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Thema:

2021 Festjahr 1700 Jahre Judentum in Deutschland

10Parale Am: 22.01.2021 20:36:54 Gelesen: 20032 # 1
Liebes Forum, am 11.12.321 schrieb Kaiser Konstantin an die Ratsherren in Köln: " Allen Gemeinderäten gestatten Wir in einem allgemeinen Gesetz, Juden zum Gemeinderat zu berufen. ..." Quelle: Codex Theodosianus 16,8,3 Josef Schuster, der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, schreibt dazu: "Ein Bewusstsein dafür, dass Juden seit 1700 Jahren in Deutschland beziehungsweise auf dem entsprechenden Territorium leben, ist in weiten Teilen der Gesellschaft kaum vorhanden"(Quelle: Jüdische Allgemeine, Nr. 1, 2021). Die Städte Speyer, Worms und Mainz bildeten als sogenannte SchUM-Städte eine wichtige Rolle bei der Ausbringung jüdischen Lebens, siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/SchUM-St%C3%A4dte#Geschichte. Überall auf deutschem Territorium finden sich Zeugen dieses reichhaltigen Lebens. Es wurde ein Verein gegründet "321 - 2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V." und mehr als 1000 Veranstaltungen sind geplant. Am 21. Februar ist offizielle Eröffnungsfeier des Jubiläumsjahres, Schirmherr ist der deutsche Präsident Frank-Walter Steinmeier. Für interessierte Philatelisten wichtig, am 4. Februar erscheint eine Sondermarke aus diesem Anlass. Die DBZ zeigt auf Seite 9 der aktuellen Ausgabe ein Bild der Marke zu 80 Cent mit dem Motiv "CHAI - AUF DAS LEBEN". Am 16.121995 fand in Jerusalem der OPENING DAY zu einer internationelen Briefmarkenausstellung statt mit dem Leitmotiv "3000 Jahre Jerusalem - Stadt Davids". Dazu der Ausstellungsbeleg mit dem zugehörigen Sonderstempel. (Scan1) Der Codex Theodosianus wurde zuerst von Jacques Gothofredus (1587 - 1652), einem Rechtsprofessor, der in Genf lebte, erforscht und kommentiert und im Jahr M D CC XL.III veröffentlicht. "Über Juden, Himmelsverehrer und Samaritaner", ein hochinteressantes Werk (Scan2), wo einige interessante Gesetze zur Stellung der Juden im Römischen Reich zu finden sind. Ich hoffe, ich kann zu diesem Themenjahr noch einiges beitragen und der eine oder andere kann einen Beleg dazusteuern. Liebe Grüße 10Parale
Altmerker Am: 23.01.2021 12:10:34 Gelesen: 19989 # 2
Hallo, es ist alles etwas anders 2021. Auch im Halberstädter Berend Lehmann Museum, das sich nicht nur in der jüdischen Welt einen guten Namen gemacht hat. Warten die Ausstellungsgestalter gewöhnlich bis zum letzten Moment auf den Katalog ihrer Exposition, liegt der für die neue Dauerausstellung in der Halberstädter Judenstraße bereits seit den ersten Januartagen vor. „Koscher, Klaus & Kupfer“ wirft nicht allein einen Blick auf jahrhundertealte jüdische Geschichte der Domstadt. Der Quintus-Verlag schafft es, aus einem Ausstellungskatalog ein kleines Kunstwerk zu machen. Moderne, gut lesbare Schrift erzählt von den materiellen Zeugen jüdischen Lebens, technisch sauber publizierte Farbfotos der Exponate ergänzen die oft geschichtsträchtigen bildlichen Erinnerungen von Menschen jüdischen Glaubens, die einst in Halberstadt lebten, vertrieben und in den Tod geschickt wurden. Und von jenen, die überlebten, Familienwege fortsetzten und die Verbindungen nach Halberstadt knüpfen. Jutta Dick blättert in dem quadratischen Band. Unter ihrer Leitung hat das Museum, das zu der seit 1998 in der Klaussynagoge im Rosenwinkel beheimateten Moses Mendelssohn Akademie gehört, eine einmalige Sammlung aufgebaut, um deren Einzelstücke es unterdessen sogar aus Israel beneidet wird. „Schenkungen ehemaliger Halberstädter, Auktionserfolge, die wir dank deren Hinweise weltweit erzielten, all das ermöglicht das, wovon so eine Einrichtung träumt: Authentische Objekte am authentischen Ort zu präsentieren.“ Dazu zählt das Poesiealbum von Ruth Oppenheimer ebenso wie Tora-Wimpel der Unternehmerfamilie Hirsch, wertvolle Talmuddrucke und die Gründungsurkunde des „Wohltätigkeitsvereins zur Begleitung von Kranken und Sterbenden“ von 1728, aber auch das erst 2015 unweit des Museums zwischen zwei Wänden entdeckte Geschäftsbuch des Kaufmannes Melcher Isaac von 1749. Die neue Ausstellung wird in der Klaussynagoge (Bildausschnitt im Stempel) und im Mikwenhaus in der Judenstraße präsentiert. Der Stempel wurde relativ kurz und in geringer Zahl zur Eröffnung 2001 abgeschlagen. Gruß Uwe
10Parale Am: 27.01.2021 13:27:37 Gelesen: 19938 # 3
@ Altmerker [#2] Ein sehr schöner Beitrag zum jüdischen Leben im Osten unserer Republik. Heute schlug mein Herz etwas höher, zumal meine Vorfahren väterlicherseits aus der Gegend um Amberg und Sulzbach-Rosenberg stammen. Im Andachtsraum des Bundestages wurden symbolträchtig die letzten 8 fehlenden hebräischen Buchstaben und somit der Text einer lange verschwundenen Tora aus Sulzbach Rosenberg vervollständigt. Anlässlich des Gedenktages zum Holocaust standen die Reden und Beiträge ganz unter dem Zeichen "1700 Jahre Judentum in Deutschland". Die Schriftrolle stammt aus dem Jahr 1793 und ist eine der ältesten Schriftrollen in Süddeutschland. Sie gibt Zeugnis von einem regen jüdischen Leben in Sulzbach Rosenberg. Die Schriftrolle wurde vor dem 2. Weltkrieg wie durch ein Wunder nach Amberg i.d. Oberpfalz gebracht und überlebte dort versteckt im Heimatmuseum, bis sie wiederentdeckt wurde. In Sulzbach Rosenberg existierte eine der größten jüdischen Gemeinden in Bayern. Bereits 1669 erhielt ein aus Prag stammender Drucker Isak ben Jehuda Löb Kohn das Privileg des Herzogs, Bücher drucken zu dürfen. In Sulzbach Rosenberg wurden viele jüdische Bücher gedruckt und ins ganze Land ausgeliefert. Die Konfessionen lebten über Jahrhunderte sehr friedlich zusammen. Gestern Abend rief ich noch meine 80-jährige Tante an, die lange Zeit in Amberg gelebt hat. Dabei erfuhr ich, dass Ihre Patentante in den frühen Jahren der Weimarer Republik in einem jüdischen Haushalt (Familie Prager) als Haushaltshilfe beschäftigt war. Die Fortsetzung der Geschichte ist leider traurig, einige schafften es, nach Amerika auszuwandern, andere starben z.B. in Theresienstadt. Ich zeige hier eine alte Torarolle auf einer Ansichtskarte aus England aus dem Jahr 1908 mit dem 1. Gebot (I commandment). Die zweite Ansicht stammt aus Sulzbach Rosenberg und zeigt eine "Straße in der unteren Stadt" um 1910. Damit auch eine Marke zur Geltung kommt, eine Gebührenmarke der Stadt Amberg vom 17. März 1956. Man sieht das sogenannte Vilstor, benannt nach einem Fluss, der durch Amberg fließt. Ganz in der Nähe schlummerte die nun neu entdeckte Schriftrolle in dieser Stadt und wurde nun restauriert und heute im Bundestag vervollständigt. Liebe Grüße 10Parale
10Parale Am: 04.02.2021 22:33:45 Gelesen: 19887 # 4
@ 10Parale [#3] Am 29.3.393 n.Chr. wurde in Konstantinopel im 3. Konsulatsjahr des Theodosius und Abundantius (Quelle: Codex Theodosianus 16,8,9) ein weiterer Befehl erlassen, dem man ca. 1625 Jahr später Aufmerksamkeit zollen sollte, Auszug aus der Weisung an Addeus: "Daß die Sekte der Juden durch kein Gesetz verboten ist, steht zur Genüge fest.[...] Deine erhabene Größe (Addeus ist gemeint, Anm. d.Verfasssers) wird also nach dem Empfang dieses Befehles die Ausschreitungen jener, die sich im Namen der Christlichen Religion zu solch gesetzwidrigem Tun verleiten lassen und versuchen, Synagogen zu zerstören und auszuplündern, mit angemessener Strenge zurechtweisen." Wilhelm Krützfeld *9. Dezember 1880 in Hornsdorf, † 31. Oktober 1953 in Berlin), ein preußischer Polizeibeamter, schien dieses Gebot auch mehr als 1625 Jahre nach diesem Befehl der römischen Kaiser zu beherzigen und stoppte in der Reichspogromnacht 9./10. November 1938 eine SA-Kohorte, die die Neue Synagoge in Berlin in Brand setzen wollte. Tatsächlich zogen sich die Schergen zurück und die brennende Synagoge wurde von der Berliner Feuerwehr gelöscht. Die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße (1866 eingeweiht) auf einer Briefmarke der Bundesrepublik Deutschland.
