütze, Lorbeerkranz, Gesetzestafel mit den Menschenrechten und ein Zepter mit der Hand des Rechts. Sie trägt einen Brustpanzer als Zeichen der Wehrhaftigkeit mit einem Löwenkopf als Sinnbild für Mut.
Der Entwurf soll beim Publikum nicht gut angekommen sein – er wurde als zu kühl und nicht schön genug angesehen. Ferner galt das Zepter als Abzeichen der Monarchie.
Das war es einstweilen aus Frankreich, die Grenze ist nah. Aber wir kehren bestimmt eines Tages wieder zurück. Und als Deutscher stelle ich zum Schluss dem Typ Mouchon eine Germania gegenüber (als Referenz an meine Heimat). Eine solche Gegenüberstellung kann man heutzutage gefahrlos anstellen, ohne übertriebene Ressentiments zu wecken, und das ist doch sehr erfreulich.
Selbstkritisch muss ich feststellen, dass die Franzosen gestalterisch mal wieder aufgrund der grafischen Vielfalt vorne liegen, dazu kommt noch die unglaubliche Tatsache, dass die heute noch frankaturgültig wären. Tolle Sonderstempel gab es und aufmerksamen, leistungsfähigen Service seitens La Poste.
Pas mal, mes chers voisins!
Wir kommen in Frejus vorbei, wo ich feststellen konnte, dass auf dem breiten Sandstrand am frühen Nachmittag ein buntes Treiben herrschte, anschließend begeben wir uns wieder entlang der hügeligen Küstenlinie, durchqueren Cannes mit dessen bekannter Strandpromenade…
…und nehmen Quartier in Antibes.
Die Halbinsel Cap Antibes ist von prachtvollen Anwesen und Villen übersäht. Es gibt eine Ringstraße und man kann der Küstenlinie folgen. Ein Hotel zu finden, war da gar nicht so einfach, denn die meisten Objekte befinden sich schlicht in Privathand und beherbergen keine Gäste. Jedenfalls hätte man in dem von mir letztlich gefundenen gut den Film „Swimmingpool“ nachspielen können.
Die Leistungsfähigkeit der französischen Post habe ich dann wieder in Nizza getestet, wo ich zielsicher die Hauptpost fand. Hier gab es nicht nur den erhofften Sonderstempel, sondern auch einen „guichet philatelique“ also einen Philatelieschalter. Hier konnte ich entspannt durchatmen und meine Postkarten mit der Bitte um saubere Entwertung aufgeben. Der Postler holte mit erfahrenem Griff den Sonderstempel hervor, stellte das aktuelle Tagesdatum ein und schritt zur Tat. Das kann schon mal dauern und ein hinter mir stehender ungeduldiger Mitkunde wurde zurechtgewiesen, dass das hier der Philatelieschalter sei und dass das jetzt Priorität habe. Mir als Sammler ging da natürlich das Herz auf, solche Gefühle kann man sich natürlich nur leisten, wenn man vorne in der Schlange steht.
Frankiert wurde mit Altbeständen aus der phantastischen Kunstserie – mit nur einem Zweck: Eindruck zu schinden (…Luxusgut Briefmarke…)
Bei der obigen Karte möchte ich einige meiner absoluten Lieblingsmotive hervorheben
• Die hochformatigen Marken bestechen durch ihre prachtvolle Ornamentik und wirken durch den Kontrast der Farben rot gegen blau. Die Marke mit dem Einhorn ist eine wundervolle Allegorie, hier werden selbst die wildesten Typen (vermutlich Männer im gesetzten Alter) durch den bezaubernden Rahmen gezähmt: beindruckende Blumenrabatte, schöne Bäume mit Früchten, mäandernde Ranken, eine prachtvoll gewandete schöne Frau, die einem (schmeichelnd oder auf das man sich selbst erkenne) den Spiegel vorhält – für die meisten männlichen Leser sind solche Szenen wahrscheinlich allabendlicher Alltag. Das Einhornmotiv sieht man übrigens sehr häufig auch im Film (z.B. Harry Potter I, das sieht man und denkt: Moment mal, das kennt du doch - Briefmarken können eben furchtbar bildend sein).
• Die mittlere Marke mit einem Ausschnitt aus den kostbaren Stunden des Herzogs von Berry zeigt ebenfalls eine echte Sehnsuchtsszene. Umgeben von schönen Frauen oder je nach Perspektive hoch gestellten Herren, geht es aufs Beste ausgestattet auf prächtigen Pferden auf einen festlichen Ausflug, auf Falkenjagd. Wer würde nicht gerne einen Tag so verbringen. Ich habe das nicht ohne zu Schmunzeln auf die Karte geklebt, denn auf der Suche nach dem perfekten Tag sind wir ja alle, insbesondere im Urlaub. Ich fürchte allerdings, der Herzog von Berry hatte ein so reiches Budget, dass heutige Normalsterbliche, die ihm nacheifern wollten, erfahren werden müssen, dass das vergebens sein wird. Und das zwanghafte Suchen nach schönen Momenten wird diese schlicht zerstören oder entwürdigen.
Und die Franzosen, die haben Nizza den Piemontesen abgeknöpft, so ehrt eine der oben gezeigten Marken das Rattachement, also die Angliederung der Grafschaft Nizza in 1860 (die zugegebenermaßen durch eine Volksabstimmung legitimiert wurde, die allerdings manipuliert worden sein soll. Die Gegend war der Preis für die französische Unterstützung im Kampf Italiens gegen Österreich um die Lombardei).
Und nun zum Blick auf die Frauen, Frankreich macht uns das durch seine Ausgabepolitik leicht. Heute die Type Mouchon von 1900, der Mittelwert der Freimarken dieser Periode.
Wieder eine Allegorie: die Republik als Frau mit phyrgischer Mütze, Lorbeerkranz, Gesetzestafel mit den Menschenrechten und ein Zepter mit der Hand des Rechts. Sie trägt einen Brustpanzer als Zeichen der Wehrhaftigkeit mit einem Löwenkopf als Sinnbild für Mut.
Der Entwurf soll beim Publikum nicht gut angekommen sein – er wurde als zu kühl und nicht schön genug angesehen. Ferner galt das Zepter als Abzeichen der Monarchie.
Das war es einstweilen aus Frankreich, die Grenze ist nah. Aber wir kehren bestimmt eines Tages wieder zurück. Und als Deutscher stelle ich zum Schluss dem Typ Mouchon eine Germania gegenüber (als Referenz an meine Heimat). Eine solche Gegenüberstellung kann man heutzutage gefahrlos anstellen, ohne übertriebene Ressentiments zu wecken, und das ist doch sehr erfreulich.
Selbstkritisch muss ich feststellen, dass die Franzosen gestalterisch mal wieder aufgrund der grafischen Vielfalt vorne liegen, dazu kommt noch die unglaubliche Tatsache, dass die heute noch frankaturgültig wären. Tolle Sonderstempel gab es und aufmerksamen, leistungsfähigen Service seitens La Poste.
Pas mal, mes chers voisins!
Am: 02.05.2025 18:36:29
Gelesen: 13304
# 70
Hallo zusammen,
ein schwarzer Stempel aus Juist mit falsch eingestelltem Datum, zu dem ich euch die Entstehungsgeschichte erzählen möchte.
Nach Ostern waren meine Frau und ich für vier Tage auf Juist. Wir wollten unserem Sohn eine Ansichtskarte schicken und sind deshalb in die örtliche Postfiliale gegangen. Diese befindet sich im Elektrogeschäft Abel und ist täglich für 2 Stunden (von 9.00 bis 11.00 Uhr) geöffnet. Ich konnte allerdings nur einen 10er-Bogen Marken zu 95 Cent kaufen.
Der Bitte, die Postkarte mit einem Ortsstempel zu entwerten, kam der Herr leider nicht nach. Er erklärte mir, dass grundsätzlich nur Großbriefe einen Ortsstempel bekommen – Standardbriefe und Postkarten nicht. Zur Verdeutlichung zeigte er dabei etwa die Größe eine DIN A4-Umschlages.
Beim Abendessen im Restaurant stand mein Getränk auf diesem Bierdeckel:
Ich erinnerte mich an die Postfiliale und beschloss sofort, diesen „Großbrief“ aufzugeben. Zur Information: Ein Standardbrief bzw. eine Postkarte hat ein Mindestmaß von 14 x 9 cm. Bei einem Großbrief gilt ein Mindestmaß von 10 x 7 cm. Wie ich gerade feststellen musste, erfüllt der Bierdeckel von 9,3 x 9,3 cm diese Bedingung doch nicht.
Am Samstag (25.04.2025) war ich dann wieder in der Postfiliale. Ich sprach den netten Herren an und fragte „Sie Stempeln doch nur Großbriefe mit dem Ortsstempel“. Nachdem er das bestätigt hatte, zog ich den Bierdeckel aus der Tasche und bat ihn, diesen „Großbrief“ mit dem Ortsstempel abzustempeln. Ein trockenes „jau“ war die Antwort. Er drehte sich um und stempelte den Bierdeckel. Heute (02.05.2025) kam der „Großbrief“ bei mir an.
Leider ist der Stempel nicht so, wie ich es mir gewünscht habe – aber immerhin ich habe einen Ortsstempel aus Juist. Zusätzlich habe ich inzwischen bemerkt, dass noch zwei Besonderheiten zu erwähnen sind:
1) Der Stempel vom 25.04.2025 wurde immer noch in schwarz abgeschlagen.
2) Das Stempeldatum ist schlecht lesbar aber eindeutig falsch eingestellt. Die erste Ziffer ist eindeutig eine "1". Das eingestellte Datum könnte 10, 16 oder 18 sein.
Mein Großbrief ist übrigens um 10 Cent überfrankiert, aber ich hatte keine Lust auch noch einen 10er-Bogen von 180 Cent-Marken zu kaufen. Von den 95 Cent-Marken hatte ich ja noch 9 Stück übrig.
Soweit mein „Abenteuer auf der Reise – Auge in Auge mit der örtlichen Postverwaltung“
Viele Grüße
Volkmar
Ich erinnerte mich an die Postfiliale und beschloss sofort, diesen „Großbrief“ aufzugeben. Zur Information: Ein Standardbrief bzw. eine Postkarte hat ein Mindestmaß von 14 x 9 cm. Bei einem Großbrief gilt ein Mindestmaß von 10 x 7 cm. Wie ich gerade feststellen musste, erfüllt der Bierdeckel von 9,3 x 9,3 cm diese Bedingung doch nicht.
Am Samstag (25.04.2025) war ich dann wieder in der Postfiliale. Ich sprach den netten Herren an und fragte „Sie Stempeln doch nur Großbriefe mit dem Ortsstempel“. Nachdem er das bestätigt hatte, zog ich den Bierdeckel aus der Tasche und bat ihn, diesen „Großbrief“ mit dem Ortsstempel abzustempeln. Ein trockenes „jau“ war die Antwort. Er drehte sich um und stempelte den Bierdeckel. Heute (02.05.2025) kam der „Großbrief“ bei mir an.
Leider ist der Stempel nicht so, wie ich es mir gewünscht habe – aber immerhin ich habe einen Ortsstempel aus Juist. Zusätzlich habe ich inzwischen bemerkt, dass noch zwei Besonderheiten zu erwähnen sind:
1) Der Stempel vom 25.04.2025 wurde immer noch in schwarz abgeschlagen.
2) Das Stempeldatum ist schlecht lesbar aber eindeutig falsch eingestellt. Die erste Ziffer ist eindeutig eine "1". Das eingestellte Datum könnte 10, 16 oder 18 sein.
Mein Großbrief ist übrigens um 10 Cent überfrankiert, aber ich hatte keine Lust auch noch einen 10er-Bogen von 180 Cent-Marken zu kaufen. Von den 95 Cent-Marken hatte ich ja noch 9 Stück übrig.
Soweit mein „Abenteuer auf der Reise – Auge in Auge mit der örtlichen Postverwaltung“
Viele Grüße
Volkmar
Am: 31.05.2025 00:13:53
Gelesen: 12527
# 71
Euch langweilt Frankreich mittlerweile? Dann machen wir doch einen Abstecher - nach Monaco!
Dieses Mikro-Fürstentum (2 km²) gibt eigene Briefmarken aus, und deren Verkauf soll einmal eine wesentliche Einnahmequelle für das Gebiet gewesen sein, zumal sich Monaco oft in Geldnot befunden haben soll.
Da bin ich natürlich reingefahren. Jetzt zeige ich Euch erstmal, was ich nach Hause geschickt habe.
Ihr seht nichts?
Ja, das ist tragisch - diese Karte ist leider verloren gegangen, sie gehört zu den wenigen Stücken, die ich heimgesandt und nie wieder gesehen habe. Ihr könnt mir glauben, ich habe gelitten (und tue das bis heute).
Also alles nur ausgedacht, ich war gar nicht in Monaco? Aber erst einmal von vorn. Ich bin allerdings mit Monaco etwas auf Kriegsfuß. Wenn ich mal da bin, verirre ich mich immer. Der Felsen ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse, überall sind Tunnel, Sackgassen, Einbahnstraßen, Treppen. Und ist man gerade mal drin, schon ist man wieder draußen. Ein Mordsverkehr, man ist da besser mit dem (natürlich motorisierten) Zweirad unterwegs, die auch sehr verbreitet sind. Allerhand Ferraris fahren da natürlich auch herum.
Endlich hatte ich einen Kiosk (am Hafen) gefunden und großformatige Postkarten erstehen können.
Dann ging es auf die Suche nach einer Post, und ich bin im Stadtteil Monte-Carlo fündig geworden. Die Post war seinerzeit in der Av. Henry Dunant, gar nicht weit weg vom Casino, links neben dem Hotel Hermitage (heute in die dahinterliegende Straße Av. De l’Hermitage verzogen, aber einen Briefkasten kann man dort an Ort und Stelle noch sehen, zeigt mit google street view). Hier zur Orientierung eine Ansicht von Monte-Carlo.
Also, das Briefmarkenalbum aus dem Gepäck gekramt, die Post gestürmt und am Schalter ein paar Marken gekauft.
Wir sehen „Usages Courants en Euro“ also Euro-nominierte Freimarken mit mediterraner Flora und Fauna, im Stichtiefdruck. Denn die brauchte ich. Natürlich befanden sich im Album allerhand doppelte Kleinstwerte aus meiner Sammlung und die wollte ich selbstverständlich ihrer Bestimmung zuführen (drückt mir ein paar postfrische Marken in die Hand, und ich fahr da hin und benutz die).
Während ich die Karten schreibe, können wir einen Blick auf typische kleinnominalige monegassische Marken werfen. Ein Blick in den Katalog gibt Aufschluss: die monegassische Post hat stets Kleinnominalen in Millionenauflage hergestellt und diese postfrisch an Sammler verkauft. Solche Marken sind überall in Anfängersammlungen zu finden. In der Hochzeit der Briefmarkensammelei waren das zum Beispiel Marken für alte Francs 1,00 oder FRF 0,01 mit Auflagen von bis zu 14.000.000, wohingegen Nominalen, die echten Nutzen für den Postverkehr hatten, Auflagen von lediglich ca. 200-300.000 aufweisen. Ich zeige als Beispiel die Ausgabe Staatswappen von 1937 zu alten Francs 0,01 (Auflage 2,8 Mio.) und 0,05 (Auflage 1,5 Mio.).
Die monegassische Post folgt französischem Beispiel, also sind alle Marken (auch die gezeigten) noch frankaturgültig.
Für alle Freunde von Zahlenspielen: alte Francs 0,01 sind der 656. Teil eines Euro-Cent. Eine Postkarte nach Deutschland würde aktuell EUR 2,10 kosten. Man bräuchte 137.571 Stück der Freimarke zu alten Francs 0,01 um dahinzukommen, ich sehe da schwarz für das Adressfeld. Die Gesamtauflage der Marke würde heute nur noch für 20 Briefe / Postkarten reichen.
Aber jetzt sind die Postkarten fertig und wir geben sie auf. Also am Schalter angestellt und in aller Ruhe dem Betrieb vor mir beobachtet. Hier wiederholten sich die Muster, die ich schon in Andorra gesehen hatte: jede Menge Leute, die große lila- und gelbfarbene Geldbündel (zur Erinnerung: lila ist die Farbe des EUR 500,00-Scheins, gelb die des EUR 200,00-Scheins) einzahlten. Und dies zu einer Zeit, wo im kleinbürgerlichen Deutschland die üblicherweise anzutreffende größte Banknote der braune EUR 50,00er war (mehr konnte z.B. mein Volksbank-Geldautomaten damals nicht). So, ich war dran - mit Kleinsttransaktionen (zwei Postkarten à EUR 0,60).
