@ Fips002 [#57]
Zu dem vorstehenden Beitrag möchte ich noch einige Ergänzungen vornehmen und die drei Begriffe "FRAM", "EUBEX" und "AREA" im dort gezeigten Oval-Cachet erläutern:
Die Driftstationen der USA dienten vorgeblich zivil-wissenschaftlichen Zwecken, z.B. um das Driftverhalten durch die Meeresströmungen zu erforschen. In Wirklichkeit bestand der Hauptgrund darin, militärische Forschungen zu betreiben, z.B. die Entwicklung von Unterwassertelefonie oder das Aufspüren von Motorengeräuschen feindlicher U-Boote, die in der Lage waren, unter dem Eis des Nordpolargebietes hindurch zu tauchen. Oft waren US-amerikanische U-Boote in diese Forschungen mit eingebunden, deren Motorengeräusche von den Driftstationen lokalisiert werden sollten. Dies alles vor dem Hintergrund des Kalten Krieges zu der Zeit. Eine Luftüberwachungs-Radarkette von den Aleuten in Westalaska über Nordkanada bis nach Ostgrönland bzw. nach Neufundland war bereits installiert (DEW-Line/ Distant Early Warning- System). Schwachpunkt waren potentielle Angriffe durch U-Boote aus dem Nordpolarmeer. Kanada ist hier genauso betroffen wie die USA, weshalb viele Experimente gemeinsam stattfanden. Das US-Verteidigungsministerium hat, was die US-amerikanische Seite betraf, Forschungsaufträge an hauptsächlich zwei Institutionen verteilt:
1.)
Washington University: Zuständig für die Planung (Planungsleiter: Andreas „Andy“ Heiberg) und für die Unterwasserakustikforschungen in einem zugewiesenen Frequenzbereich, der für das Militär nicht (mehr) so interessant war. Die 1981 betriebene Eisschollen-Station wurde FRAM III genannt, nach Nansens Forschungsschiff
FRAM, das 1893-1896 versuchte mittels der Eisdrift den Nordpol zu erreichen.
2.)
Polar Research Lab Inc./ Santa Barbara/ Kalifornien: Zuständig für die militärisch wichtigeren Frequenzbereiche unter Wasser. Über eine Tochterfirma , die ein speziell umgebautes DC-3-Flugzeug mit drei statt zwei Motoren besaß, wurde zudem die Logistik durchgeführt: Landungen auf den Eisschollen, Material- und Personentransport. Federführend waren hier Beaumont Buck und sein Sohn Manor Buck. Die Forschungsreihe nannte man: Arctic Research in Environmental Acoustics
(AREA), womit der dritte Begriff im Cachet aus dem vorherigen Beitrag erklärt ist.
Zusätzlich war aus gemeinsamen Interessen auch Kanada an den Forschungen finanziell und personell beteiligt. Die kanadische Seite nannte ihr Projekt: Eurasian Basin Experiment
(EUBEX), womit auch der zweite (mittlere) Begriff im Stempel geklärt ist.
Interressant ist noch ein Stempel, der von Andy Heiberg privat in nur äußerst seltenen Fällen auf Postbelegen von Driftstationen verwendet wurde, unter anderem auch 1981 auf FRAM III.

Er ist politisch brisant, da die US-Regierung zu der damaligen Zeit die Problematik „Klimaerwärmung“ und das „Abschmelzen der Polkappen“ heruntergespielt hat. Ich denke, dass der übergroß dargestellte Forscher mit der oberlehrerhaften Pose und der Aussage „Die Polkappe schmilzt
nicht!“ die übermächtige US-Politik mit ihrer Meinung darstellen soll. Der viel zu klein dargestellte Eisbär antwortet verschämt mit der Gegenfrage „Bist Du sicher?“ Damit repräsentiert der Eisbär die (richtige) Meinung der Forschung. Für eine Institution wie die Uni Washington mit staatlichen Fördergeldern wäre ein offizielles Cachet mit dieser ironisch-politischen Aussage gegen die vorherrschende damalige Politik schon etwas gewagt.