Altmerker Am: 05.02.2021 10:47:41 Gelesen: 19852 # 5
@ 10Parale [#4] Das Feuilleton „Ein Reviervorsteher“ vom bekannte Feuilletonisten Heinz Knobloch, der später ein Buch dazu veröffentlichte, in der damals beliebten und sehr auflagenstarken DDR-Wochenzeitung „Wochenpost“ erbrachte den Anruf: „Das war mein Vater!“ Sein Sohn Artur in Berlin wußte manches, ebenso dessen in Hamburg lebender Bruder Walter; Der Revier-Oberleutnant Wilhelm Krützfeld würde fortan nicht mehr vergessen werden. Ich würde die Marke mit Deutsche Post rein historisch doch der DDR zuordnen. (MiNr. 3358 - 3359) Fein, dass Du das Thema immer mit Neuigkeiten bestückst! Gruß Uwe
10Parale Am: 09.02.2021 19:49:40 Gelesen: 19795 # 6
@ Altmerker [#5] Danke für das Lob. Heute, etwas verspätet, habe ich auf unserer Poststelle in Lörrach gleich mehrere Bogen der Marke mit dem hebräischen Wort "CHAI", was Leben bedeutet, gekauft. "Am Israel Chai" bedeutet beispielsweise "Israel lebt" und "Lechaim" bedeutet beim Zuprosten so viel wie "Auf das Leben". Das Leben hat den höchsten Stellenwert im Judentum. In der hebräischen Sprache wir das Wort mit den Buchstaben Chet und Jod geschrieben. Diese beiden Buchstaben haben ein hohe Symbolkraft und werden manchmal auch auch Schmuckstücken dargestellt. Liebe Grüße 10Parale
Altmerker Am: 13.02.2021 20:09:21 Gelesen: 19745 # 7
Philatelistisch gab es in unserem Nachbarland Österreich eine komplette Übersicht aller jüdischer Persönlichkeiten von Adler bis Zweig auf Marken des Landes. Leider habe ich die Ausstellung dazu nicht sehen können. Gruß Uwe
10Parale Am: 14.02.2021 10:16:25 Gelesen: 19715 # 8
@ Altmerker [#7] Das würde mich auch interessieren. Einige Personen auf den abgebildeten Marken kenne ich gar nicht und es sind leider nur 2 Frauen dabei. Ich habe auch vergeblich Martin Mordechai Buber gesucht, obwohl er ein Sohn Wiens war (geb. 8. Februar 1878 in Wien - gest. 13. Juni 1965 in Jerusalem). 1928 zog der renommierte Religionsphilosoph mit seiner zum Judentum konvertierten katholischen Ehefrau Paula Winkler nach Heppenheim an der Bergstraße. Der aus wohl situiertem Hause stammende Buber hatte 2 Söhne. Bestimmt feierten sie öfters den Sabbath in der Synagoge in Heppenheim. Schon im Mittelalter gab es in dem zum Erzbistum gehörende Heppenheim jüdische Mitbewohner(innen). Jedoch kam es erst im 17. Jahrundert zu einer größeren Ansiedlung von jüdischen Familien, die im 18. und 19. Jahrhundert noch zunahm. Juden hatten eine Art Schutzgeld an die Behörden zu bezahlen (z.B. 30 Gulden im 17. Jahrhundert), um ein einigermaßen freies Leben führen zu können. Im Jahr 1890 waren 2,8 % der Bevölkerung von Heppenheim (5.239 Einwohner) jüdisch [1]. Als der jüdische Lehrer M.Oppenheimer 1891 von seinen Flitterwochen zurückkehrte, wurde er am Bahnhof herzlich von seinen christlichen Kollegen empfangen und der Gesangverein von Heppenheim brachte ihm später ein Ständchen bei. Der Lehrer dankte und wünschte sich für die Zukunft, "dass das harmonische Verhältnis zwischen den Bekennern verschiedener Konfessionen nicht getrübt werde". (Quelle: Zeitschrift der Israelit vom 09. Juli 1891). Martin Buber lebte noch bis 1938 in Heppenheim und emigrierte dann nach Jerusalem. Seine 3000 Bände umfassende Bibliothek wurde geplündert. Die Synagoge auf der Bildpostkarte wurde von den Gebrüdern Hirsch (aus Heppenheim stammend, später Bankiers in London) finanziert und am 10. Oktober 1900 (vermutlich während des Sukkotfestes) feierlich eingeweiht. Erbaut wurde sie von Heinrich Metzendorf-Bensheim. Im Martin Buber Haus gibte es heutzutage einen Internationalen Rat von Christen und Juden und es wird viel getan, die Erinnerung an die vergangenen Zeiten aufrecht zu erhalten. Briefmarke zum 100. Geburtstag von Martin Buber (Michel Nr. 962). Schönen Sonntag 10Parale [1] http://www.alemannia-judaica.de
Altmerker Am: 14.02.2021 11:58:07 Gelesen: 19700 # 9
@ 10Parale [#8] Ich weiß ja nicht, ob es die Broschüre noch im Jüdischen Museum Wien oder in Singers Bookshop gibt. Ich scanne mal die Namensliste. Es sind drei Frauen dabei. Einen Sonntags-Gruß aus dem verschneiten, minus 11 Grad kalten, aber klaren Harz, Uwe
10Parale Am: 21.02.2021 21:00:34 Gelesen: 19624 # 10
@ Altmerker [#9] Danke, diese Broschüre gebiert einige wichtige Namensträger der jüdischen Geschichte nördlich der Alpen. Der Titel "Abgestempelt" einmal mit Fragezeichen und einmal mit Ausrufezeichen regt an zum Nachdenken. Der hebräische Name von Worms heißt "Warmaisa". Zusammen mit Speyer (hebräisch: Schpira) und Mainz (hebräisch: Magenza) bilden die Anfangsbuchstaben den Begriff der SchUM-Städte (Akronym). Alle 3 Städte waren im frühen Mittelalter Zentren jüdischer Gelehrsamkeit und Handels. Bischöfe der christlichen Kirchen waren sogar behilflich, die Ansiedlung von Juden im Rheinland zu fördern, um die eigene Bedeutung ihrer Städte zu fördern. So wurde die Wormser Synagoge im Jahr 1034 errichtet und gehört neben der Altneuschul in Prag mit zu den ältesten Synagogen Europas. Auch der Friedhof "Judensand" zählt zu den ältesten Friedhöfen in Europa, wo mehr als 2000 Grabsteine vom 11. im 20. Jahrhundert zu finden sind (Quelle: Jüdische Allgemeine Nr. 7/2021). Heute wurden übrigens die Feierlichkeiten zum Festjahr eröffnet. Ich zeige hier einen schönen Stempel von "Warmaisa" (Worms) vom 29.11.1872 auf einer 3 Kreuzer Marke aus der Anfangszeit der Reichsgründung. Vielleicht finden sich auch alte Stempel von Speyer und Mainz. Liebe Grüße 10Parale
10Parale Am: 14.04.2021 21:06:02 Gelesen: 19395 # 11
Speyer, Worms und Mainz, Die SCHUM-Gemeinden wurden im Jahr 1146 im französischen Troyes von einer Versammlung von bedeutenden Rabbinern mit hohen Befugnissen in der jüdischen Rechtsprechung und religiösen Angelegenheiten ausgestattet. Eine der ältesten Synagogen in Deutschland und Europa findet sich in Worms (1034 n.Chr. errichtet). Älter sind nur Synagogen in Ostia und Stobi. Sie wurde von einem kinderlosen Ehepaar gestiftet (oft stifteten fromme, wohlhabende Paare etwas für die Gemeinden). Es waren gerade die christlichen Bischöfe, die Interesse an der Ansiedlung von Juden entlang des Rheins zeigten, um das Ansehen der Städte zu erhöhen. Die Hauptwand der Synagogen wurde so gerichtet, das sie nach Osten zeigten. Dies gelang am besten im Frühling zur Tagundnachtgleiche. Ein christlicher Steinmetz soll bei der Errichtung mitgeholfen haben. Während der Kreuzzüge (1096 u. 1146 n.Chr.) und während der Pest (1348-1350) wurde die Synagoge stark zerstört, aber immer wieder neu aufgebaut. Im Jahr 1689 wurde die Synagoge von französischen Soldaten, die die Stadt besetzten, als Stall benutzt. Die Synagoge wurde am 10. November 1938 abgefackelt und 1942 gaben Bombenhagel und 1945 amerikanische Bomber ihr den Rest. Was wir heute sehen, ist eine getreue Nachbildung dessen, was zwischen 1938 - 45 zerstört wurde. In Worms gibt es einen jüdischen Friedhof mit der Bezeichnung "Heiliger Sand". Er ist einer der bedeutendsten Friedhöfe in Europa. Dort gibt es ein Grab eines Rabbi Meir von Rothenburg (1215 - 1293). Dieser hatte einige Schulden bei Rudolf I. (1218 - 1291), dem ersten römisch deutschen König und er wollte im Jahr 1286 auch in messianischer Hoffnung nach Jerusalem auswandern. Das Herrscherhaus setzte den Rabbi in Haft und forderte Lösegeld für seien Freilassung. Dies lehnte der Rabbi ab und blieb bis im Jahr 1293 in Gefangenschaft in Ensisheim (Elsass), nicht weit weg von Lörrach, wo ich wohne. Ein reicher Frankfurter Kaufmann, Alexander ben Salomon Wimpfen (gestorben 1307) gab der Legende nach sein ganzes Vermögen (ca. 20.000 Pfund Silber), damit der Rabbiner 1307 nach Worms zurückkehren und dort bestattet werden konnte. Beide Gräber liegen heute nebeneinander. (Quelle: Jüdische Allgemeine Nr. 7/2021 und Europas Synagogen von Carol Herselle Krinsky , 1984, Fourier Verlag Wiesbaden). Ich zeige hier eine Ansichtskarte, die die "Raschi-Kapelle" (anderer Name der Synagoge in Worms) zeigt. Ich habe extra eine Karte gekauft, die in hebräischer Schrift verfasst wurde. Sie lief mit 2 x 2 Kopeken frei gemacht, am 22.02.09 von einer russischen Stadt nach Paris an Madame Mina Sloutzki. Ein Stempel beweist die Ankunft in Paris am 9. März 1909. Liebe Grüße 10Parale
bayern klassisch Am: 14.04.2021 21:46:58 Gelesen: 19385 # 12
@ 10Parale [#11] Sehr interessant - ist ja auch bei mir kurz vor der Haustür (in Speyer geboren). Danke für die Aufklärung. Liebe Grüsse von bayern klassisch
10Parale Am: 19.04.2021 21:38:47 Gelesen: 19323 # 13
@ bayern klassisch [#12] Vielen Dank für das Lob eines großen Philatelisten. Über Speyer werde ich in diesem Sinnzusammenhang in Kürze berichten. Bin ja ein Anhänger, immer etwas über den nationalen Tellerrand hinaus zu blicken. Im Jahr 1984 feierte Kopenhagen, die Hauptstadt von Dänemark, ein Jubiläums-Fest 300 Jahre Jüdische Gemeinde. Sogar eine Briefmarke wurde aufgelegt (Michel Nr. 818), die eine Frau zeigt, die die Sabbatkerzen segnet. Ich zeige hier eine Maximumkarte, die eine Szene in einer Synagoge mit den Augen von Kindern sieht. Dazu ein Sonderstempel mit einer Thorarolle. Der Künstler, der die Karte schuf, hat sie auch signiert (Auflage: 150 Stück). Liebe Grüße 10Parale
bayern klassisch Am: 19.04.2021 23:31:43 Gelesen: 19308 # 14
@ 10Parale [#13] Hallo 10Parale, danke für die Blumen. :-) Von dem Künstler habe ich schon ein paar Sachen gesehen (ist mir aber zu modern, bin halt eher der Antiquitätenfreund) und über Neuigkeiten zu Speyer (Mikwe usw.) freue ich mich sehr hier zu lesen. Liebe Grüsse von bayern klassisch