Tja, die Postkarte mit allerhand Princessin Grace-Marken darauf ist verlorengegangen, aber ein langjähriger Wegbegleiter von mir, konnte mir tatsächlich folgendes von mir aufgegebene Stück zur Verfügung stellen:
Gesamtporto EUR 0,60
• Fahnenbarsch Mi-Nr. 2577 von 2002 zu EUR 0,20
• Thunbergia Mi-Nr. 2575 von 2002 zu EUR 0,05
• Porzellanschnecke Mi-Nr. 2574 von 2002 zu EUR 0,02
• Olympische Spiele Rom Mi-Nr. 630 von 1960 zu FRF 0,10 Auflage 330.030
• Vogel Schafstelze Mi-Nr. 700 von 1962 zu FRF 0,05 Auflage 396.576
• Fernmeldeunion, Satellit Mi-Nr. 798 von 1965 zu FRF 0,05 Auflage 1.203.710
• Olympische Spiele Tokio Mi-Nr. 784 von 1960 zu FRF 0,01 Auflage 9.368.335
Ich wollte auch noch einzelne Kleinstwerte abstempeln lassen, aber das hat die mitdreißigjährige, in keiner Weise beeindruckbare Postlerin abgelehnt.
Ich sollte mich doch dafür an eine Dame am Eingang wenden. Und das war eine Abgesandte des „O.E.T.P“, also des Office des Émissions de Timbres-Poste (auch im Netz unter
http://www.oetp-monaco.com
zu finden), und die nahm die gewünschten Stempelungen vor - allerdings klar philatelistische Entwertungen. Macht nichts, für mich die übliche Sensation - das Datum des Besuches wird mir daher auch hier bei jeder Durchsicht der Sammlung in Erinnerung gerufen.
Die rechte Marke zu FRF 0,01 hat eine Auflage von 8,4 Mio.
Mit ihren Millionenauflagen und gefälligen Motivausgaben weist Monaco natürlich alle Merkmale eines philatelistischen Raubstaates auf. Die Druckqualität ist aber hochwertig und eine Verwendung aller dieser Ausgaben möglich. Ich finde das fair.
Wenn ihr Euch also sammlungs- oder reisetechnisch auf den Weg nach Monaco machen wolltet, wer sollte Euch da aufhalten?
Dieses Mikro-Fürstentum (2 km²) gibt eigene Briefmarken aus, und deren Verkauf soll einmal eine wesentliche Einnahmequelle für das Gebiet gewesen sein, zumal sich Monaco oft in Geldnot befunden haben soll.
Da bin ich natürlich reingefahren. Jetzt zeige ich Euch erstmal, was ich nach Hause geschickt habe.
Ihr seht nichts?
Ja, das ist tragisch - diese Karte ist leider verloren gegangen, sie gehört zu den wenigen Stücken, die ich heimgesandt und nie wieder gesehen habe. Ihr könnt mir glauben, ich habe gelitten (und tue das bis heute).
Also alles nur ausgedacht, ich war gar nicht in Monaco? Aber erst einmal von vorn. Ich bin allerdings mit Monaco etwas auf Kriegsfuß. Wenn ich mal da bin, verirre ich mich immer. Der Felsen ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse, überall sind Tunnel, Sackgassen, Einbahnstraßen, Treppen. Und ist man gerade mal drin, schon ist man wieder draußen. Ein Mordsverkehr, man ist da besser mit dem (natürlich motorisierten) Zweirad unterwegs, die auch sehr verbreitet sind. Allerhand Ferraris fahren da natürlich auch herum.
Endlich hatte ich einen Kiosk (am Hafen) gefunden und großformatige Postkarten erstehen können.
Dann ging es auf die Suche nach einer Post, und ich bin im Stadtteil Monte-Carlo fündig geworden. Die Post war seinerzeit in der Av. Henry Dunant, gar nicht weit weg vom Casino, links neben dem Hotel Hermitage (heute in die dahinterliegende Straße Av. De l’Hermitage verzogen, aber einen Briefkasten kann man dort an Ort und Stelle noch sehen, zeigt mit google street view). Hier zur Orientierung eine Ansicht von Monte-Carlo.
Also, das Briefmarkenalbum aus dem Gepäck gekramt, die Post gestürmt und am Schalter ein paar Marken gekauft.
Wir sehen „Usages Courants en Euro“ also Euro-nominierte Freimarken mit mediterraner Flora und Fauna, im Stichtiefdruck. Denn die brauchte ich. Natürlich befanden sich im Album allerhand doppelte Kleinstwerte aus meiner Sammlung und die wollte ich selbstverständlich ihrer Bestimmung zuführen (drückt mir ein paar postfrische Marken in die Hand, und ich fahr da hin und benutz die).
Während ich die Karten schreibe, können wir einen Blick auf typische kleinnominalige monegassische Marken werfen. Ein Blick in den Katalog gibt Aufschluss: die monegassische Post hat stets Kleinnominalen in Millionenauflage hergestellt und diese postfrisch an Sammler verkauft. Solche Marken sind überall in Anfängersammlungen zu finden. In der Hochzeit der Briefmarkensammelei waren das zum Beispiel Marken für alte Francs 1,00 oder FRF 0,01 mit Auflagen von bis zu 14.000.000, wohingegen Nominalen, die echten Nutzen für den Postverkehr hatten, Auflagen von lediglich ca. 200-300.000 aufweisen. Ich zeige als Beispiel die Ausgabe Staatswappen von 1937 zu alten Francs 0,01 (Auflage 2,8 Mio.) und 0,05 (Auflage 1,5 Mio.).
Die monegassische Post folgt französischem Beispiel, also sind alle Marken (auch die gezeigten) noch frankaturgültig.
Für alle Freunde von Zahlenspielen: alte Francs 0,01 sind der 656. Teil eines Euro-Cent. Eine Postkarte nach Deutschland würde aktuell EUR 2,10 kosten. Man bräuchte 137.571 Stück der Freimarke zu alten Francs 0,01 um dahinzukommen, ich sehe da schwarz für das Adressfeld. Die Gesamtauflage der Marke würde heute nur noch für 20 Briefe / Postkarten reichen.
Aber jetzt sind die Postkarten fertig und wir geben sie auf. Also am Schalter angestellt und in aller Ruhe dem Betrieb vor mir beobachtet. Hier wiederholten sich die Muster, die ich schon in Andorra gesehen hatte: jede Menge Leute, die große lila- und gelbfarbene Geldbündel (zur Erinnerung: lila ist die Farbe des EUR 500,00-Scheins, gelb die des EUR 200,00-Scheins) einzahlten. Und dies zu einer Zeit, wo im kleinbürgerlichen Deutschland die üblicherweise anzutreffende größte Banknote der braune EUR 50,00er war (mehr konnte z.B. mein Volksbank-Geldautomaten damals nicht). So, ich war dran - mit Kleinsttransaktionen (zwei Postkarten à EUR 0,60).
Tja, die Postkarte mit allerhand Princessin Grace-Marken darauf ist verlorengegangen, aber ein langjähriger Wegbegleiter von mir, konnte mir tatsächlich folgendes von mir aufgegebene Stück zur Verfügung stellen:
Gesamtporto EUR 0,60
• Fahnenbarsch Mi-Nr. 2577 von 2002 zu EUR 0,20
• Thunbergia Mi-Nr. 2575 von 2002 zu EUR 0,05
• Porzellanschnecke Mi-Nr. 2574 von 2002 zu EUR 0,02
• Olympische Spiele Rom Mi-Nr. 630 von 1960 zu FRF 0,10 Auflage 330.030
• Vogel Schafstelze Mi-Nr. 700 von 1962 zu FRF 0,05 Auflage 396.576
• Fernmeldeunion, Satellit Mi-Nr. 798 von 1965 zu FRF 0,05 Auflage 1.203.710
• Olympische Spiele Tokio Mi-Nr. 784 von 1960 zu FRF 0,01 Auflage 9.368.335
Ich wollte auch noch einzelne Kleinstwerte abstempeln lassen, aber das hat die mitdreißigjährige, in keiner Weise beeindruckbare Postlerin abgelehnt.
Ich sollte mich doch dafür an eine Dame am Eingang wenden. Und das war eine Abgesandte des „O.E.T.P“, also des Office des Émissions de Timbres-Poste (auch im Netz unter
http://www.oetp-monaco.com
zu finden), und die nahm die gewünschten Stempelungen vor - allerdings klar philatelistische Entwertungen. Macht nichts, für mich die übliche Sensation - das Datum des Besuches wird mir daher auch hier bei jeder Durchsicht der Sammlung in Erinnerung gerufen.
Die rechte Marke zu FRF 0,01 hat eine Auflage von 8,4 Mio.
Mit ihren Millionenauflagen und gefälligen Motivausgaben weist Monaco natürlich alle Merkmale eines philatelistischen Raubstaates auf. Die Druckqualität ist aber hochwertig und eine Verwendung aller dieser Ausgaben möglich. Ich finde das fair.
Wenn ihr Euch also sammlungs- oder reisetechnisch auf den Weg nach Monaco machen wolltet, wer sollte Euch da aufhalten?
Am: 30.06.2025 13:26:40
Gelesen: 11696
# 72
Nur wenige Kilometer östlich haben wir dann auch schon das nächste Markenland: Italien.
Ist stimme mal mit Blicken auf die ikonische Italia mit der Mauerkrone ein - denn an die denke ich sofort, wenn mir italienische Poststücke in Erinnerung kommen (gültig bis 03.01.1988 - da nahmen wohl die Fälschungen so überhand, dass die Serie außer Kurs gesetzt wurde - ungewöhnlich, wo doch sonst alle Marken seit 1967 unbegrenzt frankaturgültig sind). Jedenfalls nehme ich an, beim Leser stellt sich ein Wiedererkennungswert ein.
Wir überqueren also die Grenze und ich nahm einen Kulturwechsel war: die Natur war weniger mit der Nagelschere eingehegt und das Preisniveau sank umgehend um mind. 20%.
Nach einer Übernachtung im schönen Bordighera, wo ich in eine recht beeindruckende Herberge voller bildungshungriger und italienliebender nordeuropäischer Touristen geraten bin und erstmals den wirklich wundervollen Duft blühender Zitronenbäume wahrnehmen konnte, ging es über die recht enge Küstenstraße nach Savona. Der Auftrag: Plünderung der Post.
Und das hat sich gelohnt. Angestellt und einer netten Postlerin mein Anliegen vorgetragen. Die Belohnung: Die hat das Lagerbuch herausgeholt und mir alles gezeigt was da war. Ca. 50 verschiedene Marken aus den Jahren 2000-2003 habe ich herausgesucht + vier Blöcke (denn Italien hat mir gefallen und die italienische Post ist souverän mit der Euroeinführung umgegangen, in dem sie die Gültigkeit der ITL-nominierten Briefmarken nicht angetastet hat). Das hat ca. 20 Minuten gedauert, ein Typ hinter mir war genervt und wurde von der Postlerin erst einmal zurechtgewiesen (hat mir dann natürlich doppelt Spaß gemacht, ohne dass ich das künstlich in die Länge gezogen hätte).
Hier ein Geschmacksmuster aus der Beute
Diese Marke, die ein Großseglertreffen in der nahen Grenzstadt Imperia ehrt, hat mir sehr gut gefallen.
Auch hervorhebenswert die großformatigen Ausgaben der Serie künstlerisches und kulturelles Erbe in Italien.
Einfach herrlich, Briefmarkensammeln und -jagen macht halt Spaß.
Post habe ich auch noch aufgegeben. Nachfolgend zwei Kärtchen mit Aufbrauch.
Jetzt aber - Blick auf den Kalender - langsam mal nach Hause. Neuer Kurs: Nord, also noch zwei Tage durch die Po-Ebene Richtung Deutschland.
Für Italien zum Schluss noch - für alle Gestrigen für die nach 1900 oder 1945 oder wann auch immer die gute Briefmarkenzeit endet - ein Blick auf ein paar Knochen:
• Links: eine Mi. Nr. 19 ITL 0,30 Viktor Emanuell II von 1863
• Mitte: eine Mi-Nr. 24 ITL 0,02 von 1865
• Rechts: eine Mi-Nr. 26b ITL 0,20 Viktor Emanuell II von 1867
Aus unruhiger Zeit, die des Risorgiomento, wo aus verschiedenen lokalen Territorialmächten das heutige vereinte Italien entstand. Ein Höhepunkt war die Gelegenheit dem geschwächten Österreich-Ungarn (mit Unterstützung durch Frankreich und 1866 sogar Preußens, die zeitgleich ihre Interessen gegenüber Österreich mit militärischer Gewalt durchsetzten) 1860 die Lombardei und 1866 Venetien abzuknöpfen.
Und das mag für Deutsche hart zu schlucken sein (wir sitzen ja ganz gerne auf dem hohen Roß): jawohl, die Italiener haben ihre Währung von 1862 bis zur Euroeinführung gehalten (zugegeben, auch von schlauer Abwertungspolitik begleitet). Deutschland hat das nicht geschafft.
Na, kennen wir jetzt „…das Land wo die Zitronen blühen…“ (Goethe)?
Natürlich nicht und wir kehren deshalb sicher eines Tages dahin zurück. Aber festhalten möchte ich schon mal: es ist schön da! Auch im Briefmarkenalbum.
Ciao!
Wir überqueren also die Grenze und ich nahm einen Kulturwechsel war: die Natur war weniger mit der Nagelschere eingehegt und das Preisniveau sank umgehend um mind. 20%.
Nach einer Übernachtung im schönen Bordighera, wo ich in eine recht beeindruckende Herberge voller bildungshungriger und italienliebender nordeuropäischer Touristen geraten bin und erstmals den wirklich wundervollen Duft blühender Zitronenbäume wahrnehmen konnte, ging es über die recht enge Küstenstraße nach Savona. Der Auftrag: Plünderung der Post.
Und das hat sich gelohnt. Angestellt und einer netten Postlerin mein Anliegen vorgetragen. Die Belohnung: Die hat das Lagerbuch herausgeholt und mir alles gezeigt was da war. Ca. 50 verschiedene Marken aus den Jahren 2000-2003 habe ich herausgesucht + vier Blöcke (denn Italien hat mir gefallen und die italienische Post ist souverän mit der Euroeinführung umgegangen, in dem sie die Gültigkeit der ITL-nominierten Briefmarken nicht angetastet hat). Das hat ca. 20 Minuten gedauert, ein Typ hinter mir war genervt und wurde von der Postlerin erst einmal zurechtgewiesen (hat mir dann natürlich doppelt Spaß gemacht, ohne dass ich das künstlich in die Länge gezogen hätte).
Hier ein Geschmacksmuster aus der Beute
Diese Marke, die ein Großseglertreffen in der nahen Grenzstadt Imperia ehrt, hat mir sehr gut gefallen.
Auch hervorhebenswert die großformatigen Ausgaben der Serie künstlerisches und kulturelles Erbe in Italien.
Einfach herrlich, Briefmarkensammeln und -jagen macht halt Spaß.
Post habe ich auch noch aufgegeben. Nachfolgend zwei Kärtchen mit Aufbrauch.
Jetzt aber - Blick auf den Kalender - langsam mal nach Hause. Neuer Kurs: Nord, also noch zwei Tage durch die Po-Ebene Richtung Deutschland.
Für Italien zum Schluss noch - für alle Gestrigen für die nach 1900 oder 1945 oder wann auch immer die gute Briefmarkenzeit endet - ein Blick auf ein paar Knochen:
• Links: eine Mi. Nr. 19 ITL 0,30 Viktor Emanuell II von 1863
• Mitte: eine Mi-Nr. 24 ITL 0,02 von 1865
• Rechts: eine Mi-Nr. 26b ITL 0,20 Viktor Emanuell II von 1867
Aus unruhiger Zeit, die des Risorgiomento, wo aus verschiedenen lokalen Territorialmächten das heutige vereinte Italien entstand. Ein Höhepunkt war die Gelegenheit dem geschwächten Österreich-Ungarn (mit Unterstützung durch Frankreich und 1866 sogar Preußens, die zeitgleich ihre Interessen gegenüber Österreich mit militärischer Gewalt durchsetzten) 1860 die Lombardei und 1866 Venetien abzuknöpfen.
Und das mag für Deutsche hart zu schlucken sein (wir sitzen ja ganz gerne auf dem hohen Roß): jawohl, die Italiener haben ihre Währung von 1862 bis zur Euroeinführung gehalten (zugegeben, auch von schlauer Abwertungspolitik begleitet). Deutschland hat das nicht geschafft.
Na, kennen wir jetzt „…das Land wo die Zitronen blühen…“ (Goethe)?
Natürlich nicht und wir kehren deshalb sicher eines Tages dahin zurück. Aber festhalten möchte ich schon mal: es ist schön da! Auch im Briefmarkenalbum.
Ciao!
Am: 31.07.2025 19:52:21
Gelesen: 10839
# 73
Ja, ist denn diese Reise immer noch nicht zu Ende?
Nein, überschaubare 35 km waren es noch von meiner letzten Etappe auf italienischem Boden bis zum Eisenbahnknotenpunkt im schweizerischen Lugano.
Von da gab es eine Eisenbahndirektverbindung nach Köln, da habe ich mal ein Ticket für gebucht.
Es blieb genug Zeit, eine damals im Ort stattfindende Egon Schiele-Ausstellung zu besuchen, in aller Ruhe zu Abend zu Essen und natürlich die Post in Lugano zu besuchen.
