Thema:
Der Krimkrieg 1853 - 1856
Auf den ersten Blick erkennen wir: es ist ein gesiegelter Falt-Brief mit einem "FELDPOST" Stempel an einen Ort in Ungarn. Abgangsort und Verwendungsjahr sind nicht erkennbar. Naja. Das ist noch nicht besonders aufregend.
Beim Studium des Briefes entdecken wir aber noch viel, viel mehr...
1.) Im Text innen erkennen wir Abgang und Zeit: "Jassy am 2 februar 1855" und sind plötzlich hellwach.
2.) Wir prüfen den Stempel und erkennen erfreut: Es gibt tatsächlich einen Stempel "Feldpost No. 2" von Jassy, Rumänien. Siehe: Tchilinghirian fig. 756
oder Edwin Müller, Nr. 3443 a
oder Norbert Blistyar, Seite 109, Jassy, R 1
oder Gertlieb Gmach, Band I, Seite 202: Stempel "Jas7FP"
... und wir erkennen, dass der Brief während dem Krimkrieg verschickt wurde! Und zwar mit der österreichischen Feldpost vom Gebiet des damaligen Fürstentums Moldau!
3.) Auf der Rückseite sehen wir noch zwei Stempel:
"WIEN 13/2" und "NAGY-K.. 15/2"
Betrachten wir die Adresse genauer: Wir lesen: "Grosskanischa in Ungarn" und erkennen also hinten den Ankunftsstempel "NAGY KANISA", denn Grosskanischa ist die deutsche Schreibweise von "Nagykanizsa" oder eben Kanisa. Andere Schreibweise auch Canischa; ein militärhistorisch wichtiger Ort während den Türkenkriegen des 17. Jahrhunderts!
4.) Auch der Absender deutet auf die Feldpostverwendung, denn wir lesen schön: "Carl Ludwig 7. Uhlanen Regiment". Ich kopiere aus Wikipedia: "Als Ulanen, auch Uhlanen, poln. Ułani, bezeichnet man eine mit Lanzen bewaffnete Gattung der Kavallerie".
5.) Auch die Notiz links unten hat ihre Bedeutung. Sie heisst nicht etwa Ese otto, sondern "Ex offo", das ist die Abkürzung von "ex officio" und heisst "von Amtes wegen". Es war ein Dienstbrief, der von der Feldpost portofrei, ohne Frankatur, zu befördern war.
6.) Auch das Wachssiegel ist schön. Und zudem
7.) der Brief wurde gerastelt.
Für mich ein wunderbarer Brief! Er erzählt uns Geschichte.
Heinz
Coldstream Guards - England 7. Uhlanen Regiment - Österreich Carl Ludwig Colonel Charles Cocks
Große Verantwortung für den Krimkrieg trug Zar Nikolaus I. (1796 - 1855), Sohn von Zar Paul I. und Maria Fjodorowna (geborene Prinzessin Dorothee von Württemberg). Mit 29 Jahren folgte er 1825 seinem Bruder Konstantin auf den russischen Zarenthron.
Er war ein Kind der napoleonischen Kriege und seit Kindestagen an faszinierte in das Soldatenspiel, vor allem die Artillerie. Der Geschichte nach soll er sein Leben lang auf einem Feldbett geschlafen haben. Er war ein autoritärer Herrscher mit religiösen Visionen. Er sah Russland in der Rolle als Beschützer des Christentums im Orient, von Konstantinopel bis Jerusalem. Vor allem ein starkes, christlich geprägtes Griechenland lag im am Herzen. Was für Zarin Katharina der Großen noch pragmatische Politik war, nämlich einen Zugang zu den Häfen des Schwarzen Meeres aus wirtschaftlichen Interessen, stellte sich für Nikolaus I. als ein Kreuzzug gegen das osmanische Reich dar.
Dieser Zar wird sehr gut auf dem russischen Block 113 (Auflage: 120.000 Stück) dargestellt. Es wäre auch ungerecht, seine lange Regierungszeit auf den Krimkrieg zu beschränken, dessen Ende er ja nicht mehr erlebte. Am 18. Februar 1855 (julianischer Kalender) starb er an einer Lungenentzündung.