10Parale Am: 24.04.2021 20:59:37 Gelesen: 19239 # 15
@ bayern klassisch [#14] die Arbeiten sind in Vorbereitung. Zuvor möchte ich eine Zeitung vorstellen, die sich schon seit 1946 in Deutschland an jüdische und am Judentum interessierte Leser wendet. Die Wochenzeitung für Politik, Kultur, Religion und Jüdisches Leben sieht sich in der Tradition großer liberaler jüdischer Zeitungen des 19. und 20. Jahrhunderts, siehe [1] . Ich persönlich finde den Teil, der sich mit der jüdischen Religion beschäftigt für mich als Christen sehr interessant. Ich konnte schon viele Gemeinsamkeiten entdecken und viel über jüdische Gebräuche und Traditionen lernen. Herausgeber der Zeitung ist der Zentralrat der Juden in Deutschland mit Sitz in Berlin. Hier ein Freistempler vom 22.04.21. Auch dies dürfte bald der Geschichte angehören, da der Rechnungsversand nun bald per E-Mail erfolgt (siehe rotes Label). [1] https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdische_Allgemeine
10Parale Am: 04.05.2021 21:07:00 Gelesen: 19108 # 16
@ 10Parale [#15] Wenn Rothenburg ob der Tauber heute 10% jüdische Mitbürger hätte, wären das etwa 1.100 Personen. Um 1274, als der mittelfränkische Ort zur Freien Reichsstadt erhoben wurde, lebten tatsächlich schon 500 - 600 Juden in der Stadt, was 10% der Bevölkerung darstellte. Damit zählte die jüdische Gemeinde zu einer der ältesten in Deutschland überhaupt. Es gab eine Synagoge, eine Mikwe (Tauchbad), ein Gemeindehaus und einen Friedhof. Wie in vielen anderen Städten lebte auch in Rothenburg ob der Tauber die jüdische Bevölkerung in einem zugewiesenen Viertel. So finden wir in vielen Städten in jener Zeit eine "Judengasse". Nun, auch Berufsgruppen hatten in jener Zeit ihre Straßenzüge, so gab es Metzger-, Bäcker und auch allerlei Handwerkergassen. Es gab aber auch Ausnahmen. Im galizischen Brody (heute: Westukraine) war es Juden erlaubt, überall zu wohnen, wo sie wollten. Viele Juden wollten in der Nähe der Synagoge wohnen, so dass sich darum Stadtviertel und später auch Ghettos bildeten (Warschau). Hier eine alte pittoreske Künstlerkarte, die die Judengasse in Rothenburg ob der Tauber zeigt (signiert J.Frank). Zwei Musikanten ziehen aus dem Schatten eines Baumes kommend durch die Gasse und werden von einer einzelnen Frau auf einer Treppe betrachtet. Liebe Grüße 10Parale
10Parale Am: 27.05.2021 21:26:27 Gelesen: 18937 # 17
Am 10. August 1989 erschien die 300 Pfennig Marke zu Ehren von Fanny Hensel. Doch wer war diese Frau, die mit grüner Farbe im Zweifarben-Stichtiefdruck auf weißem, fluoreszierenden Papier abgebildet ist? Im sogenannten SHARED HISTORY PROJECT ( https://sharedhistoryproject.org/ ) anlässlich der 1700 Jahre-Feier erschien als Objekt 21 "Fanny Hensels (geb. Mendelssohn Bartholdy) italienisches Kreuz. Fanny Hensel (geb. 14. November 1805 in Hamburg) stammt aus der berühmten Musikerfamilie Mendelssohn Bartholdy. Ihr Großvater Moses und ihr Bruder Felix sind vielen als großer Philosoph und Musiker bekannt. Fanny Hensel war ebenfalls eine geniale Pianistin und komponierte eigene Stücke. Als sie 11 Jahre alt war, hatten sie ihre Eltern Abraham Mendelsohn und Lea Solomon christlich taufen lassen, ebenso wie Ihre Geschwister. Es stellte sich bald die Frage, weshalb der Übertritt dieser wohlhabenden Familie zum evangelischen Christentum vollzogen wurde. Jeder, der sich selbst den Wurzeln seiner Erziehung entreißt, weiß, wie schwer es ist, eine neue religiöse Identität zu finden. Hing es nicht auch mit dem gesellschaftlichen Aufstieg zusammen? Die hervorragenden Kompositionen von Johann Sebastian Bach förderten auch den Zusammenhalt der evangelischen Christenheit in der neu erwachenden Nation. War es da als Musiker nicht gerade eine Pflicht, sich als ein Zeichen der Assimilation dem Christentum zu unterwerfen? Viele jüdische Personen traten damals zum evangelischen Glauben über, doch nicht alle. Als Fanny Hensel im Alter von 40 Jahren in der vollen Blüte Ihres Lebens und musikalischen Schaffens eine Reise nach Florenz zu ihrer kranken Schwester unternahm, kaufte sie dort ein Kreuz. Dieses Kreuz stellte sie in ihrem Musikzimmer auf, um ihre Neigung zum Christentum zu unterstreichen. Sie war mit Herzen Christin und mit Wurzeln Jüdin. Abgebildet das zugehörige Ersttagsblatt der Deutschen Bundespost aus der Dauerserie "Frauen der deutschen Geschichte". Liebe Grüße 10Parale
10Parale Am: 12.07.2021 20:31:54 Gelesen: 18702 # 18
@ forum, am 30.VIII.97 schrieb Theodor Herzl eine Ansichtskarte an seine Tochter Trude. Freigemacht mit 10 Rappen Wappen und Abstempelung von Basel. Die Karte schrieb er während des Zionistischen Kongresses. Auf der Karte noch ein Bahnpoststempel von ISCHL vom 31.VIII.97. Wer die Karte sehen möchte, schaue mal auf [1], ein virtuelles Museum, wo die Geschichte der Juden nördlich der Alpen an Hand von sehr schönen Objekten dargestellt ist. Liebe Grüße 10Parale [1] https://sharedhistoryproject.org/object/card-from-theodor-herzl-to-his-daughter-trude
bayern klassisch Am: 12.07.2021 21:24:36 Gelesen: 18693 # 19
@ 10Parale [#18] Hallo 10Parale, vielen Dank für den Link - ich bin sicher, dass sich vieles Interessante in zahllosen Sammlungen zu dieser spannenden Thematik finden lässt - dieses Thema ist noch lange nicht erledigt. Liebe Grüsse von bayern klassisch
10Parale Am: 16.07.2021 19:52:55 Gelesen: 18624 # 20
@ bayern klassisch [#19] Ich staune oft und in aller Stille über Deine schönen bayerischen Belege, von komplizierten Porto-Entschlüsselungen (die ich oft 3 Mal lesen muss, bis ich sie verstanden habe) ganz zu schweigen und danke für den Dank. Ich habe lange überlegt mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich habe ja auch einen Komplex Antisemitismus eröffnet. Mit meiner Ehefrau habe ich mich nun entschlossen, dieses Jahr Auschwitz (Oświęcim) zu besuchen. Als Schüler war ich einmal in Dachau und das hat mich sehr mitgenommen, mehr als die Erzählungen, die ich bis dato von meinen Großeltern über den Krieg gehört hatte. Auf der Hin- und Rückreise wollen wir Krakau und Ostrava streifen. Ich möchte trotz allen Gräueln das Schöne, das Gemeinsame und das Miteinander dieser langen Geschichte und Gegenwart hervorheben. Darüber gibt es Zeugnisse und Zeugen. Ich hoffe dass es auch eine Zukunft gibt und Synagogen in Deutschland nicht mehr durch Polizei und Soldaten bewacht werden müssen. Hier eine alte Ansichtskarte von Speyer. Dort herrschte schon sehr früh jüdisches Leben und Brauchtum. Ich lasse den Text unkommentiert. Liebe Grüße 10Parale
bayern klassisch Am: 16.07.2021 20:44:16 Gelesen: 18614 # 21
@ 10Parale [#20] Hallo 10Parale, vielen lieben Dank für die Blumen. Bin leicht errötet beim Lesen deiner Zeilen. Wichtig ist, dass die Geschichte, wie sie war, Allgemeingut wird bzw. bleibt. Für mein Nervenkostüm wären solche Reisen nicht gut, daher lasse ich das. Aber ich bin in Speyer geboren und hatte im Religionsunterricht als Lehrer einen Konvertiten (Sohn des Rabbiners von Speyer vor dem Krieg). Immer, wenn ich die Propaganda der 1930er und 1940er Jahre mit Abbildungen von Juden sehe, sehe ich meinen ehemaligen Lehrer, der diesen Abbildungen in keinster Weise entsprach und der Deutschland liebte so wie es damals war - diese Geisteshaltung würde ich mir für alle Menschen wünschen, aber bei DER Realität wird es wohl ein frommer Wunsch bleiben. Die Mikwe in Speyer habe ich besucht und war, immerhin romanischen Ursprungs, beeindruckt, wie Speyer überhaupt viel zu bieten hat für eine Kleinstadt mit 48.000 Einwohnern. Aber vielleicht bin ich da positiv voreingenommen. Schönes WE und liebe Grüsse, Ralph
10Parale Am: 04.08.2021 20:17:33 Gelesen: 18501 # 22
@ bayern klassisch [#21] Speyer steht bei mir ganz oben auf der Wunschliste für einen Ausflug mit der Bahn. Mal schauen, ob es sich dieses Jahr noch realisieren lässt. Was deinen Lehrer betrifft, den Konvertiten, da gab es ja ein großes Vorbild: Heinrich Heine. Zu Honoré de Balzac soll der große Dichter und Schriftsteller einmal gesagt haben: "Ich wurde getauft, aber bin nicht konvertiert." Ein Gedicht von ihm lautet so: Und alle die Tränen fließen Nach Süden, im stillen Verein, Sie fließen und ergießen Sich all in den Jordan hinein Quellen: "Der Rabbi von Bacherach" von Heinrich Heine und "Zu einer anderen Zeit", Porträt der jüdisch-deutschen Epoche von Amos Elon (Carl Hanser Verlag 2002). Ich bleibe mal in Bayern und zeige eine schöne Ansichtskarte aus der Landeshauptstadt München. Am 18.5.1911 mit einem waagrechten Paar des Prinzregenten Luitpold Michel Nr. 77 Type I freigemacht lief die Karte in den noblen Stadtteil KADIKEUI von Konstantionopel, wo die Ankunft bildseitig mit einem schönen türkischen Stempel dokumentiert wurde. Die schöne Ansichtskarte zeigt die ALTE SYNAGOGE in MÜNCHEN in friedlichem Beieinander mit der FRAUENKIRCHE im Hintergrund. Die ALTE MÜNCHNER SYNAGOGE wurde als eine der ersten Synagogen von den Nationalsozialisten abgefackelt. Heute steht dort ein Gedenkstein. Liebe Grüße 10Parale
bayern klassisch Am: 04.08.2021 21:04:48 Gelesen: 18489 # 23
@ 10Parale [#22] Hallo 10Parale, schönes Gedicht und feine Karte. Wie schön könnte die Welt heute noch sein, hätte es nicht Verrückte und Kriege gegeben? Liebe Grüsse von bayern klassisch
T1000er Am: 22.08.2021 19:55:20 Gelesen: 18345 # 24