Die dortige Post hatte einen Philatelieschalter samt Werbestempel
Und sind die Schweizer (auch im italienischen Tessin) jetzt pedantisch oder nicht? Nun, meiner Postlerin vom Philatelieschalter kam eine meiner Postkarten jedenfalls spanisch vor. Da waren doch für die unglaubliche Summe von 30 Rappen sechs Sondermarken aus der pro juventute-Serie 1962 drauf. Ich merkte, sie zweifelte - da hat sie doch tatsächlich einen Zumstein-Katalog hervorgeholt und dort nachgeschaut, ob die nicht außer Kurs waren (waren sie leider Gottes, aber die Marken waren so schön, ich konnte nicht widerstehen, da einen Portobetrugsversuch zu unternehmen). Und das war wie eine Zollkontrolle, wo man weiß, man hat dieses oder jenes zu viel an Bord und will es über die Grenze schmuggeln, und die Zöllner kommen dem Schmuggelgut immer näher, und man merkt, man fliegt auf. Ich wurde erwischt. „Die sind aber nicht mehr gültig“. Verdammt, das war‘s dann!
Also habe ich noch eine CHF 0,30-Marke nachgekauft und unsere Postlerin hat die Marken so gestempelt, dass nicht der kleinste Abschlag auf den ungültigen Marken landete. Mehr noch: sie hat die ungültigen Marken im wahrsten Sinne des Wortes eingekreist - mit über 40 Kugelschreiberkreisen! Eingesperrt, Gefängnis. Vermutlich habe ich schlicht wahnsinniges Glück gehabt, dass sie nicht auch noch die Kantonspolizei gerufen hat.
Jedenfalls scheint mich die Dame damals so eingeschüchtert zu haben, dass ich gar keine weiteren Marken vor Ort gekauft habe.
Die Vorderseite der Karte dürfte ich, selbst wenn ich wollte, hier im Forum gar nicht zeigen. Das Motiv stammt aus der Schiele-Ausstellung, und auch wenn mir dessen Stil im Allgemeinen gefällt, ist es kein Wunder, dass der Mann ob seiner Motivwahl des Öfteren mit der Öffentlichkeit und erstaunlicherweise nur einmal mit der Polizei in Konflikt kam. Es hatte eine Tendenz sehr junge weibliche Modelle recht unbekleidet darzustellen, was in der Luganer Ausstellung wirklich breiten Raum einnahm. Ich kann natürlich nicht verhindern, dass ihr den unten links auf der Karte abgedruckten Namen des Werkes googelt, aber das ist dann Eure Sache.
Mann, Mann, Mann - sind wir jetzt endlich fertig mit der in meinem persönlichen Archiv mit der Ordnungsnummer X (der römischen 10) versehenen Reise, sie hat sich schließlich hier im Thema jetzt über 11 Monate von Laruns in den Pyrenäen bis ins schweizerische Lugano hingezogen?
Sind wir.
Es mag langatmig gewesen sein, Ihr werdet mir aber zugestehen müssen, dass ich nicht untätig war: fünf Postgebiete in 20 Tagen habe ich besucht, und dabei immerhin 1.670 km zurückgelegt. Alles ist gut gegangen und die Reise habe ich unbeschadet überstanden. Machen wir da mal lieber rasch drei Kreuze.
Und immer schön die Augen offenhalten, da draußen gibt es schließlich immer wieder viel zu sehen und zu (wieder)entdecken.
Auch für unsere Sammlungen.
Uf wiederluege!
Von da gab es eine Eisenbahndirektverbindung nach Köln, da habe ich mal ein Ticket für gebucht.
Es blieb genug Zeit, eine damals im Ort stattfindende Egon Schiele-Ausstellung zu besuchen, in aller Ruhe zu Abend zu Essen und natürlich die Post in Lugano zu besuchen.
Die dortige Post hatte einen Philatelieschalter samt Werbestempel
Und sind die Schweizer (auch im italienischen Tessin) jetzt pedantisch oder nicht? Nun, meiner Postlerin vom Philatelieschalter kam eine meiner Postkarten jedenfalls spanisch vor. Da waren doch für die unglaubliche Summe von 30 Rappen sechs Sondermarken aus der pro juventute-Serie 1962 drauf. Ich merkte, sie zweifelte - da hat sie doch tatsächlich einen Zumstein-Katalog hervorgeholt und dort nachgeschaut, ob die nicht außer Kurs waren (waren sie leider Gottes, aber die Marken waren so schön, ich konnte nicht widerstehen, da einen Portobetrugsversuch zu unternehmen). Und das war wie eine Zollkontrolle, wo man weiß, man hat dieses oder jenes zu viel an Bord und will es über die Grenze schmuggeln, und die Zöllner kommen dem Schmuggelgut immer näher, und man merkt, man fliegt auf. Ich wurde erwischt. „Die sind aber nicht mehr gültig“. Verdammt, das war‘s dann!
Also habe ich noch eine CHF 0,30-Marke nachgekauft und unsere Postlerin hat die Marken so gestempelt, dass nicht der kleinste Abschlag auf den ungültigen Marken landete. Mehr noch: sie hat die ungültigen Marken im wahrsten Sinne des Wortes eingekreist - mit über 40 Kugelschreiberkreisen! Eingesperrt, Gefängnis. Vermutlich habe ich schlicht wahnsinniges Glück gehabt, dass sie nicht auch noch die Kantonspolizei gerufen hat.
Jedenfalls scheint mich die Dame damals so eingeschüchtert zu haben, dass ich gar keine weiteren Marken vor Ort gekauft habe.
Die Vorderseite der Karte dürfte ich, selbst wenn ich wollte, hier im Forum gar nicht zeigen. Das Motiv stammt aus der Schiele-Ausstellung, und auch wenn mir dessen Stil im Allgemeinen gefällt, ist es kein Wunder, dass der Mann ob seiner Motivwahl des Öfteren mit der Öffentlichkeit und erstaunlicherweise nur einmal mit der Polizei in Konflikt kam. Es hatte eine Tendenz sehr junge weibliche Modelle recht unbekleidet darzustellen, was in der Luganer Ausstellung wirklich breiten Raum einnahm. Ich kann natürlich nicht verhindern, dass ihr den unten links auf der Karte abgedruckten Namen des Werkes googelt, aber das ist dann Eure Sache.
Mann, Mann, Mann - sind wir jetzt endlich fertig mit der in meinem persönlichen Archiv mit der Ordnungsnummer X (der römischen 10) versehenen Reise, sie hat sich schließlich hier im Thema jetzt über 11 Monate von Laruns in den Pyrenäen bis ins schweizerische Lugano hingezogen?
Sind wir.
Es mag langatmig gewesen sein, Ihr werdet mir aber zugestehen müssen, dass ich nicht untätig war: fünf Postgebiete in 20 Tagen habe ich besucht, und dabei immerhin 1.670 km zurückgelegt. Alles ist gut gegangen und die Reise habe ich unbeschadet überstanden. Machen wir da mal lieber rasch drei Kreuze.
Und immer schön die Augen offenhalten, da draußen gibt es schließlich immer wieder viel zu sehen und zu (wieder)entdecken.
Auch für unsere Sammlungen.
Uf wiederluege!
Am: 31.08.2025 08:12:59
Gelesen: 10261
# 74
Ich mag in meinen Beiträgen erwähnt haben, dass ich Freunden und Bekannten regelmäßig Karten schicke, wenn ich mal auf Reisen bei. Und einer der regelmäßigen Empfänger hat mit seinen Hort nach Jahrzehnten ausgeliehen.
Was für eine Fundgrube. Ich dachte meine älteste Postkarte, die die Zeitläufe überlebt hat, hätte ich unter Beitrag 1 vorgestellt. Und da habe ich doch tatsächlich falsch gelegen. Das älteste Ding ist tatsächlich von 1986 und wurde aus dem schönen Frankreich von einem Sommeraufenthalt im August an der französischen Atlantikküste abgeschickt.
Vielleicht nicht die herausragendste Kombination von Freimachung (Freimarken), aber seinerzeit waren keine passenden Sondermarken mit Portostufen für Postkarten zu bekommen (und wir werden doch unsere Postkarten nicht überfrankieren, oder). Der Preis für die Beförderung einer Postkarte hatte sich just am 01.08.1986 um FRF 0,10 auf FRF 1,90 erhöht. Und wer zweifelt daran, dass französische Freimarken – die ja bekanntlich sehr oft attraktive Frauen zeigen – nicht interessant wären (ohne Angst davor zu gefallen, eindrucksvoll gestaltet, hervorragend ausgeführt in Druck und Papier).
Wir sehen die Freimarkenausgabe Liberté im Gebrauch. Dabei hat die französische Post Eugène Delacroix Gemäldedetail nicht einfach kopiert, sondern gestalterisch überarbeiten lassen. Die Zeichnung auf der Briefmarke erscheint mir leicht verjüngt, die Gesichtszüge erscheinen leichter, jugendlicher und damit freundlicher. Damit nimmt man der Darstellung auf dem Gemälde etwas von der dort zu findenden typischen Unnahbarkeit des gottähnlichen Ideals, das auch zur grausamen, entschlossenen Tat fähig und bereit zu sein scheint.
Das Leben hat ja jungen Menschen im Alter von 17 einiges an Reizen zu bieten, es ist schlichtweg überwältigend. Da sind Tragödie und Triumpf. Dinge, die das Leben für alle von uns bereithält.
Aber wir Sammler wissen, wie wir da zum Ausgleich gelangen. Wenn wir eine Ablenkung von den Herausforderungen des Lebens brauchen, können wir uns einfach unserer Sammlung zuwenden.
Und ich kann versichern, dass einige postfrische Exemplare, die ich vor Ort beim örtlichen Postamt gekauft habe, bis zum heutigen Tag einen hochgeschätzten Teil meiner Sammlung ausmachen. Erinnerungsstücke, die ich zu Lebzeiten nicht verkaufen, nicht gegen „bessere“ Exemplare ersetzen oder tauschen würde. Aber ich würde sie vielleicht zur Frankierung meiner Post benutzen, aber wirklich nur für sehr wichtige Nachrichten, sollte das dringende Bedürfnis bestehen, solche auf die Reise zu geben.
Wir sehen die Freimarkenausgabe Liberté im Gebrauch. Dabei hat die französische Post Eugène Delacroix Gemäldedetail nicht einfach kopiert, sondern gestalterisch überarbeiten lassen. Die Zeichnung auf der Briefmarke erscheint mir leicht verjüngt, die Gesichtszüge erscheinen leichter, jugendlicher und damit freundlicher. Damit nimmt man der Darstellung auf dem Gemälde etwas von der dort zu findenden typischen Unnahbarkeit des gottähnlichen Ideals, das auch zur grausamen, entschlossenen Tat fähig und bereit zu sein scheint.
Das Leben hat ja jungen Menschen im Alter von 17 einiges an Reizen zu bieten, es ist schlichtweg überwältigend. Da sind Tragödie und Triumpf. Dinge, die das Leben für alle von uns bereithält.
Aber wir Sammler wissen, wie wir da zum Ausgleich gelangen. Wenn wir eine Ablenkung von den Herausforderungen des Lebens brauchen, können wir uns einfach unserer Sammlung zuwenden.
Und ich kann versichern, dass einige postfrische Exemplare, die ich vor Ort beim örtlichen Postamt gekauft habe, bis zum heutigen Tag einen hochgeschätzten Teil meiner Sammlung ausmachen. Erinnerungsstücke, die ich zu Lebzeiten nicht verkaufen, nicht gegen „bessere“ Exemplare ersetzen oder tauschen würde. Aber ich würde sie vielleicht zur Frankierung meiner Post benutzen, aber wirklich nur für sehr wichtige Nachrichten, sollte das dringende Bedürfnis bestehen, solche auf die Reise zu geben.
Am: 30.09.2025 07:26:14
Gelesen: 9854
# 75
Freimarken? Als Sammler, kriegst du da nichts Besseres hin?
Aber natürlich, obwohl ich diesmal zugeben muss, nicht ganz sicher zu sein, ob ich hier mal meine Post überfrankiert habe. Wir sehen die Tarifstufe für einen normal zu befördernden Brief (FRF 2,20) – ich konnte nicht klären, ob auch die Alternative („pli non urgent“) zu FRF 1,90 möglich gewesen wäre.
Aber das war natürlich nicht der Grund für eine Rückkehr nach Frankreich in 1987. In Deutschland erreicht man die Volljährigkeit mit 18, und von da an ist alles erlaubt. Also zur Fahrschule und dann zur praktischen Prüfung. Wie sagte noch mein Prüfer, ich solle den Führerschein doch unterschreiben, wenn meine Hände wieder ruhig wären. Es muss also ein knappes Ding gewesen sein. Jedenfalls ging es zwei Tage später hinter dem Steuer eines alten BMW, in jeder Beziehung unüberwacht und befreit, mit ein paar Kumpanen auf eine lange Ausfahrt. Was für ein Spaß! Abenteuer halt.
Und wenn ich heute einen kurzen Bericht über französische Briefmarken schreiben kann, ist klar, dass ich dieses Abenteuer überlebt haben muss (obwohl zugegeben: in welchem Alter macht man mehr Dummheiten? Wobei dann noch die Kräfte, die einem an die Hand gegeben werden, sich plötzlich vervielfachen. Vor 18: 0,5PS – Fahrrad, danach: 109PS – BMW 320).
Natürlich haben auch ein paar Marken überlebt (denn zum Abenteuer gehört doch immer ein Besuch der lokalen Post, nicht wahr), die ich heute hier teile (nix Versandstelle, nix Philateliehandel, nix von anderen Sammlern gekauft - sondern vor Ort erworben und damit echte Beutestücke und Kultgegenstände. Unbezahlbar!).
Aber das war natürlich nicht der Grund für eine Rückkehr nach Frankreich in 1987. In Deutschland erreicht man die Volljährigkeit mit 18, und von da an ist alles erlaubt. Also zur Fahrschule und dann zur praktischen Prüfung. Wie sagte noch mein Prüfer, ich solle den Führerschein doch unterschreiben, wenn meine Hände wieder ruhig wären. Es muss also ein knappes Ding gewesen sein. Jedenfalls ging es zwei Tage später hinter dem Steuer eines alten BMW, in jeder Beziehung unüberwacht und befreit, mit ein paar Kumpanen auf eine lange Ausfahrt. Was für ein Spaß! Abenteuer halt.
Und wenn ich heute einen kurzen Bericht über französische Briefmarken schreiben kann, ist klar, dass ich dieses Abenteuer überlebt haben muss (obwohl zugegeben: in welchem Alter macht man mehr Dummheiten? Wobei dann noch die Kräfte, die einem an die Hand gegeben werden, sich plötzlich vervielfachen. Vor 18: 0,5PS – Fahrrad, danach: 109PS – BMW 320).
Natürlich haben auch ein paar Marken überlebt (denn zum Abenteuer gehört doch immer ein Besuch der lokalen Post, nicht wahr), die ich heute hier teile (nix Versandstelle, nix Philateliehandel, nix von anderen Sammlern gekauft - sondern vor Ort erworben und damit echte Beutestücke und Kultgegenstände. Unbezahlbar!).
Am: 31.10.2025 21:23:51
Gelesen: 9362
# 76
In einem Beitrag vom 31.05.2023 konnte ich folgendes Erlebnis schildern (dass ich der Einfachheit halber einfach auszugsweise kopiere) und dass ich bisher nicht mit einem Beleg anreichern konnte.
Portugal hat mich einmal 1989 überaus freundlich empfangen, anlässlich eines kleinen Aufenthalts an der Algarve. Dazu gehört – na klar – immer auch ein Besuch des lokalen Postamts, seinerzeit in Portimao. Das war ein echter Höhepunkt. Man kam in die Post hinein und da befand sich doch tatsächlich zur Linken ein ca. zwei Meter langer Sammlerschalter mit einer überaus bunten Auslage von Portugal, Madeira und Azoren-Ausgaben. Die Verkäuferin, eine propere, kleine ältere lusitanische Dame war vor Ort und Herrin dieses kleinen Standes. Links hinter ihr befand sich ein jahrzehntealter dunkler Geldschrank, und der war voller Sonderausgaben. Rasch war ich als Interessent wahrgenommen und meine Augen gingen gierig über die gezeigten Bestände: eine Vielzahl von Blöcken, viele Sondermarken in der für Portugal typischen Würdigung eines Themas mittels eines Satzes bestehend aus vier bis sechs Marken in einem Design, gerne ergänzt um einen Block mit einem Höchstwert. Ich wählte dies und das aus, und die Dame nahm genau wahr, was ich aussuchte und fand im Tresor weitere passende Ausgaben oder Formen (z.B. Heftchen statt Einzelmarken). Die Ausgaben der Jahre 1986-1989 waren vorrätig. Geld war damals bei mir sehr knapp, aber für die für mich damals hohe Summe von DEM 50 / PTE 5.000 hab ich Material mitgenommen.
Jetzt ist doch noch ein Kärtchen aufgetaucht.