Zar Nikolaus I. entstammte der Romanow-Dynastie, die mit Fjodor Romanow 1584 ihren zaristischen Ursprung hatte.
Liebe Grüße
10Parale
Die Abbildung ist einer Zeichnung von William Simpson nachempfunden und zeigt die "Eisenbahn", die von Balaklava nach Sewastopol führt.
Zuerst im Pferdebetrieb und mit Seilwinden genutzt, später dann wurden aus England 5 sehr unterschiedliche Lokomotiven geliefert.
Aber die Eisenbahnstrecke überstand den Winter nicht gut, musste neu errichtet werden und wurde zum Kriegsende sowieso überflüssig.
Da alles in Breitspur ausgeführt war, konnte der Großteil des Materials nach Argentinien verkauft werden.
MfG >Franz<
Dieser Faltbrief wurde am 31.12.1854 in Bukarest geschrieben. Er wurde mit dem österreichischen Feldpoststempel (von Bukarest) am 4. Januar (1855) auf die Reise geschickt. Destination war Schio, im Veneto.
Nach neuem Routenplaner (Via Michelin) würde die kürzeste Distanz (heute) 1476 Kilometer betragen, falls die Route via Craiova, Belgrad, Zagreb, Ljubljana, Venezia, Padova gewählt würde. Tatsächlich trägt unser Brief aber Stempel folgender Orte:
"Wien 13/1"
"Laibach (Datum unleserlich)" (=Ljubljana)
"Schio 16/1"
Das heisst, die Reise war noch einige Kilometer länger und dauerte offenbar 12 Tage.
Absender des "ex offo"-Briefes (siehe Erläuterung in Beitrag 2) war ein Infanterie-Regiment. Der gezeigte Militärstempel gehörte eindeutig zu Bukarest (fig. 712 Tchilinghirian/Stephen 1966: "Austrian Post Offices Abroad").
Freundliche Grüsse
Heinz

Anfangs 1856 tobte der Krimkrieg. Österreich stand mit grossen Truppenverbänden an den Grenzen, griff jedoch nicht aktiv ins Kriegsgeschehen ein. In den Fürstentümern Moldau & Walachei hatten sie einige Feldpost-Büros errichtet.
Einige Wochen nach Kriegsende wurde von Krajova ein Brief nach Pest gesandt, freigemacht mit 15 Kreuzern (Michel Nr. 4 M III, 5 M III). Gestempelt ist der Brief schön und klar mit dem Stempel "K. K. ÖST. F.P. KRAJOVA; 10/6" (Edwin Müller 3444a, Tchilinghirian fig. 735, Blistyar Seite 93, R 2, Gmach 2014, Seite 291, Kra1FP). Das Feldpostamt durfte auch zivile Post befördern, die frankaturpflichtig war.
Der Laufweg des Briefes ist sehr schön nachzulesen in den Stempeln:
10.6. Abgang Krajova
11.6. Ankunft Alt-Orsova. Dort wurde der Brief desinfiziert (gerastelt)
13.6. Durchgang Temesvar
15.6. Ankunft Pest
Der Stempel "gereiniget b.k.k. Rastelamte ALT-ORSOVA; 11/6 1856" ist bei Sammlern sehr beliebt und war auch auf dem Beleg des Loses 4887 Corinphila abgeschlagen. Im ersten Buch von Gmach ist er auf Seite 148 abgebildet.
Grüsse
Heinz
Das österreichische Militär hatte während der Jahre des Krimkrieges Feldpostämter in den Fürstentümern Moldau und Walachei errichtet. Einige der Stempel aus dieser Zeit sind ziemlich selten.
Auf diesem Formular der österreichischen Post wurden nun zwei 6-Kreuzer Briefmarken angebracht und sie erhielten den seltenen Stempel "K.K.F.POST 11." von Roman. Die Seltenheit dieses Stempels wird erwähnt bei Tchilinghirian (fig. 771), bei Blistyar (Seite 124) und bei Gmach (Band I, 2014, Seite 314) "Rom1FP".
Dass die zwei Briefmarken halbiert sind, sollte uns nicht stören, denn diese Verwendung war von der Post so vorgesehen! Birnbach & Birnbach haben dies schon früh beschrieben!
Heinz