@ 10Parale [#15] Hier ein Freistempler vom 22.04.21. Auch dies dürfte bald der Geschichte angehören, da der Rechnungsversand nun bald per E-Mail erfolgt. Mir liegt auch ein AFS dieser Zeitung vor. Mit Datum vom 18.08.2021 auch noch sehr "frisch". Ich habe den Stempel mal in die Datenbank übernommen, da die Maschine bisher hier noch nicht erfasst wurde und Deinen als mit vorerst frühesten Verwendungsdatum ergänzt. Schöne Grüße, Thomas
Altmerker Am: 22.08.2021 20:05:07 Gelesen: 18341 # 25
@ 10Parale [#15] @ T1000er [#24] Hallo, als Pressehistoriker gehe ich mal paar Jahre zurück. Damals saß die Redaktion noch in Düsseldorf, zog später in die Hauptstadt Bonn und sitzt nun in der Bundeshauptstadt Berlin. 1946 war Düsseldorf Gründungsort der "Allgemeinen" als "Jüdisches Gemeindeblatt für die Nord-Rheinprovinz und Westfalen". Gruß Uwe
T1000er Am: 22.08.2021 20:17:53 Gelesen: 18336 # 26
@ Altmerker [#25] Als Pressehistoriker.... habe ich mal eine Frage an Dich. Sind Dir von dieser Zeitung Auflagenzahlen bekannt? Die heutige Auflage beläuft sich auf rund 6.900 Exemplare. Wie hoch war die Auflage wohl in den 1960er Jahren? Bestimmt weniger, oder? Schöne Grüße, Thomas
Altmerker Am: 22.08.2021 22:00:30 Gelesen: 18325 # 27
@ T1000er [#26] Hallo, sorry, kann ich nicht mit dienen. Aber ich schaue morgen in der Redaktion nochmal. Viele Grüße Uwe
Altmerker Am: 23.08.2021 08:54:28 Gelesen: 18303 # 28
@ T1000er [#26]

Hallo,
Trotz intensiven Suchens finde ich keine Auflagenzahl. Aber die Preisliste für Anzeigen liegt mir (mehrere Jahre) vor. Dazu bin ich auf eine Anzeige des Blattes gestoßen. Außerdem sind da weitere jüdische Titel aufgezählt, zu denen ich kein Material habe.
Freundliche Grüße
Uwe
Totalo-Flauti Am: 23.08.2021 09:43:19 Gelesen: 18298 # 29
Liebe Sammlerfreunde, wenn ich mich kurz melden darf. Aber zu dem Thema muss ich kurz über meinen Lieblingsautor schreiben. Er ist Jude. Es handelt sich um Lion Feuchtwanger (geboren am 7. Juli 1884 in München; gestorben am 21. Dezember 1958 in Los Angeles). Er war zu seinen Lebzeiten einer der, auch international, erfolgreichsten deutschen Autoren seiner Zeit. Die Auflagenzahlen seiner Bücher, mit denen er wohl leider auch gern prahlte, überstiegen sogar die Auflagenzahlen von Thomas Mann. Seit seiner Emigration nach Frankreich im Jahr 1933 war er staatenlos. Die Nationalsozialisten verbrannten seine Bücher und bürgerten ihn aus. Feuchtwanger hat vielen Emigranten in Frankreich und später in den USA selbstlos geholfen. Seine akribisch recherchierten historischen Romane gehören meiner Meinung nach aber immer noch zur Weltspitze der Literatur.[1] Die Wartesaal-Trilogie ("Erfolg", "Die Geschwister Oppermann" und "Exil") wurden verfilmt. In der DDR wurde mit der MiNr. 1945 eine Briefmarke zu 35 Pfennig in der Reihe Bedeutende Persönlichkeiten mit Feuchtwanger ausgegeben. Vor einigen Jahren hat der Aufbau_Verlag wieder die Werke Feuchtwangers aufgelegt. Mit lieben Sammlergrüßen Totalo-Flauti. [1]https://de.wikipedia.org/wiki/Lion_Feuchtwanger
10Parale Am: 24.08.2021 22:01:44 Gelesen: 18268 # 30
@ Totalo-Flauti [#29] Da werde ich mir bald mal die Bücher von Lion Feuchtwanger reinziehen müssen. Vielen Dank für diesen Literatur-Tipp. Da ist mir was entgangen. @ Altmerker und @ T1000 Ich habe die Jüdische Allgemeine im Jahr 2001 abonniert und damals hieß sie noch ALLGEMEINE JÜDISCHE WOCHENZEITUNG (siehe Scan). Leider habe ich den Briefumschlag nicht aufgehoben, der hätte nun auch für die Stempeldatenbank dienen können. Ich habe mal das Blatt angeschrieben und vielleicht erhalte ich Auflagenzahlen von der Quelle. Ja, es gibt einige jüdische Persönlichkeiten und Berühmtheiten, die unser Leben in Deutschland und Europa mitgeprägt haben. Einer der Berühmtesten dürfte wohl Albert Einstein sein. Ich denke, ich brauche ihn gar nicht groß vorzustellen, jeder kennt ihn und weiß, dass er mit seiner Allgemeinen und Speziellen Relativitätstheorie das Newton´sche Weltbild verrückte. Sein Satz "Jedenfalls bin ich überzeugt, dass der nicht würfelt" stammt aus einem Brief an Niels Bohr, einem berühmten Quantenphysiker. Das daraus resultierende Idiom "Gott würfelt nicht" wurde damit zu einer Interpretationsplattform zwischen Vernunft und Religion. In Bern gibt es in der Nähe des Bärengrabens ein Bank, auf der man neben Albert Einstein Platz nehmen kann. Da hat man ihn verewigt. Hier zeige ich noch die Michel Nr. 132 von Israel aus dem Jahr 1956, welche den Nobelpreisträger (1921) und seine berühmte Formel zeigt, die besagt, dass Masse und Energie ineinander umwandelbar sind. Liebe Grüße 10Parale
T1000er Am: 10.10.2021 01:25:28 Gelesen: 18050 # 31
@ 10Parale [#4] Als Ergänzung oder auch als Erweiterung der von Dir gezeigten DDR-Briefmarke zum Wiederaufbau der "Neuen Synagoge Berlin (Centrum Judaicum)" hier noch der Freistempel der gleichnamigen Stiftung in zwei verschiedenen Wertrahmen Varianten. Schöne Grüße, Thomas
10Parale Am: 22.10.2021 14:09:36 Gelesen: 17962 # 32
@ T1000er [#31] Danke für das Zeigen. Vor einigen Jahren, am 03.10.2005 war ich mit meiner Frau in dieser wunderbaren neuen Synagoge in Berlin und habe mir damals ein schönes Buch gekauft von Horst Helas "Juden in Berlin-Mitte", herausgegeben vom Verein zur Vorbereitung einer Stiftung Scheunenviertel Berlin e.v. (Trafo Verlag). Ich halte mich etwas am Rahmen des Shared History Projects [1] und zeige einen Brief der Gebrüder Arnhold, abgestempelt in Berlin am 24.12.1941. Die Marke zum 10 Pfennig (Heinrich von Stephan) besitzt meiner Ansicht nach eine firmeneigene Lochung G A. Das Bankhaus Gebrüder Arnhold war das erste private jüdische Bankhaus, das im Rahmen der Arisierung von den Nazis liquidiert wurde. Das Bankhaus wurde im Jahr 1864 von Max Arnhold und Ludwig Philippson in Dresden gegründet. 1911 wurde in Berlin eine Zweigstelle eröffnet. Die Bank engagierte sich im Beteiligungsgeschäft und führte eine hauseigene Pensionskasse für seine Angestellten ein, was damals eine Neuerung darstellte. Noch heute haben viele Unternehmen kein solches Konzept, weshalb auch viele Menschen im Rentenalter von den Sozialkassen abhängig werden. Am kommenden Montag abend gibt es übrigens bei der ARD eine Sendung zum Thema "1700 Jahre Festjahr....", moderiert von Frau Sideropoulos. Liebe Grüße 10Parale [1] https://sharedhistoryproject.org/
bayern klassisch Am: 22.10.2021 14:25:54 Gelesen: 17952 # 33
@ 10Parale [#32] Hallo 10Parale, danke für deinen (wie immer) äußerst lesenswerten Beitrag. Wenn man sich mit der Geschichte der Juden in Deutschland (oder Mitteleuropa) beschäftigt, stellt man immer wieder fest, wie fortschrittlich sie in sozialer Hinsicht waren und wie gerne sie Geld gaben für Armenhäuser, Witwen und Waisen, Schulen usw.. Oft waren sie beispielgebend und ihrer Zeit weit voraus, wie du richtig schreibst. Zwar ist dergleichen in der Thora auch so "vorgeschrieben", doch gab es scheinbar weit mehr Aktivitäten auf diesem Gebiet, als man 1933 ff den Leuten weismachen wollte. Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende wünscht dir bayern klassisch
Seku Am: 16.11.2021 17:12:01 Gelesen: 17711 # 34
Wer sich für das Postwesen im Getto Litzmannstadt interessiert, dem sei das hier [1] empfohlen. Shalom Günher [1] https://www.philaseiten.de/cgi-bin/index.pl?ST=4789&CP=0&F=1 # 4
10Parale Am: 21.11.2021 19:52:38 Gelesen: 17633 # 35
@ Seku [#34] Im polnischen Lodz währte das Ghetto Litzmannstadt (benannt nach dem NSDAP-Reichstagsabgeordneten Karl Litzmann) von 1939 - 1944 und war nach Warschau das zweitgrößte Ghetto in Polen. Mit diesem unsäglichen Namen verbinden sich weiteren Ortsnamen wie Kulmhof, Auschwitz II, Majdanek, Treblinka und Sobibor. Die Geschichten sind hoffentlich jedem bekannt. Ich habe mich bislang noch sehr wenig mit dem Postwesen im Ghetto von Lodz beschäftigt und lese mich in das Thema ein. Sicherlich gibt es auch Sammler der Ghettopost von Warschau. Ich hoffe, die erhaltenen Briefe tragen dazu bei, auch Spuren zu finden von Menschen, deren Leben so plötzlich und grausam endete. Heute, 21. November 2021, ist übrigens MIZWA DAY. MIZWA ist hebräisch und bedeutet so viel wie "gute Tat". Seit dem Jahr 2012 gibt es diesen Tag im jährlichen Turnus, wo Juden und Nichtjuden zusammenkommen, um irgendetwas Gutes zu tun. Denn in den Sprüchen der Väter heißt es: "Eine gute Tat führt zur Nächsten". Quelle: https://www.zentralratderjuden.de/angebote/begegnung-dialog/mitzvah-day/ So flattern die Tage auch in meinen Briefkasten Spendenaufrufe zu Weihnachten. Ja, warum eigentlich nicht auch mal auf diese Weise was Gutes tun. Hier ein Fensterumschlag von der Deutschen Krebshilfe als Beispiel für MIZWA. Schönen Sonntag Stephan 10Parale
Baber Am: 07.12.2021 12:25:06 Gelesen: 17505 # 36
Dieser Beleg hat nur indirekt mit dem Thema zu tun. Aus irgendeinem Grund ist diese Weihnachtsbrief 2000 aus USA in München nochmals durch die Stempelmaschine gelaufen und das Wort München vom Werbestempel ist so auf die US-Sondermarke zum Chanukkafest gelandet, als wenn München dieses jüdische Lichterfest feiern würde. Gruß Bernd
dietbeck Am: 07.12.2021 12:59:45 Gelesen: 17497 # 37
@ 10Parale [#35] Kleine Berichtigung, das Ghetto bestand "offiziell" von 1940 bis 1944. Wer sich dieser und anderer Thematiken nähern will dem sei das Buch von Heinz Wewer: "Spuren der Vernichtung" ans Herz gelegt. Viel Hintergrundinformation anhand von postalischen Belegen. Dabei eben auch ein grösserer Teil zum Ghetto Litzmannstadt, aber auch zu anderen Ghettos, Organisationen und Einrichtungen, die im Zusammenhang mit dem Holocaust standen.