Dummerweise habe ich damals ein Markenheftchen mit diesen eher unauffälligen, von der Nominale her aber passenden Marken für Auslandspostkarten gekauft (das Markenheftchen enthielt acht Exemplare). Das reichte seinerzeit und die mussten dann natürlich auch weg. So ergab sich leider keine Möglichkeit der Verwendung des beeindruckenderen Teils der wirklich üppigen Beute (die im Laufe der Zeit dann auch noch ungültig wurde, hatte mich da verkalkuliert).
Ich hätte gerne den Stempel in der Datenbank hinterlegt, aber ein ums andere Mal reicht da die Qualität des detailreichen Maschinenstempels nicht. Nicht das einzige Mal, dass die Stempelung der portugiesischen Post leider zu schwach ist.
Aber, kaum zu glauben, wir haben den Stempel dank Heinrich3 in der Stempeldatenbank. Hier der link für alle Neugierigen. Übrigens meine ich einen kleinen Unterschied feststellen zu können (der Stempelkopf von Heinrich3 zeigt eine Uhrzeitangabe, der auf meiner Karte keinen)
https://www.philastempel.de/stempel/zeigen/303902
1989 gab es in Portugal eine Serie von beeindruckenden Gemäldemarken mit Kunst des 20. Jahrhunderts. Die mittlere Marke des Blocks (Brotzeit des ungelernten Maurers) hat mich - bis heute - besonders beeindruckt.
Der Block hat eine Auflage von 100.000.
Gute Gelegenheit noch einmal etwas Altes zu zeigen - Sondermarken zum 400. Jahrestages der Entdeckung des Seeweges nach Indien von 1898.
Dieses Thema ist auf portugiesischen Marken immer wiederkehrend. So war auch in 1989 vor Ort ein Markenheftchen zu bekommen, dass die Seefahrt ehrte (interessant: zwei Markenausgaben, eine von 1987, eine von 1988 kombinierend). Ich lade zur Betrachtung beider Ausgaben ein. Der Reiz liegt für mich in der Gegensätzlichkeit der Gestaltungen, die doch ganz typisch für ihre jeweilige Zeit sind.
Dummerweise habe ich damals ein Markenheftchen mit diesen eher unauffälligen, von der Nominale her aber passenden Marken für Auslandspostkarten gekauft (das Markenheftchen enthielt acht Exemplare). Das reichte seinerzeit und die mussten dann natürlich auch weg. So ergab sich leider keine Möglichkeit der Verwendung des beeindruckenderen Teils der wirklich üppigen Beute (die im Laufe der Zeit dann auch noch ungültig wurde, hatte mich da verkalkuliert).
Ich hätte gerne den Stempel in der Datenbank hinterlegt, aber ein ums andere Mal reicht da die Qualität des detailreichen Maschinenstempels nicht. Nicht das einzige Mal, dass die Stempelung der portugiesischen Post leider zu schwach ist.
Aber, kaum zu glauben, wir haben den Stempel dank Heinrich3 in der Stempeldatenbank. Hier der link für alle Neugierigen. Übrigens meine ich einen kleinen Unterschied feststellen zu können (der Stempelkopf von Heinrich3 zeigt eine Uhrzeitangabe, der auf meiner Karte keinen)
https://www.philastempel.de/stempel/zeigen/303902
1989 gab es in Portugal eine Serie von beeindruckenden Gemäldemarken mit Kunst des 20. Jahrhunderts. Die mittlere Marke des Blocks (Brotzeit des ungelernten Maurers) hat mich - bis heute - besonders beeindruckt.
Der Block hat eine Auflage von 100.000.
Gute Gelegenheit noch einmal etwas Altes zu zeigen - Sondermarken zum 400. Jahrestages der Entdeckung des Seeweges nach Indien von 1898.
Dieses Thema ist auf portugiesischen Marken immer wiederkehrend. So war auch in 1989 vor Ort ein Markenheftchen zu bekommen, dass die Seefahrt ehrte (interessant: zwei Markenausgaben, eine von 1987, eine von 1988 kombinierend). Ich lade zur Betrachtung beider Ausgaben ein. Der Reiz liegt für mich in der Gegensätzlichkeit der Gestaltungen, die doch ganz typisch für ihre jeweilige Zeit sind.
Am: 10.11.2025 22:17:35
Gelesen: 9155
# 77
Ich kann ein ganz aktuelles Erlebnis berichten - kürzlich auf Dienstreise in Paris, Ankunft am Gare de l'Est und die freie Zeit genutzt, eine nahgelegene Post zu finden. Tatsächlich gab es eine Poststelle in der Nähe, dank Google Maps schnell geortet. Dort dann meinen vorbereiteten Brief (nur etwas überfrankiert - 5,50 € statt der notwendigen 4,50 €) abgegeben und mit meinen Schulfranzösischresten um schöne Stempel gebeten, worauf mir der Postler den Stempel in die Hand drückte und mir verständlich machte, ich möge doch selber stempeln - was dank des Plastik-Ministempelautomaten (mit integriertem Stempelkissen) ganz leicht ging:
Schön, dass das noch geht (und in schwarz) und auf dem Weg nach Deutschland auch keine Maschinenstempel mehr dazukamen - vive La Poste!
Bonsoir,
Reinhard
Schön, dass das noch geht (und in schwarz) und auf dem Weg nach Deutschland auch keine Maschinenstempel mehr dazukamen - vive La Poste!
Bonsoir,
Reinhard
Am: 13.12.2025 19:00:03
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# 78
1994 war ich auf Tour am Rhein und bin da in Frankreich vorbeigekommen. Den Besuch der Post in Lauterburg hatte ich geschildert [#6].
Hier habe ich noch einen Beleg aus Straßburg gefunden
Briefkasteneinwurf und Entwertung in einem der frühen französischen Briefzentren (centre de tri = Sortierzentrum).
Ich habe hier alten Kram aufgebraucht (Aufbrauch Doublette mit Freimarkenergänzung zur Erreichung des aktuellen Tarifs).
Prachtvoll: wir sehen auf einer der Marken einen Auszug aus einer Miniatur aus Gaston Fébus Handschrift „Das Buch über die Jagd“. Fébus war eine der schillerndsten Personen seiner Zeit. Er war Comte de Foix aber auch Herr von Béarn und Marsan, beides Landschaften am Rande der Pyrenäen, und mischte erheblich in der Politik seiner Zeit mit. Dabei war er Diener zweier Herren, des französischen Königs wie auch des englischen, der seinerzeit Herzog der Gascogne war. Er spielte eine erhebliche Rolle im Königreich Frankreich, galt als hochgewachsen und als tapferer Kämpfer, soll aber mit der Tötung seines Sohnes auch schwere Schuld auf sich geladen haben. Darüber hinaus galt er als gelehrt und verfasste Bücher, so jenes über die Jagd, dass ob seines naturalistischen Charakters bis ins 19. Jahrhundert als Lehrbuch genutzt worden sein soll und mit prachtvollen Miniaturen versehen ist. Auch ein Gebetbuch hat er verfasst.
Ist aber auch eine prima Gelegenheit mal wieder die französische Frau zu ehren. Mit einer Marianne, diesmal die Type Briat, darstellend eine moderne junge französische Frau mit phyrgischer Mütze und Kokarde, wie ich finde, ein Design ganz typisch für die 1990er Jahre.
Ist das nicht eine phantastische Mischung und ist es nicht erstaunlich, was eine einfache Postkarte über ihren reinen Wert für den Empfänger hinaus, uns heute noch kulturell an Stichworten bieten kann?
Briefkasteneinwurf und Entwertung in einem der frühen französischen Briefzentren (centre de tri = Sortierzentrum).
Ich habe hier alten Kram aufgebraucht (Aufbrauch Doublette mit Freimarkenergänzung zur Erreichung des aktuellen Tarifs).
Prachtvoll: wir sehen auf einer der Marken einen Auszug aus einer Miniatur aus Gaston Fébus Handschrift „Das Buch über die Jagd“. Fébus war eine der schillerndsten Personen seiner Zeit. Er war Comte de Foix aber auch Herr von Béarn und Marsan, beides Landschaften am Rande der Pyrenäen, und mischte erheblich in der Politik seiner Zeit mit. Dabei war er Diener zweier Herren, des französischen Königs wie auch des englischen, der seinerzeit Herzog der Gascogne war. Er spielte eine erhebliche Rolle im Königreich Frankreich, galt als hochgewachsen und als tapferer Kämpfer, soll aber mit der Tötung seines Sohnes auch schwere Schuld auf sich geladen haben. Darüber hinaus galt er als gelehrt und verfasste Bücher, so jenes über die Jagd, dass ob seines naturalistischen Charakters bis ins 19. Jahrhundert als Lehrbuch genutzt worden sein soll und mit prachtvollen Miniaturen versehen ist. Auch ein Gebetbuch hat er verfasst.
Ist aber auch eine prima Gelegenheit mal wieder die französische Frau zu ehren. Mit einer Marianne, diesmal die Type Briat, darstellend eine moderne junge französische Frau mit phyrgischer Mütze und Kokarde, wie ich finde, ein Design ganz typisch für die 1990er Jahre.
Ist das nicht eine phantastische Mischung und ist es nicht erstaunlich, was eine einfache Postkarte über ihren reinen Wert für den Empfänger hinaus, uns heute noch kulturell an Stichworten bieten kann?
Am: 31.12.2025 09:50:52
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# 79
Wenn man ordentlich Eindruck machen will, welch eine gewichtige Reise man unternimmt, da muss natürlich jede Gelegenheit genutzt werden, die sich bietet, um mittels Internationalität zu glänzen.
Der Bodensee ist ja ein Dreiländereck und 1994 hatte ich Quartier im schönen Lindau gemacht (phantastisch: die Terrasse am See mit dem Löwen am Hafen bei Bilderbuchwetter, dort einen Sundowner nehmen und in aller Ruhe den Abend hereinbrechen lassen).
Österreich war nur einen Steinwurf entfernt. Also Kärtchen geschrieben, ab über die Grenze und in den ersten Briefkasten, den ich auf österreichischen Boden fand (ca. 1-2 km nach Österreich hinein, Richtung Bregenz) die Karte eingeworfen und dann sofort nach Norden eingedreht, da es weiter ins Allgäu gehen sollte).
Das österreichische Abenteuer war also ein sehr kurzes, aber das sieht man der Karte ja nicht an.
Aber sind sie nicht prachtvoll, die österreichischen Marken? Häufig mit Stichtiefdruckelementen, wie auf der Sondermarke auf der Karte zu sehen.
Zur Abrundung noch ein Blick auf ein paar Marken.
• Oben: ein Blick auf etwas Altes, die Mi-Nr. 3X und Y zu drei Kreuzern von 1850 mit dem Staatswappen. Das kuriose daran ist, wie durch die Ortsbezeichnungen der Stempel Trient (heute Italien) und Reichenberg (Liberec, heute Tschechien) klar wird, wie Österreich-Ungarn seitdem geschrumpft wurde
• Unten links und rechts: Sondermarke Bregenz von 1984 zur Feier des 2000-jährigen Bestehens der Stadt
• Mitte unten: Sondermarke zur Würdigung der Internationalität der Bodenseeregion von 1993, die Marke gibt es bildgleich von den Anrainerländern Österreich, Schweiz und Deutschland – hier die österreichische Ausgabe
Das österreichische Abenteuer war also ein sehr kurzes, aber das sieht man der Karte ja nicht an.
Aber sind sie nicht prachtvoll, die österreichischen Marken? Häufig mit Stichtiefdruckelementen, wie auf der Sondermarke auf der Karte zu sehen.
Zur Abrundung noch ein Blick auf ein paar Marken.
• Oben: ein Blick auf etwas Altes, die Mi-Nr. 3X und Y zu drei Kreuzern von 1850 mit dem Staatswappen. Das kuriose daran ist, wie durch die Ortsbezeichnungen der Stempel Trient (heute Italien) und Reichenberg (Liberec, heute Tschechien) klar wird, wie Österreich-Ungarn seitdem geschrumpft wurde
• Unten links und rechts: Sondermarke Bregenz von 1984 zur Feier des 2000-jährigen Bestehens der Stadt
• Mitte unten: Sondermarke zur Würdigung der Internationalität der Bodenseeregion von 1993, die Marke gibt es bildgleich von den Anrainerländern Österreich, Schweiz und Deutschland – hier die österreichische Ausgabe
Am: 31.01.2026 06:30:13
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# 80
1994 - Mensch, da taucht auch noch eine Karte aus München auf. Ich habe da meine damalige Reise ausklingen lassen.
Übrigens Briefkasteneinwurf irgendwo in der der weiteren Innenstadt (in eines von den Exemplaren mit zwei Schlitzen, einer für Münchener Adressen, einer für Post für außerhalb).
Es ist eine beeindruckend schöne Stadt. Ich war 1991 zum ersten Mal dort und als ich aus der U-Bahn am Odeonsplatz ausgestiegen bin, ist mir die Kinnlade runtergefallen - Theatinerkirche, Feldherrnhalle, Residenz - was für ein Ensemble.
Bescheidenheit jedenfalls scheint die Sache Bayerns nicht zu sein, vielmehr zeigt man ganz barock und selbstverständlich, was man zu bieten hat.
• Links: das Nationaltheater neben der Residenz, ein beeindruckendes Opernhaus, das ich auch einmal persönlich besuchen durfte
• Mitte: Leo von Klenzes Propyläen / ein Denkmal zur Verherrlichung des griechischen Freiheitskampfes in Anlehnung an Torbauten der Akropolis in Athen. Bayern entsandte einen Fürsten zur Übernahme der Regentschaft in 1830. Das Gebäude steht am Königsplatz in München und ist Teil eines beeindruckenden Architekturensembles
• Rechts: das Original findet man in der Münchner Residenz, überzeugt Euch selbst und bucht eine Führung (ich habe das mal 1991 getan, Stand vor dem Original und sagte mir „…das kennst Du doch…“)
Vielleicht auch ganz lustig: am Abend ging es zum Feiern und Abendessen raus. Und irgendwie sind wir über ein paar Bier in eine internationale Runde mit einer paar Italienern geraten. Da wurde gelacht und getrunken, und die Stimmung war fröhlich und ausgelassen. Und als wir zum wiederholten Mal das Glas zum Trunk erhoben hatten, hielt es einen Japaner aus einer kleinen Reisegruppe nicht mehr auf seinem Stuhl. Freudig erregt hob er den Krug in Richtung unserer Runde und grüßte überschwenglich. Wir haben die freundliche Geste erwidert. Und unser japanischer Reisende war sichtlich gerührt und verbeugte sich anschließend fernöstlich tief und ungekünstelt respektvoll. Ein sehr freundlicher und verbindender Moment.
Mir war das ganz entfallen, und ein kurzer Blick auf die Karte erst förderte die Erinnerung an das Ereignis und den ausgelassenen Abend wieder zu Tage.
Euch ist das alles zu modern?
Bitte, dann zum Schluss ein Hinweis auf die Posthoheit Bayerns (bis 1920) mittels ein paar frühen Bayern-Marken aus den 19. Jahrhundert.
Na, alt genug?
Übrigens Briefkasteneinwurf irgendwo in der der weiteren Innenstadt (in eines von den Exemplaren mit zwei Schlitzen, einer für Münchener Adressen, einer für Post für außerhalb).
Es ist eine beeindruckend schöne Stadt. Ich war 1991 zum ersten Mal dort und als ich aus der U-Bahn am Odeonsplatz ausgestiegen bin, ist mir die Kinnlade runtergefallen - Theatinerkirche, Feldherrnhalle, Residenz - was für ein Ensemble.
Bescheidenheit jedenfalls scheint die Sache Bayerns nicht zu sein, vielmehr zeigt man ganz barock und selbstverständlich, was man zu bieten hat.
• Links: das Nationaltheater neben der Residenz, ein beeindruckendes Opernhaus, das ich auch einmal persönlich besuchen durfte
• Mitte: Leo von Klenzes Propyläen / ein Denkmal zur Verherrlichung des griechischen Freiheitskampfes in Anlehnung an Torbauten der Akropolis in Athen. Bayern entsandte einen Fürsten zur Übernahme der Regentschaft in 1830. Das Gebäude steht am Königsplatz in München und ist Teil eines beeindruckenden Architekturensembles
• Rechts: das Original findet man in der Münchner Residenz, überzeugt Euch selbst und bucht eine Führung (ich habe das mal 1991 getan, Stand vor dem Original und sagte mir „…das kennst Du doch…“)
Vielleicht auch ganz lustig: am Abend ging es zum Feiern und Abendessen raus. Und irgendwie sind wir über ein paar Bier in eine internationale Runde mit einer paar Italienern geraten. Da wurde gelacht und getrunken, und die Stimmung war fröhlich und ausgelassen. Und als wir zum wiederholten Mal das Glas zum Trunk erhoben hatten, hielt es einen Japaner aus einer kleinen Reisegruppe nicht mehr auf seinem Stuhl. Freudig erregt hob er den Krug in Richtung unserer Runde und grüßte überschwenglich. Wir haben die freundliche Geste erwidert. Und unser japanischer Reisende war sichtlich gerührt und verbeugte sich anschließend fernöstlich tief und ungekünstelt respektvoll. Ein sehr freundlicher und verbindender Moment.
