Briefmarken Atteste

Thema:

Luftpost Lufthansa / Aeroflot vom 20. Januar 1940 bis Juni 1941

Excelsior Am: 15.10.2020 12:28:38 Gelesen: 1315 # 1
Gibt es hierzu auch Sammler ?
sentawau Am: 05.10.2025 16:57:22 Gelesen: 506 # 2
Zu diesem widernatürlichen Bündnis kann ich tatsächlich beförderte Briefe beisteuern. Die Flugverbindung Berlin – Moskau war Teil des skandalösen Hitler-Stalin-Paktes, der 1945 den Siegermächten in Nürnberg so peinlich war, dass seine Existenz gegen besseres Wissen bestritten wurde. In dem Pakt sicherten sich zwei Diktatoren gegen die Westmächte ab und teilten die Staaten Osteuropas unter sich auf. Herr Putin scheint sich gegenwärtig wieder daran zu erinnern und er könnte sogar einen Partner finden! Einzelheiten zum Hitler-Stalin-Pakt bitte ich unbedingt in dem vorzüglichen Artikel der Wikipedia nachzulesen. Nun zu meinen Briefen. Absender des ersten Briefes war der Briefmarkenhändler Karl Hennig a zum Hamburg, der sich auf die Produktion von Belegen, besonders bei politisch relevanten Anlässen, spezialisiert hatte. Sinnigerweise frankierte er mit überdruckten Danzigmarken. Danzig gehörte ja zu Hitlers Beute. Die erforderliche Postgebühr betrug 35 Pfennig. Der Brief ist also mit 68 Pfennig hoffnungslos über frankiert. Da Hennig als zuverlässiger Nazi bekannt war, hielt man regelwidrig die vorgeschriebene Zensur für überflüssig. Der sonst meist unsauber abgeschlagene Moskauer Ankunftsstempel ist hier piekfein abgeschlagen – vielleicht schon in Berlin (Rückseite nicht abgebildet). Solche Briefe kann man eigentlich nur kommentiert als abschreckendes Beispiel sammeln. Von diesem Erstflug besitze ich einen weiteren Umschlag, der mir allerdings Rätsel aufgibt. Ich hoffe, dass jemand mit Russischkenntnissen mir helfen kann. Abgangs- und Ankunftsstempel zufolge ist der etwas ramponierte Brief tatsächlich mit dem Erstflug befördert worden. Das Porto 35 Pfennig stimmt. Auch er trägt u. a. Briefmarken mit Bezug auf Danzig und die Angliederung Österreichs. Im Gegensatz zu Hennigs Sammlerbrief unterlag er der deutschen und vermutlich auch der russischen Zensur. Das weist ihn als Bedarfsbrief aus. Aber warum sind alle Marken durch Abschneiden einer kleinen Ecke mutwillig beschädigt? Als „Tatort“ halte ich eher Moskau als Deutschland für wahrscheinlich. In Moskau wurde der Brief umadressiert. Außerdem trägt er auf der Vorderseite einen vierzeiligen kyrillischen Zusatz von Hand, den ich mangels Sprachkenntnis nicht verstehe. Die neue Fluglinie wurde in zwei Etappen geflogen. Die erste wurde von der Lufthansa bedient und reichte bis Königsberg. Dort übernachteten die Passagiere und flogen am nächsten Tag mit Aeroflot bis Moskau. Sie eröffnete die Möglichkeit, in Konkurrenz zur italienischen LATI sozusagen hinter dem Rücken der Briten Post nach Nord- und sogar Südamerika zu fliegen. Ich kenne solche Briefe, besitze aber noch keinen. Außerdem hatte die Verbindung nach Moskau Anschluss nach Teheran. Der Iran war von Deutschland sonst nur über britisch beeinflusstes Gebiet zu erreichen. An dieser Verbindung war die deutsche Kriegswirtschaft sehr interessiert. Ich besitze drei Briefe in den Iran (zwei bilde ich ab). Deutsche Banken sind bei allen die Absender.