10Parale Am: 07.12.2021 22:36:53 Gelesen: 17430 # 38
@ Baber [#36] Dieser Beleg hat nur indirekt mit dem Thema zu tun. Ich finde der Beleg passt sehr gut zu diesem Thema, zumal CHANUKKA, wohl das fröhlichste der jüdischen Feste, gerade gefeiert wurde und weil es seit 1700 Jahren auch nördlich der Alpen gefeiert wird. An dieser Stelle möchte ich auf einen Bericht von "Ayala Goldmann" in der Jüdischen Allgemeinen verweisen. Mit sehr viel Witz beschreibt sie ein Erlebnis mit einem jüdischen Adventskalender. Jawohl, so was gibt es tatsächlich und sie verrät sogar folgendes: Hinter dem Schild zum 1. Dezember verbarg sich am 4. Tag des Chanukka - Festes eine gestempelte Erstausgabe "Chai", Sonderbriefmarke 1700 Jahre jüdisches Leben e.V (siehe auch Beitrag [#6]. Liebe Grüße 10Parale
10Parale Am: 14.01.2022 16:36:44 Gelesen: 17191 # 39
@ dietbeck [#37] Vielen Dank für die Literaturempfehlung. Das Festjahr unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten wurde mittlerweile bis 31.07.2022 verlängert, siehe [1]. In Deutschland leben meinen Recherchen nach zum jetzigen Zeitpunkt ca. 200.000 Juden. Das ist ein Anteil von ca. 0,25 Prozent der Bevölkerung. Der Anteil von Muslimen beispielsweise liegt über 5 Prozent der Einwohner. Hier eine schöne Ganzsache von TEL AVIV aus dem Jahr 1949. In diesem Sinne wünsche ich allen jüdischen Mitbürgern. Shabbat Shalom! Dies ist der jüdische Gruß zum Beginn des Sabbats. Es soll Frieden herrschen. Der Sabbat beginnt am Freitag Abend mit Sonnenuntergang und endet am Samstag ebenfalls bei Eintritt der Dunkelheit. Dabei gibt es einen althergebrachten Rat, wie man den Eintritt der Dunkelheit bestimmen kann: Der Abend beginnt, wenn man einen grauen Wollfaden nicht mehr von einem blauen unterscheiden kann. 10Parale [1] https://www.juedische-allgemeine.de/unsere-woche/festjahr-wird-bis-mitte-2022-verlaengert/
10Parale Am: 17.11.2022 19:55:58 Gelesen: 14638 # 40
Heute erhielt ich einen schönen Brief mit der Sonder-Briefmarke "1000 Jahre Stendal". Nun fragt sich natürlich jeder, was dieser Anlass mit dem Festjahr 2021 zu tun hat. Ich habe mir überlegt, einmal zu erforschen, wie sehr das jüdische Leben in Stendal vorhanden war und bin auf Quellen gestoßen, die mich überraschten. Jüdisches Leben gab es in Stendal (Sachsen-Anhalt) schon im 13. Jahrhundert, also dann, als die Stadt schon Marktrechte erhalten und im Wachstum begriffen war. Stendal war ein Handelsplatz mit einem Warenverkehr u.a. von Schlesien kommend. Aus dem Jahr 1297 ist eine Stendaler Judenordnung bekannt, wo das Zusammenleben von den Markgrafen Otto und Konrad übergeben und geregelt wurde. Die Stadt war interessiert, die eigenen Bürger und die Juden zu halten und anzusiedeln und es wurden besondere Schutzbriefe für die Juden gewährt. So war beispielweise für das Wohn- und Bürgerrecht ein Mindestvermögen von 10 Mark erfoderlich. Die Juden beschäftigten sich als Geldleiher und beispielsweise im Fleisch- und Metzgerwesen. Juden hatten lt. der Verordnung von 1297 für einen Schutzbrief "ein Loth von der Mark (7%)" zu bezahlen, spezielle Schutzbriefe kosteten 4 Mark. Später (ca. 1350) wurde die Steuer eine Kollektivsteuer (alle stehen dafür ein!) und betrug jährlich 20 Mark brandenburgischen Silbers und wurde für 6 Jahre festgesetzt. Eine andere Währung zu dieser Zeit war der Schilling [1]. Eine Synagoge gab es schon seit frühester Zeit in Stendal. Als ich heute diesen schönen Brief aus Soyen (Bayern, Landkreis Rosenheim) erhielt, musste ich mich willkürlich mit der Geschichte dieser Stadt beschäftigen. Liebe Grüße 10Parale [1] Quelle: GERMANICA JUDAICA, Band II, Maastricht-Zwolle 1968 J.C.B.MOHR (PAUL SIEBECK) TÜBINGEN, Seite 791 ff.
10Parale Am: 13.01.2023 14:09:22 Gelesen: 14071 # 41
@ 10Parale [#40] Nun ist das Festjahr ja schon 2 Jahre vorüber, doch sehe ich immer wieder Anlässe, in dieser Rubrik etwas zu posten. Wie viele wohl gelesen haben, hat die Witwe des Schoa-Überlebenden Arnulf Reichert, Elizabeth Reichert (US-Amerikanerin und wohl gebürtig in Köln am Rhein) dem Kölner Zoo etwa 24,5 Millionen Euro vererbt. Da freuen sich die Giraffen und Elefanten, denn laut dem Vorstand des Kölner Zoos, Christopher Landsberg, können diese bald in eine neue Anlage umziehen. (Quelle: Jüdische Allgemeine Nr. 2/2023(5783). Im Übrigen lohnt es sich wirklich die o.g. Zeitung zu kaufen, im FINALE (letzte Seite) befindet sich ein humorvoll satirischer Artikel zum Thema Philatelie von Beni Frenkel. Besonders den Schweizer Philatelisten kann ich den ans Herz legen. Hier ein Auszug aus meiner Sammlung "Quer durch die Welt". Liebe Grüße 10Parale
10Parale Am: 17.07.2023 09:53:48 Gelesen: 12312 # 42
Unter der Rubrik "MÜNCHEN" und mit dem Titel "Historischer Fund" berichtet die Jüdische Allgemeine über einen sensationellen Fund in der Isar bei München. Es wurden Trümmerteile der Hauptsynagoge in München gefunden, die vor 85 Jahren im Juni 1938 in Trümmer zerlegt wurde. U.a. wurde ein Steinblock mit den Gesetzestafeln und den Zehn Geboten geborgen (einstiger Rundgiebel). Ich verweise auf [#22] in dieser Reihe und zeige noch einmal die Ansicht von München aus dem Jahr 1911, der die Alte Synagoge zeigt. Liebe Grüße 10Parale Stephan
10Parale Am: 22.03.2024 21:37:24 Gelesen: 10523 # 43
Unglaublich wie die Zeit vergeht. Nun sind wir schon in 3. Jahr nach dem Festjahr 2021. Heute war ich auf einem Flohmarkt und ein netter älterer Herr hatte einen Tisch mit tausenden von gut sortierten Post- und Ansichtskarten und allerei anderen philatelistischen Erzeugnissen. Ich hatte nebenan meinen kleinen Stand und die zufällige Nachbarschaft erzeugte einige gute Gespräche über das Leben, die Gesundheit und natürlich die Philatelie. Ich hatte Zeit etwas im Sortiment des Rentners zu stöbern, doch bevor ich mich dann doch ermüdete, fragte ich frank und frei, ob er Ansichtskarten von Synagogen habe. Ich brauchte nicht lange zu warten, er hatte seine Sammlung praktisch im geistigen Auge vor sich und präsentierte mir nach kurzer Suche die folgende Ansichtskarte. Ich habe sie so gelassen, wie ich sie vorfand. Der sympathische Zeitgenosse hatte dazu auch eine kleine Geschichte. Er komme selbst aus der Nähe von Seesen am Harz und die Ansichtskarte zeigt eine Schule und am rechten Bildrand etwas im Hintergrund die Synagoge. Ich schnappte meine Lupe und suchte irgendeinen Hinweis auf einen Synagogenbau, einen Davidsstern symbolisch im Gemäuer oder in Fensterglas gezeichnet, oder, was ich schon in Osteuropa gesehen habe, die beiden Tafeln von Moses mit den 10 Geboten irgendwo oben auf dem Dach. Doch ich fand nichts. "Sind sie sicher, dass das mal eine Synagoge war?"...fragte ich den Händler. Er versicherte mir "ja" und dann wies er mit dem Zeigefinger auf den schwarzen Balken unten Rechts. "Die Nazis haben nicht zugelassen, dass das Wort Synagoge im Schrifttext erschien, es musste durchgestrichen werden.". Zufällig fand ich etwas später eine Karte aus Karlsbad, da war auch ein Text durchgestrichen worden, genauso geschwärzt wie bei der Synagoge. doch es zeigte offensichtlich ein berühmtes Kurhotel, und nicht eine weitere Synagoge. Wir hatten beide keine Ahnung, weshalb der Text geschwärzt war. Zum Glück gibt es Google und da der Mann wieder jüngere Kundschaft hatte, studierte ich an meinem kleinen Stand die Ansichtskarte, die ich ohne zu Handeln sofort gekauft habe. Tatsächlich stieß ich auf Hinweise über diese Synagoge, die am 17. Juli 1810 als Jacobstempel eingeweiht wurde. Das Besondere (lt Wikipedia): "Mehr als 40 Geistliche beider Religionen" ...waren bei der Einweihungsfeier dabei, christliche und jüdische Würdenträger. Nun, dieses friedliche und unanstößige Zusammenleben dauerte über 110 Jahre. Wie schön. Wir vergessen viel zu oft die Zeit, die so tolerant und freigiebig war. Die Wirtschaft florierte und wenn es irgendwo Wirtschaftskrisen gibt, ist ihre Ursache Intoleranz und Hass. Doch das ist ein anderes Thema. Liebe Grüße 10Parale [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Jacobstempel