Mir war das ganz entfallen, und ein kurzer Blick auf die Karte erst förderte die Erinnerung an das Ereignis und den ausgelassenen Abend wieder zu Tage.
Euch ist das alles zu modern?
Bitte, dann zum Schluss ein Hinweis auf die Posthoheit Bayerns (bis 1920) mittels ein paar frühen Bayern-Marken aus den 19. Jahrhundert.
Na, alt genug?
Am: 28.02.2026 07:41:34
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# 81
1996 - da bin ich die deutsche Ostseeküste getourt. Ich habe das auch schon in einem kleinen Beitrag verarbeitet, aber einen Beleg hatte ich damals noch nicht bei der Hand. Aber da finde ich etwas. Von der Etappe - ein Stopp, um meine Post auf den Weg zu bringen, aus Garz - einer Ortschaft auf der Insel Rügen.
Rügen und Sylt sollen sich ja in einem Wettbewerb zur Frage befinden, welche der Inseln denn jetzt die schönste in Deutschland ist. Rügen ist jedenfalls die größere und damit zwangsläufig abwechslungsreichere. Auch liegt mir der Ort deswegen am Herzen, weil er eine Heimat für meinen Großvater für über zwanzig Jahre bot.
Die Bäderarchitektur ist schlicht beeindruckend und in 1996 nahm ich im belebten Binz Quartier, dass sich vieler prachtvoller Villen erfreut. Phantastisch und absolut besuchenswert.
Vielleicht noch ein paar Markenzitate zur Region.
Links: wer auf Rügen will muss in der Regel durch Stralsund. Hier das historische Postamt in Stralsund, dass von meinen Leuten benutzt worden sein sollte, denn vom Wohnort meines Großvaters war es nur eine kurze Bootsfahrt rüber nach Stralsund.
Mitte: alter historischer Kram. Ich weiß gar nicht, warum man sich auf Altausgaben beschränkt. Sie geben für meinen Geschmack grafisch weniger her. Jedenfalls waren die linke des Norddeutschen Postbezirks und die rechte des Deutschen Reiches - beide in der Talerwährung Norddeutschlands und Preußens - mal irgendwann auch auf Rügen gültig.
Rechts: Ausgabe zur Ehrung der Bundesländer – hier Mecklenburg-Vorpommern mit der Insel Rügen.
Zum Schmunzeln: nicht ein Stempel passt zum besprochenen Ort (die Ortsstempel sind niederrheinisch, rheinland-pfälzisch und sachsen-anhaltinisch).
Habe ich auch noch gefunden: berühmter Rügener, in Garz geboren: der politische Schriftsteller Ernst Moritz Arndt (für heutige Verhältnisse in Stil und Botschaft schwer verdaulich: nationalistisch, patriotisch, pietistisch – ein Mann seiner Epoche, geprägt durch die Franzosenzeit). Marke von 1969 und damit 33 Jahre gültig (ist ja eine Ewigkeit für Deutschland als Sammelgebiet), vom 01.07.1990 bis 30.06.2002 übrigens auch in Garz.
Und ich habe hier noch ein besonderes Stück, dass mir sehr am Herzen liegt und sehr gut zur Reise passt, denn mittels der auf der Briefmarke dargestellten Fährverbindung bin ich von Sassnitz auf Rügen nach Ystad in Schweden weitergetourt. Versendet wurde der Brief von einer alten Nachbarin an meinen Großvater, aufgegeben in Göhren auf Rügen und gestempelt wurde mit einem ansehnlichen Sonderstempel. Was für eine Werbung!
Und der Umschlag, der ging damals, zu Beginn meiner Sammeltätigkeit, an mich. Da habe ich mich natürlich wahnsinnig drüber gefreut. Und so wusste ich bereits seit 1979, welche Reiseroute ich dann 17 Jahre später zu nehmen haben würde, wenn ich denn mal nach Schweden wollte.
Und man kann mir ruhig glauben, dass ich mich tatsächlich dieser Marke und der möglichen Route (siehe Zierfeld) erinnerte, als ich meine Reise vorbereitete.
Rügen und Sylt sollen sich ja in einem Wettbewerb zur Frage befinden, welche der Inseln denn jetzt die schönste in Deutschland ist. Rügen ist jedenfalls die größere und damit zwangsläufig abwechslungsreichere. Auch liegt mir der Ort deswegen am Herzen, weil er eine Heimat für meinen Großvater für über zwanzig Jahre bot.
Die Bäderarchitektur ist schlicht beeindruckend und in 1996 nahm ich im belebten Binz Quartier, dass sich vieler prachtvoller Villen erfreut. Phantastisch und absolut besuchenswert.
Vielleicht noch ein paar Markenzitate zur Region.
Links: wer auf Rügen will muss in der Regel durch Stralsund. Hier das historische Postamt in Stralsund, dass von meinen Leuten benutzt worden sein sollte, denn vom Wohnort meines Großvaters war es nur eine kurze Bootsfahrt rüber nach Stralsund.
Mitte: alter historischer Kram. Ich weiß gar nicht, warum man sich auf Altausgaben beschränkt. Sie geben für meinen Geschmack grafisch weniger her. Jedenfalls waren die linke des Norddeutschen Postbezirks und die rechte des Deutschen Reiches - beide in der Talerwährung Norddeutschlands und Preußens - mal irgendwann auch auf Rügen gültig.
Rechts: Ausgabe zur Ehrung der Bundesländer – hier Mecklenburg-Vorpommern mit der Insel Rügen.
Zum Schmunzeln: nicht ein Stempel passt zum besprochenen Ort (die Ortsstempel sind niederrheinisch, rheinland-pfälzisch und sachsen-anhaltinisch).
Habe ich auch noch gefunden: berühmter Rügener, in Garz geboren: der politische Schriftsteller Ernst Moritz Arndt (für heutige Verhältnisse in Stil und Botschaft schwer verdaulich: nationalistisch, patriotisch, pietistisch – ein Mann seiner Epoche, geprägt durch die Franzosenzeit). Marke von 1969 und damit 33 Jahre gültig (ist ja eine Ewigkeit für Deutschland als Sammelgebiet), vom 01.07.1990 bis 30.06.2002 übrigens auch in Garz.
Und ich habe hier noch ein besonderes Stück, dass mir sehr am Herzen liegt und sehr gut zur Reise passt, denn mittels der auf der Briefmarke dargestellten Fährverbindung bin ich von Sassnitz auf Rügen nach Ystad in Schweden weitergetourt. Versendet wurde der Brief von einer alten Nachbarin an meinen Großvater, aufgegeben in Göhren auf Rügen und gestempelt wurde mit einem ansehnlichen Sonderstempel. Was für eine Werbung!
Und der Umschlag, der ging damals, zu Beginn meiner Sammeltätigkeit, an mich. Da habe ich mich natürlich wahnsinnig drüber gefreut. Und so wusste ich bereits seit 1979, welche Reiseroute ich dann 17 Jahre später zu nehmen haben würde, wenn ich denn mal nach Schweden wollte.
Und man kann mir ruhig glauben, dass ich mich tatsächlich dieser Marke und der möglichen Route (siehe Zierfeld) erinnerte, als ich meine Reise vorbereitete.
Am: 31.03.2026 14:16:57
Gelesen: 5240
# 82
1998 - richtig, da habe ich ja eine ganz kleine Tour gefahren (von Oberursel am Fuße des Feldberges ins Rheinland) und habe eine Fortbildung für einen kurzen Sporturlaub (gesunder Geist im gesunden Körper) genutzt.
Dann schauen wir doch mal
• Karte von Weilburg an der Lahn
• Poststempel von Weyerbusch einem Ort mit 300 Seelen im rechtsrheinischen Rheinland-Pfalz
• Briefmarke darstellend die Frauenkirche in München
• Empfänger im nördlichen Rheinland
• Kartenverlag Schöning aus Lübeck
Es scheint sich also um ein innerdeutsches Ereignis gehandelt zu haben.
Offenbar bin ich - wie ich erst heute erkenne – in großen Teilen der alten „Cölnischen Hohen Heer- und Geleitstraße“ heute „B8“ gefolgt. Was man in Deutschland nicht alles findet - beeindruckend!
Übrigens, Bürgermeister von Weyerbusch war für drei Jahre Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Der war mit geistiger Vater (für den bäuerlichen ländlichen Raum) der deutschen Genossenschaftsbewegungen aus denen lokale Banken und Landhandelsbetriebe entstanden sind, die noch heute eine gewichtige Rolle in Deutschland spielen.
Er ist in Deutschland auf Briefmarke geehrt worden.
• Rechts und links: Marke zu 7 Pfennig + Zuschlag von 3 Pfennig von 1958, die Teil des Wohltätigkeitssatzes, bestehend aus vier Werten aus dem Jahr 1958, war. Auflage: 6.650.000
• Mitte: Marke zu 80 Pfennig von 1988 aus Anlass des 100. Todestages Raiffeisens. Auflage: 35.150.000
Dann schauen wir doch mal
• Karte von Weilburg an der Lahn
• Poststempel von Weyerbusch einem Ort mit 300 Seelen im rechtsrheinischen Rheinland-Pfalz
• Briefmarke darstellend die Frauenkirche in München
• Empfänger im nördlichen Rheinland
• Kartenverlag Schöning aus Lübeck
Es scheint sich also um ein innerdeutsches Ereignis gehandelt zu haben.
Offenbar bin ich - wie ich erst heute erkenne – in großen Teilen der alten „Cölnischen Hohen Heer- und Geleitstraße“ heute „B8“ gefolgt. Was man in Deutschland nicht alles findet - beeindruckend!
Übrigens, Bürgermeister von Weyerbusch war für drei Jahre Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Der war mit geistiger Vater (für den bäuerlichen ländlichen Raum) der deutschen Genossenschaftsbewegungen aus denen lokale Banken und Landhandelsbetriebe entstanden sind, die noch heute eine gewichtige Rolle in Deutschland spielen.
Er ist in Deutschland auf Briefmarke geehrt worden.
• Rechts und links: Marke zu 7 Pfennig + Zuschlag von 3 Pfennig von 1958, die Teil des Wohltätigkeitssatzes, bestehend aus vier Werten aus dem Jahr 1958, war. Auflage: 6.650.000
• Mitte: Marke zu 80 Pfennig von 1988 aus Anlass des 100. Todestages Raiffeisens. Auflage: 35.150.000
Am: 30.04.2026 21:36:31
Gelesen: 2942
# 83
1999 – war ich auf dem Weg in die Niederlande (Berichte [#28] bis 30).
Ich habe die 100km bis zur Landesgrenze genutzt, Freunde vom Reisebeginn so zu unterrichten.
In 1999 war das Ende der Nutzbarkeit von DEM-nominierten Briefmarken absehbar und die ehemals unerreichbaren Briefmarken (Zuschlagsmarken von Anfang der 1970er Jahre) waren um 80% ihres Nominalwertes ohne Zuschlag zu haben. Ich hatte mich da eingedeckt und die Marken in aller Ruhe, wenn sich mal Gelegenheit ergab, aufgebraucht.
Einer meiner Lieblingssätze der 1970er Jahre sind die Jugendmarken des Jahres 1970, die Darstellungen aus der berühmten manessischen Handschrift aus dem Mittelalter wiedergeben (eine um 1300 entstandene Lieder- und Gedichtsammlung, das Original wird in Heidelberg aufbewahrt) und der Weinberger Handschrift enthalten. Dargestellt sind die Dichter bei der Wahrnehmung ihrer standesgemäßen Beschäftigungen, so das ritterliche Leben verherrlichend.
Unsere Vorfahren vom Stande haben sich damals in Eisen gerüstet, und wie man das für Kerle erwarten darf, ordentlich angegeben. Statt in fette Mercedes packte man sich auf beeindruckende Pferde und auch die Rüstungen wurden aufwendig gestaltet.
Dabei ritt man - während die Bauern die Feldarbeiten erledigten - öfter mal aus und maß sich mit seinesgleichen in Turnieren, also spielerischen Kämpfen, nicht ungefährlich, aber nicht zwangsläufig zum Tod führend.
Das Abenteuer war geboren.
Dabei konnte Mann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: nämlich seinem gleichgeschlechtlichen Wettbewerber straffrei öffentlich eins auf die Nase geben und sich von den passiven Damen auf den Rängen dafür bewundern lassen.
Das ist kulturell bis in die heutige Zeit ein sehr beliebtes Bild (man schaue sich einen modernen Film an. Ich habe das kürzlich getan - da tötet ein Protagonist so um die Ende 40, permanent seinen getunten Ford Mustang im Drehzahlbereich über 6000 Umdrehungen durch Los Angeles fahrend (Tempolimit dort übrigens 65 Meilen, ca. 105 km/h), während 120 Minuten mal locker 100 Gegner und geht mit vier Frauen ins Bett. Das alles angeblich innerhalb 48 Stunden. Das ist natürlich ein Extrembeispiel. Ich muss der Produktionsfirma mal schreiben, dass man bei einem Schaltwagen nicht immer im ersten Gang fahren sollte, damit künftige Produktionen realitätsnäher sind.).
Richtig ist, jeder Kerl hat so was in Abstufungen im Kopf. Wer will nicht im Kampf bestehen und anschließend von schönen Frauen geliebt werden? Auf den nachfolgend abgebildeten Marken ist man schon einen entscheidenden Schritt weiter.
Jedenfalls war ich auf einem ritterlichen Abenteuer-Trip (nicht zu Pferde, aber mit einem goldlackierten 20 Jahre alten Rennrad, nicht in Rüstung aber mit Sicherheit in irgendeinem bunten Fahrradtrikot) und dazu passte die Frankatur einfach hervorragend (um sich selber auf die Schippe zu nehmen, aber sicher war auch ein bisschen Ernst dabei).
Aber was nützt einem das schönste Abenteuer, wenn keiner davon erfährt? Verschicken wir also Nachrichten und berichten darüber
Aus den Niederlanden aus Amsterdam
Und damit das nicht so langweilig wird und um von der miserablen Qualität des Beleges abzulenken, eine Anekdote: da bin ich als Fahrradtouristiker mit Gepäck in das Finish eines echten Radrennens geraten. Und bin erster geworden, da ich fünf Minuten vor dem Feld angekommen bin. Links und rechts waren Absperrungen mit Publikum, aber aufgehalten hat mich keiner. Fünf Minuten später war ich von ernsthaft radsportbetreibenden Rennradlern umgeben.
Aus den Niederlanden von Zeeland
Hier gelang es mir über 60 km in phantastischem Tempo einem drohenden Gewittersturm davonzufahren. Der Wind war so heftig, dass er mich praktisch von selbst über die beeindruckenden Sperrwerke trieb. Dank der niederländischen Radwegführung (Respekt!) ging das barrierefrei praktisch ohne Zwangshalte. Ich kam auch an Baustellen vorbei. Während die Autospuren halbiert und die Autos ausgebremst wurden, gab es freie Fahrt auf der Radspur (in Deutschland undenkbar).
Aus Brüssel
Wo ich mit dem Fahrrad in einen riesigen sechsspurigen, dicht befahrenen, in Pflastersteinen gearbeiteten Kreisverkehr geriet (das ist, wie wenn man in einen tödlichen Malstrom gezogen werden würde) und lebend wieder rausgekommen bin.
Nun, ich hatte ja Abenteuer versprochen.
Und genau so haben das die Ritter gemacht. Die Nase vor die Haustür gehalten, sich rumgetrieben und dann mit Geschichten und Erfahrungen zurückkommen.
Davon war übrigens nicht jede wahr, ja die wenigsten sind es. Jedenfalls kann man sicher sein, dass Kerle keine Gelegenheit auslassen, immer was dazu zu dichten (nimmt man die Zahl der angeblich besiegten Feinde und multipliziert sie mit den dazugehörigen Erzählungen, so müsste die Welt vermutlich menschenleer sein).
So ist es ja auch mit unseren Briefmarken: multipliziert man die Angebote teurer Briefmarken, kommt man auf eine Anzahl, die die Auflage der Seltenheiten übersteigen. Also müssen von diesen Angeboten ja ein paar falsch sein.
Ob meine Geschichte wahr ist, ist Glaubenssache – immerhin wäre ich seinerzeit noch jung und dumm genug dafür gewesen. An philatelistischen Belegen jedenfalls mangelt es nicht (und die schlechte Qualität der letzten drei Stücke habe ich einfach mit viel Text überdeckt).
Und jetzt ist der Beitrag eigentlich fertig. Er lagert schon ein paar Wochen auf meiner Festplatte, da kommt mir doch ein Artikel zum Thema Ritterschaft auf den Wochenendseiten der Financial Times in die Hände.
Die zitieren den mittelalterlichen Schriftsteller Chrètien de Troyes aus dem 12. Jahrhundert und der schrieb im „Yvain“: “I was making my way in search for adventures, fully armed as a knight should be…” (Ich war auf Wanderschaft auf der Suche nach Abenteuern, voll gerüstet, wie es einem Ritter geziemt…).
Da erhob ich mich umgehend vom Küchentisch (an dem die Lektüre stattfand) erhob den rechten Arm zum Signal (einen hölzernen Kochlöffel in der Hand) und befahl in den Flur: „Knappe, mein Pferd…!“
In 1999 war das Ende der Nutzbarkeit von DEM-nominierten Briefmarken absehbar und die ehemals unerreichbaren Briefmarken (Zuschlagsmarken von Anfang der 1970er Jahre) waren um 80% ihres Nominalwertes ohne Zuschlag zu haben. Ich hatte mich da eingedeckt und die Marken in aller Ruhe, wenn sich mal Gelegenheit ergab, aufgebraucht.
Einer meiner Lieblingssätze der 1970er Jahre sind die Jugendmarken des Jahres 1970, die Darstellungen aus der berühmten manessischen Handschrift aus dem Mittelalter wiedergeben (eine um 1300 entstandene Lieder- und Gedichtsammlung, das Original wird in Heidelberg aufbewahrt) und der Weinberger Handschrift enthalten. Dargestellt sind die Dichter bei der Wahrnehmung ihrer standesgemäßen Beschäftigungen, so das ritterliche Leben verherrlichend.
Unsere Vorfahren vom Stande haben sich damals in Eisen gerüstet, und wie man das für Kerle erwarten darf, ordentlich angegeben. Statt in fette Mercedes packte man sich auf beeindruckende Pferde und auch die Rüstungen wurden aufwendig gestaltet.
Dabei ritt man - während die Bauern die Feldarbeiten erledigten - öfter mal aus und maß sich mit seinesgleichen in Turnieren, also spielerischen Kämpfen, nicht ungefährlich, aber nicht zwangsläufig zum Tod führend.
Das Abenteuer war geboren.
Dabei konnte Mann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: nämlich seinem gleichgeschlechtlichen Wettbewerber straffrei öffentlich eins auf die Nase geben und sich von den passiven Damen auf den Rängen dafür bewundern lassen.
Das ist kulturell bis in die heutige Zeit ein sehr beliebtes Bild (man schaue sich einen modernen Film an. Ich habe das kürzlich getan - da tötet ein Protagonist so um die Ende 40, permanent seinen getunten Ford Mustang im Drehzahlbereich über 6000 Umdrehungen durch Los Angeles fahrend (Tempolimit dort übrigens 65 Meilen, ca. 105 km/h), während 120 Minuten mal locker 100 Gegner und geht mit vier Frauen ins Bett. Das alles angeblich innerhalb 48 Stunden. Das ist natürlich ein Extrembeispiel. Ich muss der Produktionsfirma mal schreiben, dass man bei einem Schaltwagen nicht immer im ersten Gang fahren sollte, damit künftige Produktionen realitätsnäher sind.).
Richtig ist, jeder Kerl hat so was in Abstufungen im Kopf. Wer will nicht im Kampf bestehen und anschließend von schönen Frauen geliebt werden? Auf den nachfolgend abgebildeten Marken ist man schon einen entscheidenden Schritt weiter.
Jedenfalls war ich auf einem ritterlichen Abenteuer-Trip (nicht zu Pferde, aber mit einem goldlackierten 20 Jahre alten Rennrad, nicht in Rüstung aber mit Sicherheit in irgendeinem bunten Fahrradtrikot) und dazu passte die Frankatur einfach hervorragend (um sich selber auf die Schippe zu nehmen, aber sicher war auch ein bisschen Ernst dabei).
Aber was nützt einem das schönste Abenteuer, wenn keiner davon erfährt? Verschicken wir also Nachrichten und berichten darüber
Aus den Niederlanden aus Amsterdam
Und damit das nicht so langweilig wird und um von der miserablen Qualität des Beleges abzulenken, eine Anekdote: da bin ich als Fahrradtouristiker mit Gepäck in das Finish eines echten Radrennens geraten. Und bin erster geworden, da ich fünf Minuten vor dem Feld angekommen bin. Links und rechts waren Absperrungen mit Publikum, aber aufgehalten hat mich keiner. Fünf Minuten später war ich von ernsthaft radsportbetreibenden Rennradlern umgeben.
Aus den Niederlanden von Zeeland
Hier gelang es mir über 60 km in phantastischem Tempo einem drohenden Gewittersturm davonzufahren. Der Wind war so heftig, dass er mich praktisch von selbst über die beeindruckenden Sperrwerke trieb. Dank der niederländischen Radwegführung (Respekt!) ging das barrierefrei praktisch ohne Zwangshalte. Ich kam auch an Baustellen vorbei. Während die Autospuren halbiert und die Autos ausgebremst wurden, gab es freie Fahrt auf der Radspur (in Deutschland undenkbar).
Aus Brüssel
Wo ich mit dem Fahrrad in einen riesigen sechsspurigen, dicht befahrenen, in Pflastersteinen gearbeiteten Kreisverkehr geriet (das ist, wie wenn man in einen tödlichen Malstrom gezogen werden würde) und lebend wieder rausgekommen bin.
Nun, ich hatte ja Abenteuer versprochen.
Und genau so haben das die Ritter gemacht. Die Nase vor die Haustür gehalten, sich rumgetrieben und dann mit Geschichten und Erfahrungen zurückkommen.
Davon war übrigens nicht jede wahr, ja die wenigsten sind es. Jedenfalls kann man sicher sein, dass Kerle keine Gelegenheit auslassen, immer was dazu zu dichten (nimmt man die Zahl der angeblich besiegten Feinde und multipliziert sie mit den dazugehörigen Erzählungen, so müsste die Welt vermutlich menschenleer sein).
So ist es ja auch mit unseren Briefmarken: multipliziert man die Angebote teurer Briefmarken, kommt man auf eine Anzahl, die die Auflage der Seltenheiten übersteigen. Also müssen von diesen Angeboten ja ein paar falsch sein.
Ob meine Geschichte wahr ist, ist Glaubenssache – immerhin wäre ich seinerzeit noch jung und dumm genug dafür gewesen. An philatelistischen Belegen jedenfalls mangelt es nicht (und die schlechte Qualität der letzten drei Stücke habe ich einfach mit viel Text überdeckt).
Und jetzt ist der Beitrag eigentlich fertig. Er lagert schon ein paar Wochen auf meiner Festplatte, da kommt mir doch ein Artikel zum Thema Ritterschaft auf den Wochenendseiten der Financial Times in die Hände.
Die zitieren den mittelalterlichen Schriftsteller Chrètien de Troyes aus dem 12. Jahrhundert und der schrieb im „Yvain“: “I was making my way in search for adventures, fully armed as a knight should be…” (Ich war auf Wanderschaft auf der Suche nach Abenteuern, voll gerüstet, wie es einem Ritter geziemt…).
Da erhob ich mich umgehend vom Küchentisch (an dem die Lektüre stattfand) erhob den rechten Arm zum Signal (einen hölzernen Kochlöffel in der Hand) und befahl in den Flur: „Knappe, mein Pferd…!“
Am: 31.05.2026 07:39:48
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# 84
Heute zeige ich mal, wie man sich angemessen in den Urlaub verabschiedet, wenn man eine Flugreise tätigt.
Zuerst muss die Reiserüstung gut geklappt haben. Dann muss man es in angemessener Zeit zum Flughafen schaffen.
Ist das gelungen, kauft man ein Kärtchen, frankiert das und sucht die am Flughafen befindliche Post auf (vor Jahren selbstverständlich vorhanden, heutzutage leider eher nicht).
2001 - es geht nach Portugal, nach Faro an der Algarve.
Wie es der Zufall will (das ist natürlich eine massive Untertreibung, das war natürlich dezidiert geplant), hatte ich eine portogerechte Menge einer Ausgabe zu Ehren der Luftpost von 1969 mit. Da wir das Jahr 2001 schrieben, galt noch die Deutsche Mark und alle seit 1969 ausgegebenen Marken der Deutschen Bundespost (mit Ausnahme der mit der Inschrift Berlin) waren noch gültig.
Und es gab eine Postagentur im Flughafen Düsseldorf, die habe ich aufgesucht und dort hat man die Marken vorbildlich gestempelt. Leider ging es dann noch mal durch die Stempelmaschine des Briefzentrums.
2002 - es geht wieder nach Portugal, diesmal nach Porto, und der Flug ging ab Frankfurt, das hatte ich ganz vergessen.
Am 30.04.2002 war das, der Euro war zwar bereits eingeführt, aber DEM-Marken waren noch gültig. Und in meinem Frankaturbestand habe ich noch eine schöne Ausgabe mit Luftfahrtbezug gefunden. Also habe ich etwas Unerhörtes getan: ich habe sie einfach benutzt.
Leider hat auch hier die Doppelstempelung zugeschlagen.
Na wenigstens wird hier keiner behaupten, das seien ja wohl gefälligkeitsgestempelte Stücke, die nie durch die gefahrvollen Wege der tatsächlichen Postbeförderung gegangen wären. So etwas zeige ich aus Prinzip nicht.
Karten und Autor in meinen Beiträgen hier in dieser Rubrik waren immer vor Ort (und sind bisher – toi, toi, toi – auch wieder heil zurückgekommen).
Und es gab eine Postagentur im Flughafen Düsseldorf, die habe ich aufgesucht und dort hat man die Marken vorbildlich gestempelt. Leider ging es dann noch mal durch die Stempelmaschine des Briefzentrums.
2002 - es geht wieder nach Portugal, diesmal nach Porto, und der Flug ging ab Frankfurt, das hatte ich ganz vergessen.
Am 30.04.2002 war das, der Euro war zwar bereits eingeführt, aber DEM-Marken waren noch gültig. Und in meinem Frankaturbestand habe ich noch eine schöne Ausgabe mit Luftfahrtbezug gefunden. Also habe ich etwas Unerhörtes getan: ich habe sie einfach benutzt.
Leider hat auch hier die Doppelstempelung zugeschlagen.
Na wenigstens wird hier keiner behaupten, das seien ja wohl gefälligkeitsgestempelte Stücke, die nie durch die gefahrvollen Wege der tatsächlichen Postbeförderung gegangen wären. So etwas zeige ich aus Prinzip nicht.
Karten und Autor in meinen Beiträgen hier in dieser Rubrik waren immer vor Ort (und sind bisher – toi, toi, toi – auch wieder heil zurückgekommen).
Am: 30.06.2026 20:54:28
Gelesen: 1568
# 85
Nicht alle Projekte gelingen, so wird das hier heute ein Eingeständnis des Scheiterns, bei dem wir philatelistisch trotzdem auf unsere Kosten kommen werden, so hoffe ich.
In 2003 ging es darum, ein paar weiße Flecken auf der heimatlichen Landkarte zu füllen.
Deshalb hatte ich damals Berlin – die neue, alte Hauptstadt – als Reiseziel angesetzt. Wir alle kennen Berlin eigentlich ganz gut, hat es doch philatelistisch einfach jede Menge Spuren hinterlassen, wie ich das kurz beweisen werde.
Von oben unten:
• Reichspostmuseum (Kommunikationsmuseum) in Berlin-Mitte, Freimarke zu Mark 1,-- des Deutschen Reiches von 1907
• Brandenburger Tor und Berliner Mauer – anläßlich der Maueröffnung
• 750 Jahre Berlin-Ausgabe der DDR
• 750 Jahre Berlin-Ausgabe der Bundespost Berlin
Habt Ihr etwas wiedererkannt? Schön!
Dabei war der Weg das Ziel, so ging es vom industrialisierten Rheinland via Solingen / Remscheid durch das südliche Westfalen / das Sauerland nach Nordhessen.
Erst einmal möchte ich meine umtriebige Nachbarstadt Solingen würdigen. Da werden Schneidwaren geschliffen, was das Zeug hält. Bei der Rhein Ruhr Posta 2003, die ich auch seinerzeit tatsächlich besucht habe, hat man das auf einem Sonderstempel gewürdigt (jetzt bitte kurz in die Küche gehen, Besteckschublade offen. Keine Solinger Messer drin? Meiner Meinung nach so unvollständig / nicht präsentabel).
Und dies von der Strecke
• Mitte - lag am Wegesrand: die Müngstener Brücke zwischen Solingen und Remscheid, übrigens die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands, 1997
• Seite: Wappen der Gastgeberländer
• Unten: Sauerland-Marke aus einer Sondermarkenserie Landschaften
• Ganz unten: nahe Kassel zu finden - Schloss Wilhelmshöhe, Weltkulturerbe
Hier noch ein Beleg für Euch - aus Bad Arolsen.
Deutschlandsammler spitzen da die Ohren, denn wir kennen das Städtchen von Marken, nämlich als Marke aus der Serie „Sehenswürdigkeiten“, eine meiner Lieblingsdauerserien aus Deutschland.
Vor dem Schloss habe ich auch gestanden, Besichtigung leider nicht möglich, ich war mal wieder am fortgeschrittenen Nachmittag zu spät dran.
So weit so gut, aber im deutschen Mittelgebirge kann es auch recht biestig zugehen. Das Wetter war so anhaltend schlecht, dass ich bei Temperaturen unter 10 Grad und bei Dauerregen kurz vor Hannoversch-Münden abgebrochen habe. Ab nach Hause. Hier noch ein passender link zur Stempeldatenbank
https://www.philastempel.de/stempel/zeigen/697738
Und erst Tage später klärte es auf und wurde endlich spätsommerlich, und da habe ich mir den Niederrhein erschlossen. Hier ein Gruß aus Kleve.
Auch Kleve kennen wir von Briefmarken, aus der Serie „Burgen und Schlösser“. Die Burg Lohengrins (die sogenannte Schwanenburg) hat es auf eine Marke geschafft. Ich war damals auch dort – Elsa (die Gattin Lohengrins) war nicht zu Hause, seinerzeit war in der Burg das Amtsgericht installiert.
Und deswegen liebe ich die gegenständlichen Darstellungen auf Briefmarken. Sie regen an: das Gezeigte zu besuchen, sich an der Gestaltung zu begeistern, zu schauen was geschaffen worden ist und was geschaffen werden kann - weil uns das begeistern kann.
Und jetzt legt mal ein tagesaktuelles Labelchen daneben. Also ich spüre da gar nichts.
Hier wollte ich eigentlich ein diese Woche eingegangenes zeigen, aber das ist über schon im Küchenabfall gelandet, mit Folien war es auch beklebt – unrecycelbar, ich habe es mit Küchenfett übergossen. Mülltonne - Müllverbrennung!
Es nervt mich, dass heutzutage nur das Mobiltelefon bunt sein darf, und man dann ein Angebot angezeigt bekommt, das für mich - so meine Wahrnehmung - häufig stark kommerzialisiert ist und profan wirkt.
Gut, dass wir da unsere hervorragend gestalteten Briefmarken (der Vergangenheit?) haben, und auf die haben wir heute einen Blick werfen können.
Das ist ja alles gar nicht wertvoll (nicht meine Lieblingsfrage, aber hier im Forum oft gestellt: „wieviel ist das wert“)?
Kulturell ist der Wert jedenfalls gewaltig – zu einer simplen Preisnotiz jedenfalls hätte ich keine A4-Seite schreiben können oder wollen.
Habt Ihr etwas wiedererkannt? Schön!
Dabei war der Weg das Ziel, so ging es vom industrialisierten Rheinland via Solingen / Remscheid durch das südliche Westfalen / das Sauerland nach Nordhessen.
Erst einmal möchte ich meine umtriebige Nachbarstadt Solingen würdigen. Da werden Schneidwaren geschliffen, was das Zeug hält. Bei der Rhein Ruhr Posta 2003, die ich auch seinerzeit tatsächlich besucht habe, hat man das auf einem Sonderstempel gewürdigt (jetzt bitte kurz in die Küche gehen, Besteckschublade offen. Keine Solinger Messer drin? Meiner Meinung nach so unvollständig / nicht präsentabel).
Und dies von der Strecke
• Mitte - lag am Wegesrand: die Müngstener Brücke zwischen Solingen und Remscheid, übrigens die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands, 1997
• Seite: Wappen der Gastgeberländer
• Unten: Sauerland-Marke aus einer Sondermarkenserie Landschaften
• Ganz unten: nahe Kassel zu finden - Schloss Wilhelmshöhe, Weltkulturerbe
Hier noch ein Beleg für Euch - aus Bad Arolsen.
Deutschlandsammler spitzen da die Ohren, denn wir kennen das Städtchen von Marken, nämlich als Marke aus der Serie „Sehenswürdigkeiten“, eine meiner Lieblingsdauerserien aus Deutschland.
Vor dem Schloss habe ich auch gestanden, Besichtigung leider nicht möglich, ich war mal wieder am fortgeschrittenen Nachmittag zu spät dran.
So weit so gut, aber im deutschen Mittelgebirge kann es auch recht biestig zugehen. Das Wetter war so anhaltend schlecht, dass ich bei Temperaturen unter 10 Grad und bei Dauerregen kurz vor Hannoversch-Münden abgebrochen habe. Ab nach Hause. Hier noch ein passender link zur Stempeldatenbank
https://www.philastempel.de/stempel/zeigen/697738
Und erst Tage später klärte es auf und wurde endlich spätsommerlich, und da habe ich mir den Niederrhein erschlossen. Hier ein Gruß aus Kleve.