10Parale Am: 11.05.2024 21:52:17 Gelesen: 10216 # 44
Jüdisches Leben gab es bereits im Mittalalter in Göppingen. Die jüdische Gemeinde in Göppingen wurde im Jahr 1867 gegründet. Nach Anfängen in kleineren Gebets- und Studienräumen wurde im Jahr 1880/81 eine neue Synagoge in der Freihofstraße errichtet. Von 1907 - 1937 war Aron Tänzer 30 Jahre lang Rabbiner der Gemeinde. Hier zeige ich eine seltene Ansichtskarte mit Blick auf die Freihofstraße und die dahinter gelegene Turnhalle. Ob die vielen Männer auf dem Bild jüdischen Glaubens waren, entzieht sich meiner Kenntnis, doch sie posieren stolz vor dem sakralen Gebäude. Freigemacht mit 5 Pfennig Germania lief die Postkarte im Jahr 1908. Heute erinnert eine Gedenktafel am Synagogenplatz an dieses Gotteshaus. Liebe Grüße 10Parale Stephan
bayern klassisch Am: 19.05.2024 08:56:12 Gelesen: 10062 # 45
Liebe Freunde, es gibt Briefe, die einen heute erfreuen, und die einen bereits schon damals erfreuten und sowohl als auch. Einen sowohl als auch-Brief kann ich heute zeigen aus Nürnberg vom 24.01.1873 mit 1 Kreuzer grün Nr. 22 als Ortsbrief an Johann Stephan Schmidt, noch dazu mit der sonderbaren Type eines Stempels, bei dem das Jahr fehlte, der aber nicht selten ist. Absender war Gustav Josephthal, Advokat in Nürnberg und immerhin Vorsitzender der jüdischen Gemeinde und der Nürnberger Anwaltskammer und Großvater des späteren israelischen Ministers Georg ("Giora") Josephthal [1]. Inhalt: "Euer Wohlgeboren! Das kgl. Stadtgericht Nürnberg hat Sie heute von der Ihnen zur Last gelegten Uebertretung freigesprochen. Potzler wurde in eine Geldstrafe von 3 Thlr (Thaler) verurteilt. Der kgl. Staatsanwalt hatte beantragt, Sie zu verurtheilen und den Potzler freizusprechen. Ob der Staatsanwalt appellirt weiß ich natürlich nicht. Hochachtungsvoll, Josephthal". Ob der Fall dann später beim Appellationsgericht Nürnberg landete, konnte ich leider nicht heraus finden. Immer wenn ich von jüdischen Rechtsanwälten in Nürnberg höre, oder lese, fällt mir sofort der gute Hans Sachs ein, der über Jahrzehnte im Rateteam der wundervollen Sendung "Was bin ich?" von Robert Lemke saß. Schaut man sich das heutige TV-Programm so an, wünscht man sich diese Zeit doch ganz schnell zurück. Liebe Grüsse von bayern klassisch [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Josephthal
10Parale Am: 02.10.2024 12:11:25 Gelesen: 9191 # 46
@ bayern klassisch [#45] Ein eindrucksvoller Beleg. Mein Vater hieß auch Johann, und ich habe noch nie die Kombination des Namens meines Vaters mit meinem Namen auf einer Anschrift gesehen. Der Beleg nach "DAHIER" (Ortsbrief) ist ja historisch ein tolles Zeugnis und passt sehr gut in diese Reihe. Schaut man sich das heutige TV-Programm so an, wünscht man sich diese Zeit doch ganz schnell zurück. Ich habe kaum eine Folge von Robert Lemkes "Was bin ich?" verpasst und die Gewinnsumme war ja bescheiden im Gegensatz zu den Summen, die heute bei Quizshows verteilt werden. An Hans Sachs erinnere ich mich auch noch sehr gerne. Bei dieser Sendung hatte ich immer das Gefühl, die Finanzwelt ist noch in Ordnung. Wer mit einem gelben "Schweindl" voll mit 5 Mark Stücken spekuliert, dürfte die Haftung auch sich selbst überlassen. Heute beginnen die Feierlichkeiten zum Neuen Jahr, Rosch haSehana 5785. Jeder Monat im Jüdischen Jahreszyklus beginnt mit dem Neumond. Früher, zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft, war der erste Monat derjenige, der heute der siebte Monat ist. Diese Änderung im Kalender geht auf den Bibelvers 2. Mose 12,2 zurück. Der Auszug aus Ägypten zur Zeit der Pharaonen gab den Anstoß für eine Kalenderänderung. Das klingt kompliziert ist aber ganz einfach. Auch in unserem bürgerlichen Kalender gibt es September (7. Monat), Oktober (8. Monat), November (9. Monat) und Dezember (10. Monat). Tatsächlich sind sie jedoch die Monate 9 - 12. Der 1. Tischri (3. Oktober) ist dann der eigentliche Neujahrstag. Ich wünsche den jüdischen Mitbürgern ein gutes Neues Jahr, Shana tova Ich zeige aus meiner Sammlung einen alten Neujahrsgruß aus Jerusalem. Zudem einen Ersttagsbrief zu der Zeit des israelisch-ägyptischen Friedensvertrages von 1979. Liebe Grüße 10Parale
bayern klassisch Am: 02.10.2024 12:20:07 Gelesen: 9188 # 47
@ 10Parale [#46] Sehr schön! Liebe Grüsse von bayern klassisch
10Parale Am: 07.12.2024 12:26:42 Gelesen: 8808 # 48
@ bayern klassisch [#47] vielen Dank. Über dem Portal der Synagoge in Efringen-Kirchen (Markgräflerland, Baden) stand dieser Spruch in hebräischer Sprache: "Dies ist das Tor zum Herrn da die Gerechten einziehen dürfen erbaut im Jahr 1831 nach der kleinen Zahl". Neben der Synagoge stand noch ein Schulhaus und die Wohnung des Religionslehrers. Während es im Jahr 1738 insgesamt 9 jüdische Mitbürger in der kleinen Gemeinde am Rhein gab, wuchs die Zahl beständig. Im gesamten Großherzogtum Baden wohnten im Jahr 1806 um die 12.000 Juden, was 1,33 % der badischen Bevölkerung ausmachte (damals weniger als 1.000.000). Nun hatte ich etwas Glück und mir fiel eine alte Ansichtskarte in die Hände, die das Gasthaus Rebstock in Efringen-Kirchen zeigt. Genau links über dem Giebel bzw. über dem Schild zur Gartenwirtschaft sieht man die Türme der alten Synagoge. Die Ansichtskarte ist in einem prächtigen Zustand. Die Postkarte ist auch in dem Buch "DIE JÜDISCHE GEMEINDE VON KIRCHEN 1736 - 1940) von AXEL HUETTER 3. Auflage 1993 auf Seite 43 abgebildet. Liebe Grüße 10Parale
10Parale Am: 02.01.2025 19:40:01 Gelesen: 8610 # 49