Auch Kleve kennen wir von Briefmarken, aus der Serie „Burgen und Schlösser“. Die Burg Lohengrins (die sogenannte Schwanenburg) hat es auf eine Marke geschafft. Ich war damals auch dort – Elsa (die Gattin Lohengrins) war nicht zu Hause, seinerzeit war in der Burg das Amtsgericht installiert.
Und deswegen liebe ich die gegenständlichen Darstellungen auf Briefmarken. Sie regen an: das Gezeigte zu besuchen, sich an der Gestaltung zu begeistern, zu schauen was geschaffen worden ist und was geschaffen werden kann - weil uns das begeistern kann.
Und jetzt legt mal ein tagesaktuelles Labelchen daneben. Also ich spüre da gar nichts.
Hier wollte ich eigentlich ein diese Woche eingegangenes zeigen, aber das ist über schon im Küchenabfall gelandet, mit Folien war es auch beklebt – unrecycelbar, ich habe es mit Küchenfett übergossen. Mülltonne - Müllverbrennung!
Es nervt mich, dass heutzutage nur das Mobiltelefon bunt sein darf, und man dann ein Angebot angezeigt bekommt, das für mich - so meine Wahrnehmung - häufig stark kommerzialisiert ist und profan wirkt.
Gut, dass wir da unsere hervorragend gestalteten Briefmarken (der Vergangenheit?) haben, und auf die haben wir heute einen Blick werfen können.
Das ist ja alles gar nicht wertvoll (nicht meine Lieblingsfrage, aber hier im Forum oft gestellt: „wieviel ist das wert“)?
Kulturell ist der Wert jedenfalls gewaltig – zu einer simplen Preisnotiz jedenfalls hätte ich keine A4-Seite schreiben können oder wollen.
Am: 31.07.2026 20:49:46
Gelesen: 891
# 86
Wer hat in diesem Jahr seinen 250. Geburtstag?
Genau, es sind die USA.
Da fange ich den Artikel am besten mal mit Briefmarken an, die berühmte Rebellen zeigen.
Links: Benjamin Franklin, Denker, Drucker, Liberaler, Naturwissenschaftler. Eine weltgewandte Ikone „of the cause“ - Aufenthalte im UK und Frankreich (hat dort die Militärunterstützung für die Rebellion verhandelt). Auch bekannt von der USD 100-Banknote.
Rechts: George Washington: reicher Virginier - Oberbefehlshaber der Rebellen- aka Continental-Armee und 1. Präsident und schon im Siebenjährigen Krieg (gegen Franzosen und Indianer in Nordamerika) aktiv
Marken von 1859 – da waren die Vereinigten Staaten erst 83 Jahre alt.
Ist natürlich ewig her – nicht meine Zeit, aber 2004 habe ich mich für eine Atlantiküberquerung entschieden.
Hin mit dem Flieger und zwar ab Düsseldorf über London in die neue Welt, nach New York.
Was für ein Flug in der Touristenklasse, ich musste während des Fluges an den Belegungsplan von Sklavenschiffen denken. In Erinnerung blieb mir ein ca. sechsstündiger Kampf im Arm- pardon genauer gesagt Ellbogendrücken um die linke Armlehne mit einem unglaublich großen, schlanken farbigen Mann, der deutlich mehr gelitten haben muss, als ich. Das Amüsante dabei: wir haben uns währenddessen und beim Aussteigen nicht einmal in die Augen geschaut.
Seinerzeit musste man im Flugzeug eine Immigrationskarte ausfüllen, mit recht absurden Fragen (z.B. ob man einreisen wolle, um in den USA Verbrechen zu begehen oder ob - wir schreiben das Jahr 2004 -man Mitglied der NSDAP war).
Anschließend ging es durch die Immigrationskontrolle. Das Personal muss eine Sonderschulung in rüdem Verhalten erhalten haben, ich habe keine Ahnung, was das soll.
Dreißig Minuten später und man war durch und begegnet dann dem überaus freundlichen Amerika. Ich wandte mich mit einer Orientierungsfrage an einen nicht kommerziellen Informationsschalter und erhielt auf freundlichste Art eine verbindliche Auskunft.
New York, was für eine Stadt, riesig und kulturell, wenn man durch Brooklyn fährt, unglaublich vielfältig. In gewisser Weise dann doch ethnisch sortiert, dann wieder nicht – in dauerndem Wechsel von Block zu Block - bis man sich der beeindruckenden Silhouette Manhattans nähert.
Ich habe zwanzig Minuten Inne gehalten und mir in Ruhe die Skyline angeschaut.
Ab ins Städtchen über die Brooklyn Bridge
Da im Gepäck ein Briefmarkenalbum mit dabei war (überlebenswichtiges Utensil für reisende Philatelisten), konnte sogleich die Nachricht von der erfolgreichen Landung nach Deutschland abgehen (Briefkasteneinwurf).
Was macht die USA eigentlich so erfolgreich?
Ist es das Licht der Freiheit (Marken Seite, die Freiheitsstatue ist übrigens Made in France) oder die Feuerkraft des Militärs (Marke Mitte)?
Alles falsch, es ist der Kultur-Export – und zwar massiv befördert durch die Filmindustrie.
Man kann das in Deutschland am eigenen Leib erleben. Und das ist die Folge des verbreiteten, unreflektierten Fersehkonsums (bis ca. 2015, seitdem zunehmend durch social media + streaming verdrängt). Dabei konsumierten die Leute heimlich (nämlich in den eigenen vier Wänden) eine ungeheure Menge an TV-Produktionen und glaubten danach tatsächlich, sie würden in einer US-amerikanischen suburbia wohnen.
Das hat seine Ursprünge im deutschen Privatfernsehen (frühe 1980er). Hier kam es noch nie auf Bildungsbotschaften oder politische Korrektheit an, sondern nur auf die Quote, und die erreicht man am besten, in dem man irgendwelche Sinne reizt, und sonst gar nichts. Jetzt kann man natürlich so etwas selbst produzieren. Das ist aber viel zu teuer. Besser man importiert die bereits fertigen US-Serien, synchronisiert sie und fertig ist das billige Fernsehfutter, mit dem man das gelangweilte Publikum stundenlang vor der Glotze als Geisel halten kann. Und das ist kein Scherz, so kam durch einen simplen betriebswirtschaftlichen Effekt amerikanische Lebensart in bisher ungeahnter Intensität in unsere Köpfe.
Dabei sind die Filme zum Teil so gut gemacht, dass sie im Ausland zur Folklore werden (Murmeltiertag, war der nicht kürzlich im Nachbarort?).
Das beweise ich jetzt mal durch Tourbeute.
Wetten dass, ihr die meisten der hier zitierten Filme kennt (Citizen Kane, Vom Winde verweht, ET, Frankenstein – neben diesen phantastisch gemachten Werken auch die längste Seifenwerbung der Welt: Kleopatra von 1963). Bitte das Zitat von Selznick auf dem Block beachten, er hat meiner Meinung 100% Recht.
Intelligent gestaltet (Filmstreifen) und großartige Komposition auf diesem Block (mit frühen selbstklebenden Marken zum seinerzeitigen Inlandsbrieftarif).
Jetzt hole ich das Ding (den Bogen) zum ersten Mal seit 24 Jahren aus dem Album, um ihn für diesen Artikel zu scannen. Da sehe ich erst heute, dass auf der Rückseite des Bogens ein umfangreicher erläuternder Text abgebildet ist. Und das ist nicht rosarot und oberflächlich, sondern nennt Quellen und spricht die Zielsetzung der Gestaltung an (warum wird dieser Effekt hervorgehoben, und wie wirkt er – ganz kurz und knapp ausgeführt, dabei nicht ohne Tiefe, ohne auszuschweifen).
Das ist großartig, tiefgehend und illustrativ – lieber US Postal Service, das ist meiner Meinung nach hervorragende Arbeit! So geht Gestaltung, so kann Postfrankatur aussehen.
Zum Schluss noch ein Kärtchen
Erst einmal zum Stempel. Der Maschinenstempel schreibt von „Grüße von weit, weit her“. Hat man den auch für lokale Post verwendet oder ist das ein Hinweis, dass das nur für Übersee verwendet wurde (dann würde erst sortiert werden und dann gestempelt)?
Und noch etwas: da hier schon wieder der unausweichliche George Washington mit dabei ist, noch eine kurze Anmerkung zu seinem Leben:
Sohn einer englischstämmigen, dort dem niedrigen Adel entstammenden, Plantagen-Eignerfamilie in Virginia. Geboren 1732. Lokale Schulbildung und Erweiterungen seines Wissens in Mathematik und Landvermessung. Mit 16 Teilnahme an einer Expedition ins Shenandoah-Tal zu den Besitzungen der einflussreichen Familie Fairfax, der er in Freundschaft verbunden war. Dort Vornahme von Vermessungen und Kartographierungen. Bestallung zum Vermesser und dreijährige Tätigkeit als solcher (dieser Teilaspekt wird fortgesetzt, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt).
Links: Benjamin Franklin, Denker, Drucker, Liberaler, Naturwissenschaftler. Eine weltgewandte Ikone „of the cause“ - Aufenthalte im UK und Frankreich (hat dort die Militärunterstützung für die Rebellion verhandelt). Auch bekannt von der USD 100-Banknote.
Rechts: George Washington: reicher Virginier - Oberbefehlshaber der Rebellen- aka Continental-Armee und 1. Präsident und schon im Siebenjährigen Krieg (gegen Franzosen und Indianer in Nordamerika) aktiv
Marken von 1859 – da waren die Vereinigten Staaten erst 83 Jahre alt.
Ist natürlich ewig her – nicht meine Zeit, aber 2004 habe ich mich für eine Atlantiküberquerung entschieden.
Hin mit dem Flieger und zwar ab Düsseldorf über London in die neue Welt, nach New York.
Was für ein Flug in der Touristenklasse, ich musste während des Fluges an den Belegungsplan von Sklavenschiffen denken. In Erinnerung blieb mir ein ca. sechsstündiger Kampf im Arm- pardon genauer gesagt Ellbogendrücken um die linke Armlehne mit einem unglaublich großen, schlanken farbigen Mann, der deutlich mehr gelitten haben muss, als ich. Das Amüsante dabei: wir haben uns währenddessen und beim Aussteigen nicht einmal in die Augen geschaut.
Seinerzeit musste man im Flugzeug eine Immigrationskarte ausfüllen, mit recht absurden Fragen (z.B. ob man einreisen wolle, um in den USA Verbrechen zu begehen oder ob - wir schreiben das Jahr 2004 -man Mitglied der NSDAP war).
Anschließend ging es durch die Immigrationskontrolle. Das Personal muss eine Sonderschulung in rüdem Verhalten erhalten haben, ich habe keine Ahnung, was das soll.
Dreißig Minuten später und man war durch und begegnet dann dem überaus freundlichen Amerika. Ich wandte mich mit einer Orientierungsfrage an einen nicht kommerziellen Informationsschalter und erhielt auf freundlichste Art eine verbindliche Auskunft.
New York, was für eine Stadt, riesig und kulturell, wenn man durch Brooklyn fährt, unglaublich vielfältig. In gewisser Weise dann doch ethnisch sortiert, dann wieder nicht – in dauerndem Wechsel von Block zu Block - bis man sich der beeindruckenden Silhouette Manhattans nähert.
Ich habe zwanzig Minuten Inne gehalten und mir in Ruhe die Skyline angeschaut.
Ab ins Städtchen über die Brooklyn Bridge
Da im Gepäck ein Briefmarkenalbum mit dabei war (überlebenswichtiges Utensil für reisende Philatelisten), konnte sogleich die Nachricht von der erfolgreichen Landung nach Deutschland abgehen (Briefkasteneinwurf).
Was macht die USA eigentlich so erfolgreich?
Ist es das Licht der Freiheit (Marken Seite, die Freiheitsstatue ist übrigens Made in France) oder die Feuerkraft des Militärs (Marke Mitte)?
Alles falsch, es ist der Kultur-Export – und zwar massiv befördert durch die Filmindustrie.
Man kann das in Deutschland am eigenen Leib erleben. Und das ist die Folge des verbreiteten, unreflektierten Fersehkonsums (bis ca. 2015, seitdem zunehmend durch social media + streaming verdrängt). Dabei konsumierten die Leute heimlich (nämlich in den eigenen vier Wänden) eine ungeheure Menge an TV-Produktionen und glaubten danach tatsächlich, sie würden in einer US-amerikanischen suburbia wohnen.
Das hat seine Ursprünge im deutschen Privatfernsehen (frühe 1980er). Hier kam es noch nie auf Bildungsbotschaften oder politische Korrektheit an, sondern nur auf die Quote, und die erreicht man am besten, in dem man irgendwelche Sinne reizt, und sonst gar nichts. Jetzt kann man natürlich so etwas selbst produzieren. Das ist aber viel zu teuer. Besser man importiert die bereits fertigen US-Serien, synchronisiert sie und fertig ist das billige Fernsehfutter, mit dem man das gelangweilte Publikum stundenlang vor der Glotze als Geisel halten kann. Und das ist kein Scherz, so kam durch einen simplen betriebswirtschaftlichen Effekt amerikanische Lebensart in bisher ungeahnter Intensität in unsere Köpfe.
Dabei sind die Filme zum Teil so gut gemacht, dass sie im Ausland zur Folklore werden (Murmeltiertag, war der nicht kürzlich im Nachbarort?).
Das beweise ich jetzt mal durch Tourbeute.
Wetten dass, ihr die meisten der hier zitierten Filme kennt (Citizen Kane, Vom Winde verweht, ET, Frankenstein – neben diesen phantastisch gemachten Werken auch die längste Seifenwerbung der Welt: Kleopatra von 1963). Bitte das Zitat von Selznick auf dem Block beachten, er hat meiner Meinung 100% Recht.
Intelligent gestaltet (Filmstreifen) und großartige Komposition auf diesem Block (mit frühen selbstklebenden Marken zum seinerzeitigen Inlandsbrieftarif).
Jetzt hole ich das Ding (den Bogen) zum ersten Mal seit 24 Jahren aus dem Album, um ihn für diesen Artikel zu scannen. Da sehe ich erst heute, dass auf der Rückseite des Bogens ein umfangreicher erläuternder Text abgebildet ist. Und das ist nicht rosarot und oberflächlich, sondern nennt Quellen und spricht die Zielsetzung der Gestaltung an (warum wird dieser Effekt hervorgehoben, und wie wirkt er – ganz kurz und knapp ausgeführt, dabei nicht ohne Tiefe, ohne auszuschweifen).
Das ist großartig, tiefgehend und illustrativ – lieber US Postal Service, das ist meiner Meinung nach hervorragende Arbeit! So geht Gestaltung, so kann Postfrankatur aussehen.
Zum Schluss noch ein Kärtchen
Erst einmal zum Stempel. Der Maschinenstempel schreibt von „Grüße von weit, weit her“. Hat man den auch für lokale Post verwendet oder ist das ein Hinweis, dass das nur für Übersee verwendet wurde (dann würde erst sortiert werden und dann gestempelt)?
Und noch etwas: da hier schon wieder der unausweichliche George Washington mit dabei ist, noch eine kurze Anmerkung zu seinem Leben:
Sohn einer englischstämmigen, dort dem niedrigen Adel entstammenden, Plantagen-Eignerfamilie in Virginia. Geboren 1732. Lokale Schulbildung und Erweiterungen seines Wissens in Mathematik und Landvermessung. Mit 16 Teilnahme an einer Expedition ins Shenandoah-Tal zu den Besitzungen der einflussreichen Familie Fairfax, der er in Freundschaft verbunden war. Dort Vornahme von Vermessungen und Kartographierungen. Bestallung zum Vermesser und dreijährige Tätigkeit als solcher (dieser Teilaspekt wird fortgesetzt, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt).
Am: 31.07.2026 21:07:25
Gelesen: 879
# 87
@ Bendix Gruenlich [#85]
Hallo Bendix,
kleine Korrektur:
Das Schloss Wilhelmshöhe ist nicht bei, sondern in Kassel zu finden.
Auf den gezeigten Briefmarken freilich ist nicht das Schloss Wilhelmshöhe, sondern der Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe gezeigt. Luftlinie ca. 1,5 km Entfernung; am Herkules starten die berühmten Wasserspiele, die dann in einer Fontäne in der Nähe des Schlosses (sehenswerte Gemäldegalerie!) enden.
Mit Sammlergruss
Jörg
Am: 10.08.2026 17:28:51
Gelesen: 551
# 88
Hallo zusammen,
wir waren im Juli in der Mongolei und natürlich habe ich das Zentralpostamt in Ulaanbaatar besucht, da es hier einen Philatelieschalter geben sollte [1]. Den gab es auch, nur war die zuständige Dame gerade kurz einen Kaffee trinken, vielleicht hier (das war im gleichen Gebäude):
Also erstmal "normale" Briefmarken für Postkarten gekauft und dabei schon eine Besonderheit der mongolischen Post kennengelernt: die Postkarte oder der Brief nach Europa kostet 11,000 Tögrög (ca. 2,65 €), mir wurde aber nur eine 10,000 Tögrög Briefmarke ausgehändigt. Auf Rückfrage ergab sich, dass eben auch 10% Mehrwertsteuer fällig sind, diese aber nicht frankiert werden.
Nachdem das geklärt war, war auch der Philatelieschalter besetzt, aber nur bedingt motiviert, mir welche von den vielen aushängenden Sondermarken zu verkaufen... zum Glück kam in dem Moment zufälligerweise einer unserer Reiseleiter vorbei (an seinem freien Tag in einer Stadt mit ca. 1,5 Millionen Einwohnern...) und konnte die Angestellte dann doch motivieren, mir einige der schöne Marken bzw. Blocks zum Frankaturpreis zu verkaufen.
Zwei Briefe wurden korrekt frankiert und in den Briefkasten für "International Mail" im Postamt auf die Reise gegeben und waren binnen 1 Woche in Deutschland - mit schönen Stempeln:

Die Postkarten waren gleich schnell und auch schön handgestempelt.
Da kann sich manche europäische Post mal ein Beispiel dran nehmen!
Viele Grüße,
Reinhard
[1]https://www.tripadvisor.de/Attraction_Review-g293956-d12797577-Reviews-Ulaanbaatar_Central_Post_Office-Ulaanbaatar.html
Also erstmal "normale" Briefmarken für Postkarten gekauft und dabei schon eine Besonderheit der mongolischen Post kennengelernt: die Postkarte oder der Brief nach Europa kostet 11,000 Tögrög (ca. 2,65 €), mir wurde aber nur eine 10,000 Tögrög Briefmarke ausgehändigt. Auf Rückfrage ergab sich, dass eben auch 10% Mehrwertsteuer fällig sind, diese aber nicht frankiert werden.
Nachdem das geklärt war, war auch der Philatelieschalter besetzt, aber nur bedingt motiviert, mir welche von den vielen aushängenden Sondermarken zu verkaufen... zum Glück kam in dem Moment zufälligerweise einer unserer Reiseleiter vorbei (an seinem freien Tag in einer Stadt mit ca. 1,5 Millionen Einwohnern...) und konnte die Angestellte dann doch motivieren, mir einige der schöne Marken bzw. Blocks zum Frankaturpreis zu verkaufen.
Zwei Briefe wurden korrekt frankiert und in den Briefkasten für "International Mail" im Postamt auf die Reise gegeben und waren binnen 1 Woche in Deutschland - mit schönen Stempeln:

Die Postkarten waren gleich schnell und auch schön handgestempelt.
Da kann sich manche europäische Post mal ein Beispiel dran nehmen!
Viele Grüße,
Reinhard
[1]https://www.tripadvisor.de/Attraction_Review-g293956-d12797577-Reviews-Ulaanbaatar_Central_Post_Office-Ulaanbaatar.html
Am: 31.08.2026 18:50:04
Gelesen: 833
# 89
Heute mal was Neues zum Thema Reise. Da mein Bericht mit dem 250. Unabhängigkeitserklärungsjubiläum zusammenfällt, ein historisches Stichwort.
Die heutigen USA sind vor allem aus den 13 Kolonien Großbritanniens an der amerikanischen Ostküste hervorgegangen (na klar, warum sollten die heute sonst auch englisch sprechen). Und die Kolonien sind durch die Taten von abenteuernden Eroberern entstanden.
So erfolgte z.B. in Virgina ein erster Besiedlungsversuch 1607. Hier eine Ausgabe der USA von 1907 zu Ehren der Besiedlung durch John Smith, der von der lokalen Indianerprinzessin Pocahontas vor einer Tötung durch Indigene bewahrt worden sein soll. Die Filmwirtschaft dichtete eine romantische Liaison hinzu (nicht belegt). Jedenfalls spielte Pocahontas tatsächlich eine unterstützende Rolle bei der Besiedlung und wurde zum Mythos, und leider auch zum Spielball der Politik (Zwangs- / bzw. politische Heirat mit einer einflussreichen Persönlichkeit aus der Siedlerschaft - daraus ist ein Kind hervorgegangen, das damit der Oberschicht der Kolonien angehörte. In weiteren Generationen günstig geheiratet, was dazu führte, dass sich diverse Prominente Politiker und Persönlichkeiten auf die Abstammung aus dieser Verbindung berufen können.
Was auf der Ausgabe vielleicht harmonisch wirkt, hielt nicht lange. Um eine Besiedlung und Bewirtschaftung zu erreichen, musste man den Indianern das Land wegnehmen. Und das hat man auch ohne die geringsten Gewissensbisse getan. Es ging auf beiden Seiten blutig zu.
Und darauf möchte ich hinaus: die lokalen Siedler waren durch die stetige Gefahr durch Indianerüberfälle gezwungen und auch durch die britische Administration verpflichtet, sich in lokalen Milizen, die auch lokal geführt wurden, bewaffnet zu organisieren.
Letztlich eine frühe Version eines Volksheeres. Und so entwickelten die Kolonien eigene Kampfkraft, eigene organisatorische Fähigkeiten und ein großes Selbstvertrauen.
Meine Reise ging durch die Neuenglandstaaten und so bin ich an vielen entscheidenden Stätten der Revolution vorbeigekommen.
Aber jetzt ging es erst einmal von New York nach Norden. Jenseits der 110. Straße fängt (weiß ich von einem Song, den ich einem Tarantino-Film aufgeschnappt habe) Harlem an, und das ist bzw. war in der Tat schwarz geprägt. Es ist erstaunlich, wie auf einer übersichtlich großen Halbinsel (10x2 km)wie Manhattan, ein solches Gefälle an Bauqualität feststellbar sein kann. Im Zentrum megabeeindruckende, für Milliarden gehandelte Hochhäuser und je mehr man nach Norden kommt, nimmt die Höhe der Bauwerke ab, ja zum Schluss gab es sogar Industrieflächen bzw. -brachen, die einen desparaten Eindruck machten. Auch in der Südbronx kam ich mir teilweise deplatziert vor. Ich habe mich dann durch die Stadteile treiben lassen und nach einem leider notwendigen technischen Halt kam ich in einen großen Park. Es wurde nach dem großstädtischen Lärm plötzlich still und nach der Durchquerung dieses Parks schien die Welt im Westchester County wie verändert: kleinstädtisch, aufgeräumt und deutlich ruhiger. Neuengland.
Später am Tag kam ich in Connecticut an, Mir sagt der der Staat etwas, weil viele Kaufmannskollegen, die in New York arbeiten, ihren Wohnsitz in Connecticut haben sollen, was immense Steuervorteile bieten soll.
Wir sind in den USA - hier zwei Farben „George Washington“ Mi-Nr. 9 von 1857. Und da die USA als Land des Fortschritts gelten, diesmal gezähnt, denn perforierte Marken lassen sich schlichtweg einfacher trennen.
Wenn man sich in einem neuen Land rumtreibt, muss man sich erst einmal orientieren. Was gibt es da an Übernachtungskultur, wo das Futter hernehmen?
Und hier gab es für den verwöhnten Europäer Lektionen zu lernen:
Unterkünfte konnte man nicht in den Innenstädten finden, sondern vor allem irgendwie in der Peripherie. Das waren meistens Motels (…natürlich in Ketten organisiert…). Ich musste da tief durchatmen, es war atmosphärisch nicht so toll. In der Regel gab es dann fußläufig irgendeine Fastfood-Essmöglichkeit. Restaurants im europäischen Sinne (die in den USA immer als „fine dining“ gelten würden): Fehlanzeige. Das war vor dem Mobiltelefon-Zeitalter, heute würde die Suche wesentlich leichter fallen, aber damals musste ich mich auf meinen Instinkt verlassen. Furchtbares Frühstück (will man in so ‘ner Kette, was Ordentliches haben, gibt es nicht - dann muss man in ein Café oder halt eine ordentliche Unterkunft buchen).
Und hier eine fast food-Anekdote (die aufklärt, was es mit dem „großen Geld“ in den USA wirklich auf sich hat): am Ende einer sättigenden, wenn auch nicht voll befriedigenden Mahlzeit bei MacDonalds, tat ich das, was viele fast food-Adepten tun: ich habe einen Cheeseburger (USD 2,00) nachbestellt. Just da aber war mein Kleingeld zu Ende, da habe ich eben einen Benjamin Franklin-USD 100er auf die Theke gelegt. Die Kassiererin war geschockt, hat die Banknote mehrfach gewendet und umgehend die Alarmglocke betätigt. Sofort kam der Filialleiter und beide untersuchten den Geldschein, ob er denn auch wirklich echt wäre. Bargeldliebende Deutsche beobachten eine solche Szene ungläubig, denn wie kann man vor einem solchen Alltagsgegenstand derartige Angst haben.
Am Tag 3 (passierend die Standorte der Eliteuniversitäten Stamford und Yale) erreichte ich das nette Neuengland-Küstenstädtchen Mystic und habe da erst einmal die Post besucht.
Auf Wunsch wurden die Marken handgestempelt, mit einem schönen Zweikreisstempel in roter Farbe, ein häufiges Phänomen in den USA
Bei der Gelegenheit habe ich meine Bestände an Briefmarken aufgefrischt, um für die kommenden Tage gerüstet zu sein. Hier das, was vom Tage übrig blieb...
Jetzt hätte es weitergehen können, aber ich habe noch etwas getan: rein in einen Buchladen und darum gebeten, dass man mir einen Hotelführer für Neuengland empfehle. Ich habe mich für einen kleines Buch entschieden (Beschreibung, kleine Karte, Adresse, Hintergründe) mit traditionellen Herbergen. Wie sagte noch die Verkäuferin mit leicht hochgezogener Augenbraue, offenbar an meiner Zahlungsfähigkeit zweifelnd: das seien aber „very fine Inns“.
Danach war es Zeit, sich wieder auf den Weg zu machen. Hier noch ein Kärtchen zum Abschluss.
Und bis hierhin habe ich in bei allen bisherigen Belegen fast ausschließlich zweite Wahl verbraucht, ohne Gummierung oder mit Gummierungsfehlern (alles was in fast dreißig Jahren Sammelei mir so zufällig in die Hände gefallen war). Freimarken überwiegen, aber ich finde, die Mischung macht es, und es kamen ganz ansehnliche Kompositionen zusammen (die man nicht alle Tage sieht oder empfängt, die neugierig machen sollen, so dass sich der Empfänger mit Lust ans Studium von Karte und Nachricht macht. So etwas ist halt möglich, wenn alle nach 1860 ausgegebenen Briefmarken bis zum heutigen Tag frankaturgültig sind).
Was auf der Ausgabe vielleicht harmonisch wirkt, hielt nicht lange. Um eine Besiedlung und Bewirtschaftung zu erreichen, musste man den Indianern das Land wegnehmen. Und das hat man auch ohne die geringsten Gewissensbisse getan. Es ging auf beiden Seiten blutig zu.
Und darauf möchte ich hinaus: die lokalen Siedler waren durch die stetige Gefahr durch Indianerüberfälle gezwungen und auch durch die britische Administration verpflichtet, sich in lokalen Milizen, die auch lokal geführt wurden, bewaffnet zu organisieren.
Letztlich eine frühe Version eines Volksheeres. Und so entwickelten die Kolonien eigene Kampfkraft, eigene organisatorische Fähigkeiten und ein großes Selbstvertrauen.
Meine Reise ging durch die Neuenglandstaaten und so bin ich an vielen entscheidenden Stätten der Revolution vorbeigekommen.
Aber jetzt ging es erst einmal von New York nach Norden. Jenseits der 110. Straße fängt (weiß ich von einem Song, den ich einem Tarantino-Film aufgeschnappt habe) Harlem an, und das ist bzw. war in der Tat schwarz geprägt. Es ist erstaunlich, wie auf einer übersichtlich großen Halbinsel (10x2 km)wie Manhattan, ein solches Gefälle an Bauqualität feststellbar sein kann. Im Zentrum megabeeindruckende, für Milliarden gehandelte Hochhäuser und je mehr man nach Norden kommt, nimmt die Höhe der Bauwerke ab, ja zum Schluss gab es sogar Industrieflächen bzw. -brachen, die einen desparaten Eindruck machten. Auch in der Südbronx kam ich mir teilweise deplatziert vor. Ich habe mich dann durch die Stadteile treiben lassen und nach einem leider notwendigen technischen Halt kam ich in einen großen Park. Es wurde nach dem großstädtischen Lärm plötzlich still und nach der Durchquerung dieses Parks schien die Welt im Westchester County wie verändert: kleinstädtisch, aufgeräumt und deutlich ruhiger. Neuengland.
Später am Tag kam ich in Connecticut an, Mir sagt der der Staat etwas, weil viele Kaufmannskollegen, die in New York arbeiten, ihren Wohnsitz in Connecticut haben sollen, was immense Steuervorteile bieten soll.
Wir sind in den USA - hier zwei Farben „George Washington“ Mi-Nr. 9 von 1857. Und da die USA als Land des Fortschritts gelten, diesmal gezähnt, denn perforierte Marken lassen sich schlichtweg einfacher trennen.
Wenn man sich in einem neuen Land rumtreibt, muss man sich erst einmal orientieren. Was gibt es da an Übernachtungskultur, wo das Futter hernehmen?
Und hier gab es für den verwöhnten Europäer Lektionen zu lernen:
Unterkünfte konnte man nicht in den Innenstädten finden, sondern vor allem irgendwie in der Peripherie. Das waren meistens Motels (…natürlich in Ketten organisiert…). Ich musste da tief durchatmen, es war atmosphärisch nicht so toll. In der Regel gab es dann fußläufig irgendeine Fastfood-Essmöglichkeit. Restaurants im europäischen Sinne (die in den USA immer als „fine dining“ gelten würden): Fehlanzeige. Das war vor dem Mobiltelefon-Zeitalter, heute würde die Suche wesentlich leichter fallen, aber damals musste ich mich auf meinen Instinkt verlassen. Furchtbares Frühstück (will man in so ‘ner Kette, was Ordentliches haben, gibt es nicht - dann muss man in ein Café oder halt eine ordentliche Unterkunft buchen).
Und hier eine fast food-Anekdote (die aufklärt, was es mit dem „großen Geld“ in den USA wirklich auf sich hat): am Ende einer sättigenden, wenn auch nicht voll befriedigenden Mahlzeit bei MacDonalds, tat ich das, was viele fast food-Adepten tun: ich habe einen Cheeseburger (USD 2,00) nachbestellt. Just da aber war mein Kleingeld zu Ende, da habe ich eben einen Benjamin Franklin-USD 100er auf die Theke gelegt. Die Kassiererin war geschockt, hat die Banknote mehrfach gewendet und umgehend die Alarmglocke betätigt. Sofort kam der Filialleiter und beide untersuchten den Geldschein, ob er denn auch wirklich echt wäre. Bargeldliebende Deutsche beobachten eine solche Szene ungläubig, denn wie kann man vor einem solchen Alltagsgegenstand derartige Angst haben.
Am Tag 3 (passierend die Standorte der Eliteuniversitäten Stamford und Yale) erreichte ich das nette Neuengland-Küstenstädtchen Mystic und habe da erst einmal die Post besucht.
Auf Wunsch wurden die Marken handgestempelt, mit einem schönen Zweikreisstempel in roter Farbe, ein häufiges Phänomen in den USA
Bei der Gelegenheit habe ich meine Bestände an Briefmarken aufgefrischt, um für die kommenden Tage gerüstet zu sein. Hier das, was vom Tage übrig blieb...
Jetzt hätte es weitergehen können, aber ich habe noch etwas getan: rein in einen Buchladen und darum gebeten, dass man mir einen Hotelführer für Neuengland empfehle. Ich habe mich für einen kleines Buch entschieden (Beschreibung, kleine Karte, Adresse, Hintergründe) mit traditionellen Herbergen. Wie sagte noch die Verkäuferin mit leicht hochgezogener Augenbraue, offenbar an meiner Zahlungsfähigkeit zweifelnd: das seien aber „very fine Inns“.
Danach war es Zeit, sich wieder auf den Weg zu machen. Hier noch ein Kärtchen zum Abschluss.
Und bis hierhin habe ich in bei allen bisherigen Belegen fast ausschließlich zweite Wahl verbraucht, ohne Gummierung oder mit Gummierungsfehlern (alles was in fast dreißig Jahren Sammelei mir so zufällig in die Hände gefallen war). Freimarken überwiegen, aber ich finde, die Mischung macht es, und es kamen ganz ansehnliche Kompositionen zusammen (die man nicht alle Tage sieht oder empfängt, die neugierig machen sollen, so dass sich der Empfänger mit Lust ans Studium von Karte und Nachricht macht. So etwas ist halt möglich, wenn alle nach 1860 ausgegebenen Briefmarken bis zum heutigen Tag frankaturgültig sind).