Nun schreiben wir das Jahr 2025 und das Festjahr 2021 ist schon 4 Jahre her. Ich fand eine Postkarte, die ich heute ein wenig vorstellen und ihre Geheimnisse lüften will. Sie zeigt das Winzer- und Bauerndorf Eichstetten am Kaiserstuhl, ganz in der Nähe von Freiburg im Breisgau. Ein bisschen Vorarbeit war nötig, doch dadurch, dass meine Mutter in Eichstetten aufwuchs, habe ich einen persönlichen Bezug zu dieser Karte. Meine Mutter wuchs direkt in einem Gebäude auf, dass neben dem "Gasthaus zum deutschen Kaiser" steht. Dort war die alte (Huf)-Schmiede des Dorfes. Heute heißt das Gasthaus "Ochsen" und bietet eine vorzügliche Speise- und Getränkekarte. Die evangelische Kirche zeugt seit Jahrhunderten von dem Einfluss des Markgraf von Baden, der 1556 zum evangelischen Glauben übertrat. Die streng nach Osten ausgerichtete Kirche zeugt vom gotischen Mittalter. Auf der Postkarte ist sie sehr schön zu sehen und wer sich heute Eichstetten von der Ferne nähert, dem fällt die Kirche sofort ins Auge. Im Hintergrund sehen wir die Dreisam, ein Fluß, der im Schwarzwald entspringt und in die Elz mündet. Der Name kommt aus dem Keltischen und bedeutet "Die sehr schnelle". Als ich ein Kind war, fand ich das Dorf so ähnlich vor wie auf dem Bild. Jedoch fehlte auch einiges und als kleines Kind war mir das gar nicht bewusst, weil kaum darüber gesprochen wurde. Links sehen wir die Gebäude der Papierwarenfabrik D.S.Epstein (Papiergroßhandlung). Sie beschäftigte in ihrer besten Zeit bis zu 150 Mitarbeiter*innen. Die Familie Epstein war jüdisch, die Besitzer waren Heinrich und Friedrich Epstein. Einige jüdische Familien waren im Viehhandel und teils als Wein- und Getreidehändler (Kurzwaren) oder auch als Lehrer im Bildungswesen beschäftigt. Jetzt wäre die ganze Postkarte für mich nicht so interessant, hätte sich auf der Totalansicht nicht auch ein weiteres Gebäude geoffenbart, dass ich ohne Vorarbeit nicht erkannt hätte. Das Gebäude, welches auf der Totalansicht halbschräg und sehr länglich vor der evangelischen Kirche dargestellt ist, ist tatsächlich die Synagoge in Eichstetten, die ich solange gesucht habe. Sie wurde wohl im Jahr 1829/30 erbaut. Es kamen einige jüdische Familien aus der Schweiz und dem Elsass nach Eichstetten, Namen sind schon im frühen 18. Jahrhundert bekannt. Ich habe noch einiges mehr erforscht zu diesem Thema und habe nun ein interessantes Alterswerk vor mir. Es würde zu weit gehen, weiter ins Detail zu gehen. Liebe Grüße 10Parale
10Parale Am: 25.01.2025 11:29:26 Gelesen: 8507 # 50
Zur Ansichtskarte in [#49] ist es mir jetzt nach Recherche gelungen, von der Papierwaren-Fabrik Epstein (im Bild links oben) eine Rechnung vom 5. April 1909 zu erwerben. Es geht um die Lieferung von Cellulose Nr. 541, also wahrscheinlich gehärtetes Filterpapier und Lederpapier. Die Dütenfabrik beschäftigte viele Arbeitnehmer. Erst gestern las ich in der Badischen Zeitung, dass Eichstetten zu den Orten in Südbaden gehört, die auch heute noch einen schuldenfreien Haushalt aufweisen können. Etwas in diesem Dorf scheint in Ordnung zu sein. Liebe Grüße 10Parale
10Parale Am: 24.06.2025 21:50:23 Gelesen: 6623 # 51
Dieses Streifband zu je 4 x 1 Ban wurde in Bukarest entwertet und lief nach Berlin. Auch wenn die Stempel zu wünschen übrig lassen, ist es für mich ein sehr schönes Stück, denn es ist an die "Allgemeine Zeitung des Judenthums" adressiert worden. Wenn die Schreibweise Judenthum mit h die gültige Schreibweise war, ist der Beleg vor dem Mai 1903 zu datieren, da die Zeitung von da ab ohne h titulierte (des Judentums). Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Zeitung_des_Judentums Liebe Grüße 10Parale
sentawau Am: 02.07.2025 21:08:38 Gelesen: 6424 # 52
Arisierung im Sudetenland Der Brief ist mit Briefmarken des Deutschen Reiches frankiert. Aber der Aufgabeort Gablonz an der Neisse gehörte erst seit einem Jahr zum Reich. Bis zum Einmarsch der Wehrmacht Hitlers im Oktober 1938 war der Ort wie auch das gesamte Sudetenland tschechisch. Mit einer Lupe kann man erkennen, das das Wort Czechoslovakie links unten beim Absender durchgestrichen ist. Aber nicht nur das Land ist gelöscht. Der ursprüngliche Firmeninhaber „Rudolf Löwy“ ist rot überstempelt mit „Ehrenfried Ludwig“. Der geänderte Name beweist, dass die Firma arisiert wurde. Auch der Name des Empfängers lässt jüdische Abstammung vermuten. Lit.: Buchveröffentlichungen von Heinz Wewer und Hanspeter Frech (s. Datenbank BDPh)
sentawau Am: 13.07.2025 18:56:08 Gelesen: 6230 # 53
Zwangsvorname Dieser Brief wurde am 29. Mai 1941 in Berlin-Charlottenburg als gewöhnlicher Luftpost-Auslandsbrief in die USA aufgegeben. Korrekt frankiert und kriegsbedingt wie alle Auslandsbriefe zensiert. Eigentlich nichts Besonderes, wäre da nicht der Name der Absenderin „Betty Sara Moser“! Sara und Israel waren Zwangsvornamen, die allen Juden seit 1935 durch die niederträchtigen Nürnberger Rassegesetze vorgeschrieben waren. Mitverfasser und Kommentator war der Ministerialbeamte Hans Maria Globke. Globke begann nach 1945 ein zweites Leben. Als intimer Vertrauter Konrad Adenauers und Chef des Bundeskanzleramtes baute er die westdeutschen Geheimdienste und weitere wichtige Behörden auf, wobei er auf viele Ehemalige zurückgreifen konnte. Dafür wurde er mit einer hohen Stufe des Bundesverdienstkreuzes geehrt. Proteste aus Israel wurden mit Geld unterdrückt. Immerhin erteilte ihm ein Schweizer Kanton keine Aufenthaltsgenehmigung, als er nach der Pensionierung dorthin übersiedeln wollte. (Quelle: Wikipedia)
sentawau Am: 13.07.2025 19:04:39 Gelesen: 6227 # 54
Emigrantenpost Bei diesem 1951 von Frankfurt nach New York geflogenen Brief lässt die Anschrift vermuten, dass der Empfänger ein emigrierter Jude ist. Dieser eingeschriebene Brief ohne Ankunftstempel wurde am 15.3.1951 von Frau Regina Grunberg von Sao Paulo/Brasilien nach Westberlin geflogen. Empfänger ist das Bezirksamt Charlottenburg Abt. Finanzen – Ausgleichsamt Berlin 19. Der Name der Absenderin ist sicherlich jüdisch (Grunberg/Grünberg). Es ist anzunehmen, dass es um eine Entschädigung ging, und man kann nur hoffen, dass der Antrag bewilligt wurde. Sicher ist das nicht, denn im Zuge der Renazifizierung der Bundesrepublik kehrten viele Beamte an ihre alten Arbeitsplätze zurück und schikanierten erneut Juden und Zigeuner.
10Parale Am: 14.07.2025 22:53:13 Gelesen: 6141 # 55
@ sentawau [#52] Das sind eindrückliche Belege einer unseligen Zeit. Ich bin 1961 geboren und der Schrecken des 2. Weltkrieges war oft ein Thema am Tisch meiner Großeltern und Eltern. Auch die Entnazifizierung in den Amtsstuben wurde hier und da angesprochen. Über die Arisierung ehemaliger Firmen in jüdischem Besitz habe ich auch schon viel gelesen. Ich habe noch das Sonderheft der JÜDISCHEN ALLGEMEINEN vom 6. ADAR 5781 (2021) vor mir liegen und zitiere mal aus dem Vorwort des noch jetzt amtierenden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier: ....- ich glaube, vielen Menschen ist gar nicht bewusst, wie tief das Judentum verwoben ist mit der Geschichte und Kultur unseres Landes, wie sehr es sie mitgeschrieben und mitgeprägt hat. Und ich hoffe, dass es in diesem Festjahr gelingt, mehr Bewusstsein dafür zu schaffen. Ich meine, wer kennt beispielsweise schon Arthur Eichengrün (1867 - 1949), der jüdische Erfinder und Chemiker aus Deutschland, der das Aspirin erfand? Seine Geschichte spiegelt all das wieder, was du uns in den Briefen darzustellen versuchst: Zwangsname ISRAEL, ARISIERUNG seiner FIRMA, INHAFTIERUNG etc. Die Jüdische Allgemeine ist eine Zeitung, die es schon sehr lange in Deutschland gibt. Hier zeige ich ein zweites Mal einen Beleg, der die Existenz der Zeitung belegt. Dieses Streifband zu je 4 x 1 Ban wurde in Bukarest entwertet und lief nach Berlin. Auch wenn die Stempel zu wünschen übrig lassen, ist es für mich ein sehr schönes Stück, denn es ist an die "Allgemeine Zeitung des Judenthums" adressiert worden. Wenn die Schreibweise Judenthum mit h die gültige Schreibweise war, ist der Beleg vor dem Mai 1903 zu datieren, da die Zeitung von da ab ohne h titulierte (des Judentums).
sentawau Am: 31.07.2025 17:23:14 Gelesen: 5729 # 56
@ sentawau [#53] Zwangsvorname Hier noch ein ganz ähnlicher Brief, abgestempelt am 5.5.1941 in Berlin- Schöneberg. Absender ist Julius Israel Hecht, Barbarossastr.36a, Berlin W 30.
10Parale Am: 08.08.2025 20:30:59 Gelesen: 5599 # 57
@ sentawau [#56] schöner Beitrag, danke. Heute zeige ich eine nicht gelaufene, aber mit einem Sonderstempel versehene Ansichtskarte vom Deutschen Museum in München. In der Beitragsreihe "Internationale Messen und Ausstellungen (ohne Philatelie)" zeigt uns merkuria in Beitrag #23 die selbe Ansichtskarte, echt gelaufen und zusätzlich frankiert. "Die von den Nationalsozialisten als Wanderausstellung konzipierte propagandistische Schau „Der ewige Jude“ fand vom 8. November 1937 bis 31. Januar 1938 in München statt." Der ewige Jude ist in der Literatur auch als AHASVER bekannt. Stefan Heym (* 10. April 1913 in Chemnitz als Helmut Flieg; † 16. Dezember 2001 in En Bokek, Israel), der deutsche Schriftsteller, hat einen wunderschönen Roman mit dem Titel AHASVER geschrieben. Die Ursprungslegenden zu dieser Figur finden sich im NEUEN TESTAMENT. Es würde den Rahmen dieses philatelistischen Forums sprengen, hier näher darauf einzugehen. Es sind jüdische Figuren rund um die Kreuzigung Christi, die verurteilt sind, unsterblich auf der Erde zu wandeln, bis der Messias wiederkommt. Die Figur des "Ewigen Juden" findet sich auch in Frankreich "le juif errant": "Isaac Laquedem", Italien "Buttadeus", Großbritannien "Wandering Jew" u.v.m.. Die Legende, die im 13. Jahrhundert belegbar entstand und sich mit der Erfindung des Buchdrucks in unzähligen Volkskalendern niederschlug, hat sich über die Jahrhunderte und Jahrtausende am Leben erhalten. Fakt ist, dass es solch eine Figur im ALTEN TESTAMENT nicht gibt und auch im NEUEN TESTAMENT nicht erwähnt wird. Der Name könnte auf König Ataxerxes I. zurückgehen, der in der Bibel unter dem Namen "Achaschwerosch" (bekannt aus dem Buch ESTHER) auftaucht. Es gibt noch andere Könige mit ähnlichem Namen, so das der Ursprung der Namensgebung nicht gesichert ist. Nicht nur Stephan Heym, auch schon Johann Wolfgang von Goethe und Heinrich Heine, Friedrich Schiller und andere Schriftsteller beschäftigten sich mit dem Thema. Das Thema ist hochinteressant und wurde leider von den Nationalsozialisten für antisemitische Zwecke missbraucht. Liebe Grüße 10Parale
10Parale Am: 11.08.2025 22:21:11 Gelesen: 5548 # 58
Diesen Brief fand ich bei einem österreichischen Anbieter allerlei äußerst preiswerter Belegen. Der Anbieter pries den Brief zum Ausruf von 1,-- Euro mit: "VORFAHR WAR GELDWECHSLER IN MAINZ". Da mein Vater im wahrsten Sinne des Worte 25 Jahre seines Lebens Geld wechselte, als es noch viele verschiedene Währungen in Europa (und auf der Welt) gab, musste ich diesen so angepriesenen Brief unbedingt kaufen. Absender ist ISAAC FULDA, MAINZ(1). Tatsächlich wurde 1842 ein BANKHAUS FULDA in Mainz gegründet. Isaac Fulda wurde 1892 Teilhaber dieses Bankhauses, seine Vorfahren waren im frühen 18. Jahrhundert tatsächlich Geldwechsler, ein Beruf, der um das Judentum herum typisiert wurde. Unter (1) kann jeder lesen, wie es weiterging. Ein Stolperstein in Mainz erinnert an die Gründerpersönlichkeit. Der Brief mit 10 Pfennig Germania (Nr. 71) freigemacht lief an die heute noch existente Firma (damals Papierhandlung) Karl Queiser in Amstetten in Württemberg. Der rückseitige Vermerk "Anschrift Amstetten Württemberg unbekannt" kann ich nicht wirklich deuten. Fakt ist, dass es 2 AK-Stempel von Amstetten gibt und hier eine Erklärung von Nöten ist. (1)https://de.wikipedia.org/wiki/Isaac_Fulda Liebe Grüße 10Parale
10Parale Am: 21.08.2025 22:42:33 Gelesen: 5388 # 59
Wenn von Judentum in Deutschland seit nun mehr als 1700 Jahren die Rede ist, muss man die deutschen Grenzen so ziehen, wie die Epochen sie gezogen haben. Wir sehen, dass auch heute noch Grenzen gezogen werden und unerbittliche Kriege herrschen um Land und Leute. Ich erinnere nur ein Mal an die Begrifflichkeit "Heiliges Römisches Reich deutscher Nation", welches sich Ende des 15. Jahrhunderts Anfang 16. Jahrhunderts etablierte. Darüber werde ich später einmal berichten. Die heutige Postkarte lief um die Jahre 1923/24 herum von TARNOW (Polen), - freigemacht mit 330.000 M -, nach Breslau in Deutschland. Empfänger dürfte die jüdische Familie Landau sein. Der Text ist in hebräischer und jiddischer Sprache verfasst und schwer zu übersetzen. Diese tausend Jahre alte Sprache JIDDISCH wird und wurde in weiten Teilen Europas von aschkenasischen Juden geschrieben und gesprochen. Die Komponenten der Sprache sind vielfältig, die Hauptkomponente ist westgermanisch, es gibt aber auch aramäische und slawische u.v.m. Komponenten. Das in Polen gesprochene JIDDISCH wurde als das ZENTRALJIDDISCHE bezeichnet.
Red kein Stuss.
Was für ein Schlammassel 
 

Hier haben wir es oft unbewusst mit jiddischem Sprachgut zu tun. Ich hoffe in Kürze Hilfe bei der Übersetzung des Textes finden zu können. Michel Nr. 185 (3), Michel Nr. 197 (1), schönes Bogenrandstück. Liebe Grüße 10Parale

10Parale Am: 04.11.2025 19:07:39 Gelesen: 4548 # 60
Leon Pinsker (1821 - 1891) wurde im Königreich Polen in Tomaszów Lubelski geboren. Er war Arzt, Journalist und gilt als ein Wegbereiter des Zionismus. Im Kaiserreich Russland gab es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts blutige Pogrome, die viele Juden zum Auswandern in die USA und nach Westeuropa veranlassten und Pinsker gelang es, die Rolle der Juden in der Diaspora trefflich zu analysieren. Sein Buch "Autoemancipation", das 1882 erschien, ist der Ausdruck der Überlegungen, wie es einem heimatlosen Volk erging ("Heimatlosigkeit als Ursache allen Übels"). Auch im Berliner Scheunenviertel sammelten sich viele Juden aus Osteuropa. Den bereits gut assimilierten Juden der prosperierenden Stadt Berlin begegneten arme Juden auf der Flucht. Leon Pinsker lehnte diese Assimilation entschieden ab. Pinsker schlug für die Judenfrage eine Lösung mittels nationaler Selbstbestimmung vor. Wo, war Pinsker nicht so wichtig, ob in der asiatischen Türkei, in Nordamerika oder Palästina. Entscheidend war für ihn die Tat. So hat sein Wirken auch in Deutschland Spuren hinterlassen. Man kann das alles nachlesen und ich will es dabei bleiben lassen. Interessant finde ich seinen Begriff der "Judäophobie", eine Art Psychose der Menschheit, eine Ablehnungshaltung gegenüber allem Jüdischen. Im Rahmen meines Studiums einer oft im Mittelalter gebräuchlichen jüdischen Romanfigur bin ich auch auf diesen jüdischen Arzt gestoßen, der 1891 in Odessa starb. Ich zeige das FDC Bale Nr. 884 vom 03.7.84 mit einem Porträt des Arztes. Liebe Grüße 10Parale
10Parale Am: 15.12.2025 20:59:19 Gelesen: 3752 # 61
Brigitte hat in Beitrag #803 am 20.10.25 unter der Rubrik Neuheiten aus Deutschland das Leben von Margot Friedländer (1921 - 2025) treffend beschrieben und das Sonderpostwertzeichen beschrieben, welches ihr gewidmet wurde. 103 Jahre sind nun wirklich ein biblisches Alter und was hat sie alles mitgemacht. Nun hatte ich heute ein schönes Erlebnis und möchte auch mal die Post und deren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen loben. Ich fragte nach einem 10-er Bogen der Sondermarke und die freundliche Angestellte des DHL-Shops hatte ihn auch sofort griffbereit zur Hand. Dann ergab sich noch ein kleines Gespräch, weil sie mir anschließend den Bogen mit der Briefmarke von "Hildegard Knef" verkaufen wollte (sie kennt mich als guten Kunden). Nun mag ich zwar auch Hildegard Knef, aber ich blieb aus mir bekannten Gründen bei meiner Wahl. Die freundliche Verkäuferin erzählte mir, dass sie kürzlich eine Dokumentation über Margot Friedländer im Fernsehen gesehen habe und das wäre höchst interessant gewesen. Der Kleinbogen wäre der Renner an ihrem Schalter und sie musste schon einige Male nachbestellen. Da bin ich glatt froh, dass ich noch einen bekommen habe, erwiderte ich erstaunt und irgendwie hocherfreut. Wie Brigitte erläutert, konnte Margot Friedländer ihre Lehre als Schneiderin wegen ihrer jüdischen Abstammung nie beenden. So hat eine Ausgabe der Modezeitschrift VOGUE in einer Ausgabe von 2024 Margot Friedländer doch noch einen kleinen Kindheitstraum erfüllt und sie in einem roten Designerkleid abgebildet. Irgendwie ähneln sich manche Geschichten, auch wenn sie unter ganz anderen Bedingungen gelebt werden müssen. Meine Mutter wollte Klavierunterricht nehmen, war sehr musikalisch (später leitete sie einen Frauenchor), doch ihr Pflegevater verbot es ihr, er war ein Anhänger der Nazis und anstatt Klavierunterricht in Freiburg im Breisgau musste sie als junges Mädel hart auf dem Acker schuften. Sie hat aber auch ein hohes Alter erreicht und konnte nach ihrer Heirat sich auch manche Stunde der Musik widmen und eines Tages schenkte mein Vater ihr ein Klavier. Hier der Kleinbogen, der reißend Absatz findet. 10Parale
10Parale Am: 31.01.2026 10:27:14 Gelesen: 3146 # 62
@ forum, Der DEUTSCH-ISRAELITISCHE GEMEINDEBUND wurde 1869 gegründet und ist eine Vorläuferorganisation des Zentralrats der Juden in Deutschland. Auf dieser seltenen Ansichtskarte ist das Emblem der Siegelmarke zu sehen. Gelaufen ist die Karte in der anbrechenden Inflationszeit am 28.6.23 von Hannover nach Würzburg Talberg. Interessant ist auch das Motiv auf der Bildseite. Es ist eine Zeichnung des bekannten deutschen Künstlers LESSER URY* (1861 geboren in Birnbaum, Provinz Posen - 1931 gest. in Berlin). Es zeigt ein Motiv des Propheten JEREMIAS. Die genaue Bibelstelle konnte ich nicht ausfindig machen. Doch sehen wir verschiedene jüdische Gestalten, auffallend die Barfüßigkeit der meisten Personen, die mit dem Rücken gekehrt und im Seitenprofil dem Betrachter zugewandt sind. Nur ein Mann am linken Bildrand schaut dem Betrachter direkt ins Gesicht. Ich bin sehr froh diese schöne Karte erworben zu haben, auch wenn sich der Text (Sütterlin-Schrift) mir nicht eröffnet. * https://de.wikipedia.org/wiki/Lesser_Ury Liebe Grüße 10Parale
10Parale Am: 15.04.2026 22:34:22 Gelesen: 1983 # 63
Sehr froh bin ich über dieses alte Streifband, welches am 01. April 1913 von Rabbiner J.BERGER in Bukarest an Rabbiner P. Rieger in Hamburg gesendet wurde https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Rieger_(Rabbiner). Ein Rabbiner ist ein Lehrer der Tora. Die semitische Wurzel (RAW) des Wortes bedeuten in deutsch auch "groß sein", "viel sein". Auch in meiner Stadt gibt es heutzutage wieder ein Rabbiner und ich bin sehr froh, dass das jüdische Leben wieder Fahrt aufgenommen hat. Für Streifbandspezialisten, dieses Streifband verfügt über dicke Linien zwischen den Gliedern. Liebe Grüße 10Parale Stephan
Detlev0405 Am: 16.04.2026 13:30:54 Gelesen: 1955 # 64
@ sentawau [#52] In Tschechien gibt es ein sehr interessantes Archiv online, wo man nachsehen kann, was mit jüdischen Mitbürgern geschehen ist. https://www.holocaust.cz/databaze-obeti/obet/107555-rudolf-l-wy/ So auch zu Rudolf Löwy. Gruß Detlev